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Standortcluster von Technologiebranchen in Malaysia: Penang und Multimedia Super Corridor

Seminararbeit 2010 31 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2 Clusterkonzept
2.1 Der Porter‘sche Diamant
2.2 Regionale Cluster
2.2.1 Handelsbeziehungen
2.2.2 Wissensflüsse und Wissensbasis
2.2.3 Innovationsnetzwerke und Innovationssysteme
2.2.4 Regionale Effekte von Clustern
2.3 Zwischenfazit

3 Einordnung der theoretischen Konzepte in einen landesspezifischen Kontext

4 Technologieregionen Malaysias
4.1 Industrielle Entwicklung und Politik Malaysia mit besonderem Augenmerk auf die Region Penang als Standort der E&EIndustrie
4.1.1 Abhängigkeit der Clusterentwicklung in Penang von MNUs
4.1.2 Quantitative Messung der Leistungs und Innovations fähigkeit des Clusters in Penang
4.1.3 Politische Handlungsfelder in Penang

5 Multimedia Super Corridor Politische Instrument für den gesellschaftlichen Wandel?

6 Fazit

7 Literatur

1 Einleitung

Um sich den Technologieclustern in Malaysia zu nähern stellt diese Arbeit zunächst einmal den Clusterbegriff, dessen Entwicklung und dessen Anwendung auf Schwellenländer vor. Anschließend werden die Cluster in Penang bzw. der Multimedia Super Corridor (MSC) unter den zuvor vermittelten Gesichtspunkten der Clustertheorie beschrieben. Bei dem Fallbeispiel aus Penang wird besonders die Rolle der multinationalen Unternehmen hervorgehoben und es wird versucht, eine qualitative und quantitative Bewertung der Leistungsfähigkeit des Clusters abzugeben. Letzteres wird ebenso für den MSC versucht, zusätzlich wird hier die Intention des Gesellschaftlichen Wandels in der Politik beleuchtet. Außerdem versucht diese Arbeit aufzuzeigen, wo die politische Clusterförderung in Malaysia an ihrer Grenzen stößt.

2 Clusterkonzept

Dieses Kapitel erklärt das theoretische Konzept des Cluster, kann jedoch gleichwohl keine allgemeingültige Definition für „Das Cluster“ liefern. Denn das heute weit verbreitete Clusterkonzept geht auf die Werke des Wissenschaftlers Porter aus dem Jahr 1990 zurück. Ausgehend von Porters Überlegungen, welche im Folgenden näher betrachtet werden, hat sich der Clusterbegriff bis heute kontinuierlich und zum Teil in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt und wurde neu interpretiert, modifiziert und erweitert. Dieses Kapitel soll des Weiteren, auch mit Blick auf die eigentliche Fragestellung nach speziellen regionalen Standortclustern in Malaysia, die Anpassung des Clusterkonzeptes auf die Gegebenheiten in Schwellenländern erläutern.

2.1 Der Porter‘sche Diamant

Grundlagen des Porter’schen Verständnises für ein (industrielles) Cluster sind seine Überlegungen zur Erklärung unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeiten von Ländern. Aus der Frage, warum sich die Unternehmen eines Landes in einer Branche besonders gegen Mitbewerber aus anderen Ländern behaupten können, entwickelt Porter nach einem Ländervergleich vier grundlegende Eigenschaften eines Landes, welche den Erfolg von Unternehmen in einem Land determinieren (vgl. Porter 1990:71 & Porter 1999:29). Diese Eigenschaften sind im Einzelnen:

(1) Faktorbedingungen. Diese umfassen die qualitative und quantitative Ausstattung eines Landes mit Produktionsfaktoren. Nach Porter reicht das bloße Vorhandensein von Produktionsfaktoren in einem Land nicht aus, um wettbewerbsfähig zu sein. Der produktive Einsatz, die Fortschrittlichkeit und die Spezialisierung der Produktionsfaktoren spielen eine bedeutendere Rolle.
(2) Nachfragebedingungen. Nach Porter sind die Nachfragebedingungen ebenfalls von hoher Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branchen, da sie Investitionen und Innovationen lenken. Auch die Nachfragebedingungen werden qualitativ und quantitativ bewertet. Auch hier spielt, wie bei den Faktorbedingungen, der qualitative Aspekt, nämlich die Dynamik und die Zusammensetzung der Nachfrage die wichtigere Rolle. Grundsätzlich sieht Porter jedoch die Inlandsnachfrage als bedeutenden Nachfragefaktor an. Die Auslandsnachfrage spielt eine nachgeordnete Rolle.
(3) Verwandte und unterstützende Branchen. Deren Vorhandensein schafft Kosten-, Koordinations- und Verflechtungsvorteile welche zur bessern Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Konkret bedeutet dies, ein Vorhandensein von bereits wettbewerbsfähigen Zulieferindustrien oder verwandter Branchen können durch enge Beziehungen Innovationsprozesse hervorbringen und zu gegenseitigen Vorteilen führen.
(4) Unternehmensstrategien und Inlandswettbewerb. Ein starker Inlandwettbewerb übt einen positiven Druck auf die Unternehmen aus, welcher zu einer ständigen Weiterentwicklung, zu Innovationsprozessen und zu Bemühungen um weitere Markterschließungen führt.

Neben den vier wichtigen genannten Eigenschaften, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Branche determinieren, zeigt Porter noch zwei weitere Einflussfaktoren, die von ihm als weniger wichtig bewertet werden, auf: Zum einen das Handeln des Staats in Form von Subventions-, Bildungs-, Forschungs-, Technologie- und Infrastrukturpolitik und zum anderen Zufälle wie bspw. Kriege oder Naturkatastrophen (vgl. Bathelt/Glückner 2002:150 & Bathelt/Glückner 2003:148ff. & Porter 1990:73, 124ff.).

Im Porter’schen Diamanten stehen sich die vier oben genannten wichtigen Eigenschaften eines Landes in einem wechselseitigen Zusammenwirken gegenüber. Die Wirkung des einzelnen Faktors hängt somit auch vom Zustand der jeweils anderen Faktoren ab. Es kommt zu einem buchstäblichen Verwischen in den Ursache-Wirkungsbeziehungen, die der Porter’sche Diamant als nationales Unternehmensumfeld abbildet, also jenes System, in dem Unternehmen eines Landes entstehen, sich weiterentwickeln und miteinander konkurrieren. In diesem Geflecht wirken sich das Handeln des Staates und der Zufall ebenfalls auf alle vorhandenen Eigenschaften des Systems aus (vgl. Abb.1).

Für die Wettbewerbsfähigkeit von Branchen bedeutet dies, dass Branchen in Ländern mit besserem Unternehmensumfeld (wie im Porter’schen Diamanten abgebildet) bessere Wettbewerbschancen haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Der Porter‘sche Diamant. Quelle: Clusterland Oberösterreich GmbH (Hrsg.) 2010.

Diese, von Porter entwickelte, ursprüngliche Sichtweise fokussiert nationale (Industrie-) Cluster, in denen die Bedingungen des „nationalen Diamanten“ zu einem nationalen Wettbewerbsvorteil führen. Porter bemerkte jedoch auch bereits, dass die oben genannten vier entscheidenden Faktoren und ihre wechselseitigen Beziehungen durch räumliche Nähe begünstigt werden. Räumliche Nähe der Unternehmen einer Branche begünstigt den positiven Wettbewerb und den Informationsaustausch. Hieraus resultiert eine Steigerung der Effizienz und der, positiv bewerteten, Spezialisierung. Insgesamt fördert die räumlich Nähe die, für die Wettbewerbsfähigkeit besonders wichtigen, Innovationsprozesse in einem Cluster (vgl. Porter 1990:156f. & Porter 1999: 178ff.). Welche Prozesse genau in einem regionalen Cluster ablaufen und wie diese zu begünstigenden Faktoren werden, kann Porters Ansatz nicht erklären. Da diese Prozesse aber für diese Arbeit eine wichtige Rolle spielen - und auch für das heutige Verständnis für den Begriff „Cluster“ entscheidend sind -werden sie im nächsten Kapitel beschrieben.

2.2 Regionale Cluster

Um sich den theoretischen Grundlagen der regionalen Cluster anzunähern, kann einleitend der OECD-Ansatz herangezogen werden. Demnach wird die Struktur eines regionalen Clusters wie folgt beschrieben:

Interdependenz und vertikale Kooperation der Akteure entlang der unternehmensübergreifenden Wertschöpfungskette einer bestimmten Branche, die auf Handelsbeziehungen, Innovationsnetzwerken, Wissensflüssen oder einer gemeinsamen Wissensbasis beruhen. “ (vgl. Kiese 2005)

Diese Betrachtungsweise greift in gewisser Weise den Ansatz von Porter auf. In regionalen Clustern nach dem OECD-Ansatz werden implizit die von Porter erkannten Wettbewerbsvorteile, resultierend aus einem spezifischen Unternehmensumfeld, angenommen und kommen in den genannten Merkmale (Handelsbeziehungen, Innovationsnetzwerke, Wissensflüsse und Wissensbasis) zum Ausdruck. Jedoch ist der OECD-Ansatz losgelöst von einer nationalen Ebene. Der „neue“ Clusteransatz thematisiert somit die Prozesse, welche zum Teil gleichermaßen Ursache und Wirkung für die regionale Konzentration an Unternehmen einer bestimmten Branche – also Cluster - sind. Die Theorie des Industriedistriktes und die Theorie des Kreativen Milieus liefern wichtige Erklärungsansätze für Prozesse innerhalb eines Clusters und auch für clusterbildende Prozesse und sie sind eng mit der Clustertheorie verzahnt. Die im Folgenden aufgegriffenen Aspekte können durchaus mehreren Theorien zugeordnet werden (vgl. Fromhold-Eisebith 2001:28ff.). Da in dieser Arbeit Cluster in Technologieregionen betrachtet werden, wird versucht immer eine Anwendung der Aspekte auf den Clusterungsprozess vorzunehmen. Zwar muss ein regionales Cluster nicht zwangsläufig die folgenden Merkmale aufweisen, jedoch werden sie gerade in technologieorientierten Clustern als bedeutend angesehen. Ein wichtiger Aspekt der Clusterbildung ist, neben den unten erläuterten Aspekten, das Vorhandensein einer kritischen Masse. Es wird angenommen, dass eine nicht näher zu bestimmende kritische Masse erreicht werden muss, damit die im Folgenden beschriebenen Prozesse sich selber verstärken und zu einer positiven Clusterentwicklung beitragen (vgl. Kiese 2005).

2.2.1 Handelsbeziehungen

Wieso profitieren in einem Cluster Unternehmen von der räumlichen Nähe zu Unternehmen gleicher Branchen? Um dieser Frage nachzugehen ist es zunächst einmal wichtig, sich vor Augen zu führen, welche Art von Beziehungen Unternehmen miteinander führen können. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen horizontalen und vertikalen Unternehmensbeziehungen. Während Porter die Konkurrenzsituation (horizontal) für einen Wettbewerbsvorteil verantwortlich machte, gehen die moderneren Clustertheorien davon aus, dass die kooperative (vertikale) Vernetzung der Unternehmen eine bedeutendere Rolle spielt. Im Detail bedeutet dies für ein Cluster eine räumliche Konzentration von Unternehmen, spezialisierten Zulieferern und Dienstleistern und Unternehmen verwandter Branchen entlang einer Wertschöpfungskette. Man spricht hierbei auch von einem Lokalen Produktionssystem (vgl. Bathelt/Glückner 2003:190). Darüber hinaus besteht in einem Cluster eine räumliche Konzentration an Institutionen wie Verbänden und (spezialisierten) Bildungseinrichtungen (vgl. Sauter 2004:66). Zusammen mit dem lokalen Produktionssystem spricht man hierbei vom Innovationsnetzwerk (vgl. Sauter 2004:67). Der Vorteil in den vertikalen Kooperationsbeziehungen liegt in der sog. Flexiblen Spezialisierung. Hierbei entwickeln Zulieferer spezifische Kompetenzen und sind durch die Eingrenzung ihres Fachgebiets in der Lage auf die Wünsche der Kunde schnell und flexibel zu reagieren. Es sei allerdings festgehalten, dass die Flexible Spezialisierung gleichermaßen als Ursache der Fragmentierung in der Produktion und den daraus resultierenden vertikalen Vernetzungen angesehen werden kann. In Anlehnung an die eingangs gestellte Frage kann an dieser Stelle geantwortet werden, dass das vermehrte Vorhandensein von Unternehmen einer speziellen Branche an einem Standort einen wichtigen Standortfaktor für Zulieferbetriebe darstellt. (vgl. Bathelt/Glückner 2003:187f.). Allerdings geht die Bedeutung der räumlichen Nähe in einem Cluster noch darüber hinaus. Räumliche Nähe erleichtert die face-to-face Kommunikation zwischen Unternehmern und dient so - durch kontinuierliche Abstimmungsprozesse, einheitliche Normen und Konventionen und Traditionen - der Produktivitätssteigerung, Interaktionssteigerung und vor allem der Vertrauensbildung. Der Clusterbegriff wird so um eine sozio–kulturelle bzw. –institutionelle Ebene erweitert (vgl. Sauter 2004:66). Diese Ebene stellt die Grundlage der Wissensflüsse und der Wissensbasis in einem Cluster dar.

2.2.2 Wissensflüsse und Wissensbasis

Die sozio-kulturelle bzw. sozio-institutionelle Einbettung des lokalen Produktionssystems mit ihren oben beschriebenen Implikationen (face-to-face Kommunikation, kontinuierliche Abstimmungsprozesse, einheitliche Normen, Konventionen, Traditionen, Produktivitätssteigerung, Interaktionssteigerung und Vertrauensbildung) führt vor allem zu Wettbewerbsvorteilen durch qualitative und quantitative Aggregation von Wissen. Eine gemeinsame Wissensbasis, als Grundlage von Innovationen, entsteht in eben dieser Einbettung durch formelle und informelle Informationsflüsse oder „spillovers“. Ebenso ist die o.g. Spezialisierung in der Produktion Grund und Ursache für bzw. von fortwährenden Lernprozessen, welche zur Wissensbildung beitragen (vgl. Bathelt/Glückner 2003:189ff.). Der Erwerb von Wissen in Unternehmen erfolgt insbesondere durch:

- „Learning by searching“: Ein Unternehmen sucht gezielt nach Informationsquellen um Wissen zu generieren. Auch FuE-Aktivitäten zählen zu diesem Bereich.
- Produktionsbezogenens Lernen: Neues Wissen entstehet hierbei als sprichwörtliches Nebenprodukt der täglichen Produktionserfahrungen.
- „Learning by doing/using“: Wissen entsteht in diesem Lernprozess durch die Anwendung neuer Techniken und Produktionsweisen.
- Qualifikationsbezogenes Lernen: Unternehmen generieren bei dieser Variante ihr Wissen durch gezielte Weiterbildung der Beschäftigten oder durch Anwerben von Beschäftigten mit relevantem Wissen.

[...]

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640693290
ISBN (Buch)
9783640693085
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156498
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Malaysia Penang Cluster Clustertheorie Newly Industrielized Countries Multimedia Super Corridor Industriedistrikt Millieu Südost Asien Asien Technologieregionen

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