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Wandel der Jugend – Wandel der Schule

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Célestin Freinets reformpädagogischer Ansatz
2.1.1 Grundsätze der Reformpädagogik Freinets
2.1.2 Der Klassenrat nach Freinet
2.1.3 Funktionszuschreibungen an den Klassenrat

3. Schwierigkeiten des Klassenrats in der Praxis

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie können Schulen so verändert werden, dass sie der Situation heutiger Kinder und Jugendlicher gerecht werden, diese ernst nehmen und ihre Bedürfnisse und Interessen ausreichend berücksichtigen? Viele Schulen, die sich dieser Problematik stellen, entdecken während ihres Wandlungsprozesses reformpädagogische Ansätze neu. Dabei wird klar, dass die Modelle der zwanziger und dreißiger Jahre nicht identisch übernommen werden können, vielmehr werden reformpädagogische Traditionen nur partiell rezipiert, bzw. werden aus ihnen einzelne zentrale Elemente adaptiert.[1]

Ein immer wieder aufgegriffener reformpädagogischer Ansatz ist das Konzept von Célestin Freinet (1896 - 1966). Der Sozialist und Pazifist Freinet steht für Kooperation auf der Ebene der Einzelklassen, sowie für Kooperation zwischen Schulen. Dementsprechend ist für ihn die Selbstverwaltung einer Klasse in Form einer Kooperative eine der wichtigsten strukturellen Grundlagen seines Reformansatzes.[2] Bestimmt durch diese Grundlage bildet das Modell des Klassenrates ein unabdingbares Element der Selbstverwaltung der Klasse. „Die Klasse verwaltet sich selber durch den Klassenrat“[3] Der Ansicht Freinets nach hat die Schule die konkrete Lebenssituation der Schüler zu berücksichtigen und muss den Schülern Raum geben selber Verantwortung tragen zu können. Mit dem Klassenrat wird die Forderung Freinets nach der Selbstbestimmung der Schüler und der Demokratisierung von Schule auf Ebene der Einzelklasse umgesetzt. Wie aber sieht nach Freinets Vorstellungen ein Klassenrat aus und nach welchen Prinzipien soll er arbeiten und funktionieren? Um dies nachzuzeichnen wird zunächst knapp umrissen wie Freinets Pädagogik konzeptionell ausgerichtet ist. Im Anschluss daran wird das Modell des Klassenrates vorgestellt und auf seine Schwächen und Stärken hin untersucht. Welche Möglichkeiten bietet der Klassenrat, bzw. wo liegen seine problematischen Punkte? Was spricht für eine Umsetzung, was könnten Gegenargumente sein? Was für systemimmanent Probleme treten auf? Im Anschluss werden noch einmal die die wichtigsten Erkenntnisse prägnant zusammengestellt und drauf eingegangen was Freinets Ansatz des Klassenrats leisten kann.

2. Célestin Freinets reformpädagogischer Ansatz

2.1.1 Grundsätze der Reformpädagogik Freinets

Bei dem Franzosen Célestin Freinet scheinen mehrere persönliche Faktoren bedeutsam für seinen reformpädagogischen Ansatz gewesen zu sein.[4] Seine eigenen leidvolle Erfahrungen als Schüler, gesundheitliche Probleme, die Lebenssituation seiner Schülerinnen und Schüler, sowie seine politische Haltung.[5] Freinets eigene Schulzeit ist bestimmt durch Frontalunterricht und das Gefühl das Inhalt des Unterrichts und Lebenswirklichkeit ohne Bezug zueinander stehen. Ihm selber war ein Frontalunterricht als Lehrer auf Grund eines Lungenleides nicht möglich. Freinet beobachtet einen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem lebhaft diskutierendem Verhalten der Schüler und Schülerinnen vor dem Unterricht und ihre Verhalten während dem Unterricht. „Diese Wahrnehmung seiner Schüler(innen) veranlasst Freinet, die Kinder weitgehend selbst bestimmen zu lassen, was Gegenstand ihres Unterrichts sein solle.“[6] Also überzeugter Sozialist und Pazifist wirkt sich auch Freinets politische Grundhaltung auf seine Vorstellung von zeitgemäßer Schule aus. Ebenfalls engagiert er sich auch außerhalb der Schule für eine Veränderung sozialer Missstände.[7]

Durch Kontakt mit anderen Reformpädagogen, der Auseinandersetzung mit ihrer Literatur und der Erprobung deren Ansätze in seiner Unterrichtspraxis, sowie im Austausch darüber mit anderen Lehrerinnen und Lehren, entstand eine bis heute aktive Bewegung von Freinet-Lehrern und Lehrerinnen. Grundsatz dieser Bewegung war und ist noch heute, die Unterrichtsinhalte an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder auszurichten. Auch strukturell partizipieren die Schüler und Schülerinnen an der Gestaltung des Unterrichts. Eine verstärkte Selbst- und Mitbestimmung der Schüler und Schülerinnen ist in der Freinet-Pädagogik zentral, damit gehört Freinest Ansatz zu der Minorität von reformpädagogischen Ansätzen dieser Ausrichtung.[8] Freinet setzt bei der Demokratisierung der Schule auf der Ebene der Einzelklasse, indem er den Schülern und Schülerinnen wesentliche Entscheidungen über die Unterrichtsgestaltung in die Hand gibt. Hier nun wird der Klassenrat zum unverzichtbaren Element, denn „die Klasse verwaltet sich selbst durch den Klassenrat.“[9]

2.1.2 Der Klassenrat nach Freinet

Der Ablauf einer Klassenratssitzung nach Freinets Vorstellungen lässt sich wie folgt skizzieren. Skizzieren nur daher, weil Freinet keine Theorie des Klassenrats entwirft, sondern einen deskriptiven Zugang wählt, in er schildert, wie eine Klassenratsstunde in seiner Unterrichtspraxis abläuft.

Eine Klassenrats stunde hat einen festen Platz in der Wochen. Sie kann wird je nach Bedarf einmal oder auch mehrmal in der Woche abgehalten. Im formalen Aufbau gleichen sich die Stunden jedoch.

Mit Beginn der Klassenratsstunde nimmt ein Schüler oder eine Schülerin die Position des Lehrers oder der Lehrerin ein und leitet die Klassenratsversammlung als Präsident oder Präsidentin. Dies Amt wechselt in zeitlich regelmäßigen Abständen unter den Schülern. Hilfe und Unterstützung erhält er durch einen Schüler oder eine Schülerin, welche ein schriftliches Protokoll führt. Der Klassenraum ist zu einem Versammlungsraum geworden und alle Schüler können ihren Sitzplatz frei wählen. Die Rolle des Lehrers oder der Lehrerin sieht Freinet folgender maßen: „Der Lehrer hat sich bescheiden in den Hintergrund der Klasse hingesetzt, […]“[10] Er ist nun gleichwertiges Mitglied im Klassenrat und hat wie jeder Schüler oder jede Schülerin nur eine Stimme.Hilfen wie die Formulierung eines Antrags oder Unterstützung, z. B. des Präsidenten bei der Einhaltung der Regeln, sollten sie Ausnahme bleiben, können keine Regel sein.

[...]


[1] Vgl. Friedrichs, Birte: Der Klassenrat in der Offenen Schule Waldau – eine Schule entdeckt Freinet. In: Maas, Michael (Hg.) 2000: Jugend und Schule. Ideen, Beiträge und Reflexionen zur Reform der Sekundarstufe I. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 145.

[2] Vgl. Friedrichs, Birte: Der Klassenrat in der Offenen Schule Waldau – eine Schule entdeckt Freinet. S. 149.

[3] Brinkmann, Günter (Hg.) 1980: Theorie der Schule. Schulmodelle I: Reformpädagogik. Königstein/Ts.: Athenäum, S. 58.

[4] Einen systematischen Überblick bietet: Skiera, Ehrenhard 2003: Reformpädagogik in Geschichte und Gegenwart. Eine kritische Einführung. München, Wien: R. Oldenbourg Verlag, S. 328f.

[5] Vgl. Friedrichs, Birte: Der Klassenrat in der Offenen Schule Waldau – eine Schule entdeckt Freinet. S. 147ff.

[6] Friedrichs, Birte: Der Klassenrat in der Offenen Schule Waldau – eine Schule entdeckt Freinet. S. 148.

[7] Vgl. Skiera, Ehrenhard 2003: Reformpädagogik in Geschichte und Gegenwart. Eine kritische Einführung. S.312ff.

[8] Vgl. Kiper, Hanna 1997: Selbst- und Mitbestimmung in der Schule. Das Beispiel Klassenrat. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S 27f.

[9] Brinkmann, Günter (Hg.) 1980: Theorie der Schule. S. 58.

[10] Freinet, Céléstin 1965: Die moderne französische Schule. 2.Aufl. 1979, übersetzt und besorgt von Hans Jörg, Paderborn: Schönigh, S. 75f.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640662135
ISBN (Buch)
9783640662081
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153954
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Pädagogisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Wandel der Schule reformpädagogischer Ansatz Klassenrat Célestin Freinet

Autor

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