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Die Stereotypisierung der Frau und Gegenmaßnahmen der Gleichstellungspolitik am Beispiel Gender Mainstreaming

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einführung

3. Geschlechtsstereotype
3.1 Der Frauenstereotyp
3.2 Begründung für die Aufrechterhaltung von Geschlechtsstereotypen

4. Motivierte Stereotypisierung von Frauen
4.1 Die Studie
4.2 Durchführung und Ergebnisse
4.3 Fazit

5. Geschlechterrollenentwicklung

6. Das Konzept „Gender Mainstreaming“
6.1 Eine Einführung
6.2 Inhalte
6.3 Die Umsetzung in Skandinavien

7. Resümee

Literatur

Endnotenverzeichnis

1. Zusammenfassung

In meiner Arbeit mit dem Thema „Die Stereotypisierung der Frau und Gegenmaßnahmen der Gleichstellungspolitik am Beispiel Gender Mainstreaming“ werde ich nach einer Einführung zunächst auf den Frauenstereotyp eingehen und erläutern, wie dieser in den Medien, speziell in der Werbung, dargestellt wird und welchen Grund die Aufrechterhaltung des Geschlechtsstereotyps haben könnte. Daraufhin erfolgt die Beschreibung und Beurteilung eines Experiments der Studie von Sinclair und Kunda zur motivierten Stereotypisierung von Frauen. Danach stelle ich drei Ansätze vor, den biologischen, sowie psychoanalytischen als auch die soziale Lerntheorie, die dazu beitragen, dass es zu einer Geschlechterrollentwicklung kommt.

Anschließend werde ich kurz das „Gender-Mainstreaming-Konzept“ erläutern, welches die Gleichstellung der beiden Geschlechter im gesellschaftlichen Leben fokussiert. Daraufhin erfolgt ein Resümee, bzw. eine Zusammenfassung der Ergebnisse meiner Arbeit.

2. Einführung

Ein Mann, der auf seinem Recht besteht, gilt als hartnäckig, eine Frau bezeichnet man im gleichen Fall als penetrant.“

Die Gesellschaft gibt uns vor, welches Verhalten als typisch männlich und typisch weiblich angesehen wird. Mit diesen Normen und Werten werden wir, wenn nicht auch täglich, in der Öffentlichkeit konfrontiert.

Mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ brachte Eva Herman nicht nur Feministinnen zur Weißglut, sondern traf auch in der restlichen Gesellschaft zurecht auf harten Widerspruch, weil sie für „eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren“[1] plädierte. Doch trotz aller Widersacher, die die Sichtweise der Autorin als veraltet bezeichnen, lässt es sich nicht bestreiten, dass bestimmte Frauen- und Männerstereotypen in unserer Gesellschaft bestehen, die zu einer Diskriminierung des weiblichen Geschlechts führen und die Behauptung, vor allem im Beruf, erschweren können.

Zu dem Thema von meiner Hausarbeit wurde ich durch das Referat über eine Studie von Lisa Sinclair und Ziva Kunda mit dem Titel „Motivated Stereotyping of Women“ angeregt, das ich zusammen mit drei anderen Kommilitonen in dem Seminar „Soziale Prozesse“ vorgetragen habe. In dieser stellte sich heraus, dass Frauen mit einem negativen Stereotyp verbunden und diskreditiert werden, wenn sie Kritik äußern. Aus diesen Ergebnissen ergab sich für mich die Fragestellung, welche Aspekte den Frauenstereotyp ausmachen, welche Eigenschaften mit diesem verbunden werden und welche Faktoren an der Entwicklung der Geschlechterrollen beteiligt sind. Zudem informierte ich mich über die Geschichte und Inhalte der Frauenpolitik und stoß darüber auf das Konzept „Gender Mainstreaming“, das sich das Ziel gesetzt hat, sowohl die Rolle der Frau, als auch die des Mannes im gesellschaftlichen Leben aneinander anzugleichen.

3. Geschlechtsstereotype

3.1 Der Frauenstereotyp

Um einen Einstieg in mein Thema „Die Stereotypisierung der Frau und Gegenmaßnahmen der Gleichstellungspolitik am Beispiel Gender Mainstreaming“ zu finden, hielt ich es für sinnvoll, zunächst eine allgemeine Definition des Begriffs „Stereotyp“ zu geben.

Der Stereotyp wird als eine verallgemeinernde Annahme erläutert, die über eine Gruppe von Menschen besteht. Diese schreibt allen Mitgliedern, unabhängig von den tatsächlichen, interindividuellen Unterschieden, die gleichen Eigenschaften zu.[2]

Unter der Stereotypisierung ist somit als die Anwendung des Wissens der kategorialen Strukturen auf den Einzelfall zu verstehen.

Die „Bilder in unserem Kopf“[3] dienen dazu, Informationen über eine Person schneller zu verarbeiten, unser Denken zu erleichtern und prägen somit unsere Wahrnehmung. Dabei ist die Stereotypisierung ein kognitiver Prozess, der darauf zielt, unsere Sicht von der Welt zu vereinfachen. Gordon Allport beschreibt ihn beispielsweise als das „Gesetz der geringsten Anstrengung“, was meint, dass wir auf Grund der hohen Informationskomplexität in unserer Umwelt bestimmte Einstellungen entwickeln, so auch Stereotype, und dadurch die Komplexität reduzieren und diese auch in bestimmten Situationen anwenden.[4]

Besonders die Stereotypisierung der Geschlechter ist ein Phänomen, mit dem wir jeden Tag in der Öffentlichkeit konfrontiert werden, was sich an diesem Beispiel aus den Medien verdeutlichen lässt:

„Die romantisch verträumte Frau ist jung, schlank und sieht gut aus. Auf ihr Aussehen legt sie großen Wert, was sie im häufigen Kleiderwechsel ausdrückt. Im Hinblick auf ihre Kleidung ist sie ausgesprochen konsumorientiert. Wenn sie erwerbstätig ist, sieht sie ihren Beruf eher als Vergnügen denn als Arbeit an.“[5]

Dieser Textauszug stammt aus der „Küchenhoff-Studie“ (1974), die den Einfluss der Massenmedien auf die Rolle der Frau untersuchen sollte. Dabei kristallisierten sich zwei in Erscheinung tretende Frauentypen im Bereich „Sendungen mit Spielhandlungen“ heraus: Zum einen der traditionell mütterliche Typ und zum anderen die in dem vorangegangenen Zitat beschriebene junge, attraktive und konsumorientierte Frau.

Aber auch im Bereich „Werbung“ ließ sich ein eindeutiger Frauenstereotyp erkennen. Dabei konzentrierte man sich auf die dargestellten Tätigkeiten der gezeigten Frauen und es stellte sich heraus, dass insgesamt 36,3 % mit Mütter- und Haushaltspflichten beschäftigt waren, sich 28,4 % der Präsentation eines Produkts widmeten, ca. 27 % bei Sport oder Körperpflege und nur 4,9 % im Beruf gezeigt wurden.[6]

Zwar stammt die „Küchenhoff-Studie“ aus den 70er Jahren, dennoch lassen sich diese Frauenstereotype, wenn auch nicht so extrem, in der heutigen Zeit, fast 40 Jahre später, in der Werbung wieder finden. So hat auch eine hohe Anzahl von neueren Studien zur Erforschung der Ursache von Stereotypisierung gezeigt, dass es einen Unterschied zwischen den Merkmalen gibt, die Frauen zugeordnet werden, und denen, die mit Männern in Verbindung gebracht werden.

In der folgenden Tabelle sind typische Eigenschaften aufgelistet, die jeweils mit dem Männer- oder Frauenstereotyp assoziiert werden.[7]

Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von diesen Ergebnissen ausgehend ergibt sich somit eine klare Differenzierung zwischen dem Frauen- und Männerstereotyp und die Studien verdeutlichen ebenfalls, dass auf Grund der Geschlechtsstereotype Erwartungen gebildet werden, die sich in unterschiedlicher Weise an das weibliche und männliche Geschlecht richten: Die Frau wird als emotional, häuslich, bzw. beziehungsorientiert und abhängig (vom Mann) dargestellt, wobei Männer dominant, karriereorientiert und selbstsicher sind.

3.2 Begründung für die Aufrechterhaltung von Geschlechtsstereotypen

Im folgenden Abschnitt werde ich auf einen Faktor eingehen, der dazu führt, dass selbst in der heutigen Zeit diese Geschlechtsstereotype aufrechterhalten werden.

Eine mögliche Begründung stellt die „kognitive Konsistenz“ dar, zu der der Mensch tendiert. Menschen machen in ihrem Alltag Erfahrungen, die sie prägen und diese setzen sich wiederum zu komplexen Vorstellungen zusammen, bestehend aus Einstellungen, Werten und Meinungen, die die Wahrnehmung beeinflussen. Dabei werden Informationen über eine Person in einer Form aufgenommen und verarbeitet, die von den eigenen, bestehenden Erwartungen beeinflusst werden und mit diesen übereinstimmen.[8]

Unter Konsistenz versteht man dabei das Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person gegenüber einem Stimulus, in dem Fall das Geschlecht, zeitlich und umstandsbedingt gleich bleibt. Sehe ich beispielsweise eine Person in einem Lederoverall und verspiegelten Helm auf einem Motorrad über die Autobahn rasen, denke ich eher daran, dass der Fahrer ein Mann sein könnte, obwohl dieser aufgrund seiner Bekleidung nicht eindeutig identifizierbar ist. Wegen der kognitiven Konsistenz, bzw. dem Streben nach Ausgleich der eigenen Erwartung oder Vorstellungen mit dem Wahrgenommenen, kommt es zu einer erwartungskonformen kognitiven Abbildung der wahrgenommenen Person, in diesem Fall des Motorradfahrers.

Ist diese wahrgenommene Person sehr darum bemüht, sich der Öffentlichkeit anzupassen, d.h. dass sie über eine starke Tendenz zur Selbstüberwachung verfügt, wünscht sie sich den Erwartungen von anderen zu entsprechen, beispielsweise eine gute Hausfrau zu sein. Deshalb wird von ihr ebenfalls das erwartungskonforme Verhalten produziert.

Dieses Vorgehen, bzw. die Tendenz der wahrnehmenden Person zu kognitiver Konsistenz und das Verhalten der wahrgenommenen Person, führen letztendlich zu der Bekräftigung des bestehenden Stereotyps. So trägt auch die verzweifelte Hausfrau, oder der gut aussehende Bauarbeiter in der Werbung durch die alltägliche Konfrontation dazu bei, dass die Geschlechterstereotype aufrechterhalten werden.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass es interindividuelle Unterschiede gibt, wie sehr ein Mensch dazu tendiert, Stereotype anzuwenden. So wurde empirisch erwiesen, dass Personen, die gegenüber einer Gruppe voreingenommen sind, eher dazu neigen, Stereotype auf die Mitglieder dieser Gruppe anzuwenden (automatische Verarbeitung) als Personen, die dazu neigen, wahrgenommene Stereotype kontrolliert zu verarbeiten und in der Lage sind, stereotype Informationen, über die sie verfügen, zu ignorieren.[9]

[...]


[1] Fleckenstein, Petra. (2009). Ich bin gerne eine Rabenmutter. URL: http://www.urbia.de/topics/article/?id=9336&o=partner. Stand: 04.03.2009.

[2] Aronson, E., Wilson. T. D., Akert, R. M. (2008). Sozialpsychologie. (6., aktualisierte Auflage). München: Pearson-Studium. S. 559.

[3] Lilli, Waldemar. (1982). Grundlagen der Stereotypisierung. Göttingen: Hogrefe. S. 8.

[4] Aronson, E., Wilson. T. D., Akert, R. M. (2008). Sozialpsychologie. (6., aktualisierte Auflage). München: Pearson-Studium. S. 437.

[5] Schmerl, Christiane. (1984). Das Frauen- und Mädchenbild in den Medien. Opladen: Leske + Budrich. S. 13.

[6] Ebenda.

[7] Fischer, Gabriele. (2006). Männer und Frauen sind anders gesund und anders krank. URL: http://www.imed.ac.at/vr_personal/docs/pres1_fischer.pdf. Stand: 04.03.2009.

[8] Aronson, E., Wilson. T. D., Akert, R. M. (2008). Sozialpsychologie. (6., aktualisierte Auflage). München: Pearson-Studium. S. 556.

[9] Aronson, E., Wilson. T. D., Akert, R. M. (2008). Sozialpsychologie. (6., aktualisierte Auflage).

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640692088
ISBN (Buch)
9783640692484
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155382
Note
1,3
Schlagworte
Stereotypisierung Frau Gegenmaßnahmen Gleichstellungspolitik Beispiel Gender Mainstreaming

Autor

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