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Soziales Kapital: Chancen und Risiken für Netzwerke

Seminararbeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Soziales Kapital und dessen Stand in der Forschung
2.1 Begriffliche und konzeptionelle Grundlage
2.1.1 Externe Bindungen
2.1.2 Innere Bindungen
2.1.3 Soziales Kapital als ganzheitliches Konzept
2.2 Dimensionen des sozialen Kapitals
2.2.1 Strukturelle Dimension
2.2.2 Relationale Dimension
2.2.3 Kognitive Dimension

3 Kritische Darstellung der möglichen Auswirkungen des sozialen
Kapitals auf Netzwerke
3.1 Soziales Kapital als Chance für Netzwerke
3.1.1 Soziales Kapital als Chance die Effizienz von Netzwerktransaktionen zu erhöhen
3.1.2 Soziales Kapital als Chance Wissen zu generieren und Lernen in Netz-werken zu fördern
3.1.3 Soziales Kapital und die Chance Kooperationen zu fördern
3.2 Soziales Kapital und dessen Risiken für Netzwerke
3.2.1 Negative strukturelle Effekte des sozialen Kapitals
3.2.2 Relationaler Lock-In als Risiko für Netzwerke
3.2.3 Kognitiver Lock-In als Risiko für Netzwerke
3.3 Kritische Bewertung des sozialen Kapitals und ableitbare Handlungs-empfehlungen in Bezug auf die aktuelle Strategieforschung

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Unternehmen können als Netzwerke sozialer Kontakte angesehen werden, die erst durch die Interaktion von Individuen Leben eingehaucht bekommen und somit am Markt bestehen können. Als Folge dieser Interpretation von Organisationseinheiten hat sich in der Forschung das Konzept des sozialen Kapitals etabliert und ist mittlerweile zu einem Kernkonzept in den Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaften aufgestiegen.[1] Viele Konzepte der jüngsten Forschung weichen von der neoklassischen Transaktionskostentheorie ab und wenden sich vermehrt den Auswirkungen von sozialer Interaktion innerhalb von Netzwerken zu.[2] Durch die Verlagerung des Schwerpunktes hat sich ein weites Forschungsfeld aufgetan, welches die Implikationen des sozialen Kapitals von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtet. Kritiker sprechen daher auch von sozialem Kapital als einem „wunderbar elastischem Begriff“ oder sagen ihm gar eine „Zirkuszelt-Qualität“ nach.[3] Hirsch und Levin sehen das Konzept des sozialen Kapitals noch in der „emerging excitement“ Phase des Lebenszyklus angesiedelt.[4] Als Reaktion auf diese Kritiken wurde in zahlreichen Arbeiten ein konzeptioneller Rahmen ausgearbeitet, der das soziale Kapital genauer definiert und seine Auswirkungen auf soziale Netzwerke im Unternehmensumfeld untersucht.

1.1 Problemstellung

Während der Vorbereitung dieser Seminararbeit wurde klar, dass das Forschungsfeld des sozialen Kapitals sehr heterogen und kontrovers in der Wissenschaft diskutiert wird. In der Strategieforschung entwickelten sich in relativ kurzer Zeit unterschiedliche Definitionen und Themenschwerpunkte in Bezug auf das junge Konzept des sozialen Kapitals.[5] Die Herausforderung dieser Seminararbeit besteht darin, diese heterogenen Konzepte zu analysieren, einzuordnen und die wichtigen Ergebnisse der bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten in einen allgemein zugänglichen Kontext zu stellen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das soziale Kapital ganz konkret auf soziale Netzwerke, wie Unternehmen und andere Organisationen, haben kann und welche Chancen, aber auch welche Risiken aus diesem erwachsen können.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Untersuchung beginnt mit der Vorstellung und Einordnung des sozialen Kapitals und führt die unterschiedlichen Definitionen des Konzepts, die in der aktuellen Forschung formuliert wurden, ein. Anschließend werden die drei Dimensionen des sozialen Kapitals, die sich als Grundgerüst durch die gesamte Seminararbeit ziehen werden, vorgestellt und erörtert. Im darauf folgenden Teil wird auf die Auswirkungen des sozialen Kapitals auf Netzwerke eingegangen. Nachdem die Chancen und Risiken, die aus dem sozialen Kapital entstehen können, dargestellt wurden, wird das Konzept einer kritischen Würdigung unterzogen und abschließend Handlungsempfehlungen aus den gemachten Erkenntnissen abgeleitet.

2 Soziales Kapital und dessen Stand in der Forschung

Das Konzept des sozialen Kapitals wird bereits seit den 1980er Jahren verwendet, nicht nur um die Auswirkungen desselben auf die Entwicklung von Humankapital, sondern auch um vermehrt die Effekte auf die wirtschaftliche Leistung von Unternehmen zu untersuchen.[6] Dem Konzept liegt dabei zugrunde, dass Individuen oder Gruppen durch ihre Position innerhalb eines sozialen Netzwerkes unterschiedlichste Vorteile genießen.[7] Jedoch muss angemerkt werden, dass dem sozialen Kapital auch diverse Risiken innewohnen, die den positiven Effekt in einem Bereich aufheben oder gar übertreffen können.[8]

2.1 Begriffliche und konzeptionelle Grundlage

In der Wissenschaft gibt es verschiedenartige Definitionen des sozialen Kapitals. Burt stellt jedoch fest, dass trotz der Unterschiede in den Sichtweisen, die Essenz aller Konzepte gleich ist: Sie verständigen sich auf eine Metapher des sozialen Kapitals, in der die soziale Struktur eine Art von Kapital darstellt, die für eine bestimmte Gruppe oder einzelne Individuen, einen Wettbewerbsvorteil beim Verfolgen ihrer Ziele darstellen kann. „Besser vernetzte Menschen genießen höhere Erträge“.[9] Bourdieu sieht in dem Beziehungsnetzwerk, welches durch soziale Interaktionen entsteht, einen werthaltigen Vermögenswert an, der einen kollektivistisch besessenen Kapitalwert darstellt.[10] Im Laufe der Zeit haben Sozialwissenschaftler, die sich intensiv mit sozialem Kapital beschäftigt haben, unterschiedliche Definitionen herausgearbeitet, die über diese globale Zusammenfassung hinausgehen. Adler und Kwon geben in ihrer Arbeit eine gute Übersicht über die gängigen Definitionen. Dabei werden diese gemäß ihrer Fokussierung auf interne, externe oder einer Kombination aus beiden Bindungen unterschieden. Bei einem Schwerpunkt auf die externen Bindungen (vom Autor auch „Bridging“ genannt) liegt der Fokus auf dem sozialen Kapital als einer Ressource, die dem sozialen Netzwerk innewohnt und die unterschiedlichen Akteure über Netzwerkgrenzen hinaus miteinander verbindet. Bei der Fokussierung auf die inneren Bindungen (vom Autor auch „Bonding“ genannt) wird im Gegensatz zu dem ersten Ansatz der Schwerpunkt auf die inneren Charakteristika des Netzwerks gelegt. Das bedeutet, dass bei diesem Ansatz das soziale Kapital nicht aus den externen Bindungen seinen Wert schöpft, sondern primär durch die Verknüpfungen zwischen den Individuen oder Gruppen innerhalb einer abgegrenzten Gemeinschaft gedeiht.[11]

2.1.1 Externe Bindungen

Externe Bindungen als Quelle sozialen Kapitals nennt Burt „strukturelle Löcher“ (Structural Holes). Seine Theorie definiert soziales Kapital im Hinblick auf die Informations- und Kontrollvorteile, die durch einen Vermittler zwischen Individuen aus unterschiedlichen sozialen Strukturen, die ohne diesen getrennt wären, entstehen.[12] Er sieht in der Überbrückung von Löchern zwischen sozialen Netzwerken, die in sich geschlossen sind, den eigentlichen Wert des sozialen Kapitals. Dabei ist die Funktion des Vermittlers zwischen den einzelnen abgeschlossenen Netzwerken, der Schlüssel seiner Theorie. Einen Mehrwert kann ein Unternehmen genau dann durch strukturelle Löcher erreichen, wenn der Vermittler nur wenige gleichgestellte Mitarbeiter neben sich hat und über möglichst viele, schwache Bindungen zu Akteuren außerhalb des eigenen Netzwerks verfügt.[13] Die Ausgestaltung seiner Bindungen ist also entscheidend für die Höhe des generierbaren sozialen Kapitals.

2.1.2 Innere Bindungen

Im Gegensatz zu dem Modell von strukturellen Löchern versteht Coleman soziales Kapital als Ergebnis von „geschlossenen Netzwerken“ (Network Closure). Der Mehrwert für die Individuen oder Gruppen innerhalb eines sozialen Netzwerkes entsteht durch die Interaktionsmöglichkeiten in diesem abgeschlossenen Raum.[14] Es wird argumentiert, dass durch die Abgeschlossenheit in einem dichten Netzwerk zum einen Informationen schnell und größtenteils ungehindert fließen können, zum anderen sanktionieren geschlossene Netzwerke für die Gemeinschaft schädliche Verhaltensweisen. Charakteristisch für ein geschlossenes Netzwerk ist, dass zwischen den Akteuren starke Bindungen bestehen. Dies führt laut Coleman dazu, dass sich Individuen innerhalb des Netzwerks schneller vertrauen können.[15]

2.1.3 Soziales Kapital als ganzheitliches Konzept

Diese Seminararbeit wird sich im weiteren Verlauf auf die Definition des sozialen Kapitals als Mischung aus externen und internen Bindungen stützen, wie sie durch Ghoshal und Nahapiet formuliert worden ist. Dabei basiert deren Verständnis des sozialen Kapitals auf der Annahme, dass dieses aus dem Netzwerk selbst und den Assets, die aus diesem mobilisiert werden können, besteht.[16] Diese ganzheitliche Berücksichtigung der internen als auch der externen Sichtweise hat den Vorteil, dass eine realitätsnähere Untersuchung des sozialen Kapitals möglich wird. Zum Einen ist die externe als auch die interne Ansicht von der Perspektive des Betrachters abhängt und zum Anderen setzt sich das soziale Kapital in einem Unternehmen typischerweise aus beiden Sphären zusammen. Somit ist es möglich alle Aspekte des sozialen Kapitals abzubilden und eine umfassendere Untersuchung durchführen zu können.

2.2 Dimensionen des sozialen Kapitals

Um eine tiefgreifendere Untersuchung des sozialen Kapitals zu ermöglichen haben Ghoshal und Nahapiet die Forderung Putnam’s aufgegriffen, die dem sozialen Kapital zugrundeliegenden Dimensionen klar herauszuarbeiten.[17] Durch diesen Schritt ist es nun möglich die Facetten des sozialen Kapitals einzeln zu betrachten und die jeweiligen Auswirkungen zu analysieren. Dabei untergliedern sie diese in drei Dimensionen: Die strukturelle, relationale und kognitive Dimension. Die Autoren bauen mit der Unterscheidung zwischen der strukturellen und relationalen Dimension auf der Arbeit von Granovetter’s Differenzierung zwischen struktureller und relationaler Einbettung („structural and relational embeddedness“) auf. Diese Unterscheidung erfolgt ebenfalls in den Arbeiten von Hakansson und Snehota und Lindenberg.[18] Darüber hinaus erweitern sie diese um die kognitive Dimension, die erstmals durch Cicourel beschrieben wurde.[19]

[...]


[1] Vgl. Burt, R. (2000), S. 346.

[2] Vgl. Coase, R. (1937), S. 386 – 405.

[3] Vg. Lappe, F. ;Du Bois, P. (1997), S.119. ; De Souza Briggs (1997), S. 111.

[4] Vgl. Hirsch, P. ; Levin, D. (1999), S. 200.

[5] Vgl. Ghoshal, S. ; Nahapiet, J. (1998), S. 243.

[6] Vgl. Ghoshal, S. ; Nahapiet, J. (1998), S. 243.

[7] Vgl. Burt, R. (2000), S. 347.

[8] Vgl. Adler, P. ; Kwon, S. (2002), S. 28.

[9] Vgl. Burt, R. (2000), S. 348.

[10] Vgl. Bourdieu (1986), S.249.

[11] Vgl. Adler, P. ; Kwon, S. (2002), S. 21.

[12] Vgl. Burt (1992).

[13] Vgl. Burt, R. (1997), S.345.

[14] Vgl. Coleman, J. (1990), S. 302.

[15] Vgl. Coleman, J. (1990), S. 302.

[16] Vgl. Ghoshal, S. ; Nahapiet, J. (1998c), S. 243.

[17] Vgl. Putnam, R. (1995), S. 66 ff.

[18] Vgl. Hakansson, H. ; Snehota, I. (1995) ; Vgl. Lindenberg, S. (1996) S. 302 ff.

[19] Vgl. Cicourel, A. (1973).

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640683352
ISBN (Buch)
9783640683406
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155760
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Lehrstuhl für Strategisches und Internationales Management
Note
1,3
Schlagworte
Soziales Kapital Netzwerktheorie Strategisches Management Netzwerkgestaltung Strategieforschung Netzwerkansatz Netzwerk Structural Hole Network Closure Contingency Approach Universität Mannheim Kasih Dr. Markus Reihlen

Autor

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Titel: Soziales Kapital: Chancen und Risiken für Netzwerke