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Welchen Einfluss haben die verschiedenen Kapitalarten Bourdieus auf die Bildungsbeteiligung?

Ein Erklärungsversuch für den Mangel von Kindern aus unteren sozialen Schichten an deutschen Hochschulen (jenseits institutioneller Faktoren)

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Kapitalarten Pierre Bourdieus
2.1 Ökonomisches Kapital
2.2 Kulturelles Kapital
2.3 Soziales Kapital

3 Die Bildungsbeteiligung an deutschen Hochschulen

4 Der Einfluss der Kapitalarten auf die Bildungsbeteiligung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1 - Westdeutsche Männer nach dem eigenen Bildungsabschluss und dem Bildungsabschluss des Vaters (Abstromprozent). Tabelle nach Klein (2005, S. 243)

Tabelle 2 - westdeutsche Frauen und Männer nach dem Bildungsabschluss und der Stellung im Beruf des Vaters (Abstromprozent). Tabelle nach Klein (2005, S. 258)

1 Einleitung

Die Forschung über das Phänomen der sozialen Ungleichheit hat in der Soziologie eine sehr lange Tradition. Ausgehend von der Klassentheorie Karl Marx und den darauf folgenden Theoriekonzepten und Ergänzungen berühmter und wichtiger Vertreter der Soziologie, allen voran Max Weber, ist somit eine Forschungsrichtung entstanden, die heute eine zentrale Stellung einnimmt und sicherlich auch ein wichtiger Stützpfeiler für das Fach Soziologie ist, sich vollständig als Profession zu etablieren. Mit dem Begriff der sozialen Ungleichheit werden eine Vielzahl von Themen assoziiert, die einen signifikanten Einfluss auf die Lebensumstände und Lebenschancen bestimmter Gruppen haben. Im Alltag versteht man darunter häufig Dinge wie die Zweiklassengesellschaft in der Medizin, schlechtere Arbeitsmarkt- und Bildungschancen für Personen mit Migrationshintergrund, Einkommensnachteile für Frauen oder eine höhere Bildungsbeteiligung von Kindern aus Akademikerfamilien. Thomas Klein definiert soziale Ungleichheit allgemein folgendermaßen: »Soweit bei einzelnen Merkmalen mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sozialkategorie eine Besser- oder Schlechterstellung gegenüber anderen Kategorien verbunden und die betreffende Zugehörigkeit nicht relativ kurzfristig und vergleichsweise frei wählbar ist, handelt es sich um soziale Ungleichheit« (Klein, 2005, S. 227).

Mit Pierre Bourdieu finden wir einen Soziologen der neueren Zeit, der sich intensiv mit der Thematik sozialer Ungleichheit auf theoretischer und praktischer Basis auseinander gesetzt hat. Für ihn ist vor allem der Zusammenhang zwischen Sozialstruktur und Kultur relevant, da seiner Meinung nach Kultur ein entscheidendes Medium zur Legitimation und Reproduktion von Klassenstrukturen und somit auch sozialer Ungleichheit ist. (Müller H.-P. , 1986, S. 162) Aus wissenssoziologischer Perspektive kann unter den Annahmen von Bourdieu, Kultur sogar als eigenständige Ursache für soziale Ungleichheit definiert werden. Darüberhinaus hat Bourdieu mit der Entwicklung einer neuen Kapitaltheorie ein wichtiges Instrument geschaffen, mit dessen Hilfe man das Phänomen von sozialer Ungleichheit wissenschaftlich bearbeiten kann.

Auf dieser theoretischen Grundlage soll in der folgenden Arbeit die Problematik der unterschiedlichen Bildungsbeteiligung verschiedener sozialer Gruppen an deutschen Universitäten untersucht und erklärt werden. Hierfür soll zunächst die Theorie von Bourdieu noch einmal rekapituliert werden, um den Leser die notwendigen Grundlagen zu vergegenwärtigen. Im Weiteren wird dann die aktuelle Situation an den deutschen Hochschulen dargestellt. Dies erfolgt hauptsächlich auf Grundlage von Daten, die durch Thomas Klein erhoben und in seinem Buch Sozialstrukturanalyse aufgeführt wurden.

Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf den Aspekten, die in einem Zusammenhang mit ökonomischem und kulturellem Kapital gebracht werden können. Die Vernachlässigung des sozialen Kapitals begründet sich in der äußerst schwierigen Operationalisierung dieser Kapitalform. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von sozialem Kapital erst mit dem Einstieg in das Berufsleben zentraler wird und hingegen für die Entscheidung eine akademische Laufbahn einzuschlagen einen geringeren Einfluss besitzt.[1] In einem abschließenden Kapitel wird dann anhand eines Beitrags qualitativer Sozialforschung, welcher sich indirekt mit dem Einfluss der verschiedenen Kapitalarten auf die Bildungsbeteiligung auseinandersetzt, ein Fazit gezogen.

2 Die Kapitalarten Pierre Bourdieus

Für Bourdieu bestand eine Notwendigkeit den Kapitalbegriff wieder einzuführen, da er einer Reduktion der gesellschaftlichen Welt, als eine Aneinanderreihung von kurzlebigen und mechanischen Gleichgewichtszuständen, in denen der Mensch die Rolle eines austauschbaren Teilchens spielt, entgehen wollte. Mithilfe des Kapitalbegriffes und mit dem Konzept der Kapitalakkumulation, versucht er seine Idee einer gesellschaftlichen Welt als akkumulierte Geschichte zu beschreiben. Im Zentrum steht bei Bourdieu die Annahme, dass Kapital akkumulierte Arbeit ist, die sich entweder in Form von Materie zeigt oder wie beim kulturellen Kapital, verinnerlicht wird. Außerdem besitzt jede Kapitalform gewisse Überlebenstendenzen, die dafür sorgen, dass es heranwächst und sich reproduziert. Somit stellt die gegebene Verteilungsstruktur der verschiedenen Kapitalarten nach Annahme Bourdieus, die immanente Struktur der gesellschaftlichen Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt dar. (Bourdieu, 1983, S. 183)

Um diesen umfassenden Anspruch den Bourdieu an das Kapital stellt, gerecht zu werden, verweist er darauf, dass es in seinen verschiedenen Erscheinungsformen betrachtet werden muss. Zusätzlich betont er, dass das ökonomische Nutzenkalkül nicht nur bei unmittelbar in Geld umsetzbaren Gütern zu finden ist, sondern auch in anderen Sphären. (Bourdieu, 1983, S. 184) Das von ihm entwickelte Konzept der drei verschiedenen Formen des Kapitals (ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital), soll in den folgenden drei Unterkapiteln zusammengefasst dargestellt werden.[2]

2.1 Ökonomisches Kapital

Das ökonomische Kapital, ist die geläufigste Kapitalsorte, da alle Menschen mehr oder weniger stark darüber verfügen und es somit eine dominante Rolle einnimmt. Es ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und lässt sich vor allem in Eigentumsrechten institutionalisieren. Man kann es auch mit den Oberbegriffen Besitz, Vermögen oder Einkommen umschreiben. (Bourdieu, 1983, S. 185)

2.2 Kulturelles Kapital

Das kulturelle Kapital wiederum gliedert sich in drei verschiedene Formen auf: inkorporiertes kulturelles Kapital, objektiviertes kulturelles Kapital und institutionalisiertes kulturelles Kapital.

Unter dem inkorporierten oder verinnerlichten und somit körpergebundenen kulturellen Kapital lassen sich alle dauerhaften Dispositionen eines Menschen verstehen. Es sind die unbewussten Wahrnehmungsweisen, der Geschmack, Erwartungen, Ziele, Ängste, Verhaltensmuster, Akzente oder Sprechweisen. Die Akkumulation dieses Kapitals setzt einen sehr zeitintensiven Verinnerlichungsprozess voraus, der vom Investor persönlich vollzogen werden muss.

Als Maßzahl für das kulturelle Kapital kann zum einen die Dauer des Bildungserwerbs gesehen werden, zum anderen muss aber auch die Primärerziehung in der Familie mitberücksichtigt werden. Letztere kann, je nachdem wie sie erfolgt, für das Individuum einen positiven Wert in Form von gewonnener Zeit haben aber auch einen negativen Wert, da für die Korrektur der negativen Folgen zusätzliche Zeit aufgewandt werden muss. (Bourdieu, 1983, S. 186)

[...]


[1] Der Einfluss von sozialem Kapital kommt in der Erziehung vor allem dahingehend zum Tragen, dass es ein größeres Netzwerk von Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und persönlichen Weiterentwicklung schafft.

[2] Allerdings werden lediglich die verschiedenen Kapitalien beschrieben, ohne näher auf die von Bourdieu beschriebenen Formen und Möglichkeiten der Kapitalumwandlung einzugehen beziehungsweise die Schwundrisiken denen das Kapital ausgesetzt ist, zu erörtern. Diese beiden Aspekte werden im Rahmen dieser Arbeit und für die Beantwortung der Fragestellung als nicht relevant betrachtet.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640680450
ISBN (Buch)
9783640679263
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155450
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
Bourdieu bildungsungleicheit soziales kapital

Autor

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Titel: Welchen Einfluss haben die verschiedenen Kapitalarten Bourdieus auf die Bildungsbeteiligung?