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Politainment - Machen Medien Politik?

Unterrichtsentwurf 2010 18 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begründender Teil
1.1 Bedingungsanalyse
1.2 Sachanalyse
1.3 Ziele der Unterrichtsstunde
1.4 Didaktisch-methodische Analyse

2 Verlaufsskizze der Unterrichtsstunde

3 Anhang
3.1 Literaturverzeichnis
3.2 Tafelbilder/Kopien der eingesetzten Medien/Materialien

1 Begründender Teil

1.1 Bedingungsanalyse

Der Kursunterricht findet als Blockunterricht in den ersten beiden Stunden statt (7:30 – 9:00). Die Prüfungslehrprobe erstreckt sich über diesen Zeitraum, da die Schüler[1] (5 Jungen, 6 Mädchen) an diesen Rhythmus gewöhnt sind. Am Gymnasium L. wurde das Pausenklingeln abgeschafft. Seit Eröffnung des renovierten Weinberghauses ist dort allerdings wieder ein Eröffnungsgong vor jedem Block etabliert worden. Für den Altbau gilt weiterhin die alte Regelung, dass nicht vor- bzw. abgeklingelt wird. Dies ist insgesamt als den Unterrichtsbetrieb entspannend zu bewerten. Jedoch kann es vorkommen, dass Schüler nicht immer pünktlich zum Unterricht erscheinen – nicht nur wegen des fehlenden Klingelns. Einige der Schüler erscheinen in letzter Zeit ständig verspätet. Die Hälfte des Kurses habe ich bereits im Geschichtsunterricht kennen lernen können. Somit wird es für sieben Schüler die zweite Lehrprobe, die sie mit mir gemeinsam erleben. Hinsichtlich der Kurssituation muss auf Leistungsdiskrepanzen zwischen den Schülern und insgesamt hingewiesen werden. Die Jungen gehören mit einer Ausnahme, was die Antwortqualität anbelangt, zu den eindeutig leistungsschwachen Lernenden. Die Mitarbeit ist hier mitunter nicht existent. Deshalb muss direktes Ansprechen/Einbinden erfolgen. Zwei der Jungen lenken sich sehr oft gegenseitig ab. Hier finden meine Beobachtungen aus dem Geschichtskurs Bestätigung. Eine Schülerin hingegen legt die gleiche Dominanz in Unterrichtsgesprächen an den Tag wie im Geschichtskurs. Ihre Antworten sind qualitativ hochwertig und sie hilft, das Unterrichtsgespräch voranzubringen. Sie erfasst Zusammenhänge besonders schnell und ist anderen Mädchen weit voraus. Zudem zeigt sie, dass sie wissenschaftspropädeutisch arbeiten kann, was beim Großteil des Kurses nicht angenommen werden kann, indem sie selbständig Mitschriften anfertigt. Die Mehrheit des Kurses wartet noch auf ein Tafelbild. Hier versuche ich vermehrt, das selbständige Mitschreiben zu initiieren. Allerdings werden wichtige Aspekte noch visualisiert. In der letzten Stunde brachten sich auch einige Schüler ein, die sonst das Unterrichtsgespräch nicht aktiv mitgestalten. Insgesamt war eine stetige Mitarbeit festzustellen. Allerdings muss mit allen Kursteilnehmern weiter an der Kommunikationsfähigkeit gearbeitet werden. Ich glaube, dass die Schüler nicht wissen, welche Antwortqualität von einzelnen Operatoren verlangt wird. Hier wird in einer der nächsten Stunde eine Präzisierung erfolgen müssen (Methodenarbeit: Operatoren). Im Kurs befindet sich ein slowakischer Austauschschüler. Er beherrscht die deutsche Sprache zwar nun besser, als zu Beginn des Schuljahres. Trotzdem, so ist mein Eindruck, behindern die immer noch existenten sprachlichen Hürden das inhaltliche Folgen im Unterricht. Andere Schüler sprechen mit ihm meist noch Englisch, was seine Deutschkenntnisse nicht wesentlich verbessert. Seine Mitarbeit ist, wenn er einmal zum Unterricht erscheinen sollte, somit nicht vorhanden.

Ein großes Handicap für Schüler und Lehrenden ist, dass es für den Kursunterricht kein Lehrwerk gibt. Damit fehlt den Akteuren zugleich Orientierung über die Thementiefe. Als Lehrwerke böten sich hier Buchners Kompendium Politik oder Schöninghs Sozialkunde. Politik in der Sekundarstufe II an. Mehrfach habe ich auf diese Bücher zurück gegriffen. Eigentlich wäre es angeraten, dass die Schüler die jeweiligen Sitzungen vorbereiten, um effektives Arbeiten an den vom Lehrplan geforderten Problematisierungen im Anforderungsbereich III zu erreichen. Um den Anforderungsbereich III nicht als Anhängsel erscheinen zu lassen, wäre mit einem Lehrwerk Entlastung für den Anforderungsbereich I möglich. Diese Erfahrungen habe ich in Geschichte gemacht. Nicht immer steht bei den Unterrichtsvorbereitungen eine sinnvolle Hausaufgabe für die Folgestunde zur Verfügung, sodass ich die Hausaufgaben auf die Wiederholung der Themata der Vorstunden beschränke. Das Fehlen eines Lehrwerkes hält den Kopieraufwand nicht in Grenzen. Kein Lehrbuch und Sparmaßnahmen bei den Kopien stehen sich entgegen.

Für den Unterricht stehen Medien in Form von Overheadprojektor und eine elektronische Flipchart-Tafel zur Verfügung. Mittels der Tafel können Filme gezeigt oder aber auch Seiten im Internet besucht werden, die den Unterricht sehr zu bereichern helfen. Diese Art von Tafel spart Ressourcen (Kreide, Papier, Folien), indem ferner mit PowerPoint gearbeitet werden kann. Die Schüler schätzen dieses Medium sehr. Außerdem ermöglicht die digitale Aufbereitung von Tafelbildern die spätere Änderung, ohne Folien oder Papier zu verschwenden.

Im Zimmer L 25 (Richtung Nordosten) besteht im Sommer eine gute Arbeitsatmosphäre, da es im Zimmer kühl ist. Wenn, wie im Winter, bisweilen nicht richtig geheizt wird, verkehrt sich der Vorteil des Zimmers in einen Nachteil. Gerade Hospitierenden wird dieser Nachteil schnell offenbar. Zur Verdunklung können Rollos heruntergelassen werden. Für die Filmbeiträge wird es genügen, das vordere Rollo unweit der Tafel zu senken.

An unserer Schule ist es erlaubt, im Unterricht zu trinken. Dies wird nicht als Respektlosigkeit angesehen. Die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse sollte nicht sozialen Konventionen wie dem Zeitregime unterworfen werden. Die Praxis hat gezeigt, dass damit keine Beeinträchtigung des Unterrichts einhergeht.

1.2 Sachanalyse

Artikel fünf des Grundgesetzes räumt der Meinungsfreiheit der Medien einen hohen Stellenwert ein. Die offene und plurale Gesellschaft bedarf der unabhängigen Medien (Pressefreiheit), denn durch Medien, so Möllers, „erfahren wir voneinander und von unseren unterschiedlichen Ansichten“. Und weiter: „Wir verpflichten eine Zeitung nicht dazu, politisch ausgewogen zu berichten, […]. Dies wäre eine Form der Verstaatlichung.“[2] Der Informationsfreiheit für Medien und Bürger gleichermaßen folgen unweigerlich aufgrund der Medien- bzw. Informationsfülle Informationsdefizite. Ja mehr noch: die unabhängigen Medien werden nicht zu Unrecht als vierte Gewalt im Staat bezeichnet, weil sie aus dieser Fülle auswählen müssen. Damit sind logischerweise Vor- und Nachteile verbunden. Delhaes Analyse zur Informations-, Artikulations- und Kritik- bzw. Kontrollfunktion, die die Bedeutung des Artikels fünf unterstreicht, wird um die Dimension der „Unterhaltung“ erweitert. Unterhaltung benötigt zwangsläufig die Reduzierung und Simplifizierung – Informationen müssen ausgewählt und, damit der Absatz stimmt, dem Publikum zudem ansprechend dargeboten werden. Zwar würden die Medien hier mehr und mehr personalisieren (Skandale), aber: „Politik selbst treibt Personalisierung voran, um ihrerseits in der politischen Öffentlichkeitsarbeit […] auch Images von Einzelpersönlichkeiten zu bilden […]“[3]. Unterhaltungselemente werden von Politik und Medien genutzt, um „etwas voneinander zu erfahren“. Organisationen wie Parteien, Medien und die Bürger sind aufeinander angewiesen. Zentral hierbei ist das Verhältnis von Politik und Medien, dessen Wandel unter dem Stichwort Mediokratie oder Politainment zu fachwissenschaftlichen Auseinandersetzungen geführt hat.[4] Die Frage nach dem Weg, den unsere Demokratie (längst ist hierfür auch der Begriff der Mediengesellschaft in Verwendung) eingeschlagen hat, scheint für Höffe klar: „Die faktische Aufklärung ist jedenfalls von Täuschung, Verzerrung und Verzeichnung bedroht.“[5] Dieses Szenario zielt in Richtung der Medien, die besonders im Bereich Politik ein Themensetzungsmonopol inne hätten. Eichhorn spricht zu Recht, dass es sich hierbei um eine Trivialität handele, da die Themensetzung unmittelbar mit der Kontrollfunktion politischer Akteure in Zusammenhang stehe.[6] Das neudeutsche Wort Agenda-Setting ist somit nichts Unbekanntes. Vielmehr besteht jedoch Kritikbedürftigkeit in Fragen politischer „Medienmache“ und medialer Politisierung. Diese Mischung und enge Vernetzung ist mit der Verbreitung neuer Medien wie dem Internet auf das engste verzahnt. Wen wundert es, dass zur Jahrtausendwende von der Zeitungskrise gesprochen wurde; die Finanz- und Wirtschaftskrise sei daran nicht unbeteiligt gewesen.[7] Medien kommen nach wie vor ihren in einer Demokratie notwendigen Aufgaben nach. Nur eben anders! Und hier streiten sich die Geister. Das Fernsehen, Internet und Web-Blogs lösen die Zeitung als Bindeglied zwischen Politik und Bürgern ab. Medien aber sind nach wie vor das Scharnier zwischen politischen Akteuren und Bürgern; erst recht im Wahlkampf. Hier wird jedes Medium (Zeitung, TV, Internet…) in die Waagschale geworfen: Politainment beginnt.

Der von Dörner geprägte Begriff „Politainment“ setzt sich aus den Wörtern Politik und Entertainment (Unterhaltung) zusammen. Die Verknüpfung von Politik und Unterhaltungskultur definierte Dörner wie folgt: „Politainment bezeichnet eine bestimmte Form der öffentlichen, massenmedial vermittelten Kommunikation, in der politische Themen, Akteure, Prozesse, Deutungsmuster, Identitäten und Sinnentwürfe im Modus der Unterhaltung zu einer neuen Realität des Politischen montiert werden.“[8] Kern der Sache ist hierbei das Generieren einer „neuen Realität“. Das Resultat bleibt hängen: Slogans und Kampagnen zielen auf vereinfachende Botschaften mit großer Wirkung. Dörner unterscheidet hierbei unterhaltende Politik, bei der beispielsweise politische Akteure auf Unterhaltungsmittel (Auftritte von Politikern in Unterhaltungssendungen wie „Wetten, dass...?“ oder „Big Brother“) zurückgreifen, um ihre Ziele zu verwirklichen, und die bekannte politische Unterhaltung (Comedy, Kabarett). Bei letzterem geht es den Medien v.a. um die Erhöhung der Einschaltquoten.

[...]


[1] In den weiteren Ausführungen wird auf differenzierte weibliche und männliche Bezeichnung in der Schreibweise verzichtet. Wenn vom Schüler oder Lehrer geschrieben wird, schließt das aufgrund einer lesbaren Darstellung auch Schülerinnen und Lehrerinnen ein.

[2] Möllers, Christoph: Demokratie. Zumutungen und Versprechen, 2008, S. 38.

[3] Delhaes, Daniel: Politik und Medien. Zur Interaktionsdynamik zweier sozialer Systeme, 2002, S. 193 – 194.

[4] Vowe, Gerhard: Medien und Politik, 2008, S. 256/257.

[5] Höffe, Otfried: Ist die Demokratie zukunftsfähig? Über moderne Politik, 2009, S. 297.

[6] Eichhorn, Wolfgang: Agenda-Setting, 2008, S. 28.

[7] Schrag, Wolfram: Medienlandschaft Deutschland, 2006, S. 16. („Erschwerend kommt hinzu, dass angesichts der Bevölkerungsentwicklung immer schmalere Jahrgänge ins >zeitungsreife< Alter nachwachsen.“)

[8] Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft, 2001, S. 31.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640717873
ISBN (Buch)
9783640717859
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v156125
Institution / Hochschule
Sächsische Bildungsagentur Dresden – Referat Lehrerausbildung
Note
2
Schlagworte
Politainment Machen Medien Politik

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Titel: Politainment - Machen Medien Politik?