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Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte „Die Tochter“ von Peter Bichsel mit Unterrichtsentwurf für eine 10. Klassenstufe

Unterrichtsentwurf 2009 28 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte „Die Tochter“ von
Peter Bichsel

2) Eignung und Attraktivität der Kurzgeschichte für die 10. Klassenstufe

3) Anzubahnendes Lernresultat

4) Lernschritte – Lernaufgaben, mit denen die Lernende das Lernresultat erreichen können
1) Beziehungsgefüge der Familienmitglieder darstellen
2) Nähere Erschließung des Textes
3) Produktionsorientierte Aufgabe
3.1) Verfassen eines Briefes
3.2) Tagebucheintrag / Innerer Monolog
3.3) Perspektivübernahme des Vaters – Gedankengang des Vaters beschreiben
3.4 ) Abändern / Fortführen der Kurzgeschichte

Anhang

Literaturverzeichnis

In der folgenden Auseinandersetzung mit der Kurzgeschichte „Die Tochter“ möchte ich insbesondere bei der Analyse und Interpretation einige Schwerpunkte setzen, da die Kurzgeschichte ein hohes Maß an stilistischen und inhaltlichen Elementen aufweist, auf das innerhalb einer Kurz-Hausarbeit nicht vollständig eingegangen werden kann. Daher werde ich mich auf die für mich entscheidendsten und auffälligsten Merkmale der Kurzgeschichte beschränken. Diese Aspekte sollen dann auch in meinem Unterrichtsentwurf bzw. den von mir konzipierten Lernaufgaben thematisiert werden.

Des Weiteren habe ich die von mir verwendete Fassung der Kurzgeschichte dem Anhang beigefügt (vgl. S. 25-26). Immer dann, wenn nur Zeilen als Textbelege angegeben werden (d. h. keine Literaturangaben), beziehen sich die Angaben auf die beigefügte Fassung der Kurzgeschichte.

Aus ökonomischen Gründen wird des Weiteren auch häufig der Begriff „Schüler“ für beide Geschlechter, d. h. für Schüler und Schülerinnen verwendet.

1) Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte „Die Tochter“ von Peter Bichsel

Die Kurzgeschichte „Die Tochter“ wurde im Jahre 1964 von Peter Bichsel verfasst und erzählt von einem Ehepaar, das abends vor dem gedeckten Tisch auf die Rückkehr ihrer Tochter wartet. Die Kurzgeschichte stellt dabei die Gedanken der Eltern über das Leben der Tochter und die daraus resultierenden Veränderungen in den Vordergrund der Handlung.

Die Kurzgeschichte eröffnet eine schillernde Thematik bzw. Themenvielfalt, wobei sich die Geschichte grob unter dem Begriff „Kommunikationsprobleme (in der Familie)“ zusammen fassen lässt. Dabei stehen die Kommunikationsprobleme zwischen den Generationen bzw. anders ausgedrückt der Generationskonflikt im Vordergrund. Karl Stocker meint: „Es ist dies eine Geschichte von gestörter Kommunikation, von Entfremdung, von Einsamkeit in der Familie, von Flucht aus der Wirklichkeit in eine traumhafte Vorstellung, eine Geschichte, wie sie das Leben - wohl gar nicht so selten – schreibt“[1].

Die Kurzgeschichte spielt in den 60er Jahren, was an den für die 60er Jahre typischen Gegenständen, Ausdrücken und Gewohnheiten deutlich wird (vgl. Z .11f . und Z. 15 „Lohntüte“ etc.).

Sie lässt sich inhaltlich in fünf Teilabschnitte gliedern. Der erste Abschnitt umfasst die Zeilen 1-7, der zweite die Zeilen 8-18, der dritte die Zeilen 19-26, der vierte die Zeilen 27-36 und der letzte die Zeilen 36-45. Die Begründung dieser Form der Unterteilung ergibt sich aus der folgenden Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte.

Der erste Abschnitt (Z.1-7) lässt unter der Überschrift „Warten der Eltern am gedeckten Tisch“ zusammenfassen und beinhaltet den unvermittelten Beginn: „Abends warteten sie auf Monika“[2]. Mit dem ersten Satz fasst der Erzähler im Prinzip die gesamte Handlung der Kurzgeschichte zusammen. Der Leser erhält mit diesem Satz Informationen über die Zeit („Abends“), über die Tätigkeit („warten“) und über Personen („sie“ und „Monika“). „Sie“ werden jedoch zunächst nicht näher spezifiziert, sodass der Leser nicht erfährt, wer „sie“ sind. Damit fungiert das Personalpronomen „sie“ „als Stellvertreter für Personen, die der Leser noch nicht kennt und kennzeichnet so einen offenen Beginn der Erzählung“[3].

Danach folgen Angaben zu Monika. Der Leser erfährt, dass sie in der Stadt arbeitet, sie mit dem Zug zur Arbeit fährt und die Bahnverbindungen schlecht sind. Anschließend wird das Personalpronomen „sie“ aus dem Eingangssatz schrittweise näher bestimmt. Der dritte Satz spezifiziert „sie“ durch die Apposition „er und seine Frau“ näher. In Zeile 2-4 erhält der Leser dann die zusätzliche Information, dass „sie“, seit Monika in der Stadt arbeitet, d. h. seit einem Jahr, das Abendessen eine Stunde später zu sich nehmen: „[...] Früher hatten sie eine Stunde eher gegessen. Jetzt warteten sie täglich eine Stunde am gedeckten Tisch [...]“[4]. In Zeile 5 werden „sie“ dann als Eltern von Monika bestimmt, da nun die Begriffe „Vater“ und „Mutter“ gewählt werden. Diese sitzen täglich ab halb sieben in ihrer gewohnten Sitzordnung am gedeckten Tisch und warten auf die Heimkehr ihrer Tochter[5].

Auf diese Weise werden dem Leser erste Eindrücke und Anhaltspunkte zur Lebensweise der Eltern geliefert, deren Lebensrhythmus sehr geregelt und unflexibel erscheint. Dies wird durch einzelne Elemente symbolisiert, wie z. B. die genauen Essenszeiten, das tägliche Warten etc. Auch die Familienstruktur folgt einem festen Schema, indem jedes Familienmitglied eine Rolle zuteil wird. Dies wird für den Leser durch die feste Sitzordnung „der Vater oben, die Mutter auf dem Stuhl neben der Küchentür“[6] erkennbar.

Mit dem ersten Abschnitt wird auch die Figurenkonstellation der Kurzgeschichte verdeutlicht. Es gibt in der Kurzgeschichte insgesamt drei Personen (Mutter, Vater, Monika), wobei nur zwei Personen aktiv handeln. Nur der Vater und die Mutter können als aktive Figuren verstanden werden, da ihre Gedankengänge und Gespräche präsentiert werden. Die Tochter greift hingegen nicht aktiv in das Geschehen ein, sondern wird dem Leser ausschließlich über die Gedankengänge und Gespräche der Eltern beschreiben.

Des Weiteren wird auch der „Handlungsraum“ im ersten Abschnitt für die gesamte Kurzgeschichte abgesteckt. In der Küche ereignet sich die gesamte „aktive Handlung“. Durch die Erzählweise bzw. die Beschreibung des gedeckten Tisches mit diversen Utensilien (Brot, Butter, Marmelade und Kaffee), die jedoch nicht allzu detailliert ist, wird ein individuelles Bild im Kopf des Lesers erzeugt.

Im zweiten Abschnitt (Z. 8-18) wird die Tochter Monika direkt und indirekt charakterisiert. Das Aussehen der Tochter wird dabei über einen Vergleich mit den Familienmitgliedern beschrieben: „Sie war größer [...] als sie, [...] blonder und hatte [...] die feine Haut der Tante Maria“[7].

Anschließend folgt eine Beschreibung bezüglich des Interieurs von Monikas Zimmer: „In ihrem Zimmer hatte sie einen Plattenspieler, [...] Platten [...] sie wusste, wer darauf sang. Sie hatte [...] einen Spiegel und verschiedene Fläschchen, [...] Hocker aus marokkanischem Leder, [...] Zigaretten“[8]. Die Ausstattung des Zimmers der Tochter verdeutlicht ihre Nähe zum modernen Leben, denn sie Utensilien sind typisch für die Zeit der 60er Jahre. In seiner Gegensätzlichkeit zur Küche kann der Raum der Tochter daher als Symbol bzw. als Ausdruck der konträren Lebensweisen von Eltern und Tochter interpretiert werden.

Im Anschluss daran wird dem Leser der Beruf des „Bürofräuleins“ aus der Sicht des Vaters vorgestellt. Das Bürofräulein, das dem Vater die Lohntüte aushändigt, beeinflusst ihn dabei in seiner Vorstellung von Monika bzw. ihrer Arbeit in der Stadt, da Monika ebenfalls in einem Büro arbeitet. Für den Vater sind dabei vor allem viele Stempel, eine Rechenmaschine und blondierte Haare charakteristisch. Die „blondierten Haare“ bilden hier eine Wiederholung zu den blonden Haaren der Tochter zu Beginn des Abschnitts, wodurch deutlich wird, dass der Vater das Bürofräulein mit seiner Tochter gleichsetzt, da er über keine weiteren Informationsquellen zum Leben seiner Tochter verfügt. Die im Text angesprochene „Bewunderung“ der Rechenmaschine, verdeutlicht, dass der Vater keine Erfahrungen mit solchen modernen Gerätschaften hat. Dies betont erneut die Distanz der Eltern zur Moderne und im übertragenen Sinne zu Monika. Die Eltern bestaunen Monikas Leben in der Stadt, sie können aber nicht daran teilhaben.

Im dritten Abschnitt (Z. 19-26) werden dem Leser dann die konkreten Gedanken und Vorstellungen der Eltern in Bezug auf Monikas Leben in der Stadt vermittelt. Es wird ein Bild von Monika in einem „Tearoom“ skizziert, die dort während ihrer Mittagspause isst und raucht[9].

Weiterhin blicken die Eltern in die Zukunft der Tochter, insbesondere im Hinblick auf den möglichen Auszug der Tochter: „Bald wird sie sich in der Stadt ein Zimmer nehmen, das wussten sie [...]“[10].

Der letzte Abschnitt des Textes (Z. 36-45) kennzeichnet sich als eine Art Gespräch der Eltern über Monika. Die Eltern scheinen dabei jedoch aneinander vorbei zu reden, was daran erkennbar wird, dass sie nicht aufeinander eingehen: „´Sie ist wie deine Schwester´, sagte die Frau, [...]. ´Andere Mädchen rauchen auch´, sagte die Mutter. ´Ja´, sagte er, `das habe ich auch gesagt`. ´Ihre Freundin hat kürzlich geheiratet´, sagte die Mutter. ´Sie wird auch heiraten´, dachte er, ´sie wird in der Stadt wohnen´[11]. Des Weiteren sprechen die Eltern über die Heirat einer Freundin Monikas und der Vater vermutet, dass Monika selbst auch bald heiraten wird und damit verbunden in die Stadt ziehen wird[12]. Die Hochzeit der Freundin fungiert hier als Symbol der möglichen künftigen (räumlichen) Trennung der Eltern von Monika. Die Ängste vor diesen „Vermutungen“ werden aber nicht im Gespräch artikuliert. Die Eltern tauschen sich somit nicht über ihre Gefühle aus und sprechen auch nicht gemeinsam mit Monika über die künftige Ablösung. Stattdessen rücken oberflächliche Dinge wie Monikas Bildungsniveau in das Blickfeld der Eltern „Kürzlich hatte er Monika gebeten: ´Sag mal etwas auf französisch.´ [...]. Stenografieren kann sie auch, dachte er jetzt. ´Für uns wäre das zu schwer´, sagten sie oft zueinander“[13]. Diese Bildungsfaktoren fungieren hier als Indikatoren für den sozialen Aufstieg. Die Tochter steht also in der Anschauung der Eltern deutlich über den Fähigkeiten ihrer Eltern.

Der Text endet mit der Aussage der Mutter, „Ich habe den Zug gehört“[14]. Man könnte erwarten, dass die Tochter nun heimkehrt und das Warten ein Ende hat. Allerdings bleibt dies eine Vermutung, denn der Schluss bleibt offen.

Es lässt sich feststellen, dass die Kurzgeschichte mehr als nur eine Textaussage enthält und mehrere Lesarten und Interpretationsansätze zulässt.

Ein Hauptaspekt der Erzählung ist dabei der Ablösungsprozess, der sich zwischen Kindern und Eltern während der Adoleszenz ereignet[15]. Dabei steht das Verhältnis der Eltern zu ihrer Tochter und die elterlichen Wunschvorstellungen im Vordergrund[16]. In der Kurzgeschichte werden daher

zwischenmenschliche Verhältnisse beschreiben, die gestört sind. Die erzählte Situation wirkt nahezu grotesk, denn die Gedanken der Eltern kreisen die gesamte Zeit um die Tochter und sie sprechen von ihr, doch sie sprechen nicht direkt mit ihr bzw. die Versuche mit ihr zu sprechen scheitern. Das Bild, das die Eltern von ihrer Tochter bzw. über deren Lebensstil haben, scheint sich nahezu nur aus Vorstellungen zu speisen, die möglicherweise gar nicht der Wahrheit entsprechen.

Das gestörte zwischenmenschliche Verhältnis besteht also darin, dass die Eltern von der Tochter, aber nicht mit ihr sprechen und deshalb Vorstellungen entwickeln. Doch die Kommunikationsstörung wird auch durch die Tochter bedingt, indem sie als Angesprochene nicht entsprechend reagiert[17].

Doch wie bereits erwähnt, wird nicht nur das Thema „Entfremdung von Eltern und Kindern“ in der Kurzgeschichte behandelt, sondern auch Einsamkeit innerhalb der Familie thematisiert. Die Familienmitglieder sprechen nicht miteinander, sondern bauen unsichtbare Schranken auf, hinter denen sie nur nachdenken, ihre Ängste und Gedanken jedoch nicht verbal mitteilen. Nicht nur die Eltern-Tochter Kommunikation ist gestört, sondern auch die zwischen den Ehepartnern, im Gespräch werden nur belanglose Sachverhalte geäußert, aber nicht über die wirklich wichtigen Dinge gesprochen. Die Situation wird innerhalb der Erzählung so treffend dargestellt, dass die Problem-Situation, die die Eltern nicht begreifen zu scheinen, für den Leser überdeutlich wird. Wenn die Eltern ihre Probleme aussprechen würden, könnten sie sich gegenseitig unterstützen und ihre Verlustängste eventuell überwinden. Stattdessen scheinen sie mithilfe ihrer Phantasien und Vorstellungen der Wirklichkeit entfliehen zu wollen.

Insgesamt ist vor allem der Konflikt zwischen den Generationen ein zentrales Thema der Kurzgeschichte. Da sich die Lebensstandards, d. h. insbesondere das Konsumverhalten und das Freizeitverhalten der Jugend zwischen zwei Generationen immer verändern, kann dieses Konfliktthema der Kurzgeschichte in jede beliebige Zeit übertragen werden.

Für die Eltern ist die Lebensweise des Kindes ungewohnt, für die Tochter ist sie hingegen „normal“. Auch für die Tochter scheint es schwierig zu sein, sich in die Perspektive der Eltern zu versetzen und somit ihrer Probleme und Ängste nachzuvollziehen, denn die Fragen der Eltern lässt sie unbeantwortet. Daher kann vermutet werden, dass sie nicht mit den Eltern kommunizieren möchte. Mögliche Interpretationen, wie z. B. dass die Tochter genervt sein könnte, bleiben der Phantasie des Lesers überlassen.

Ein wichtiger Aspekt der Kurzgeschichte ist auch die enge Verbindung zwischen Form, sprachlicher Gestaltung und Inhalt, d. h. der Inhalt der Kurzgeschichte wird zusätzlich auf der formalen und sprachlichen Ebene ausgedrückt. Auf diese Verbindung soll im Folgenden näher eingegangen werden, indem die formale (Erzähltechnische Mittel etc.) und sprachliche (Syntax, rhetorische Figuren / Stilmittel etc.) Gestaltung näher analysiert wird.

Bei dem Erzähler der Kurzgeschichte „Die Tochter“ handelt es sich um einen „Er-Erzähler“. Dieser heterodiegetische Erzähler macht sich nicht „kommentierend, fragend, wertend [...] bemerkbar“[18], d. h. er tritt nicht als „Person“ körperlich greifbar in Erscheinung und geht ganz in der Funktion einer abstrakten (Erzähl-) Instanz auf.

Die Kurzgeschichte wird zudem durch die personale Erzählweise dominiert. Die Erzählperspektive wird in der Kurzgeschichte jedoch nicht durchgängig beibehalten, denn die Geschichte wird dem Leser auch teilweise aus der neutralen Perspektive nahe gebracht. Der Erzähler blickt demnach entweder von außen auf die erzählte Welt, oder befindet sich „im Kopf einer Figur [...], mit deren Augen wir [...] wahrnehmen“[19]. Die Kurzgeschichte kennzeichnet sich dabei jedoch durch einen geringen Wechsel zwischen neutraler und personaler Erzählperspektive.

Der unmittelbare Beginn wird aus der neutralen Perspektive geschildert: „Abends warteten sie auf Monika [...]“[20]. Auch in Zeile 34 wechselt der Erzähler in die neutrale Perspektive: „Auf dem Schrank stand eine Vase [...]“. Ebenso wird dem Leser das Ende der Kurzgeschichte aus der neutralen Perspektive vermittelt: „Dann stellte die Mutter den Kaffee auf den Tisch“[21]. Hier handelt es sich um eine Er-Erzählung, die von keiner Perspektive einer Figur geprägt ist, sodass es keine Innensicht gibt.

Wie bereits erwähnt, wird die Kurzgeschichte jedoch weitestgehend aus der personalen Erzählperspektive geschildert. Die personale Perspektive ist dabei auf die Innensicht der Eltern beschränkt: „Sie war größer als sie [...] und hatte die Haut, die feine Haut der Tante Maria“[22] ; „Sie war dann ein Fräulein, das in Tearooms lächelnd [...]“[23], „Dann versuchten sie wenigstens, sich genau vorzustellen, wie sie beiläufig in der Bahn [...]“[24]. Die hier vorherrschende Unmittelbarkeit macht die Gedanken der Eltern für den Leser sehr greifbar. Hier wird die „Innenwelt aus Innensicht“ dargestellt, weil der Standort des Erzählers im Bewusstsein der jeweiligen Figur liegt[25]. Wenn beispielsweise die Gedanken des Vaters wiedergegeben werden (vgl. z. B. Z. 40) wird die Figur des Vaters dem Leser näher gebracht. Im Gegensatz dazu erscheinen Figuren, die nur von „außen“ beschrieben werden, wie hier die Tochter, ferner und rätselhafter[26].

Ein weiteres Element der Erzähltechnik ist die Erzählzeit. Diese kann nicht mit der erzählten Zeit gleichgesetzt werden. Aus dem Text lässt sich schließen, dass die erzählte Zeit etwa eine Stunde beträgt, denn es wird ein klassischer Abend des Wartens geschildert „sie [warteten] täglich eine Stunde am gedeckten Tisch“[27]. Es wird also eine Stunde, in der die Eltern auf ihre Tochter warten, geschildert. Die Erzählzeit ist jedoch kürzer, da der Text nur etwa eine Din A 4 Seite beträgt und schnell gelesen werden kann.

Erreicht wird dies durch das erzähltechnische Mittel der Zeitraffung, auf das im Folgenden näher eingegangen werden soll. Eine Zeitraffung erfolgt u. a. in Form eines Überspringens von Zeitspannen: „Einige Zeit später dann auch vor dem dampfenden Kaffee [...]“[28]. Des Weiteren wird hier „raffend-berichtend“ in großen Schritten erzählt[29]. Die Raffung erfolgt hier explizit sowie unbestimmt (z. B. „Jetzt warteten sie täglich eine Stunde [...]“[30] ). Das offensichtliche „Verschweigen“ könnte hier dazu dienen, die Phantasie des Lesers anzuregen.

[...]


[1] Vgl. Stocker, Karl: Vom Lesen zum Interpretieren. Frankfurt am Main 1988, S. 130.

[2] Z.1.

[3] Bachmann, Doris: Peter Bichsel. Die Tochter. In: Interpretationen zu „Erzählungen der Gegenwart I-VI“. Schulpraktische Analysen und Unterrichtshilfen. 2. Auflage. Frankfurt am Main 1976, S. 150.

[4] Z. 3-4.

[5] Vgl. Z. 4-6.

[6] Vgl. Z. 5.

[7] Z. 8-9.

[8] Z. 11-14.

[9] Vgl. Z. 19-20.

[10] Z. 30.

[11] Z. 36-40.

[12] Vgl. Z. 39-40.

[13] Z. 41-44.

[14] Z. 45.

[15] Vgl. Unbekannt: Peter Bichsel, Die Tochter. Das Thema. http://www.teachsam.de/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/bic_ub/bic_toc_ub5.htm (Aufruf: 06.12.2009), S. 2.

[16] Vgl. ebd., S. 1.

[17] Vgl. Peter Bichsel, Die Tochter. Interpretationsansätze. http://www.teachsam.de/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/bic_ub/bic_toc_ub6.htm (Aufruf: 06. 12.2009).

[18] Gerth, Klaus: Elemente des Erzählens. Lesen und Verstehen epischer Texte. 4. Auflage. Hannover 1990, S. 27.

[19] Ebd. S. 30.

[20] Z. 1 f.

[21] Z. 45.

[22] Z. 8 f.

[23] Z. 20 f.

[24] Z. 23 f.

[25] Vgl. Gerth, S. 37.

[26] Vgl. ebd.

[27] Z. 4.

[28] Z. 6-7.

[29] Vgl. Unbekannt: Glossar. Fachbegriffe für den Deutschunterricht. http://www.teachsam.de/deutsch/glossar_deu_z.htm#Zeitdeckung (Aufruf: 02.12.2009).

[30] Z. 4.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640690459
ISBN (Buch)
9783640690992
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v155115
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Anglistik und Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Analyse Interpretation Kurzgeschichte Tochter“ Peter Bichsel Unterrichtsentwurf Klassenstufe

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