Lade Inhalt...

Die historischen Hintergründe der ,,Historia Regum Britanniae'' von Geoffrey of Monmouth

von Hermann D. Janz (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung zur Historiographie des Mittelalters3
2.1 Methode
2.2 Form
2.3 Bedeutung und Anwendung
2.4 Gattung

3. Die historischen Hintergründe der ,,Hirstoria Regum Britanniae’’
3.1 Geoffrey of Monmouth – Leben und Werk
3.2 Entstehungskontext
3.3 Intention
3.4 Quellen und Ursprung der ,,Historia
3.5 Bedeutung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese wissenschaftliche Arbeit innerhalb des Hauptseminars ,,Der Artusstoff zwischen Historia und Mythos’’ handelt von den historischen Hintergründen der ,,Historia Regum Britanniae’’ von Geoffrey of Monmouth. In Bezug auf das Seminarthema nimmt Geoffrey of Monmouth und seine ,,Historia’’ eine wichtige Rolle ein, da er den Artusstoff als erster in einem umfangreichen Maße aufgriff und in seinem Lebenswerk verarbeitete.

Den Einstieg dieser Arbeit stellt eine kurze Einführung in die Geschichtsschreibung des Mittelalters dar, die für das Gesamtverständnis unverzichtbar ist. Am Anschluss findet sich eine kurze Darstellung über das Leben und Werk des Verfassers.

Den Kern dieser Arbeit stellt eine umfassende Untersuchung der historischen Hintergründe der ,,Historia Regum Britanniae’’ dar, bei der primär herausgestellt werden soll, in welchem zeitlichen Kontext das Werk entstanden ist, welche Intention mit ihm verfolgt wurde und welche Quellen dem Autor vorlagen.

Abschließend wird untersucht, welche Bedeutung dem Werk damals und heute beigemessen wird und wie die damalige Kritik an der ,,Historia’’ zu bewerten ist.

Bei der Ausarbeitung wurde neben der seminarbegleitenden Literatur auch auf zahlreiche Sekundärliteratur zurückgegriffen. Als Kernliteratur dienten unter anderem die Veröffentlichungen ,,Studien zum literarischen Patronat in England des 12. Jahrhunderts’’ von Walter F. Schirmer und Ulrich Broich, sowie ,,Englische Gründungssagen von Geoffrey of Monmouth bis zur Renaissance’’ von Dr. Hans Matter.

2. Einführung zur Historiographie des Mittelalters

Zur mittelalterlichen Geschichtsschreibung, der Historiographie, gehören solche Schriftstücke, die mit der Absicht zur historischen Erinnerung, memoria, verfasst sind, also Zeitgenossen und die Nachwelt über die Vergangenheit oder Gegenwart unterrichten wollen.

Das Charakteristikum der historiographischen Schriften des Mittelalters ist die Absicht, Zeitabläufe durch die Geschichtsschreibung zu verbinden. Von ihrem Wesen her ist die mittelalterliche Geschichtsschreibung Vergangenheitserzählung, wobei die Vergangenheit allerdings bis zur Gegenwart heranreichen kann. Mit diesem Aspekt wird sicherlich eine gewisse Wertschätzung von Vergangenheit zum Ausdruck gebracht.[1]

Inhaltlich ist die mittelalterliche Geschichtsschreibung Faktenerzählung[2], die nach den Auswahlkriterien der Wahrheit[3], welche im Gegensatz um Fiktiven (factum non fictum) steht, und zum anderen der ,,Erinnerungswürdigkeit’’ (gesta memorabilia) erfolgt. Dabei muss wohl aber beachtet werden, dass jene Einschätzungen nach Autor, Ort, Zeit und Absicht sehr unterschiedlich ausfallen konnten und dass das Mittelalter einen anderen Wahrheitsbegriff als unsere heutige Zeit besaß.

Formal ist die Geschichtsschreibung am Zeitablauf orientiert, wodurch das gegebene Strukturelement die chronologische Ordnung ist. Auf Grund fehlender Informationen weisen zahlreiche Werke sehr wohl chronologische Ungenauigkeiten auf. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die mittelalterliche Geschichtsschreibung in chronologischer Folge die Erinnerung an wahre, denkwürdige Begebenheiten festhalten möchte.[4]

In dieser Funktion ist die Geschichtsschreibung des Mittelalters nicht Selbstzweck, sondern mit konkreten, teils unterhaltenden, belehrenden, ethischen, zum richtigen Handeln anleitenden, politischen Absichten und dementsprechenden Wertungen verfasst. Der Rezipient sollte, zumindest nach dem Willen der Prologe, Lehren aus der Vergangenheit für sein eigenes politisches oder moralisches Handeln ziehen. Die mittelalterliche Geschichtsschreibung diente damit gleichermaßen als Lehrschrift, in der das Geschehen als Beispiel[5] dient. Da sie weitestgehend heilsgeschichtlich ausgerichtet ist und in den Fakten den göttlichen Heilsplan aufzeigt, besitzt sie im Mittelalter auch eine theologische Funktion. Sie ist im gewissen Grade historische Theologie. Ereignisse und Geschichtsverlauf verbergen einen tieferen Sinn, der jeweils herauszufinden ist. Der heilsgeschichtliche Aspekt schließt konkrete rechtliche, politische oder ideologische Einflussnahmen keineswegs aus, wodurch das Geschichtswerk eindeutig nicht neutral bleibt. Es kann mit der historischen Darstellung konkrete Rechtsansprüche vertreten, Partei ergreifen und der ,,Propaganda’’ für die eigene Institution, die meist auch der Auftraggeber der geschichtlichen Darstellung war, dienen. In derartigen Fällen wird die Geschichte bewusst zur Legitimation der Gegenwart instrumentalisiert, um ein Selbstbewusstsein bestimmter Gemeinschaften zu schaffen oder zu fundieren. Äußerste Priorität hat daher das Hinterfragen der Absichten und Tendenzen jedes Geschichtswerkes, die wiederum Gegenstand und Darstellung, also Sprache und Form, beeinflussen. Das mittelalterliche Geschichtswerk ist unter den Gesichtspunkten Intention, Gegenstand, Form bzw. Darstellung und den individuellen Möglichkeiten des Verfassers einzustufen.[6] Der Blickwinkel des mittelalterlichen Autors war von vornherein beschränkt und an sein Umfeld gebunden (z.B. der Mönch an sein Kloster). Das fertige Geschichtswerk war in äußerster Weise abhängig von den intellektuellen Fähigkeiten des Verfassers, seinem realen Einblick (etwa in die Reichsgeschäfte) und seinen materiellen Möglichkeiten.

Unternimmt man den Versuch, die mittelalterliche Historiographie von ihrer Thematik her zu charakterisieren, so wird man drei Attribute hervorheben:

Primär war sie politisch orientiert und lieferte in erster Linie politische Geschichte. Unter der Schilderung der Taten der hochstehenden Persönlichkeiten nahm nicht zuletzt auch die Kriegsgeschichte einen sehr großen Raum ein. Neben die weltliche Geschichte trat untrennbar die Kirchengeschichte, die ebenfalls politisch ausgerichtet war, hingegen auch Nachrichten zur Kult- und Kulturgeschichte einschloss.

Weiterhin war die Geschichtsschreibung des Mittelalters heilgeschichtlich ausgerichtet, indem sie die ,,Hand Gottes in der Geschichte’’ nachweisen wollte.

Letztlich war die mittelalterliche Geschichtsschreibung ausnahmslos institutionell gebunden. Man versuchte vornehmlich nicht objektiv das Zeitgeschehen zu erfassen, sondern schrieb Geschichte für und über die jeweilige Institution. Diese konnten ein Kloster, ein Stift oder ein Bistum, oder ein Königs- oder Fürstengeschlecht sein, wie bei dem vorliegenden Werk von Geoffrey of Monmouth.

2.1 Methode

Heutzutage ist Geschichtsschreibung ein reflektierter Umgang mit der Vergangenheit. Weitergehend ist sie das Resultat wissenschaftlicher Auseinandersetzung unter Anwendung bestimmter Methoden, die sich im Mittelalter jedoch erheblich von den heutigen unterschieden und außerdem kaum einheitlich waren.[7] Der mittelalterliche Geschichtsschreiber stellte zusammen, was er über vergangene Zeiten gelesen, gehört oder selbst erlebt hatte. Daher ist die mittelalterliche Historiographie im wesentlichen eine Kompilation, dass heißt eine Zusammenfassung aus älteren Werken.

Obwohl das Wahrheitsgebot an erster Stelle stand, schloss dies keinesfalls das bewusste Verfassen historiographischer Fälschungen zur Durchsetzung von Ansprüchen aus. Häufiger waren jedoch unbewusste historiographische Fälschungen, da man Fiktives für wahr hielt.[8]

Geoffrey of Monmouth, der in seinem Werk ,,Die Geschichte der Könige von Britannien’’ die Geschichte der Briten und des sagenhaften König Artus detailliert schildert, diente zwar der höfischen Epik als Vorbild, wurde selbst aber nicht als Fiktion, sondern als Geschichtsschreibung gelesen. Um den Eindruck des Fiktiven zu negieren, bemühte man sich um Betonung der Authentizität, indem man sich auf zuverlässige Quellen berief oder amtliche Dokumente wörtlich in die Erzählung einfügte. Der Sachverhalt selbst[9] galt, wenn er glaubhaft überliefert wurde, als unveränderlich. Man meinte daher, mittelalterliche Historiographie sei nur ein kontinuierliches Fortsetzungswerk gewesen. In der Tat sind zahlreiche Geschichtswerke in dieser Art geschrieben worden. Auf der anderen Seite hat man auch immer wieder neue Werke geschaffen, wo ältere Vorlagen nicht mehr ausreichten. War der Sachverhalt selbst zwar unveränderlich, so war man sich wohl bewusst, dass man diesen unterschiedlich interpretieren darf.

2.2 Form

Einen besonderen Stellenwert nahm auch die Form der Geschichtswerkes ein und beweist dessen literarischen Anspruch. Die Sprache, vor allem der Prologe, wurde häufig mit rhetorischen Stilfiguren, sprichwortartigen Redewendungen, eingeschobenen Versen, Reimen, sowie Zitaten aus der Bibel und anderen antiken Werken gestaltet, die neben dem sprachlichen auch den inhaltlichen Sinn anschaulicher machen sollten.[10]

Zahlreiche Werke waren vollständig in Versform verfasst. Nicht selten kam es vor, dass zeitnahe Ereignisse mit den Worten antiker Schriftsteller geschildert wurden, ohne dass der inhaltliche Bezug vollkommen verloren ging. Diese Form der ,,imitatio’’ war in erster Linie Ausdruck des mittelalterlichen Stilideals und Geschichtsverständnisses.

2.3 Bedeutung und Anwendung

Der mittelalterlichen Geschichtsschreibung wird nach wie vor eine hohe Bedeutung beigemessen, da sie eine subjektive Sicht auf Geschichte vermittelt. An ihr ist die moderne Quellenkritik innerhalb der Geschichtswissenschaft entwickelt und verfeinert worden.

Ihre Bedeutung lässt sich bereits daraus ablesen, wenn man nach ihrem Stellenwert im Mittelalter selbst fragt. Hinweise für die mittelalterliche Rezeption liefern, da es weder Auflagen noch konkrete Leserzahlen gibt, die Anzahl der erhaltenen Handschriften, die Verwendung durch spätere Geschichtsschreiber sowie die Erwähnung in damaligen Bibliothekskatalogen, die in größerer Zahl überliefert sind. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Geschichtsschreibung sowohl von der Produktion als auch von der Abschreibetätigkeit weite Verbreitung fand, wobei man räumliche, zeitliche und vor allem werkspezifische Unterschiede beobachten kann. Im Ganzen waren es nur etwa 20 Standartwerke, welche die historiographische Kultur des Mittelalters bestimmten, darunter natürlich auch die vorliegende ,,Historia regum Britanniae’’. Von diesem Werk von Geoffrey von Monmouth sind etwa über 200 Handschriften bekannt, eine Anzahl, die für das Mittealter überdurchschnittlich hoch ist.[11]

[...]


[1] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.110.

[2] narratio rerum gestarum

[3] veritas

[4] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.110.

[5] exemplum

[6] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.112.

[7] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.113.

[8] Ebd., S116.

[9] res gesta

[10] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.117.

[11] Goetz: Proseminar Geschichte. Mittelalter (2000), S.118.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640667451
ISBN (Buch)
9783640667734
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154369
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für deutsche Philologie
Note
3,0
Schlagworte
Hintergründe Historia Regum Britanniae Geoffrey Monmouth

Autor

  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.

    Hermann D. Janz (Autor)

Zurück

Titel: Die historischen Hintergründe der ,,Historia Regum Britanniae'' von Geoffrey of Monmouth