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Ziele und Methoden der Erziehung in Platons "Politeia"

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methoden der Erziehung
2.1 Musische Erziehung
2.1 Gymnastische Erziehung

3. Ziel des Erziehungsprogramms: Gerechtigkeit von Innen

4. Abschließende Uberlegungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Politeia hat Platon sehr klare Vrstellungen davon, wie Kinder erzogen werden sollen. In erster Linie geht es dabei um die Erziehung der Wachter. Diese sollen ihr Inneres so ausrichten, dass Harmonie herrscht. Fur Platon kann es diese Harmonie nur geben, wenn der Mensch ein gerechter Mensch ist.

Zunachst zeigt er am Staat auf, was notwendig ist, damit dieser gerecht ist. Drei Stande werden eingeteilt: Die Philosophen, die fur die Regierung der Stadt zustandig sind, bilden den ersten. Den zweiten Stand machen die Wehrleute aus und den dritten schließlich der Rest. Jeder Burger hat eine Begabung, die er entfalten, jedoch auch nur bei dieser bleiben sollte. Denn nach Platons Ansicht kann man etwas wirklich gut machen, wenn man sich tatsachlich nur auf diese eine Sache konzentriert. Gerecht ist der Staat dann, wenn jeder „das Seinige“ tut. „Also dieser drei Klassen Einmischerei in ihr Geschaft und gegenseitiger Tausch ist der großte Schaden fur die Stadt und kann mit Recht Frevel genannt werden? - Offenbar. - Und den großten Frevel gegen die eigene Stadt, wirst du den nicht Ungerechtigkeit nennen? - Wie sollte ich nicht! - Dies ist also die Ungerechtigkeit.“[1]

Platon ubertragt die drei Teile in der Stadt auf die menschliche Seele und stellt fest, dass diese drei Arten auch im Menschen zu finden sein mussen, „denn nirgends anders her konnen sie ja dorthin [in die Stadt] gekommen sein.“[2] Ebenso wie die Burger der Stadt nur das Ihrige tun sollen, so verhalt es sich auch mit den drei Seelenteilen. Im Erziehungprogramm geht es daher „um das Bilden und Erhalten einer gesunden Seele als Grundlage eines geordneten Staatskorpers.“[3]

Diese Arbeit behandelt die Methoden, die von Platon vorgeschlagen werden, um eine „gesunde Seele“ ausbilden zu konnen. Ferner gilt es das Ziel der guten Seele selbst in den Fokus zu stellen und die Methoden auf dieses hin zu uberprufen.

2. Methoden der Erziehung

2.1 Musische Erziehung

Der Bereich der musischen Erziehung umfasst mehr, als wir heute darunter verstehen. Dazu zahlt Platon Inhalte, also Texte, wie auch Rhythmus und Melodie, also Gesungenes und Gesprochenes.

Von klein auf werden Kindern Mythen erzahlt, die sorgfaltig ausgewahlt werden mussen, weil in jenem zarten Alter die Seele besonders aufnahmebereit ist und es deshalb sehr wichtig ist in den Kindern nur solche Vorstellungen zu erzeugen, die sie spater auch tatsachlich haben sollen. Mythen mit tieferem Sinn konnen sie noch nicht richtig verstehen, „denn der Jungling ist nicht imstande zu unterscheiden, was dieser verborgene Sinn ist und was nicht; aber was er in diesen Jahren in seiner Vorstellung aufnimmt, das pflegt schwer auszuwaschen und umzuandern zu sein.“[4] An dieser Stelle wird bereits thematisiert, wie feinfuhlig die Seele ist und wie einfach und nachhaltig sie beeinflusst werden kann.

Nur solche Dichter werden im Staat geduldet, die sich daran halten, passende Mythen zu schreiben. Diese werden anhand ihrer Darstellung Gottes beurteilt: Gott ist gut und muss deshalb immer gut dargestellt werden.[5] Das Wort „gut“, das Platon oft zur Beschreibung Gottes verwendet, hat eine besondere Bedeutung: „Aus Gottes Gut abgeleitet, zeigt es zugleich an, dass ,gut‘ fur Platon neben der hier unverkennbaren ethischen Bedeutung doch immer die eigentumliche Beziehung auf die Forderung, auf das Vorwartstreiben zu einem Ziele hat.“[6] Demnach ist Gott niemals Ursache fur das Bose, sondern nur fur das Gute. Dichter sollen in ihren Geschichten zeigen, dass es sich stets lohnt, gut, das heißt gerecht zu sein - fur jeden ganz personlich und unabhangig von Außerem. Es siegt immer die Gerechtigkeit und „wenn nicht in diesem, so im kunftigen Leben wird der Gerechte seinen Lohn ernten.“[7]

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass Wachter den Tod nicht furchten durfen, denn nur so konnen sie tapfer sein: „Wenn einer glaubt, dass es eine Unterwelt gibt, und zugleich, dass sie furchtbar ist, meinst du, der werde irgend ohne Furcht vor dem Tode sein und in Gefechten lieber den Tod als Niederlage und Knechtschaft wahlen?“.[8] Diese Frage Sokrates‘ muss naturlich verneint werden. Die Schrecken der Unterwelt durfen nicht dargestellt werden. Wenn der Wachter um des Todes und der damit moglichen Qualen weiB, wird er sich zwangslaufig zu sehr damit beschaftigen und Uberlegungen anstellen, die ihn dazu verleiten konnen, daran zu zweifeln, dass sein Leben als Wachter mit dem Tod enden muss, wenn es denn die Sicherheit der Polis so verlangt. Ein gerader, nicht zu hinterfragender Weg soll den Wachtern wahrend ihrer Erziehung gezeigt werden, der in ihrem Bewusstsein die Basis dafur schafft, dass sie die Erfullung ihrer Aufgabe als ihre Lebensaufgabe ansehen und diese mit bestmoglichem Ergebnis auszufuhren versuchen. Zudem muss erwahnt werden, dass Junglinge schlechtes Verhalten, von welchem in den Geschichten der Unterwelt berichtet wird, auch fur sich beanspruchen bzw. legitimieren konnten, wenn sie von solcherlei Taten der Gotter wussten[9] Denn wer sonst, wenn nicht die Gotter, soll als Vorbild gelten?

Wie genau darauf geachtet werden muss, womit die Seele in Beruhrung kommen darf und wovon sie nichts wissen sollte, lasst sich an der Mimesis und Platons Einschatzung ihrer Wirkung auf die Seele zeigen.

In der griechischen Antike muss man sich den Unterricht viel lebendiger als den heutigen vorstellen. Ganz selbstverstandlich war „die lebhafte Einwirkung des Sinnes, der die ganze Seele des Lernenden wirklich durchdringt und zu starkem, naturlichem Ausdruck begeistert [.. ,].“[10] Die festere Verbindung alles Gewussten mit der Seele fuhrt zur großeren Moglichkeit der Beeinflussung, weshalb es aus Platons Sicht nicht verwunderlich ist, wenn er so sehr darauf achten mochte, was Kinder in darstellender Weise (ob gesprochen, gehort oder gesungen) erleben durfen und was nicht. In Bezug auf die Wachter bedeutet es, dass sie beispielsweise kein Theater spielen durfen, weil sie sich dabei genau an jener gefährlichen Grenze bewegen, den dargestellten Charakterzu sehr in Leib und Seele zu übernehmen.

[...]


[1] Politeia, 434c.

[2] Ebd., 435e.

[3] Platon-Lexikon, S. 62.

[4] Politeia, 378d.

[5] Vgl. Politeia, 379a ff.

[6] Stenzel 1928, S. 122.

[7] Ebd., S. 124.

[8] Politeia, 386b.

[9] Ebd., 391d.

[10] Stenzel 1928, S. 125.

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640673865
ISBN (Buch)
9783640674190
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154442
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Philosophische Fakultät
Note
2,7
Schlagworte
Platon Politeia Erziehung Wächter Methoden der Erziehung gerechter Mensch Gerechtigkeit Staat Seele musische Erziehung gymnastische Erziehung

Autor

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