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Kritische Auseinandersetzung mit Martin Heideggers Abhandlung „Über den Ursprung des Kunstwerkes“

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Gliederung/Inhalt

I. Dingsein - Zeugsein - Werksein

II. Der Ursprung des Kunstwerkes

III. Das Wesen der Kunst

IV. Zum Wahrheitsbegriff

V. Das Werksein am Beispiel van Goghs

VI. Kunst und Wahrheit in der Praxis

VII. Kunst und Willkür

VIII. Kausalzusammenhang Wahrheit ↔ Kunst

IX. Der theologische Schöpfungsgedanke

X. Kritische Überlegungen zum Kunstbegriff Heideggers

XI. Resumé

Literaturnachweis

Einleitung

Die Abhandlung Martin Heideggers „Über den Ursprung des Kunstwerkes“ soll einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Fragestellung, ob die heideggersche Konzeption von Ästhetik mit den gängigen Kunstbegriffen konkurriere - oder aber kollidiere.

Ab ovo wird selbstredend die Frage nach Heideggers Kunstauffassung zu beantworten sein, die Fragen nach dem Was, dem Wie und dem Weshalb von Kunst. Nicht unerwähnt bleiben darf die Reduzierung des Resumés auf eine kurze Formel, die ursächlich darin begründet ist, dass die gesamte Konzipierung der Hausarbeit darauf ausgerichtet ist, kritische Bemerkungen vorab dort anzubringen, wo ich sie aktuell für notwendig befand. Überdies war es mir ein großes Anliegen, das heideggersche Spannungsverhältnis zur Kunst anhand verschiedener Beispiele aus der modernen Kunstgeschichte sachgemäß zu illustrieren.

Ferner wird mitgeteilt, dass mir eine nicht unerhebliche Anzahl an Literaturbezügen und Zitaten lediglich aus „zweiter Hand“ vorlag. Dies habe ich anhand von Fußnoten im Text entsprechend gekennzeichnet. Im Literaturnachweis habe ich auf die Nennung mancher Quelltexte verzichten müssen, da Angaben über Verlag, Erscheinungsjahr etc. mitunter nicht möglich sind. Die Herkunft solcher Literaturbezüge lässt sich über entsprechende Anmerkungen im Textinneren verifizieren.

Dingsein - Zeugsein - Werksein

In seinem Traktat „Der Ursprung des Kunstwerkes“ fragt Heidegger eingangs nach der „Dinglichkeit der Dinge“. Aus dieser Grundsatzüberlegung heraus, differenziert er zwischen drei tradierten Auffassungsweisen des Dinges; Dinge seien demnach:

XII. Träger von Eigenschaften bzw. Merkmalen

XIII. Einheit einer Empfindungsvielheit

XIV. Geformter Stoff, im Sinne eines Form-Stoff-Gefüges

Aus philosophischer Sicht wird zusätzlich der kantianische Terminus vom >Ding an sich<, als in seinem Wesen sinnlich nicht wahrnehmbar, behandelt; überdies folgt fürderhin der Nachsatz, dass alle sichtbaren Dinge, alles Seiende, sofern es seiend ist, Ding geheißen werden.

So bewegt sich die heideggersche Achse im weiteren Verlauf um die Dinghaftigkeit der Dinge, das Zeugsein des Zeuges und das Werksein des Werkes; das Zeugsein des Zeuges bestehe nach Meinung Heideggers in seiner gewöhnlichen Herstellung, zentral jedoch in seiner Dienlichkeit - da es sich von den bloßen Dingen insofern erhebe, als er dem Zeug eine unbedingte Zweckgebundenheit beimisst.

Festzustellen bleibt nunmehr, dass Heideggers Begriffsbildungen in nur drei starren Kategorien kreisen, so dass das Ding im Dinglichen, das Zeug im Zeugsein und das Werk im Werksein kompulsiv verbleiben muss. Zwar sagt auch Heidegger, dass das Zeug im Werk enthalten sei;

Dennoch, dass sich die Grenzen vom einen in den anderen Zustand fließend gestalten können, bleibt hierbei gänzlich unberücksichtigt. So kann eine Geige von Stradivari - in Ansehung ihrer Proportionen sowie der virtuosen Manufaktur - beispielsweise Zeug und Werk zugleich sein - ohne, dass man ihr jeweils nur eine Kategorie zuweisen könnte. Konträr dazu könne nach Heidegger das Zeug nur Zeug und das Werk nur Werk sein.

II.Der Ursprung des Kunstwerks

Der Ursprung des Kunstwerkes - und damit das geschichtliche Dasein eines Volkes - sei laut Heidegger die Kunst (ebd. S. 80); mit der Kunst ende oder beginne die Geschichte; Geschichte meint weder Historie noch Chronologie von Ereignissen, sie sei, so wörtlich, „die Entrückung eines Volkes in sein Aufgegebenes als Einrückung in sein Mitgegebenes“. Ferner konstituiere sich aus der Aufstellung des Kunstwerkes i.S. von Rühmung und Weihung die Einheit von Welt und Erde, die in stetem Widerstreit begriffen seien. Der Heideggersche Terminus von Welt beschreibt kein Konglomerat von Dingen, keinen fiktiven Schauplatz außerhalb der realen Welt, sondern die Welt selbst - und zwar in ihrem Sinnzusammenhang zum jeweiligen Kunstwerk. Als philosophisches Abstraktum transformiere sie sich durch das Kunstwerk zu einem kohärenten Sinnganzen, kraft dessen innerweltliche Entscheidungen - wie auch der gesamte Lauf der Welt - in ihr wahres Wesen einmünden. Wie Gadamer in seiner Einführung zusätzlich pointiert, gehöre das Werk durch sein „In-sich-Stehen nicht nur zu seiner Welt“, sondern sei vielmehr Bedingung für das Dasein von Welt (ebd. S. 105). Zudem - und das ist fernerhin konzentrisch - stelle das Werk Seiendes ins Sein. Dies deshalb, da sich dem Rezipienten durch die Sichtbarwerdung von Welt Wahrheit eröffne, wohingegen sich im gewöhnlich Seienden, im bloß Materiellen, dessen Symbolgehalt sich im Rahmen des alltäglichen Gebrauches nicht erschließen lasse, allenfalls vereinzelt Wahres offenbare.

In einem weiteren Schritt wird erklärt, inwiefern ein Zusammenhalt von Welt und Erde demgemäß zu denken ist; die sich öffnende Welt, da auf rational-unergründlicher Erde befindlich, sei im reziproken Verhältnis, als Erde-Welt-Dualismus vorstellbar. Welt in ihren Grundzügen meint jedoch ebenso wenig nur Lichtung wie Erde nur Verschlossenheit meint. Vielmehr sei jedes für sich streitig und im Streit von Öffnung und Verbergung begriffen. In der Conclusio sei das Kunstwerk also auch maßgeblich an der Gesamtstruktur der Erde beteiligt („ Die Welt gründet sich auf die Erde, und Erde durchragt Welt “ ebd. S.46). Welt sei im Übrigen kontextbezogen, ihrem Wesenszusammenhang entsprechend, zu betrachten. Der Weltzerfall eines Werkes, beispielsweise durch Versetzung, zerschlüge die Urform des Werkes dergestalt, dass es die ontologische Struktur seines ureigenen Rahmens unwiderruflich verlöre.

Nach allen bisherigen Ausführungen gelangt der Leser schließlich zu der irrigen Annahme, das Kunstwerk - wie von Heidegger entsprechend determiniert - entwickle ein dynamisches Eigenleben und sei der Urgrund aller Erkenntnis. Jedoch, er relativiert seine Thesen insofern, als er sich selbst auch andere Wege zur Erschließung von Wahrheit einräumt. Wahrheit wiederum definiert sich grundsätzlich über die Übereinstimmung von Begriff und Sache.

Dennoch: Wie von Heidegger entsprechend proklamiert, sei das Kunstwerk als solches vordergründig vom Dinglichen durchdrungen, das sich zum funktionellen Unterbau desselben modelliere; in der ästhetischen Konzeption des Werkes gründe sich sein Oberbau, was das Hervorkommen von Wahrheit überhaupt erst ermögliche. Diese Überlegung kulminiert in der Behauptung, dass Wahrheit aus dem Nichts entstehe; dies jedenfalls in einem solchen Sinne, dass das „Nicht des Seienden“ erst mit dem Aufstellen des Kunstwerkes ins Dasein - und somit in sein wahres Wesen - trete. Letztgenannte Thesen illustriert Heidegger im Verlauf seiner Abhandlung u.a. am Exempel von van Goghs „Bauernschuhen“.

III. Das Wesen der Kunst

Laut Heidegger sei alle Kunst im Wesen Dichtung, demnach müsse man alle Künste auf die Poesie zurückführen; Sprache als Urpoesie sei nicht nur exklusiv als Medium der Kommunikation, als Mittel zur Unterhaltung oder Verständigung tauglich, sondern dasjenige Zentrum, um das herum die Wahrheit kreise. Nicht der Transport von Wörtern und Sätzen in eine Gesprächssituation oder der schriftliche Ausdruck von Sprache, sondern die Nennung des Seienden als Seiendes durch Sprache begründe das Erscheinen des Seienden, die Lichtung in der Dunkelheit des Seins. Sprache sei Entwurf, in dem eine Aussage darüber getroffen werde, wie sich Seiendes aus seiner Verborgenheit ins Offene entfalte. Sprache sei ferner ein Entwerfen von Erde, des Spielraumes ihres Streites; sie präge durch das Sagbare und Unsagbare die Begriffe eines geschichtlichen Volkes. Als Verwahrerin der Dichtung ereigne sich in der Sprache Poesie. In der Sprache generiere sich die Fahrtrichtung für Bauen und Bilden, infolgedessen sei das Schaffen eines Kunstwerks dichterisch. Kunst wiederum sei Dichtung und auf drei verschiedene Weisen Stiftung von Wahrheit - Als Schenken, Gründen und Anfangen (ebd. S.77). Schenkung insofern, als Kunst den kommenden Generationen zuteil werde, die als Bewahrer derselben agieren; Gründung meint das Schöpfen nach dem Grund der Erde - das Ergründen des Verschlossenen in Einheit zur Gründung des Unverborgenen. Mit der Entstehung von Kunst sei ein Anfang gesetzt, der die Geschichte ruckartig beginnen lasse.

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Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640685332
ISBN (Buch)
9783640685547
Dateigröße
996 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156277
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Ästhetik Kunstbegriff Kunst Philosophie Kunstgeschichte Der Ursprung des Kunstwerkes Martin Heidegger ebook ungott Christina Peters

Autor

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Titel: Kritische Auseinandersetzung mit Martin Heideggers Abhandlung „Über den Ursprung des Kunstwerkes“