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Amerikanisierung von Wahlkämpfen in Deutschland

Seminararbeit 2009 21 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen und Erklärungsansätze
2.1. Modernisierungstheorie
2.2. Die Amerikanisierungstheorie
2.3. Indikatoren der Amerikanisierung
2.3.1. Personalisierung im amerikanischen Präsidentschaftswahlkmpf
2.3.2. Professionalisierung im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf
2.3.3. Mediatisierung im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf

3. Die deutschen Bundestagswahlkämpfe von 1998 und
3.1. Personalisierung deutscher Wahlkämpfe
3.1.1. Personalisierung in der Wahlkampfführung
3.1.2. Personalisierung in der Medienberichterstattung
3.1.3. Vergleich der Personalisierung zwischen der BRD und USA
3.1. Professionalisierung deutscher Wahlkämpfe
3.1.1. SPD Wahlkampfzentrale „KAMPA“
3.1.2. Wahlkampfzentrale der Unionsparteien „Arena 02“
Abbildung 4:Organigramm der CDU/CSU-Kampagne 2002
3.1.3. Vergleich der Professionalisierung zwischen der BRD und USA
3.1. Mediatisierung deutscher Wahlkämpfe
3.1.1. Die Rolle des Fernsehens
3.1.2. Die Rolle der Printmedien
3.1.3. Vergleich der Mediatisierung zwischen der BRD und USA

4. Vergleichende Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:Zwei Zugänge zum Konzept der Amerikanisierung.

Abbildung 2:Zwei Modelle der weltweiten Diffusion amerikanischer Kampagne- und Marketingtechniken

Abbildung 3:Partneragenturen der KAMPA.

Abbildung 4:Organigramm der CDU/CSU-Kampagne 2002

Abbildung 5:Strukturbedingungen der politischen Kommunikation im Vergleich

Abbildung 6:Vergleich zwischen amerikanischen und westeuropäischen Kampagnen

1. Einleitung

Die Diskussion um die Amerikanisierung deutscher Wahlkämpfe wird wenigstens alle vier Jahre wiederbelebt, und das seit 40 Jahren, als sich Willy Brandt für den Bundeswahlkampf 1961 zum ersten Mal am amerikanischen Vorbild orientierte.[1]

Ihren bisher letzten Höhepunkt erreicht die „Amerikanisierungsdebatte“ 1998 und 2002. Im scheinbar innovativen SPD-Wahlkampf inklusive der Rekrutierung von Wahlkampfexperten (Spin Doctors) sowie den erstmals ausgetragenen TV-Duellen sah die Presse einen Umbruch in der deutschen Wahlkampfführung.

Die These von der Amerikanisierung bundesdeutscher Wahlkämpfe wird von den öffentlichen Medien zunehmend vertreten und kritisiert und wird trotz relativ weniger empirischer Befunde auch in Teilen der Wissenschaft ausführlich diskutiert. Was wird jedoch unter dem Amerikanisierungsbegriff verstanden und in wie weit kann von einer Amerikanisierungstendenz in bundesdeutschen Wahlkämpfen gesprochen werden? Diese Fragen sollen im Laufe der Arbeit diskutiert und beantwortet werden.

Zu diesem Zweck wird zunächst die Amerikanisierungsthese begrifflich abgegrenzt, indem die in der Literatur gängigen Erklärungsmodelle kurz vorgestellt werden. Hieraus werden dann Indikatoren abgeleitet und erläutert, die für den amerikanischen Wahlkampf charakteristisch sind. Daran anschließend beschäftigt sich der Hauptteil mit der Untersuchung bezüglich der Ausprägung dieser „Amerikanisierungsindikatoren“ speziell für die bundesdeutschen Wahlkämpfe von 1998 und 2002, vergleicht die Situation in beiden Ländern und zeigt mögliche Ursachen für unterschiedlichen Ausprägungen auf. Untersuchungsgegenstand sind die Kampagnen der SPD und CDU/CSU. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und einer kritischen Beurteilung der anfangs dargestellten Erklärungsansätze unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse.

2. Begriffsdefinitionen und Erklärungsansätze

Zur Klärung der Frage, was sich überhaupt hinter dem viel zitierten Amerikanisierungsbegriffs verbirgt, sollen zunächst die in der Literatur häufigsten diskutierten Erklärungsansätze vorgestellt werden, die die Veränderungen der Wahlkampfführung begründen. Demnach hat die Amerikanisierungsdiskussion zwei gängige Erklärungsansätze hervorgebracht: DieModernisierungstheorieund dieAmerikanisierungs- bzw. Diffusionstheorie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:Quelle Plasser (2003), S. 37.

2.1. Modernisierungstheorie

Vertreter der Modernisierungstheorie wie Christina Holtz-Bacha oder Winfried Schulz gehen davon aus, dass alle Gesellschaften einem generellen sozialen Wandel unterliegen, der die Herausbildung neuer Wahlkampftechniken und -methoden erfordert. Da neue Wahlkampfpraktiken in den USA am weitesten fortgeschritten sind, wird dieser Wandel als lediglich im Vergleich zu den USA verzögerte Adaption an die gesellschaftlich-soziale Modernisierung und die erhöhte Bedeutung der Massenmedien interpretiert.[2]Die Vereinigten Staaten treten somit gewissermaßen als „Pionier“ einer Entwicklung auf, die zeitverzögert in anderen Ländern zu beobachten ist.

Im Zusammenhang mit Wahlen äußert sich ein sozialer Wandel in Form von Auflösung traditioneller Bindungen der Wähler an sozialen Milieus, einer sinkenden Wahlbeteiligung und der steigenden Anzahl von Wechselwählern. Die Gesellschaft differenziert sich, es entstehen verschiedene Lebensstilgruppen, die politisch als weniger stabil gelten.[3]Nach RADUNSKI entscheiden Wähler unberechenbarer, wechselhafter und enthaltungsbereiter sowie emotionaler, wodurch Stimmungsschwankungen Wahlen entscheidend beeinflussen können.[4]

Neben den Wählern unterliegen auch Parteien und Medien einem Strukturwandel, wobei sich die veränderten Kommunikationsverhalten der Akteure gegenseitig beeinflussen. Somit verstehen Anhänger der Modernisierungsthese die Modernisierung der Wahlkämpfe als einen Teilbereich einer umfangreichen Modernisierungsbewegung in Gesellschaft, Politik, und Medien, deren Komponenten sich wechselseitig beeinflussen. Im Gegensatz zur Amerikanisierungstheorie begründet die Modernisierungstheorie die Orientierung politischer Akteure an amerikanische Wahlkampfmethoden mit der Vorreiterrolle der USA, die hierzulande dann als „amerikanisiert“ empfunden werden.[5]

2.2. Die Amerikanisierungstheorie

Vertreter der Amerikanisierungstheorie wie bspw. Peter Radunski und Albrecht Müller verstehen unter der Amerikanisierung der Wahlkampfführung grundsätzlich die Tendenz zur Übernahme der in den USA praktizierten Wahlkampfmethoden. PLASSER charakterisiert die Amerikanisierung als einen gerichteten und einseitigen Konvergenzprozess zwischen den Vereinigten Staaten und einem „adoptierenden Land“, bei dem sich zentrale Parameter der Handlungslogik von Wahlkampfakteuren denen der entsprechenden Akteure in den USA annähern. Dieser Prozess vollzieht sich unabhängig von institutionellen Restriktionen des adoptierenden Landes.[6] Neben diesen sogenannten „Adoption Model“ werden nach dem „Shopping Model“ lediglich ausgewählte Techniken und Routinen der Organisation professioneller amerikanischer Kampagnepraktiken importiert und in modifizierter Form implementiert, wobei jedoch in jedem Fall die länderspezifischen Besonderheiten des politischen Wettbewerbs beachtet und berücksichtigt werden.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:Quelle Plasser (2003), S. 39.

Im Folgenden werden ausgewählte Indikatoren der Amerikanisierung beleuchtet. Die Auswahl umfasst organisatorische als auch kommunikative Elemente, die in der Politikwissenschaft relativ häufig diskutiert werden. Das Hauptaugenmerk wird auf die Behandlung derPersonalisierungs-,Professionalisierungs- undMediatisierungsstrategieals zentrale Elemente gelegt. Diese Indikatoren konnten in deutlicher Ausprägung in amerikanischen Wahlkämpfen nachgewiesen werden und bilden im Kontext dieser Arbeit die Hauptuntersuchungsmerkmale für den Vergleich.

Im Folgenden werden die Indikatoren der amerikanischen Wahlkampfführung einführend erklärt und deren Bedeutung in US-Wahlkämpfen beschrieben, um eine Vergleichsgrundlage für den bundesdeutschen Wahlkampf schaffen zu können.

2.3. Indikatoren der Amerikanisierung

2.3.1. Personalisierung im amerikanischen Präsidentschaftswahlkmpf

Mit der Personalisierung der Wahlkampfführung wird vor allem der Bedeutungsgewinn der Spitzenkandidaten gegenüber ihrer jeweiligen Partei bezeichnet.[8]Der Präsidentschaftskandidat repräsentiert nicht nur die politischen Botschaften seiner Partei, er ist sozusagen die Nachricht selbst. Seit den Wahlkampfauftritten des Darstellungsprofis Ronald Reagan in den 80er Jahren hat sich die Tendenz zur Personalisierung der amerikanischen Wahlkämpfe weiter zugespitzt: „Der Kandidat ist nunmehr die Botschaft, seine Auftritte, die Diskussion seiner Stärken und Schwächen sind das eigentliche Medienereignis. Inhalte der Berichterstattung, namentlich in den elektronischen Massenmedien, sind nicht mehr die Wahlprogramme und politische Richtungsentscheidungen, die mit dem Wahlausgang verbunden sind, sondern das Abschneiden der Spitzenkandidaten in Debatten und Talkshows sowie die neuesten Ereignisse von Meinungsumfragen darüber.[9]In diesem Zusammenhang wird auchvon einer Entkoppelung von Kandidat und Parteigesprochen, da der Spitzenkandidat nicht zwangsläufig in erster Linie als Repräsentant seiner Partei fungiert.[10]

[...]


[1]Wagner (2005), S. 24.

[2]Vgl. Kuhn (2007), S. 7.

[3]Vgl. Holtz-Bacha (2002), S. 26.

[4]Vgl. Radunski (1996), S. 35.

[5]Vgl. Donges (2000), S. 36.

[6]Vgl. Plasser (2000), S. 50.

[7]Vgl. Plasser et al. (1999), S. 105.

[8]Vgl. Schönbach (1996), S. 94 f.

[9]Falter (2003), S. 146.

[10]Vgl. Brettschneider (2002), S. 16.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640671793
ISBN (Buch)
9783640671960
Dateigröße
900 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154500
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Politikwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Amerikanisierung Wahlkämpfen Deutschland

Autor

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Titel: Amerikanisierung von Wahlkämpfen in Deutschland