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Analyse von Herman Melvilles "The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids"

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Kurz: Der Inhalt

3 Analyse: The Paradise of Bachelors
3.1 Inspiration und Entstehung
3.2 Die Junggesellen und die Tempelritter
3.3 Die Anpassung des Erzählers

4 Analyse: The Tartarus of Maids
4.1 Inspiration und Entstehung
4.2 Die Bedrohung durch die Maschine
4.3 Bezüge auf „The Paradise of Bachelors“
4.4 Kurz: Sexuelle Anspielungen
4.5 „White Slavery“
4.6 Die Entfernung von der Natur

5 Die gegenseitige Abhängigkeit von „The Paradise of Bachelors“ und „The Tartarus of Maids“
5.1 Gemeinsamkeiten und Analogien
5.2 Die Wirkung des Kontrasts

6 Die Erzählerfigur
6.1 Kritik am Müßiggang und Betroffenheit vom Elend
6.2 Die Passivität des Erzählers

7 Schluss

8 Literatur

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der von Herman Melville (1819-1891) verfassten Short Story „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids“. Das Werk erschien 1855 im Harper's Magazine[1] und thematisiert die durch die industrielle Revolution ausgelöste Ausbeutung des Menschen. Mit dem Bau von Bahnschienen und Fabriken Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war die Industrialisierung in den Vereinigten Staaten in ihrer vollen Blüte. Statt wie zunächst erhofft, die Demokratie weiter zu entwickeln, wurde bald deutlich, dass durch die wirtschaftliche Veränderungen auch ein sozialer Strukturwandel folgen würde: Der Abstand zwischen der Arbeiterklasse und den privilegierten Schichten wuchs stetig.

Melville kritsiert in „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids“ jene Klassenunterschiede und ungerechten Machtverhältnisse.[2]

Formal unterscheidet sich „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids“ durch seine Zweiteilung von anderen Short Storys und wird daher als Diptych bezeichnet.[3] Während Melville in „The Paradise of Bachelors“ das sorglose Leben der wohlhabenen Londoner Junggesellen behandelt, wird der Leser in „The Tartarus of Maids“ mit dem trostlosen und mühsamen Leben der Arbeiterinnen in einer Papierfabrik in Neu England konfrontiert.

Neben Melvilles Interesse an sozialen und sozialpsychologischen Themen, welches sich auch schon in anderen Werken wie „Typee“ oder „White Jacket“ geäußert hat, bezieht er nun auch das „international theme“ - der als polar empfundenen Position Europas - in seine Werke mit ein.[4] So stellt er dem „New World industrialism“ den „Old World leisure“ gegenüber und kritisiert die damals in beiden Welten stattfindende Hinwendung zur Mechanisierung.[5]

Der Fokus dieser Arbeit soll auf den sozialen Problemen, welche durch die industrielle Revolution ausgelöst wurden, liegen. Melville empfand die technischen Entwicklungen als Bedrohung für die soziale Gerechtigkeit[6] und drückte diese Abneigung in seiner Short Story zuerst mehr dann weniger subtil aus.[7] Konkret richtete sich Melvilles Aversion dabei gegen die Erfindung der Maschine. Nur durch ihren „dehumanizing effect“ war die Unterdrückung der Arbeiterklasse möglich.[8]

Auch schon andere Autoren wie Henry David Thoreau oder Henry Adams hatten in der Mechanisierung Amerikas in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine frappierenden sozialen Wandel gesehen und ihn als bedrohlich eingeordnet.[9] So ist auch in Adams „The Dynamo and the Virgin“ deutlich die Kritik an der Technologie und die mit ihr verbundene Bedrohung der „continuity of culture, [...] the power of religion, love, and femininity.“zu spüren.[10]

Ein weiterer Aspekt, der häufig im Zusammenhang mit „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids“ erörtert wird, ist die sexuelle Interpretation. Bei der Lektüre der Landschaftsbeschreibungen ist die jene Zweideutigkeit durchaus vorhanden, jedoch wurde für diese Arbeit ein anderer Schwerpunkt gewählt, weswegen die sexuellen Anspielungen hier nur am Rande behandelt werden sollen.

Demnach soll es in erster Linie um Melvilles kritische Einstellung gegenüber der durch die Industrialisierung bedingten Ausbeutung der Fabrikkräfte gehen. Hierbei wird herausgearbeitet, mit welchen Mitteln diese Kritik transportiert wird und inwiefern die Erzählerfigur und die formale Struktur der Short Story dabei von Bedeutung sind.

Zur Literatur ist zu bemerken, dass es keinen Mangel an Material gibt, was mit Melvilles Popularität und dem Erfolg anderer Werke wie „Moby Dick “ (1851) zu erklären ist.

Ich werde mich unter anderem auf eine Monographie „The Methods of Melville's Short Fiction“[11] von Bruce Bickley, verschiedene Aufsätze aus „A Companion to Herman Melville“[12], eine Arbeit von Klaus Ensslen „Melvilles Erzählungen. Stil- und strukturanalytische Untersuchungen.“[13] und eine Monographie von Marvin Fisher „Going Under. Melvilles Short Fiction and the American 1850s.“[14] berufen.

2 Kurz: Der Inhalt

Der erste Teil der Short Story „The Paradise of Bachelors“ wird von einem unbekannten Ich-Erzähler geschildert, der das erste Mal die Temple Bar in London besucht. Benannt wurde die Bar nach den Tempelrittern, welche sich dort zu geselligen Zusammenkünften eingefunden hatten. Zum Zeitpunkt der Erzählung handelt es sich bei dieser Bar um einen beliebten Treffpunkt wohlhabender Junggesellen. Der Erzähler geht in während seiner Schilderungen wiederholt auf die Unterschiede zwischen den tapferen Tempelrittern und den sorglosen Junggesellen ein.

Neben der bewundernden Beschreibung des Londoner Temples stellt er einige der Junggesellen vor und präsentiert sie dem Leser als kultivierte aber nur nach Müßiggang strebende Gentlemen. Auch über das Essen, welches er mit den Junggesellen einnimmt und die gemütliche Einrichtung lässt sich der Erzähler detailliert aus. Nachdem die neun Männer gegessen und sich amüsante und oberflächliche Geschichten erzählt haben, schnupfen sie gemeinsam aus einer großen und verzierten Pfeife.

„The Paradise of Bachelors“ endet mit dem begeisterten Feststellung des Erzählers, dass es sich bei diesem Ort wahrhaftig um das Paradies der Junggesellen handele.

Im zweiten Teil „The Tartarus of Maids“ ist der Ich-Erzähler genauer definiert. Er stellt sich als Samenhändler vor, der für sein Geschäft einen Anbieter für Papierumschläge benötige und darum eine Papierfabrik in Neu England aufsucht. Auf seinem Pferd Black reitet er bei eisiger Kälte und Sturm durch die bedrohlich beschriebene Landschaft. Er stellt hierbei den Gegensatz zu der behaglichen Temple Bar fest. Als er an der weißen Papierfabrik ankommt, begegnet er erst zwei schweigenden und blassen Mädchen, dann dem Betreiber der Fabrik, einem dunkelhäutigen Mann. Der Erzähler folgt dem Mann in das Fabrikgebäude und erblickt nun das erste mal die Arbeiterinnen bei der Papierproduktion. Er stellt sofort ihren elenden Zustand fest. Der Fabrikbetreiber weist den Samenhändler nun erschrocken darauf hin, dass er sich die Wangen erfroren habe, was sich durch weiße Flecken äußere. Nachdem die Erfrierung durch intensives Reiben abgewendet wurde, bittet der Erzähler darum, herumgeführt zu werden, worauf der Fabrikbetreiber den Jungen Cupid heranholt.

Zusammen mit dem vitalen Burschen begutachtet er erst das Wasserrad der Fabrik, dann den Lumpenraum, in welchem die als Mädchen bezeichneten Arbeiterinnen alte Stofflumpen zerfetzen. Der Erzähler fragt Cupid, warum die Mädchen denn nicht husten müssen, wo die Luft doch voller kleiner giftiger Partikel wäre, worauf er die Antwort bekommt, dass die Mädchen daran gewöhnt seien. Dann präsentiert Cupid dem Samenhändler stolz die neue Errungenschaft der Fabrik – eine große Maschine, welche mithilfe vieler Cylinder aus dem weißen Brei, der aus den Lumpen gewonnen wird, Papier produziert. Cupid demonstriert die Schnelligkeit der Produktion, indem er den Samenhändler darum bittet, ein markiertes Stück Papier in die Maschine zu geben und dieses Stückchen dann neun Minuten später am letzten Abschnitt des Geräts wieder herauszukommen. Der Erzähler zeigt sich von der Schnelligkeit der Maschine beeindruckt. Begeistert fragt er Cupid, ob dieses Gerät denn niemals verstopfe, was dieser verneint. Nach dem Rundgang bringt der Samenhändler dem Fabrikbetreiber, welche von Cupid als alter Junggeselle bezeichnet wird, seine Bewunderung für die Fabrik zum Ausdruck und fragt dann, weshalb denn alle Arbeiterinnen als Mädchen betitelt würden. Der Fabrikbetreiber beantwortet dies mit der Unvereinbarkeit von Ehe und der Berufstätigkeit in der Fabrik.

Am Ende von „The Tartarus of Maids“ besinnt sich der Erzähler noch einmal auf die Temple Bar und schließt die Short Story mit dem Ausruf „Oh! Paradise of Bachelors! And oh! Tartarus of Maids!“[15]

3 Analyse: The Paradise of Bachelors

3.1 Inspiration und Entstehung

Der Schauplatz des ersten Teils entspringt nicht Melvilles Phantasie sondern hat wirklich existiert. In seinem Tagebuch berichtet Melville 1849 von mehreren Besuchen in besagter Bar. So habe er dort mit neun Junggesellen vorzüglich diniert und eine amüsante Zeit gehabt. Er bezeichnet diesen Ort auch schon in seinem Tagebuch als das „Paradise of Bachelors“.[16] Trotzdem ist zu betonen, dass Melville sich bei seinem Frühstück in Elm Court, im Lincoln's Inn und im Erectheum Club nicht als Gleichgesinnter der Junggesellen gefühlt hat. In dem oben erwähnten Journal berichtet er so, dass er seinem Sohn Malcolm am Tag vor seinem Besuch in der Temple Bar eine silberne Gabel gekauft habe und sich darüber freue, dass es seinem Sohn so gut gehe. Durch diesen Bezug auf seinen Sohn und damit seiner Verantwortung gegenüber Malcolm unterscheidet er sich deutlich von den ungebundenen Männern in der Temple Bar.[17] Der Gedanke, dass schon die wahrhaftigen Tempelritter dort gegessen und getrunken haben, faszinierte Melville sehr und so ließ er sich für „The Paradise of Bachelors“ von Charles Knights „Cyclopedia of London“, indem die Tempelritter ausführlich behandelt werden, inspirieren. Ferner hat Melville sich von Irving beeinflussen lassen. Dieser hatte die Temple Bar schon in „London Antiques“ (The Sketch Book) beschrieben und Melville mit jener Beschreibung derart fasziniert, dass ihr die Beschreibung in „The Paradise of Bachelors“ sehr ähnelt.[18] Klaus Ensslen wiederum sieht in der Beschreibung des Paradieses der Junggesellen eine literarische Annäherung an Charles Lambs Familiar Essays. So sei nicht nur der Ausdruck Melvilles mit seinen Ausrufen und Übertreibungen Lambs Stil sehr ähnlich sondern auch die Thematik eventuell an Lambs „The old Benchers of the Inner Temple“ orientiert.[19]

Nach flüchtiger Lektüre scheint „the dreamy Paradise of Bachelors, found in the stony heart of stunning London“[20] wie eine bewundernde Beschreibung des sorglosen Junggesellenlebens.[21] Melville hat derartige unbeschwerte Zusammenkünfte schon in „Typee“, „Mardi“ und „White-Jacket“ beschrieben.[22]

[...]


[1] Bickley, Bruce, Jr.: „The methods of Melvilles's Short Fiction.“ Durham 1975. S.86.

[2] Scoppettuolo, Nicole: „Power Relations in Melville's „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids“: Domination in the Age of Industrialization“ In: „The Science of Art. Ampersand. The Art of Science.“ Volume 2, Issue 2. Fort Myers 1999. Internet: http://itech.fgcu.edu/&/issues/vol2/issue2/melville.htm (31.12.07).

[3] Ensslen, Klaus: „Melvilles Erzählungen. Stil- und strukturanalytische Untersuchungen.“ Heidelberg 1966. S. 119.

[4] Ensslen, S. 119.

[5] Bickley, Bruce Jr.: „The Triple Thrust of Satire in Melville's Short Stories: Society, The Narrator, and The Reader.“ In: „Studies in American Humor: the journal of the American Humor Studies Association.“ Greensboro 1975 . S.171-178. Im Folgenden: Bickley II S. 176.

[6] Colatrella, Carol: „Urbanization, Class Struggle and Reform“. In: „A Companion to Herman Melville“. Kelley, Wyn (Hrsg.). Cambridge 1998. S. 173.

[7] Fisher, Marvin: „Narrative Shock“. In: „A Companion to Herman Melville“. Kelley, Wyn (Hrsg.). Cambridge 1998. S. 444.

[8] Scoppettuolo.

[9] Fisher, S. 444.

[10] Fisher, S. 445.

[11] Bickley.

[12] „A Companion to Herman Melville“. Kelley, Wyn (Hrsg.). Cambridge 1998.

[13] Ensslen.

[14] Fisher, Marvin: „Going Under. Melville's Short Fiction and the American 1850s.“ Baton Rouge 1977. (Im Folgenden: Fisher II)

[15] Melville, Herman: „The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids.“ In: The Piazza Tales and other Prose Pieces. 1839-1860. Evanston und Chicago 1987. S. 316-335.

[16] Bickley, S. 87f.

[17] Fisher II, S. 71.

[18] Bickley, S. 87f.

[19] Ensslen, S. 127f.

[20] Melville, S. 316.

[21] Bickley, S. 86.

[22] Bickley II, S. 175.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640693405
ISBN (Buch)
9783640693597
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155511
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Englisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
The Paradise of Bachelors and the Tartarus of Maids. Analyse Melville

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