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Der Reichstagsbrand – Adolf Hitlers Legitimation zur Machtergreifung

Essay 2007 10 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Einer der größten Kriminalfälle des 20. Jahrhunderts ist der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und die Frage, wer der oder die Brandstifter waren. In dem folgenden Essay soll es weniger um die Frage nach der Täterschaft gehen, sondern vielmehr möchte ich die Funktionalität des Ereignisses durch die Nationalsozialisten untersuchen. Denn Adolf Hitler hat dieses Ereignis für sich verwendet, um so die Aushebelung der Grundrechte und die Verfolgung und Verhaftung von politischen Gegnern zu rechtfertigen.

Am Anfang möchte ich mich dem Ablauf der Ereignisse, die zum Reichstagsbrand führten, und den daraus entstehenden Folgen, widmen. Dabei sollen Marinus van der Lubbe im Mittelpunkt stehen und die Fragen, wie er den Brand ausgeführt hat und welche Motive ihn getrieben haben. Danach soll es um die Verwendung des Reichstagsbrandes für die nationalsozialistischen Zwecke gehen. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bedeutete noch nicht, dass die NSDAP die völlige Macht über Deutschland hatte, sondern kennzeichnet nur den ersten Schritt zur Diktatur. Durch die Geschehnisse des Reichstags-brandes wurde die Machtergreifung beschleunigt. Der Reichstagsbrand war ein willkommenes Ereignis für die Nationalsozialisten. Dieser Fakt soll im Mittelpunkt meines Essays stehen. Anzumerken ist, dass in diesem Essay nur die Alleintäterschaft von Marinus van der Lubbe vertreten wird. Ich halte mich dabei stark an die Historiker Hans Mommsen und Eckhard Jesse, da in den Quellen bis heute keine stichhaltigen Beweise dafür vorlagen, dass die Nationalsozialisten oder die Kommunisten hinter dem Brand steckten. Aber um einen kurzen Gesamtüberblick über die Forschung zu gewährleisten, soll in einen kleinem Abschnitt die Kontroverse der Täterschaft diskutiert werden. Ist Marinus van der Lubbe eine Marionette der Nationalsozialisten oder eher eine der Kommunisten?

In der Nacht des 27. Februar 1933 (vier Wochen nach dem Amtsantritt Adolf Hitlers) stand das Reichstagsgebäude in Berlin in Flammen. Der Plenarsaal brannte dabei völlig aus. Die Polizei verhaftete einen Mann, der sich am Tatort befand und die Tat gestand, Marinus van der Lubbe. Für die Nationalsozialisten war schnell klar, dass die Brandstiftung ein Auftrag der Kommunisten gewesen sein muss. Das führte dazu, dass in den kommenden Stunden Entscheidungen getroffen wurden, die schließlich dazu führen, dass die Grundrechte ausgehebelt worden und die Macht Adolf Hitlers als Reichskanzler gesichert wurde. In dieser Nacht werden Kommunisten verfolgt und verhaftet. Viele kommunistische Abgeordnete und Funktionäre wurden unverzüglich verhaftet – eine Verhaftungsliste existierte schon, sie war für einen Eventualplan schon zusammengestellt worden. Die Verhaftungsbefehle hatten den Paragraphen 22 der Notverordnung als Grundlage. Die KPD war die drittstärkste Partei, mit 100 Abgeordneten und einem Anteil von 16,9 Prozent im Reichstag vertreten, und hätte bei der anstehenden Wahl der NSDAP schaden können. Der Reichstagsbrand war somit ein willkommenes Ereignis für die Nazis, um mit den politischen Gegnern, die noch offen stehenden Rechnungen zu begleichen. Der Brandstifter Marinus van der Lubbe wird durch das Reichsgerichtsverfahren schließlich am 23.12.1933, noch vor seinen 25. Geburtstag, zum Tode verurteilt und geköpft.

Im Folgenden möchte ich mich näher mit der Person van der Lubbe beschäftigen und nach Motiven und Motivationen suchen, die ihn dazu getrieben haben, den Reichstag anzuzünden. Marinus van der Lubbe wurde am 13. Januar in Leiden bei Holland geboren. Er wuchs dort als vaterloses Kind auf und verlor als Zwölfjähriger auch seine Mutter. Nach seinem Volksschulabschluss arbeitete er als Verkäufer, danach machte er eine Maurerlehre. In diese Lebensphase bekam van der Lubbe das erste Mal Kontakt mit der Arbeiterbewegung. Er trat in den kommunistischen Jugendverbund ein. Durch einen schweren Berufsunfall wurden seine Augen schwer geschädigt, so dass die Gefahr des Erblindens bestand. Er wird somit in jungen Jahren ein Frühinvalide und musste sich mit einer geringen Rente begnügen. Er unterstützte fortan die Arbeiterbewegung und versuchte, etwas zu verändern. „Er setzte sich nachdrücklich für den unmittelbaren spontanen Protest der Arbeiter und direkte Aktionen ein und hielt die politische Strategie der großen organisierten Arbeiterparteien für gänzlich verfehlt.“[1] Van der Lubbe vertrat syndikalistische Positionen und geriet dadurch mit den Kommunisten aneinander. „Mit den holländischen Kommunisten befand er sich, wegen seines Eintretens für spontane Streikbewegung in Leiden, in offenen Konflikt.“[2] Er war verzweifelt darüber, in welcher Notlage sich die Arbeiterschaft befand. Nachdem er in Holland kein Gehör für seine Worte fand, reiste er nach Deutschland. Dort lebte er in Männerheimen und Obdachlosenasylen, weil er kein Geld hatte. In Berlin erlebte van der Lubbe, wie der Wahlkampf der Kommunisten von den Nationalsozialisten behindert wurde. Er versuchte, sich in Berlin für die Arbeiterschaft und die Arbeitslosen einzusetzen. „Ich habe eingesehen, daß die Arbeiter aus sich heraus nichts unternehmen. Von allein werden die Arbeiter in der heutigen Zeit vor den Wahlen nicht bereit sein, aus sich selbst heraus gegen das System anzukämpfen, das der einen Seite Freiheit und der anderen Unterdrückung gibt.“[3] Er fand aber auch hier keine Hilfe, die seine direkten Aktionen gegen das System unterstützen wollte, also entschloss er sich, auf eigene Faust zu handeln und mit Brandstiftungen ein Zeichen zu setzen. Er setzte das Neuköllner Wohlfahrtsamt, das Rote Rathaus und das Berliner Schloss in Brand. Alle drei Brände wurden jedoch schnell von der Feuerwehr bemerkt und konnten so rechtzeitig gelöscht werden. Mit diesen Brandstiftungen wollte er versuchen, die Arbeiterschaft aus ihrer Lethargie zu befreien und sie somit zum Kampf gegen das System zu bewegen. Die Medien jedoch interessierten die Brandstiftungen weniger. Somit war sein Plan, auf sich und seine Sache aufmerksam zu machen, in allen Punkten gescheitert. Bevor van der Lubbe wieder nach Holland zurückreisen wollte, lies er sich in der Nacht vom 27. Februar zu einer letzten Aktion hinreisen, dem Versuch, den Reichstag zu entzünden. Ausgerüstet mit einem Kohleanzünder und Streichhölzern zog er am Abend zum Reichstag. Um 21.00 Uhr kletterte er das Hauptgeschoss des Reichstages empor und schlug ein Fenster ein. Er legte überall kleinere Feuer, dabei war die Brandlegung des Plenarsaals am wirksamsten. Trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr brannte der Plenarsaal völlig aus und das Feuer konnte erst um 23.00 Uhr gelöscht werden. Die Polizei nahm van der Lubbe um 21.22 Uhr am Tatort fest. Er widersetzte sich keineswegs der Festnahme. Das einzige Wort, welches van der Lubbe bei der Festnahme geäußert haben soll, war „Protest“. Er hatte ein Taschenmesser, eine Geldbörse und seinen holländischen Pass bei sich. In Vernehmungen der Polizei gestand van der Lubbe die Tat und berichtete von den anderen Bränden, die er gelegt hatte. Die zuständigen Kriminalbeamten hatten dabei keinen Zweifel daran, dass van der Lubbe die Wahrheit sagte. Die Vorstellung, dass van der Lubbe kommunistische Auftraggeber gehabt haben soll, entstand in der Nacht. Dass es mehr als einen Täter gegeben haben soll, war eine bloße Vermutung des Hauptinspektors Scranowitz. Hermann Göring dichtete die kommunistische Brandurheberschaft in einen kommunistischen Aufstandsversuch um. Er berief sich daher auf Rudolf Diels, der später Leiter des Preußischen Geheimen Staatspolizei wurde. Diels sagte: „Wie mir mitgeteilt worden ist, wird von kommunistischer Seite beabsichtigt, durch Gewaltaktionen bzw. Sabotageakte, die in allernächster Zeit stattfinden sollen, das Lichtnetz und den Verkehr (Eisenbahn usw.) sowie alle anderen lebenswichtigen Großbetriebe stillzulegen.“[4] Mit diesen Äußerungen, die Diels machte, lieferte er einen Beweis für Göring, dass mehr als nur ein Mann hinter dem Brand steckte. Natürlich versuchte Göring auch den Reichstagsbrand schlimmer darzustellen, als er war.

[...]


[1] Hans Mommsen, „Van der Lubbes Weg in den Reichstag. der Ablauf der Ereignisse, In: Uwe Backes (et al.) „In Reichstagsbrand Aufklärung einer historischen Legende, München 1986, S. 36.

[2] Hans Mommsen, „Van der Lubbes Weg in den Reichstag. der Ablauf der Ereignisse, S. 38.

[3] Hans Mommsen, „Van der Lubbes Weg in den Reichstag. der Ablauf der Ereignisse, S. 38f..

[4] Hans Mommsen, „Van der Lubbes Weg in den Reichstag. der Ablauf der Ereignisse“, S. 49.

Details

Seiten
10
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640711819
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156433
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Reichstagsbrand Adolf Hitlers Legitimation Machtergreifung

Autor

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