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Mediation - Ein Modell zur friedlichen Konfliktlösung in Schulen

Essay 2010 13 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Konflikten

3. Geschichte der Mediation

4. Grundprinzipien der Mediation

5. Mediation in der Schule
5.1 Ziele und Grenzen
5.2 Phasen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Mensch lebt in einer sozialen Gemeinschaft und ist auf sie angewiesen. In dieser Gemeinschaft kommt es zwangsläufig zu Konflikten, die auf Unvereinbarkeiten im Denken, Handeln und Fühlen beruhen. Diesen Aspekt der zwangsläufigen Konflikte im Zusammenleben der Menschen kann auch auf die Schule übertragen werden.

Grundsätzlich ist eine wachsende Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen, gerade in Schulen, zu beobachten. Die Häufigkeit von Beschimpfungen bis hin zu tätlichen Gewalttaten variiert dabei in den verschiedenen Altersgruppen und Schulformen. In vielen Fällen sind diese Verhaltensweisen bereits auf das Elternhaus zurückzuführen. Da allem Anschein nach den betroffenen Schülern die Fähigkeit zur friedlichen Konfliktlösung fehlt, muss die Schule an die Stelle treten und den Schülern angemessene Instrumente und Techniken zur friedlichen Konfliktlösung an die Hand geben. Eine dieser Techniken ist die Mediation. Ich werde in meiner Arbeit den Blick auf die Mediation in der Schule zur harmonischen bzw. friedlichen Konfliktlösung legen. Dazu werde ich zunächst auf die Geschichte der Mediation eingehen. Im weiteren Verlauf gehe ich auf die Grundprinzipien dieser Methode ein und werde darauf aufbauend die Schulmediation und ihre Durchführung, anhand ihrer charakteristischen Phasen, näher erläutern. Nach dieser Vorstellung des Phasenmodells soll dann anhand eines kritischen Fazits der Sinn der Schulmediation bewertend dargelegt werden.

2. Definition von Konflikten

Konflikte entstehen dann, wenn verschiedene Interessen aufeinander treffen. Von Konflikten wird dann gesprochen, wenn sich die Konfliktparteien durch feindseliges oder negatives Verhalten gegenseitig schädigen. Der Konflikte kann zwischen mehreren Parteien oder innerhalb einer Person geschehen.

Walter Neubauer weist den Konflikten z.B. drei Merkmale zu. Auseinandersetzungen müssen folgende Merkmale erfüllen, damit sie nach Neubauer als Konflikt bezeichnet werden können: das „Vorhandensein von mindestens zwei Konfliktparteien“, die „Unvereinbarkeit der Handlungstendenzen“ und die „Unvereinbarkeit des Verhaltens“.1 Nach Neubauer bestehen Konfliktparteien aus einer oder mehreren Personen welche die gleichen Interessen vertreten und der anderen Partei mit feindlichen Absichten gegenübersteht.2

3. Geschichte der Mediation

„Der Aufbau einer friedlichen Welt erfordert die Entwicklung und den weit verbreiteten Einsatz von effektiven Methoden, mit Konflikten umzugehen und sie zu lösen.“1 Eine dieser Lösungsmethoden ist die Mediation. Der Begriff der „Mediation“ hat seinen Ursprung im lateinischen „mediare“, welches übersetzt „vermitteln“ bedeutet. Die Vermittlung zwischen den jeweiligen Streitparteien stellt gleichzeitig die wesentliche Aufgabe der Mediation dar. A. Marx schreibt z.B.: „Mediation ist eine Alternative zu gesellschaftlich etablierten Konfliktlösungsmechanismen, wie Urteilen und Schlichten und betont im Gegensatz zu diesen die Selbstbestimmung der Streitparteien. Mit Hilfe eines neutralen Dritten werden die Verhandlungen der Parteien erleichtert.“2. Entstanden ist das Konzept in den 60er und 70er Jahren aus den Bürgerrechts- und Anti- Kriegs Bewegung in Amerika. Auf der einen Seite wollte man für die Streitigkeiten keine autoritäre Instanz einsetzen, die Entscheidungen trifft, ohne dass man auf diese Einfluss hätte und auf der anderen Seite fehlte das Vertrauen gegenüber den staatlichen Institutionen.3 Im Zuge dessen entstanden in den 70er Jahren die sog. „Community Mediation Centers“, in denen Mediatoren für sämtliche Bereiche, wie z.B. Nachbarschaftsstreitigkeiten, Familien-, Ehe-, und Scheidungskonflikten und bei Konflikten in Organisationen, Betrieben und am Arbeitsplatz, ausgebildet wurden.4 In Deutschland fand dieses Konzept der Mediation erst Mitte der 90er Jahre seine Anwendung. In anderen Ländern haben ähnliche Konflikte allerdings schon eine viel längere Tradition. So wurde z.B. im antiken Griechenland versucht, Konflikte zwischen Stadtstaaten durch Vermittlung Dritter beizulegen, und in einigen Stämmen Afrikas gibt es bis heute die Einrichtung einer Volksversammlung, in der ein Teilnehmer als Mediator tätig ist.5 In diesen historischen Formen wurde die Mediation meist von Personen durchgeführt, die dies lediglich im Kontext anderer Aufgabengebiete durchführten, so z.B. Stammesälteste oder Priester. Zu einer eigenen Institution und zu einem anerkannten Beruf des Mediators kam es im Westen erst im 20. Jahrhundert. Neu an dieser Form ist, dass sich der heutige Mediator um die konsequente Anwendung mit Hilfe von Techniken und um das Verfahren und die Fairness, aber nicht um den Inhalt, kümmert.

So werden Beziehungen und Emotionen zwar berücksichtigt, aber nicht extra behandelt. Die Mediation ist ein informelles und außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren, wobei zwischen zwei Streitparteien durch einen Vermittler ein gewaltfreier und konstruktiver Kommunikationsprozess gewährleistet und durch eine einvernehmliche Konfliktlösung eine Win-Win- Situation geschaffen wird.6 Die Sitzungen bleiben vertraulich und die inhaltlichen und sachlichen Aspekte bleiben den Konfliktparteien beibehalten.

Heutzutage befindet sich die Mediation in einem Prozess der Professionalisierung. Ein neuer Schritt ist die Einbeziehung und Vermittlung des Konzeptes in Studieninhalte der Sozialarbeit und Pflegestudiengänge.

4. Grundprinzipien der Mediation

Die Mediation wird zwar in den verschiedensten Bereichen gelehrt und eingesetzt, folgende Grundprinzipien gelten jedoch generell:

1. Freiwilligkeit: Die Mediation kann nur stattfinden, wenn die Konfliktparteien sich entschieden haben, sich darauf einzulassen und freiwillig am Mediationsverfahren teilzunehmen. Tritt im Verlauf des Verfahrens ein Zwang ein, so ist der Erfolg gefährdet oder endet sogar ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben.
2. neutrale dritte Partei gegenüber den Konfliktparteien und dem Ausgang des Konfliktes: Der Mediator:
1. darf zu keiner Partei irgendeine Art von Beziehung haben.
2. darf nicht für oder gegen eine Konfliktpartei eingreifen oder handeln bzw. Ausführungen der Konfliktparteien bewerten.
3. Allparteilichkeit/Unabhängigkeit: Für die Lösung sind allein die Konfliktparteien verantwortlich und der Mediator regelt lediglich die Gestaltung des Prozesses und hat keinen Einfluss auf den Streitgegenstand. Die Interessen der Konfliktparteien müssen gleichermaßen wahrgenommen werden. Die Konfliktparteien sind Experten ihrer Interessen und können diese daher nur selbst gestalten.
4. Vertraulichkeit und Nicht- Öffentlichkeit: Das Verfahren unterliegt der Schweigepflicht, d.h. die Mediatoren haben Schweigepflicht und auch die Konfliktparteien können Stillschweigen vereinbaren.7

5. Mediation in der Schule

Die Schulmediation ist noch eine sehr junge Unterform der Mediation. Das Konzept stellt eine Erweiterung vorhandener Ansätze zum sozialen Lernen dar und ist ein wertvoller Baustein auf dem Weg zu einer gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Das Konzept richtet sich aus an einer reinen Vermittlung zwischen den Parteien und eben nicht an der Lösung des Konfliktes im Sinne einer Schlichtung. Besonders in der Schule kann man nachvollziehen, dass die Schüler ihre Streitigkeiten nicht von jemandem lösen lassen wollen, der einfach nur eine Entscheidung fällt. Daher können in der Schulmediation die Mediatoren entweder Mitschüler oder auch Erwachsene sein. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte ein etwa Gleichaltriger vermitteln, da dieser besser mit der Lebenswelt der Mitschüler vertraut ist, als ein als Fremdkörper empfundener Pädagoge. Die Mediation durch Mitschüler oder unausgebildete Erwachsene kann allerdings auch zu Schwierigkeiten und Problemen führen. Unausgebildete Mediatoren können schnell der Verlockung erliegen, in offensichtlichen Konflikten ein ebenso offensichtliches Urteil zu fällen. Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn es um Lehrer- Schüler- Probleme geht. Die Hauptaufgabe des Mediators besteht in diesen Fällen in der Ausschaltung der Machtungleichheit. Die Lehrer müssen dazu Machtkompetenzen abgeben. Gleichzeitig lernen Schüler Verantwortung für ihre alltäglichen Konflikte zu übernehmen. Natürlich ist die Mediation auch bei Lehrer- Lehrer Problemen möglich. In meiner Arbeit werde ich mich allerdings auf die Schüler- Schüler Konflikte beschränken. Für das Gelingen muss dieses Konzept in den Schulalltag integriert werden und von allen Seiten, dem Lehrerkollegium wie auch von Eltern und Schülern, respektiert und als Lösungsweg für Probleme anerkannt werden.8 Eine weitere Voraussetzung für das Gelingen ist die Einhaltung von einigen Kriterien. So müssen Lehrer, Elternbeirat und Schülervertretung über die Tätigkeit der Mediatoren unterrichtet sein und dieser unbedingt positiv gegenüberstehen. Ebenso muss eine ausreichende Information für die Schüler über die Möglichkeiten der Mediation erfolgen. Ein weiterer Punkt ist die gründliche Schulung und die kontinuierliche Betreuung der Mediatoren durch die Lehrer. Über die gründliche Schulung hinaus, muss geklärt sein, welche Konflikte von Schülern und welche nur mit Hilfe von Lehrern gelöst werden können.9

Laut Walker kann ein Konzept zum besseren Umgang mit Konflikten nur beitragen, wenn es drei Bereiche abdeckt. Zu diesen drei Bereichen gehören: die Prävention, die Intervention und die Konfliktbewältigung. Die Prävention meint dabei die Verbesserung der Konfliktfähigkeit der Schüler und die langfristige Vorbeugung von Gewalt an Schulen. Dafür muss vor allem die soziale Kompetenz der Schüler verbessert werden.10

Dazu gibt Walker „die Einführung klarer Regeln und das Setzen von Grenzen, die allerdings flexibel gehandhabt werden sollen“ als Beispiel an.11 Eine Integration in den normalen Unterrichtsalltag oder in Projekttagen kann durch Spiele oder Übungen erfolgen.12

Die Intervention umschreibt das direkte Eingreifen in die jeweiligen Konflikte. Walker bemängelt allerdings, dass dieser Schritt zumeist nur in wenigen Schulen Anerkennung findet. Ein Großteil der Schulen glänzen vielmehr durch „Nichteingreifen oder Wegsehen“.13 Durch diese Verhalten besteht die Gefahr, dass der Eindruck vermittelt werden kann, dass die Gewalt als legitimes Instrument zur Lösung von Konflikten akzeptiert wird. Dem Vorschlag von Walker, die Intervention zu trainieren folgen unterschiedliche Institutionen (z.B. die Polizei) und geben Seminare dazu.14

Bei der Konfliktbewältigung steht nun die Mediation im Vordergrund. Nachdem die Intervention abgeschlossen bzw. durchgeführt wurde, muss überlegt werden, ob z.B. die herkömmlichen Strafen der Schule zur Anwendung kommen oder ob ein Gespräch mit Tätern und Opfern sinnvoller ist oder ob und wie der Täter wieder in den Unterricht integriert werden kann. Nach Walker ist es immer notwendig darüber nachzudenken, wie sinnvoll die jeweiligen Maßnahmen sind. Ebenso ist es sinnvoll für unterschiedliche Konflikte auch unterschiedliche Maßnahmen in der Reserve zu haben. Walker sieht die Mediation als wirkungsvolles Mittel und sinnvolle Alternative zu den normalen Strafen der Schulordnung.15

[...]


1 Neubauer/Gampe/Knapp/Wichterich: Konflikte in der Schule. Neuwied 1999. S.5f..

2 vgl. ebd..

1 vgl. Wessels, M.: Psychologische Dimension internationaler Mediation. In: Gewaltfreie Konfliktlösungen. Interdisziplinäre Beiträge zu Theorie und Praxis friedlicher Konfliktbearbeitung. Hrsg. von Wilhelm Kempf, Wolfgang Frindte, Gert Sommer und Michael Spreiter. Heidelberg 1993. S. 71.

2 vgl. Marx, A.: Mediation und Sozialarbeit. F/M 1999. S.16.

3 vgl. Pehle,M.: Konflikte in der Schule. Entstehung und Möglichkeit der Bewältigung durch Mediation. Dresden 2007. S. 11f..

4 vgl. Walker, J (Hrsg.): Mediation in der Schule. Berlin 2001. S.15.

5 vgl. Klammer, G.; Geißler, P.: Mediation, Einblicke in Theorie und Praxis professioneller Konfliktregelung, 1. Aufl., Wien 1999. S.12.

6 vgl. Dulabaum, N., L.,: Mediation: Das ABC – Die Kunst, in Konflikten erfolgreich zu vermitteln, 1.Aufl., Weinheim und Basel 1998. S.8f..

7 Haumersen, P.; Liebe, F.: Multikulti: Konflikte konstruktiv – Trainingshandbuch – Mediation in der interkulturellen Arbeit, 1.Aufl., Mülheim 1999. S.13.

8 vgl. Walker, J (Hrsg.): Mediation in der Schule. Berlin 2001. S.20.

9 vgl. Faller, K.: Mediation in der pädagogischen Arbeit. Ein Handbuch für Kindergarten, Schule und Jugendarbeit. Mühlheim 1998. S. 57.

10 vgl. Pehle,M.: Konflikte in der Schule. Entstehung und Möglichkeit der Bewältigung durch Mediation. Dresden 2007. S.

12f..

11 vgl. Walker, J (Hrsg.): Mediation in der Schule. Berlin 2001. S.21.

12 ebd., S.21.

13 ebd., S.22.

14 ebd., S.21.

15 ebd., S.23f.

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640690046
ISBN (Buch)
9783640690299
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155730
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Politikwissenschaft
Note
Schlagworte
Mediation Konfliktlösung Schulen friedlich Modell

Autor

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Titel: Mediation - Ein Modell zur friedlichen Konfliktlösung in Schulen