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Auswirkungen forstlicher Nutzung tropischer Regenwälder

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 31 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der forstlichen Nutzung

3. Forstliche Nutzung
3.1 Verwendung tropischer Hölzer
3.2 Waldtypen in den Tropen
3.3 Waldbausysteme in den Tropen
3.3.1 MHD (Minimum Haubarkeitsdurchmesser)-System
3.3.2 Überführungssysteme
3.3.3 Monozyklische und polyzyklische Systeme
3.3.4 Umwandlungssysteme

4. Auswirkungen der forstlichen Nutzung
4.1 Auswirkungen auf das Klima
4.2 Auswirkungen auf den Wasserkreislauf
4.3 Auswirkungen auf den Boden
4.4 Auswirkungen auf die Vegetation
4.5 Auswirkungen selektiver Nutzung auf die Vegetation
4.6 Auswirkungen auf den Wald als Lebensraum
4.7 Auswirkungen auf Wald als Kulturraum
4.8 Globale Auswirkungen

5. Lösungsansätze
5.1 Das FSC- Siegel
5.2 Naturschutzgebiete
5.3 Sekundäre Waldnutzung
5.4 Agroforstwirtschaft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwaldungsrate in den Tropen zwischen 2000 und 20056

Abb. 2: Exporte und Importe einiger forstwirtschaftlicher Produkte

Abb. 3: Wichtige Unterschiede zwischen einer Waldbedeckung und einer Ackerfläche

Abb. 4: Auswirkungen der Entwaldung auf den Boden

Abb. 5: Anzahl der vorkommenden Baumarten auf der Welt

Abb. 6: Durchschnittlich im Jahr durch Jäger erlegte Tiere pro Quadratkilometer Wald

Abb. 7: Länder nach Anzahl bereits ausgestorbener Arten

Abb. 8: Grad der Abhängigkeit vom Wald

Abb. 9: Nutzung des Raumes der humiden Tropen

1. Einleitung

Die tropischen Wälder stellen ein Ökosystem dar, das durch seine einzigartigen Stoffkreisläufe eine enorm hohe Biodiversität aufweisen kann. Sie sind ein wichtiger Standort für den Rohstoff Holz und sie lassen sich in Nutzflächen unterschiedlicher ökonomischer Aktivitäten umwandeln und haben außerdem verschiedene Funktionen für die Umwelt wie z.B. der Klimastabilisierung. Allerdings schließen sich menschliche Aktivität und die Funktionen für die Umwelt gegenseitig oft aus. So gefährdet die Bewirtschaftung der Wälder die Stabilisierung des Klimas und hat noch viele andere Auswirkungen. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen forstlicher Nutzung auf die Tropen.

Laut dem forstwirtschaftlichen Lehrbuch ‚Der Forstwirt’ (1996) gehört zur forstlichen Nutzung die Walderschließung und Waldwegebau, die Holzernte, die Sortierung und Vermessung des Holzes, die Holzbringung und -lagerung, die forstlichen Nebennutzungen und die Jagdnutzung. Ein weiterer Bereich forstlichen Handelns ist die biologische Produktion zu welcher folgende Bereiche dazugezählt werden: die Begründung von Waldbeständen, Schützen von Waldbeständen, Pflegen von Waldbeständen und der Naturschutz und Landschaftspflege.

Um die Auswirkungen der forstlichen Nutzung auf die Tropen zu verstehen, ist es notwendig, Einblicke in das Vorgehen der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung der tropischen Wälder zu haben. Einige dieser waldbaulichen Maßnahmen bilden nach den geschichtlichen Ausführungen, den Schwerpunkt im dritten Teil dieser Arbeit. Der vierte Teil beschäftigt sich mit den Auswirkungen der forstlichen Nutzung. Auswirkungen der Rodungen werden aufgrund ihres direkten Bezuges zur Landwirtschaft in der vorliegenden Arbeit nicht behandelt, obwohl sie sich teilweise mit denen des Holzeinschlages decken. Als letzter Punkt werden Lösungsmöglichkeiten vorgestellt.

2. Geschichte der forstlichen Nutzung

Mit dem fleischroten Holz des Khaya-Mahagoni begann die westafrikanische Tropenholzgeschichte. Ursprünglich wurden diese Bäume nur in unmittelbarer Nähe größerer Flüsse geschlagen, auf denen sie gut zur Küste geflößt werden konnten. Erst der Straßentransport machte die großflächige Erschließung möglich.

Neben den ersten Exporten von Kopalharzen, wild gesammeltem Rohgummi, Kaffee und vor allem Palmöl gab es in Ghana um 1800 bereits eine Holzindustrie, die aber an technischen Schwierigkeiten scheiterte. Ein Problem waren unter anderem die politischen Schranken, die es nicht erlaubten, das Holz auf größeren Flüssen zu flößen. Ein erster Export von Tropenholz fand erst 1887 statt, als die Briten den größten Teil von Südghana kontrollierten. Bereits sieben Jahre später erreichte der Tropenholzexport ca. 285 m³. Die Kolonialregierung begann Holzkonzessionen an europäische Investoren zu vergeben. Die Bemühungen um eine geregelte forstwirtschaftliche Nutzung der tropischen Wälder waren gering. Im Jahre 1913 stiegen die Holzexporte schon auf ca. 85000 m³ und fielen drastisch in den darauf folgenden Krisenjahren. Bis nach dem 2. Weltkrieg in die 50er Jahre hinein war die Nachfrage großen Schwankungen unterworfen und die küstenfernen Regenwälder wurden nicht forstwirtschaftlich genutzt, da sich der Transport der Hölzer technisch als sehr schwierig erwies.

Die Nachfrage in Europa nach Tropenholz und weitete sich auf mehrere Arten aus, nachdem die Mechanisierung die Walderschließung durch schweres Gerät möglich machte. Die Stämme wurden nun mit Raupenfahrzeugen zur Küste transportiert (MARTIN 1989, 14ff.). Die entwaldeten Flächen bzw. der aufgrund ausbeuterischer Methoden zerstörte Regenwald wurden für Kakao-Anbau und vor allem für Ölpalmen-Plantagen benutzt.

Auch nach dem Entlassen in die Unabhängigkeit setzte sich der Holzhandel fort. Insgesamt wurden zwischen 1900 und 1990 des Regenwaldes in Ghana bzw. der früheren britischen Kronkolonie Goldküste rund 90% vernichtet, und zwar von ursprünglich 82.259 km² auf knapp 10.000 km² vor 20 Jahren, von denen heute nur noch ein Restbestand von weniger als 5.000 qkm übrig sein dürfte.

Früher exportierten viele Entwicklungsländer hauptsächlich unverarbeitetes Rundholz, während der Export von Halb- und Fertigwaren wie z.B. Sperr- oder Furnierholz eine untergeordnete Rolle spielte. Dieses Verhältnis begann sich in der jüngsten Vergangenheit umzukehren. Einige Länder, vor allem in Süd-Ost Asien haben den rechtlichen Rahmen geschaffen, die Ausfuhr von Rohholz zu drosseln. So entwickelt sich neuerdings die holzbe- und verarbeitende Industrie in diesen Ländern (Gesamtwaldbericht der Bundesregierung 2001).

3. Forstliche Nutzung

Die folgende Abbildung 1 zeigt die Verteilung der Entwaldung zwischen den Jahren 2000 und 2005.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwaldungsrate in den Tropen zwischen 2000 und 2005 (Quelle:http://photos.mongabay.com)

Der hohe Einschlag in den tropischen Ländern Asiens resultiert nicht so sehr aus der großen Waldfläche, sondern vielmehr aus der höheren Einschlagsintensität. Länder mit einer geringeren Waldfläche je Einwohner weisen in der Tendenz höhere Nutzungssätze pro Hektar auf. Die relativ hohe Nutzungsintensität in den tropischen Wäldern Asiens lässt sich auch mit dem geringeren Anteil an Naturwäldern erklären. Knapp 10% der Waldfläche der tropischen Länder Asiens besteht aus künstlich angelegten Wäldern. Der Einschlag pro Hektar Waldfläche für die tropischen Wälder insgesamt liegt mit ca. 1 m³ deutlich unterhalb des möglichen Zuwachses in den tropischen Wäldern. Anders als in den Ländern mit geregelter nachhaltiger Forstwirtschaft ist in den Tropen Holznutzung jedoch häufig mit Verlust an Waldfläche verbunden (Gesamtwaldbericht der Bundesregierung 2001).

Tropenholz ist seit der Erschließung der Regenwälder sehr begehrt, denn es hat Eigenschaften die, wie man angenommen hat, keine mitteleuropäischen Hölzer haben. Die Nachfrage ist aufgrund fehlender Jahresringe und Astlöcher und wegen der hohen Form- und Witterungsbeständigkeit sehr hoch (BREMER 1999, 327). Heute weiß man, dass Hölzer aus dem Regenwald wie Teak durch heimische Arten mit ähnlichen Eigenschaften wie Robinie ersetzt werden können.

3.1 Verwendung tropischer Hölzer

Für viele Entwicklungsländer ist Tropenholz wirtschaftlich gesehen eine wichtige Ressource, da Holz und Holzprodukte zu den wenigen Angeboten gehören, mit denen diese Länder auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig sind. So stellt der Holzexport eine lebenswichtige Einnahmequelle und vor allem Devisenquelle dar (MANSHARD 1995, 81). Der Holzexport umfasst sowohl Rund- und Schnittholz als auch Furniere und Sperrholz (a.a.O.,83). Furniere sind dünne Holzblätter zwischen 0,5 bis 10 mm. Sie werden durch Sägen, Messern oder Schälen vom Baumstamm abgetrennt. Man leimt sie auf Platten, so dass diese aussehen wie wertvolles Vollholz.

Tropenholz wird z.B. im Hausbau für Bodenbeläge, Fensterrahmen, Türen usw., im Bootsbau oder für die Herstellung von Möbeln verwendet. Die Bauwirtschaft benutzt das Holz aus den Regenwäldern für Stützpfeiler, Buhnen und Tragbalken. Besonders dekorative Hölzer werden bevorzugt von Möbel- und Musikinstrumentenherstellern verarbeitet. Weitere Einsatzbereiche sind Küchenbrettchen, Einwegessstäbchen und vor allem Papier (BROWN [u.a.], 182).

Hauptimporteure für Tropenholz sind wie die Abbildung 2 zeigt, USA, Japan, Europa und mittlerweile auch China (UNEP/GRID-ARRENDAL, 27).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Exporte und Importe einiger forstwirtschaftlicher Produkte (Quelle: UNEP/GRID-ARRENDAL, 28)

Die großen Klima- und Bodenunterschiede innerhalb der niederen Breiten führen zu einer außerordentlichen Vielfalt an Waldtypen, die sich in Zusammensetzung, Aufbau und wirtschaftlicher Wertigkeit unterscheiden. Folglich sind nicht alle Wälder der tropischen Länder Regenwälder, es gibt z.B. noch Mangrovenwälder, Nebelwälder sowie saisongrüne Wälder wie beispielsweise Savannen und viele andere. Diese werden im Folgenden in die Arbeit miteinbezogen, da z.B. die Mangrovenwälder besonders von Abholzung getroffen sind.

3.2 Waldtypen in den Tropen

Einen groben Überblick der Wälder in den Tropen bietet folgende Charakterisierung nach LAMPRECHT (1986): immergrüne Feuchtwälder, regengrüne Feuchtwälder, regengrüne Trockenwälder, Waldtypen auf Sonderstandorten wie: Mangrove, Sumpf- und Überschwemmungswälder, Heidewälder, Koniferenwälder. Außerdem können Regenwälder nach geographischen Merkmalen wie z.B. Tieflandregenwälder oder Bergregenwälder eingeteilt werden.

Vor allem in Südostasien dominieren in immergrünen Feuchtwäldern Baumarten aus der Familie der Dipterocarpaseae. Sie zeichnen sich durch die hohen Starkholzvorräte an marktgängigen Arten, das gute natürliche Verjüngungspotential, ihr beträchtliches Durchsetzungsvermögen und die positive Reaktion auf waldbauliche Eingriffe aus (LAMPRECHT 1986, 52).

Das Holzpotential der regengrünen Feuchtwälder ist besonders hoch. Wertvolle Holzarten kommen in der oberen Schicht vor, wie die afrikanischen Mahagoni-Arten der Gattungen Entandophragma und Khaya aus der Familie der Meliaceae. Ein besonderes Kennzeichen ist der sehr hohe Baumwuchs von 40 bis 60 m.

Das holzwirtschaftliche Potential der regengrünen Trockenwälder beschränkt sich auf Feuerholz und Baumaterial für Einhegungen. Auch wenn ihre Produktivität aufgrund der Standortbedingungen und anthropogener Einflüsse gering ist, sind sie oft von lebenswichtiger Bedeutung für die einheimische Bevölkerung. Neben der bereits genannten Brennholzversorgung spielen sie vor allem in der Gewinnung von Waldnebenprodukten wie Blätter, Wurzeln usw. aber auch in der menschlichen Ernährung eine wichtige Rolle (a.a.O., 86).

Mangrovenwälder werden wirtschaftlich auf vielfältige Weise genutzt. Sie haben im Vergleich zu anderen Tropenwaldtypen den großen Vorzug, dass sie einheitliche Produkte sowohl hinsichtlich der Holzarten- als auch der Sortimentsverteilung liefern. Einen besonders hohen Eingriff in den Bestand bewirken die Einschläge zur Gewinnung von Brennholz und zur Herstellung von Holzkohle. Durch die hohe Widerstandskraft gegenüber Termiten und Pilzen wird das Holz auch als Bauholz z.B. für Schwellen und Pfosten genutzt. Außerdem sind Pflanzenteile bestimmter Mangrove-Arten wichtig zur Herstellung von Gerbstoff, Harz und Arzneistoffen (a.a.O., 92).

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Details

Seiten
31
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640668731
ISBN (Buch)
9783640668892
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154180
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Institut für Geographie und Geoökologie
Note
2,1
Schlagworte
Auswirkungen Regenwälder forstliche Nutzung Forst Abholzung Holznutzung Bäume Regenwald tropischer Regenwald

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