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Die panhellenische Propaganda von Isokrates

Im Spiegel seiner Sendschriften 'Panegyrikos' und 'Philippos'

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I Einleitung
-Das Thema

II Hauptteil
1. Der Panhellenismus im 4. Jahrhundert v. Chr.3
-Der Begriff und die Bedeutung
2. Isokrates und die politische Propaganda
2.1 Isokrates Sendschreiben: Panegyrikos und Philippos
2.2 Isokrates Zielsetzung
2.3 Das Perserbild und die Makedonen
3. Xerxes‘ Tempelfrevel und Alexanders Rachefeldzug
3.1 Der Rachegedanke
3.2 Die politische Realitat

III Schluss
-Das Fazit

IV Anhang
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

Die panhellenische Propaganda von Isokrates im Spiegel seiner Sendschriften Panegyrikos und Philippos

I Einleitung

-Das Thema

Im Folgenden soil es um die Bedeutung der Sendschriften Panegyrikos und Philippos fur die politische Propaganda in Griechenland des vierten vorchristlichen Jahrhunderts gehen. Als erstes wird zu klaren sein, was unter Panhellenismus zu verstehen ist, welches die Grundlage fur Isokrates‘ Wirken als Redenschreiber und Publizist war.

Danach werde ich im zweiten und umfangreichsten Teil dieser Abhandlung in die Analyse und Auswertung der beiden Sendschreiben unter folgenden Fragestellungen einsteigen:

Was ist der Inhalt und wie ist der Aufbau der Sendschreiben? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen den Sendschreiben? Was ist die politische Zielsetzung von Isokrates und welche Motive hat er dafur? Welches Bild gestaltet er uber die Perser und Makedonen im Vergleich zu den Griechen?

Der dritte und letzte Punkt des Hauptteils wird sich mit dem Zusammenhang zwischen Isokrates‘ Schriften und dem Rachemotiv, dessen sich ebenso Alexander der Grofie im Feldzug gegen die Perser bediente, beschaftigen. Allerdings geht es dabei lediglich um die Sichtweise, die Isokrates in seinen Schriften darstellte, da diese der zentrale Gegenstand meiner Arbeit sind. Die Perspektive Philipps II oder Alexanders des Grofien werden im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt, und verdient eine gesonderte Betrachtung.

Zum Schluss soll im Fazit die Propaganda von Isokrates vor dem Hintergrund des panhellenischen Gedanken bewertet werden.

II Hauptteil

1. Der Panhellenismus im 4. Jahrhundert v. Chr.

-Der Begriff und die Bedeutung

Der Begriff des Panhellenismus bezieht sich auf das Gesamt-Hellenische und stellt eine ubergeordnete Grofie dar, die die Gesamtheit aller hellenischen Einzelstaaten und Poleis (Stadtstaaten) zusammenfasst.1 Somit ist der Panhellenismus eine Idee und schliefilich auch eine Bewegung, die die Einheit der Vielfalt Hellas‘ betont - wie auch immer diese Einheit beschaffen sein mag, ob kulturell, religios oder dergleichen - und diese politisch instrumentalisiert.2 Die Instrumentalisierung eines hellenischen Gemeinschaftsgedanken ist in aller Regel davon motiviert, moglichst viele Poleis far die eigene Sache zu gewinnen und zu versuchen, somit Hegemonialanspruche geltend zu machen und auszuuben.3 Einhergehend wird eine Abgrenzung nach aufien, eine Bewusstwerdung der anderen aufierhalb Griechenlands vollzogen, die nach innen identitatsstiftend wirken soll und ebenso politisch instrumentalisiert wird.4

2. Isokrates und die politische Propaganda

2.1 Isokrates‘ Sendschreiben: Panegyrikos und Philippos Der Panegyrikos von Isokrates wurde 380 v. Chr. publiziert und 34 Jahre spater (346) die Rede an Philipp II., Konig von Makedonien und Vater Alexander des Grofien. Beide Schreiben haben im Kern den selben Inhalt; Isokrates spricht sich fur eine Ubereinkunft und Zusammenarbeit aller hellenischen Poleis und fur einen gemeinsamen Krieg gegen Persien aus:

„[...] in erster Linie, um etwas Nutzliches zu bewirken und damit wir nach Beilegung unserer gegenseitigen Feindseligkeiten einen gemeinsamen Krieg gegen die Barbaren unternehmen.“5

„Ich will dir namlich den Rat erteilen, die Fuhrung in einer Vereinbarung aller Griechen zu ubernehmen und den Feldzug gegen die Barbaren zu leiten. Uberredung ist gegenuber den Griechen vorteilhaft, Zwang auszuuben ist im Hinblick auf die Perser von Nutzen: Dies ist, in groben Umrissen dargestellt, der Inhalt meiner ganzen Rede.‘6

Der Panegyrikos beginnt neben dem oben genannten Keminhalt mit einem Tatenkatalog und einer Lobrede auf Athen.7 Dagegen zeichnet Isokrates ein schlechtes Bild von Sparta, welches zu der Zeit Hegemonialmacht ist.8 Gerade an dieser Stelle betont Isokrates die Wichtigkeit der eingangs erwahnten Ubereinkunft der Griechen, vor allem die Aussohnung zwischen Athen und Sparta, da nicht nur das Verschulden Spartas, sondern ebenso die innere Uneinigkeit Griechenlands die kleinasiatischen Griechen zur leichten Beute far Persien gemacht habe.9 Darauf gestaltet Isokrates in Verbindung mit der angeblichen Regierungsunfahigkeit des Grofikonigs das Perserbild aus,10 worauf ich im Punkt 2.3 nochmals eingehen werde. Zum Ende des Panegyrikos nennt Isokrates den Sinn und Nutzen des gemeinsamen Krieges gegen die Perser:11

Geschieht dies aber und wird die Not, die wir am taglichen Lebensunterhalt haben, beseitigt - eine Not, die ja auch zur Auflosung unserer Freundschaften fuhrt, unsere Verwandtschaften in Hass entzweit und alle Menschen zu Krieg und Aufstanden treibt - dann werden wir auf jeden Fall wieder in Eintracht miteinander leben [...]. Deshalb mussen wir es als unsere allerwichtigste Aufgabe betrachten, moglichst schnell den Krieg von hier auf das Festlandzu verpflanzen. [...]. “12

Inhaltlich dient der Panegyrikos als Vorlage far den Philippos.13

Wahrend im ersten Sendschreiben Isokrates die fuhrenden Machte des Perserkrieges noch in Athen und Sparta sieht,14 fallt diese Rolle nun an den Makedonenkonig Philipp II.15 Diesen Wechsel der Fuhrungsmacht begrundet Isokrates im Philippos so, dass sich einerseits die griechischen Poleis stets in ihren Vorhaben gegenseitig behindert hatten;16 ferner dass es andererseits einem unabhangigen Monarchen, wie Philipp II, eher moglich sei, eine panhellenische Politik zu betreiben und durchzusetzen als den an die heimische Poleis gebundenen Politikern17.

[...]


1 G. DOBESCH: Der panhellenische Gedanke im 4. Jahrhundert und der ,Philippos' des Isokrates, Wien 1968, S. 3.

2 S. PERLMAN: Panhellenism, the Polis and Imperialism, in: Historia 25 (1967), S. 1-30: zeigt an verschiedenen Beispielen, u.a. an Perikles' und Kimons Politik oder an Isokrates und Demosthenes Propaganda in Athen, wie sehr der Panhellenismus unterschiedlichen, politischen Zielsetzungen und Vorhaben unterworfen war und als politisches Argument fur diverse, auch gegensatzliche Zwecke verwendet wurde.

3 Vgl. PERLMAN, S. 5.

4 Zur Entstehung und Entwicklung des Hellenen-Barbaren-Schemas: W. NIPPEL, The Constuction of the 'Other' , in: Greeks and Barbarians, T. Harrison (Hrsg.), Edinburgh 2002, S. 278-296; Y. THEBERT, Reflexions sur l'utilisation du concept d'etranger: Evolution et fonction de l'image du barbare a Athenes a l'epoque classique, in: Diogene 112 (1980), S. 90-115.

5 Isokr. paneg.(4), 19.

6 Isokr. phil.(5), 16.

7 Isokr. paneg.(4), 21-120.

8 Isokr. paneg.(4), 122-128.

9 Isokr. paneg.(4), 129-137; Der Konigsfriede 387 v. Chr. zwischen Athen und Sparta unter persischer Vermittlung bestimmte, dass die griechischen Stadte Kleinasiens unter persische Herrschaft kamen und Sparta in seiner Stellung als Hegemon bestatigt wurde.

10 Zum persischen GroBkonig: Isokr. paneg.(4), 140ff; zum Perserbild allgemein: Isokr. paneg.(4), 149-158.

11 Isokr. paneg.(4), 167-174+183ff.

12 Isokr. paneg.(4), 174.

13 Isokr. phil.(5), 9.

14 Isokr. paneg.(4), 17+185.

15 Isokr. phil.(5), 16.

16 Isokr. phil.(5), 40.

17 Isokr. phil.(5), 14ff+127. Diese Paragraphen seien nicht als Befurwortung monarchischer Herrschaft uber Griechen zu verstehen: vgl. K. BRINGMANN: Studien zu den politischen Ideen des Isokrates, Gottingen 1965, S. 98f+103 sowie DOBESCH, S. 96ff; vgl. hierzu ferner Isokr. phil.(5), 5, 68, 107ff+154.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640682379
ISBN (Buch)
9783640682966
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155517
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Alte Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Panhellenismus Perserkriege Alexander der Große Philipp II Isokrates Griechenland Antike Rachefeldzug

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