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Die Stellenanzeige - Textanalyse und lesedidaktische Konsequenzen für den fremdsprachlichen Deutschunterricht

Seminararbeit 2009 22 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Zur Thematik I

1. Abgrenzung der Textsorte

1.1. Kontextuelle Kriterien

1.2. Strukturelle Kriterien
a) Textthematik
b) Thematische Entfaltung
c) Textkohärenz

2. Beschreibung der Textsorte

3. Lesedidaktische Reflektionen

4. Lesedidaktische Konsequenzen

Fazit

Abbildungsverzeichnis

Bibliografie

Zur Thematik

Die Stellenanzeige als Unterrichtsinhalt ist beliebt. Sowohl im Deutschunterricht für Muttersprachler, als auch im fremdsprachlichen Deutschunterricht. Die Gründe dafür liegen in der Vielseitigkeit mit der die Anzeige als Unterrichtsobjekt verwendbar ist. Diese Vielseitigkeit der Anwendung soll durch die vorliegende Arbeit untermauert werden.

Da didaktisch gesehen Textsortenbestimmung und Lernzielformulierung eine Einheit bildenl, ist es sinnvoll den Überlegungen über lesedidaktische Konsequenzen für den Einsatz der Stellenanzeige im Unterricht eine Textanalyse ebendieser voran zu stellen. Die dabei herausgearbeiteten Charakteristika, dienen als Ausgangspunkt für didaktische Überlegungen und somit auch für die Lesedidaktik.

So liefert die vorliegende Arbeit zunächst eine Textanalyse der Stellenanzeige. Die Merkmale werden vielfach am vorliegenden Beispiel belegt. Dabei gliedert die Textanalyse sich in zwei Abschnitte. Zunächst in die Abgrenzung und daraufhin folgend in die Beschreibung der Textsorte. Ersteres erfolgt einerseits nach kontextuellen, andererseits nach strukturellen Kriterien. In der Literatur wird diesbezüglich häufig auch in textexterne und textinterne Merkmale unterschieden.

Ist die Abgrenzung der Stellenanzeige und deren textsortenspezifische Einordnung abgeschlossen, erfolgt die Beschreibung, in der auf Akzente eingegangen wird, die innerhalb der Stellenanzeige syntaktisch und stilistisch gesetzt werden.

Beide Teile sind insoweit notwendig, da die Lesedidaktik sowohl die Textfunktion, als auch die innere Ausgestaltung eines Textes in der Unterrichtsumsetzung zu berücksichtigen ersucht.

Bevor in dieser Arbeit jedoch auf die gezogenen Konsequenzen eingegangen wird, steht eine Reflektion darüber, welche Grundlagen abseits der Textanalyse in der Lesedidaktik eine Rolle spielen sollten.

1. Abgrenzung der Textsorte

1.1. Kontextuelle Kriterien

Die Abgrenzung der Textsorte nach kontextuellen Kriterien betrachtet die im Text vorliegende Form der Kommunikation, deren Handlungsbereich und die Funktion, die der Text ausübt.

Nach der Subklassifizierung von Sandig ist das Inserat und damit auch die Stellenanzeige eine Unterklasse der Gebrauchstexte. Die Stellenanzeige wird charakterisiert als eine nicht- gesprochene, unspontane, monologische Textform. Es besteht kein räumlicher Kontakt zwischen Sender und Empfänger, sowie keine zeitliche Kontinuität in der Kommunikation.1 Letztere würde beispielsweise bei Werbeanzeigen angestrebt um beim Verbraucher Vertrauen zu einer bestimmten Marke zu generieren. Bei einer Stellenanzeige hingegen handelt es sich um eine in unregelmäßigen Abständen erfolgende Kommunikationsform.2

Brinker klassifiziert die Stellenanzeige als Appelltext, was hinsichtlich der Handlungsintention plausibel erscheint.3 Popovis geht sogar so weit die Stellenanzeige dem Textsortenbereich der Wirtschaftswerbung zuzuordnen,4 was im Einklang steht mit Brinkers Aussage, in der Hierarchie der Kriterien zur Textsortenbestimmung sei die Textfunktion das ausschlaggebende Merkmal.5

Die Einordnung der Stellenanzeige als eine Form der Wirtschaftswerbung lässt sich zumindest für Anzeigen die nach hochqualifiziertem Fachpersonal suchen insoweit bestätigen, dass mittlerweile in Stellenanzeigen häufig Gestaltungsbausteine enthalten sind, die klassisch den Werbeanzeigen zuzuordnen sind. Dazu gehören im vorliegenden Beispiel zum einen das Universitätslogo als grafischer Bestandteil mit Wiedererkennungswert und zum anderen das rechts unten eingefügte Wasserzeichen. Dieses übernimmt eine Analogiefunktion zur Optimierung des Text-Bild-Verhältnisses, denn ein Wasserzeichen, speziell eines mit einem recht historisch anmutenden Motiv vermittelt unterschwellig postive Botschaften über den Sender der Anzeige. Es steht für langjähriges Bestehen und Renommee und soll damit die Selbstdarstellung des Unternehmens unterbewusst stützen. Den Text in Zeile 6 und 7 kann man außerdem als Headline und Subheadline, klassische Gestaltungselemente von Werbeanzeigen, bezeichnen. Sie dienen der ersten Orientierung.6 Bei der Stellenanzeige handelt es sich um eine Kommunikationsform, die im öffentlich- offiziellen Handlungsbereich stattfindet, denn Stellenanzeigen sind zumeist in der Mittwochs- bzw. Wochenendausgabe von Tageszeitungen und mittlerweile auch verstärkt im Internet zu finden. Man kann sie u.a. als offizielle Form der Bekanntmachung einer Stelle betrachten. Diese Funktion der Stellenanzeige wird direkt signalisiert, im vorliegenden Beispiel durch die offenkundige Formulierung „ [...] sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n entsprechend qualifizierte/n Teamassistentin/Teamassistenten [...]“7

Die Hauptintention einer Stellenanzeige ist jedoch die Absicht des ausschreibenden Unternehmens, durch die erfolgte Selbstdarstellung und die Darstellung der offenen Stelle, geeignete Bewerber anzuziehen, die für das Unternehmen interessant und nützlich sind. Für die Stelle ungeeignete Personen sollen sich im Idealfall gar nicht erst angesprochen fühlen, so dass möglichst wenig unnötiger Verwaltungsaufwand durch die Bearbeitung von Bewerbungen entsteht. Dieser Bestandteil der Textfunktion ist weniger offensichtlich, und somit indirekt signalisiert.8

1.2. Strukturelle Kriterien

Unter den strukturellen Kriterien versteht man die Textthematik und deren thematische Entfaltung, sowie die Kohärenz des Textes. Diese Aspekte werden im folgenden Abschnitt behandelt.

a) Textthematik

Der Textaufbau von Stellenanzeigen ist konventionell geprägt und die Thematik stark festgelegt.9 So kann man die Stellenanzeige nach Brinker einordnen als Textsorte, bei der keine generelle Normierung vorliegt, sondern die vielmehr „in verschiedenen typischen Ausprägungen oder Varianten [erscheint], die ebenfalls konventionalisiert sind und die man als Subtypen der betreffenden Textsorte bezeichnen kann“10

Stellenanzeigen sind trotz aller Freiheit der Gestaltung immer nach dem Schema „Wer sucht wen und zu welchen Bedingungen“ („Sein-Suche-Biete“) aufgebaut. Die Variationen ergeben sich daraus, dass bei Stellen die höher qualifiziertes Personal anziehen sollen die Bestandteile „Sein“ und „Biete“ ausführlicher ausgestaltet sind, was wiederum mit der Handlungsintention verknüpft ist. Inserate die den Bedarf nach Hilfskräften ausschreiben, fokussieren sich meist auf den Bestandteil „Suche“ und gehen - wenn überhaupt - nur phrasenhaft auf „Sein“ bzw.

„Biete“ ein. Das vorliegende Beispiel bezieht sich jedoch auf eine Stelle mit verhältnismäßig verantwortungsvollen Aufgaben, so dass alle Bestandteile geradezu exemplarisch vorhanden sind. Die Thematik wird nach Ermert hinsichtlich lokaler und temporaler Orientierung differenziert. In Stellenanzeigen ist die Thematik nachzeitlich orientiert. Das bedeutet, dass sich der eigentliche Inhalt auf einen Zeitpunkt in der Zukunft bezieht. Hinsichtlich der lokalen Orientierung, die die Stellung der Thematik zu Emittent bzw. Rezipient beschreibt, ist in der Stellenanzeige der Rezipient das Thema, da er möglicherweise zum gesuchten Personenkreis gehört.11

b) Thematische Entfaltung

Dieser Abschnitt gibt einen kurzen Überblick über die in Stellenanzeigen zu findenden Teilthemen, sowie über Grund- und Realisationsform der Thematik.

Die Teilthemen der Stellenanzeige sind, wie schon im vorigen Abschnitt genannt, „Sein“, „Suche“ und „Biete“. Diese sind meist explizit genannt, vertreten durch syntaktische Fügungen wie: „Wir sind...“, „Wir suchen...“, „Wir bieten...“. In der vorliegenden Anzeige stellt der Anzeigenkopf mit dem Logo der Universität den Beginn des „Sein“- Bestandteils dar, in dem der Sender sich vorstellt. Fließend ist der Übergang zum „Suche“-Teil. Dieser gliedert sich häufig, wie auch im vorliegenden Inserat, in die Überschrift [hier: „Teamassistentin (...)“ (Z.6)], sowie zwei voneinander getrennte Teilbereiche. Zum einen die Aufgaben, die die Stelle an den zukünftigen Inhaber stellt und zum anderen das Persönlichkeitsprofil, dass der Sender für notwendig hält um die Aufgaben bewältigen zu können. Die Teilbereiche sind in der Beispielanzeige unter „Ihre Aufgabe“ (Z.10) und „Ihr Profil“ (Z.14) zu finden. Die geforderten fachlichen Kompetenzen werden hier noch durch einen kurzen Absatz zu den erwünschten Softskills ergänzt. Ein Bestandteil, der wiederum charakteristisch für Stellenanzeigen verantwortungsvollerer Tätigkeiten ist. Als letzter Bestandteil der Aufbaustruktur steht der „Sein“-Teil. Bei Anzeigen wie der vorliegenden erfolgt an dieser Stelle eine Kurzvorstellung des Senders, welche die Vorzüge, die selbiger dem qualifizierten Bewerber bietet, herauszustellen ersucht. Daraufhin folgen die Kontaktdaten und sonstige Bewerbungsmodalitäten wie Fristen oder die Aussage das Bewerbungen von Frauen und Behinderten explizit erwünscht sind. Geht es um einfachere Tätigkeiten beschränkt sich dieser Teil meist auf die Kontaktdaten.12

Damit besitzt die Textsorte Anzeige sowohl deskriptive (Anforderungen, Kontaktdaten), als auch persuasive Elemente (Vorzüge der Arbeitsstelle / des Arbeitgebers).13

Zieht man die geläufige Gegenüberstellung „Überzeugen – Überreden“14 zur Bewertung heran, so erfolgt die thematische Entfaltung - zumindest bei seriösen Inseraten – bezüglich der deskriptiven Elemente in sachbetonter Realisierung und innerhalb der persuasiven Bestandteile mittels einer emotiven Form der Argumentation. So wirbt der Sender der vorliegenden Beispielanzeige u.a. mit Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten um das Interesse von potentiellen Bewerbern, die sich in ihrer Jobwahl vom Motiv der Selbstverwirklichung leiten lassen, zu gewinnen.15

c) Textkohärenz

Die Überprüfung ob ein Text kohärent ist und somit überhaupt als Text gelten darf, wird anhand von zwei grundlegenden Kriterien vollzogen. An der grammatischen Verknüpfung der Oberflächenstruktur des Textes, die u.a. durch Anaphorik (Rückwärtsbezug), Kataphorik (Vorwärtsbezug) zwischen zwei Sätzen, sowie durch Konnektoren wie Adverbien, Konjunktionen, Personalpronomen, etc. stattfindet und an der inhaltlich – thematischen Verknüpfung der Sätze.16

[...]


1 Vgl. Stocker, Karl (l977), S 39

2 siehe hierzu auch die Charakterisierung der Kommunikationsform „Schrift“ bei Brinker, Klaus (2006), S. 147

3 Vgl. Wiedmann, S. 5 – 6 Internetquelle

4 Vgl. Brinker, Klaus (2005), S. 145

5 Vgl. Popovis, Novak (1976), S. 10

6 Vgl. Brinker, Klaus (2005), S. 153

7 Vgl. Hu, Tong (2002), S. 14, 30/31, sowie Schierl, Thomas (2001), S. 90/91

8 Vgl. Stellenmarkt der Süddeutschen Zeitung (am 31.10/01./02.11.08), bzw. Abb. 1 im Abbildungsverzeichnis

9 Vgl. Kayatz, Elena (2006), S. 30, sowie Popovis, Novak (1976), S.9 9 Vgl. Vater, Heinz (1992), S. 164 - 166

10 Vgl. Brinker, Klaus (2005), S. 145

11 Vgl. Ermert, Karl (1979), S. 81f, sowie Brinker, Klaus (2005), S. 151

12 Vgl. Popovis; Novak (1976), S. 26, sowie S. 30

13 Vgl. Popovis, Novak (1976), S. 9

14 Vgl. Brinker, Klaus (2005), S.153

15 Vgl. Brinker, Klaus (2005), S. 152 – 153, sowie Popovis, Novak (1976), S.24

16 Vgl. López, J.F., S. 4, Internetquelle

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640669837
ISBN (Buch)
9783640670260
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154118
Institution / Hochschule
Universität Trier – Fachbereich II Deutsch als Fremdsprache
Note
2,7
Schlagworte
DAF Deutsch als Fremdsprache; Textsorten; Stellenanzeige; Lesedidaktik Textanalyse

Autor

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