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Außenpolitische Entscheidungstheorien nach Graham T. Allison

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung
1.1 Definition des Entscheidungsbegriffs
1.2 Grundannahmen an ein entscheidungstheoretisches Modell
1.3 Ursprung und Historie außenpolitischer Entscheidungstheorien nach Allison

2.0 Modell der rationalen Entscheidungsfindung
2.1 Modell der organisatorischen Entscheidungsfindung
2.4 Modell der bürokratischen Entscheidungsfindung
2.5 Vergleich zwischen den Modellen

3.0 Fazit

Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Zwischen welchen Handlungsalternativen hatte die Regierung Kennedys während der Kuba-Krise zu entscheiden? Welche Vor- und Nachteile ergaben sich aus den unterschiedlichen Optionen? Welche Aspekte waren für die Blockade Kubas ausschlaggebend?

Die Internationalen Beziehungen und die damit verbundene Teildisziplin der Internationalen Politik gelten als ein sehr junges Forschungsgebiet der Politikwissenschaft. Das wissenschaftliche Interesse an außenpolitischen Prozessen führte im Rahmen einer Ausdifferenzierung der Internationalen Politik (IP) zu neuen Forschungen und brachte spätestens in den siebziger Jahren sehr interessante Ansätze für eine umfassendere Analyse hervor. Eines der Ziele war und ist die planmäßige Ausrichtung außenpolitischer Prozesse sowie eine damit verbundene Rationalisierung der Entscheidungsprozesse, die meist über eine längere Zeitspanne analysiert wird.

Im Allgemeinen lassen sich die Ansätze der außenpolitischen Entscheidungstheorien als heterogen bezeichnen, da sie sowohl auf rationalanalytischer, psychologischer, organisatorischer, kybernetischer und kognitiver Ebene betrachtet werden.

Diese Arbeit konzentriert sich auf die Forschungen um die außenpolitischen Entscheidungstheorien nach Graham T. Allison, welcher anhand seines Werkes „The Essence of Decission“ versuchte, für die oben umschriebenen Fragestellungen eine Antwort zu finden. In seinen entscheidungstheoretischen Studien kritisierte Allison die einfältigen Untersuchungen, die das zunächst angeführte Modell des rationalen Akteurs mit sich brachte. Er stellte zwei ergänzende Modelle auf, zum Einen das Modell der organisatorischen

Prozesse, zum Anderen das Modell der bürokratischen Politik.

Im Folgenden werde ich zunächst den Entscheidungsbegriff einer Definition unterziehen. Im Weiteren möchte ich auf die Grundannahmen, die an ein entscheidungstheoretisches Modell gestellt werden müssen, näher eingehen. Ausgehend von den Ursprüngen der Entscheidungstheorien werde ich im Hauptteil eine gezielte Erläuterung der Unterschiedlichen Modelle Allisons anstreben. Der sich anschließende Vergleich zwischen den Modellen soll auf der einen Seite die Möglichkeit einer Gegenüberstellung bieten, auf der anderen Seite aber auch aufzeigen, inwieweit die Modelle miteinander verknüpft sind und untereinander korrelieren. In meinem Fazit werde ich auf die Aktualität der außenpolitischen Entscheidungsmodelle von Allison eingehen und einen knappen Überblick über den aktuellen Forschungsstand der internationalen Beziehungen in diesem Forschungsfeld abliefern.

1.1 Definition des Entscheidungsbegriffs

„Entscheidung ist ein Prozeß, welcher zur Auswahl eines Projektes aus einer gesellschaftlich definierten begrenzten Anzahl von in Frage stehenden, alternativen Projekten führt, um einen von der Entscheidungsträgern angestrebten zukünftigen politischen Zustand zu erreichen.“[1]

Aus jeder Entscheidung resultiert eine Handlungsstrategie, die wiederum auf der Grundlage eines angestrebten Projektes liegt. Der Begriff Projekt umschließt sowohl das angestrebte Ziel, als auch die angewandte Technik. Die umzusetzende Handlungsweise orientiert sich stets am geplanten Ergebnis. Dies setzt voraus, dass die entscheidenden Akteure von der Absicht geleitet sind, durch ihr Handeln einen Erfolg zu erzielen. Alle Mittel, die das Projekt in seiner Umsetzung erfassen, sind gesellschaftlich definiert.[2]

Besonders die Außenpolitik ist von Entscheidungen, die aus Interaktionen zwischen den einzelnen Staaten resultieren, dominiert. Dabei spielen politische Einflüsse und Handlungsabläufe eine wesentliche Rolle, wenn es um die Entscheidungsfindung einer Regierung, innerhalb eines speziellen Projektes geht. Eine außenpolitische Entscheidung umfasst mindestens zwei Möglichkeiten zu Handeln. Im Zentrum jeder Entscheidungsfindung steht die Frage, ob ein Staat eine Handlung vollzieht oder nicht. Er hat damit die Auswahl zwischen den gegebenen Alternativen und wägt sie unter den zu berücksichtigenden Kriterien für sich ab. Die Wahl zu einer außenpolitischen Entscheidung unterliegt vielen Einflüssen und Faktoren, die zum Beispiel richtungsweisend auf eine angestrebte Strategie einwirken können. Es gilt als eine Ausnahme, wenn ein Staat seine außenpolitische Entscheidung auf nur eine Handlungsmöglichkeit beschränkt sieht. Die Prozesse, in die sich ein Staat bei seiner Entscheidungsfindung meist verwickelt sieht, sind vielfältig und variieren.

Besonders im Fokus stehen hierbei die äußeren Umstände, unter deren Einfluss eine Entscheidungssituation steht. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, welche Bedeutung und Dringlichkeit einem Problem zukommt und in welchem Zeitrahmen eine Reaktion auf ein Ereignis folgen sollte. Die Theorien zur Entscheidungsfindung innerhalb der Außenpolitik sollen bei der Betrachtung einen Orientierungsrahmen bieten und die Möglichkeit eröffnen, ein realistischeres und umfassenderes Verständnis für die internationale Politik zu entwickeln.[3]

1.2 Grundannahmen an ein entscheidungstheoretisches Modell

Methoden zur Entscheidungsfindung finden in den Bereichen der Wirtschaft oder Militär weitaus häufiger Anwendung, als in der internationalen Politik. Sie dienen in jedem Bereich als Hilfsmittel und Orientierungspunkt und machen eine Entscheidung analysierbar. Der Grundgedanke dieser entscheidungstheoretischen Modelle ist in jedem Bereich gleich. Es wird zwischen zwei Entscheidungstypen unterschieden. Zum Einen sind es die Entscheidungen bei Sicherheit, zum Anderen die Entscheidungen bei Risiko.[4]

Bevor es jedoch zu einer Entscheidungsfindung kommt müssen zwei Dinge geklärt werden. In dem ersten Schritt muss eine Strategie gefunden werden, die es ermöglicht, das gegebene Problem zu lösen. In dem zweiten Schritt liegt das Ziel darin, eine Präferenzordnung zu erstellen, die es dem Entscheidenden ermöglicht, seine Prioritäten in die Strategie einzubringen. Sollte es sich bei dem Entscheidenden nicht um eine Einzelperson handeln, sondern um ein ganzes Gremium, so stellt der zweite Schritt eine besondere Schwierigkeit da. Das Problem besteht meist darin, sich auf eine gemeinsame Präferenzordnung, bei oftmals unterschiedlichen Meinungen, zu einigen. Selbst Mehrheitsentscheidungen sind in diesen Fällen nicht immer förderlich, da das Phänomen des Abstimmungsparadoxes besteht.[5]

Dabei gilt, dass die Mehrheitsregel meistens instabil ist, da eine einmal getroffene politische Entscheidung durch eine abweichende Mehrheitskoalition zum kippen gebracht werden kann.

Eine Abfolge von Entscheidungen wird konstruiert, indem die jeweils zuerst gefallene Entscheidung durch die nachrückenden Entscheidungen anderer Maßnahmen abgelöst wird. Diese weichen dann wiederum der ursprünglichen Entscheidung und das vollzieht sich in einem Kreislauf ähnlichen Zustand. Ein Phänomen, was auch unter dem Namen „zyklische Mehrheiten“ bekannt ist.[6]

Sind die vorangegangenen Dinge zur Strategiefindung und Präferenzordnung geklärt so bleiben die zwei unterschiedlichen Entscheidungstypen. Eine „Entscheidung bei Sicherheit“ bedeutet, die Strategie auszuwählen, die zu einem bestmöglichen Resultat führt. Aufgrund der bestehenden Bedeutungslosigkeit einer solchen Zuordnung, werden Entscheidungen bei Sicherheit oft nicht einmal zu den Gegenständen der Entscheidungstheorien gezählt. Bei den meisten Definitionen werden nur die Entscheidungen in einer Risikosituation berücksichtigt. Diese Entscheidungen stehen im Kontrast zu den Entscheidungen der Sicherheit und können nicht miteinander verglichen werden.

Bei Risikoentscheidungen beziehungsweise Unsicherheit erstellt man eine Wahrscheinlichkeitsberechnung, die entweder auf die Stabilisierung der Situation, oder aber den maximalen Nutzen unter der Einberechnung des Risikos, abzielt.

In diesem zweiten Fall können die Konsequenzen der eigenen Entscheidung meistens nicht vorhergesehen werden. Die Begründung für diesen Zustand ist, dass der Gegenspieler, von dessen Entscheidung die Gesamtsituation ebenfalls abhängig ist, gleichzeitig als rational und gezielt entscheidende Person gesehen werden muss. Der Entscheidungsfindung des Gegenspielers kann keine Wahrscheinlichkeit zugeordnet werden, was der Domäne der Spieltheorie zuzuordnen ist.[7]

[...]


[1] Snyder, C. Richard / Bruck, H. W. / Sapin, Burton (1975): Entscheidungsanalyse und internationale Beziehungen, in: Haftendorn, Helga (Hrsg.): Theorie der Internationalen Politik. Gegenstand und Methoden der Internationalen Beziehungen. Hamburg, S 232

[2] Vgl. Snyder, C. Richard / Bruck, H. W. / Sapin, Burton (1975): Entscheidungsanalyse und internationale Beziehungen, in: Haftendorn, Helga (Hrsg.): Theorie der Internationalen Politik. Gegenstand und Methoden der Internationalen Beziehungen. Hamburg, S 232

[3] Vgl. Willhelm, Andreas Dr. (2006): Außenpolitische Entscheidungen, in: Mohr, Arno Dr. (Hrsg.): Außenpolitik. Grundlagen, Strukturen und Prozesse. Lehr- und Handbücher der Politikwissenschaft. München, S. 135-136

[4] Vgl. Krelle, Wilhelm (1975): Entscheidungstheoretische Methoden in der auswärtigen Politik, in: Haftendorn, Helga (Hrsg.): Theorie der Internationalen Politik. Gegenstand und Methoden der Internationalen Beziehungen. Hamburg, S 244

[5] Vgl. Lehmkuhl, Ursula Dr. (1996): Entscheidungstheorien, in: Mohr, Arno Dr. (Hrsg.): Theorien Internationaler Politik. Einführung und Texte. Lehr und Handbücher der Politikwissenschaft. München, S. 138

[6] Green, Donald P. (1999): Gesetzgebung und Abstimmungsparadox, in Green, Donald P. / Shapiro, Ian (Hrsg.): Rational Choice. Eine Kritik am Beispiel von Anwendungen in der Politischen Wissenschaft. München, S. 132

[7] Vgl. Krelle, Wilhelm (1975): Entscheidungstheoretische Methoden in der auswärtigen Politik, in: Haftendorn, Helga (Hrsg.): Theorie der Internationalen Politik. Gegenstand und Methoden der Internationalen Beziehungen. Hamburg, S 245-246

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640676224
ISBN (Buch)
9783640676200
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154556
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,3
Schlagworte
Außenpolitische Entscheidungstheorien Graham Allison

Autor

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