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Soziokultureller Wandel und Nachhaltigkeit in Unternehmen

Veränderte Rahmenbedingungen als Auslöser der Nachhaltigkeit in Unternehmen

Seminararbeit 2010 22 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriff und Dimensionen der Nachhaltigkeit

3 Veranderungen im Unternehmensumfeld
3.1 Systematisierung relevanter Rahmenbedingungen
3.2 Makroumfeld
3.2.1 Okologische Rahmenbedingungen
3.2.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
3.2.3 Politische Rahmenbedingungen
3.2.4 Technologisch-Okonomische Rahmenbedingungen
3.3 Interaktionsumfeld
3.3.1 Geanderte Kundenbedurfnisse
3.3.2 Nachhaltigkeitsorientierter Wettbewerb
3.3.3 Anspruche der Mitarb eiter
3.3.4 Veranderungen auf den Kapitalmarkten

4 Reflektion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dimensionen und Strategien der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Systematisierung des Unternehmensumfelds

Abbildung 3: Vorteile durch Nachhaltigkeit

Abbildung 4: Einflussfaktoren fur die Ubernahme des Nachhaltigkeitskonzepts

1 Einleitung

„Nichts ist so machtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Victor Hugo (*1802 - f1885), franz. Schriftsteller

Nachhaltigkeit als Begriff und Konzept ist vor dem Hintergrund eines sich zuspitzenden Klimawandels, einer ansteigenden Weltbevolkerung und der zusatzlichen Herausforderungen im Rahmen der Finanz- und Wirtschafts- krise in den letzten Jahren von einer Randerscheinung zu einem der Schlus- selkonzepte des 21. Jahrhunderts geworden.[1]

Produkte sind auf einmal „green“, „blue“, „eco“, „social“ und „sustainable“[2], Unternehmen veroffentlichen seitenlange Nachhaltigkeitsbe- richte auf Hochglanzpapier[3] und halten eigene „Sustainability Centers“[4] Doch was bewegt Unternehmen, sich von der Friedman'schen Gewinnma- ximierung[5] abzuwenden und explizit okologische und gesellschaftliche Ver- antwortung zu ubernehmen?

Ziel der Arbeit ist es dieser Frage nachzugehen und zu analysieren, welche veranderten Rahmenbedingungen im Unternehmensumfeld Nachhaltigkeit auslosen konnen. Zur Annaherung an den mit der Fragestellung implizierten Themenkomplex wird in Abschnitt 2 der Begriff Nachhaltigkeit hergeleitet und die Ziele des Konzepts erlautert. In Abschnitt 3 wird dann eine Struktu- rierung des Unternehmensumfelds vorgenommen, um darauffolgend den Wandel in den einzelnen Handlungsfeldern zu kennzeichnen, der fur eine Ubernahme des Nachhaltigkeitskonzepts entscheidend sein kann. Einer ab- schlieBenden Reflektion der Fragestellung wird in Abschnitt 4 nachgegan- gen.

2 Begriff und Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Kerngedanken der Begriffe „Nachhaltigkeit“ und der „nachhaltigen Entwicklung“ werden schon in der Schopfungsgeschichte der Bibel, die dem Menschen neben der Unterwerfung auch die Bewahrung der Erde auf- erlegt, artikuliert.[6] Der Begriff selbst wurde im Jahre 1713 durch Hans von Carlowitz im Rahmen seiner Forderungen nach bestandiger und nachhalti ger Waldbewirtschaftung gepragt[7]. Aber erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist das allgemeine Bewusstsein, dass der Mensch mit seiner Lebens- und Wirtschaftsweise der Umwelt und langfristig sich selbst schadet, gewachsen und in den Fokus offentlicher Debatten gelangt[8]. Zum Ausdruck kommt dies z.B. 1972 in dem Motto der ersten Umweltkonferenz der Vereinten Natio- nen: „Only one Earth“[9] Wirklich popular wurde der Begriff des „Sustainable Development 1987 durch den Bericht „Our Common Future“ der Weltkommission fur Umwelt und Entwicklung (WCED), dem soge- nannten Brundtland-Report.[10]

Die Definitionen des Begriffs Nachhaltigkeit sind vielfaltig und variieren je nach Standpunkt des Betrachters.[11] Nachhaltige Entwicklung wird hier ana­log zur Definition der WCED verstanden als eine Entwicklung „(...) that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“[12] Neben der Forderung nach interge- nerationaler Gerechtigkeit ist in dieser Definition explizit die intra- generationale Gerechtigkeit, also die Ermoglichung gleicher Chancen fur Menschen aus Entwicklungslandern, berucksichtigt.[13] Das Konzept der Nachhaltigkeit beinhaltet somit neben okologischen Zielen auch soziale und okonomische Ziele, die in einem engen Wirkungszusammenhang stehen[14], wie in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abbildung 1: Dimensional und Strategien der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Siebenhuner, B.: Homo sustinens, 2001, S. 78.

Die Grundstrategien des Nachhaltigkeitskonzepts werden in den Forderun- gen nach einer genugsameren Lebensweise durch Reduzierung der Bedurf- nisse (Suffizienz), der Realisierung eines gleichbleibenden Nutzenniveaus mit geringeren Umweltschadigungen (Effizienz) und in dem Anspruch, dass der Mensch im Einklang mit der Okosphare leben soll (Konsistenz) zum Ausdruck gebracht.[15]

3 Veranderungen im Unternehmensumfeld

3.1 Systematisierung relevanter Rahmenbedingungen

Unternehmen agieren nicht isoliert auf Markten, sondern stehen in vielfa- cher Hinsicht in interdependenten Beziehungen zu ihrem direkten und indi- rekten Umfeld.[16] Veranderungen des Umfelds erzeugen innerhalb der Un- ternehmen einen Anpassungsdruck, der sich in inkrementellen oder abrupten Anpassungsprozessen auBert, wenn das Unternehmen langfristig existieren mochte.[17] Zur Systematisierung der Veranderungsprozesse im Unterneh­mensumfeld, die intern einen Wandel in Richtung nachhaltiger Prozesse und Produkte auslosen, existieren unterschiedliche Ansatze, die im Kern auf einer Unterscheidung zwischen einem weiter gefassten Umfeld, dem globalen Makroumfeld, und dem aufgabenbezogenen Interaktionsumfeld beru hen, wie in der folgenden Abbildung zusammengefasst.[18]

Abbildung 2: Systematisierung des Unternehmensumfelds

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Umweltmanage ment, 1998, S. 82 sowie Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 96.

Aufgrund der hohen Vernetztheit der einzelnen Handlungsfelder werden zur Vermeidung von Redundanzen verwandte Themen aus dem Interaktions- und Makroumfeld nachfolgend durch Schwerpunktsetzung in einem Bereich zusammenhangend erlautert.

3.2 Makroumfeld

3.2.1 Okologische Rahmenbedingungen

Die betriebliche Leistungserstellung ist untrennbar mit der Nutzung naturli- cher Ressourcen verbunden. Auf der Inputseite ubernimmt die okologische Umwelt durch die Bereitstellung von Ressourcen wie Wasser, Boden, Luft und Energie eine Versorgungsfunktion.[19] Die Aufnahme von Produkten, Produktionsabfallen und Emissionen auf der Outputseite wird durch die Tragerfunktion beschrieben[20]. Durch die Regelungsfunktion der Umwelt bleibt das okologische Gleichgewicht erhalten.[21]

Werden diese Hauptfunktionen in einem immer starkeren MaBe, auch uber ihre nachhaltig moglichen Nutzungsgrenzen hinaus, in Anspruch genom men, sinkt ihre Regenerationsfahigkeit - Storungen des okologischen Gleichgewichts und Umweltbelastungen sind die Folge.[22]

Auf der Inputseite, der Versorgungsfunktion, fuhrt der verstarkte industriel- le Verbrauch von naturlichen Rohstoffen zu einer zunehmenden okologi­schen wie okonomischen Verknappung, welches sich in steigenden Preisen fur Rohstoffe wie Wasser, Erdol oder Erdgas niederschlagt.[23]

Die anthropogene Emission von klimawirksamen Spurengasen wie Kohlen- dioxid (CO2) hat zu einer Erhohung der globalen Durchschnittstemperatur um uber 0,7°C in den letzten 140 Jahren beigetragen.[24] Dieser Wandel des Klimas beeintrachtigt die Tragerfunktion der Umwelt.[25] Eine weitere Erho­hung kann zu einem signifikanten Anstieg des Meeresspiegels, Zunahme meteorologischer Extremereignisse und Verschiebung von Klimazonen fuh- ren. [26] Hauptverursacher ist nach einer Studie des Umweltbundesamtes ne ben der Energiewirtschaft mit 45,8% die Industrie mit 20,5%.[27]

Durch die steigende Beeintrachtigung der Versorgungs-, Regelungs- und Tragerfunktion der Umwelt wachst bei den Unternehmen die Notwendigkeit einer vorausschauenden Beachtung der okologischen Rahmenbedingungen bei der betrieblichen Leistungserstellung.[28] Nach Luhmann entwickeln Un- ternehmen aufgrund der zunehmenden Ressourcenverknappung und Um- weltzerstorung ein inharentes Bestreben nach okologieorientiertem, nach haltigem Wirtschaften um sich ihre Produktionsgrundlagen zu bewahren[29]. Aufgrund der vielfach indirekten Betroffenheit der Unternehmen auBern sich okologische Veranderungen oft erst uber weitere Anspruchsgruppen im Unternehmensumfeld[30], die nachfolgend erlautert werden.

3.2.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Neben diesen direkten stofflich-energetischen Einflussen der okologischen Umwelt stellen sozio-okonomische Anspruche der Gesellschaft fur die Un- ternehmen eine groBe Herausforderung dar[31]. Die hohe Sensibilitat gesell- schaftlicher Interessengruppen fur das Thema Nachhaltigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten, ausgehend von ersten wissenschaftlichen Studien An- fang der 70er Jahre, sukzessive entwickelt[32]. Neben arbeitsmarktpolitischen, sozialen, wirtschafts- und finanzpolitischen Themen spielt der Umwelt- schutz heute nach einer Befragung des Bundesministeriums fur Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Bevolkerung eine herausragende Rolle - 22% nennen ihn spontan als wichtigstes Politikfeld.[33]

Aufgrund des gestiegenen Umweltbewusstseins in der Gesellschaft besteht fur die Unternehmen aufgrund ihrer offentlichen Exponiertheit zunehmend die Gefahr des Reputationsverlustes bei der Aufdeckung umweltschadlichen Verhaltens.[34] Die Medien konnen relevante Themengebiete aufgreifen und die Aufmerksamkeit der Bevolkerung auf Verfehlungen der Unternehmen lenken, aber auch Burgerinitiativen, Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften konnen heute mittels Internet und Email uber Missstande und Probleme von Unternehmen informiert werden und in rapider Ge- schwindigkeit negative Meinungen verbreiten sowie Protestaktionen initiie- ren.[35]

[...]


[1] Vgl. Lash, J./Wellington, F.: Warming Planet, 2007, S. 96; vgl. Clinton, B.: Creating Value, 2009, S. 71.

[2] Vgl. Jansen, S.: Management der Moralisierung, 2010, S. 133.

[3] Vgl. Ehrenfeld, J.R.: Sustainability, 2005, S. 23.

[4] Vgl. auch Leitschuh-Fecht, H.: Nachhaltig, 2005, S. 105.

[5] Vgl. grundlegend Friedman, M.: Social Responsibility, 1970.

[6] Vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 40.

[7] Vgl. Schmidt, M.: Grenzen des Wachstums, 2005, S. 76. Zur chronologischen Gesamt- ubersicht der Begriffsgeschichte siehe auch Gunther, E.: Okologieorientiertes Manage­ment, 2008, S. 41-44.

[8] Vgl. Klemisch, H.: Umweltmanagement, 2004, S. 3; vgl. Kanning, H.: Bedeutung des Nachhaltigkeitsleitbildes, 2009, S. 18.

[9] Vgl. Klemisch, H.: Umweltmanagement, 2004, S. 3.

[10] Vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 48.

[11] Vgl. hierzu grundlegend Ninck, M: Nachhaltigkeit, 1997

[12] WCED: Report, 1987, o.S.. „(...) die den Bedurfnissen der heutigen Generation ent- spricht, ohne die Moglichkeiten zukunftiger Generationen zu gefahrden, ihre eigenen Bedurfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wahlen.“ Ubersetzung vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 48.

[13] Vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 48-49.

[14] Vgl. Strange, T./Bayley, A.: Development, 2008, S. 24-25.

[15] Vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 51.

[16] Vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 94.

[17] Vgl. Ulrich, H./Krieg, W.: Management, 1974, S. 18.

[18] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Umweltmanagement, 1998, S. 82; vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 96.

[19] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Umweltmanagement, 1998, S. 9; vgl. auch Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 342.

[20] Vgl. Perl, E.: Implementierung, 2006, S. 11.

[21] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Umweltmanagement, 1998, S. 9.

[22] Vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 6.

[23] Vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 34.

[24] Vgl. Dyckhoff, H./Souren, R.: Nachhaltige Unternehmensfuhrung, 2008, S. 37.

[25] Vgl. Umweltbundesamt: Konzentration, 2009, o.S.

[26] Vgl. Umweltbundesamt: Konzentration, 2009, o.S.

[27] Bezogen auf alle CO2-Emissionen in Deutschland im Jahre 2007; vgl. Umweltbundes­ amt: Quellkategorien, 2009, o.S.

[28] Vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 96-97.

[29] Vgl. Stahlmann, V.: Unternehmensfuhrung, 1994, S. 55-57.

[30] Vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 170-171.

[31] Vgl. Dyllick, T./Belz, F.: Verstandnis, 1994, S. 16.

[32] Zu den Entwicklungsphasen des Umweltbewusstseins siehe Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Umweltmanagement, 1998, S. 14. Zu einer Weiterentwicklung des Modells siehe Gun­ther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 102.

[33] Vgl. Bundesministerium fur Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltbe- wusstsein, 2008, S. 13

[34] Vgl. Leitschuh-Fecht, H.: Nachhaltig, 2005, S. 12; vgl. Gunther, E.: Okologieorientiertes Management, 2008, S. 100-101.

[35] Vgl. Leitschuh-Fecht, H.: Nachhaltig, 2005, S. 21; vgl. Koplin, J./Muller, M.: Nachhal­ tigkeit in Unternehmen, 2009, S. 36; vgl. auch Hillenbrand, T.: Facebook-Falle, 2010, o.S.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640689521
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155953
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Schlagworte
Soziokultureller Wandel Nachhaltigkeit Unternehmen Veränderte Rahmenbedingungen Auslöser

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