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Ethische und moralische Bewertung von Korruption unter Berücksichtigung ihrer positiven Folgen

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff und Definition der Korruption
2.1. Begriff
2.2. Definition

3. Geschichtlicher Abriss

4. Positive Folgen von Korruption
4.1. Speed Money
4.2. Korruption als Wettbewerbsförderer
4.3. Korruption zum Schutz und Vorteil von Minderheiten
4.4. Investitionssicherheit durch Korruption
4.5. Korruption zur Kapitalstockbildung in Entwicklungsländern
4.6. Korruption als Wachstumsförderer bzw. -beschleuniger
4.7. Zusammenfassung

5. Fazit.

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,Auf den ersten Blick mag es überflüssig scheinen, über die moralische Bewertung der Korruption überhaupt nachzudenken. Es scheint, als könne es gar keinen Zweifel daran geben, dass Korruption immer moralisch zu verurteilen ist; denn schließlich hat doch schon das bloße Wort ,,Korruption’’ die negative Konnotation von Zerstörung, und oft wird es als Synonym für ,,Zerfall’’ oder ,,Zersetzung gebraucht.’’1 Diese Einschätzung von Ernesto Garzón Valdés ist in Anbetracht der unzähligen negativen Folgen und Schäden, die Korruption hervorbringen kann, gut nachzuvollziehen. Wettbewerbsverzerrung, die Blockade von Entwicklung und Innovation, Versickern von Geldern für den öffentlichen Sektor und Vertrauensverluste in politische und wirtschaftliche Eliten sind nur einige Beispiele die dieses schlechte Bild bekräftigen. Allgemein betrachtet gilt Korruption durch seine Schädlichkeit also als wirtschaftlich und politisch destabilisierend für gesellschaftliche Systeme.2

Andere Ansätze widersprechen der rein negativen Bewertung von Korruption. Zwar ist sie in zahlreichen Ländern per Gesetz verboten und wird zwecks einer Eingrenzung von wirtschaftlichen und gesellschaftliche Schäden offiziell bekämpft, sie wird von einigen jedoch nicht in jedem Fall als moralisch verwerflich angesehen.3 Die Frage ist nur, ob kurzfristige positive Folgen von Korruptionshandlungen, wie sie unter Punkt 4 beschrieben werden, ausreichen, um von einem gänzlich negativen und abwertenden Standpunkt gegenüber korruptem Verhalten abzuweichen.

Dass Korruption individuelle Vorteile bringt, ist hinlänglich bekannt, jedoch gibt es auch einige positive Aspekte beziehungsweise Formen der Bestechung, bei denen die Folgen über die vorteiligen Effekte für Einzelne hinaus gehen und sowohl bedeutende materielle als auch immaterielle Vorteile hervorbringen. Diese Arten positiver Korruption sollen mit ihren nach- und vorteiligen Gesichtspunkten im Folgenden erläutert werden. Zudem stellt sich die Frage, warum sich immer wieder mit positiver Korruption beschäftigt wird, wo sie im allgemeinen, sowohl journalistisch, als auch politisch, unternehmerisch und wissenschaftlich, als wirtschaftsschädigend und ethisch und moralisch falsch erachtet wird.4 Als einer der Hauptgründe hierfür ist zweifelsohne die Diskussion über die Kausalitäten von Korruption und Wirtschaftswachstum zu nennen. Auf der einen Seite besteht die Überzeugung, Marktwirtshaften können nur wachsen, wenn Verwaltung, Politik und Wirtschaft frei von Korruption sind.5 Auf der anderen Seite wird Bestechung zum Teil aber auch, wie in Punkt 4.2 und 4.6 erläutert, als wettbewerbs- und wachstumsfördernd angesehen. Eine dritte Meinung wird unter anderem von Stephan A. Jansen und Birger P. Priddat vertreten, die keinen direkten, empirisch bewiesenen Zusammenhang zwischen Wachstum und Korruption sehen.6

Warum findet aber nun positive Korruption so wenig Beachtung? Warum wird Bestechung fast ausschließlich als moralisch und ethisch schlecht wahrgenommen, obwohl es auch, wie unter Punkt 4 beschrieben, positive Folgen von Korruption gibt? Dies soll nachfolgend anhand einer begrifflichen und definitorischen Eingrenzung, einer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung und der Erläuterung positiver Formen der Korruption geklärt werden.

2. Begriff und Definition

Für diese Arbeit ist eine kurze Begriffserläuterung sowie die Definition von Korruption unumgänglich. Da es für dieses vielschichtige Thema weder eine einheitliche Begriffserklärung noch eine allgemeingültige Definition gibt, wird dieser Abschnitt etwas ausführlicher gestaltet als vielleicht notwendig.

2.1. Begriff

Der Begriff Korruption stammt vom lateinischen ,,corrumpere’’ ab, was soviel wie bestechen, verfälschen oder verderben bedeutet.7 Man sieht also, dass bereits das Wort ,,Korruption’’ einen ,,schlechten Ruf’’ mit sich bringt. Zudem kann dieser Begriff ganz verschiedene Inhalte haben, je nachdem, in welchem Zusammenhang er von wem gebraucht wird. So versteht zum Beispiel Hans Herbert von Arnim den Begriff in dreierlei Hinsicht. Zum einen rechnet er ,,Korruption’’ dem Verständnis der Strafrechtler zu, die darunter Handlungen verstehen, welche in den entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches aufgeführt sind. Darunter zählen beispielsweise die Tatbestände ,,Vorteilsgewährung’’, ,,Bestechung’’ oder ,,Bestechung im geschäftlichen Verkehr’’.8 Die Korruption aus der Sicht von Politik- und Sozialwissenschaftlern beschreibt Arnim hingegen als weiter gefasst, denn hier fällt unter den Begriff ganz allgemein der Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Nutzen, unabhängig davon, ob die jeweilige Tat unter Strafe steht oder nicht. Hierzu gehören dementsprechend auch Untreue oder Ämterpatronage.9 Zuletzt betrachtet Arnim den Begriff Korruption als noch weiter gefasst, nämlich als bloßes ,,Einknicken’’ vor der Macht. Damit sind Korruptionshandlungen gemeint, die dazu dienen, den eigenen Status zu verbessern, oder simpel ausgedrückt, um einfach vorwärts zu kommen oder aufzusteigen. Damit einher geht eine Aufgabe eigener Auffassungen und Überzeugungen gegenüber dem Machtinhaber. Bei diesem dritten Korruptionsbegriff geht es vordergründig um Fragen des Berufsethos von Beamten, Politikern und anderen.10 Für die Bearbeitung der Fragestellung ist es nicht nötig eine der Begriffsformen in den Fordergrund zu heben, da es sich im Verlauf der Arbeit um (positive) Korruptionsformen handelt, die durchaus verschiedenen dieser drei Begriffszusammenhänge zugeordnet werden können.

2.2. Definition

Durch die unterschiedlichen Auslegungen des Begriffs Korruption kann es keine einheitliche Definition geben. Der Grundtenor ist jedoch, dass Korruption als der Missbrauch eines öffentlichen Amtes oder einer Vertrauensstellung zum eigenen Vorteil oder zum Vorteil Dritter angesehen wird. So definiert auch Rainer-Olaf Schultze Korruption, nämlich als den ,,Missbrauch öffentlicher Macht, Ämter, Mandate zum eigenen privaten Nutzen und/ oder zum Vorteil Dritter durch rechtliche oder auch soziale Normenverletzungen, die in der Regel geheim, gegen das öffentliche Interesse gerichtet und zu Lasten des Gemeinwohls erfolgen.’’11 Diese Definition soll nun auch für diese Arbeit maßgeblich sein.

Der Vollständigkeit halber ist es jedoch sinnvoll, eine zweite Definition von Korruption anzubringen, um einen leicht differenzierten Blick auf die Grundlage dieser Arbeit zu erhalten. Hierzu soll die Definition aus ,,The Anti-Corruption Plain Language Guide’’ von Transparency International herangezogen werden. Dort wird Korruption folgendermaßen definiert: ,,[Corruption is] The abuse of entrusted power for private gain. Corruption can be classified as grand, petty and political, depending on the amounts of money lost and the sector where it occurs.’’12 Auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem Missbrauch von Macht zum eigenen Vorteil. Außerdem wird Korruption in dieser Definition noch mal in drei Unterarten gegliedert, die ,,grand corruption’’, die ,,petty corruption’’ und die ,,political corruption’’. Dabei ist die ,,grand corruption’’ als Korruption zu bezeichnen, die die höchsten Ebenen des Staates und der Regierung betrifft und bei der die korrumpierenden Personen höchste Ämter besetzen.13,,Petty corruption’’ ist dagegen der Missbrauch von Macht durch Beamte in niedrigen oder mittleren Machtpositionen. Dabei interagieren sie zumeist mit dem einfachen Bürger, der versucht, durch Bestechung einfache Güter oder Leistungen zum Beispiel in Schulen, Polizeistellen oder anderen Agenturen oder Ämtern zu erhalten.14,,Political corruption’’ beschreibt letztendlich die Manipulation von Politikprozessen, Institutionen oder vorgeschriebenen Vorgehensweisen durch politische Entscheidungsträger. Diese benutzen die ihnen anvertraute Macht, um in Machtpositionen zu gelangen, diese zu erhalten oder sie auszubauen.15

Ein weiterer Ansatz, der aufgrund seiner Aktualität hier nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die so genannte dezentrale Korruption. Sie bezeichnet eine Korruptionsform, die sich erst in den letzten circa 15 Jahren im Zuge der Transformation der öffentlichen Verwaltung vollends entwickelt hat. Durch die Dezentralisierung und Ausgliederung von Verwaltungsaufgaben aus der staatlichen Kernverwaltung und die Übertragung von hoheitlichen Aufgaben auf nicht-staatliche Organisationen kristallisierte sich diese Form heraus. Mit der Verlagerung der Aufgaben verschob sich allerdings auch das Korruptionsrisiko auf nicht-staatliche Unternehmen und entzog sich somit zunehmend einer hoheitlichen Kontrolle.16

Die beiden Definitionen und der Ansatz der dezentralen Korruption sollen in erster Linie den Begriff Korruption verständlich machen, aber auch verdeutlichen, dass es durchaus verschiede Definitionen gibt, die jeweils andere Schwerpunkte setzen. Für diese Arbeit soll die etwas allgemeiner gefasste Variante von Rainer-Olaf Schultze ausreichen, die zweite von Transparency International soll lediglich einer zu einseitigen Sicht dieses Komplexen Themas vorbeugen.

[...]


1 VALDES, Ernesto Garzón: Zur moralischen Bewertung von Korruption: ein Vorschlag, in: Dimensionen politischer Korruption - Beiträge zum Stand der internationalen Forschung, Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft 35/2005, Wiesbaden 2005, S. 155.

2 Vgl. HETZER, Wolfgang: Kapitulation vor der Korruption?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 3-4/2009, S. 6.

3 Vgl. FÜNFGELD, Brigitte/ HUBER Brigitte: Relevanz von Ethik und Moral in Zusammenhang mit Korruption, Zürich 2007, S. 5.

4 Vgl. JANSEN, Stephan A./ PRIDDAT, Birger P.: Korruption: Unaufgeklärter Kapitalismus - Multidisziplinäre Perspektiven zu Funktionen und Folgen der Korruption, Wiesbaden 2005, S. 15.

5 Vgl. GIANNAKOPOULOS, Angelos/ TÄNZLER, Dirk: Deutsche Ansichten zur Korruption, in: Aus Politik

und Zeitgeschichte, 3-4/2009, S. 17.

6 Vgl. JANSEN, Stephan A./ PRIDDAT, Birger P.: Korruption: Unaufgeklärter Kapitalismus - Multidisziplinäre Perspektiven zu Funktionen und Folgen der Korruption, Wiesbaden 2005, S. 16.

7 NOHLEN, Dieter/ SCHULTZE, Rainer-Olaf: Lexikon der Politikwissenschaft, Band 1, München 2005, S. 491.

8 Vgl. ARNIM, Hans Herbert von: Korruption - Netzwerke in Politik, Ämtern und Wirtschaft, München 2003, S. 17f.

9 Ebd. S.18.

10 Ebd. S. 19.

11 NOHLEN, Dieter/ SCHULTZE, Rainer-Olaf: Lexikon der Politikwissenschaft, Band 1, München 2005, S. 491.

12 The Anti-Corruption Plain Language Guide, Transparency International, 07/2009, S. 14.

13 Ebd. S. 23.

14 Ebd. S. 33.

15 Ebd. S. 35.

16 Vgl. MARAVIC, Patrick von: Dezentrale Korruptionsrisiken als Folge der Transformation des öffentlichen Sektors?, in: Ethik, Integrität und Korruption - Neue Herausforderungen im sich wandelnden öffentlichen Sektor?, Potsdam, 2005, S. 25f.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640665648
ISBN (Buch)
9783640665914
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v154060
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,8
Schlagworte
Korruption Folgen positive Folgen Bewertung Ethik Moral Speed Money

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