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Der Weg Österreichs in den Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß

Seminararbeit 2006 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Einbettung

3 Die Christlich-Sozialen auf ihrem Weg zur Diktatur
3.1 Die „Selbstauflösung“ des Wiener Nationalrats
3.2 Die Legitimation der autoritären Regierung durch den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas
3.3 Beseitigung der politischen Gegner

4 Die Mai-Verfassung
4.1 Die Durchsetzung der neuen Verfassung
4.2 Der Inhalt und die Resultate

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Weg Österreichs in den Ständestaat unter Engelbert Dollfuß. Hierbei soll geklärt werden, wie es dem Bundeskanzler Dollfuß von 1932 bis 1934 gelungen ist, zusammen mit der christlich-sozialen Partei eine autoritäre Regierung zu etablieren.

Ein wichtiger Faktor für seinen Erfolg war die Ausschaltung des Parlaments, dem Wiener Nationalrat. Deswegen werde ich diesem Punkt verstärkte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Einen weiteren Schwerpunkt werde ich bei der autoritären Verfassung der Christlich-Sozialen setzen, da sie Rückschlüsse auf die anti-parlamentarische Ausrichtung der Partei zulässt und zugleich die subtile Durchsetzung der Regierung wiedergibt. Des weiteren werde ich die Gleichschaltung der Justiz behandeln, da jene entscheidend zur vollständigen Willkür des Regierungshandelns und zum Verlust der Rechtssicherheit beitrug.

Nicht eingehen werde ich auf die Augeindersetzung Österreichs mit dem nationalsozialistischen Deutschland und Dollfuß` Beziehung zu Mussolini, da dies den vorgegebenen Rahmen sprengen würde.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema – ich werde mich hauptsächlich auf drei Autoren beziehen: Anton Staudinger[1], der sich insbesondere mit der strategischen Vorgehensweise Dollfuß’ auseinandergesetzt hat, Everhard Holtmann[2], der sich mit der Lahmlegung der Justiz befasst hat, und vor allem Gudula Walterskirchen[3], die eine Monographie über das Leben und Wirken Engelbert Dollfuß’ verfasst hat.

2 Historische Einbettung

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918 lag Österreich wirtschaftlich am Boden: Reparationszahlungen, Gebietsverluste und weitere Kriegsfolgen machten der jungen Republik schwer zu schaffen. Zudem fand eine stark zunehmende Polarisierung zwischen den regierenden Christlich-Sozialen, den Sozialdemokraten und den österreichischen Nationalsozialisten statt. Ferner entwickelten sich in Österreich in der christlich-sozialen Partei und der nationalsozialistischen Partei und auch in anderen zahlreichen Ländern Europas zu dieser Zeit mehr und mehr antiparlamentarische und faschistische Tendenzen.[4]

1929 wurde dann durch eine Änderung der Verfassung von 1920 die Position des Bundespräsidenten gestärkt[5] - jene Änderung wird bezüglich der Auflösung des Wiener Nationalrats schwerwiegende Konsequenzen haben.

3 Die Christlich-Sozialen auf ihrem Weg zur Diktatur

3.1 Die „Selbstauflösung“ des Wiener Nationalrats

An jenem 4. März, 1933 stand ein Streik der Eisenbahner über nicht oder nur teilweise ausgezahlte Löhne auf dem Sitzungsplan des Wiener Nationalrates. Dollfuß und seine christlich-soziale Partei waren im Gegensatz zur sozialdemokratischen Opposition fest entschlossen, hart gegen die Streikenden durchzugreifen. Im Fall einer Abstimmung bestand für die Regierung die Gefahr in der Minderheit zu bleiben, da ein Mitglied der Christlich-Sozialen wegen Grippe nicht an der Sitzung teilnehmen konnte und die ohnehin sehr knappe Mehrheit der Regierung so noch stärker reduzierte. Um ihren Parteien eine zusätzliche Stimme zu sichern, traten alle drei Parlamentspräsidenten – Karl Renner von den Sozialdemokraten, Rudolf Ramek von den Christlich-Sozialen und Sepp Straffner von den Großdeutschen – zurück. Es herrschte große Verwirrung und Ratlosigkeit im Plenum. Ohne zu wissen, wie es nun weitergehen würde, gingen die Abgeordneten nach hause.[6] Die Tatsache, dass die Geschäftsordnung des Nationalrates für diesen Fall keine konkrete Lösungsmöglichkeit parat hatte, wurde nun von den Christlich-Sozialen für ihre Zwecke genutzt: Sie riefen die Selbstauflösung des Parlaments aus.[7] Dass der proklamierte Staatsnotstand in Wahrheit nur ein Regierungsnotstand war, der sich mit für die Christlich-Sozialen vernichtenden Neuwahlen, hätte beheben lassen, wurde durch geschickte Propaganda der Christlich-Sozialen überspielt.

[...]


[1] Staudinger, Anton: Die Mitwirkung der christlich-sozialen Partei an der Errichtung des autoritären Ständestaats. In: Österreich 1927 bis 1938. Protokoll d. Symposiums in Wien, 23. bis 28. Okt. 1972. München 1973.

[2] Holtmann, Everhard: Autoritätsprinzip und Maßnahmegesetz. In: Die österreichische Verfassung von 1918 bis 1938 : Protokoll des Symposiums in Wien am 19. Oktober 1977. München 1980.

[3] Walterskirchen, Gudula: Engelbert Dollfuß: Arbeitermörder oder Heldenkanzler. Wien 2004.

[4] Studienbuch Geschichte: eine europäische Weltgeschichte. Hrsg. von Elze, Reinhard u. Repgen, Konrad. Bd. 2. Stuttgart 1999. S. 525.

[5] Kinder, Hermann u. Hilgemann, Werner: dtv-Atlas Weltgeschichte. Bd.2. München 2000. S. 434.

[6] Walterskirchen, S.127.

[7] Sandgruber, Roman: Das 20. Jahrhundert. Geschichte Österreichs. Bd. 6. Wien 2003. S. 66f.

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640680535
ISBN (Buch)
9783640679249
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155510
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
autoritäre regierungssysteme zwischenkriegszeit dollfuß österreich

Autor

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