Lade Inhalt...

Verbvalenzen. Problematische Untersuchungsmethoden zur Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Was ist Verbvalenz?
1.2 Was sind Ergänzungen und Angaben?

2. Tests zur Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben und deren Schwachstellen
2.1 Der Weglass- / Eliminierungstest
2.2 Der Ägeschehen-Test“
2.3 Der Äund-zwar“-Test

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dem folgenden Text soll ausgearbeitet werden was man im Allgemeinen unter dem linguistischen Terminus Verbvalenz versteht in diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden um was es sich bei Ergänzungen und freien Angaben handelt. Jedoch soll es in erster Linie darum gehen die geläufigsten Unterscheidungsmethoden zwischen Ergänzungen und Angaben zu schildern, zu diskutieren und diese Untersuchungsmethoden in Frage zu stellen, da sie sich oftmals als problematisch herausstellen und nicht immer ein eindeutiges Ergebnis hervorbringen. Zunächst sollte aber dargestellt werden wie sich der Valenzbegriff entwickelt hat und was man sich im heutigen Deutsch darunter vorstellen kann.

1.1 Was ist Verbvalenz?

Der folgenden Darstellung des Valenzbegriffs liegt der Text ÄEinführung in die Valenztheorie“ von Helbig (1982) zugrunde. Um den Begriff zu definieren geht Helbig in seinem Text zunächst zurück auf den französischen Linguisten Lucien Ternsière, der mit seiner Abhängigkeits- oder Dependenzgrammatik den Begriff ÄValenz“ für die Linguistik geprägt hat. Ternsière, Ä[…] der im Rahmen seiner Abhängigkeitsgrammatik bei seiner strukturellen Satzanalyse vom Verb ausgeht und als dessen >> subordinés immédiats<< die >>actants<< und die >>circonstants<<, d.h. die Handelnden und die Umstände, ansieht. Im Unterschied zu den >>circonstants<< sind die >>actants<< im Satz zahlenmäßig durch das Verb begrenzt. Die Fähigkeit der Verben, eine bestimmte Anzahl von >>actants<< zu sich zu nehmen, vergleicht Ternsière mit der Wertigkeit eines Atoms und nennt sie Valenz.“ (Helbig und Schenkel , S.13)

Ternsière vergleicht einen Satz also in erster Linie mit einer Bühne, auf der ein Schauspiel aufgeführt wird. Das Verb übernimmt die Regie in diesem Fall und bestimmt die Glieder in diesem Satz. Bei den restlichen Satzgliedern unterscheidet er zwischen ‚actants‘(Schauspieler, Mitspieler, Aktanten), die den Ergänzungen entsprechen und ‚circonstants‘(äußere Umstände, Kulissen), die den Angaben entsprechen. Diese Angaben besitzen im Satz keine grammatische Notwendigkeit.

Diese Definition bildet den Grundgedanken der Valenztheorie, die aber nicht unproblematisch ist. Die Problematik in Ternsières Valenzbegriffs liegt nach Helbig darin, dass die ‚actants‘ eines Verbs nur von Substantiven oder Äquivalenten vertreten werden können, sowie die ‚circonstants‘ nur von Adverbien oder Äquivalenten.

Neben anderen Linguisten wurde dieses Problem von Erben erkannt. Es werden also nicht nur Objekte und Subjekte als Ergänzungsbestimmungen angesehen, Äsondern auch Prädikativa, notwendige Präpositionalobjekte und Adverbialbestimmungen[…]“ (Helbig und Schenkel , S. 15-16) . Somit wird dem Subjekt die Sonderstellung im Satz genommen und der Rang einer Ergänzung verliehen.

Aufgrund der großen Auswahl der Valenzbegriffe verschiedenster Linguisten, sollen sie an dieser Stelle in das Schema von Helbig eingeordnet werden. Man unterscheidet grob drei Gruppen von Linguisten. Da der zweite Punkt des Helbig-Schemas der wichtigste Punkt für die deutsche Grammatik ist, soll dieser nun zuerst genannt werden:

ÄIm Unterschied dazu versteht eine zweite Gruppe von Linguisten die Valenz im engeren Sinne als eine Eigenschaft, die nur dem Verb zukommt (Tersnière, Erben u.a.). In dieser Fassung ist der Valenzbegriff vor allem in der deutschen Grammatik bekannt geworden“ (Helbig und Schenkel , S. 21).

Im Gegensatz zu dieser Gruppe von Linguisten stehen die, die Valenz als eine Eigenschaft betrachten, Ädie allen Wortarten zukommt“. Jede Wortart hat somit die Fähigkeit andere Worte und Wortarten innerhalb eines Satzes zu fordern und an sich zu binden. Vertreter dieser Gruppe sind unter anderem Bühler und Admoni. Eine dritte Gruppe vertritt sogar die Meinung, dass man Äden Begriff der Valenz nicht nur auf das Verb oder alle Wortarten, sondern sogar auf alle sprachlichen Elemente überhaupt anwenden“ (Helbig und Schenkel , S.21) kann. Valenz wird weiter als “potentielle Verknüpfbarkeit von gleichartigen Sprachelementen“ (Helbig und Schenkel , S. 21) definiert. Also spricht man nicht nur von semantischen und syntaktischen Valenzarten, sondern auch von phonologischen und morphologischen Valenzarten.

Um nun von einer Verbvalenz sprechen zu können muss ÄDas Verb als strukturelles Zentrum des Satzes“ (Helbig und Schenkel , S. 24) fungieren. Das Prädikat muss also Herrscher oder ÄRegens“ (Ternsière) des Satzes sein und somit stehen alle anderen Satzglieder in einer Abhängigkeitsbeziehung zum Prädikat, wobei unterschieden wird

zwischen nullwertigen, einwertigen, zweiwertigen, dreiwertigen usw. Verben, je nachdem

wie viele Wörter das Verb fordert.

ÄDie folgende Aufstellung zeigt einige Beispiele:

Nullwertige Verben: Es läutet - Es hagelt - Es regnet - Es wächst.

Einwertige Verben: Der Klempner arbeitet - Sie träumt - Die Wüste lebt.

Zweiwertige Verben: Er erreicht den Ausgang - Die Sekretärin benutzt einen Computer.

Dreiwertige Verben: Sie stellt den Wagen in die Garage - Sie gibt ihm den

Schlüssel.“

(Heringer , S. 136)

Dieser neue Ansatz der Analyse spricht gegen den Ansatz der traditionellen Satzanalyse von K.F. Becker, in der nicht das Verb, sondern die Subjekt-Prädikat-Beziehung als Satzkern angesehen wird (Helbig und Schenkel , S. 24).

1.2 Was sind Ergänzungen und Angaben?

Um den Valenzbegriff klar und komplett zu definieren muss desweiteren noch geklärt werden, was man unter Ergänzungen und Angaben versteht. Die einfachste Erklärung dafür ist wohl, dass Ergänzungen Worte sind, die von einem Verb in einem Satz gefordert werden und Angaben im Satz weggelassen oder hinzugefügt werden können, ohne dass der Satz dabei ungrammatisch wird.

Wie bereits oben erwähnt gehen die Meinungen der Linguisten auseinander, auch wenn es darum geht den Begriff Ergänzungen und Angaben zu definieren. Ternsière machte eine klare und auch zunächst naheliegende Trennung indem er behauptet, dass nur Objekte Ergänzungen oder ‚actants‘ sein können und Adverbien oder ihre Äquivalente ‚circonstants‘ oder Angaben.

Erben öffnet den Begriff von Ergänzungen und Angaben mehr. Er sieht alles als eine Ergänzung an, was von einem Verb in einem Satz gefordert wird, darunter fallen nicht nur Objekte, sondern auch adverbiale Angaben. Angaben können wiederum auch Objekte sein, die nicht von einem Verb verlangt werden, sowie auch adverbiale Angaben.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640694419
ISBN (Buch)
9783640695546
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155654
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Schlagworte
Verbvalenzen Problematische Unteruchungsmethoden Unterscheidungen Ergänzungen Angaben

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Verbvalenzen. Problematische Untersuchungsmethoden zur Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben