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Frauen in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft

Hausarbeit 2001 21 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Arbeitsmarktsituation deutscher Frauen

3. Frauen in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft
3.1. Arbeitsmarktsituation weiblicher Führungskräfte
3.2. Gründe für die Unterrepräsentanz von Frauen in FP
3.3. Anforderungen an weibliche Führungskräfte
3.4. Der Balanceakt von Frauen in Führungspositionen
3.5. Barrieren auf dem Weg nach oben

1. Einleitung

Blickt man auf die Geschichte der weiblichen Emanzipation zurück, wird deutlich, dass im Laufe der letzten zweihundert Jahre der Kampf des weiblichen Geschlechts um die Gleichstellung von Mann und Frau nur schritt- weise von Erfolg gekrönt war. Aufgrund ihrer traditionell untergeordneten Stellung in der Gesellschaft war es Frauen seit jeher nur begrenzt möglich, sich gegen die allgegenwärtige männliche Dominanz zur Wehr zu setzen.

Im 19. Jahrhundert verursachte der Übergang von der traditionellen Agrar- gesellschaft zur modernen Industriegesellschaft eine Umorganisation des gesellschaftlichen und sozialen Lebens: „ Es entstanden unterschiedliche soziale Systeme wie Politik, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft und Familie .1. Als Folge dieser Umstrukturierung kam es zu einer verstärkten Trennung der Einheit von Arbeit und Leben. Dies verursachte die Entwicklung einer arbeitsteiligen Gesell- schaftsform. Jedoch blieb die individuelle Selbstverwirklichung in den verschiedenen sozialen Systemen des öffentlichen Lebens ein männliches Phänomen. Der Wirkungsbereich der Frau beschränkte sich weiterhin auf das familiäre Leben; das Erfüllen mütterlicher und häuslicher Pflichten. Somit gab es zwar eine Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, aber sie orientierte sich am traditionellen geschlechterspezifischen Rollenverständnis der Gesellschaft. Legitimiert wurde die geschlechterhierarchische Arbeitsteilung durch das Argument der unterschiedlichen biologischen Konstitution von Mann und Frau.

Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts stellten die Bildungsreform und die beginnende Frauenbewegung die geschlechterhierarchische Arbeitsteilung und das traditionelle Rollenverständnis öffentlich in Frage. Frauen protestierten gegen die Alleinherrschaft des männlichen Geschlechts im öffentlichen Leben und erkämpften sich ihr Recht auf eine Teilhaberschaft. Individuelle Lebens- gestaltung und Selbstverwirklichung wurden zu einer kollektiven Aufgabe – die Frage nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewann zunehmend an Bedeutung. Was jedoch vor 40 Jahren als ein Meilenstein im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter galt, scheint aus heutiger Sicht erst der Anfang eines Jahrhundertkonfliktes um die gesellschaftliche Rolle, die Rechte und Pflichten der Frau. Selbst in der vollindustrialisierten, modernen Gesellschaft des beginnenden 21. Jahrhunderts werden Frauen in der Berufswelt und im Privatleben mit einem überholten gesellschaftlichen Rollenverständnis

konfrontiert. Obwohl sich seit den 60er Jahren die Stellung der Frau, insbesondere im Berufsleben, stark zum Positiven verändert hat, ist die geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt keine Seltenheit. Noch immer spielen Frauen im Beruf häufig eine untergeordnete Rolle. Dies zeigt, wie sehr die Gesellschaft noch von traditionellen Geschlechtsstereotypen und einem überholten geschlechts- spezifischen Rollenverständnis beeinflusst wird. So werden dem weiblichen Geschlecht Attribute wie Fürsorglichkeit, Mütterlichkeit, Abhängigkeit und Passivität zugeordnet. Frauen gelten als wenig ehrgeizig, nicht abenteuerlustig und nicht wettbewerbsorientiert. Jedoch sind sie die emotionalen Manager zwischenmenschlicher Beziehungen. Daher passen sie bestens in die Rolle der Hausfrau und Mutter (privater Lebensbereich). Dagegen qualifizieren Attribute wie Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit den männlichen Geschlechts- stereotypen bestens für seine Rolle im öffentlichen Leben und der Arbeitswelt.

Besonders in der Berufswelt wird geschlechtstereotypisches Denken noch heute gerne genutzt, um das weibliche Arbeitsvermögen zu definieren bzw. Frauen auf die unteren Ränge in der Berufshierarchie zu verweisen. In vielen Fällen fügen sich Frauen sogar widerstandslos diesem Schicksal. Denn aufgrund ihrer weiblichen Sozialisation (siehe Geschlechtsstereotypen) fühlen sie sich oft in typisch weiblichen Berufen (z. B. Dienstleistungsberufe, soziale Berufe, erzieherische Berufe), die meistens in der unteren Berufshierarchie angesiedelt sind, wohl. Jedoch gibt es zunehmend auch Frauen, die sich nicht auf die unteren Ränge der Berufshierarchie verweisen lassen und Führungs- positionen anstreben. In der folgenden Arbeit soll versucht werden, am Beispiel von weiblichen Führungskräften in Unternehmen der deutschen Wirtschaft, die Situation von Frauen, die sich für eine leitende Position im Berufsleben entschieden haben, näher zu beleuchten. Dabei soll ein besonderes Augenmerk den folgenden Fragen gelten: Wie sieht die Arbeitsmarktsituation von Frauen im Allgemeinen und von Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft aus? Welche Anforderungen müssen Managerinnen erfüllen und sind sie ihnen gewachsen? Mit welchen Problemen haben „Karrierefrauen“ in ihrer Position bzw. auf dem Weg nach oben zu kämpfen?

2. Allgemeine Arbeitsmarktsituation deutscher Frauen

Trotz der zunehmenden Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. die Wiedereingliederungsmöglichkeiten von Frauen ins Berufsleben nach der sogenannten Familienphase, zeigen statistische Erhebungen, dass die weibliche Erwerbsbeteiligung in Deutschland im Laufe der letzten zwanzig Jahre nur langsam zugenommen hat. Insgesamt stieg der bundesweite Anteil weiblicher Erwerbstätiger von 1970 (35,9 %) bis 1990 (40,3 %) um nur 4,4 Prozent. Auch auf Landesebene, wie am Beispiel des Landes NRW deutlich wird (siehe Abbildung 1), war nur ein recht zögerlicher Anstieg der weiblichen Erwerbsbe- teiligung zu verzeichnen. So lag sie 1978 in NRW bei 34,4 Prozent. Im Jahr 1997 betrug sie 40,5 Prozent. Folglich ist die weibliche Erwerbsbeteiligung in NRW von 1978 bis 1997 zwar kontinuierlich angestiegen, jedoch nur um insgesamt 6,1 Prozent. Außerdem lag sie auch 1997 noch weit unter der der Männer.

Abbildung 1:2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für die nächsten Jahre wird ein weiterer Anstieg der weiblichen Erwerbsquote prognostiziert; verursacht vor allem durch die Veränderungen im sozialen Miteinander der Geschlechter, das heißt die langsame Auflösung traditioneller Beziehungsgefüge. Zwar genießt noch immer die Ehe, als Form des familiären Zusammenlebens der Geschlechter, die höchste gesellschaftliche Akzeptanz, jedoch gibt es heute auch eine Vielzahl neuer sozialer Lebenssituationen. Der

Mann ist nicht mehr zwangsläufig auf Lebzeiten Ernährer und Beschützer seiner Familie – Lebensgemeinschaften, Singles und alleinerziehende Mütter sind längst keine Seltenheit mehr. Aber während alleinstehende oder alleiner- ziehende Frauen oft einer Berufstätigkeit nachgehen, um ihre Existenz zu sichern, gibt es auch vermehrt verheiratete Frauen, die trotz des finanziellen Rückhalts einen Beruf ausüben. Denn die moderne Frau definiert ihre Lebens- qualität nicht mehr ausschließlich über ihre Kinder, den Partner und ein glückliches Heim. Laut dem Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesund- heit des Landes NRW waren im Jahr 1998 knapp über die Hälfte (51,8 %) aller verheirateten Mütter in NRW berufstätig.3 Gleich ihrem männlichen Pendant strebt die Frau von heute nach Anerkennung im öffentlichen Leben und sucht im Beruf nach Möglichkeiten der Selbstverwirklichung.

Die berufliche Entwicklung ist für viele Frauen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Lebensrealität und Lebensplanung geworden. So zeigen Statistiken einen kontinuierlichen Anstieg des durchschnittlichen Bildungsniveaus der weiblichen Bevölkerung. Eine fundierte Ausbildung oder eine akademische Qualifikation ist mittlerweile auch ein wichtiger Teil der weiblichen Lebensplanung.

Abbildung 2: Vergleich der Schulabschlüsse von Frauen und Männern 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie Abbildung 2 zeigt, haben Frauen im Durchschnitt sogar bessere Schulab- schlüsse als Männer. Derzeit gibt es in Deutschland rund 64 Prozent männliche Schulabgänger ohne Schulabschluss; aber nur rund 36 Prozent weibliche Schulabgänger ohne Abschluss. Auch der Anteil von Frauen mit einer Fach- oberschulreife oder einem Abitur liegt deutlich über dem der Männer.

Aber trotz des steigenden weiblichen Bildungsniveaus gelingt es vielen Frauen nicht, ihrer weiblichen Sozialisation zu entkommen: Laut des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW ist der Anteil junger Frauen in technischen Berufen – trotz guter Entwicklungschancen – noch immer relativ gering. Wie Abbildung 3 zeigt, befinden sich unter den Top Ten der Ausbildungsberufe, die von Frauen am häufigsten gewählt werden, noch immer fast ausschließlich typische Frauenberufe; also Pflegeberufe (z. B. Arzt- helferin, Zahnarzthelferin), Dienstleistungsberufe (z. B. Hotelkauffrau, Ver- käufern, Friseurin)und soziale Berufe. Folglich ist der Anteil junger Frauen, die sich für einen technischen Beruf entscheiden, auch in den Neunzigern noch verschwindend gering. Doch warum wählen Frauen bevorzugt die eben genannten Berufsbereiche? Liv Kionka schreibt dazu: „ Ein Grund [...] ist darin zu sehen, dass Frauen mit den Arbeitsmitteln dieser Berufsbereiche durch die Hausarbeit vertraut sind. [...] Ein weiterer Grund für die Bevorzugung einer Berufstätigkeit in einem der vorgenannten Bereiche ist die Ähnlichkeit der Arbeitsorganisation [...] wie es in den medizinischen Bereichen vorkommt.5

Abbildung 3: 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Schiffers, Barbara: Identitätsproblematik von Frauen in Führungspositionen. Universität Düsseldorf, 1996. S. 13.

2 Quelle: Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung 1978 – 1997 in: Jahrbuch des Statistischen Landesamtes für Datenerfassung und Statistik NRW. Düsseldorf, 1998. S. 246 / eigene Berechnungen und grafische Darstellung.

3 NRW Landesministerium für Frauen und Jugend (Hrsg.):Chancengleichheit im Beruf – Ein Katalog zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf Düsseldorf, 1999. (Quelle: www.mfjfg.nrw.de/u-themen/frauen/chancen).

4 Entnommen aus: ebd. Chancengleichheit im Beruf. Düsseldorf, 1999.

5 Kionka, Liv: Einflussfaktoren auf das Erwerbsleben. S. 84.

6 Entnommen aus: NRW Landesministerium für Frauen und Jugend (Hrsg.):
Chancengleichheit im Beruf – Ein Katalog zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf. Düsseldorf, 1999.
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
(Quelle: www.mfjfg.nrw.de/u-themen/frauen/chancen)

Details

Seiten
21
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638109574
ISBN (Buch)
9783638805872
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1545
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Politikwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Frauen Führungspositionen Wirtschaft

Autor

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Titel: Frauen in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft