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Schriftliche Reaktionen bedeutender Geister auf die französische Revolution 1789

Zeugnisse des Willens zur Veränderung der bestehenden politischen Mißstände kurz vor und nach der französischen Revolution, mit Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Raum

Seminararbeit 1998 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

PS Neuzeit: Konstruktion der Wirklichkeit im 18.Jahrhundert

Wintersemester 97/98

Von Janus Zudnik

Thema: Zeugnisse des Willens zur Veränderung der bestehenden politischen Mißstände kurz vor und nach der französischen Revolution, mit Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Raum.

0. Einleitung

Dieses Referat will, in Stichproben, die Unzufriedenheit bedeutender Geister über die Gesellschaftsordnungen ihrer Zeit aufzeigen. Der Schwerpunkt liegt bei den deutschsprachigen Ländern. Zu Beginn werden einige Worte über Frankreich gesagt, danach jeweils ein oder zwei Vertreter der Aufklärung in Deutschland, welche kurz vor und/oder nach der Revolution gewirkt haben, vorgestellt. Österreich ist mit zwei Beamten vertreten, Preußen durch zwei Philosophen, und im Rheinland handelte damals ein Naturforscher gemäß seinen Überzeugungen, während andere das Geschehen nur kommentierten.

Bekanntermaßen bewirkte die Aufklärung nur in Frankreich einen totalen Bruch mit den überkommenen Machtverhältnissen. Aber auch dort war es nur die Folge einer fatalen Politik der Herrschenden, welche das Land praktisch in den Ruin getrieben hatten. Im deutschen Reich dagegen erwiesen sich die alten Strukturen als stabil genug, vor allem, weil sich kein starkes und einheitliches Bürgertum in den, relativ zu Frankreich, noch ziemlich unterentwickelten und unzusammenhängenden Staaten gebildet hatte.

Doch mit den bestehenden Verhältnissen leben, und mit ihnen zufrieden zu sein, sind, wie man an Hand der Publikationen sehen wird, zwei verschiedenen Dinge.

Die Gelehrten sind sich in der vorrevolutionären Zeit ihrer Situation wohl bewußt: „.. die Philosophen des 18 Jahrhunderts gehören noch insofern zur Welt des Ancient Regime, als sie die Gesellschaft als Tatsache hinnehmen. Ihre Reformwünsche verfolgen das Ziel, die Beziehungen zwischen Regierung und Regierten vernünftiger zu gestalten. Schon weil sie bei den damaligen Bildungsverhältnissen mit ihren Thesen nicht an die analphabetischen Massen herankommen können, ist ihr Traum ein aufgeklärter Despot, der ihnen durch Verbreitung ihrer Schriften bei ihrem Kampf gegen die Kirche hilft. Das Ziel eines Voltaire, der wohl als reinster Repräsentant der Aufklärungsphilosophie gelten darf, ist jedenfalls die Vernunftherrschaft, nicht die Volksherrschaft.“[1] Einerseits war die Zeit noch recht ungünstig für einen breiten Rückhalt in der Masse, aber man konnte ja versuchen, mit alten Methoden moderne politische Modelle zu verwirklichen.

1. Frankreich

Voltaire stirbt 1778. Kurz vor seinem Tod spricht er die Worte: „ Alles was ich sehe, scheint den Samen der Revolution, die eines Tages unausweichlich kommen muß, auszusstreuen, ich werden aber nicht mehr das Vergnügen haben, ihr Zeuge zu sein.“[2]

Zu Rousseau ist schon viel gesagt worden. Nur eine Anmerkung: Eine Anekdote berichtet, wie ein gewisser Maximilian Robespierre, damals ein junger Student, nächtelang vor dem Fenster desselben sehnsüchtig, wie ein Liebender, herumgeschlichen ist, bevor er es wagte, ihm einen Besuch abzustatten. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, daß Rousseau den Gedanken einer totalitären Demokratie mit einem Ideal der Einstimmigkeit entwickelt hatte, was ihm einerseits den Vorwurf eines Vordenkers der Volksdemokratien eingebracht[3], andererseits möglicherweise zur Radikalisierung des „unbestechlichen“ Robespierre beigetragen hat.

Auch der umstrittene Marquis de Sade äußerte sich zu diesem Thema. Obwohl er als Adeliger nicht für die Abschaffung des Königtums war, und in den ersten Revolutionsjahren dem Monarchistenklub angehörte, verfaßte er 1788, in der Bastille, die Schrift „Die utopische Insel Tamoe“, eine positive Vereinigung von paradiesischem Naturzustand und gewissen zivilisatorischen Errungenschaften. Er spart dabei nicht mit Kritik am System: „ Ist es nicht schrecklich, daß unsere Nationalität derart in Mißkredit stand, daß man sie verstecken und verleugnen mußte, um beim Ausländer Zugang zu finden..[..]? Warum sollten wir uns nicht bemühen, liebenswert zu erscheinen, wenn der Erfolg nur davon abhängt, Fehler abzulegen, die uns selbst im eigenen Lande in den Augen des Weisen entehren, der uns mit Gelassenheit prüft? Doch die Revolution wird, indem sie unsere Sitten verwandelt, auch unsere lächerlichen Sitten verwandeln, auch unsere lächerlichen Seiten verringern; mindestens wollen wir das hoffen, zu unserem Glück.“[4]

Ob das eingetroffen ist, kann bezweifelt werden.

[...]


[1] Crane Brinton, Europa im Zeitalter der Revolution, S. 9f (Wien 1939).

[2] Hans Joachim Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, S.372 (Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992).

[3] Norbert Leser, Sozialphilosophie, S.209f (Böhlau Verlag, Wien 1997).

[4] Marquis de Sade, Die utopische Insel Tamoe. In: Georg Rudolf Lind,. Marquis de Sade. Schriften aus der Revolutionszeit (1788 - 1795), S 66 (Insel Verlag, Frankfurt am Main 1969).

Details

Seiten
11
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783640666577
ISBN (Buch)
9783640666379
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154251
Institution / Hochschule
Universität Wien – Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
französische Revolution Abslutismus Kant Fichte Forster Pezzl Marquis de Sade

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Titel: Schriftliche Reaktionen bedeutender Geister auf die französische Revolution 1789