Lade Inhalt...

Public Private Partnership als Instrument der Entwicklungszusammenarbeit

Chancen und Grenzen aus Sicht des akteurzentrierten Institutionalismus

Seminararbeit 2006 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Themenaufriss und Fragestellung

1. Der akteurzentrierte Institutionalismus und PPPs in der EZ - eine Einfuhrung
1.1 Der Ansatz des akteurzentrierten Institutionalismus
1.2 Public Private Partnership - eine Begriffsbestimmun

2. PPP als Instrument der Entwicklungszusammenarbeit
2.1 PPP als institutionellerKontext
2.1.1 Die Problematik der asymmetrischen Informationsverteilung
2.1.2 Die Beziehungsmuster und deren Einfluss auf das Akteurhandeln
2.2 Das BMZ und die Wirtschaft - Handlungsorientierungen
2.2.1 Handlungsoptionen des privaten Partners: Gewinnmaximierung versus „Corporate Social Responsibility“
2.2.2 Zwei Ebenen der Handlungsorientierung
2.3 Handeln in Entwicklungspartnerschaften

3.Schlussfolgerungen
3.1 Chancen
3.2 Grenzen
3.2.1 Inwiefern wirkt PPP als Institution auf das Handeln bzw. die
3.2.2 Ist es uberhaupt moglich, dass sich eine Verhaltensanderung der Akteure, wie16 zum Beispiel die Ubernahme sozialer Verantwortung auf Seiten des privaten 16 Partners, bei gleichzeitigerßeibehaltung derjeweiligen Identitaten entwickeln kann?
3.3 Fazit

Literatur

Themenaufriss und Fragestellung

Seit Mitte der 1990er Jahre wird von Seiten des Bundesministeriums fur wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Konzept der Public Private Partnership (PPP) im Rahmen der eigens zu diesem Zweck eingerichteten PPP-Fazilitat forciert. Die sogenannten Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft werden insgesamt von allen beteiligten Akteuren als positiv eingestuft (vgl. die Beitrage von Ulrike Haupt und Michael Blank in E+Z 06/2003). Um erste Erfolge des Konzepts messen zu konnen, gab das BMZ im Jahr 2001 eine Evaluierung in Auftrag. Die Ergebnisse wurden vom Deutschen Institut fur Entwicklungspolitik in einem Synthesebericht zusammengefasst und enthalten einige wesentliche Kritikpunkte zur Durchfuhrung des Konzepts (vgl. Altenburg/Chahoud, E+Z 04/2003). Besonders kritisiert wurde die Kleinteiligkeit der Projekte im Rahmen der PPP-Fazilitat, die mangelnde Partizipation der Partnerlander sowie die Gefahr von Mitnahmeeffekten. Prinzipiell jedoch wird PPP als Implementationsinstrument der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als potentiell erfolgreich eingestuft, sofern es konsequent in die bilaterale EZ integriert wird (vgl. Altenburg/ Chahoud, E+Z 04/2003).

Die Moglichkeiten und Probleme fur PPP-Projekte in der EZ sind bereits vielfaltig diskutiert worden und werden daher in dieser Arbeit nicht genauer untersucht. Das Erkenntnisinteresse ist vielmehr grundlegender Natur. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern PPP als Implementationsinstrument der EZ, in Bezug auf die Akteurkonstellation sowie den institutionellen Kontext, prinzipiell fur die Erreichung nachhaltiger Entwicklung geeignet ist. Es geht also darum, das „Wesen“ einer PPP im Rahmen der EZ zu analysieren. In diesem Zusammenhang sind folgende Fragen von Bedeutung: Inwiefern wirkt PPP als Institution auf das Handeln bzw. die Handlungsorientierungen der beteiligten Akteure ein? Ist es uberhaupt moglich, dass sich eine Verhaltensanderung der Akteure, wie zum Beispiel die Ubernahme sozialer Verantwortung auf Seiten des privaten Partners, bei gleichzeitiger Beibehaltung der jeweiligen Identitaten entwickeln kann?

Um diese Fragen klaren zu konnen, bedarf es spezifischer Analysekriterien. Der Forschungsgegenstand wird mit Hilfe des akteurzentrierten Institutionalismus analysiert, da dieser Ansatz einige konzeptionelle Vorzuge fur die Untersuchung aufweist. Der Aufbau der Arbeit orientiert sich daher an der Arbeit von Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf zum akteurzentrierten Institutionalismus (Mayntz/ Scharpf 1995: 39-72).

Das erste Kapitel leitet in die Begrifflichkeiten 'akteurzentrierter Institutionalismus' und 'PPP' ein. Im zweiten Kapitel wird der Forschungsgegenstand 'PPP in der EZ' betrachtet. Hierbei wird auf PPP als institutioneller Kontext, die Akteure und deren Handlungsorientierungen sowie das Handeln in der spezifischen Akteurkonstellation einer PPP in der EZ eingegangen.

Die Arbeit kommt so zu dem Ergebnis, dass das PPP-Konzept ein großes Potential fur die Steigerung der Effektivitat der EZ beinhaltet. Um dieses jedoch richtig nutzen zu konnen bedarf es konzeptioneller Verbesserungen, die den unterschiedlichen Handlungsorientierungen der verschiedenen Akteure innerhalb des institutionellen Kontextes mehr Rechnung tragen, um auf diese Weise strukturimmanente Zielkonflikte zu vermeiden bzw. zu minimieren.

1. Der akteurzentrierte Institutionalismus und PPPs in der EZ - eine Einfuhrung

Der Ansatz des akteurzentrierten Institutionalismus wurde von Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf entwickelt, um die „Problematik von Steuerung und Selbstorganisation auf der Ebene ganzer gesellschaftlicher Teilbereiche“ (vgl. Mayntz/ Scharpf 1995: 39) zu untersuchen und eignet sich somit hervorragend als Analyseinstrument, da hier die Beziehung zwischen den institutionellen Regeln einer PPP in der EZ und dem Handeln der Akteure innerhalb des institutionellen Kontextes, untersucht wird. Im Folgenden wird der Charakter des Ansatzes in seinen wesentlichen Grundzugen kurz dargestellt.

1.1 DerAnsatz des akteurzentrierten Institutionalismus

Das Konzept entstammt dem Neo-Institutionalismus. Im Unterschied zu den verschiedenen Stromungen dieser institutionalistischen Herangehensweise werden nicht allein Institutionen als maßgeblich bestimmende Faktoren fur politischen Outcome betrachtet. Von analytischem Interesse sind vielmehr die Interaktionen der korporativen Akteure innerhalb eines institutionellen Kontextes. Der Ansatz des akteurzentrierten Institutionalismus ermoglicht somit eine Doppelperspektive, welche es erlaubt, die Wechselwirkungen zwischen Akteuren und Institutionen zu analysieren (vgl. Mayntz/ Scharpf 1995: 46). Dies wird durch die „Zusammenfuhrung von handlungstheoretischen und institutionalistischen oder strukturalistischen Paradigmen, die aufgrund der ublichen Gegenuberstellung von 'okonomischen' und 'soziologischen' Theorien normalerweise als unvereinbar angesehen werden“ (vgl. Scharpf2000: 73), ermoglicht. Charakteristisch fur diesen Ansatz ist, dass Institutionen sowohl als abhangige als auch als unabhangige Variablen behandelt werden. Der institutionelle Kontext ermoglicht und restringiert das Handeln der Akteure, hat aber keinen determinierenden Einfluss (vgl. Mayntz/ Scharpf 1995: 45). Das Akteurhandeln wird deshalb als eigenstandige Variable betrachtet.

Um PPPs als Institutionen und die darin handelnden Akteure untersuchen zu konnen, ist es notwendig eine Begriffsbestimmung von Public Private Partnership vorzunehmen.

1.2 Public Private Partnership - eine Begriffsbestimmung

Das BMZ bezeichnet eine Entwicklungspartnerschaft als das „Zusammenwirken von Staat und der privaten Wirtschaft bei Vorhaben, die einen entwicklungspolitischen Nutzen erbringen und gleichzeitig im Interesse der beteiligten Privatunternehmen liegen.“ (BMZ 2001a) Diese Definition ist nicht prazise genug um mit ihr zu arbeiten, weshalb es einiger zusatzlicher Definitionsfaktoren bedarf.

Unter PPP wird im Rahmen dieser Arbeit eine institutionalisierte Form der Partnerschaft zwischen der offentlichen Hand (in diesem Fall das BMZ und dessen Durchfuhrungsorganisationen) und dem privaten Sektor (deutsche und europaische Großunternehmen sowie klein- und mittelstandische Betriebe) verstanden, welche durch Zielkomplementaritat der Akteure sowie die Erreichung von Synergieeffekten charakterisiert wird. Durch die Zusammenarbeit sollten die Ziele aller beteiligten Akteure schneller und effizienter erreicht werden als dies ohne eine solche Partnerschaft moglich ware. Eine PPP zeichnet sich durch eine wechselseitige bzw. interdependente Beziehung aus, bei der die Identitaten der einzelnen Akteure erhalten bleiben. Die Ressourcen der beteiligten Akteure werden gebundelt, um so Synergieeffekte erzielen zu konnen. Wesentliche Voraussetzungen fur den Erfolg einer solchen gleichberechtigten Partnerschaft sind das Vorhandensein von Vertrauen sowie die gerechte Verteilung von Verantwortung.

Die Realisierung nachhaltiger Entwicklung ist das Hauptziel der EZ, folglich sollten PPP-Projekte auch nach Beendigung ihrer Forderlaufzeit nutzenbringend weiterlaufen und entwicklungspolitisch sinnvolle Auswirkungen aufihre Umwelt haben.

Kritiker befurchten, dass es durch eine verstarkte gleichberechtigte Kooperation zwischen dem offentlichen und dem privaten Sektor zu einem „Ausverkauf entwicklungspolitischer Ideale“ (vgl. Wieczorek-Zeul 2000: 36) kommt.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640674923
ISBN (Buch)
9783640675098
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154474
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,6
Schlagworte
Public Private Partnership Instrument Entwicklungszusammenarbeit Chancen Grenzen Sicht Institutionalismus

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Public Private Partnership als Instrument der Entwicklungszusammenarbeit