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Entwicklung eines Zukunftsszenarios für eine offene Schule

Examensarbeit 2003 76 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Die Krise der dualen Berufsausbildung
1.2. Problem- und Aufgabenstellung
1.3. Methodische Vorgehensweise und Gliederung

2. Analyse der Ist-Situation an der Beruflichen Schule E/E in Rostock
2.1. Die Befragungsdurchführung
2.1.1. Methoden der Informationsgewinnung
2.1.2. Methoden der Informationsauswertung
2.2. Auswertung und Darstellung der momentanen Situation
2.2.1. Das Schulumfeld
2.2.2. Die Schule
2.2.3. Der Unterricht

3. Anforderungen an eine offene Berufliche Schule
3.1. Gründe für die Notwendigkeit zur Öffnung der Schule
3.2. Instrument zur Untersuchung der Öffnung Beruflicher Schulen
3.2.1. Die Ebene des Schulumfeldes
3.2.2. Die Schulebene
3.2.3. Die Unterrichtsebene
3.3. Die Modellversuche FEUK, ErkunDa, QuibB
3.3.1. Der Modellversuch FEUK
3.3.2. Modellversuch ErkunDA
3.3.3. Modellversuch QuibB
3.4. Das dänische Berufsschulsystem
3.4.1. Die dänischen Berufsschulen
3.4.2. Der Unterricht an dänischen Berufsschulen

4. Die Öffnung der Beruflichen Schule E/E
4.1. Veränderungen der Beruflichen Schule E/E im Bereich der Rechtsform
4.2. Die Berufliche Schule E/E in ihrem Umfeld
4.3. Die Berufliche Schule E/E als offene Institution
4.4. Die Gestaltung des Unterrichts an der Beruflichen Schule E/E

5. Zusammenfassende Betrachtung und Ausleitung

Anhang 1: Interviewleitfäden

Anhang 2: Fragebögen Lehrer

Anhang 3: Analyse der Fragebögen Lehrer

Anhang 4: Fragebögen Schüler

Anhang 5: Auswertung der Fragebögen für die Schüler

Anhang 6: CD – Interviews

Anhang 7: CD – Das dänische Berufsschulsystem

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Szenario-Trichter zur Darstellung von Entwicklungsverläufen.

Abb. 2: Methodische Vorgehensweise der Staatsexamensarbeit.

Abb. 3: „Mit den Betrieben spreche ich regelmäßig den zu vermittelnden

Lehrstoff ab“

Abb. 4: Ansicht des Hauptgebäudes der Beruflichen Schule E/E

Abb. 5: Ansicht des Nebengebäudes der Beruflichen Schule E/E

Abb. 6: Ansicht eines renovierten Unterrichtsraumes in der Beruflichen

Schule E/E

Abb. 7: Ansicht eines unrenovierten Unterrichtsraumes in der

Beruflichen Schule E/E

Abb. 8: Ansicht der Cafeteria der Beruflichen Schule E/E.

Abb. 9: Ansicht eines Labors in der Beruflichen Schule E/E.

Abb. 10: „Unsere Schulleitung gestattet Freiräume in meiner Arbeit“.

Abb. 11: Schüler arbeiten selbständig an selbstgewählten Aufgaben

Abb. 12: Schüler bearbeiten Arbeitsblätter

Abb. 13: Lehrer arbeiten überwiegend frontal durch Lehrervortrag

Abb. 14: Führen Sie Projektunterricht durch?

Abb. 15: Instrument zur Analyse der Schule

1. Einleitung

1.1. Die Krise der dualen Berufsausbildung

Das duale System der beruflichen Erstausbildung in der Bundesrepublik Deutschland galt lange Zeit als Vorbild der Modernisierung der Berufsbildung in anderen Ländern.[1] Derzeit befindet sich das duale System Deutschlands allerdings in einer vielerorts diskutierten Krise. Erkennen lässt sich die Krise insbesondere an den folgenden Punkten:[2]

- die Abwendung traditioneller Bewerbergruppen von der dualen Ausbildung; der zunehmende Run auf Gymnasien und Hochschulen;
- der massive Abbau von Ausbildungsstellen in den industriellen Großbetrieben;
- Rekrutierungsschwierigkeiten und Ausbildungsverzicht bei Klein– und Mittelbetrieben;
- zunehmender Ausstieg aus dem Beruf von Absolventen dualer Ausbildungen, vor allem von Abiturienten und Realschülern;
- anwachsen ungeeigneter Bewerbergruppen und rapide Zunahme von Ausbildungsabbrüchen;
- Verdrängungswettbewerb innerhalb des Systems nach dem Muster: „Den Schwächsten die schlechteste Ausbildung“;
- die Sinnkrise der Berufsschule, der drohende Lehrermangel und die zunehmende Verlagerung der Ausbildungskosten dualer Ausbildung auf den Staat.

Zur Überwindung der dargestellten und weiterer Probleme gibt es verschiedene Ansatzmöglichkeiten. Im Wesentlichen wird die duale Berufsausbildung durch die Ausbildungsbetriebe und die Berufsschule gestaltet, die regionale sowie überregionale Belange zu beachten haben. Als eines der entscheidenden Schwachpunkte des dualen Systems wird dabei insbesondere das derzeitige System der Berufsschulen erkennbar. Dementsprechend stellt sich die Frage, wie die Berufsschule ihre Aufgaben besser wahrnehmen können. Dieser Frage gehe ich in dieser Arbeit nach. Damit soll ein Beitrag zur Überwindung der Krise in der dualen Berufsausbildung geleistet werden.

1.2. Problem- und Aufgabenstellung

Das derzeitige duale Bildungssystem ist dadurch gekennzeichnet, dass die Berufsschule im Vergleich zu den Ausbildungsbetrieben eine untergeordnete Funktion hat. Der schnelle technische Fortschritt in den letzten Jahren führte zu einer Vervielfachung des zu vermittelnden Wissens. Um den Schülern[3] sinnvolle Kenntnisse vermitteln zu können, die sie für ihre spätere Beschäftigung benötigen, sind die Lehrer gezwungen, ihr funktionales Wissen und die möglichen didaktischen Lehrmethoden stets zu vervollkommnen. Dies führte in der jüngsten Zeit dazu, dass die Berufsschulen ihren so genannten doppelten Erziehungsauftrag, d.h. die Vermittlung fachtheoretischer Kompetenzen und die Weiterführung der Allgemeinbildung, nicht mehr in vollem Umfang nachkommen konnten.[4] Infolgedessen kann eine Gleichwertigkeit der Lernorte, Ausbildungsbetrieb und Berufsschule, in der Praxis nicht mehr ausgemacht werden. Dies ist einer der entscheidenden Gründe für die in den Jahren 1998 und 1999 entstandenen weitreichenden Entwürfe und die daraus resultierenden, verstärkt in den letzten Jahren, aufkommenden Diskussionen über mögliche Modelle zur Modernisierung der Berufsschulen.[5] Insbesondere bei der Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten wird das Missverhältnis zwischen den Ansprüchen der Bildungseinrichtungen und den, von einem Betrieb an seine zukünftigen Mitarbeiter gestellten Anforderungen, deutlich. Vorrangiges Ziel der Berufsschule sollte es deshalb sein, Möglichkeiten zu entwickeln, welche die Öffnung der Institution Schule ermöglichen. Dabei ist es von wesentlicher Bedeutung, konkrete Verbesserungsvorschläge für die Ebene des Unterrichts, der Schule und des Schulumfeldes zu entwickeln.

In dieser Arbeit stellt sich deshalb die Aufgabe, ein Zukunftsszenarium für eine „Offenen Berufsschule“ zu entwickeln. Da die Einflussfaktoren, sich für jede Berufsschule anders gestalten, gibt es keine allgemeingültige Vorgehensweise. Jede Berufsschule ist daher gezwungen, eigene Konzeptionen zu entwickeln. Die Ausarbeitung möchte infolgedessen Möglichkeiten darstellen, die es der Berufsschule E/E in Rostock Evershagen[6] ermöglichen könnten, die Anforderungen an eine zukünftige offene Berufsschule zu erfüllen.

1.3. Methodische Vorgehensweise und Gliederung

Aufgabe der Arbeit ist nicht die umfassende Darstellung von Lösungen zur Beseitigung sämtlicher Probleme in der Berufsschule E/E. Vielmehr soll ein Szenario einer „Offenen Berufsschule“ entwickelt werden, welches Möglichkeiten für eine Qualitätsverbesserung aufzeigt. Infolgedessen müssen Überlegungen hinsichtlich der möglichen Zukunft erfolgen. Die Zukunftsszenariomethode, wie sie etwa König beschrieben hat, bietet dazu eine Basis. Sie findet in der Regel bei Zukunftsfragen hinsichtlich globaler Weltmodelle oder langfristiger Entwicklungsprogramme Anwendung.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: König, Manfred, Szenariotechnik, S.269.

Ein Zukunftsszenario beschreibt eine, sich in der Zukunft darstellende Situation und zeigt in nachvollziehbaren Entwicklungsstufen, wie diese erreicht werden kann. In der Literatur wird diese Methode u.a. in Form eines Trichters dargestellt (siehe Abb.1). Die grafische Darstel­lung zeigt, dass ausgehend von der Gegenwart, in der die Analyse ei­nes Problems erfolgt, Zukunfts­bilder formuliert werden, die zu einer Problemlö­sung beitragen könn­ten. Dabei wird deut­lich, dass nahe der Ge­genwart die möglichen Zukünfte realistisch sind. Mit zunehmender Entfernung von der Gegenwart vergrößert sich die Spannweite möglicher Futura. Nicht erstrebenswerte Aussichten bilden die äußeren Trichterlinien, die als Extrema eintreten können. Realisierbare Zukünfte liegen zwischen den beiden Extrema, auf der Schnittfläche des Trichters. Störgrößen beeinflussen zukünftige Entwicklungen.

Im Gegensatz zur „Zukunftswerkstatt“[8] beschreiben Szenarien lediglich was passieren könnte und verzichten darauf, etwas zu beschreiben, von dem gewünscht wird, dass es passiert. Die Szenariomethode zeichnet sich durch ein ganzheitliches und systematisches Denken aus. Das Prozessdenken steht vor dem Strukturdenken.[9] Deshalb werden die nachfolgenden Darstellungen auf Grundlage der Zukunftsszenario – Methode erfolgen.

Um einen verbesserten Überblick von der methodischen Vorgehensweise der Arbeit zu erhalten, wird in der Abb. 2 diese zunächst schematisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Methodische Vorgehensweise der Staatsexamensarbeit

Grundlage für die Entwick­lung von Vorschlägen für die Qua­litätsverbesserung der Aus­bildung an der Berufs­schule E/E ist eine genaue und um­fangreiche Analyse der mo­mentanen Situation auf den Ebenen Unterricht, Schul­organisation und Schul­umfeld. Diese Un­tersuchun­gen erfolgen im Abschnitt 2. Die Betrachtungen fanden auf Basis von Interviews mit Mitarbeitern der IHK, der HWK, der GEW, eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des „Institutes für technische Bildung“ der Universität Rostock und des Schulleiters der Beruflichen Schule E/E in Rostock statt. Weiterhin wurden von Schülern und Lehrern der Beruflichen Schule beantwortete detaillierte Fragebögen zum Entwicklungsstand der Schule ausgewertet. Die für die Analyse gewählten Befragungsmethoden und die jeweils interviewten Personen werden zu Beginn des Kapitels 3 aufgezeigt und begründet. Im Folgenden Teil des Kapitels werden, die in der Literatur entwickelten Anforderungen an eine offene moderne Berufliche Schule aufgezeigt. Anschließend erfolgt eine Darstellung der Ziele und Ergebnisse der Modellversuche FEUK, ErkunDa und QuibB. Neben den daraus gewonnenen, theoretischen Kenntnissen werden im dritten Kapitelabschnitt praktische Erfahrungen des dänischen Berufsschulsystems aufgezeigt. Das dänische Bildungssystem gilt nach Ansicht von Experten, z.B. der Bertelsmann Stiftung im Bereich der Berufsausbildung als fortschrittlich und richtungweisend. Auch innerhalb dieses Kapitels erfolgt eine Unterteilung in die Ebenen Unterricht, Schulorganisation und Schulumfeld. Da das Umfeld einer Schule von den regionalen Besonderheiten abhängig ist, können die für das dänische Schulsystem speziell geltenden Gegebenheiten nicht ohne weiteres für die Berufsschule E/E übertragen werden. Aus diesem Grund wird, in begründeter Weise, in diesem Teilbereich des Kapitels auf eine detaillierte Ausführung verzichtet.

Aufbauend auf die in Kapitel 2 und 3 erworbenen Feststellungen, erfolgt im Abschnitt 4 eine kurze Darstellung der Defizite die erkannt wurden und die Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen den in der Literatur geforderten Ansprüchen an eine offene moderne Berufliche Schule und der derzeitigen Situation der Beruflichen Schule E/E den Unterricht, der Schulorganisation und das Schulumfeld betreffend. Es werden Vorschläge für Maßnahmen entwickelt, die von der Beruflichen Schule E/E ergriffen werden können, um den Ansprüchen einer „Offenen Berufsschule“ gerecht zu werden.

Zu Beginn eines jeden Kapitels erfolgen zunächst Erläuterungen hinsichtlich der methodischen Vorgehensweisen innerhalb des Abschnittes.

2. Analyse der Ist-Situation an der Beruflichen Schule E/E in Rostock

2.1. Die Befragungsdurchführung

Als Basis für die Untersuchung der derzeitigen Gegebenheiten an der Beruflichen Schule E/E sollen insbesondere die nachfolgend beschriebenen Interviews dienen. Aufgabe bei der Durchführung der Interviews war ausschließlich die Gewinnung eines Eindrucks vom Entwicklungsstand der Schule. Auf Grundlage, der in diesem Kapitel gewonnenen Erkenntnisse werden im Abschnitt 4 Vorschläge für mögliche zu ergreifende Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Beruflichen Schule E/E entwickelt.

Die durchgeführten Interviews haben nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Korrektheit bei der Durchführung und der Auswertung, da hierfür allein eine umfangreiche Ausbildung notwendig wäre. Ziel ist lediglich, die aus den Interviews gewonnenen Informationen so aufzubereiten, dass daraus Schlussfolgerungen hinsichtlich der derzeitigen Situation an der Berufsschule E/E gezogen werden können. Weitergehendes ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

Die Darstellung, der für die Methoden der Informationsgewinnung und -auswertung notwendigen theoretischen Grundlagen und die Anwendung dieser auf die durchgeführten Befragungen, erfolgt im Nachfolgenden.

2.1.1. Methoden der Informationsgewinnung

Die empirische Sozialforschung bietet verschiedene Möglichkeiten und Methoden der empirischen Datenerhebung[10], die zur Lösung der Aufgabenstellung dieser Arbeit beitragen können. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärforschung. Während die Sekundärforschung vorhandene Informationen auswertet, erfolgt in der Primärforschung eine Neuerhebung von Datenmaterial. Die Vorteile der Primärforschung liegen in der Aktualität des Datenmaterials. Außerdem hat der Interviewführer nur bei dieser Art der Informationsgewinnung die Möglichkeit, exakt die für seine Befragung relevanten Informationen zu gewinnen. Ein Nachteil der Primärforschung ist der hohe Zeitaufwand.[11]

Da bisher für die Berufliche Schule E/E keine für die Ausarbeitung relevanten Informationen gewonnen wurden (jedenfalls sind sie mir nicht bekannt) und weiterhin eine Aktualität der Daten von immenser Bedeutung für die Analyse der derzeitigen Situation ist, wurde hierfür eine Neuerhebung von Daten unerlässlich.

Primärforschung kann mit den Instrumenten der Beobachtung, der Befragung, des Experiments, des physiologischen Messens und Urteilens durchgeführt werden.[12] Für die Analyse wurde die Form der Befragung gewählt. Bei der mündlichen Befragung ist zwischen Telefoninterview und direktem Interview zu unterscheiden. Sie kann frei oder strukturiert sein. Die freie Befragung gibt dem Befragenden die Möglichkeit „nachzuhaken“, setzt aber mehr Kenntnisse und eine bessere Schulung voraus. Auch sind die Ergebnisse schwerer vergleichbar. Die strukturierte Befragung, etwa mit Hilfe eines Fragebogens und vorgegebenen Multiple-Choice-Antworten ist standardisiert, leichter durchzuführen und statistisch besser auswertbar. In einigen Fällen erfasst sie aber wichtige Zusammenhänge nicht.[13] Die Vorteile der mündlichen Befragung sind im Wesentlichen darin zu sehen, dass Rückfragen möglich sind, der Interviewpartner gezwungen ist, spontane Antworten zu geben und man gewinnt einen persönlichen Eindruck der interviewten Person. Nachteile hingegen sind die schwere Auswertbarkeit und die mögliche ungewollte Beeinflussung durch den Interviewleiter auf die Antworten des Interviewpartners. Diese ungewollte Beeinflussung ist im schriftlichen Interview nicht möglich. Nachteile dieser Form der Befragung sind u.a., dass keine Rückfragen möglich sind, keine spontanen Antworten gegeben werden und die befragte Person nicht eindeutig ist.

Um die Vorteile, sowohl der mündlichen als auch der schriftlichen Befragung zu verstärken und die jeweiligen Nachteile zu kompensieren, sollen in der Arbeit beide Formen Anwendung finden.

Bei den mündlichen Befragungen wird zwischen dem informatorischen Interview zur deskriptiven Erfassung von Tatsachen, dem analytischen Interview als sozialwissenschaftliches Forschungsinstrument sowie dem diagnostischen Interview als Grundlage für den Einsatz therapeutischer Maßnahmen unterschieden.[14] Basis für die mündliche Befragung ist im Folgenden das informatorische Interview. Die Befragungen wurden bis auf eine Ausnahme in Form von direkten Einzelinterviews durchgeführt. Die Ausarbeitung dieser erfolgte eigens für die Arbeit. Die Interviews zeichnen sich durch teils offene und teils geschlossene Fragen aus. Für diesen Zweck wurden Interviewer- Leitfäden entwickelt. (siehe Anhang 1)

Neben der Methode der Informationserhebung ist die Auswahl der Befragten für die Interviews von relevanter Bedeutung. Dabei war es von entscheidendem Interesse, eine Vielzahl von aussagekräftigen Informationen zur Öffnung der Berufsschule zu erhalten. Der Focus bei der Auswahl geeigneter Interviewpartner wurde insbesondere auf solche Personen gelegt, die geeignet erschienen, Aussagen zum Schulumfeld treffen zu können. Interviewpartner waren aus diesem Grund ein Mitarbeiter der IHK, des „Institutes für technische Bildung“ in Rostock, der Schulleiter der Beruflichen Schule E/E und zwei Mitarbeiter der HWK. Bei diesen Personen war das persönliche Gespräch aufgrund der vorher genannten Vorteile unerlässlich.

Die schriftliche Befragung erfolgte mit Hilfe von Fragebögen. Diese enthielt Fragestellungen, die zum Teil offen und zum Teil durch vorgegebene Multiple-Choice-Antworten beantwortet werden sollten. Interviewpartner waren ein Mitarbeiter der GEW und Lehrer sowie Schüler der Beruflichen Schule E/E.

Die Befragung des Mitarbeiters der GEW erfolgte durch einen Fragebogen, der ausschließlich offen zu beantwortende Fragen enthielt. Grund für diese Art der Befragung, war das Nichtzustandekommen eines Treffens mit dem Mitarbeiter. Dieser erklärte sich allerdings bereit, die Fragen schriftlich zu beantworten.

Die Schüler und Lehrer der Beruflichen Schule E/E in Rostock erhielten jeweils Fragebögen mit einem Mix aus unterschiedlichen Antworttypen.

Der dreiseitige Fragebogen für die Schüler (siehe Anhang 4) ist in die drei Komplexe Schulorganisation und Schulumfeld, Unterricht und Verhältnis Schüler – Schüler / Schüler - Lehrer unterteilt. Jeder einzelne Komplex enthält sowohl multiple-Choice Fragestellungen als auch Möglichkeiten für offene Antworten.

Die Befragung der Lehrer erfolgte durch einen siebzehn Seiten umfassenden Fragebogen. (siehe Anhang 2) Wie im Fragebogen der Schüler liegen auch hier die Schwerpunkte auf den Ebenen Unterricht und Schule. Der Bogen ist in drei Bereiche untergliedert, die sich im Wesentlichen durch die Antworttypen unterscheiden. Im ersten Abschnitt sollten die Lehrer das Schulprofil aufzeigen und den Entwicklungsstand der Schule wiedergeben. Dabei sollten sie besondere Charakteristika ihrer Schule beschreiben bzw. stichpunktartig auflisten. Im zweiten Teilbereich wurden die Lehrer gebeten, Fragen zur Analyse des Entwicklungsstandes ihrer Schule mit Hilfe von vorgegebenen multiple-Choice-Antworten zu bearbeiten. Allerdings hatten die Lehrer auch Möglichkeiten für offene Anmerkungen. Der dritte Bereich enthält 70 Aussagen zu einer guten Schule, aus denen die Lehrer fünf auswählen sollten, die zusammen gesehen das Wunschbild einer guten Schule beschreiben. Hierbei konnten die Lehrer auch eigene Aussagen formulieren.

Die Interviews mit den Schülern und Lehrern erfolgten durch Teilerhebungen, d.h. es wurden jeweils nur Stichproben untersucht. Die Befragungen waren anonym. Nur die Schüler wurden gebeten ihr Alter, ihre Klassenstufe und das Geschlecht anzugeben.

Aufgrund des engen Zeitplans für diese Ausarbeitung konnte nur ein geringer Stichprobenumfang erfasst werden. Es erfolgte eine Verteilung von 15 Fragebögen an die Schüler und 10 an die Lehrer, von denen 11 bzw. 8 beantwortet wurden.

2.1.2. Methoden der Informationsauswertung

Nach der Erhebung der Daten müssen, die auf Tonträger festgehaltenen Interviews (siehe Anhang 6) und die ausgefüllten Fragebögen ausgewertet und statistisch aufgearbeitet werden. Für die Datenanalyse stehen eine Vielzahl von Methoden und Verfahren zur Verfügung.[15] Da das Ziel dieser Ausfertigung lediglich in einer Beschreibung einer Ist-Situation anhand von stichprobenhaften Befragungen gesehen werden soll, wird in der nachfolgenden Auswertung auf die Anwendung empirischer wissenschaftlicher Verfahren verzichtet. Es erfolgt lediglich eine Informationsauswertung der geführten Interviews und der beantworteten Fragebögen unter Zuhilfenahme von grafischen Darstellungen. Mehr war im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

2.2. Auswertung und Darstellung der momentanen Situation

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Befragungen in den Ebenen des Schulumfeldes, der Schule und des Unterrichts dargestellt.

Die seit 1990 unter der Trägerschaft der Hansestadt Rostock fungierende Berufliche Schule E/E entwickelte sich durch Landesfördergelder zu einer modernen Lehr- und Unterrichtsbasis für die praxisorientierte Ausbildung.[16] 44 Lehrer unterrichten ca. 1200 Schüler und Auszubildende in den Schularten Berufsschule, Fachgymnasium, Fachoberschule, Höhere Berufsfachschule, Fachschule und Berufsfachschule. Der Unterricht der Berufsschulklassen erfolgt in Blockform. Auf eine Woche Ausbildung an der Beruflichen Schule folgen zwei Wochen im Betrieb.[17]

Wie in der Arbeit bereits erwähnt wurde, liegen die Hauptansatzpunkte bei der Qualitätsverbesserung der beruflichen Bildung in den Bereichen Schulumfeld, Schulorganisation und Unterricht. Deshalb wird im Folgenden die Analyse der Situation an der Beruflichen Schule E/E in diese Ebenen unterteilt.

2.2.1. Das Schulumfeld

Das Schulumfeld der Beruflichen Schule E/E wird vor allem geprägt von der HWK, der IHK, der örtlichen Gemeinde, den Ausbildungsbetrieben sowie Vereinen und Institutionen in der Region. Im Folgenden werden zum einen die Erkenntnisse der mündlich geführten Interviews (siehe Anhang 6) vorgestellt; zum anderen erfolgt die Präsentation der Ergebnisse der schriftlichen Befragungen.

Die wesentlichen Aufgaben der HWK sind die Leitung der Fort- und Weiterbildungen in der Schule, die Durchführung von Betriebs- und Rechtsberatungen, die Meisterausbildung sowie die Organisation fachspezifischer Weiterbildungen. Sie ist Ansprechpartner für alle Fragen, die die Handwerksberufe betreffen. Seit 1991 kooperiert die HWK mit der Beruflichen Schule E/E und speziell mit dem „Verein zur Förderung beruflicher Bildung“. Über Kooperationsvereinbarungen und kontinuierliche Zusammenarbeit erfolgt in der Beruflichen Schule E/E durch diesen Verein eine berufsbegleitende Meisterausbildung. Unterstützt wird die Berufliche Schule von der HWK in der Computerausbildung mit CAD[18]. Darüber hinaus organisiert die HWK neue Berufsausbildungen. Der Kontakt mit der Beruflichen Schule E/E wird hierbei dadurch bestimmt, dass die Kammer mit den für die neuen Berufsausbildungen entworfenen Rahmenlehrplänen an die Schule herantritt. Gemäß der Aussage des Mitarbeiters der HWK ist die Zusammenarbeit zwischen der Kammer und der Beruflichen Schule E/E eigentlich sehr gut. Aus Sicht der Kammer ist die Berufliche Schule E/E eine moderne, auf den neuesten Stand der Technik befindliche Schule, die insbesondere auch die Weiterbildung der Lehrer fördert. Allerdings war der Mitarbeiter der HWK der Meinung, dass sich die Berufliche Schule E/E im Vergleich zu anderen Beruflichen Schulen nur dadurch hervorhebt, dass sie den Bereich der Elektrotechnik anbietet.

Im Rahmen der Berufsausbildung erfolgt, in Zusammenarbeit der Kammer mit der Beruflichen Schule, die Durchführung der Zwischen-, der Facharbeiter- bzw. der Gesellenprüfung. Die schriftliche Befragung der Lehrer beinhaltete u.a. die Frage nach der Zusammenarbeit mit der Prüfungskommission. Sämtliche Lehrer äußerten sich positiv über diese Kooperation. (Siehe Anhang 3, Frage 7.1.)

Neben den genannten Dienstleistungen bietet die HWK auch Sprachkurse, Lehrunterweisungen und spezielle Seminare zur Prüfungsvorbereitung an. Allerdings bedürfen die Auszubildenden einer Freistellung durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb.

Die Zusammenarbeit zwischen der Kammer und der Beruflichen Schule zeigt sich weiterhin in der Arbeit des vorgeschriebenen Berufsbildungsausschusses, in dem sechs Selbständige, sechs angestellte Handwerksmeister und sechs Berufsschullehrer mitwirken. Allerdings besitzen die Berufsschullehrer kein Stimmrecht, sondern haben lediglich eine beratende Funktion.

Die IHK Rostock, als eine von 82 Industrie- und Handelskammern in Deutschland, vertritt die Interessen der regionalen Unternehmen gegenüber den Kommunen, Landesregierungen und regionalen staatlichen Stellen. Die vom Staat auf die IHK übertragenen Aufgaben sind z.B. die Abnahme der Prüfungen bei der Berufsausbildung, Gutachtertätigkeiten für die staatliche Verwaltung und die Mitwirkung bei der Bestellung von Handelsrichtern. Die IHK sind eigenverantwortliche öffentlich- rechtliche Körperschaften, denen alle deutschen Unternehmen im Inland, ausgenommen die Handwerksbetriebe, die freien Berufe und die landwirtschaftlichen Betriebe, angehören. Die Zusammenarbeit zwischen der IHK und der Beruflichen Schule E/E wurde vom Vertreter der IHK als gut befunden. Neben der schon erwähnten Abnahme der Facharbeiterprüfung, wurde besonders das Mitwirken an Weiterbildungsmaßnahmen und die Beratung der Auszubildenden als Kooperationsschwerpunkte hervorgehoben.

Der Kontakt zwischen der Beruflichen Schule E/E und der Universität Rostock ist nach Auskunft des Vertreters des „Institutes für technische Bildung“ vor allem in den folgenden drei Punkten gekennzeichnet:

- Unterstützung und Betreuung erhalten Studenten bei Praktika in der Beruflichen Schule E/E.
- Eine weitere Verbindung ergibt sich durch ehemalige Studenten der Universität, die an der Beruflichen Schule E/E als Lehrer tätig sind.
- Außerdem begleitet das „Institut“ Modellversuche wissenschaftlich und berät die Berufliche Schule hinsichtlich der eigenen Schulpraxis.

In diesen Modellversuchen wurden bzw. werden solche, aus der Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Schule bzw. den Lehrern entwickelten Forschungsergebnisse, die womöglich Einfluss auf die Schul- und Unterrichtspraxis hatten bzw. haben, erprobt. Die gewonnenen Kenntnisse (siehe Kapitel 3.3.) hatten bisher allerdings nur punktuelle Veränderungen zur Folge, da zum einen nur eine geringe Anzahl von Lehrern beteiligt waren und außerdem Widerstände einiger Lehrer auftraten, die keine Vorteile in den Modellversuchen erkannten. Dies ist oft ein grundsätzliches Problem von Modellversuchen. Die aus den Modellversuchen gewonnenen Erkenntnisse verdeutlichen, gemäß Meinung des wissenschaftlichen Mitarbeiters der Universität, die verstärkt auftretenden Schwierigkeiten bei dem zukünftig erwartenden Unterricht in Lernfeldern. Dieses Problem wurde auch in dem Gespräch mit dem Schulleiter deutlich. Gründe hierfür sind die Einstellung der Lehrer und die fehlenden Weiterbildungen. Aus Sicht des Mitarbeiters des „Instituts für berufliche Bildung“ müssen sowohl die Berufliche Schule E/E als auch ihre Partner die Öffnung zur Region verstärkt vorantreiben. Dabei sollen Probleme abgebaut werden und die Schule zu einem wichtigen „Mitstreiter“ in der Region werden können.

In einem weiteren Interview mit dem Leiter des Vorstandsbereiches Berufliche Schulen und Weiterbildung der GEW – MV und Mitglied des Lehrerhauptpersonalrates, sollte die Kooperation der Beruflichen Schule mit den Gewerkschaften untersucht werden. Dabei ergaben sich allerdings keine neuen Erkenntnisse.

Ziel der schriftlichen Befragungen der Lehrer war u.a. die Gewinnung von Informationen über die Art und Qualität des Kontaktes zwischen den Lehrern und den Ausbildungsbetrieben. Die Auswertung hat ergeben, dass eine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Mit den Betrieben spreche ich regelmäßig den zu vermittelnden Lehrstoff ab.

gute Verbindung zu den Ausbildungsbetrieben besteht. (An­hang 3 Frage 3.9.) Abb. 3 verdeutlicht aller­dings auch, dass die Meinungen der Ausbildungs­be­triebe von den Lehrern nur selten in die Ent­scheidungen hinsichtlich des zu ver­mitteln­den Lehrstoffs einbezogen werden. Ebenso wird mit den Ausbildungsbetrieben nicht bzw. nur vereinzelt über den Leistungs­stand des Auszubildenden, über Fehltage oder der Persönlichkeits­entwicklung gesprochen. So gaben 37,5 Pro­zent der Lehrer an, dass in dieser Hinsicht kein Gespräch mit den Ausbildungsbetrieben erfolgt. (Anhang 3 Frage 7.4.) Die Beurteilung der Kommunikation bei der Übernahme von erzieherischen Maßnahmen der Schule durch die Ausbildungsbetriebe ist positiv. So beachten 75 Prozent der Unternehmen die Maßnahmen der Schule teilweise und 25 Prozent sogar oft. (Anhang 3 Frage 7.5.)

Einmal jährlich im Februar, präsentiert sich die Berufliche Schule E/E durch einen Tag der „Offenen Tür“ der Öffentlichkeit. An diesem Tag haben zukünftige Auszubildende die Möglichkeit, die schulischen Bedingungen kennen zu lernen, erhalten Informationen über die Ausbildungsmöglichkeiten und können erste Kontakte zu den Lehrern knüpfen. In diesem Zusammenhang werden auch die Schüler in den allgemein bildenden Schulen beraten. Eine eigens dafür ausgebildete Lehrerin informiert die Schüler über die Möglichkeiten, die eine Berufliche Schule zu leisten in der Lage ist.

2.2.2. Die Schule

Dadurch, dass heute nach fachsystematischen Curricula unterrichtet wird, besteht die Aufgabe der Beruflichen Schule insbesondere darin, Arbeitskräfte mit einer theoretischen und fachlichen Qualifizierung auszurüsten. Infolgedessen ist die Schule relativ unverbunden mit der Region. Sie kann als Input-Output-System verstanden werden,[19] d.h. in diesem System kommen Auszubildende ohne Qualifikation herein und mit Zertifikaten als Geselle oder Facharbeiter heraus. Innerhalb des Systems erfolgt ein Sozialisations-, Wissensvermittlungs-, Persönlichkeitsentwicklungs- und Erziehungsprozess. Zur Erzielung eines nachfrage- und kundenorientierten Unterrichts an der Beruflichen Schule E/E stellen die Schulstruktur und die Schulorganisation einen weiteren bedeutenden Aspekt dar. Themenschwerpunkte dieses Abschnittes sind deshalb das Erscheinungsbild der Beruflichen Schule und der Umgebung, die Schulstruktur und -organisation, die Schulleitung und die Fachkonferenzen. Da sowohl Lehrer wie auch Schüler befragt wurden, ist die Gewinnung detaillierter Aussagen hinsichtlich einiger Punkte möglich.

Wesentliche Bestimmungsgrößen des Erscheinungsbildes an einer Schule sind das Schulgebäude und -gelände, die Räumlichkeiten, wie Bibliotheken, Unterrichts-, Labor-, Computer- und Aufenthaltsräume sowie Sport- und Freizeitstätten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Ansicht des Hauptgebäudes der Beruflichen Abb. 5: Ansicht des Nebengebäudes der Beruflichen

Schule E/E Schule E/E

Die Schule besteht aus zwei Gebäuden, die nach DDR Standard gebaut wurden. Das Hauptgebäude (Abb. 4) wurde im Innenbereich in den letzten zehn Jahren vollständig renoviert. In diesem Gebäude findet in der Hauptsache die berufliche Bildung statt. Außer

dem befinden sich dort diverse Unterrichts- und Laborräume, der Sitz der Schulleitung, ein Lehrerzimmer und eine Cafeteria.

Die Unterrichtsräume sind u.a. mit einer Tafel und einem Overhead-Projektor ausgerüstet. Die Anordnung der Tische und Stühle unterstützen den Frontalunterricht. (siehe Abb. 6 und 7). Weiterhin ist auffällig, dass sich sowohl in den Räumen als auch im Gebäude nur wenige Grünpflanzen befinden. Die Befragung der Schüler zeigte, dass diese sich eine Verschönerung der Räume, z.B. durch Pflanzen wünschen. (Siehe Anhang 5, Frage I.8.) An den Wänden der Räume und der Gänge werden Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht präsentiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Ansicht eines renovierten Unterrichtsraumes Abb. 7: Ansicht eines unrenovierten Unterrichtsraumes

in der Beruflichen Schule E/E in der Beruflichen Schule E/E

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Ansicht der Cafeteria der Beruflichen

Schule E/E

In den Gängen des Schulhauses befinden sich wenige Sitzmöglichkeiten. Abb. 8 zeigt, dass sich in einem der Cafeteria angeschlossenen Klassenraum weitere Sitzgelegenheiten befinden. Die Cafeteria wird durch die Schüler als Aufenthaltsort während der Pausen und der Freistunden regelmäßig genutzt. Dort werden täglich drei bis vier warme Gerichte, Süßigkeiten und Getränke angeboten. Das Angebot der Cafeteria wird von den Schülern als gut empfunden. (Siehe Anhang 5 Frage I.4.) Sitzmöglichkeiten im Freien sind nicht vorhanden.

Vor dem Sekretariat befinden sich Informationsmaterialien für die Berufsausbildung und Weiterbildung der Schüler. Wichtige Informationen sowie Stundentafeln und Vertretungspläne hängen auf einer Tafel im Schulgang aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ausstattungen und die Zustände der Laborräume der Beruflichen Schule E/E sind sehr unterschiedlich. Infolge der Modellver­suche wurden einige Labore so umgestaltet, dass sich diese zu ei­nem gestaltungsorien­tierten Unterricht[20] eig­nen (siehe Abb. 9). Andere Laborräume sind extra Räume: ab­getrennt von den Unter­richtsräumen. In die­sen wird der Fachtheorie­unterricht unter­stützt. Dem Abb. 9: Ansicht eines Labors der Beruflichen Schule E/E Aus­zubildenden werden Geräte und Einrichtungen zur Verfügung gestellt, an denen sie ihr theoretisch, erworbenes Wissen anwenden und testen können.

Im zweiten Gebäude (Abb.5) wurden bisher die Gänge und einige Fachräume, die zu PC-Pools umgebaut wurden, renoviert. Die anderen Unterrichtsräume sind in einem schlechten Zustand (Abb.7). Im Nebengebäude finden die Vollzeitausbildungen bspw. vom Fachgymnasium und der Fachoberschule statt. Eine Cafeteria ist in diesem Gebäude vorhanden. Die Ausstattung mit Pflanzen und Bildern ist wie im Hauptgebäude gering.

Die Aussagen der Schüler (Siehe Anhang 5 Frage I.1.) und der Lehrer (Siehe Anhang 3 Frage 3.1.) lassen darauf schließen, dass sich die Mehrheit der Schüler an ihrer Schule wohl fühlen. Die offenen Antworten der Schüler auf die Frage, was sie an ihrer Schule gern ändern würden, verdeutlichen, dass es ein Mangel an Sozialarbeit, Freizeitangeboten in den Freistunden, Sitzmöglichkeiten im Freien, Musik auf dem Schulhof und Angeboten an Sportkursen gibt. (Siehe Anhang 5 Frage I.8. und I.3.)

Von den befragten Lehrern wurden die Räumlichkeiten nur zum Teil als fachgerecht und einladend beurteilt. Angemerkt wurde, dass sich wenig um die Gestaltung der Räume gekümmert wird. (Siehe Anhang 3 Frage 3.2. und 3.3.) Die Schüler äußerten hingegen den Wunsch, mehr Mitspracherechte bei der Gestaltung der Räume zu bekommen Eine Vielzahl von Ihnen fühlt sich bei der Planung der Unterrichtsräume nur unzureichend mit einbezogen. (Siehe Anhang 5 Frage I.2.) Mit Bedauern wurde von den Lehrern weiterhin festgestellt, dass es keine Räumlichkeiten und keine finanziellen Mittel für die Einrichtung einer Bibliothek gibt. (Anhang 3 Frage 3.6.)

Die vorhandenen Sportstätten bieten gute Möglichkeiten der Betätigung im Sportunterricht und in der Freizeit. Neben einer großen Sporthalle existieren noch zwei Kleinfeldhartplätze sowie ein Rasenfußballplatz und eine Aschenbahn für Laufdisziplinen. Dies trägt dazu bei, dass die Schule sich in diesem Bereich besonders engagiert und sich neben der Betreuung von Behindertensportfesten, auf diversen weiteren Wettkämpfen profiliert.

Die Schulleitung und -organisation stellen weitere wichtige Eckpfeiler einer Beruflichen Schule dar. Deshalb soll im Folgenden die Kooperation zwischen Schulleitung und Lehrerkollegium dargestellt werden.

Die Aufgaben der Schulleitung an der Beruflichen Schule sind vielschichtig. Neben der Verantwortung für die pädagogische Arbeit gehören die Verwaltung von Geldern, die Leitung der Fachkonferenzen, die Absicherung des Personals, die Einhaltung sowie Durchführung von Erlassen, das Anfertigen von Stundentafeln und die Führung von Schuldokumenten, entsprechend der Rechts- und Verwaltungsvorschriften, zu ihren Pflichten. Andere Angelegenheiten sind in dem Interview mit dem Schulleiter (Anhang 6) aufgeführt. Eine weitere Aufgabe des Schulleiters ist die Kontaktpflege zum Wohngebiet. So wird bspw. über Probleme, die die Schüler im Schulumfeld bereiten, gesprochen oder Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Dies wird allerdings selten genutzt. Ebenso vertritt der Direktor die Schule nach außen auf Tagungen, Messen o.ä. Veranstaltungen.

Die Leitung der Beruflichen Schule E/E sichert nach Meinung der Lehrer durch entsprechende Maßnahmen die breite Information und fördert die Mitwirkung der Lehrer an der Schulorganisation. (Anhang 3 Frage 4.9. und 4.10.) Das Lehrerkollegium erhält Unterstützung von der Schulleitung in ihrer täglichen Arbeit. Sie gibt ihnen das Gefühl, dass ihre Tätigkeit wichtig für die Entwicklung der Schule

Abb. 10: Unsere Schulleitung gestattet Freiräume in meiner Arbeit.

ist. (Anhang 3 Frage 8.1.) Trotzdem fühlen sich einige der Lehrer in ihrer Freiheit, den Unterricht so zu gestalten, wie sie es für richtig halten, zum Teil eingeschränkt (Siehe Abb. 10). Kritisch wird von einigen Lehrern gesehen, dass die Leitung der Schule eigene Ideen teilweise ohne kollegiumsweite Diskussionen umsetzen (Anhang 3 Frage 8.3.). Die Realisierung gestellter Ziele, das Lösen von Problemen und dabei den Verwaltungsbereich in die Arbeitsfähigkeit der Schule mit einzubeziehen sind positive Ansätze der Weiterentwicklung der Schule (Anhang 3 Frage 8.13, 8.11 und 4.8.). Die Kommunikation und die gegenseitige Rücksichtnahme der Kollegen untereinander werden von der Schulleitung gefördert (Anhang 3 Frage 8.9. und 8.10.). Ebenfalls ist die Schulleitung bemüht, Überstunden für die Kollegen zu vermeiden und wenn sie doch anfallen, wird die Mehrarbeit anerkannt (Anhang 3 Frage 8.14. und 4.5.). Die Gestaltung der Pausenzeiten ist für die Erholung optimal (Anhang 3 Frage 4.7.).

Die Analyse der Fragebögen der Lehrer ergab weiter, dass die Unterrichtsfach- und Stundenplanung nur teilweise nach pädagogisch sinnvollen Gesichtspunkten erfolgt (Anhang 3 Frage 4.1.). Schwierigkeiten bei der Ausarbeitung der Stundenpläne ergeben sich insbesondere dadurch, dass die Ausbildungsbetriebe die Auszubildenden nur schleppend in der Beruflichen Schule anmelden. Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass Ende Oktober noch neue Klassen gebildet werden müssen.[21] Die Schulleitung der Beruflichen Schule E/E ist bemüht, Unterrichtsausfall zu vermeiden bzw. zu kompensieren (Anhang 3 Frage 4.4.). Die Organisation der Vertretungen ist systematisch und überschaubar (Anhang 3 Frage 4.3.).

2.2.3. Der Unterricht

Der Entwicklungsstand der Schule zeigt sich am deutlichsten auf der Ebene des Unterrichts. Die Analyse der Unterrichtssituation der Beruflichen Schule E/E beruht im Wesentlichen auf den Ergebnissen der Fragebögen von Schülern und Lehrern.

Zu Beginn der Unterrichtseinheiten wird jeweils der Unterrichtsstoff durch den Lehrer mit den Schülern der Klasse diskutiert. (Anhang 3 Frage 1.5.a)

Selbstgewählte Aufgaben und das Bearbeiten von Arbeitsblättern, werden nur teilweise gemeinsam angedacht und im Unterricht aufgegriffen. (Siehe Abb. 11 und 12)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Schüler arbeiten selbständig an selbstgewählten Aufgaben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Schüler bearbeiten Arbeitsblätter

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Abb. 13: Lehrer arbeiten über-wiegend frontal durch Lehrervortrag

Die Darbietung von Erkenntnissen der Schüler anhand von Schülervorträgen gehört nur partiell zum Schulalltag (Anhang 3 Frage 1.5.d). Das Diagramm in der Abb. 13 verdeutlicht, dass die Lehrer nach wie vor sehr viel Wert auf den Frontalunterricht zur Wissensvermittlung legen. Dass diese Art von Unterricht vom Schüler als nachteilig empfunden wird, zeigt u.a. auch die Auswertung der Fragebögen der Schüler.

Im Allgemeinen empfinden die Schüler den Unterricht als gut bis befriedigend (Anhang 5 Frage II.1.). Die Möglichkeit der Freiarbeit wurde von fünf Schülern als gut befunden, von vier Schülern mit befriedigend und zwei sagten aus, dass sie die Gelegenheiten zur Freiarbeit für ausreichend halten (Anhang 5 Frage II.3). Die Diskussionen über die Unterrichtsthemen haben die positive Folge, dass die Schüler die Themen des Unterrichts mit aktuell und auf sie zugeschnitten, beurteilen (Anhang 5 Frage II.2.). Die Nachteile des Frontalunterrichts zeigen sich in den Antworten der Schüler auf die Frage nach ihren Möglichkeiten, an aktuellen Projekten mitzuwirken. Drei Schüler beurteilten die Gelegenheiten hierzu mit mangelhaft (Anhang 5 Frage II.4.). Eine Ursache ist darin zu sehen, dass der Projektunterricht b.z.w. der gestaltungsorientierte Unterricht bei den Lehrern in der Unterrichtsführung wenig Beachtung findet.

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Abb. 14: Führen Sie Projektunterricht durch?

Die Hälfte der angesprochenen Lehrer, so das Ergebnis der Befragung, führen keinen Projektunterricht oder gestaltungsorientierten Unterricht durch (siehe Abb. 14). Der Schulleiter vertritt dabei die Meinung, dass diese Unterrichtsform in der gegenwärtigen Situation schwer realisierbar sei. Gründe hierfür sind nach Auffassung des Schulleiters der Mangel an Lehrkräften und die nicht ausreichende Ausbildung der vorhandenen Lehrkräfte.[22] Das die Lehrer allerdings bereit wären, Projekte in ihrem Unterricht zu integrieren, zeigt die vorhandene Bereitschaft zur Mitwirkung an Projekten anderer Kollegen und die Einschätzung, dass Projekte nutzbringend für Schüler sein können (Anhang 3 Frage 1.6.c). Befragt nach Vorschlägen für Veränderungen im Unterricht, äußerten die Schüler Wünsche, wie die Anpassung des Unterrichts an das Lerntempo der Schüler, selbständiges Arbeiten, die Lösung klar definierter Aufgaben, die ständige Möglichkeit Lehrer bei auftretenden Problemen oder Fragen zu konsultieren und die anschaulichere Gestaltung des Unterrichts (Anhang 5 Frage II.7). Auffällig ist, dass sämtliche geäußerten Verbesserungsvorschläge, Merkmale für einen offenen, gestaltungsorientierten Unterricht positiv bewertet worden sind. Bei der Befragung der Lehrer zu diesem Thema wurden Diskrepanzen zwischen dem, was die Lehrer im Unterricht erreichen wollen, und dem was sie tatsächlich erreichen, deutlich. Denn gemäß der Aussagen der Lehrer, legen diese im Unterricht bereits viel Wert auf Schlüsselqualifikationen, wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Selbständigkeit (Anhang 3 Frage 1.4.).

Zu dem Themenbereich Fort- und Weiterbildung ergaben sich folgende Erkenntnisse: Die angebotenen Fortbildungen sind thematisch zu wenig breit gefächert, so dass die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen nicht immer zur Qualitätsverbesserung hinsichtlich der Fach- und Methodenkompetenz im Unterricht beiträgt (Anhang 3 Frage 2.1. und 2.4.). Für die Fortbildungsmaßnahmen werden die Lehrer von der Schule freigestellt, so dass größtenteils diese Maßnahmen auch genutzt werden können (Anhang 3 Frage 2.2. und 2.5).

Teamwork ist ein weiteres Schlüsselwort. Deshalb wird im Folgenden, diesbezüglich die Zusammenarbeit der Lehrer ausgewertet und gleichfalls auf die Lehrer/Schüler Beziehung eingegangen.

Die Zusammensetzung des Kollegiums ist eine Mischung aus jungen Lehrern, die eine Ausbildung an der Universität absolviert haben, und älteren Lehrern, die nach ihrer Ausbildung eine pädagogische Zusatzausbildung absolvierten. Das Kollegium ist flexibel in der Zusammenarbeit und spricht relevante Themen vernünftig ab (Anhang 3 Frage 5.1). Durch dieses angenehme Schulklima ist es jederzeit möglich, schwierige Situationen mit Unterstützung der Kollegen zu lösen. (Anhang 3 Frage 5.2. und 5.3.) Es erfolgen häufige Absprachen zwischen den Kollegen hinsichtlich des pädagogischen und sozialen Handelns und der Unterrichtsinhalte (Anhang 3 Frage 5.6.). Die Lehrer tolerieren abweichende Meinungen der Schüler. Dies führt im Allgemeinen zu einem guten Verhältnis zwischen den Schülern und Lehrern (Anhang 5 Frage III.6. und III.7). Die Schüler werden von den Lehrkräften als Persönlichkeit ernst genommen (Anhang 5 Frage III.10.). Die Antworten der Schüler, zur Unterstützung durch die Lehrer bei Lernschwierigkeiten, ist sehr unterschiedlich; das Spektrum reicht dabei von ungenügend bis sehr gut (Anhang 5 Frage III.8). Das Verhältnis der Schüler untereinander ist gut. Konflikte werden verbal gelöst und die Schüler können in der Klasse gemeinsam darüber diskutieren (Anhang 5 Frage III.1, III.2, III.3).

Zum Abschluss der Auswertung über den Entwicklungsstand erfolgt noch die Darlegung der Ergebnisse zum Themenbereich Fachkonferenzen.

Die Meinungen über die Aufgaben einer Fachkonferenz sind sehr unterschiedlich. Eine gemeinsame Unterrichtsvorbereitung ist nach Meinung der Lehrer nicht Thema der Fachkonferenz. Das Kollegium nutzt die Fachkonferenzen zum Erfahrungsaustausch, zur Fortbildung, der Koordination fachlicher Inhalte und von Lernzielen, der Umsetzung der Lehrpläne, der Festlegung von Bewertungsrichtlinien, der Auswahl der Lern- und Lehrmittel und äußert Vorschläge zur Einsatzplanung für das folgende Schuljahr (Anhang 3 Frage 6.1. und 6.2.). Die Möglichkeit der gegenseitigen Hospitation und den Austausch der daraus gewonnenen Erfahrungen und Eindrücke nutzen nur wenige Lehrer (Anhang 3 Frage 6.3.).

3. Anforderungen an eine offene Berufliche Schule

3.1. Gründe für die Notwendigkeit zur Öffnung der Schule

Zur Erreichung einer besseren Schulqualität und Schuleffizienz ist in den letzten Jahren vermehrt eine Tendenz zur Öffnung der Beruflichen Schulen zu beobachten.[23] Die Öffnung der Schule und des Unterrichts schlägt sich dabei in einer Vielzahl unterschiedlicher Bereiche nieder. Dies zeigen insbesondere die folgenden, in der Vergangenheit verstärkt auftretenden Tatbestände:

- die Schule und der Unterricht wird offener für die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erfahrungen der Schüler in ihrer außerschulischen Lebenswelt bzw. Region,
- die Schule und der Unterricht wird offener für die Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen, Lernorten, Experten, Eltern usw.,
- die Schule und der Unterricht werden offener für eine Vielfalt von Spiel-, Arbeits- und Aktionsformen und Methoden.

Auffällig ist insbesondere, dass die an diesem Prozess beteiligten Personen (Lehrer, Schüler, Eltern) und Institutionen selbst „offener“ werden und statt des normativen festgelegten Rollenverhaltens mehr Echtheit, Spontaneität und Vielfältigkeit zeigen.[24]

Die Ursachen für die vermehrt auftretenden Schwierigkeiten der Schüler mit den lehrerzentrierten Lehr- und Lernmethoden, den Inhalten der Unterrichtsfächer und den herkömmlichen Schulinhalten liegen bei genauerer Betrachtung vor allem in außerschulischen Faktoren sowie Bedingungen. Beispiele hierfür sind eine sich wandelnde Erziehung der Schüler, ein sich änderndes soziales Umfeld, eine ständig zunehmende mediale Beeinflussung, der Wandel zu einer multikulturellen Gesellschaft, die Veränderung im individuellen Umgang mit der Umwelt, und die zunehmend frei verfügbare Zeit für die kommenden Generationen aufgrund abnehmender Erwerbstätigkeit.[25] Aber auch schulische Einflüsse und Bedingungen, zu denen fehlende Kompromissbereitschaft der Lehrer, traditionelle Strukturen und mangelnde Bereitschaft der Schule zählen, lassen eine widerspruchsarme und pädagogisch wertvolle Schulentwicklung nicht zu. Schulische Lern- und Unterrichtsprozesse werden davon massiv beeinflusst.

Die Region Rostock[26] leidet an den Folgen des angespannten Arbeitsmarktes und der schwachen wirtschaftlichen und kulturellen Lage. Fachkräfte und Auszubildende verlassen die Region aus Gründen wie hohe Jugendarbeitslosigkeit, erheblicher Lehrstellenmangel, wenig attraktive Zukunftsaussichten und nicht zuletzt niedrigere Einkommen. Die negative Fluktuation des Angebotes an jungen Arbeitskräften wirkt sich auf viele Bereiche aus, u.a. auf das Gebiet der beruflichen Ausbildung.[27]

Gegenwärtig bieten die Beruflichen Schulen den Jugendlichen in der Region, im Bereich der Erstausbildung, die Möglichkeit einer schulischen Teil- oder Vollzeitausbildung. Dabei steht größtenteils noch traditioneller Unterricht im Mittelpunkt; nicht, wie in der Literatur gefordert, das Angebot eines Dienstleisters oder Wirtschaftsfaktors für regionale Unternehmen.[28] Wird dem gefolgt, dann ergeben sich neue Aufgaben und Funktionen für die Berufliche Schule. Die neuen gesellschaftlichen und regionalen Veränderungen müssen zu neuen schulpädagogischen Orientierungspunkten für die Berufliche Schule und dem Unterricht führen.

3.2. Instrument zur Untersuchung der Öffnung Beruflicher Schulen

Ein Instrument für die Untersuchung der Öffnung der Beruflichen Schulen ist in Abb. 15 dargestellt. Das von Fend vorge­schlagene Modell der drei Gestaltungs­ebenen: Unterrichtsebene, Schulebene und Ebene des Schulumfeldes[29] wurde in dem Modellversuch QuibB[30] modifiziert und als Mittel zur Analyse und Entwicklung von Unterricht, Schulorganisation und Schulumfeld im regionalen Kontext für diese Arbeit verwendet. Eine vierte Ebene, wie man sie bei Fend findet, die politisch administrative Ebene, fand in dieser Arbeit keine Berücksichtigung. Modifiziert wurde das Instrument dahingehend, dass auf der Unterrichtsebene mit den Ideen eines aufgabenbezogenen, projektorientierten, experimentellen Unterrichts mit den Inhalten der Arbeit, Wirtschaft und Technik auf die Belange der Region abgestellt werden soll. Betrachtet man die Ebenen, die auf die berufliche Bildung einwirken und somit den Erlernprozess von Wissen und Können direkt beeinflussen, so ist festzustellen, dass die regionale- und gestaltungsorientierte Schulebene der Ebene des Unterrichts übergeordnet ist. Diese beiden Ebenen werden von der Ebene des regionalen und überregionalen Schulumfeldes überlagert. Die Schulebene und das Schulumfeld können die Bedingungen für einen mitgestaltenden Unterricht einführen und damit zur Qualitätsverbesserung der Bildungseinrichtung beitragen.

3.2.1. Die Ebene des Schulumfeldes

Das Thema der „Öffnung von Schulen“ lässt sich ohne Berücksichtigung der Beziehung zwischen Beruflicher Schule, Gesellschaft und Region nicht diskutieren. Die Berufliche Schule ist ein Teil unserer Gesellschaft und der Region. Sie formt Persönlichkeiten, um unsere Gesellschaft und Region weiterzuentwickeln. Aus diesem Grund darf sich die Berufliche Schule nicht vor der Gesellschaft und der Region verschließen; sie muss sich ihr öffnen, damit Schüler sich nach Beendigung ihrer Ausbildung in ihr zurechtfinden und aktiv mitgestalten.

Es ist unstrittig, dass Berufliche Schulen heute Partner brauchen, die sich an der Weiterentwicklung von Schul- und Unterrichtsqualität beteiligen. Ziel bei der Öffnung der Beruflichen Schulen kann die Bildung eines Kompetenzzentrums[31] sein, das verschiedene Dienstleistungen für die Region im Netzwerk der regionalen Berufsbildungs- und Innovationsträger bereitstellt.[32] Klar ist aber auch, dass solch ein Kompetenzzentrum nicht durch einen „Türschildwechsel“[33] oder durch Nachahmung von Vorbildern aus anderen Bundesländern, entsteht. Vielmehr muss durch die Berufliche Schule, insbesondere durch die Lehrer, den Partnern, dem Kultusministerium und weiteren, die die Berufliche Schule mitgestalten, ein Kompetenzzentrum mit viel Fleiß und Willensbereitschaft in einem dialogischen Prozess entwickelt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei sicher das Schulentwicklungskonzept des Landes MV.[34]

[...]


[1] Stach, Meinhard, Die Krise des dualen Systems, S. 5.

[2] Vgl. Greinert, Wolf-Dietrich, Das duale System der Berufsausbildung, S. 144.

[3] Aus Vereinfachungsgründen werden in dieser Arbeit die Begriffe „Lehrer“ und „Schüler“ verwendet. Gemeint sind jedoch stets Lehrer und Lehrerinnen sowie Schüler und Schülerinnen.

[4] Grundmann, Hilmar, Grundmann, Christiane, Meyer-Menk, Julia, Offener Unterricht, S. 415.

[5] Grundmann, Hilmar, Modelle, S.43.

[6] Der Einfachheit halber, wird im Folgenden stets von der Beruflichen Schule E/E gesprochen.

[7] König, Manfred, Szenariotechnik, S. 279.

[8] Definition: Die Entdeckung von Veränderungsmöglichkeiten und der Versuch, diese schrittweise kooperativ und kreativ zu realisieren, wobei die Teilnehmer selbst die Inhalte und die Richtung des Prozesses bestimmen.

[9] König, Manfred, Szenariotechnik, S. 267.

[10] Van Koolwijk, Jürgen, Wieken-Mayser, Maria, Techniken der empirischen Sozialforschung, S. 12.

[11] Otte, Max, Marketing, S. 51.

[12] Bortz, Jürgen, Empirische Forschung, S.169.

[13] Otte, Max, Marketing, S. 52.

[14] Bortz, Jürgen, Empirische Forschung, S. 171.

[15] Bortz, Jürgen, Empirischen Forschung, S. 53.

[16] o.V., Abschlussbericht zum Modellversuch ErkunDa, S. 14.

[17] Gemäss Angaben des Schulleiters (siehe Interview Schulleiter, Anhang 6).

[18] Definition: Computergestützte Projektierung und Konstruktion.

[19] Hartmann, Martin, Vernetzung zur Steigerung von Regional- und Nachfrageorientierung, S. 6.

[20] „Innerhalb eines gestaltungsorientierten Unterrichts erhalten die Lernenden eine Aufgabenstellung, die sie selbständig bearbeiten sollen und von der ein vom Lernenden entwickeltes Produkt erwartet wird. Diese Aufgabenstellung soll vom Lernenden als sinnvoll anerkannt werden und weckt beim Lernenden Fragen, mit denen die technischen, ökonomischen und sonstigen Gegebenheiten hinterfragt werden. Sie lernen, ein bestimmtes Handlungsprodukt zu planen, herzustellen, gegebenenfalls zu vermarkten und zu bewerten. Das stete hinterfragen des erarbeiteten Standes zielt auf Kompetenzerweiterung der Lernenden, wobei diese fachliche Kompetenz, Gestaltungskompetenz, kritische und soziale Kompetenz bewirken.“ (o.V., Abschlussbericht zum Modellversuch FEUK, S. 43).

[21] Gemäss Angaben des Schulleiters (siehe Interview Schulleiter, Anhang 6).

[22] Gemäss Angaben des Schulleiters (siehe Interview Schulleiter, Anhang 6).

[23] Hopf, Arnulf, Schulen öffnen sich, S. 5.

[24] ebenda, S. 6.

[25] ebenda, S. 19.

[26] Hinweis: Wenn im Folgenden der Arbeit von Regionen gesprochen wird ist damit immer die Region Rostock bzw. MV gemeint .

[27] Eicker, Friedhelm, Hartmann, Martin, Die Berufsschule als regionaler Wirtschafts- und Kulturfaktor, S. 422.

[28] ebenda, S. 424.

[29] Fend, Helmut, Qualität im Bildungswesen, S. 13.

[30] o.V., Abschlussbericht zum Modellversuch QuibB, S.???.

[31] „Ein Kompetenzzentrum für Bildungsdienstleistungen ist ein Unternehmen, das Wissen und Können aus einem technischen, wissenschaftlichen und/oder pädagogischen Objektbereich (seinem Kompetenzfeld) als kundenorientierte und bedarfsgerechte Bildungsdienstleistung für Individuen, Unternehmen, Arbeitsverwaltungen und/oder andere Mitglieder komplex und kompetent zur Verfügung stellt“ (Wilbers, Karl, Berufsbildende Schule als Kompetenzzentrum in regionalen Netzwerken?, S. 5,)

[32] Eicker, Friedhelm, Hartmann, Martin, Die Berufsschule als regionaler Wirtschafts- und Kulturfaktor, S. 422.

[33] Eicker, Friedhelm, Statt einer Einführung, S. 5.

[34] Eicker, Friedhelm, Hartmann, Martin, Die Berufsschule als regionaler Wirtschafts- und Kulturfaktor, S. 423.

Details

Seiten
76
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638205894
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15488
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für technische Bildung
Note
1,8
Schlagworte
Entwicklung Zukunftsszenarios Schule Didaktik

Autor

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Titel: Entwicklung eines Zukunftsszenarios für eine offene Schule