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VFR-Tourismus in Berlin

Wie Studierende den Sofa-Tourismus fördern

Diplomarbeit 2007 122 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 E

2 Tourismus, Migration und soziale Beziehungen
2.1 Vom Tourismus zu VFR-Reisenden
2.1.1 Begriffscharakteristika
2.1.2 Definitionen fur die Untersuchung: Tourismus und Reisendentypen
2.1.3 Unterschiede zwischen den Reisendentypen aus Sicht des Freizeitbegriffs
2.1.4 Die VFR-Reisenden
2.1.4.1 Forschungsgeschichte
2.1.4.2 Typologie von VFR-Reisenden
2.1.4.3 Merkmale von VFR-Reisenden
2.1.4.4 VFR-Tourismus und Migration
2.1.4.5 Zusammenfassung
2.2 Von Migration zu HZB-Migranten
2.2.1 Begriffscharakteristika
2.2.2 Definitionen fur die Untersuchung: Migration und Migrantentypen
2.2.2.1 Migrationstypisierungen nach Ubertretung politischer Grenzen
2.2.2.2 Migrationstypisierungen nach Motiven: Bildungsmigration
2.2.2.3 Die gastgebenden Studierenden
2.3 Von Verwandten und Freunden
2.3.1 Verwandtschaft
2.3.1.1 Begriffscharakteristika
2.3.1.2 Definition fur die Untersuchung
2.3.2 Freundschaft
2.3.2.1 Begriffscharakteristika
2.3.2.2 Definition fur die Untersuchung
2.3.3 Funktionen von Verwandtschaften und Freundschaften im V

3 Eine Handlungs- und Entwicklungstheorie: Die Theorie der Praxis
3.1 Die Theorie der Praxis
3.1.1 Habitus
3.1.2 Feld
3.1.3 Kapital
3.1.3.1 Okonomisches Kapital
3.1.3.2 Kulturelles Kapital
3.1.3.3 Symbolisches Kapital
3.1.3.4 Soziales Kapital
3.2. Theorie der Praxis vs. Rational Choice in der Reiseentscheidung
3.2.1 Theorie der Praxis vs. Rational Choice
3.2.2 Theorie der Praxis vs. Rational Choice in der Reiseentscheidung
3.2.3 Relevanz der Theorie der Praxis vs. Rational Choice fur die U

4 U

5 Methodik
5.1 Auswahlverfahren der Untersuchungssubjekte
5.2 Untersuchungsform und Datenerhebungsmethode
5.3 Datenqualitat
5.3.1 Reprasentativitat
5.3.2 Reliabilitat
5.3.3 Validitat
5.4 Erhebungszeitraum
5.5 Beteiligung an der Befragung
5.6 T

6 Ergebnisse
6.1 VFR-Tourismus und Migrationsbewegungen nach Berlin
6.1.1 Anzahl der Gaste
6.1.2 Einfluss der Wohndauer und des Einladungsverhalten
6.1.3 Einfluss der Wohnsituation der Gastgebenden
6.1.4 Einfluss weiterer Migrationsereignisse bei den Gastgebenden
6.1.5 Vorhersagemoglichkeit der Herkunftsorte von VFR-Touristen
6.1.6 Einfluss der Herkunftsorte der Gastgebenden
6.2 Die Bedeutung sozialer Beziehungen bei der Reiseentscheidung
6.2.1 Von sozialem Kapital beeinflusste Entscheidungskriterien (nur kognitive Leistungen)
6.2.2 Vom kulturellem Kapital abhangige Entscheidungskriterien
6.2.3 Vom symbolischen Kapital abhangige Entscheidungskriterien
6.2.4 Vom okonomischem Kapital abhangige Entscheidungskriterien
6.3 Potenziale und Effekte der Reiseereignisse fur die Stadt Berlin
6.3.1 Reisedauer
6.3.2 Reiseausgaben
6.3.3 Zufriedenheit
6.3.4 Wiederkehrwahrscheinlichkeit
6.3.5 Potenzial weiterer VFR-Reiseereignisse
6.4 F

7 S

L

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kategorisierung von Reisendentypen nach ihrem Hauptzweck im System des T

Abb. 2: Typologie von VFR-R

Abb. 3: Beziehungen zwischen Tourismus und Migration: ein idealisiertes gesamtwirtschaftliches E

Abb. 4: Untersuchungs- und Entwicklungsmodell im System des VFR-T

Abb. 5: Zugriffe pro Tag innerhalb des E

Abb. 6: Beteiligung bei der Online-U

Abb. 7: Anzahl der Gaste in den vergangenen zwolf M

Abb. 8: Einladeverhalten der G

Abb. 9: Anzahl der Gaste in Abhangigkeit von der W

Abb. 10: Wohnsituation der G

Abb. 11: Anzahl der Gaste in Abhangigkeit von der W

Abb. 12: Anzahl potenziell aufzunehmender Gaste in Abhangigkeit von der W

Abb. 13: Anteil der Gastgebenden, die mit ihren Gasten bereits einmal am gleichen Wohnort

Abb. 14: Verhaltnis der Gaste nach Beziehung in Abhangigkeit vom Herkunftsort der G

Abb. 15: Anteile der VFR-Touristen nach ihrem Hauptreisezweck, gruppiert nach gastgebenden G

Abb. 16a+b: Anteil der Gaste, die ohne die Gastgebenden nicht nach Berlin gefahren

Abb. 17: Gefuhlte Verbundenheit der Gastgebenden mit ihren G

Abb. 18: Private Verpflichtung als Entscheidungskriterium bei VF- und VR-R

Abb. 19: Erzahlungen uber Berlin als reiseentscheidendes Kriterium in Abhangigkeit von der W

Abb. 20: Vorherige Besuche als reiseentscheidendes K

Abb. 21: Bewertung verschiedener Unterkunftstypen nach Preis und K

Abb. 22: Wahl der Unterkunft bei VFR-Touristen nach Hauptzweck ihrer Reise und nach ihren gastgebenden G

Abb. 23: Gemeinsam verbrachte Zeit der Gastgebenden mit ihrem G

Abb. 24: Geschatzter Bruttoumsatz der durch die HU-Studierenden beeinflussten R

Abb. 25: Zufriedenheit des Gastes mit dem Aufenthalt in B

Abb. 26: Wiederkehrwahrscheinlichkeit von VFR-Touristen nach gastgebenden G

Abb. 27: Mehr oder weniger VFR-Touristen als erwunscht?

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Funktionen sozialer B

Tab. 2: Grundannahmen von ,Rational-Choice'-Theorien und der ,Theorie der Praxis'

Tab. 3: Studierendenprofile im SS 2006 und in der B

Tab. 4: Teilnehmende nach Land oder Bundesland der B

1 Einfuhrung

Fast keine Stadt und kein Landkreis verzichtet in Deutschland heute mehr darauf, in der eigenen Internetprasenz auf die touristischen Vorzuge des eigenen Raumes zu verweisen oder fordert Infrastrukturmaftnahmen, die Reiseaktivitaten in ihre Region begunstigen (SCHWENDER & WEHLING 1998: 1; MWT 2001: 5; BBR 2006: 1). Zielgruppe sind Urlaubsreisende und Tagesbesucher, in grofteren Stadten zunehmend auch Geschafts- und Kongressreisende. VFR-Reisende, die in ihrer Hauptmotivation Freunde und Verwandte besuchen, bleiben in den strategischen Uberlegungen ihrer Tourismuspolitik dabei bis heute unberucksichtigt

Die Reiseereignisse selbst sind keine unbekannte Erscheinung. Auch wenn im Bereich des deutschen Tourismusmarketings ihr okonomisches Potenzial seit Beginn des Jahrzehnts zuneh­mend Wertschatzung findet und auch mehrfach darauf hingewiesen wird (OSGV 2003), fehlt ihnen bisher eine als Wirtschaftsfaktor entsprechende Anerkennung. Besonders geschatzt wird vor- nehmlich die Zahl privat getatigter Ubernachtungen, bei denen diese als ,Sofatouristen’ identifi- zierten Reisenden fur einen „besseren Schlaf“ in kommerziellen Beherbergungsstatten gewonnen werden sollen (Magdeburg 2006)[1]. Standortdifferenzierte Analysen, die sich nicht nur auf die Bedeutung fur den Beherbergungsmarkt beschranken, stehen weiterhin aus

Dabei beeindruckt die Anzahl der Reisen. Etwa 40% aller im Inlandsverkehr jahrlich gezahlten Reisen, werden dem Hauptmotiv ,Visiting friends and relatives’ (VFR) zugeordnet. Ein ebenso grofter Anteil innerdeutscher Urlauber kombiniert diesen Zweck mit ihrer Reise (IPK 2005a). Bei Reisen aus europaischen Landern ist noch jede funfte Fahrt mit einem Besuch bei Freunden oder Verwandten in Deutschland verbunden. Aufterordentlich hohe Anteile erreichen Reisen aus den direkten Nachbarlandern Deutschlands, insbesondere aus der Schweiz, Osterreich und Polen. Neben Polen sind auch Lander wie die Turkei oder Kroatien uberdurchschnittlich vertreten, die aufgrund von fruheren und aktuellen Migrationsereignissen uber grofte ethnische Communities in Deutschland verfugen (IPK 2005b)

Wanderungsbewegungen sind die wichtigsten Ausloser, um VFR-Reisen zu unternehmen (JACKSON (1990) 2003: 17). Weil Binnenwanderungen in Deutschland haufiger durchgefuhrt werden als Wanderungen uber die nationalstaatlichen Grenzen (STATISTISCHES BUNDESAMT 2006: 46ff.), nehmen auch inlandische VFR-Reiseereignisse einen grofteren Anteil ein. Mit der steigenden Zahl unternommener Wanderungen von und nach Deutschland, steigt jedoch die Zahl VFR-Touristen aus nicht-deutschen Ziel- und Herkunftsgebieten. Mit der vorliegenden Diplomarbeit sollen diese Erscheinungen unter Verwendung einer Handlungs- und Entwicklungstheorie des Soziologen Bourdieus aus wirtschaftsgeographischer Perspektive fur den Berliner Raum untersucht werden

In Berlin gehoren okonomische Aktivitaten im Bereich des Tourismus mittlerweile zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen der Stadt (VUBB 2005: 3). Die Zahl der Tagesgaste in Berlin wird im Jahr 2003 auf 90 Millionen geschatzt. Funf Millionen Besucher verbringen im gleichen Zeitraum mindestens eine Nacht im gewerblichen Beherbergungssektor. Insgesamt sind es etwa 11,5 Millionen Nachte (BTM 2005: 4, 10), die Berlin als europaische Gastemetropole Nr. 3 nach London und Paris etablieren (BERKEL 2004). Drei Jahre spater registriert das Statistische Lan- desamt im Hotelgewerbe bereits sieben Millionen Gaste mit knapp 16 Millionen Ubernachtungen (ASBB 2007).[2]

In Privathaushalten werden im Vergleich dazu fast dreimal so viele Gasteubernachtungen vermutet. Ihre Besucher verantworten etwa 19% der Bruttoumsatze im Bereich der Tourismus- wirtschaft (VUBB 2005: 4.)[3]. Der Einfluss von Migrations- und nachfolgenden VFR- Reiseereignissen auf die Entwicklung der Tourismuswirtschaft in Berlin ist daher als beachtens- wert einzuschatzen. In der Diplomarbeit werden dazu drei zentrale Fragestellungen im Rahmen eines zusammenhangenden Entwicklungsmodells beantwortet, die aufeinander aufbauen

(1) Wie stark ist ein direkter Zusammenhang zwischen Migrationsereignissen und VFR- Reiseereignissen im Berliner Raum ausgepragt? Dabei werden die Gastgebenden entsprechend ihres Migrationshintergrundes gruppiert und ihre Gastezahlen miteinander verglichen

(2) Wie sehr werden die Reiseentscheidungen der Gaste von den Gastgebenden im Vergleich zu wichtigen Standortmerkmalen Berlins beeinflusst? Dieser Frage widmet sich der Hauptteil des vorliegenden Textes. In vorbereitenden Gesprachen zur Themeneingrenzung wurde die Vermu- tung geauftert, dass VFR-Reisende hauptsachlich aufgrund der touristischen Attraktivitat der Stadt nach Berlin kommen[4]. Eine Untersuchung am Beispiel Berlins eignet sich daher hervorra- gend, die Bedeutung sozialer Beziehungen bei der Reiseentscheidung zu bewerten und ihnen Entscheidungskriterien gegenuberzustellen, die allgemein die touristische Attraktivitat Berlins begrunden. In dem Vergleich werden auch verschiedene Hauptmotivationen der Gaste fur ihre Reise berucksichtigt

(3) Inwieweit stellen Reisende, die nur Freunde und Verwandte besuchen, ein okonomisches Potenzi- al dar? Ein Grund, wenn auch nicht der einzige Grund, fur das bis heute bestehende Desinteresse findet sich in der geringen okonomischen Attraktivitat, die Reisenden unterstellt werden, die in erster Linie Freunde oder Verwandte statt Kongresse oder Strandbader besuchen. Inwieweit der Hauptzweck der Reise die okonomische Relevanz tatsachlich beeinflusst, zeigt ein Vergleich aller in dieser Untersuchung Befragten. Auf Grund der begrenzt zur Verfugung stehenden methodi- schen Mittel finden hauptsachlich kurzfristig messbare Effekte ihre Berucksichtung

Aus dem gleichen Grund wird die Erhebung bei Studierenden der Humboldt-Universitat zu Berlin durchgefuhrt. Universitare Einrichtungen empfehlen sich fur die Untersuchung einerseits besonders, weil eine kritische Masse potenzieller Teilnehmer existiert, die nach ihren Migrations- hintergrund gruppiert befragt werden konnen. Andererseits erleichtert der eigene Studierenden- status eine Kooperation mit diesen Einrichtungen, die eine Erhebung im Rahmen der Diplomar- beit uberhaupt erst in dem vorliegenden Umfang ermoglicht

Mit dem Vorgehen sind bestimmte Besonderheiten verbunden. Die untersuchten Reisen zu Studierenden konnen nicht auf alle VFR-Reiseereignisse nach Berlin ubertragen werden. In Abhangigkeit von ihrem Einkommen, dem Bildungsstatus, ihrem Alter oder dem Lebensstil stehen Gastgebende und ihre Gaste nur fur einen bestimmten Ausschnitt der Gesellschaft. Die ungleich verteilten Auspragungen soziokonomischer Merkmale stehen jedoch nicht im Mittelpunkt der Arbeit

Die Arbeit beginnt mit der Erlauterung und Eingrenzung der Untersuchungssubjekte, die das gesamte Kapitel 2 einnimmt. Dazu zahlen die Gaste, ihre Gastgebenden sowie die speziellen sozialen Beziehungen, die sie miteinander verbinden. Es werden die Begriffe (1) ,Tourismus’, (2) ,Migration’, (3) ,Verwandtschaft' und ,Freundschaft' definiert und erklart

Eine wichtige Frage beim Thema (1) ,Tourismus’ ist, inwiefern VFR-Reisen uberhaupt als ,touri- stisch’ bezeichnet werden konnen. Ein Problem, dass sich auch fur andere Typen wie Geschaftsrei- sen ergibt Nach der Herausarbeitung einer geeigneten Definition fur die Gaste als VFR-Touristen, folgt eine Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes zum Thema ,VFR-Reisen’. Weil im deutschsprachigen Raum bisher wenig uber diese Reisen erschienen ist, fallt sie fur einen entsprechenden Uberblick etwas ausfuhrlicher aus. Die Zusammenfassung endet mit einem Verweis auf den Link zwischen ,Tourismus’ und ,Migration’. Der Link bildet die ausgehende Basis fur das Untersuchungsthema der Diplomarbeit

Ihm folgt die Beschaftigung mit dem Gegenstand der (2) .Migration’. Ausgehend von einer allgemeiner Charakterisierung dient sie im zweiten Teil des Kapitels dazu, die gastgebenden Studierenden als Bildungsmigranten fur die Untersuchung prazise einzufassen. Im dritten Teil werden (3) ,Verwandtschaften’ und ,Freundschaften’ als soziale Beziehungen zwischen den Reisenden und ihren Gastgebenden charakterisiert. Der Abschnitt schliefct mit einem Vergleich der Funktionen ab, die diese Beziehungen erfullen

Das anschliefcende Kapitel umfasst die theoretischen Grundlagen fur ein Untersuchungsmodell, in denen die im vorhergehenden Kapitel beschriebenen Akteure um ihre Handlungsmotivationen im Rahmen einer Reise erweitert werden. Die Reiseentscheidungen der Gaste in Abhangigkeit von der Beziehung zu ihren Gastgebenden bilden den zentralen Bestandteil des Untersuchungsmo- dells. Um diese Entscheidungen zu Gunsten Berlins nachzuvollziehen, wird mangels fehlender Alternativen in der wissenschaftlichen Tourismusforschung auf Bourdieus ,Theorie der Praxis’ und der ihr untergeordneten Kapitaltheorie als Analysewerkzeug zuruckgegriffen. Bourdieus Differenzierung nach kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital erlaubt eine vereinfachte Operationalisierung moglicher Kriterien, die diese Reiseentscheidungen auslosen konnen

Die Theorie der Praxis findet in der soziologischen Forschung vor allem Anwendung, um Struktu- ren sozialer Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften zu erklaren. Fur Bourdieu stellt sie in ihrer dynamischen Dimension jedoch ein Gegenentwurf zu Theorien des Rational Choice dar. Sie ist deshalb auch als Handlungstheorie zu verstehen. Das Kapitel fasst die Kernannahmen seiner Theorie zusammen und stellt ihr die wichtigsten Differenzen zu Rational-Choice-Theorien gegenuber, um ihre Eignung zur Untersuchung von Reiseentscheidungsprozessen zu bewerten

Die in Kapitel 2 und 3 beschriebenen theoretischen Grundlagen werden im vierten Kapitel fur die empirische Erhebung in einem Untersuchungsmodell zusammengefuhrt. Das funfte Kapitel legt die methodische Vorgehensweise im Feld dar. Die Ergebnisse der Erhebung sind, entsprechend der drei zentralen Fragestellungen der Arbeit, im sechsten Kapitel dokumentiert. Die Diplomarbeit endet mit einem abschliefcenden Resumee und Fazit der Ergebnisse sowie dem Ausblick auf zukunftige Fragestellungen

2 Tourismus, Migration und soziale Beziehungen

2.1 Vom Tourismus zu VFR-Reisenden

2.1.1 Beariffscharakteristika

Als Begriff ist Tourismus noch relativ jung. Er wird mit der zunehmenden Internationalisierung nach dem zweiten Weltkrieg in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen (OPASCHOWSKI 1996: 16). Im anglo-amerikanischen Sprachraum findet er um 1800 seine erste Erwahnung (SMITH 1995: 20) und ist eng mit dem adligen Erziehungsprogramm der „Grand Tour“ verbunden[5]

Eine generelle Schwierigkeit, die sich mit dem Begriff ,Tourismus’ verbindet, ist seine gleichzeitige Nutzung fur verschiedene Handlungsebenen. Der Schweizer Geograph Claude KASPAR definiert ,Tourismus’ als „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, fur die der Aufenthaltsort weder hauptsachlicher und dauerhafter Wohn- noch Arbeitsort ist“ (KASPER 1984, S.18). Auf diesem Level wird die Makroebene betrachtet und ,Tourismus’ als ein System mit eigener Logik und eigenen Gesetzen begriffen. VFR-Tourismus ist aus dieser Perspektive ein Teilbereich dieses Systems, bei der unabhangig vom Hauptzweck wahrend der Reise Verwandte und Freunde am Aufenthaltsort besucht werden

Auf der Mikroebene wird ,Tourismus’ dagegen als Reiseaktivitat einzelner Individuen aufgefasst. Das Suffix „-ismus“ (oder engl. „-ism“) bringen die beiden Soziologen Prahl/Steinecke (1979 vgl. bei ZIMMER 1995: 88) dabei mit der Reise als Selbstzweck in Verbindung. Wenn auch kein Bezug auf PRAHL UND STEINECKE genommen wird, so schreibt der Kulturwissenschaftler STAGL (1980: 379 vgl. bei SPODE 1993: 4), dass sich eine „sentimentale“ Reise als Spielart der Bildungsreise ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt hat, die nicht an Verstandes-, sondern an Gefuhlsbildung interessiert ist und auf die vom Fortschritt unberuhrte „Natur und deren Bewohner" zielt - „man meint zu reisen um des Reisens willen [...], erst das vom humanistischen Bildungszweck ,entlastete Reisen wandelte sich zum Tourismus"' (STAGL 1980: 379, zit bei SPODE 1993: 4)[6]. Zur weiteren Unterscheidung gegenuber fruheren Reiseformen erganzt der Tourismushistoriker SPODE (ebd.):

„Schon immer sind Menschen gereist. [...] In lose organisierten Gesellschaften war ein wichtiges Reise- motiv die Notwendigkeit der Festigung und Herstellung verwandtschaftlicher Beziehungsnetzwerke; [...] tribale Gesellschaften begegneten der prekaren Gefahrdung des Fremden (und der Gefahr, die von ihm ausging) mit dem ,heiligen’ Gastrecht, das den Gast schutzte und unter rituellen Vorkehrungen haufig zum Wahlverwandten machte. Bereits im Fruhmittelalter war diese Institution brtichig und musste durch ein spezialisiertes Beherbergungswesen erganzt werden. Hauptzweck der Reise war die Vermeh- rung oder Sicherung knapper Ressourcen, der Erwerb im weitesten Sinne. Oft eng verwoben waren Krieg [...], Handel, Entdeckung, Administration, ferner der Erwerb immaterieller Guter: Seligkeit, Ge- sundheit, Wissen. Elemente der Pilger- und der Baderreise, sowie der Bildungsreise finden sich auch im Tourismus."

Fur SPODE sind diese Reisen ausschliefelich mit einem bestimmten Zweck verbunden. Daraus schlussfolgernd bleibt fur ihn das besondere Merkmal einer touristischen Reise ihre „(scheinbare) Zweckfreiheit“ (SPODE 1988: 39; 1993: 3). Die zentral herausgearbeitete Eigenschaft der „Zweckfrei- heit“ weist auf den Freizeitcharakter dieser Reiseform hin. In der im 18. Jahrhundert in Europa einsetzenden Entstehungsphase bleibt sie noch eine exeptionelle Unternehmung, ab der im 19. Jahrhundert folgenden Ausbreitungs- und Formatierungsphase wird sie zu einem moglichst jahrlich praktiziertem Freizeitverhalten, das nach dem Zweiten Weltkrieg der Bevolkerungsmehrheit offen steht (SPODE 1993: 3)

2.1.2 Definitionen fur die Untersuchung: Tourismus und Reisendentypen

Tourismusforscher verschiedener Fachdisziplinen vermissen bis heute eine interdisziplinar anzuwendende Tourismusdefinition. Allgemein verweisen sie auf staatlich-administrativ vorgege- bene Definitionen, die zumindest eine Vergleichbarkeit im statistischen Bereich dieser Institutionen gewahrleisten (BURKART UND MEDLIK 1981: 40; SMITH 1995: 20; OPASCHOWSKI 1996: 19; HALL UND WILLIAMS 2002: 5; Hopfinger 2004: 2f.; Hall 2005: 16). Die World Tourism Organization (UNWTO) nimmt bei der Eingrenzung eine Leitfunktion ein (SMITH 1995: 21), beschrankt sich aber nicht auf ihren Freizeitcharakter

Stattdessen werden bei der UNWTO unter Tourismus alle Aktivitaten von Personen verstanden, die sich an Orte aufcerhalb ihrer gewohnten Umgebung begeben, sich dort nicht langer als ein Jahr aufhalten[7], wobei der Hauptreisezweck ein anderer ist als die Ausubung einer Tatigkeit, die vom besuchten Ort aus vergutet wird. Als Touristen werden Individuen bezeichnet, deren Reisedauer 24 Stunden uberschreitet und deren Aufenthalt mit mindestens einer Nacht verbunden ist. (SMITH 1995: 22, 24; OPASCHOWSKI 1996: 21, HOPFINGER 2004: 1f.)

Mit der ,gewohnten Umgebung’ werden periodisch auftretende Pendlerfahrten (zeitliche Frequenz) ebenso wie Reisen an Orte ausgeschlossen, die nicht sehr haufig besucht werden, sich jedoch innerhalb der gewohnten Umgebung befinden (raumliche Distanz). Da diese Distanz subjektiv unterschiedlich wahrgenommen werden kann, setzt die UNWTO fur eine statistische Erfassung einen Radius von 100 Meilen fest (SMITH 1995: 22). In der Untersuchung ist sie auf die Uberschrei- tung der Berliner Stadtgrenzen festgelegt

Die Bestimmung „nicht langer als ein Jahr“ bestimmt fur die UNWTO eine statistisch zu erfassende Grenze zwischen Touristen und Migranten und „Mindestaufenthalt von einer Ubernachtung" zwischen Touristen und Tagesbesuchern. Ein Ausschluss der ,Ausubung einer Tatigkeit, die vom besuchten Ort aus vergutet wird’ erlaubt die Einbeziehung von Geschafts- und Kongressreisen, wahrend sie Saisonarbeiter von der Erfassung statistisch fernhalt (ebd.: 27)

Eine weitere Unterscheidung betrifft die Reiserichtung, in der In- und Outboundtouristen voneinan- der getrennt sind. Der Inboundverkehr richtet sich in ein Land, wenn die besuchenden Touristen im Ausland wohnen. Outboundverkehr ist der aus dem Land des Wohnsitzes eines Touristen gerichtete Verkehr. Weiterhin wird zwischen internationalen und inlandischem Reiseverkehr differenziert (ebd.: 23). In der vorliegenden Arbeit wird ausschliefclich der nach Berlin gerichtete internationale Inbound- und inlandische Reiseverkehr untersucht

Auch die Gliederung dieser Reisen nach ihrem Hauptzweck ist von der UNWTO vorgegeben. Sie finden sich der vorliegenden Abb. 1 und sind bis heute unverandert in Gebrauch (UNWTO 2002). Unterschieden werden sechs Hauptgruppen von Touristen. Der Begriff des ,Touristen’ meint ein Individuum, dass sich innerhalb des Tourismus-Systems bewegt. Bei der Beschreibung der einzel- nen Typen nach ihrem Hauptzweck wird fur die spatere Untersuchung jedoch der Begriff des ,Reisenden’ vorgezogen und nur in ihrer Gesamtheit von Touristen gesprochen

Die Diplomarbeit berucksichtigt dabei vier relevante Gruppen. Als Urlaubsreisende werden alle Touristen mit dem Hauptzweck unter Punkt 1 bezeichnet. Eine Ausnahme stellen Touristen dar, die ein sportliches oder kulturelles Ereignis besuchen. Weil angenommen wird, dass sie sich hinsichtlich Reisedauer, ihrem Ausgabeverhalten und der Reiseentscheidungskriterien deutlich von Urlaubsrei- senden unterscheiden, werden sie in der Untersuchung als Eventreisende separat betrachtet. VFR- Reisende sind die unter Punkt 2 dargestellten Touristen, die mit Hauptzweck eines Besuches bei Freunden oder Verwandten reisen. Sie konnen nach Art des Besuchs zusatzlich in VF- (visiting friends) und VR-Reisende (visiting relatives) unterschieden werden. Die in Punkt 3 beschriebenen Touristen gehen als Geschaftsreisende in die Untersuchung ein. Allen ist in der Diplomarbeit gemeinsam, dass sie wahrend ihres Aufenthaltes unabhangig von ihrem Hauptzweck Bekannte, Freunde oder Verwandte in Berlin besuchen. Als Reisende im System des Tourismus werden sie daher in ihrer Gesamtheit als VFR-Touristen bezeichnet

Abb. 1: Kategorisierung von Reisendentypen nach ihrem Hauptzweck im System des T

Abbildung in dieser Leseprobe nicht

2.1.3 Unterschiede zwischen den Reisendentypen aus Sicht des Freizeitbegriffs

Eine insbesondere fur das Reiseverhalten von VFR-Reisenden wichtige Differenzierung bleibt trotz der Definitionen bisher ungeklart. Um den ,Freizeit'-Charakter der einzelnen Reisendentypen beschreiben zu berucksichtigen, bieten sich einerseits positive Freizeitdefinitionen an. Diesen Darlegungen ist gemeinsam, dass sie ,Freizeit' als einen eigenen Lebensbereich definieren. Fur den Soziologen OPASCHOWSKI (2006: 26) ist ,Freizeit' aus dieser Perspektive „eine noch zu gestaltende Zeiteinheit, [die] hinsichtlich [ihres] Inhaltes wenig besagt. [...] Freizeit ist das, was die Mehrheit als Freizeit empfindet."[8] Er differenziert dabei Lebenszeit in Dispositionszeit, Obligationszeit und Determ inationszeit:

Determinationszeit liegt fur OPASCHOWSKI (1987: 86f.) vor,

„...wenn das Individuum zu einer Tatigkeit gezwungen bzw. in der Ausubung der Tatigkeit zeitlich, raumlich und inhaltlich festgelegt ist. [Sie] ist vorwiegend, aber nicht ausschliefelich mit Erwerbsarbeit („Beruf") ausgefullt. Nicht jede Berufsarbeit ist [...] weitgehend organisiert und fremdbestimmt. [...] Au- feerdem konnen innerhalb der Familie oder des Freundeskreis bestimmte Rituale (z.B. Essenszeiten) so streng formalisiert sein, dafe sie die Handlungszeit des Individuums fixieren."

Obligationszeit ist der Zeitraum, in dem,

„...sich das Individuum zu einer bestimmten Tatigkeit verpflichtetfuhlt bzw. aus beruflichen, familiaren, sozialen, gesellschaftlichen u.a. Grunden an die Tatigkeit gebunden ist. [...] In der Obligationszeit liegt zwar ein gewisser Freiheitsgrad bzw. ein gewisser Grad an Disponibilitat vor, der sich aber meist nur auf die Art (z.B. Methode, Technik) und Zeit (z.B. Beginn, Dauer, Einteilung) bezieht. Pflichtcharakter undZweckbindung bleiben davon unberuhrt."

Dispositionszeit stellt fur ihn die eigentliche freie Zeit, die Freizeit dar und besteht,

„...wenn das Individuum uber wahlfreie, selbst- und mitbestimmbare Zeitabschnitte verfugt. [...] Die [...] Beispiele zeigen, dafe ein und dieselbe Tatigkeitganz unterschiedlichen Qualitatscharakter haben kann. Deshalb lafet sich auch freie Zeit nicht daran erkennen, was einer tut, sondern warum und wie er es tut, aus welchen Beweggrunden, mit welcher Zielsetzung und inneren Anteilnahme."

Auf Basis dieser theoretischen Sichtweise durften fur die einzelnen Reisendentypen unterschiedli- che Annahmen formuliert werden. Weil Geschaftsreisen einer beruflichen Ausubung oder Perspek- tive untergeordnet sind, unterliegt dieser Reisendentyp eher fremdbestimmten oder verpflichten- den Hauptmotiven. Urlaubsreisenden und Eventreisenden ist hingegen zu unterstellen, dass ihre Aufenthalte aufcerhalb ihrer gewohnten Umgebung freiwilligen Charakter besitzen. Reisen mehrere Personen gemeinsam, konnen sie jedoch zunehmend als verpflichtend empfunden werden. Fur Reisen zu Verwandten, Freunden und Bekannten wird in Abhangigkeit von der sozialen Beziehung und den verbundenen Aktivitaten das Hauptmotiv von VFR-Reisenden determiniert oder freiwillig begrundet sein. Reisen zu Hochzeitsfeiern, Geburtstagen oder bestimmten religiosen Festen konnen als obligatorisch oder determiniert aufgefasst werden, insbesondere wenn es Personen aus der engen Familie betrifft. In jedem Fall sind sie potenziell fremdbestimmt. Wird gereist, um den zu besuchenden sozialen Beziehungen im Haushalt, bei der Pflege oder bei einem Umzug zu helfen, ist der deterministische Charakter wahrscheinlich noch starker ausgepragt. Andererseits waren auch zahlreiche andere Aktivitaten denkbar, die freiwillig unternommen werden und mit dem Haupt zweck eines Besuches bei diesen sozialen Beziehungen verbunden sind - z.B. der Besuch eines Museums oder einer Sightseeingtour in der besuchten S

Da der Besuch bei Freunden und Verwandten auch als Teil einer Reise mit einem anderen Haupt- zwecke stattfinden kann, sind fur Urlaubs-, Event- und Geschaftsreisende ahnliche Konstellationen vorzustellen. Wenn beispielsweise eine Geschaftsreise auch aus dem Grund wahrgenommen wird, weil sie einen Besuch einer dort wohnenden Person oder der Stadt selbst ermoglicht. Die Reiseent- scheidung entsprange freiwilligen Motiven, hatte nach erfolgter Reiseentscheidung dennoch deterministischen oder verpflichtenden Charakter. Fur die spatere Untersuchung sind diese Unterscheidungen insofern relevant, als das alle beschriebenen Reiseereignisse analysiert werden, die mit einem Besuch sozialer Beziehungen in Berlin kombiniert sind und diese Beziehungen die reiseentscheidenden Kriterien dementsprechend beeinflussen

Eine andere Herangehensweise erlauben negative Freizeitdefinitionen zur Differenzierung der Reisendentypen. Ihre Vertreter verstehen ,Freizeit' als arbeitsfreie Zeit (u.a. VEBLEN 1993: 51f.; PRAHL 2002: 98; OPASCHOWSKI 2006: 3f, 35). Der Okonom und Soziologe VEBLEN weist auf ihren unproduktiven Charakter hin, der Freizeit gegenuber Arbeit auszeichnet (VEBLEN 1993: 51f.)[9]. Fur den deutschen Freizeit-Soziologen PRAHL (2002: 112) ist Freizeit „massenhafte Konsumzeit, [die] nicht langer eine physische Notwendigkeit zur Reproduktion der Arbeitskraft [...] ist. [...] Die Individuen konkurrieren durch Konsum, Statussymbole, Reisen usw. miteinander und zeigen auf diese Weise Freizeitleistung“(PRAHL 2002. 98)

Aus dieser Perspektive wurden Geschaftsreisende insbesondere durch ihre produktiven Aktivitaten charakterisiert, wahrend Urlaubs- und Eventreisende vornehmlich als Konsumenten in Erscheinung traten. VFR-Reisende waren dagegen gleichermaften produktiv wie konsumtiv tatig. Eine genaue Unterscheidung ist theoretisch nur schwer vorzunehmen und empirisch aufwandig zu belegen. Uber das Ausgabeverhalten ist eine solche Einordnung nicht moglich. Eine weitergehende Auseinander- setzung mit dieser Sichtweise wird innerhalb dieser Arbeit daher nicht angestrebt

Es bleibt festzuhalten, dass das wirtschaftliche Potenzial von VFR-Reisenden nicht auf den konsum- tiven Charakter ihrer Reisen reduziert sein muss, wie es folgend dargestellt wird. Auch ihre soziale oder kulturelle Bedeutung wird nur teilweise angedeutet Ein Grund hierfur besteht im bisherigen Forschungsinteresse. In Deutschland wie international ist die Auseinandersetzung mit dem ,VFR- Reisenden’ im Bereich des Tourismusmarketing am intensivsten, das fach- und finanzierungsbe- dingt eine auf Teile der Tourismuswirtschaft beschrankte Sichtweise verfolgt. Weil ,VFR-Reisende’ ein zentrales Untersuchungsobjekt fur die empirische Untersuchung der Diplomarbeit darstellen und dieser Forschungsgegenstand noch relativ neu ist, folgt zunachst ein

Uberblick uber diese Arbeiten, um ein besseres Verstandnis fur den Forschungsgegenstand zu gewahrleisten. Die Zusammenfassung wird neben Studien aus dem Bereich des Tourismusmarke- tings durch Arbeiten aus der Geografie und Soziologie erganzt

2.1.4 Die VFR-Reisenden

2.1.4.1 Forschungsgeschichte

Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit VFR-Reisenden als Forschungsgegenstand beschaftigen, entstehen Ende der 1980er Jahre in Australien und Neuseeland. Fur den Tourismus- forscher SEATON (1993: 316) sind sie jedoch wie bei SPODE (1993: 3) keine moderne Erscheinung, sondern existieren „since the ark“. Uber die „Grand Tour“, bei der Mitglieder der Aristokratie ihre fernen Verwandten besuchen, sind VFR-Reisen ebenfalls mit der fruhen Touristikgeschichte verbunden. Seit Grundung der UNWTO werden sie in privaten und offentlichen Tourismus- Statistiken erstmals quantitativ erfasst (ebd.), allerdings zahlen nach JACKSON (2003 (1990): 17) bis 1990 nur 32 nationale Tourismusburos diese Reiseaktivitaten oder fallen, wie SEATON (1993: 316) erklart, in „a heterogeneous body of people travelling for ,other’ purpose"

Begrundet wird das Interesse mit dem Abbau von Mobilitatshemmnissen im internationalen Verkehr, der in der Tourismusforschung auch eine hohere Bedeutung als der inlandische erfahrt. Mit der Reduktion politisch motivierter Barrieren im Zuge des endenden Ost-West-Konflikts, wie auch mit der Zunahme wirtschaftlich oder politisch motivierter Fluchtbewegungen steigt die Zahl internationaler Migrationsbewegungen und mit ihnen die Zahl von VFR-Reisenden (JACKSON 1990 (2003): 17f.; SEATON 1996: 7)[10]. Der australische Geograf JACKSON weist als einer der Ersten auf diesen Effekt aufmerksam und setzt sich in der Folge mit VFR-Reisen als eigenstandiges Phanomen auseinander

In der Folgezeit beschrankt sich die Resonanz und daraus resultierende Arbeiten auf den angloame- rikanischen Sprachraum, insbesondere auf Australien, Neuseeland, die USA und Groftbritannien. Die meisten Arbeiten sind als empirische Untersuchungen angelegt, ohne die Ergebnisse theoretisch zu modellieren. Eine wiederkehrende Struktur begleiten dabei fast alle anfanglichen Arbeiten. Zu- nachst wird die Bedeutungslosigkeit des Forschungsgegenstandes festgestellt (z.B. JACKSON 1990, SEATON 1993, Morrison/O’Leary 1995), woraufhin einzelne Vorurteile identifiziert und mit den prasentierten Studien widerlegt werden. Bei den Vorurteilen resumiert SEATON (1993: 345) mit Verweis auf DENMAN (1988) erstens die Annahme, Tourismusplaner wurden VFR-Reisende nur als Nischenwert mit geringen okonomischen Effekten betrachten, zweitens bestanden keine Moglich- keiten, mittels Tourismusmarketing diese Reisebewegungen zu beeinflussen und drittens, selbst wenn, wurden sie ausreichend uber Mainstreamkampagnen erreicht. Noch wichtiger erscheint fur SEATON jedoch die Tatsache, dass zunachst keine Lobbygruppe bei den nationalen oder regionalen Tourismuszentralen mit den Interessen von VFR-Reisenden harmoniert[11]. Auch die statistische Erfassung von VFR-Reisenden ist schwierig (SEATON 1993: 317). Mehrheitlich sind sie nicht, wie ublich, uber kommerzielle Einrichtungen zu erfassen. Viele Reisende begreifen sich selbst auch nicht als ,VFR-Reisende’ - manche besuchen nur Freunde oder nur Verwandte manche besuchen Freunde oder/und Verwandte, liegen aber tagsuber als Strandurlauber am Meer

Mit der Zahl der Arbeiten wachst die Bedeutung des eigenen Forschungsgegenstandes, die Selbst- darstellung fallt zunehmend selbstbewusster aus (z.B. MOSCARDO/PEARCE/MORRISON U.A. 2000, LEHTO/MORRISON U.A. 2001; DUVAL 2003: 269). Weil die Mehrheit der Arbeiten, wie bereits erwahnt, im Forschungsbereich des Tourismusmarketings entstehen, setzen sie ihren Fokus insbesondere auf Reisebewegungen innerhalb der OECD-Staaten. In den Bereichen der Geografie und Soziologie orientieren sich Tourismusforscher dagegen an frequenzstarken Im- und Emigrationsstromen der Staaten, in dem die Forschungen stattfinden. In Australien und Neuseeland betrifft es hauptsachlich Bewegungen von und nach Sudostasien (JACKSON 1990; GAMAGE/KING 1999; KYUNG-MI/PAGE 2000; LEE/WONG 2002; THU Huong/King 2002; Duval 2003; IVA 2004). Obwohl bereits in der Arbeit von JACKSON (1990) auf den Link zwischen Migration und (VFR-) Tourismus hingewiesen wird, beschaf- tigen sich weitere der Geografie oder Soziologie verbundene Wissenschaftler erst seit Anfang dieses Jahrzehnts wieder verstarkt mit dieser Verbindung

Deutschsprachige Forscher zeigen fur VFR-Reisen ebenfalls zuerst im Bereich des Tourismusmarke­tings Interesse an dieser Erscheinung und verfolgen seit Anfang 2000 erste eigenstandige Untersu- chungen[12]. Die meisten Beitrage entstehen als Auftragsarbeit des Deutschen Wirtschaftswissen- schaftlichen Instituts fur Fremdenverkehr e.V. (dwif) fur den ,Tourismusbarometer’ verschiedener Sparkassenverbande[13]. Im Jahresbericht 2002 der jahrlichen Bestandsaufnahme des Beherber- gungsmarktes wird erstmals die Ubernachtungsnachfrage im „Grauen Beherbungsmarkt“[14], inklusive der Ubernachtungen bei Verwandten und Bekannten erwahnt und in Grundziigen reflektiert. Letzteres Segment bezeichnen die Autoren als „Sofatourismus“ (DWIF 2005: 28) Der Begriff etabliert sich seither bei verschiedenen regionalen Tourismusburos als akzeptierte deutsche Umschreibung fur VFR-Reisen (z.B. GUTSCHE 2002; DTV 2004; BTM 2004; VBA 2005; AHGZ 2005; Stadt Magdeburg 2005; IHK Osnabruck 2006; Nds. Ministerium fur Wirtschaft, Arbeit und Verkehr 2006)[15], wenngleich der Begriff wegen seiner Reduktion auf ein Beherbergungssegment nicht alle VFR-Reisen umfassen kann, weil nicht alle VFR-Reisenden bei diesen Gastgebenden ubernachten. Insofern steht ,Sofatourismus' auch als Symbol fur den vom ,Tourismusbarometer' noch als unzurei- chend bezeichneten Forschungsstand innerhalb des deutschen Tourismusmarketings

Im Deutschen Reisemonitor, der jahrlich die wichtigsten deutschen Statistiken uber den deutschen Tourismusmarkt zusammenfasst und beim IPK International erscheint, werden VFR-Reisen, wie international ublich, mit dem Hauptzweck des Besuchs bei Verwandten und Bekannten aufgefasst (IPK 2006). Allerdings erfolgt diese Erfassung mit Ausnahmen ausschliefclich in der Kategorie „sonst. Privatreisen“ (ebd.) Auch hier fehlt bisher eine statistisch differenzierte Auseinandersetzung des VFR-Marktes

2.1.4.2 Typologie von VFR-Reisenden

Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist diese Differenzierung bereits in den aufgefuhrten Arbeiten ausgearbeitet worden. Sie orientiert sich an standardisierten Typologien dieses Forschungszweiges, ist fur den Untersuchungsgegenstand geringfiigig angepasst und ausgehend von der UNWTO- Definition fur VFR-Reisende untergliedert worden (Abb. 2)[16]

Unterschieden werden die Verhaltensmuster von VFR-Reisenden danach ob, (1) der Besuch bei Verwandten, Freunden und Bekannten das Hauptmotiv der Reise ist oder (2) z.B. mit dem Hauptmo- tiv einer Urlaubs- oder Geschaftsreise nur eine von mehreren Aktivitaten, (3) wahrend der Reise nur ein oder mehrere Ziele besucht werden und (4) die Reise innerhalb der nationalstaatlichen Grenzen stattfindet oder solche uberschreitet. Die Unterscheidung (5) zwischen ,short-haul’[17] und ,long-haul’ basiert auf unterschiedlichen Reiseentfernungen und der Tatsache, dass z.B. nicht jede Inlandsreise auch mit einer Kurzstreckenreise gleichgesetzt werden kann (z.B. zwischen New York und Los Angeles) genau wie die Distanz zwischen Koln und Brussel trotz des Nationalgrenzen uberschrei- tenden Charakters nicht als Langstrecke uberzeugt. Weiterhin wird differenziert, ob (6) die Uber- nachtung ausschliefclich bei Verwandten, Freunden oder Bekannten erfolgte (AFR) oder mindestens eine Nacht in einer kommerziellen Einrichtung verbracht wurde (NAFR) und letztlich (7) aus- schliefclich Verwandte (VR), ausschliefclich Freunde (VF) oder Verwandte und Freunde (VFVR) besucht wurden

Abb. 2: Typologie von VFR-R

Abbildung in dieser Leseprobe nicht

Quelle: Morrison u.a. 2001:201

Fur jede der einzelnen Typen gilt, dass in Abhangigkeit dieser Zuordnungen, signifikante Unter- schiede im Reiseverhalten von VFR-Reisenden belegt werden konnen. Die Typologisierung erlaubt in den folgenden Zeilen, bestimmte Eigenschaften von VFR-Touristen zusammenzufassen, die in bisherigen Untersuchungen herausgestellt worden sind. Die methodisch differenzierten Vorgehen dieser Untersuchungen erschweren eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zueinander. Auch sind die Ergebnisse wegen der unterschiedlichen Untersuchungsraume nicht generell zu verallgemeinern. Sie erlauben jedoch eine Orientierung, um uberhaupt eine Unterscheidung von anderen Reisenden- typen und innere Differenzierung vornehmen zu konnen. Wenn nicht anders erwahnt, stammen sie aus dem Forschungsbereich des Tourismusmarketings

2.1.4.3 Merkmale von VFR-Reisenden

R

Bei der Analyse der Reisedauer sind signifikante Unterschiede zu Nicht-VFR-Reisenden festzustel- len. Insbesondere in Abhangigkeit von der Reiseentfernung bzw. der Uberschreitung nationalstaatli- cher Grenzen werden diese Abweichungen deutlich. Im internationalen Langstrecken-Verkehr weisen VFR-Reisende eine langere Aufenthaltsdauer auf als Nicht-VFR-Reisende (SEATON UND TAGG 1995: 14; YUAN U.A. 1995: 23; SEATON UND PALMER 1997: 348; JACKSON 1990: 19; HU UND MORRISON 2001: 205). JACKSON (1990: 19) stellt fur den internationalen Incoming-Markt in Australien fest, dass VFR-Reisende doppelt so lange wie Urlaubsreisende und dreimal langer als Geschaftsreisende am Aufenthaltsort verweilen. Autoren anderer Studien bestatigen die Ergebnisse in dieser Verhaltnis- ordnung (HU/MORRISON 2001: 205). YUAN U.A. (1995: 23) vermuten, dass die gegenuber Nicht-VFR- Reisenden reduzierten Unterkunftskosten - die mehrheitlich als AFRs bei Freunden und Verwand- ten ubernachten - einen langeren Aufenthalt ermoglichen. SEATON (1993: 318) erkennt bei diesen Reisen einen uberproportionalen Anteil von Besuchen bei Verwandten. Moglicherweise werden in verwandtschaftlichen Beziehungen bei Besuchen langere Reisedistanzen in Kauf genommen als bei Beziehungen, die auf Freundschaften basieren - oder mussen aus verpflichtenden Grunden in Kauf genommen werden. Dadurch steigt mit zunehmender Reisedistanz die Wahrscheinlichkeit, eher Verwandte als Freunde zu besuchen

Im inlandischen Kurzstreckenverkehr sind VFR-Reisende dagegen signifikant kurzer unterwegs als Nicht-VFR-Reisende, wie SEATON UND PALMER (1997: 348) am Beispiel Grofcbritanniens belegen. HAY (1996: 59) bestatigt diese Vermutung indirekt fur den britischen Inlandsmarkt, aber differenziert sie nach dem Typ der sozialen Beziehung. Besuche von Verwandten nehmen wesentlich mehr Tage in Anspruch als Besuche von Freunden. Die langste Reisedauer weisen Personen auf, die Freunde und Verwandte besuchen. Er weist im Zusammenhang mit der kiirzeren Reisedauer von VF- Reisenden jedoch auf deren hohere Reisefrequenz hin. Freunde werden auch haufiger besucht als Verwandte. Zu einem anderen Ergebnis kommen Bischoff und Koenig-Lewis, die einen fur diese Arbeit relevanten Sonderfall darstellen. In Ihrer Studie, die ausschliefclich bei Studierenden (der University of Wales Swansea) als Gastgebende durchgefuhrt wurde, nehmen die Besuche von ihren Freunde mehr Tage in Anspruch als die ihrer Verwandten (BISCHOFF UND KOENIG-LEWIS 2006: 11)[18]. Ungeklart bleibt, inwiefern neben den Gastgebenden auch die raumliche Lage und infrastrukturelle Ausstattung der Universitatsstadt dafur Ausschlag geben

Wiederkehrwahrscheinlichkeit (Repeat Visits)

Eine gegenuber anderen Reisendengruppen besonders hohe Wiederkehrwahrscheinlichkeit heben mehrere Untersuchungen hervor (PACI 1994: 36ff; MEIS U.A. 1995: 30f; NEW ZEALAND TOURISM 1986 vgl. bei MURI 2003: 30). Forscher einer Studie uber ,,Repeat-Visitors“ aus den USA nach Kanada begrunden ihr Ergebnis mit einem signifikanten statistischen Zusammenhang zu den Informations- quellen. (MEIS U.A. 1995: 30f.). Da Informationsquellen, die Reiseentscheidung mafcgeblich beeinflus- sen, steht die Wiederkehrwahrscheinlichkeit in einem direkten positiven Zusammenhang mit der Qualitat und Quantitat der sozialen Beziehungen an potenziellen Destinationen[19]. Auch die Autoren des Tourismusbarometers schreiben fur ihre untersuchten deutschen Regionen: „Die Einheimischen sind auRerst wichtige Adressaten und Multiplikatoren fur das Tourismusmarketing; [...] weil man durch sie ihre Gaste, die Verwandten- und Bekanntenbesuche, erreichen kann“ (OSGV 2003: 24)

In seiner Studie uber den nordirischen VFR-Markt belegt Seaton den hoheren Einfluss von Verwand­ten auf die Wiederkehrwahrscheinlichkeit Wahrend knapp mehr als die Halfte der Besuche bei Freunden schon dreimal oder ofter am Reiseziel verweilte, geben Dreiviertel der Besucher bei Verwandten an, bereits neun oder mehr Besuche im Untersuchungsgebiet absolviert zu haben. Noch hoher ist dieser Anteil bei den Befragten, wenn Sie Freunde und Verwandte besuchen (VFVR) (Seaton 1996: 10)

Reisezeit, Saisonabhangigkeit und R

Ein besonderes Kennzeichen von VFR-Reisenden ist weiterhin ihre mit Ausnahme des Monats Dezember relativ gleichmaRige Verteilung ihrer Reisen uber das Jahr (Jackson 1990: 23, HAY 1996: 60; SEATON 1996: 47; LEHTO U.A. 2001: 206)[20]. Die geringere Abhangigkeit von saisonalen Schwan- kungen ermoglicht eine gleichmaRigere Auslastung der Infrastruktur in den besuchten Destinatio- nen. VFR-Reisende gleichen dadurch Schwankungen aus, die mit anderen Reisendentypen, insbe- sondere Urlaubsreisenden, korrelieren (SEATON UND PALMER 1997: 348; LEHTO U.A. 2001: 202)

Der Monat Dezember als Ausnahme weist aufgrund der christlichen Feiertage und der Jahreswende, kurzum der vielen auf soziale Beziehungen und insbesondere auf Verwandtschaften orientierten Feiertage, eine uberdurchschnittliche Haufigkeit von VFR-Reisen in den von diesen Festivitaten betroffenen Raumen auf. Je nach Region sind kulturell bedingt entsprechende Verschiebungen zu erwarten. SEATON (1996: 10) spricht in diesem Zusammengang von Event orientierten Reisen bei VF-Reisenden, die eher an sakular begrundeten oder wahrgenommenen Feiertagen stattfinden, wahrend VR-Reisen auf heilige oder religiose Feste gerichtet sind. Reisen zu Freunden werden ansonsten verstarkt an Wochenenden unternommen, die fur VR-Reisenden bisher nicht belegt sind

Die Zahl der empfangenen Reisenden ist aus Sicht der Gastgebenden stark abhangig vom Untersu- chungsraum. BISCHOFF UND KOENIG-LEWIS (2006: 8) belegen in der untersuchten walisischen Univer- sitatsstadt durchschnittlich 8,05 Besuche jahrlich. BOYNE U.A. (2002: 251) konnen in Ihrer Studie im landlich-peripheren Teil Schottlands 8,5 Besuche pro Jahr feststellen. Im Sparkassen- Tourismusbarometer werden fur das Saarland im Jahr 2004 dagegen nur 3,7 Besuche je Haushalt gemessen (DWIF 2004: 30). Die meisten Autoren der einbezogenen Studien verzichten jedoch auf eine solche Erhebung

Ethnische V

Bei VR-Reisen ist die ethnische Verbindung wenig uberraschend und auch ein wichtiges Entschei- dungskriterium (SEATON 1996: 10). Fur Reisen zu Freunden ist dieser Zusammenhang bisher nicht belegt worden. In SEATONS nordirischem Beispiel gehoren nur 13% der Befragten der gleichen Ethnie an, moglicherweise weil Freundschaften, anders als Verwandtschaften, als soziale Beziehun­gen freiwillig gewahlt werden konnen

Reiseausgaben und Unterkunft (AFR, NAFR)

Ob international oder im Inland, VFR-Reisende tatigen signifikant weniger Ausgaben als Nicht-VFR- Reisende wahrend ihres Aufenthalts (HAY 1996: 63; SEATON 1997: 347; LEE U.A. 2005: 348; IPK 2005a )[21]. Besonders extreme Unterschiede finden sich bei der Reiseorganisation und den Kosten fur die Unterkunft. Auf Inlandsreisen existieren ebenso beim lokalen Transport wie beim Essen signifikante Abweichungen. In diesen vier Kategorien ist der Bezug zu den besuchten Verwandten oder Freunden offensichtlich. Verwandte und Freunde stellen entweder Unterkunft und Informatio- nen fur oder wahrend der Reise bereit. Wie eine Studie des English Tourism Council belegt, werden entstehende Kosten bei Essen und Transport teilweise ebenfalls direkt durch die Gastgebenden getragen und sind nicht in den Ausgabenstatistiken fur die Reisenden aufgefuhrt (BRIGGS 2002: 2)

Im Fall des britischen Inlandsreisemarktes liegen die Gesamtausgaben der VFR-Reisenden bei etwa 50% der Kosten gegenuber Nicht-VFR-Reisenden (SEATON 1997: 347.). In einem Beispiel fur den internationalen Langstrecken-Reisemarkt entsprechen die Ausgaben ungefahr 80% der Kosten, die Nicht-VFR-Reisenden entstehen (LEE 2005: 348). Die Anzahl der Nachte in kommerziellen Unter- kunften ist hoher, auch die Ausgaben fur den lokalen Transport weichen nur noch geringfugig ab. Werden Unterkunft und Organisation herausgenommen und die Ausgaben der Gastgebenden fur Essen und Transport mit einbezogen, sind keine signifikanten Unterschiede pro Reise gegenuber anderen Reisendentypen mehr nachzuweisen (SEATON 1997: 347; LEE 2005: 348)

Wie bereits erwahnt, ubernachten VFR-Reisende im Gegensatz zu anderen Reisegruppe am haufig- sten bei Freunden oder Verwandten und sind am wenigsten auf eine kommerzielle Unterkunft an ihrer Destination angewiesen (SEATON UND TAGG 1995: 10; SEATON 1996: 10; HAY 1996: 62; Hu UND Morrison 2001: 206; Lehto u.a. 2001: 206ff; Moscardo u.a. 2001: 251; Pennington-Gray 2003: 361ff.; IPK 2005a[22] ; CORR 2005: 15; BISCHOFF UND KOENIG-LEWIS 2006: 11). Studien mit dem Focus auf VFR-Inlandsreisen ermitteln einen wesentlich niedrigen Anteil bei kommerziellen Unterkunften, als VFR-Reisen, die nationalstaatliche Grenzen ubertreten. Bei HAY (1996: 61) sind es fur den britischen Inlandsmarkt etwa 4%, SEATON UND PALMER stellen etwa 8% fur den gleichen Markt fest. Im US- Beispiel fur internationale Reisen in andere Lander von Hu UND MORRISON (2001: 212) verbringen ca. 12% der VFR-Reisenden mindestens eine Nacht in einer kommerziellen Unterkunft. Mit zunehmen- der Entfernung besuchen sie wahrscheinlich mehr Destinationen, die nicht alle von freundschaftli- chen oder verwandtschaftlichen Beziehungen bewohnt werden (konnen). Der Aufenthalt bei Freunden oder Verwandten stellt nur eine Zwischenetappe oder Basis fur weitere Unternehmungen dar und bewirkt hohere Ausgaben bei (lokalem) Transport, der Unterkunft und der Verpflegung

In der Gegenuberstellung von VF- und VR-Reisen sind keine extremen Unterschiede im britischen Inlandsreisemarkt zu erkennen (SEATON 1995: 10)[23]. BISCHOFF UND KOENIG-LEWIS (2006: 11), die Studierende als Gastgebende untersuchen, stellen dagegen signifikante Unterschiede zwischen Besuchen von Freunden und Verwandten fest Verwandte nachtigen seltener in einer privaten Unterkunft. Mit hoherem Alter, hoherer Bildung und hoherem Einkommen steigt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit kommerzielle Einrichtungen fur Ubernachtungen zu nutzen, wie es eine Studie uber den Short-Haul-Drive-Markt in Florida/USA von PENNINGTON-GRAY (2003: 364) darstellt. Bezogen auf die Studierenden konnte dieses Ergebnis einen Erklarungsansatz bieten, weil sie in einer jungen Altersgruppe dominieren, in der auch ihre Freunde zu vermuten sind

A

Zu den Aktivitaten von VFR-Reisenden existieren zahlreiche Studien, die wegen der unterschiedli- chen Ausstattung der untersuchten Destinationen jedoch keine sinnvolle Verallgemeinerungsmog- lichkeit. In einem britischen Beispiel, in dem Seaton (1995: 13) innerhalb von VFR-Reisen nach den besuchten sozialen Beziehungen differenziert, unternehmen Reisende, die Freunde besuchen mit hoherer Wahrscheinlichkeit unterhaltungs- und bildungsorientierte Outdooraktivitaten, wahrend Reisende zu Verwandten eher entspannende Aktivitaten aufcer Haus durchfuhren oder eher Event orientiert reisen. Im internationalen Reiseverkehr, bei denen lange Strecken zuruckgelegt werden, sind nach YUAN U.A. (1995: 22) VFR-Reisende insbesondere in Stadten gegenuber Nicht-VFR- Reisenden mit einer hoheren Wahrscheinlichkeit bei Outdooraktivitaten vertreten, in landlichen Regionen oder traditionellen Urlaubsdestinationen (z.B. Seebadern) verkehrt sich dieses Verhaltnis

Alter & L

In den Studien mit Fokus auf die Unterscheidung nach Altersgruppen dominieren die jungeren Jahrgange (15-34J.) als Hauptreiseakteure im VFR-Reisesektor (HAY 1996: 59, SEATON 1996: 10; IKP 2005a). Bei britischen Inlansdreisen zu Freunden findet sich ein extrem uberproportionaler Anteil in der Altersgruppe der 15-24jahrigen im Verhaltnis zur Altersstruktur der Gesamtbevolkerung, der mit steigendem Alter bis 34 abflacht und ab der Altersgruppe der 35jahrigen unterproportional ausfallt. Je alter die Personen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine VF-Reise unter­nehmen (HAY 1996: 59)

Die Alterstruktur von VR-Reisenden im Inland stimmt dagegen mit dem der Gesamtbevolkerung uberein. Eine Ausnahme bilden die 25-34jahrigen. Auch hier sind verstarkte Reiseaktivitaten zu Verwandten nachgewiesen (ebd.). Es wird angenommen, dass die spatestens in dieser Phase vorgenommene Trennung von der Herkunftsfamilie mehrheitlich abgeschlossen ist, im Vergleich zu alteren Altersgruppen jedoch entweder noch keine eigene Familie gegrundet wurde oder wegen der Sozialisation einer neu gegrundeten Familie haufiger Reisen zu Verwandten, insbesondere zur Herkunftsfamilie unternommen werden. Der hohere Anteil von VF-Reisenden in jungeren Alters­gruppen ist ebenfalls in Bezug zur Sozialisation zu erklaren. In dieser Lebensphase sind Freund- schaften als soziale Beziehungen von besonderer Bedeutung. HAY (1996: 64) vermutet eine weiter steigende Zahl von VF-Reisen in europaischen Wohlstandsgesellschaften: ,,Given the changing nature of family with later marriages and fewer children along the increase in single households, it is possible that friends are becoming more important than family in the socialisation process". Fur den internationalen Langstrecken-Reiseverkehr liegen keine Daten vor, die nach den sozialen Beziehun­gen zum Gastgeber differenzieren. In einer Studie von YUAN U.A. (1995: 25) sind insbesondere die Altersgruppen der uber 55- und 65-Jahrigen unterwegs. Allgemein gehoren junge und alleinstehen- de Erwachsenen sowie ,aktive Altere' aufgrund ihres Lebenszyklus zu den mobilsten Populationen im Reiseverkehr (HALL UND WILLIAMS 2002a: 1)

R

Trotz ihres hohen Single-Anteils sind VFR-Reisende seltener allein unterwegs als Nicht-VFR- Reisende (HU UND MORRISON 2001: 212). Dies gilt insbesondere bei Besuchen zu Verwandten (VR). Begrundet werden diese Unterschiede bei SEATON (1995: 10) mit dem Familienstatus dieser Personen. Der Anteil von VR-Reisenden mit Partner und Kindern fallt definitionsbedingt hoher aus als bei VF-Reisenden, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit von einem Partner und/oder mehreren Kindern begleitet zu werden

G

Der Anteil von Frauen bei VFR-Reisenden gegenuber Nicht-VFR-Reisenden ist signifikant hoher (SEATON 1996: 10; HAY 1996: 58; HU UND Morrison 2001: 214; LEE U.A. 2005)[24]. Dabei sind keine Abweichungen in Abhangigkeit von der Reiseentfernung oder der Uberschreitung nationalstaatli- cher Grenzen zu finden. In einem nordirischen Beispiel fuhrt Seaton dieses Ergebnis auf den hohen Frauenanteil bei Reisen zu Verwandten zuruck und auRert als Motivation „to reinforce her family role" (SEATON 1996: 10). Dagegen zeigen Reisen, die zu Freunden oder zu Freunden und Verwandten fuhren, keine geschlechtsspezifischen Differenzen (ebd.; HAY 1996: 58)

Einkommen & B

Studien in Inlandsmarkten von VFR-Reisenden zeigen ein signifikant geringeres Einkommen gegenuber Nicht-VFR-Reisenden (IPK 2005a[25] ; HU UND MORRISON 2001: 210; SEATON 1996: 10ff.), der nach Zahlen des European Travel Monitors (ETM) mit dem Einfluss von Geschaftsreisenden erklart wird, die uberproportional in hoheren Einkommensgruppen vertreten sind. Beim Vergleich des sozialen Status, der im ETM mit der Typisierung in ,Unterschicht', ,Mittelschicht' und ,Oberschicht' zusammengefasst ist, bestehen gegenuber Urlaubsreisenden keinerlei Abweichungen (IPK 2005b). VFR-Reisende sind etwas seltener berufstatig als Urlaubsreisende, weisen im Vergleich zu ihnen jedoch ein signifikant hoheres Bildungsniveau auf. Diese Zahlen lassen auf einen bedeutsamen Einfluss der Zahl von Studierenden (hoheres Bildungsniveau, seltenere Berufstatigkeit, niedrigeres Einkommen) auf den VFR-Reisemarkt schliefcen, auf den auch SEATON (1996: 10) hinweist. Das niedrige Haushaltseinkommen erklart sich auch dadurch, dass allgemein jungere Altersgruppen uberproportional bei VFR-Reisenden vertreten sind (HU UND MORRISON 2001: 210)

SEATON (1996: 13) belegt bei britischen VF-Inlandsreisen allgemein einen grofceren Anteil hoherer Einkommensschichten, die als ,Short Breaks’ durchgefuhrt werden. Reisen zu Verwandten unter- nehmen dagegen ofter untere Einkommensschichten[26]. Fur sie ist es haufig gleichzeitig der Hauptur- laub des Jahres. SEATON (1996: 16) schreibt dazu: „for lower income groups VFR travel may be an economic way of having a break that would otherwise be unaffordable. This tendency will increase as polarisation of wealth and income accentuates in Western Europe over the next decade”

Nach dem Geografen DUVAL (2003: 270) sind mittlere und obere Einkommensgruppen auch eher in der Lage Freunde einzuladen. Als Fazit kann ein Unterschied beim Einkommensstatus zwischen VF- und VR-Reisenden festgehalten werden. Die Differenz ist jedoch (noch) nicht stark ausgepragt und verdreht sich vermutlich bei Reisen, die nur zu Studierenden erfolgen

S

VFR-Reisen zeichnen sich durch weitere Besonderheiten als nicht zu unterschatzendes Element der Regionalentwicklung aus. Anders als Personen, die ausschliefclich als ,Urlauber’ zu ihren Destinatio- nen unterwegs ist, reagieren VFR-Reisende weniger empfindlich auf objektiv oder subjektiv veranderte Sicherheitslagen in potenziellen Reisezielen. Dazu meint der irische Tourismusmanager CORR (2005: 15):„In the ,Worst of Day’ when IRA Bombs were exploding all over the North and the TV Screens, VFR was seen as a saviour of Irish Tourism”

Anders als andere Wirtschaftszweige ist der Tourismus-Sektor auf Grund der kurzfristig zu beein- flussenden Mobilitatsstrome von Reisenden, die auf sicherheitspolitisch relevante Aspekte sofort reagieren, nicht nur von der langfristigen politischen Stabilitat einer Region abhangig. Neben Naturkatastrophen und vereinzelt auftretenden Pandemien wirken sich auch einmalige oder wiederkehrende terroristische Ereignisse innerhalb kurzer Zeit negativ auf die Reisendenstatistik einer Region aus: „When a disaster strikes a region, the tourism customer base is often the first to leave and the longest to return (UNWTO 2004: 4). Der UNWTO-Bericht ..Disaster Response - The Tourism Dimension" sieht die Ursache dafur in dem Reiseentscheidungsprozess des Kunden, der weniger auf einer Kenntnis der realen Lage potenzieller Reiseziele, sondern vor allem auf emotiona- len Faktoren, der Angst um die eigene Sicherheit basiert (UNWTO 2004: 4). Die Wahrscheinlichkeit wird auf Grund einer durch Medien verzerrten Wahrnehmung uberbewertet, selbst von diesen Ereignissen bei einer Reise betroffen zu sein. Subjektiv oder objektiv wie indirekt oder direkt vor Reisen warnende Sicherheitshinweise mussen dabei nicht allein auf den im UNWTO-Bericht aufgefuhrten Ereignissen basieren. Als deutsches Beispiel seien rassistisch motivierte Uberfalle in bestimmten Gebiete in Ostdeutschland oder Berlin angefuhrt, die von Zeitungen, Zeitschriften oder Reisefuhrer als „No-Go-Areas“ ausgewiesen sind (HAuhERMANN 2006; SCHULZ 2006; GREVEN 2006). Damit verbindet sich nicht die Aussage, diese Gegebenheiten zu ignorieren. Es handelt sich nicht um Einzelfalle, sondern um Ereignisse mit einem systematischen Hintergrund. Gleichwohl stellt die Nutzung des Begriffs der ,No-Go-Area’ eine unverhaltnismafcige Pra-Kriminalisierung der gesamten dort lebenden Bevolkerung dar, die der realen Lage kaum standhalt und auf Grund ihres diskrimi- nierenden Charakters nicht nur von den Ursachen fremdenfeindlicher Aktivitaten ablenkt, sondern auch das Potenzial besitzt, dort auftretende Desintegrationsprozesse sozial benachteiligter oder von Abstiegsangsten betroffener Bevolkerungsgruppen weiter zu verstarken

VFR-Reisenden zeichnen sich nun vermutlich durch zwei Besonderheiten aus. Erstens besteht ein besserer Kenntnisstand uber die Lage in der potenziellen Destination, der uber den Kontakt der dort wohnenden Verwandten oder Freunden vermittelt wird. Die bestehende Kommunikation innerhalb dieser sozialen Beziehungen wirkt fur die betroffenen Regionen weniger stigmatisierend und relativiert die Botschaften von bestimmten Medien, die zugespitzt und auf Extreme reduziert kommuniziert werden oder nur Extreme kommunizieren. Zweitens uberlagert die emotionale Bindung zwischen den Gasten und ihren gastgebenden Verwandten und Freunden andere Aspekte der Reiseentscheidung, die in der Diplomarbeit als Entscheidungskriterium ihre Berucksichtigung finden

D

Fur Reisestrome innerhalb eines Landes, stehen drei Quellen zur Verfugung. In SEATON UND PALMERS (1997: 35) britischer Studie uber Inlandsreisen fahrt ein uberdurchschnittlicher Anteil von VFR- Reisenden insbesondere in Stadte: „The greater the population and population density of a destina­tion, the greater the VFR factor" und verweist dabei auf den hohen Anteil von VFR-Reisenden nach London und „The Heart of England". HAY (1996: 57) stellt fur das gleiche Untersuchungsgebiet fest, dass der Anteil von VF-Reisen in urbanisierte Gebiete hoher ausfallt, in peripheren Gebieten dafur anteilig die Zahl von Reisen zu Verwandten steigt. Innerhalb ihres Raumes erreichen peripher gelegene Regionen jedoch selbst einen uberdurchschnittlich hohen Wert. Die Autoren des auf den Beherbergungsmarkt (AFR) orientierten deutschen Tourismusbarometer stellen fest, dass zwar gewerbliche Quartiere „keine bedeutsame Rolle spielen [...] dafur allerdings Verwandten- und Bekanntenbesuche umso mehr“ (OSGV 2002: 40. „Eine Reihe von Regionen, die sich bei den gewerblichen Ubernachtungen in der untersten Gruppe befinden, erzielen in den Segmenten des Grauen Marktes derartige Volumina, dass diese das 4- bis 6-fache der gewerblichen Nachfrage ausmachen. Spitzenpositionen nehmen hier ein: Westsachsen (6,0), Ostthuringen (5,0), Niederlau- sitz (4,9), Elbe-Elster-Land (4,5), Altmark (4,1), Saale-Unstrut (4,0) (OSGV 2003: 40). Verwandten- und Bekanntenbesuche fullen in diesen Beispielen ca. 90% dieses Marktsegmentes aus (ebd.: 39). Ungeklart bleibt in diesen Betrachtungen, ob die ,Unattraktivitat' einer potenziellen Destination fur touristische Reisen, die unter freien Marktbedingungen i.d.R. mit der Grofce des gewerblichen Ubernachtungsmarkts korreliert, ausschliefclich fur diese Situation verantwortlich ist. Die genann- ten Regionen zeichnen sich auch durch eine hohe Abwanderungsquote aus (BERTELSMANN-STIFTUNG 2006) und verursachen wahrscheinlich auch einen hoheren Anteil von VFR-Reisenden, die ihre Heimatorte besuchen. Auch dafur ware die Unattraktivitat anderer Markte (Arbeitsmarkt, Bil- dungsmarkt) verantwortlich, weil sie die Wanderungsbewegungen selbst erst initiieren

SEATON und Palmer (1997: 35) belegen in ihrem britischen Fallbeispiel, dass sich in touristisch attraktiven Gebieten wie z.B. an der Kuste Britanniens der Anteil von VFR-Reisenden (12%) erheblich gegenuber Non-VFR-Reisenden (28%) und insbesondere gegenuber Urlaubsreisenden unterscheidet Als Gesetzmafcigkeit fasst SEATON (1996: 14) zusammen: „The more attractive a destination the smaller the proportion of VFR in its total, [...] the more modest an area's tourism development, the higher the ratio of VFRs to its total tourists number". Die subjektiv oder objektiv wahrgenommene ,Unattraktivitat' eines Ortes beeinflusst VFR-Reisende weniger als andere Reisendentypen

Die Geografen BOYNE U.A. (2002: 253) betonen noch ein weiteres Potenzial von VFR-Reisen fur diese Regionen, weil fur sie keine kostenintensiven Infrastrukturen gestellt werden mussen. Hotels, Busparkplatze oder professionelle Informationssysteme lassen sich erst bei einem hoheren Touri- stenaufkommen refinanzieren

Auf der Ebene des internationalen Reiseverkehrs stellt JACKSON nicht nur eine Beziehung zwischen Migration und Tourismus her, sondern berucksichtigt auch die Starke der Wirtschaftsleistung eines Landes. Fur sein untersuchtes australisches Beispiel schreibt er: „We might hypothesise that where the CoB is much poorer in GDP/capita terms than Australia, the VFR flow will tend to be from Australia to that country" (JACKSON 1990 (2003): 22). Jackson schrankt diese Vermutung dennoch um einen Zeitfaktor ein und fugt hinzu „that migrants to Australia who have not been here very long may have a greater tendency both to revisit their homeland or receive visitors from it than migrants who have been residents in Australia for a long period” (ebd.). Wie der nachfolgende Abschnitt weiter ausfuhrt, waren innerhalb des Links zwischen Tourismus und Migration Orte mit einer hohen Zuzugsquote als auch Orte, die durch eine hohe Fortzugsquote gekennzeichnet sind, fur das Aufkommen von VFR-Reisen bedeutsam[27]. Die Verbindung soil an Hand eines theoretischen Entwicklungsmodells erlautert werden

2.1.4.4 VFR-Tourismus und Migration

Ausgehend von einem ausgleichenden System zwischen Produktion und Konsumption entwickeln die Geografen HALL UND WILLIAMS ein gesamtwirtschaftliches Entwicklungsmodell, in dem sie die raumwirksamen Beziehungen zwischen Tourismus und Migration als miteinander in Verbindung stehende Systeme idealisiert herausarbeiten. ,VFR-Reisen’ finden dabei eine besondere Berucksich- tigung. Hall und Williams integrieren in diesem Zusammenhang diese Reiseereignisse in ihrem Modell (Hall und Williams 2002a)

Bis zu diesem Zeitpunkt existieren kaum Forschungen uber die wechselseitige Verbindung zwischen Tourismus und Migration und ihrem Einfluss auf ein Raumwirtschaftssystem. Eine Ausnahme sehen sie im Forschungsgegenstand der Suburbanisierung (Hall UND WILLIAMS 2002a: 3). In diesem Prozess, in seinen Anfangen durch touristische Reiseereignisse initiiert, migrieren Teile der urbanen Wohnbevolkerung zu Ausflugszielen ins Umland. Die wechselseitige Beziehung zueinander ist dennoch kein neues Phanomen und kann ruckblickend in allen Zeiten nachgewiesen werden, in denen diese Reisen stattfinden (ebd.: 11)

Hall und Williams heben die fliefcenden Ubergange zwischen den beiden Systemen hervor, die entweder fur empirische oder theoretische Zwecke eine definitorische Abgrenzung voneinander erschweren (Hall UND WILLIAMS 2005: 3f.). Mit Verweis auf die Geografen Bell und Ward begreifen sie deshalb „Tourism [as] one form of circulation, or temporary population movement. Temporary movements and permanent migration, in turn, form part of the same continuum of population mobility in time and space" (Bell UND WARD 2000: 88, zit. bei HALL UND WILLIAMS 2002a: 5). Auch sie betonen den Freizeitaspekt touristischer Reisen, ohne ihn als Eigenschaft in ihrer Definition aufzunehmen

Grundsatzlich unterscheiden sie konsumptions- oder produktionsorientierte Mobilitat, wobei bei Touristen eine Produktionsorientierung nicht ausgeschlossen wird[28]. Ausgehend von diesen Grundannahmen akzentuieren sie in ihrem Model drei besondere Beziehungen zwischen den beiden Bereichen, die sich gegenseitig beeinflussen: Tourismus und Arbeitsmigration, Tourismus und konsumorientierte Migration und VFR-Tourismus, der aus Migrationsstromen hervorgeht, jedoch selbst neue Reisestrome, Emigrationsstrome, Remigrationsstrome generiert (ebd.: 3)

Ihr Modell konzentriert sich auf Mobilitatsereignisse von Individuen. Dabei verweisen sie darauf, dass diese Mobilitat mit „a series of economic and cultural mechanisms, which influence search spaces, demand and investments" zusammenhangt (ebd.: 8). Interessante Anwendungsmoglichkei- ten erhalt das Modell vor allem, wenn es nicht wie beispielhaft dargestellt, allein auf die Tourismus- Industrie fixiert bleibt, sondern produktionsgeleitete Migrationsbewegungen berucksichtigt, die durch andere Wirtschaftsektoren ausgelost werden. Unter diesen Bewegungen ware auch die der Bildungsmigration zu fassen. Hall und Williams schlagen daher vor, ihr Modell in einem allgemeinen zirkularen Wachstumsmodell der Gesamtwirtschaft eines Raumes aufzugreifen (ebd.)

Ausgehend von ersten touristischen Reiseereignissen umfasst es vier Phasen. In der ersten Phase fuhren Touristenstrome zur Entwicklung eines Tourismus-Sektors, in dem Arbeit in diesem Bereich nachgefragt wird, die meist informell und mit niedrigen Umsatzen verbunden ist und lokal befrie- digt werden kann. In Abhangigkeit von den Attraktionen des Ortes kann die Entwicklung auf diesem Niveau stagnieren (ebd.)

Steigt die Zahl der Reiseereignisse, wird fur weiteres Wachstum in der zweiten Phase nicht nur weitere Arbeit nachgefragt. Mit dem Wachstum geht auch eine Diversifizierung und Spezialisierung einher, fur die vor Ort vorhandene Arbeitskrafte nicht ausreichend qualifiziert sind. Der Mangel initiiert einen Prozess der Arbeitsmigration, um den Bedarf nach entsprechend qualifizierten Arbeitskraften zu erfullen (MONK & ALEXANDER 1986, vgl. bei HALL UND WILLIAMS 2002a: 10). Weil der Bedarf nach Arbeit im Tourismus-Gewerbe haufig saisonabhangig ausfallt, werden sie moglicher- weise nur temporar beschaftigt. Die Arbeitskrafte kehren in diesen Fallen in ihre Herkunftsregion zuruck (ebd.: 10)

In der dritten Phase erreicht das Tourismus-Segment eines Ortes bei stabil eintreffenden touristi­schen Reiseereignissen gegebenenfalls seine Reifephase. Dennoch entwickeln sich gegenuber vorherigen Phasen qualitative und quantitative Veranderungen. Aufgrund der Erfahrungen wahrend des Aufenthalts in der Zielregion, entscheiden sich Touristen aus Herkunftsregion fur eine perma- nente oder temporare (saisonale) Migration in die Zielregion. Diese Strome werden als consumption- led migration zusammengefasst. Beispielhaft fuhren sie Migration von Rentnern zu einem Alterssitz oder die zunehmende Bedeutung von Zweitwohnsitzen (,Second Homes’) an. Wegen ihrer Kenntnis- se uber die Zielregion konnen jedoch auch ehemalige Touristen als Arbeitsmigranten saisonal oder permanent in die Zielregion wandern, die unter dem Begriff production-led migration subsummiert sind. (ebd.). Nach Auffassung von Hall und Williams forcieren sie eine steigende Zahl von VFR- Touristen in die Zielregion wie auch in die Herkunftsregion der Migranten - unabhangig davon, ob die Migranten selbst als Touristen in die Region gereist sind oder nicht (ebd.: 10f.)

Abb. 3: Beziehungen zwischen Tourismus und Migration: ein idealisiertesgesamtwirtschaftliches Entwick-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht

Quelle: Williams und Hall 2002: 9

Die vierte und letzte Phase hebt sich uber die zunehmende Bedeutung zweier zusatzlicher Formen der Mobilitat von den vorherigen ab. Zum einen besteht eine hohere Wahrscheinlichkeit, dass sich ehemalige VFR-Touristen wegen der Beziehungen und ihrer Kenntnisse uber die Zielregion der Migranten, selbst fur eine Migration an diesen Ort entscheiden und als VFR-Touristen zuruckkehren oder Reiseereignisse ihnen bekannter Individuen in die Zielregion generieren, die nicht zwingend mit dem Hauptzweck VFR erfolgen. Zweitens wechseln dort wohnende Migranten aus verschiede- nen Grunden den Ort. Als Emigranten ziehen sie in eine neue Destination, als Re-Migranten kehren sie aus Grunden des Heimwehs, weil sie ihre wirtschaftlichen Ziele erfullt sehen oder sich bei Freunden oder Verwandten zur Ruhe setzten mochten, in ihre Herkunftsregion zuruck (ebd.: 11)[29]

VFR-Reisen sind in diesem Vier-Phasen-Modell nicht nur Ausdruck der raumlichen Ausdehnung von Verwandtschafts- und Freundesnetzwerken, sondern ebenfalls die dominierende Form migrations- induzierter Reiseereignisse (ebd.: 38f.). Besteht Kenntnis uber den Umfang von Migrationsbewe- gungen in eine und aus einer Region, ermoglicht sie vermutlich Vorhersagen uber zukunftige VFR- Reiseereignisse

Mit der Erscheinung setzen sich auch BOYNE U.A. (2002: 243) auseinander. Sie typisieren funf Ausloser, die VFR-Reiseereignisse generieren: (1) Verwandte und Freunde migrieren, (2) man selbst migriert oder (3) Verwandte aus vorangegangenen Generationen sind gewandert. Daruber hinaus konnen auch (4) durch Freund- und Bekanntschaften, die abseits des eigenen Lebensmittelpunktes, z.B. wahrend einer Geschafts- oder Urlaubsreise, gemacht werden, VFR-Reiseereignisse verursachen und so in Wechselwirkungen mit anderen Reiseformen stehen. (5) Als letzten Grund sehen sie Reisen zu lang verlorenen Verwandten, die z.B. durch Adoptionen getrennt wurden. Die letzten beiden Punkte sind im Vergleich jedoch seltener zu erwarten

2.1.4.5 Zusammenfassung

VFR-Reisende heben sich nach Darstellung vorgestellter Studien von anderen Reisendentypen, die keine Verwandten oder Freunde besuchen, in mehrfacher Weise ab. Sie kehren in eine Zielregion mit deutlich hoherer Wahrscheinlichkeit wieder. Saisonale Schwankungen ihrer Reiseereignisse sind mit Ausnahme religioser Feiertage geringer ausgepragt. Sie begunstigen damit die gleichmafci- gere Auslastung der bereitgestellten touristischen Infrastruktur eines Ortes aufcerhalb des Hotelge- werbes. Ein dritter Aspekt betrifft die Dauer ihres Aufenthaltes. Je weiter die Reiseentfernungen, desto mehr dehnt sich ihre Reisezeit gegenuber Nicht-VFR-Reisenden aus. Dieses Verhaltnis verkehrt sich mit kurzeren Reisedistanzen. Am Beispiel einer Universitatsstadt sind sie jedoch nicht dokumentiert. Mit Ausnahme der reduzierten Kosten fur Organisation und Unterkunft zeigen sich keine stark ausgepragten Unterschiede zu Nicht-VFR-Reisenden im quantitativen Ausgabeverhalten. Die langere Reisedauer und ihre hohere Wiederkehrfrequenz gleichen Differenzen bei Unterkunft und Organisation aus oder verkehren sie in ein Verhaltnis, bei der VFR-Reisende eine besonders attraktive Reisendengruppe darstellen

[...]


[1] So startete beispielsweise die Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus (MMKT) GmbH im Jahr 2005 die Aktion „Mein Besuch schlaft besser ! “, um mehr private Ubernachtungen in die ortsansassige Hotellerie zu verlagern. Ahnliche Initiativen finden sich auch in anderen Stadten (AGHZ 2005, Stadt Aachen 2005)

[2] Im Jahr 2006 sind es bereits 7,08 Millionen Gaste und 15,9 Millionen Ubernachtungen im gewerblichen Beherbergungssektor

Dabei steigt die Zahl auslandischer Gaste gegenuber dem Vorjahr um 18,7%, die Zahl inlandischer Gaste nimmt um 5,5% zu (ASBB 2007). Das Amt fur Statistik Berlin Brandenburg (ASBB) erhebt die Gastezahlen und Ubernachtungen nur fur Berliner Beherbungsstatten mit mindestens neun Betten und nur fur Betriebe, die sich selbst beim Amt anmelden

[3] Der Anteil von 19% entspricht 1,12 Mrd. EUR (VUBB 2005: 4)

[4] U.a. in einem Gesprach mit dem Marktforscher Joachim Scholz in der Deutschen Zentrale fur Tourismus (DZT)

[5] In einer sprachgeschichtlichen Herleitung wird bei dem Soziologen Opaschowski (1996: 16) erganzend auch auf das

„tourisme“ (1816) und italienische „turismo“ verwiesen. Der erste Teil des Wortes hat seinen Ursprung im altgriechischen „tornos“, das spater latinisiert wurde und mit Rundgang, Zirkel oder Wiederholung ubersetzt werden kann: „Kennzeichnend fur die gesamte Wortgruppe war der Begriff der Rundung, der eine zum Ausgangspunkt zuruckkehrenden Wendung beinhalte- te“ (Opaschowski 1996: 14). Spatestens im 17. und 18. Jahrhundert dominiert mit der „tour du proprietaire" dem abendlichen Rundgang um den eigenen Besitz, oder der „Grand Tour of Europe”, dem adligen Erziehungsprogramm durch Europa, die Bedeutung des „Rundgangs“ im Sprachgebrauch (ebd.)

[6] Spode (1988: 39) erganzt, dass Ansatze dieses Charakteristikums bereits in der Antike zu finden sind

[7] Bei Touristen, die im selben Land wohnen, in dem der Reiseaufenthalt stattfindet, ist der maximale Aufenthalt fur die Definition auf ein halbes Jahr eingeengt (Smith 1995: 24)

[8] Opaschowski (2006: 26) erganzt: „ Das kann jeweils die Mehrheit der Bevolkerung oder die Mehrheit einer Bevolkerungsgruppe sein. So hat jede soziale Gruppe ihr eigenes Freizeitprofil. Einen ,Roman lesen' kann fur Studenten Freizeitcharakter habe, fur einen Industriearbeiter anstrengende Arbeit sein.“

[9] Veblen beschreibt diese Eigenschaft ausgehend von seiner Schaffenszeit im spaten 19. Jahrhundert in einem

Ruckblick uber die „besitzende Oberklasse", die er als ..Leisure class" bezeichnet (ebd.). Demonstrative .MuRe' symbolisiert dabei fur ihn Reichtum, der im Genuss arbeitsfreier Zeit geauftert wird. Durch den Industrialisierung- und begleitenden Urba- nisierungsprozess gewinnt der Konsum als Prestigemittel an Bedeutung (ebd.: 94)

[10] Seaton (1996: 8) weist fur den europaischen Raum neben den (ehemaligen) Kolonialbeziehungen bestimmter Lander oder den Gastarbeiterbewegungen auf vier neue Entwicklungen hin: (1) Die Liberalisierungen des Reisemarktes innerhalb der Europai- schen Union und der Aufnahmekandidaten, (2) Die Liberalisierung des Arbeitsmarktes innerhalb der Europaischen Union, (3) politisch forcierte Auswanderungsbewegungen z.B. in Folge ,ethnischer Sauberungen' (u.a. Ex-Jugoslawien) wie auch Einwan- derungsbewegungen z.B. ethnisch oder wahlstrategisch motivierte Programme zur Anwerbung bestimmter Zielgruppen [u.a. Spataussiedler in Deutschland, die trotz rechtlicher Bestimmungen seit 1955 erst ab 1994 aktiv als Migranten aus dem polni- schen und russischen Raum angeworben wurden, (4) andere zunehmend wirtschaftlich motivierte Migrationsbewegungen in den europaischen Raum, die teils legal, teils illegal erfolgen

[11] Haufig sind diese Tourist Boards als Public-Private-Partnership organisiert und werden neben der offentlichen Verwaltung

ortliche Hotel-, Konferenz- und Messeeinrichtungen unterstutzt. Ein Beispiel ist die Berliner Tourismus Marketing GmbH (BTM 2006). Der hohe Anteil der Hotellerie erklart, warum auch erste deutsche Projekte gegenuber VFR-Reisenden, wie in Magde­burg, auf den Beherbergungsmarkt zielen

[12] Sofern die Arbeiten uber .ethnic travel' unberucksichtigt bleiben

[13] Das .Tourismusbarometer' ist eine Auftragsarbeit fur mehrere Sparkassenverbande, auf deren Basis die Tourismuswirtschaft

verschiedenen deutschen Regionen bewertet und fur den internen Bankenbereich entsprechende Kreditaussichten abgeleitet und entschieden werden konnen (OSGV 2006). Uber die Nutzung ihrer Infrastruktur werden teilweise auch Touristen- bzw. Reisendenstromen zwischen verschiedenen Regionen fur den Bericht erfasst. Dabei dienen Kredit- und EC-Karten der genutz- ten Geldautomaten zur Identifizierung von Herkunftsregionen (Wolber 2006)

[14] Dieser Markt wird in vier Segmente unterteilt. Dazu gehoren Quartiere mit weniger als 9 Betten: Ferienwohnungen und -

sowie Privatzimmer, Ubernachtungen im Rahmen des privaten Besucherverkehrs (VFR), Ubernachtungen auf Campingplatzen sowie Freizeitwohnsitze durch Eigentumer oder Mieter (Second home). (DWIF 2005: 28)

[15] Auch wird in verschiedenen Marketingaktivitaten gezielt bei Gastgebern von ,Sofatouristen' fur Hotelubernachtungen

(AHGZ 2006) - was den Begriff ,Sofatourist' bei einer tatsachlichen Ubernachtung im Hotel obsolet erscheinen lasst, obwohl weiterhin Bekannte und Verwandte besucht werden

[16] Der in der Abbildung dargestellte Typ VFR als Aktivitat wird in den meisten Studien nicht berucksichtigt oder in der Zusammen-

fassung extra erwahnt

[17] Weniger als vier Stunden Entfernung zwischen Wohnort und Reiseziel (Moscardo 2000: 251)

[18] In der Studie werden auch Tagesbesuche berucksichtigt. Laut Definition gelten sie nicht als Reise. Wahrend fast 50% aller Verwandtenbesuche aus Tagestrips bestanden, sind es bei Besuchen von Freunden nur knapp 8%.. (ebd.)

[19] Einschrankend muss hinzugefugt werden, weist der Gebrauch des Begriffs ,Visitors' statt des travellers' daraufhin, dass auch Tagesbesucher in die Untersuchung einbezogen wurden. Zweitens besteht ebenso ein direkter Zusammenhang zwischen Reiseentfernung und Reisefrequenz. Personen, die in den USA besonders nah an der Kanadischen Grenze leben, fahren mit einer hoheren Frequenz nach Kanada. Auf einen existenten oder nicht-existenten Zusammenhang zwischen Reiseentfernung und VFR-Reisenden wird jedoch nicht hingewiesen

[20] Im innerbritischen Beispiel von Seaton und Palmer (1996: 34) ist eine etwas schwachere Gewichtung in den Sommermonaten signifikant messbar. Nach Lehto u.a. (2001: 206) ist der unattraktivste Reisemonat im Beispiel des US-Inboundmarkts der Januar

[21] Im Deutschen Reisemonitor (DRM) sind VFR-Reisende unter ,sonstige (Privat-)Reisen' zusammengefasst, der Anteil

Reisenden mit dem Hauptzweck ,Besuch bei Verwandten/Bekannten' betragt dabei 85% (IPK 2005a)

[22] Im Deutschen Reisemonitor (DRM) sind VFR-Reisende unter ,sonstige (Privat-)Reisen' zusammengefasst, der Anteil

Reisenden mit dem Hauptzweck ,Besuch bei Verwandten/Bekannten' betragt dabei 85% (DRM 2005a)

[23] VR-Reisende ubernachten mit einer unwesentlich hoheren Wahrscheinlichkeit bei ihren Gastgebern als VF-Reisende (Seaton 1995: 10) und kann wegen der Fehlertoleranz nicht als Resultat wiedergegeben werden

[24] Lee u.a. (2005: 346) bestatigen den hoheren Frauenanteil. Sie stellen dabei insbesondere den hohen Manneranteil bei Geschafts- reisen innerhalb des Non-VFR-Segments im Vergleich zum VFR-Segment als Ursache heraus

[25] Im Deutschen Reisemonitor sind VFR-Reisende unter ,sonstige (Privat-)Reisen’ zusammengefasst, der Anteil von Reisenden mit dem Hauptzweck ,Besuch bei Verwandten/Bekannten’ betragt dabei 85% (DRM 2004)

[26] Das bedeutet jedoch nicht, dass Personen oberer Einkommensschichten nicht zu ihren Verwandten reisen

[27] Fur Orte, die sich durch beide genannten Merkmalsauspragungen auszeichnen, gilt dies im Besonderen

[28] Als Beispiel dient ihnen das Phanomen des „,migrant tourist workers' who combine goals and behaviour relating to leisure, discovery and work, as epitomized by young backpacker tourists. [...] In practice, individual tourists may have several end objectives when they take holiday, including some that involve working in the destination if only for a short period” (Hall und Williams 2002a: 5)

[29] Nachfolgend werden Einflusse auf dieses Modell beschrieben, die jedoch nur kurz genannt und nicht weiter erlautert werden. Dazu gehoren der demografische und soziale Wandel, Innovationen im Transport- und Kommunikationswesen, politisch beeinflusste Anderungen. Migrationsereignisse werden daruber hinaus beispielsweise durch Urbanisationsprozesse, zuneh- mende Mobilitat in den Arbeitsmarkten, der Neubewertung der Wohnumgebung und wandelnder nationaler und kultureller Identitaten sowie durch veranderte soziale Netzwerke beeinflusst (ebd.: 12ff.). Im Bereich des Tourismus-Sektors weisen Hall und Williams insbesondere auf den Wandel vom Massentourismus zu ausdifferenzierten Tourismusereignissen hin, bei denen auch Nischenmarkte bedient werden, die andere oder geringere Anspruche an den Arbeitsbedarf in einer Region stellen, allerdings auch mehr Regionen als zuvor einbeziehen (ebd.: 22f.)

Details

Seiten
122
Jahr
2007
Dateigröße
5.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155484
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Sofatourismus VFR-Tourismus Berlin Stadtentwicklung Migration Sofatouristen Wirtschaftsgeografie Soziologie Tourismus VFR-Travel Studium Studierende

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Titel: VFR-Tourismus in Berlin