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Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern

Diplomarbeit 2010 75 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Begriffsklarung
1.2 Forschungsstand

2. Demographische Wandlungsprozesse - Verlangerung der gemeinsamen Lebenszeit .

3. Bedeutung und Funktionen der GroBeltern
3.1 Bedeutung
3.2 Funktionen

4. Die Gestaltung der GroBeltern-Enkel-Beziehungen
4.1 Art und Haufigkeit der Kontakte
4.2 Wohnentfernung
4.3 Einfluss von Alter und Geschlecht

5. Die Enge der GroBeltern-Enkel-Beziehungen
5.1 Beurteilung durch die heranwachsende Generation
5.2 Beurteilung durch die alte Generation

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

Ubersichten, Grafiken und Tabellen

Ubersichten

1 - Familiale und gesellschaftliche Generationen

2 - Studien zu GroBeltern-Enkel-Beziehungen

Grafik

1 - Mutter nach Geburtsjahrgang und Kinderzahl, Deutschland 2006

Tabellen

1 - Entwicklung der gemeinsamen Lebensspanne mit GroBeltern 1900-2000, Schweiz

2 - GroBelternstile nach Geschlecht

3 - Vergleich der Studienergebnisse Harwood (2001) und Cherlin & Furstenberg (1985)

4 - Wahrnehmung der GroBeltern-Enkelkind-Beziehung

5 - GroBelterliche Wahrnehmung ihrer Beziehung zum Lieblingsenkel

1. Einleitung

Eine grauhaarige alte Dame, mit einem Kleinkind im Schaukelstuhl sitzend Marchen vorlesend oder mit ihm in der Kuche stehend und Kekse backend. Ein Geschichten er- zahlender, im Ohrensessel Pfeife rauchender und vom Leben gezeichneter Mann, um ihn herum sitzend Funf- und Sechsjahrige mit groBen Augen - solche und ahnliche As- soziationen werden uns fur gewohnlich ins Gedachtnis gerufen, wenn die Rede von GroBeltern und ihren Enkelkindern ist. Doch GroBeltern mussen nicht zwangslaufig alt und gebrechlich sein. Heute werden die jungsten bereits mit Anfang DreiBig GroBeltern, durchschnittlich wird diese Rolle im Alter zwischen 49 und 53 Jahren ubernommen (vgl. Hagestad 1985: 36, Mills 1999: 220, Herlyn et al. 1998: 73). In der Regel sind es demnach aktive, mitten im Berufsleben stehende Menschen mittleren Alters, mit eige- nen Interessen und Hobbys, fur die die GroBelternschaft zu einem wichtigen familialen Thema wird. GroBmutter und GroBvater ubernehmen gegenwartig mehr als nur die Rol­le der Spielkameraden. Sie stellen ebenso wichtige Bezugspersonen dar, die als Soziali- sationsfaktor nicht zu vernachlassigen sind. Als Ersatzeltern, Erziehungsberechtigte oder Betreuer fur die Kinder Alleinerziehender sind sie zugleich eine groBe familiale und finanzielle Stutze. Da die traditionelle GroBelternrolle einem grundlegenden Wan- del unterworfen ist, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild heutiger GroBeltern und ihrer Beziehungen zu den Enkelkindern.

Das althergebrachte Bild der GroBfamilie, in der mehrere Generationen unter einem Dach lebten, ist irrefuhrend. Aufgrund der niedrigen Lebenserwartung, der Geburt eines Kindes als Todesursache Nummer eins fur Frauen und der hohen Kindersterblichkeit war es bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kaum moglich, dass Kinder ihre GroBeltern erfuhren. Der Stereotyp der ,historischen GroBfamilie‘ wurde noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, u.a. auch von Sozial- und Geschichtswis- senschaften, unreflektiert und gutglaubig ubernommen (vgl. Chvojka 2003: 21f). Noch zu Beginn der siebziger Jahre sah man die „vorindustrielle GroB- und Mehrgeneratio- nenfamilie“ als einen „mehrschichtigen Generationenverband, dem auBer den Mitglie- dern der Kernfamilie auch die GroBeltern oder auch sonstige Verwandte wie unverhei- ratete Tanten und Onkel und auch das Hauspersonal angehorten“ (Vaskovics zit. n. Chvojka 2003: 22). Nach neueren Erkenntnissen gab es dreigenerative Haushalte in der mittel- und westeuropaischen vorindustriellen Gesellschaft aber nur sehr selten und es war stattdessen die Kernfamilie, die in dieser Zeit eine weitaus bedeutendere Rolle spielte, als bisher angenommen (vgl. Chvojka 2003: 23). Aktuell besteht indes immer noch ein enormer Ruckstand bezuglich der Analyse haushaltsubergreifender familialer Kontakte und Beziehungen. Im Detail betrifft dies auch die intergenerationale Bindung zwischen GroBeltern und Enkelkindern.

Die vorliegende Arbeit versucht die gegenwartigen Generationenbeziehungen zwischen GroBeltern und Enkelkindern anhand der derzeitigen nationalen und internationalen Forschungslage umfassend darzustellen. Die interessierende Frage lautet: Wie werden GroBeltern-Enkel-Beziehungen gestaltet und welche Bedeutung besitzen sie zum einen fur die junge und zum anderen fur die alte Generation? Hierzu werden zunachst die verwendeten Begriffe naher spezifiziert und anschlieBend ein Uberblick uber den bishe- rigen Forschungsstand gegeben. Im zweiten Kapitel sollen die Rahmenbedingungen durch den demographischen Wandel und seine familienstrukturellen Auswirkungen naher betrachtet werden, da in Folge der demographischen Veranderungen die heutige Mehrgenerationenfamilie uberhaupt erst zur gesellschaftlichen Norm werden konnte. Das dritte Kapitel beschaftigt sich mit der Rolle der GroBeltern, ihrer Bedeutung und ihren Funktionen innerhalb der Familie. Darauf grundend wird im vierten Kapitel mit Hilfe von verschiedenen Typologien der GroBelternschaft, die inhaltliche Gestaltung der GroBeltern-Enkel-Beziehungen naher erlautert. Dazu werden Kontakthaufigkeit, Wohnentfernung, sowie der Einfluss von Alter, Geschlecht und Abstammungslinie auf die intergenerationalen Beziehungen untersucht. Die Beziehungsenge bzw. die Qualitat der Bindung zwischen GroBeltern und Enkelkindern ist Gegenstand des funften Kapi- tels. AuBerdem beleuchtet es unter Berucksichtigung der intergenerational-stake- Hypothese (Giarrusso et al. 1995) die unterschiedliche Wahrnehmung der Beziehung aus Sicht der jungen und auch aus Sicht der alten Generation. Die Arbeit schlieBt mit einem Resumee und einem Ausblick auf zukunftig interessante Forschungsfragen zur Thematik.

1.1 Begriffsklarung

Eine der wohl allgemeingultigsten Uberlegungen zum Begriff Familie kennzeichnet diese als gegenuber anderen abgrenzbare soziale Einheit. Die familiensoziologischen Ansatze zur Definition von Familie beschrankten sich in der Vergangenheit meist auf die burgerliche Kernfamilie, als eine auf Dauer angelegte und legitimierte Beziehung zwischen Frau und Mann, mit einer gemeinsamen Haushaltsfuhrung und dem Vorhan- densein von mindestens einem Kind (vgl. Schafers & Kopp 2006: 69). Doch diese Be- tonung auf Interaktionsstrukturen innerhalb der Zwei-Generationen-Familie macht es schwierig die Position alterer Menschen, namentlich die GroBelterngeneration, in der Familie zu lokalisieren und zu definieren. Aufgrund der Verflechtungen im Verwandt- schaftssystem kann die Kernfamilie nicht als isolierte soziale Einheit angesehen werden, sondern muss innerhalb eines groBen Beziehungsgefuges, in dem sie verankert ist, wahrgenommen und analysiert werden (vgl. Stosberg 1995: 63f). Auch um die veran- derten Familienkonstellationen in modernen Gesellschaften hinreichend zu beschreiben, eignet sich die Definition der burgerlich-urbanen Klein- oder Kernfamilie nur bedingt und lasst sie antiquiert wirken (vgl. Schafers & Kopp 2006: 72). Mit der Zunahme al- leinerziehender Elternteile, nichtehelicher Lebensgemeinschaften, Scheidungen und Wiederverheiratungen, sowie der Moglichkeit fur homosexuelle Paare auch Eltern zu werden, entstehen neue familiale Lebensformen mit komplexer werdenden Kind- schaftsverhaltnissen, bei denen die soziale nicht mit der biologischen Elternschaft uber- einstimmen muss. Jedoch behauptet sich die Kernfamilie als allgemeines Idealbild im Laufe dieser Pluralisierung familialer Lebensformen. Im Hinblick auf die in dieser Ar­beit betrachteten lebenslang bestehenden Familienbeziehungen wird allerdings der zweckmaBigere Begriff der multilokalen Mehrgenerationenfamilie verwendet. Da er auch die Beziehung der Eltern zu ihren erwachsenen Kindern, die nicht mehr im ge­meinsamen Haushalt leben, und die familialen Beziehungen uber mehrere Generationen hinweg, mit einschlieBt (vgl. Schafers & Kopp 2006: 72). Dieser Ansatz beinhaltet die naturgegebene Dauerhaftigkeit der Generationenbeziehungen uber viele Lebensphasen. Zugleich kann er mit der gestiegenen Lebenserwartung und der Tendenz hin zu getrenn- ten Haushalten in Folge zunehmender Selbststandigkeit im hoheren Alter im Zusam- menhang gesehen werden (vgl. Hoff 2006: 260). Die Betonung der Multilokalitat ent- spricht damit den individualisierten Wunschen und Bedurfnissen nach „innerer Nahe durch auBerer Distanz“ der jungen und alten Generationen (vgl. Perrig-Chiello et al. 2008: 86). Aufgrund dieser Zusammenhange soll im Folgenden der erweiterte Famili- enbegriff von Backes Verwendung finden: „Familie ist kein statisches Gebilde, sondern eine Lebensform von Generationen und Geschlechtern, deren Gestalt sich im Lebens- lauf immer wieder verandert. Sowohl das Zusammenleben und das getrennte Leben von Eltern mit kleinen Kindern, heranwachsenden und erwachsenen Kindern als auch von Erwachsenen mit ihren alteren und hochbetagten Eltern sowie Enkelkindern mit ihren GroBeltern wird darunter gefasst“ (1996: 30).

Hamann definiert die Grofielternrolle als die Gesamtheit, der mit der Elternschaft (als sozialer Position) verbundenen Anforderungen und Erwartungen. Dabei gilt es zu be- achten, dass es keine allgemein verbindliche Rollendefinition mit klar umrissenen Er­wartungen oder normativ vorgegebenen Rechten und Pflichten gibt. Zudem wandelt sich die Rolle auch uber die Zeit und muss auf veranderte Familienkontexte reagieren (vgl. 2000: 118). „Zur GroBelternrolle gehoren unterschiedliche Einstellungs- und Ver- haltensformen, die in besonderer Weise in der Beziehung zu Enkeln zum Ausdruck kommen“ (ebd.). Dieses Verhalten zeichnet sich durch fursorgliches Engagement der altesten Generation aus: Durch Verantwortungsubernahme, durch Verzicht von Macht im Umgang mit den Enkeln, durch von Geduld, Warme und Liebe gepragtes Handeln und durch die Bereitschaft da zu sein und Rat zu geben, wenn man gebraucht wird (vgl. ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Szydlik 2000: 27.

Der Begriff Generation muss bei der Betrachtung von GroBeltern-Enkel-Beziehungen auf mikro- und makrosozialer Ebene erlautert werden (siehe Ubersicht 1, S. 4). Zum einen kommen GroBeltern, unter dem genealogischen Blickwinkel der verwandtschaft- lichen Abstammungsfolge betrachtet, in Familien mit mindestens drei Generationen vor, in denen sie demnach zumindest zwei Generationen unter sich haben. Als naturgegebe- ne Folge von Geburt und Tod andern sich die familialen Generationenstrukturen im Laufe der Zeit. Das bedeutet, mit der Geburt eines Kindes in einer Familie entsteht eine neue Generation, die die eigenen Nachkommen zu Eltern und gleichzeitig das bisherige Elternpaar zu GroBeltern macht. Die Anzahl der parallel lebenden Generationen hangt dabei von den jeweiligen Geburtenabstanden ab. Haben z.B. alle Frauen in einer Fami­lie relativ jung Kinder bekommen, konnen verbunden mit der aktuell hohen Lebenser- wartung, gleichzeitig bis zu funf Generationen existieren (vgl. Hagestad 1985: 31). Zum anderen sollen aber auch Menschen mit einer ahnlichen sozial-zeitlichen Positionierung in einer Gesellschaft, also auf der makrosozialen Ebene, als Generation1 zusammenge- fasst werden. Ihnen wird eine spezifische Identitat zugeschrieben, da sie sich „in ihrem Denken, Fuhlen, Wollen und Tun an sozialen Perspektiven orientieren, fur die der Ge- burtsjahrgang, das Alter (...) oder die Interpretation historischer Ereignisse von Belang sind“ (Luscher & Liegle 2003: 59f). Fur die Darstellung der GroBeltern-Enkel- Beziehungen ist es notwendig sich im Folgenden auf beide Generationenkonzepte zu beziehen: „One reflecting the pulse of family life (...) and the other showing the ‘footprints’ of history“ (Hagestad 1985: 31). Da familiale und gesellschaftliche Genera­tionen zwar als unterschiedliche Konzepte auf verschiedenen Ebenen liegen, durfen sie jedoch nicht vollig isoliert voneinander betrachtet werden. Sie stehen im Bezug zuein- ander, was wiederum nicht bedeutet, dass z.B. gesellschaftliche Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern bestimmter Kohorten zwingend in die Familie hineingetragen werden mussen.2 GroBeltern und ihre Enkelkinder erleben naturgemaB unterschiedliche historische Ereignisse, die sie in ihrer Entwicklung und Beziehung zueinander beein- flussen konnen (vgl. Szydlik 2000: 27f).

Intergenerationale Beziehungen bezeichnen „wechselseitige, ruckbezugliche Prozesse der Orientierung, der Beeinflussung, des Austauschs und des Lernens zwischen den Angehorigen von zwei oder mehr Generationen“. Dabei erhalten Generationenbezie- hungen ihre Form und Dynamik uber die Erfahrung subjektiver Gemeinsamkeiten und Gegensatzlichkeiten, sowie durch Erfullen institutionell vorgegebener Aufgaben (Lu- scher & Liegle 2003: 60). Grundlegend fur diese Annahme muss von ordnenden Prinzi- pien fur die Dynamik menschlichen Zusammenlebens ausgegangen werden. Eine derar- tige ,soziale Logik„ lasst sich nach Luscher und Pillemer in der Gestaltung sozialer Be­ziehungen und jeglicher anderer Art von Sozialitaten wiederfinden (vgl. 1996: 5ff). Un- ter Beziehungslogik fassen sie „die Prinzipien, gemaB derer in Sozietaten Sinngebungen und Bedeutungen fur soziale Beziehungen konstituiert werden (konnen)“ zusammen (ebd.: 9). Dies impliziert wie Familienmitglieder miteinander handeln, wie sie uber die­se Verhaltensweisen denken und welche Reaktionen sie diesbezuglich entwickeln. Die Grundsatze, nach denen die Transfers von Wissen, Eigentum und Besitz zwischen den Generationen gestaltet werden, sind hier ebenfalls eingeschlossen. Insgesamt ist die Beziehungslogik als hierarchisches System zu betrachten, „in dem - ausgehend von allgemeinsten Prinzipien - zusehends spezifische Regeln formuliert werden“ (ebd.). Zu diesen allgemeinsten Prinzipien gehoren Solidaritat und Ambivalenzen,3 die sich z.B. durch Unterstutzungsleistungen und Spannungen im familialen Beziehungsgefuge na- turgemaB ergeben.

Solidaritat als Ausdruck fur Verbundenheit und Hilfsbereitschaft, die den Zusammen- halt in sozialen Gruppen kennzeichnen, wird im Zusammenhang mit familialen Bezie hungen aus dem Alltagsverstandnis heraus als bekannt angenommen und selten naher erlautert (vgl. Szydlik 2000: 35). Dabei stellt Solidaritat einen zentralen gesellschaftli- chen Grundwert dar, ohne den gesellschaftliche Ordnung nicht denkbar ware (vgl. Per- rig-Chiello et al. 2008: 38). Bengtson und Kollegen erarbeiteten ein Konzept, das Soli­daritat mit Hilfe von sechs Dimensionen genauer charakterisiert. Zum Begriff selbst auBerten sie sich aber nur sehr allgemein: “For the sake of clarity, we employ ‘solidari­ty’ (...) as a meta-construct subsuming characteristics of intergenerational bonds in families” (Roberts et al. 1991: 12). Die sechs Kategorien von Solidaritat sind zum Teil ineinander verschrankt und konnen sich gegenseitig beeinflussen. Typisiert werden sie in normative, affectual, associational, functional, consensual und structural solidarity (vgl. ebd.: 30ff). Wobei unter normativer Solidaritat die Starke der Verpflichtungen gegenuber familialen Rollen und intergenerationalen Leistungen zu verstehen ist. Af- fektive Solidaritat kennzeichnet Gefuhlshaltungen gegenuber Familienmitgliedern und das AusmaB der emotionalen Nahe der Beziehung. Assoziative Solidaritat zeigt die Art und Haufigkeit der Kontakte und gemeinsamen Aktivitaten, wahrend die funktionale Solidaritat das AusmaB intergenerationaler Transfers bezogen auf Geld, Zeit und Raum angibt. Gemeinsamkeiten bezuglich der Werte, Einstellungen und Uberzeugungen defi- niert die konsensuale Solidaritat. SchlieBlich gibt die strukturelle Solidaritat Auskunft uber Moglichkeiten zur Pflege intergenerationaler Beziehungen aufgrund von GroBe und Art der Familie, sowie der geographischen Nahe von Familienmitgliedern (vgl. Roberts et al. 1991: 18; Perrig-Chiello et al. 2008: 39; Szydlik 2000: 36ff). Die genann- ten Dimensionen mussen allerdings differenziert betrachtet werden. Wahrend strukturel­le, normative und konsensuale Solidaritat vordergrundig nur auf das Potential fur Soli­daritat anspielen, beziehen sich funktionale, affektive und assoziative Solidaritat direkt auf die familialen Solidarbeziehungen. Sie stellen die drei Hauptdimensionen familialer Generationensolidaritat dar (vgl. Szydlik 2000: 36, 174).

Ambivalenzen verdeutlichen die Gleichzeitigkeit von Harmonie und Konfliktpotential innerhalb familialer Generationenbeziehungen, denn diese „beinhalten Widerspruche und sie haben diese Widerspruche auszuhalten“ (Szydlik 2000: 40). Luscher und Liegle stellen zur Erklarung dieser Zusammenhange das Konzept der Generationenambivalenz auf. Danach lassen sich Ambivalenzen immer dann erkennen, „wenn gleichzeitige Ge- gensatze des Fuhlens, Denkens, Wollens, Handelns und der Beziehungsgestaltung, die fur die Konstitution individueller und kollektiver Identitaten relevant sind, zeitweise oder dauernd als unlosbar interpretiert werden“ (2003: 288). Auch innerhalb des GroB- eltern-Enkel-Verhaltnisses ist der Umgang mit Ambivalenzen zur Gestaltung der Bezie- hung erforderlich. Genau wie mit ihren Eltern, erleben Kinder wahrend der gemeinsa- men Lebenszeit auch mit ihren GroBeltern Interessensgegensatze und Konflikte. Insbe- sondere wenn ihnen bewusst wird, dass sie ebenfalls erwachsen werden, sich ihre eige- nen Ziele und Interessen aber von denen der beiden alteren Generationen unterscheiden (vgl. Luscher 2001: 22). Anthropologisch kann dies bestatigt werden, denn „um eine personliche Identitat zu gewinnen, muss der Heranwachsende sowohl seine Gleichheit mit den Eltern als auch seine Unterschiedlichkeit erfahren“ (ebd.).

Dabei sind Solidaritat und Ambivalenz nicht als Gegensatzlichkeiten in Generationen- beziehungen zu betrachten. Begrifflich ist Ambivalenz dem Gemeinschaftssinn uberge- ordnet.4 Solidaritat kann jedoch eine erfolgreiche Strategie im Umgang mit Ambivalenz darstellen. Die Akzeptanz und „das Aushalten des inneren Widerspruchs von Nahe und Distanz, von Abhangigkeit und Eigenstandigkeit, (...), von Harmonie und Konflikt, von Verantwortung und Unabhangigkeit, von Loyalitat und Opposition [als] unauflosbarer Bestandteil von Generationenbeziehungen“ wirkt entlastend auf die Beziehung und be- dingt bestandige, „womoglich lebenslange Solidarity fureinander (Szydlik 2000: 41).

1.2 Forschungsstand

Obwohl GroBeltern zur direkten sozialen Umwelt eines Kindes gehoren, besaB die GroBeltern-Enkel-Thematik lange Zeit in der Familiensoziologie keinen groBen Stel- lenwert. Erst seit jungerer Zeit existieren Arbeiten, die sich explizit mit den familien- strukturellen Entwicklungen hinsichtlich dieser (Mehr-)Generationenverhaltnisse befas- sen (u.a. Neugarten & Weinstein 1964, Robertson 1977, Kivnick 1982, Johnson 1983, Cherlin & Furstenberg 1985, Bengtson & Robertson 1985, King & Elder 1997). Die Studienergebnisse belegen einen grundsatzlichen Wandel, den die GroBeltern-Enkel- Beziehung in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Dieser basiert auf demographischen Veranderungen5 (gesunkene Geburtenrate, gestiegene Lebenserwartung) und gesell- schaftlichen Wandlungsprozessen, wie z.B. neuen Familienformen oder einer aktiveren Lebensfuhrung in der zweiten Lebenshalfte. Mit der verlangerten Lebenszeit von nahe- zu sicheren achtzig Jahren konnte fur die Mehrheit der Bevolkerung GroBelternschaft als eigenstandiger Lebensabschnitt uberhaupt erst im letzten Jahrhundert zur Norm werden und dass seit dem Zweiten Weltkrieg so viele Generationen parallel miteinander leben, ist historisch einmalig. Darum lassen sich auch entsprechende Beitrage der Gene- rationenforschung erst relativ spat, vermehrt seit den achtziger Jahren, finden (vgl. Lau- terbach 2002: 542).

In Anbetracht dessen, dass im weiteren Verlauf der Arbeit auf die grundlegenden Stu- dien und ihre Ergebnisse ausfuhrlich eingegangen wird, soll im Folgenden eine Uber- sicht ausreichen um die wichtigsten Studien, ihre Inhalte und ihr Forschungsdesign in zeitlicher Ordnung darzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

2. Demographische Wandlungsprozesse - Verlangerung der gemein- samen Lebenszeit

Die demographischen Veranderungen innerhalb des letzten Jahrhunderts haben die ak- tuellen Alters- und Familienstrukturen in Deutschland enorm gepragt und GroBeltern- Enkel-Beziehungen im heutigen Sinn uberhaupt erst gesellschaftlich relevant werden lassen. Die folgenden statistischen Angaben sollen dies verdeutlichen. Die durchschnitt- liche Lebenserwartung hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts u.a. aufgrund des Ruckgangs der Kindersterblichkeit, erhohtem materiellen Wohlstands und besserer me- dizinischer Versorgung fast verdoppelt. Naturlich war es auch in der damaligen Zeit moglich ein hohes Alter zu erreichen, zur Normalitat fur den GroBteil der Bevolkerung wurde es aber erst im spateren 20. Jahrhundert (vgl. Perrig-Chiello et al. 2008: 54). So lag die durchschnittliche Lebenserwartung im Jahr 1900 noch bei rund 44 Jahren fur Manner und 48 Jahren fur Frauen, funfzig Jahre spater bei 65 und 69 Jahren. Neugebo- rene Jungen konnen heute nach der aktuellen Sterbetafel6 2006/2008 mit einer 77,2 Jah­re langen Lebenszeit rechnen, die Madchen besitzen eine Lebenserwartung von 82,4 Jahren. AuBerdem lasst sich aus ihr entnehmen, dass jeder zweite Mann in Deutschland heute mindestens 80 Jahre alt wird und jede zweite Frau eine Lebenserwartung von et wa 85 Jahren besitzt (vgl. Statistisches Bundesamt 2006c: 15, 2009c).7 Das zeigt eben- falls, dass sich die Alterssterblichkeit enorm verringert hat. Die heute sechzigjahrigen Manner besitzen noch eine fernere Lebenserwartung von fast 21 Jahren und gleichaltri- ge Frauen durfen beinahe weitere 25 Jahre erwarten (vgl. Statistisches Bundesamt 2009a). Die Altersgruppe der Sechzigjahrigen lebt heute demnach etwa 16 Jahre langer, als die fur ihren Geburtsjahrgang angegebene durchschnittliche Lebenserwartung prog- nostiziert.

Diese Entwicklung der langeren Lebenserwartung sowie der geringeren Alterssterblich- keit hat die intergenerationalen Strukturen in entscheidender Weise beeinflusst: Die gemeinsam verbrachte Lebenszeit von Eltern und Kindern ist angestiegen und demzu- folge hat sich auch die gemeinsame Lebensspanne von GroBeltern und Enkelkindern stark ausgeweitet (vgl. Hopflinger et al. 2006: 23). Drei-Generationen-Beziehungen gehoren heute zur gewohnlichen Familiengeschichte der Menschen und stellen keine Besonderheit mehr dar, wie es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall war. Hopflinger et al. stellten fur die gemeinsam verbrachte Lebensspanne in der Schweiz8 einen Vergleich zwischen den Jahren 1900 und 2000 auf (siehe Tabelle 1, S. 14). Auf- grund einer geringen Lebenserwartung verbunden mit vergleichsweise hohem Heirats- und Geburtsalter und damit hohen Generationenabstanden, besaBen die Kinder kurz nach ihrer Geburt am Anfang des 20. Jahrhunderts durchschnittlich nur die Halfte ihrer vier biologischen GroBeltern. Zwischen dem zehnten und funfzehnten Lebensjahr redu- zierte sich die Zahl auf nur noch ein GroBelternteil, bis schlieBlich fast die Halfte der Kinder mit funfzehn Jahren keine GroBeltern mehr hatte. Einhundert Jahre spater ist die demographische Situation eine grundlegend andere. Die Ausdehnung der Lebenszeit fuhrte dazu, dass zehnjahrige Kinder noch drei von vier biologischen GroBeltern erfah- ren. Kinder und Teenager erleben heute im Vergleich zu fruheren Epochen zumeist ak- tive und gesunde GroBeltern. Allerdings nimmt altersbedingt das Sterberisiko der GroB­eltern wahrend der Jugendphase ihrer Enkelkinder schnell zu und die Zahl der uberle- benden GroBeltern der zwanzigjahrigen Enkel fallt durchschnittlich unter zwei Perso- nen. Jedoch besitzen erst weniger als zehn Prozent dieser Altersgruppe keine GroBeltern mehr. Den vollstandigen Verlust der GroBelterngeneration mussen Enkel ab Mitte Zwanzig hinnehmen. Bis zum Alter von DreiBig Jahren haben rund zwei Drittel ihre GroBeltern verloren. Immerhin existiert aber noch bei jedem zehnten 35-jahrigen En- kelkind ein meist hochbetagtes GroBelternteil. Aufgrund der hoheren Lebenserwartung von Frauen ist dies haufig die GroBmutter (vgl. Hopflinger et al. 2006: 23f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Hopflinger et al. 2006: 24.

Datenbasis: Demographische Querschnittsdaten von Uberlebensordnung und Geburtenabstanden. Be- rechnungen von Philippe Wanner (Universitat Genf).

Durch die langere gemeinsame Lebenszeit, die Enkelkinder mit ihren GroBeltern verbringen konnen, steigt allerdings auch die Wahrscheinlichkeit den Tod der GroBel­tern bewusst mitzuerleben. Rund drei Viertel der 12- bis 16-Jahrigen mussen sich mit dem Tod und Begrabnis zumindest von einem GroBelternteil auseinander setzen. Oft ist dies die erste reale familiale Sterbe- und Todeserfahrung, die junge Menschen in mo- demen Gesellschaften erleben und sie stellt fur die Enkel ein zentrales kritisches Le- bensereignis dar. Zur emotionalen Bedeutung dieser einschneidenden Erfahrung lassen sich bisher noch keine gesicherten Ruckschlusse ziehen. Vermutet wird aber, dass der Verlust der GroBeltern und die damit verbundene Trauer bei Jugendlichen zu einer Aus- einandersetzung mit dem Zwiespalt zwischen Leben und Sterben fuhren. Zudem kann es zum Nachdenken uber die eigene familiale Herkunft und Zukunft auf dem Weg in das Erwachsensein beitragen (vgl. Hopflinger et al. 2008: 32f).

Einen gewissen Gegentrend begrundet das gestiegene Alter der Mutter bei der Geburt des ersten Kindes. Denn eine weiterhin ansteigende gemeinsame Lebensspanne wird dahingehend begrenzt, dass heute das Familiengrundungsalter hoher liegt als noch vor ein paar Jahrzehnten. Frauen der Kohorten 1942 bis 1946 waren bei ihrer ersten Geburt durchschnittlich 23 Jahre alt, wahrend die Jahrgange 1967 bis 1971 drei Jahre alter wa ren, als sie ihr erstes Kind bekamen (vgl. Statistisches Bundesamt 2008b: 18f). Indem GroBmutter spat Mutter geworden sind und ihre Kinder ebenfalls erst spat eigene Kin­der zur Welt brachten, fallt in der Konsequenz die gemeinsame Lebenszeit von GroBel- tern und Enkel geringer aus. Diese verkurzt sich noch einmal fur die zweit- und drittge- borenen Kinder, welche naturgemaB ihre GroBeltern weniger lang als die Erstgeborenen erfahren (vgl. Hopflinger et al. 2006: 25). Insbesondere bei gut ausgebildeten Frauen fuhren langere Ausbildungszeit und eine starke Karriereorientierung zu spater Mutter- schaft, sofern diese Frauen nicht sogar kinderlos bleiben (vgl. Perrig-Chiello 2008: 49). Dementsprechend stellt das Familiengrundungsalter uber zwei Generationen einen ein- flussreichen Indikator fur die Entstehung von Mehrgenerationenfamilien, fur den Le- bensabschnitt GroBelternschaft und fur die gemeinsam verbrachte Lebensphase von GroBeltern und Enkelkindern dar (vgl. Lauterbach 2002: 543).

Neben dem Familiengrundungsalter ist auch die Geburtenrate in Deutschland einem Wandel unterlegen. Die Entwicklung der zusammengefassten Fertilitatsziffer9 ist stark rucklaufig und betrug im Jahr 2008 fur Gesamtdeutschland 1,38. Im langfristigen Ver- gleich gesehen, kamen 195010 durchschnittlich noch 2,1 Kinder je Frau zur Welt, was genau dem Wert des Reproduktionsniveaus einer Gesellschaft entspricht. Ein Zwi- schenhoch wurde im Jahr 1965 erreicht. Infolge der geburtenstarken Jahrgange ab Mitte der funfziger Jahre, ergab sich damals eine Geburtenziffer fur Ost und West von rund 2,5. Die bislang geringste zusammengefasste Fertilitatsziffer kam 1993 und 1994 mit nur 0,77 in den Neuen Landern zustande. Aktuell liegt sie aber mit 1,4 wieder leicht uber dem Gesamtschnitt (Statistisches Bundesamt 2006b, 2009b). Allerdings betrifft der Gesamtruckgang der Geburtenrate im Wesentlichen Familien mit drei oder mehr Kin- dem. Der Anteil an Familien mit nur einem oder zwei Kindern hat sich dagegen nicht stark vermindert (vgl. Lauterbach 2002: 543; BMFSFJ 2003: 74; Statistisches Bundes­amt 2008b: 13). Die folgende Grafik veranschaulicht diesen Trend hin zu kleineren Fa­milien. Jedoch ist zu beachten, dass sich die Relationen bei den Frauen unter 35 Jahren noch andern konnen, da bei ihnen die Familienplanung noch nicht abgeschlossen sein muss und gerade fur diese Jahrgange ein hoheres Lebensalter fur das zweite oder dritte Kind kennzeichnend ist (vgl. Statistisches Bundesamt 2008b: 18f).

Grafik 1 - Mutter nach Geburtsjahrgang und Kinderzahl, Deutschland 2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2008b: 13, Anteile in Prozent.

Mit dem Ruckgang kinderreicher Familien verandern sich auch die Generationenbezie- hungen und -konstellationen. Die heutigen Familienstrukturen besitzen demnach eine starkere vertikale denn horizontale Auspragung. Diese in den USA als ,beanpole- families', so genannte ,Bohnenstangen-Familien‘, karikierten Familienverbande werden durch mehrere gleichzeitig lebende Generationen und durch weniger Familienmitglieder aufgrund der niedrigeren Geburtenrate charakterisiert. Durch geringere horizontale Ver- zweigungen wachsen Kinder oft ohne Geschwister auf und demzufolge fehlen den nachkommenden Generationen Seitenverwandte wie z.B. Onkel und Tanten (vgl. Men- ning 2007: 20; Schweppe 2002: 183; Szydlik 2000: 11).

Da GroBelternschaft kein Erhebungskriterium amtlicher Statistiken darstellt, gibt es uber deren Haufigkeit keine offiziellen Daten. Richtungsweisend sollen fur die folgen- den Ausfuhrungen die Angaben aus der Studie von Herlyn und ihren Kolleginnen gel- ten: Das ErstgroBmutteralter liegt im Durchschnitt bei 49,9 Jahren.

[...]


1 Einen grundlegenden und vielzitierten Beitrag zum Konzept des zeitgeschichtlich-gesellschaftlichen Generationenbegriffes leistete Karl Mannheim 1928 in seinem Essay „Das Problem der Generationen“ (In: Kolner Vierteljahreshefte fur Soziologie, 7(2), 157-185 und (3), 309-330.).

2 Ein gutes Beispiel fur den Zusammenhang zwischen familialen Beziehungen und politisch-kulturellen Generationen stellt die 68er-Generation dar. Der typische 68er-Zeitgeist, den sie selbst einerseits mit geformt haben, ihm andererseits unterworfen waren, hat entscheidend ihre Ansichten und Verhaltens- weisen gepragt. Insbesondere durch die Auseinandersetzung uber das „kollektive Vergessen nach 1945“ und das Verhaltnis zur nationalsozialistischen Vergangenheit kam es zur „Revolte gegen die Elterngeneration“, was viele Vater-Sohn-Beziehungen stark im negativen Sinne beeinflusste (Kom- fort-Hein 1999: 201; Luscher & Liegle 2003: 29). Oft erfolgt die Konfrontation mit der eigenen Rolle und personlichen Schuld im Nationalsozialismus aber auch erst durch die Enkel, da die 68er- Generation es vermied die Vergangenheit der Eltern offen anzusprechen (vgl. Szydlik 2000: 29).

3 Ambivalenz ist ein Kunstwort, geschaffen 1910 vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler. Er sah in der Ambivalenz ein Konstrukt, das „der namlichen Idee zwei gegenteilige Gefuhlsbetonungen gibt und den gleichen Gedanken zugleich positiv und negativ denken lasst“ (Bleuler zit. n. Luscher & Liegle 2003: 287).

4 Dazu leisten Luscher und Pillemer einen grundlegenden Beitrag in ihrem Essay „Die Ambivalenz familialer Generationenbeziehungen“. Mittels Solidaritat als Form der Interpretation und des Um- gangs mit Ambivalenzen wird „der Weg frei, um die Vielfalt der Gestaltung von Generationenbezie- hungen, die in gegenwartigen Gesellschaften zusehends offentliches und wissenschaftliches Interesse beanspruchen, unvoreingenommen zu untersuchen“ (1996: 6f).

5Ausfuhrlich dargestellt in Kapitel 2, S. 12ff.

6 Die amtlichen Sterbetafeln stellen eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhaltnisse der gesamten Bevolkerung aus den letzten drei Jahren dar. Sie basieren auf den Daten der Gestorbenen und der Durchschnittsbevolkerung fur diesen Zeitraum (vgl. Statistisches Bundesamt 2009c).

7 Werden verschiedene Trendvarianten mitberucksichtigt, so liegt die aktuelle durchschnittliche Le- benserwartung fur Manner sogar bei etwa 85 und fur Frauen bei rund 90 Jahren. Vorausgesetzt wer- den bei diesen Prognosen aber, dass in Zukunft keine Ereignisse wie Kriege, Umwelt- oder Wirt- schaftskatastrophen auftreten (vgl. Statistisches Bundesamt 2006c: 14).

8 Da die demographische Entwicklung der Schweiz recht ahnlich zur deutschen verlauft, ist anzuneh- men, dass sich fur deutsche Familien annahernd gleiche Zahlen ergeben werden.

9 Die zusammengefasste Fertilitatsziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen wurde, wenn ihr Geburtenverhalten so ware wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jah­ren im jeweils betrachteten Jahr (vgl. Statistisches Bundesamt 2006b).

10 Nur auf die Alten Bundeslander bezogen. Die zusammengefasste Geburtenziffer fur die Neuen Lander ist erst ab 1955 verfugbar und betrug 2,35 (vgl. Statistisches Bundesamt 2006b).

Details

Seiten
75
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640691166
ISBN (Buch)
9783640691302
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156243
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Enkelkinder Großeltern Generationenbeziehungen Familie intergenerational stake

Autor

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Titel: Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern