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Petrus Christus - Bildnis einer jungen Dame

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Niederlande im 15. Jahrhundert

2. Petrus Christus - ein bloßer Eklektiker?

3. Das Portrat bei Petrus Christus

4. Bildnis einer jungen Dame. Die Ikonographie

5. Vergleich mit zwei weiteren Frauenportrats

6. Versuch einer Benennung der Portratierten

7. Die Datierung

8. Ein kleiner Exkurs zur Geschichte des Portrats

9. Literaturverzeichnis

Petrus Christus. Bikinis einer jungen Dame (um 1470)

1. Die Niederlande im 15. Jahrhundert

Die Zeit um die Mitte des 15. Jahrhunderts, in der Petrus Christus als Maler wirkte, war von der territorialen Expansion Burgunds durch Philipp den Guten (1396-1467) gepragt[1] Der Herzog hatte schon seit langerem Auseinandersetzungen mit dem Konig von Frankreich, die erst mit dem Vertrag von Arras im Jahre 1435 beigelegt werden konnten. Philipp erhielt daraufhin die Landereien Picardy, Porthieu und Bologne und wurde außerdem von seinen feudalen Pflichten gegenuber dem franzosischen Hof befreit, im Gegenzug musste er die Allianz mit England losen.

Aufgrund der Ausweitung seines Reiches wollte Philipp nun einen zentralen Regierungssitz einrichten, wodurch aber große Stadte wie Gent und Brugge ihre Stellung gefahrdet sahen und es sogleich zu Aufstanden der Burger in Brugge, Gent, Utrecht, Dinant und Liege kam, die von den dort herrschenden Grafen blutig niedergeschlagen wurden.

Die Bevolkerung in Brugge hatte außerdem noch mit weiteren Problemen zu kampfen: sie stellten fur Philipp den Guten Truppen und finanzielle Beihilfe zur Verfugung, um die Stadt Calais im Juni und Juli 1436 aus den Handen der Englander zu befreien, was aber nicht gelang. Zu allem Ubel kundigte der wichtigste Handelspartner der Stadt, die hanseatische Liga auch noch ihr Handelsabkommen mit der Stadt, weil in Sluis, dem Brugge am nahe liegendsten Hafen, einige Hanseaten auf den Verdacht hin, mit den Englandern kooperiert zu haben, ermordet worden waren. Das Fehlen der Hanseaten fuhrte sofort zu Arbeitslosigkeit und infolge dessen zu weiteren Kampfen Brugges gegen die umliegenden Stadte, so dass Philipp schließlich am 22. Mai 1437 mit einer Armee anrucken musste, um die Stadt wieder zur Ordnung zu rufen. Dabei wurde er fast von den aufgebrachten Burgern getotet und ein Getreuer des Herzogs, der Lord von L' Ile-Adam Jean de Villers, der seinen Ruckzug deckte, kam dabei ums Leben. Philipp belagerte daraufhin die Stadt, bis die Burger im darauffolgenden Jahr schließlich kapitulieren mussten, auch wegen der kurz zuvor ausgebrochenen Pest, die einem Funftel der Bevolkerung das Leben kostete.

Am 11. Dezember 1440 vergab Philipp der Stadt offiziell, allerdings war dies mit einigen Auflagen verbunden: die Macht Brugges uber die umliegenden Stadte wurde eingeschrankt, ebenso die Privilegien der Gilden, hohe Bußgelder mussten gezahlt werden, außerdem hatten die Burger einmal jahrlich eine Seelenmesse fur den verstorbenen Jean de Villers zu lesen.

Nach dem erneuten Treueschwur der Brugger Burger zu ihrem Herzog folgten 40 Jahre andauernden Friedens zwischen beiden Parteien. Auch die Wirtschaft erholte sich in der Zeit zwischen 1440 und 1470 wieder soweit, dass viele auswartige Kunstler und Handwerker die Gelegenheit ergriffen und ihren Arbeitsplatz nach Brugge verlegten, so auch Petrus Christus, der sich innerhalb weniger Jahre zu einem der fuhrenden Meister nach der van Eyck' schen Blutezeit der fruhniederlandischen Kunst entwickelte.[2]

2. Petrus Christus - ein blofier Eklektiker?

Wahrend Friedlander Christus' Stil schon insofern herabsetzt, dass seiner Meinung nach “die Abhangigkeit von Jan van Eyck (...) fast schon Parasitentum” sei, halt Ursula Panhans-Buhler das Konnen des Malers fur weithin unterschatzt.[3] Erst Otto Pacht wertete dessen Bedeutung fur die Kunstgeschichte in einer Studie im Jahre 1926 auf, indem er den optisch originellen Formaufbau und das Interesse an einer rundplastischen Formvorstellung in den Werken von Christus herausstrich.[4] Allerdings zeigt auch Friedlander anhand des Beispiels der sogenannten “Exeter- Madonna“, wie groB die Gefahr eines Irrtums bei der Zuschreibung eines Gemaldes und damit einer Abwertung sein kann: diese wurde erst “als Werk Jan van Eycks begrußt”, bis man schließlich dessen Schuler Petrus Christus als den wahren Urheber und somit erst danach die Schwachen der Tafel erkannt hatte.[5]

Naturlich ist gerade bei der “Exeter-Madonna” das Zitieren Eyck' scher Motive besonders deutlich zu sehen und Christus hat ja wahrscheinlich vor 1442 auch einige Jahre in van Eycks Werkstatt gearbeitet, so dass man genauer hinschauen muss, um die eigenen Ideen und malerischen Mittel von Petrus Christus herauszufiltern.[6] Aber es gibt sie, denn gerade bei der Positionierung der Figur im Innenraum und der Reflexion des Lichtes auf der Haut beschreitet Christus neue Wege, er hat auch keine Scheu vor der leeren Flache.[7]

In den Jahren 1446 bis 1457 kann man seine Entwicklung anhand sicher datierter Werke gut nachvollziehen, ansonsten gibt es nur wenige Quellen uber sein Schaffen. Zu Christus' großten Werken gehoren die “Wurzel Jesse”, die er gemeinsam mit Pieter de Nachtegale fur die Jahresprozession der Saint-Sang-Gemeinde schuf, drei verschollene Kopien der sogenannten “Cambrai-Madonna”, die fur den Grafen d' Etampes aus Rom in die Kathedrale von Cambrai geholt wurde und vom hl. Lukas selbst gemalt worden sein soll sowie das “Portrat eines Kartausermonchs“ (Abb.1), dass laut Friedlander “am ehesten im van Eyck' schen Stil durchgebildet” ist.[8]

[...]


[1] Die folgenden historischen Hintergrunde zum Leben und Wirken von Petrus Christus stammen aus Maryan W. Ainsworth/ Maximiliaan P. J. Martens, Petrus Christus. Renaissance Master of Bruges, New York, MoMA, 1995, S.3ff

[2] Ainsworth 1995, S.4

[3] Max J. Friedlander, Von van Eyck bis Bruegel, Frankfurt am Main, 1986, S.36

[4] Ursula Panhans-Buhler, Eklektizismus und Originalitat im Werk des Petrus Christus, Wien 1978, in: Wiener kunstgeschichtliche Forschungen (hrsg. Kunsthistorisches Institut der Universitat Wien), S.9 Hier auch der Verweis auf Otto Pachts Bewertung von Christus' Kunstschaffen.

[5] Panhans-Buhler, 1978, S.9

[6] Max J. Friedlander, Altniederlandische Malerei, Band I, Leiden 1924

[7] Panhans-Buhler, 1978, S.9

[8] Friedländer, 1986, S.36

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640672714
ISBN (Buch)
9783640672769
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154433
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Kunstgeschichtliches Seminar
Note
Schlagworte
Petrus Christus Bildnis Frau

Autor

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Titel: Petrus Christus - Bildnis einer jungen Dame