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Figurenkonstellation und weibliche Macht in "La cousine Bette"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Personenkonstellation in La cousine Bette

2. Weibliche Macht in la cousine Bette
2.1 Valérie Marneffe
2.1.1 Charakterisierung
2.1.2 Wirkungsbereich und Macht
2.2 Lisbeth Fischer
2.2.1 Charakterisierung
2.2.2 Wirkungsbereich und Macht

Schlussteil

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

La cousine Bette (Tante Lisbeth) gehört zu den letzten der vollständigen Romane vor dem Tod von Balzac (18. August 1850, geb. 20. Mai 1799). Mit Le Père Goriot und César Birotteau ist er der einzige Roman, der durchgehend an einem Stück ohne Fortsetzung geschrieben wurde. Er ist der Comédie humaine anzuordnen, die auf 187 Werke angelegt war, jedoch wurden davon nur 91 vollendet.[1]

Balzac ordnet diese Werke in drei Teilbereiche: Sittenstudien (études des moeurs; scènes de la vie parisienne: la cousine Bette, César Birotteau), philosophische Studien (études philosophiques: le chef-d´œuvre inconnu) und analytische Studien (études analytiques: la physiologie du mariage).[2]

Die Figurenkonstellation in der Comédie humaine wird mittels Rückblenden und Einschnitten transparent gemacht, wodurch auch der Eindruck des Realen beim Leser verstärkt werden soll.[3] Die Vorgeschichte in La cousine Bette spielt eine ziemlich bedeutende Rolle, was die Rachegefühle von Bette betrifft. Dieser Punkt soll in der Arbeit näher erläutert werden.

Außerdem werden in dieser Arbeit mittels der Personenkonstellation bei La cousine Bette Informationen über die Beziehungen der Personen zueinander gegeben.

Die genaue Beschreibung der Umwelt ist für Balzac sehr wichtig, weil diese viel über den Charakter des Menschen aussagt:[4] Als Vertreter des Realismus „kopiert“ Balzac das Reale: Die Portraits der Personen mit den Beschreibungen basieren auf Personen, die zum Teil tatsächlich existiert haben[5]. Le Huenen sieht dieses Phänomen als Anspruch des „réalisme mimétique“.[6] Dabei könnte man manchmal sagen, dass das, was Balzac literarisch hervorgebracht hat, so realistisch ist, dass der Realismus in seinen Werken derartig „kippt“, dass die Elemente in den Werken fast wieder als irreal erscheinen.

Auch in La cousine Bette gibt es derartige Elemente. Deren Untersuchung jedoch soll nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.

La cousine Bette spielt sich in Paris ab,. In den meisten Texten der Comédie humaine, vor allem, wenn sie sich in Paris abspielen, sind die Männer die Protagonisten[7]. La cousine Bette stellt in der Hinsicht eine Ausnahme dar, da Valérie Marneffe und Lisbeth Fischer die wichtigsten Personen sind, die wegen ihrer Macht den gesamten Verlauf der Handlung steuern. Mit der Personenkonstellation werden die Charakterisierung dieser Frauen und deren Macht ebenfalls Gegenstand dieser Hausarbeit sein. Dabei soll auch berücksichtigt werden, wie und mit welchen sprachlichen Mitteln Balzac diese beiden Frauen beschreibt. Das soll durch Zitate deutlich gemacht werden.

Ebenso interessant ist die Art und Weise, in der die beiden Frauen miteinander kooperieren und sich als zwei gegensätzliche Personen in ihren Fähigkeiten und Begabungen ergänzen.

In diesem Roman spielt das Geld eine wichtige Rolle:[8]: Das Geld hat Einfluss auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und somit auch auf die Personenkonstellation. Für Balzac stehen moralische Integrität und sozialer Wohlstand grundsätzlich im Widerspruch zueinander.[9] In La Cousine Bette ist Valérie der Prototyp einer wohlhabenden Person ohne Moral. Lisbeth Fischen ist ebenfalls ohne Moral. Gerade dieses Fehlen der Moral gibt den beiden Frauen die Freiheit, ihre ganze Macht uneingeschränkt zu nutzen und ihren Racheplan konsequent durchzuführen. Wie und wo diese Macht von den beiden Frauen ausgeübt wird, das soll in dieser Arbeit herausgearbeitet werden.

1. Personenkonstellation in La cousine Bette

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[10][11]

Erläuterung: Lisbeth und Valerie stehen wegen ihrer Macht im oberen Bereich des Schemas, auch weil sie die weiter unten situierten Personen und deren Schicksal durch die Rache beeinflussen. Daher zeigt auch der von ihnen ausgehende Pfeil nach unten.

Man kann sagen, dass sicherlich auch die Eifersucht von Bette auf ihre Cousine Adeline den „Nährboden“ für ihre Rachsucht gebildet hat (Eifersucht wegen ihrer Schönheit, und ihres sozialen Aufstiegs; diese Eifersucht liegt weit hinten bis in die Kindheit zurück, Kapitel 7-12 geben einen Einblick auf die Vorgeschichte und der Leser erfährt die Ursache der Eifersucht). Der Auslöser jedoch war die Beziehung von Hortense mit ihrem Schwarm Wenceslas. Daher ist Hortense das unmittelbare Opfer der Rache (die Rache besteht nämlich unter Anderem aus der Verführung von Wenceslas durch Valérie). Daher zeigt der Pfeil nach unten direkt auf Hortense. Zur Rache gehört jedoch auch die Verführung von Hulot; somit ist Adeline ebenfalls ein Opfer.

Hulot hat neben seiner Frau Adeline zahlreiche andere Maitressen, darunter auch Josepha, die wegen ihm Crevel verlässt. Deshalb wird im Schaubild von der Konkurrenz zwischen Crevel und Hulot gesprochen.

Auch Crevel möchte sich rächen: Crevel möchte eine Affäre mit Hulots Ehefrau Adeline, um sich an Hulot für die Wegnahme seiner Josepha zu rächen. Crevel jedoch scheitert an der Tugendhaftigkeit von Adeline, die zu den schönsten (sowohl innerlich als auch äußerlich) Frauengestalten von Balzac zählt[12]. Bereits in den ersten Kapiteln kommt ihre Tugend zum Vorschein. Da Crevel scheitert, wird der Pfeil von ihm bis zu Adeline als gestrichelt dargestellt.

Im Schaubild sind längst nicht alle Personen erwähnt, nur diejenigen, die an der Rache beteiligt sind. Eventuell hätte man noch im Schaubild den „Brasilianer“ (le Brésilien) erwähnen können. Er ist einer von Valéries zahlreichen Geliebten, er vergiftet sie, ebenfalls aus Rache, mit einem Gift, der ihren Körper verfaulen lässt. Somit kann man sagen, dass Valérie an ihrer eigenen Rache stirbt: Der Brasilianer will sich gewissermaßen für ihre Rache rächen, deren Opfer er ebenfalls indirekt ist.

[...]


[1] Vgl. dazu: Hytier, Jean: Un chef- d´oeuvre à l´improviste: La cousine Bette, in: Romanic Review 40:2 (1949), 81f.

[2] Siehe Wanning, Frank: Französische Literatur des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1998,54.

[3] Ebd., 55.

[4] Ebd.

[5] Wanning erwähnt ebd., 52, dass Beziehungen Balzacs zu einer gewissen Mme de Berny und zu einer Mme Hanka ihm wichtige Impulse für das Verfassen seines Werkes vermittelten.

[6] Le Huenen, Roland : L´écriture du portrait de la cousine Bette, in : Rossum- Guyon, Françoise van (Hg.) : Balzac et les parents pauvres (le cousin Pons, la cousine Bette), Paris 1981,76.

[7] Vgl.: Mozet, Nicole: La cousine Bette, roman du pouvoir féminin, in : Ebd., 34.

[8] Das Geld spielt bei Balzac generell eine wichtige Rolle, nicht nur in La cousine Bette. Den finanziellen Aspekt sieht Balzac allgemein als Gefährdung sozialer und gesellschaftlicher Werte. Als Typikum der Restauration wird das Geld bei Balzac zum roten Faden, der die Thematik der gesamten Comédie humaine durchzieht; vlg. dazu: Jung, Willi: Theorie und Praxis des Typischen bei Honoré de Balzac, Tübingen 1983,55.

[9] Vgl.: Wanning, Französische Literatur,52

[10] Siehe Lorant, André: Les parents pauvres d´Honoré de Balzac. La Cousine Bette, le Cousin Pons, étude historique et critique, Genéve 1967,200.

[11] Ebd.

[12] Pollmann, Leo: Aus der Werkstatt des Romans. Arithmetische Romanformeln, Stuttgart (u.a.) 1969,41.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640684625
ISBN (Buch)
9783640684724
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155831
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,0
Schlagworte
Balzac Honoré de Parents Pauvres la cousine Bette Tante Lisbeth Bette Valérie Adeline Hulot Macht weibliche Macht

Autor

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Titel: Figurenkonstellation und weibliche Macht in "La cousine Bette"