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Textanalyse des Aufsatzes "Das Kind offenbart sich selbst" von Maria Montessori, aus dem Niederländischen übersetzt von Helene Helming

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Texterörterung
1.1 Das Kind offenbart sich selbst
1.2 Kritik
1.3 Eigene Meinung

2. Schluss: Die Welt des Kindes

3. Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Text „Het kind openbaart zich self“ von Maria Montessori, veröffentlicht in dem Buch „Door het kind naar een nieuwe wereld“ in Heiloo 1941 wurde von Helene Helming vom Niederländischen ins Deutsche übersetzt und 1965 erstveröffentlicht unter dem Titel „Das Kind offenbart sich selbst“ in dem Montessori-Werkbrief 7. Maria Montessori ist am 31.8.1870 in Chiaravalle in Italien geboren und am 6.5.1952 in Noordwijk in Holland gestorben. Montessori war eine italienische Ärztin und Pädagogin. Sie hat eine Erziehungsmethode entwickelt, die auch aktuell weltweit verbreitet ist.

Die Intention des Textes ist es, mit den Vorurteilen über die Einstellungen der Welt des Kindes zu brechen und sie zu ändern. Montessori zeigt die Offenbarungen des Kindes auf und belegt dies an Beispielen aus ihren Erfahrungen mit Kindern. Dabei stellt die Autorin folgende Thesen auf: Das Kind offenbart seine eigene Welt und zeigt sie somit selbst auf und eben nicht der Erwachsene, wie das Vorurteil es nahe legt. Das Kind folgt seinen sensiblen Perioden, in denen es seine inneren Bedürfnisse versucht zu befriedigen. Dafür benötigt das Kind Freiheit und bestimmtes Material wie das wissenschaftliche Material von Montessori oder auch häusliche Arbeiten, um das Bedürfnis nach Konzentration, Anstrengung, Stille und Ruhe zu befriedigen. Der Ausruf des Kindes an den Erwachsenen „Hilf mir es selbst zu tun“ spielt dabei eine Rolle, denn er umfasst den Appell des Kindes in seiner Erziehung.

Die zentrale These von Montessori ist, dass das Kind sich selbst offenbart. Diese These geht schon aus dem Titel hervor und bedeutet, dass das Kind selbst am Besten weiß, was gut für es ist und selbst aufzeigt, welches Bedürfnis es hat und was gerade gut für seine Erziehung ist. Der gesamte Text orientiert sich an dieser These und sie bildet den Grundstein beziehungsweise den „roten Faden“ für den Text.

Der Text ist bedeutsam, da er eine neue andere Sichtweise über die Welt des Kindes aufzeigt. Diese Art des Betrachtens verleiht dem Kind mehr Achtung und gibt die Chance auf eine Entwicklung, die mehr an den Bedürfnissen des Kindes orientiert ist. Im Folgenden wird der Text „Das Kind offenbart sich selbst“ von Maria Montessori mit der hermeneutischen Methode analysiert. Dabei wird nicht linear vorgegangen, sondern an den inhaltlichen Aspekten von Montessori orientiert. Zuerst wird auf die Biographie von Montessori eingegangen, die dazu anregt näher auf die Kinder in San Lorenzo einzugehen sowie auf die Offenbarungen, die sie an ihnen gemacht hat. Die Offenbarungen geschehen durch das Material, welches die besondere Konzentration bei den Kindern auslöst. Anschließend wird näher auf den Unterschied zwischen den armen und reichen Kindern, sowie das Krankheitsbild gegenüber dem Gesundheitsbild des Menschen eingegangen. Weitere Offenbarungen von Montessori sind die sensiblen Perioden, die Schweigelektion und die Welt des Kindes, die sie mit der Welt der Erwachsenen vergleicht. Es folgt eine Kritik und die eigene Meinung und schließt mit einer Zusammenfassung ab.

1. Texterörterung

1.1 Das Kind offenbart sich selbst

Montessori strukturiert ihren Text folgendermaßen: Sie beginnt mit einer Einleitung (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.1f.), in der sie auf den Hauptteil vorbereitet. Montessori stellt ihren Lebenslauf vor, wie es dazu gekommen ist, dass sie in San Lorenzo mit den Kindern in Berührung gekommen ist, an denen sie die Offenbarungen erkannt hat. Anschließend folgt der Hauptteil (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.119f.), in dem Montessori die Erfahrungen und Offenbarungen schildert, die sie gemacht hat.

Bei diesen Offenbarungen handelt es sich um die Welt des Kindes, die das Kind selbst aufzeigt. Das Kind erzieht sich selbst, indem es seinen inneren Bedürfnissen und sensiblen Perioden folgt, die von innen aus dem Kind heraus kommen. Das Kind hat ein inneres Bedürfnis nach Konzentration, Stille und Anstrengung. Durch den Ausruf des Kindes „Hilf mir, es selbst zu tun“ appelliert das Kind an den Erwachsenen nach Hilfe und gleichzeitig nach Unabhängigkeit und Freiheit. Der Erwachsene kann dem Kind entgegenkommen, indem er bestimmtes Material zur Verfügung stellt und dem Kind die Mithilfe bei häuslichen Arbeiten ermöglicht.

Um diese Offenbarungen zu verdeutlichen, was das Ziel des Textes ist, geht Montessori auf verschiedene inhaltliche Aspekte ein. Sie beschreibt ihre eigene Entwicklung, die Umstände der Kinder in San Lorenzo, die Offenbarungen, die sie gemacht hat, das Material, die Konzentration, den Unterschied zwischen armen und reichen Kindern, das Krankheitsbild gegenüber dem Gesundheitsbild des Menschen, die sensiblen Perioden, die Schweigelektion und den Vergleich der Welt des Kindes und der Welt der Erwachsenen. Montessori zieht in ihrem Text sehr viele Beispiele heran, um damit ihre Thesen zu verdeutlichen und zu belegen. Bei den Beispielen handelt es sich meistens um Ausschnitte aus ihren Erfahrungen aus dem Alltag mit den Kindern in San Lorenzo (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.119f.). Montessori stützt sich auf diese Beispiele und nutzt sie als vollständige Belege für ihre Ansichten.

Es gilt zunächst die zentrale Aussage des Textes „Das Kind offenbart sich selbst“ zu untersuchen. Es bedeutet, dass das Kind seinen inneren Bedürfnissen folgt und selbst weiß, was zu welcher Zeit gut für es ist. Das Kind lebt in einer eigenen Welt, in der es seinen sensiblen Perioden folgt und seine Bedürfnisse nach Anstrengung, Ruhe und Konzentration befriedigt. Das Wort „Offenbarungen“ wird gewöhnlich mit den Offenbarungen von Jesus Christus verbunden. Montessori benutzt es im Bezug auf das Kind und befördert es somit auf die Position des mächtigsten Menschen der Welt. So wie Jesus Christus enormen Einfluss auf die Menschheit hatte, so ist auch das Kind in der Lage einen gewaltigen Einfluss auszuüben.

Montessori beginnt ihren Text damit, dass sie erklärt, dass es mühsam sei die Enthüllungen der Kinder zu beschreiben, aber dass sie es dennoch gerne tun möchte (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.1f.). Mit diesen ersten Worten zeigt die Autorin, dass es für sie schwierig ist, die Offenbarungen zu schildern und dass es auch schwierig sein könnte die Welt des Kindes zu verstehen. „Etwas in uns selbst hindert uns, das Kind zu verstehen“ (Montessori 1965, S.1, Z.4) ist diesbezüglich die provokative Aussage der Verfasserin. Was dieses „etwas“ ist, darauf wird nicht weiter eingegangen, Montessori stellt diese These auf, ohne sie weiter zu erläutern und verständlich zu machen. Die Autorin benutzt die Metaphern „hinter einer Maske verborgen“ (Montessori 1965, S.1, Z.5) und „versteckt […] unter einer Vermummung“ (Montessori 1965, S.1, Z.5f.), um die Hinderung zu verdeutlichen, in welchen die Menschen gefangen sind. Montessori erklärt, dass es Hindernisse zwischen den Erwachsenen und den Kindern gibt (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.8f.). Die Wiederholung des Wortes „Hindernisse“ (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.8, 11) untermauert seine Bedeutsamkeit, denn die Autorin hat das Ziel, diese Hindernisse zu durchbrechen.

Montessori sieht ihre eigene Entwicklung als Hindernis für die Enthüllung des Kindes an (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.11). Sie beschreibt ihre berufliche Karriere und geht dabei auch auf andere Wissenschaftler ein (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.15f.). Der Grund für die Beschreibung ihres Lebens besteht darin, dass Montessori aufzeigt, dass sie Erfahrung hat und sie damit ihrem Text mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Montessori beschäftigt sich mit Medizin und Pädagogik (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.20f.) und sieht sich selbst als Nachfolgerin der wissenschaftlichen Pädagogik an (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.24f.). Damit befördert sich die Autorin selbst und bereitet darauf vor, dass eine große Erkenntnis folgen wird. Montessori beschreibt ihren Einsatz in der Schule für zurückgebliebene Kinder, die sie gegründet hat (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.27). Die Autorin wiederholt häufig, dass sie sowohl medizinische, wissenschaftliche wie auch pädagogische, praktische Arbeit geleistet hat (vgl. Montessori 1965, S.1, Z.21, 30,42). Damit zeigt sie ihr professionelles Handeln, dass sie sowohl die Theorie als auch die Praxis beherrscht. Montessori beschreibt ihre Tätigkeiten als Dozentin der Universität Rom und als Ärztin und erklärt, dass sie erst nach jahrelanger Arbeit mit den Kindern, die für die Enthüllungen sorgen, in Berührung kommt (vgl. Montessori 1965, S.2, Z.45f.).

Die Autorin geht auf diesen Aspekt, die Berührung mit den Kindern in San Lorenzo, näher ein und beschreibt die Umstände, in denen die Kinder leben (vgl. Montessori 1965, S.2-3). Es handelt sich nicht um eine Schule, sondern um einen Raum, in dem die Kinder sich aufhalten sollen, damit sie nicht auf der Straße herumlungern (vgl. Montessori 1965, S.2-3). Montessori beschreibt die Situation, indem sie bildlich das Verhalten der Kinder beschreibt (vgl. Montessori 1965, S.3). Die Zustand der Kinder scheint bedauerlich und bemitleidenswert, dies unterstreichen die Ausdrücke „unbeholfen“ (Montessori 1965, S.3, Z.86), „heulende Kinderschar“ (Montessori 1965, S.3, Z.88), „unruhig zweifelnden Blick“ (Montessori 1965, S.3, Z.88), „elenden Häusern“ (Montessori 1965, S.3, Z.90), „schmutzigen Straßen“ (Montessori 1965, S.3, Z.90) und „unterernährt und blutarm“ (Montessori 1965, S.3, Z.91). Die Eltern dieser Kinder sind „fast alle Analphabeten und Tagelöhner“ (Montessori 1965, S.3, Z.89), was die Situation noch untermauert. Auf die Lage der Eltern geht Montessori später erneut ein (vgl. Montessori 1965, S.9, Z.378f.), allerdings in einem anderen Zusammenhang. Dabei geht es um die intellektuellen Fähigkeiten der Kinder, die über denen der Eltern liegen, da die Kinder lesen und schreiben können, im Gegensatz zu ihren Eltern, die zum großen Teil Analphabeten sind (vgl. Montessori 1965, S.9). Es wird dabei aber nicht noch einmal explizit wiederholt, dass die Eltern Analphabeten sind. Um dies also zu verstehen, muss man den vorherigen Teil des Textes gelesen haben. Dies verdeutlicht, dass die Inhalte des Textes „Das Kind offenbart sich selbst“ aufeinander aufbauen.

Montessori schreibt, dass sie nicht weiter auf die Umstände eingehen wird (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.94), tut es aber trotzdem, indem sie die räumliche Gestaltung schildert. Diese vergleicht sie mit einem Café (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.100). Die Funktion davon ist, dass man es sich leichter vorstellen kann, da das Café eine Räumlichkeit ist, die jedem Menschen bekannt ist.

Montessori kündigt die Offenbarungen, die die Kinder in San Lorenzo ausgelöst haben, immer wieder auf verschiedene Arten an, beschreibt sie aber nicht direkt. Die Autorin leitet einen neuen Aspekt häufig mit den Worten „es ist eigenartig“ (Montessori 1965, S.5, Z.174) ein. Diese Einleitung eines neuen Themas wiederholt sich im Laufe des Textes mit den Worten „merkwürdig“ (Montessori 1965, S.7, Z.271, 291; S.9, Z.378) und „eindrucksvoll“ (Montessori 1965, S.8, Z.320). Diese Wortwahl bereitet auf einen neuen Aspekt und eine neue Erkenntnis vor. Sie verbindet die Offenbarungen des Kindes mit den Eigenschaften eigenartig, merkwürdig und eindrucksvoll und baut so Spannung auf die Enthüllungen dieser Offenbarungen auf. Die Ursache dafür, dass Montessori die Offenbarungen gemacht hat, liegt ihrer Meinung nach im „Schicksal“ (Montessori 1965, S.2, Z.62) und ist ein „Wunder“ (Montessori 1965, S.2, Z.71). Diese Worte zeigen deutlich auf, dass Montessori über die Enthüllungen überrascht ist und es für eine außergewöhnliche und besondere Erkenntnis hält.

Mit dem Ausdruck „So begannen wir also“ (Montessori 1965, S.3, Z.118) schließt die Autorin den Einleitungsteil ab und findet die Überleitung zum Hauptteil. Dieser Satz bereitet darauf vor, dass nun die Offenbarungen des Kindes und eine Erkenntnis folgen werden, worauf in der Einleitung zuvor nicht eingegangen wird.

Der Hauptteil beginnt mit den Worten „Die erste Offenbarung“ (Montessori 1965, S.3, Z.119). Auffallend ist, dass die Autorin an dieser Stelle mit einer Aufzählung beginnt, die sie allerdings nicht mehr weiter führt, es werden keine weiteren Offenbarungen deutlich aufgelistet.

Montessori streift einen weiteren Aspekt, der nicht in direkter Anbindung zum Vorherigen steht, aber für die Offenbarungen eine Rolle spielt.

Die Verfasserin geht auf die Materialien ein, die sie den Kindern gegeben hat (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.102f.). Diese Materialien sind der Auslöser für die Offenbarung (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.119f.). Der Grund dafür, warum sie den Kindern die Materialien gibt, ist der, dass sie „sonst nichts Gutes tun konnte“ (Montessori 1965, S.3, Z.102). Aber sie schreibt, dass sie das Ziel hatte die Reaktionen von anormalen und normalen Kindern zu vergleichen (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.105f.) und „eine Art psychologische Diagnose zu stellen“ (Montessori 1965, S.3, Z.109f.). Montessori stellt das Gebrauchen der Materialien folglich zuerst als Zufall oder Schicksal dar, schreibt aber anschließend, dass es einen Sinn gibt, wieso sie diese Materialien eingeführt hat. Die Materialien werden mit feinen Instrumenten verglichen (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.112f.), um zu zeigen, wie wertvoll diese Gegenstände sind. Neben diesen Materialien gibt es „auch prächtiges Spielzeug“ (Montessori 1965, S.3, Z.114) von vornehmen Damen (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.114). Durch die Wiederholung des Wortes „prächtig“ (Montessori 1965, S.3, Z.114, 116) und der Aussage, dass selbst in den Träumen die Kinder sich nicht solches Spielzeug hätten vorstellen können (vgl. Montessori 1965, S.3, Z.115f.) hebt die Autorin dieses Spielzeug hervor.

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Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640683543
ISBN (Buch)
9783640683444
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154759
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
Textanalyse Aufsatzes Kind Maria Montessori Niederländischen Helene Helming

Autor

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Titel: Textanalyse des Aufsatzes "Das Kind offenbart sich selbst" von Maria Montessori, aus dem Niederländischen übersetzt von Helene Helming