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Mobbing am Arbeitsplatz

Hausarbeit 2009 25 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Einleitung

2. Begriffserklärung

3. Mobbingverlauf

4. Ursachen und Einflussfaktoren
4.1 In den betrieblichen Strukturen
4.2 In der Gruppe
4.3 In der Persönlichkeit des Mobbingtäters
4.4 In der Persönlichkeit des Mobbingopfers
4.5 Schlussbemerkung

5. Auswirkungen
5.1 Auf das Mobbingopfer
5.2 Auf das Unternehmen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

MOBBING ist rückblickend aus der Geschichte der Menschheit nicht weg zu denken. Überall wo Menschen aufeinander treffen kommt es zu Konflikten und Ungereimtheiten die in vielen Fällen eskalieren und sich zu MOBBING entwickeln.

Schon in der Urzeit fühlte sich der Jäger, der ein kleineres Tier als der andere Jäger, mit in die Höhle brachte, vom Anderen bloßgestellt. Die Vermutung liegt sehr nahe, dass der „Bloßgestellte“ bei nächster Gelegenheit versucht hat, mit allen ihm möglichen Mitteln sein Ansehen vor den Anderen wieder herzustellen. Sei es in der Familie, Schule, Mehrfamilienhäusern oder im Betrieb, MOBBING gibt es überall. Gerät man in einen Mobbingprozess, sei es als Täter, Opfer oder Beobachter, ist es schwer aus diesem herauszukommen oder ihn zu beenden. In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema MOBBING am Arbeitsplatz.

„MOBBING gibt es bei uns nicht“ ist in vielen Betrieben die Antwort, wenn Forscher MOBBING in Betrieben untersuchen wollen. Stellt man Arbeitnehmern die Frage, wie oft sie in den letzten sechs Monaten ihrer Meinung nach gemobbt wurden, fühlen sich in der Regel 10 - 25 Prozent davon betroffen. Würde man solchen Zahlen Glauben schenken, wären in einem Betrieb mit 150 Mitarbeitern zwischen 15 und 37 Mobbingopfer.

Doch wem soll man nun glauben schenken? Ist MOBBING ein versteckter Gewaltakt in Firmen der nicht an die Öffentlichkeit gehört oder wollen die Arbeitnehmer ihren Arbeitgebern „eins auswischen“ in dem sie sich als Mobbingopfer darstellen?

Rund 20% der Suizide in Deutschland sind auf MOBBING am Arbeitsplatz zurückzuführen. Ziel der Arbeit ist es, Einflussfaktoren und Ursachen von MOBBING die es auslösen bzw. intensivieren herauszuarbeiten. Davor werde ich das Wort MOBBING vom Ursprung ab erklären, aus meinen bisherigen Erfahrungen weiß ich, dass nur die wenigsten Leute wissen was MOBBING wirklich ist. Außerdem werde ich im dritten Kapitel den typischen Verlauf des MOBBING erläutern. Im letzten Kapitel werden die Folgen für das Mobbingopfer und dem Betrieb eines solchen Mobbingverlaufes vorgestellt.

2. Beqriffserklärunq

Auf eine gemeinsame Definition von MOBBING konnte sich die Wissenschaft bisher nicht einigen. So gibt es rund 50 verschiedene Definitionen von MOBBING. Im Kern beschreiben sie immer das Gleiche, nur gibt es verschiedene Ausführungen. Um das Phänomen des MOBBING verstehen zu können bedarf es einer ausführlichen Erklärung des Wortes, da vor allem die Medien es immer öfter als Modewort benutzen und es so seine richtige Bedeutung in der Gesellschaft immer mehr verliert und die Gesellschaft viele Handlungen oder Personen als MOBBING bzw. als Mobber beschreibt.

Der Begriff MOBBING kommt aus der lateinischen Sprache „mobile vulgus“ das mit „wankelmütige Masse“ oder „aufgewiegelte Volksschar“ zu übersetzen ist. Aus dem englischen „to mob (somebody)“ das mit, (jemanden) anpöbeln, (auf jemanden) stürzen, (jemanden) bedrängen zu übersetzen ist. Das Substantiv „mob“ bezeichnet eine Horde.

Anfang der Siebziger benutzt der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903­1989) den Begriff MOBBING erstmals, um das aggressive Verhalten von Tiergruppen einem Eindringling gegenüber, zu beschreiben.

Der schwedische Arzt Peter Paul Heinemann greift diesen Begriff 1972 auf, um das feindselige Verhalten auf dem Schulhof von Schülern gegen Mitschüler zu beschreiben. Diese Angriffe gehen sogar so weit, dass das betroffene Kind Selbstmord begeht.

Die allgemeine Definition:

“Der Begriff MOBBING beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinweg vorkommen und damit die Beziehungen zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“ (Leymann 1993:21)

Heinz Leymann (1932-1999), ein in Schweden lebender deutschstämmiger Psychologe, führt Anfang der Achtziger den Begriff MOBBING ein, um eine schwere Form von Gewalt in der Arbeitswelt zu beschreiben. Er ahnte, dass die psychischen Belastungen von Arbeitnehmern nicht immer auf eine zu schwache Persönlichkeit des Arbeitnehmers zurückzuführen ist, sondern dass es innerbetriebliche Störungen bzw. Handlungen geben muss. Für wissenschaftliche Zwecke hat er eine Definition von MOBBING am Arbeitsplatz herausgearbeitet, um klare Grenzen zwischen „einem oder mehreren Konflikten im Arbeitsbereich“ und MOBBING ziehen zu können. Alle weiteren Definitionen von anderen Mobbingforschern sind an der von Leymann angelehnt:

“Unter MOBBING wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet. (Leymann 1995:18) MOBBING ist dann gegeben, wenn eine oder mehrere von 45 genau beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen.“ (Leymann 1993:22)

Leymann hat 45 wesentliche Merkmale (siehe Anlage 1) des MOBBING aufgelistet und diese in fünf Kategorien unterteilt:

1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen
2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen
3. Angriffe auf das soziale Ansehen
4. Angriffe auf die Qualität der Berufs - und Lebenssituation
5. Angriffe auf die Gesundheit

Einzelne Konflikte, Beleidigungen oder Angriffe fallen also nicht unter den Mobbingbegriff.

Ausschlaggebend beim MOBBING ist unter anderem das Machtgefälle das sich zwischen Opfer und Täter einstellt. Am Anfang des MOBBING können die beteiligten Personen noch in einem gleichberechtigten Verhältnis stehen. Im Verlauf des MOBBINGS stellt sich dann aber das Machtverhältnis ein, indem die unterlegene Person, das Opfer immer weiter hinabrutscht und sich kaum mehr wehren kann.

Auch Dieter Zapf, Psychologieprofessor an der Universität Frankfurt und Mobbingforscher, lehnt sich mit seiner Definition des MOBBINGS weitgehend der seines Kollegen Leymann an:

“MOBBING beinhaltet, dass jemand am Arbeitsplatz von Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder beispielsweise mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der oder die Mobbingbetroffene unterlegen ist. Wenn man etwas als MOBBING bezeichnen möchte, dann muss dies häufig und wiederholt auftreten (z. B. mindestens einmal pro Woche) und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (mindestens ein halbes Jahr). Es handelt sich nicht um MOBBING bei einmaligen Vorfällen. Es handelt sich auch nicht um MOBBING, wenn zwei etwa gleich starke Parteien in Konflikt geraten.” (Zapf 1999: 3)

Zapf lässt die 45 Handlungen des MOBBINGS außer Acht, da Leymann keine genaue Angabe gemacht hat, wie viele der 45 Handlungen eintreten müssen, damit von MOBBING gesprochen werden kann. Auch sind der Phantasie beim „Erfinden“ neuer Feindseligkeiten keine Grenzen gesetzt. Mobbinghandlungen, egal welcher Art, haben für das Opfer nie einen positiven Effekt, sie schädigen das Opfer.

3. Der Mobbinqverlauf

MOBBING ist ein Geschehensprozess. Bildhaft lässt es sich mit einer Perlenkette vergleichen. Stellt man sich vor, eine Perle wäre eine Mobbinghandlung, dann kann erst von MOBBING gesprochen werden wenn die Zahl der Perlen steigt und in Verbundenheit mit einem Faden eine Kette bildet. Erst die vielen einzelnen Mobbinghandlungen sind die Bausteine für MOBBING. Heinz Leymann entdeckte bei seinen Forschungen einen, in etwa immer gleichen Verlauf des MOBBING, diesen teilte er in vier Phasen ein:

Die erste Phase von Leymann, in der heutigen Wissenschaft auch Vorlaufphase genannt, ist die Ausgangslage aus der sich das eigentliche MOBBING entwickelt. Es ist ein Konflikt.

Dies kann ein:

1. offener Konflikt sein, zum Beispiel ein Streit zwischen Kollegen über ein Thema
2. verdeckter Konflikt, zum Beispiel Lästern über einen anderen Kollegen
3. aus heiterem Himmel, über längere Zeit angestaute Wut, die sich ausbreitet

Andere Ausgangslagen für MOBBING sind aber auch:

- ein schlechtes Betriebsklima ^ Schwächere haben das Nachsehen
- Umstrukturierungen am Arbeitsplatz, neue Menschen kommen zusammen und werden mit neuen Aufgaben betraut
- Bei Sparmaßnahmen ^ Angst um den Arbeitsplatz

Es gibt fast täglich Konflikte oder Ungereimtheiten am Arbeitsplatz. Diese lösen sich meist von selber auf oder werden durch ein schlichtendes Gespräch beendet. In den wenigsten Fällen werden sie zum MOBBING.

Phase 2:

Wie ein „harmloser Konflikt“ derart eskalieren kann, also der Übergang von Phase 1 zu Phase 2, von statten geht, konnten Forscher bisher noch nicht herausfinden bekannt ist aber, dass es zu diesem Übergang also zum MOBBING nicht kommen muss. Es ist kein Fall bekannt, wo nicht der Vorgesetzte (oder falls der Täter oder Opfer ist, dessen Vorgesetzter) einen Konflikt nicht hätte beenden oder wenigstens in den Griff bekommen können. Das Umfeld sieht weg, meist aus Angst selbst in den Konflikt zu geraten, um das potentielle Mobbingopfer zu werden. In dieser Phase kommt es schon zur Isolation des Opfers. Das Mobbingopfer ist nun unter Beschuss der Mobbingtäter. Die psychische Verfassung des Opfers wird immer schlechter. Es verliert an Selbstvertrauen, macht mehr Fehler, Stresssymptome stellen sich ein. Das Opfer verteidigt sich immer mehr, begründet seine nächsten Arbeitsgänge und stellt sich somit immer mehr in die Öffentlichkeit der Täter. Die Mobbingtäter (meist ist es eine Gruppe) fühlen sich durch das Opfer gestört und beobachten es immerzu, in der Hoffnung es bei einem erneuten „Fehler“ ertappen zu können. Das Mobbingopfer sucht die Fehler bei sich.

Die Phase 2 wird in vielen Fällen auch komplett übersprungen. Oft gerät das Opfer schon nach einem Konflikt in Phase 3 oder kündigt von selbst.

Phase 3:

Über kurz oder lang fällt das Opfer durch vieles Fehlen, lange Krankschreibung, psychischer Niedergeschlagenheit beim Arbeitgeber auf. Dadurch ist das Opfer nun zum öffentlichen Fall geworden. Der Radius des Opfers ist zu klein, dass man ihm Glauben schenkt, die Mehrheit (die Mobber) stellen die Spielregeln auf. Das Opfer ist unter dauernder Beobachtung. Wieso sollten Arbeitgeber, Gewerkschaft einer Person glauben schenken, die Probleme mit vielen Kollegen hat? Es führt zum weiteren Sturz des Opfers, die Arbeitgeber und Mobber versuchen die Person aus dem Weg zu räumen durch Versetzung oder wollen sie zum Kündigen drängen. Oft kommt es zu Rechtsbrüchen (Anlage 2), die das Opfer zusätzlich belasten, das Opfer ist hilflos.

Phase 4 wird in neueren wissenschaftlichen Ausgaben meist auch als Endphase bezeichnet. Sie beschreibt die „bestmögliche“ Lösung für den Arbeitgeber. Nicht vergessen werden darf, dass das alles mit einem harmlosen Konflikt begann, wer Schuld hat steht nun nicht mehr zur Debatte.

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Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656042259
ISBN (Buch)
9783656042945
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155216
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
mobbing arbeitsplatz

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