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Onlinemedien als Herrschaftsmittel neuer Öffentlichkeiten

von Ferdinand Tannwald (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Das World Wide Web als Alltagsgegenstand

2 Gesellschaftsbildung durch öffentliche Kommunikation
2.1 Mediatisierung als Metaprozess moderner Gesellschaften
2.2 Medien als Durchgangspunkt sozialer Praktiken

3 Online-Öffentlichkeiten in ihrer gesellschaftlichen Breitenwirkung
3.1 Funktionsweise von Öffentlichkeit in Massenmedien und über das Netz
3.2 Onlinemedien im politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess
3.3 Gestaltung von Öffentlichkeit im World Wide Web
3.3.1 Zum öffentlichen Machtpotential des Web-Akteurs
3.3.2 Der Einzelne als Bewahrer von Transparenz und Meinungsvielfalt
3.4 Netzinformationen und ihre Relevanz für die Massenmedien
3.5 Einschränkungen, Diskrepanzen und Konflikte von Online-Öffentlichkeiten
3.5.1 Wahrnehmungsproblematik von Netzinhalten
3.5.2 Das Elefantengedächtnis des Webs
3.5.3 Zergliederung der Gesellschaft in Teilöffentlichkeiten
3.5.4 Vermischung von Privatheit und Öffentlichkeit

4 Fazit: Öffentlichkeit im Zeitalter der Onlinemedien

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung: Das World Wide Web als Alltagsgegenstand

Seit der Einführung des World Wide Web im Jahr 1993 gewinnt das Internet Jahr für Jahr zunehmend an gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Eine Welt ohne Internet - heute nicht mehr denkbar. Immer anspruchsvollere Anwendungen und Technologien ermöglichen den Menschen stets neue alltags- und berufsspezifische Perspektiven und Handlungsgrundlagen. Laut der ARD/ ZDF-Onlinestudie waren im Jahr 2009 rund 71,6 Prozent aller Interntuser - zumindest gelegentlich - im Netz. Am häufigsten fanden sich dabei die 14 bis 29-Jährigen online (96,1 Prozent), während aber auch die Gruppe der über 50-jährigen bereits zu 41,6 Prozent regelmäßig Onlineangebote wahrnahm (vgl. Van Eimeren / Frees 2009: 338ff). Neben der Zahl der Nutzer ist auch die Nutzungsfrequenz gestiegen. Während 2008 schon 68 Prozent der User ‚gestern’ online waren, waren es 2009 bereits 72 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer pro Tag stieg ebenfalls auf aktuell 136 Minuten pro Tag an (vgl. Van Eimeren / Frees 2009: 345ff). Letzteres liegt zum einen in der Tatsache begründet, dass sich die Nutzer im Netz vermehrt multimedialen Angeboten widmen: 30 Prozent der Onlinezeit werden so auf die zeit- und ortssouveräne Nutzung von Audio- und Videostreams verwendet, während analog dazu 62 Prozent aller User Bewegtbilder über YouTube, MyVideo oder die Mediatheken der Fernsehsender betrachten (vgl. Van Eimeren / Frees 2009: 340f). Zum anderen wird den verschiedenen Kommunikationseinrichtungen im Web heute eine immer größere Bedeutung zugemessen: 39 Prozent der Zeit im Web widmen Nutzer so vor allem der Kommunikation über Email, Chats, Gesprächsforen oder Online-Communities. Jeder User ist dabei in durchschnittlich zwei Communities angemeldet, während 79 Prozent der 14- bis 19-Jährigen diese mindestens einmal pro Woche frequentieren.

Trotz gestiegener Nutzerzahl, Nutzungsfrequenz und Verweildauer „[…] lässt sich [aber] auch 2009 eine konkurrierende Beziehung zwischen Fernsehen, Hörfunk und Internet nicht feststellen. Die ‚alten’, linear verbreiteten Programmangebote dominieren weiterhin den Medienalltag.“ (Van Eimeren / Frees 2009: 347). Vielmehr geht der Trend in Richtung der gleichzeitigen und konvergenten Mediennutzung. Der Nutzer vertraut einerseits weiter auf die professionelle Vorselektion und programmbasierte Aufbereitung der traditionellen Massenmedien, wird aber andererseits auch souveräner und aktiver im Prozess individueller Informationsbeschaffung und Kommunikationshandlungen über das Internet. Insofern werden massenmediale Medieninhalte heute im Zuge der vielfältigen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten im Netz zunehmend aktiver reflektiert und kritisch kommentiert. Dies kann beispielweise bedeuten, dass einzelne Themen der Fernsehberichterstattung online nachrecherchiert und in einem Social Network mit einem Posting bedacht werden. Auf der anderen Seite wird es umgekehrt auch der Rundfunkanstalt möglich, online zu Meinungen Stellung zu nehmen oder auf zusätzliche Informationen der eigenen Website zu verweisen. Zusätzlich gestalten sich in zunehmendem Maße auch immer öfter ganz bestimmte Teil- oder Gegenöffentlichkeiten, die sich mit Nischenthemen unabhängig von den Massenmedien über Blogs oder freie Foren platzieren und präsentieren können. Auf diese Weise haben auch einzelne Akteure die Möglichkeit, sich entweder entlang der massenmedial vermittelten Themen kommentativ zu beteiligen oder individuelle Meinungen einem größeren Publikum mitzuteilen.

Durch die öffentliche Kommunikation über Onlinemedien und die Themensetzung einzelner Akteure im Netz gestalten sich heute mittlerweile immer effizientere neue Öffentlichkeiten. Unter Onlinemedien versteht man dabei „auf dem Internet basierende Medien, die drei wesentliche Merkmale aufweisen: (1) die Multimedialität (Verknüpfung von Text, Bild, Film und Ton), (2) die maschinelle Interaktivität (Beeinflussung der Informationsaufnahme durch den Nutzer) und (3) die personale Interaktivität (interaktive Kommunikation).“ (Gablers Wirtschaftslexikon 2010: o.S.). Welche Rolle spielen Onlinemedien aber hinsichtlich der Generierung breitenwirksamer Themensetzung und wie wirkungsvoll findet öffentliche Meinungsbildung dort statt? Können Onlineöffentlichkeiten zudem auch für einzelne Akteure ein wirkliches Potential bieten, Themen setzen zu können, die im Web solche Relevanz erlangen, dass sie auch von den Massenmedien aufgegriffen werden? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wird im Folgenden zuerst die Rolle der Medien hinsichtlich ihrer gesellschaftsbildenden Funktionen betrachtet und im Anschluss daran, wie vor allem Online-Medien neue Formen von Öffentlichkeit mit neuen Chancen als auch Konsequenzen entstehen lassen.

2 Gesellschaftsbildung durch öffentliche Kommunikation

Öffentlichkeit bildet sich vor allem durch die öffentliche Kommunikation in einer Gesellschaft. Dies passiert seit jeher durch technische Medien als Vermittler von Informationen. Durch die zunehmende Allgegenwart der Medien werden unsere sozialen Beziehungen immer wesentlicher von den Medien geprägt und geformt. Medien sind insofern für den Einzelnen wichtig, um durch sie in einer so mediatisierten Alltagwirklichkeit das Gebärden medial konstruierter sozialer Welten richtig interpretieren und verstehen zu können. So funktionieren die Kommunikation der Menschen untereinander und das Miteinander in der Gruppe zu einem großen Teil vor allem über das gemeinsame Verständnis über den Mediengebrauch in einer Gesellschaft. Es scheint deswegen an dieser Stelle angebracht, zuerst auf das Verhältnis von Gesellschaftsbildung und Mediendurchdringung näher einzugehen.

2.1 Mediatisierung als Metaprozess moderner Gesellschaften

Unsere Alltagswirklichkeit ist heute vor allem durch die Medien geprägt, die uns zu jeder Zeit, an jedem Ort und in verschiedensten Formen präsent sind. Der Kommunikationswissenschaftler Friedrich Krotz beschreibt dieses Phänomen mit dem Begriff ‚Mediatisierung’. Dabei sieht er den Prozess der Mediatisierung vor allem durch folgende Merkmale beschrieben (vgl. Krotz 2001: 34f):

a) Allgegenwart der Medien
b) Verwobenheit der Medien mit dem Alltag
c) Vermischung kommunikativer Formen
e) gestiegene Alltagsbezogenheit standardisiert kommunizierter Medieninhalte
f) Veralltäglichung medienvermittelter interpersonaler Kommunikation
g) zunehmende Orientierungsfunktion der Medien,
h) Konsequenzen für Alltag und Identität sowie die Kultur und Gesellschaft

Neben Individualisierung, Kommerzialisierung und Globalisierung ist die Mediatisierung damit einer der Metaprozesse der Moderne, der Alltag und Kommunikation gleichermaßen durchdringt und betrifft (vgl. Göttlich 2010: 23). Gleichsam wie Marshall McLuhans bekannteste These ‚The medium is the message’ geht auch der Mediatisierungsansatz davon aus, dass Kommunikationsmedien Kommunikationspotentiale bereitstellen, welche über ihre Inhalte hinaus die menschliche Kommunikation strukturell prägen. „Kein Medium geht allein in seinen inhaltlichen Bezügen auf. Seine eigentliche Botschaft ist die Veränderung, die es der Sinnesorganisation und damit der Grundempfindlichkeit menschlichen Daseins zufügt.“ (Hartmann 2003: 57). „Mediatisierung zielt in diesem Sinne erstens auf das Mehr an Kommunikationstechnologien und deren Ausrichtung auf zeitlicher, räumlicher und sozialer Ebene ab. […] [Sie] verweist zweitens auf das Wie des Wandels von Kommunikation sowie der Beziehungen zwischen medientechnologischen kommunikativen und soziokulturellen Wandel.“ (Lingenberg 2010: 148f). Als Grundannahme wird dabei angenommen, dass die soziale Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation darstellt. „Soziale Wirklichkeit ist ebenso wie Gesellschaft, Kultur oder Öffentlichkeit ein soziales Konstrukt, das im kommunikativen Handeln der Menschen hervorgebracht und fortwährend reproduziert wird (vgl. Lingenberg 2010: 149).

So wird gerade der Prozess der Mediatisierung heute vor allem durch die Verbreitung und Nutzung der onlinebasierten Kommunikationsmedien vorangetrieben. Denn durch die Art und Weise wie effektiv und breitflächig neue Medien mittlerweile zur privaten und öffentlichen Kommunikation genutzt werden, ändert sich zwangsläufig auch das gesamtgesellschaftliche Verhältnis dazu, wie sich öffentliche Kommunikation gestalten sollte und könnte.

2.2 Medien als Durchgangspunkt sozialer Praktiken

Öffentliche Kommunikation bedeutet also zum einen das gemeinschaftliche Handeln über und mit Medien, zum anderen ist es aber auch der gemeinsame soziale Konsens darüber, wie oder in welchem Rahmen dieses stattfindet. Andreas Reckwitz betrachtet den Sozialbegriff insofern auch ganz speziell aus praxistheoretischer Sicht, wenn er davon ausgeht, dass sowohl die Einbringung von Artefakten in alltägliche Handlungsweisen, sowie das kommunikative Handeln mit und durch technische Medien, letztendlich auf einem gemeinsamen Wissen über die Praktiken der Verwendung und Aneignung dieser basieren. So fragt er nicht danach, welches gemeinsame Wissen eine Gruppe von Personen besitzt, sondern welches Wissen in sozialen Praktiken zum Einsatz kommt. Sein Sozialbegriff stellt damit die ‚Kollektivität von Verhaltensweisen’ in den Mittelpunkt, welche sich durch ein ‚spezifisches praktisches Können’ bilden. (vgl. Reckwitz 2003: 289).

In diesem Zusammenhang werden Medien - wie auch im Mediatisierungskonzept - also einerseits immer öfter zu ‚Umwelten’ von sozialen und kulturellen Praktiken, die eine Entgrenzung von Medien und in der Folge auch die Durchdringung des Alltags durch sie bedeuten. Andererseits sind die Medien an sich gerade durch viele neue Handlungs-, Ausdrucks-, und Verhaltensweisen nicht mehr nur schlichte Objekte oder Artefakte, über die sich soziale Praktiken formieren, sondern sie vermögen selbst bestimmte soziale und kulturelle Praktiken zu erschaffen (vgl. Göttlich 2010: 228ff). In diesem Sinne sollten vor allem neue Medien heute nicht mehr nur als Kreuzungspunkte, sondern vielmehr als Durchgangspunkte sozialer Praktiken’ betrachtet werden (vgl. Göttlich 1996: 253).

So besteht die Rolle von Medien auch nie ausschließlich in der Übermittlung oder Bereitstellung von Texten Zeichen oder Symbolen allein, sondern vor allem auch in der Erzeugung von kulturellen, performativen Praktiken, die auf Vorwissen, Verhaltensroutinen und dem Verstehen der einzelnen Kommunikatoren beruhen (vgl. Göttlich 2010: 31). „Die praxistheoretische Vorstellung von Medien als Durchgangspunkte sozialer Praktiken besagt [also] […], dass Medien nicht mehr anhand ihrer […] funktionalen Leistungsmerkmale oder ihrer Operationen bis hin zur Erweiterung menschlicher Organfunktionen bestimmbar sind, sondern Praxiszusammenhänge als Netzwerke von Körpern und Artefakten bilden, die selbst Orte der Produktion und Reproduktion des Sozialen und Kulturellen sind.“ (Göttlich 2010: 30). „Es ist […] die Beziehung von den Medien und dem Sozialen, welche die Beziehung auszeichnet.“ (Hartmann 2010: 36). Gesellschaftsbildung hängt also auch wesentlich davon ab, wie sich eine Gesellschaft in ihre Medienumgebung einbindet. Denn gerade der gemeinsame Konsens darüber, wie und in welchem Umfang Medien für die öffentliche Kommunikation verwendet werden, prägt den Charakter einer Gesellschaft.

In nochmaliger Rückbetrachtung der Mediatisierung lässt sich zusammenfassend feststellen, dass Medien für unser Tun und Handeln im Alltag unabdingbar sind und als ständiger Begleiter unsere tagtäglichen Strukturen und Abläufe prägen. Medien demgegenüber als ‚Durchgangspunkt sozialer Praktiken’ zu verstehen, hilft uns, dies auch als wichtigen Faktor in der Bildung einer gesellschaftlichen und gemeinsamen Lebensbasis anzuerkennen. Diesbezüglich ist es auch nicht gleichgültig, über welche öffentlichen Medien sich Kommunikations- oder Informationsprozesse bilden oder ablaufen. Denn je nachdem welchen Charakter ein Medium hat und welche Möglichkeiten damit verbunden sind, entscheidet letztendlich darüber, wie und über welche Merkmale sich Öffentlichkeit verwirklichen und gestalteten kann.

3 Online-Öffentlichkeiten in ihrer gesellschaftlichen Breitenwirkung

Marjorie Ferguson sieht öffentliche Kommunikation als diejenigen Prozesse des Informations- und Kulturaustausches, die zwischen Medieninstitutionen, Produkten und Öffentlichkeiten gemeinschaftlich geteilt werden, weiträumig verfügbar sind und einen sozialen Charakter haben (vgl. Ferguson 1990: ix). Die öffentliche Umgebung war schon immer gleichbedeutend mit einem Netzwerk, indem Informationen und Ansichten kommuniziert werden (vgl. Habermas 1996: 360). Öffentlichkeit kann grundsätzlich auf drei Ebenen betrachtet werden: Zum einen auf der Encounter-Ebene, auf der die spontane Kommunikation als einfaches Interaktionssystem zwischen Vermittler und Publikum stattfindet. Die zweite Ebene repräsentiert die so genannte Themenöffentlichkeit, über die sich handlungsorientierte Systeme wie Veranstaltungen oder Demonstration abspielen. Die dritte und höchste Ebene ist die der Medienöffentlichkeit, in der sich Öffentlichkeit naturgemäß am ‚folgenreichsten’ vollzieht. Auf allen drei Ebenen muss die so genannte ‚Durchlässigkeit’ gewährleistet sein. Das bedeutet, dass kein Akteur verhindern darf, dass ein Thema über Anschlusskommunikation in die Medienöffentlichkeit vordringen kann. (vgl. Welz 2002: 2).

Auch wenn sich zumindest die vorhergehend beschriebenen Vorstellungen von öffentlicher Kommunikation und Öffentlichkeit bis heute gehalten haben, etabliert sich laufend ein neues Verständnis darüber, wie und über welches Medium öffentlich kommuniziert wird. Kommunikation über Massenmedien - wie dem Fernsehen oder der Zeitung - ist insofern auch gesondert zur Kommunikation über Onlinemedien zu betrachten. Um darzustellen, dass es also durchaus einen nicht unerheblichen Unterschied macht, ob sich Öffentlichkeit über traditionelle Massenmedien konstituiert oder eben über neuere Onlinemedien, sollen im Folgenden die jeweiligen Charakteristika näher dargestellt und verglichen werden.

3.1 Funktionsweise von Öffentlichkeit in Massenmedien und über das Netz

Nach Manuel Castells Theorie der Netzwerkgesellschaft haben sich heute neue soziale Formationen herausgebildet, die darauf beruhen, dass Institutionen nicht mehr aus klassisch hierarchisch-bürokratischen Medien entstehen, sondern sich in relativ flexiblen Netzwerken organisieren, die auf den digitalen Medien basieren. So entspricht die Funktionsweise der Massenmedien heute noch weitgehend dem traditionellen Verständnis von Öffentlichkeit, während moderne Onlinemedien über ihre neuen Möglichkeiten Zugänge und Netzwerke bereitstellen, die alternative oder innovative Öffentlichkeiten ermöglichen.

„Zentrale Charakteristika von Massenmedien sind einerseits ihr universelles publizistisches Leistungsangebot und andererseits ihre allgemeine Zugänglichkeit wie Verfügbarkeit.“ (Jarren 2008: 333). Die Massenmedien bedürfen überdies allerdings auch einer Institution oder Organisation, da sie nur dadurch ihr publizistische Leistungsprinzip gewährleisten können, das vor allem die Reduktion von Komplexität und Informationsflut umfasst. Ihre Aufgabe besteht darin, Themen auszuwählen und über die Relevanz der Themen für die Gesamtgesellschaft zu entscheiden. „Die Massenmedien repräsentieren somit den öffentlichen Entscheidungshaushalt, den die Einzelnen kennen müssen, um sich entscheiden zu können.“ (Jarren 2008: 331). Der Rezipient nutzt die Massenmedien also einerseits, um sich über die Themen und Meinungen zu orientieren, die gesamtgesellschaftliche Relevanz erlangen (vgl. Jarren 2008: 330f). So scheinen gerade auch der Anstieg der Themenöffentlichkeit und die Informationsflut über die Onlinemedien heute die orientierungsgebende und filternde Funktion der Massenmedien zu rechtfertigen. Andererseits stellen die Massenmedien damit im Umkehrschluss auch eine Plattform dar, über die sich Personen oder Institutionen des öffentlichen Lebens der Gesellschaft wirksam präsentieren und positionieren können. „Organisationen und Personen wollen nicht nur, sondern sie müssen in der modernen Gesellschaft aufgrund aufmerksamkeitsorientierter Zwänge erkennbar und präsent sein und sie legen daher Wert auf die ‚richtige’ Darstellung zum richtigen Zeitpunkt. Dazu benötigen sie die Massenmedien.“ (Jarren 2008: 333).

Das Internet sollte in seiner Charakteristik demgegenüber nicht als Medium im engeren Sinne, sondern vielmehr als netzwerkbasierte Technik verstanden werden, die einen aktiven Kommunikations- und Informationsprozess begünstigt. „[Es] handelt sich insofern nicht um ein Massenmedium im institutionellen oder publizistischen Sinne […], sondern um technische Infrastrukturen für interpersonale und Gruppenkommunikation, die gleichzeitig - und das ist die tatsächliche Errungenschaft des Internet - manchen Inhalten massenhafte Aufmerksamkeit ermöglichen.“

[...]

Details

Seiten
28
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640665556
ISBN (Buch)
9783640665846
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153984
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Kommunikationswissenschaft
Note
2
Schlagworte
Onlinemedien online Öffentlichkeit Internet Weblogs Twitter Facebook World Wide Web Online-Öffentlichkeiten

Autor

  • Ferdinand Tannwald (Autor)

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Titel: Onlinemedien als Herrschaftsmittel neuer Öffentlichkeiten