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Analyse der "Philosophie im Boudoir " von Marquis de Sade

Literaturwissenschaftliches Seminar: Französische Romane des 18. Jahrhunderts

Seminararbeit 2005 10 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 Umgang mit Sade

3 Systematische Erklärung der Philosophie Sades nach George Bataille

4 Sex bei Sade

5 Frau bei Sade

6 Konklusion

7 Bibliographie

1 Einleitung

In meiner Arbeit werde ich auf die Problematik im Umgang mit Sade und seinem Werk eingehen, dessen Widersprüchlichkeit schon in den gehaltenen Referaten im Seminar im Sommersemester offensichtlich wurde. Vor allem wurde es sehr klar, wie leicht man den wissenschaftlichen Rahmen verlassen kann und dass dies nicht offensichtlich auffällt durch die zarte Komplexität des Themas.

Ich werde mit den gedanklichen Anregungen von Georges Batailles Analyse von Sades Philosophie wie auch eigenen kritischen Einwänden Sades Philosophie erklären. Meine Referatskollegin ist zwar in ihrer Arbeit schon auf die Genderproblematik bei Philosophie im Boudoir eingegangen, trotzdem wünsche ich einige kritische Einwände zu präsentieren, die eine Weiterführung des Argumentationsstranges von meiner Chatterton - Seminararbeit aus dem letzten Wintersemester sind.

2 Umgang mit Sade

Wie soll man Sade lesen? Wenn man ihn als pornographischen Autor liest, bringt man sich um die Philosophie, die man in dieser Form der rohen Klarheit nicht bald findet. Wenn man ihn als reinen Philosophen liest, bringt man sich um das Vergnügen der Erregung.[1] Eine gelungene Lektüre Sades zwingt den Leser die eigenen Konstruktvorstellungen von Sex, Gott und der Welt so weit abzuschalten, dass man die seinigen annehmen kann, und sich somit frei von Angst in Sades Welt bewegen kann.

Es stellt sich die Frage, was denn das neuartig Bedrohende bei Sades Werk ist, wo doch Gilde (Homosexualität mit Minderjährigen), Proust (Masochismus), Cholderlos de Laclos (Les Liasons dangereuses), Diderot (La Religieuse) genauso Tabous in ihrem Werk brachen. Zum Gerichtsverfahren 1956- Staat gegen Jean Jaques Pauvert- Der Fall Sade/ Prozess vom 15. Dezember 1956 vor der 17. Strafkammer in Paris- schreibt Jean Cocteau den Brief:

Sade ist ein Philosoph und auf seine Weise ein Moralist. Ihn anzugreifen wäre, als wollte man den Jean- Jaques der Confessions angreifen. Er ist langweilig, sein stil ist schwach, und er verdankt seinen ganzen Wert den Vorwürfen, die man an ihn richtet. Der unbedeutendste Kriminalroman aus dem prüden Amerika ist verderblicher als die allerkühnste Seite von Sade. Durch eine Verurteilung würde Frankreich sein heiligstes Amt verletzen.[2]

Das Urteil war 80.000 Francs Buße, Verfahrenskosten. Konfiskation sowie Vernichtung der beschlagnahmten Werke.[3]

Sade selber schreibt seinem Werk Justine und Juliette voran: Ich spreche nur zu den Leuten, die fähig sind, mich zu verstehen; diese werden mich ohne Gefahr lesen. Für den durchschnittlichen Geist, der den latenten Inhalt nicht heraushören kann bzw. nicht bereit ist Gedankenkonstrukte als Gedankenkonstrukte, Bilder als Bilder, Wörter als Wörter zu sehen, das Spiel als Spiel und nicht als den Angriff an seine persönliche harterbaute Lebensordnung, kann es sich bei Sades Texten höchstens um kuriose Monstrositäten handeln.

Das Problem zwischen Geisteswissenschaft und Geisteswissenschafter ist die emotionale Bindung des Menschen an seine Gedanken. Sehr wenige Wissenschaftler sind bereit die Gedanken als ein Spiel zum Zeitvertreib anzusehen, und somit sind sie nicht bereit über ihre persönlichen Gedankenkonstrukte hinauszuspielen. Somit ist Sades Werk eine Bedrohung der persönlichen Ordnung. Im gesellschaftlichen Kontext der Gesellschaftsordnung, ergo muss er verbrannt werden.[4]

3 Systematische Erklärung der Philosophie Sades nach George Bataille

Sade wurde in eine Epoche hineingeboren, in der eine gefühlsselige Richtung der Philosophie ohne jeden Vorbehalt die Ansicht vertrat, der Mensch sei gut und es genüge, ihn in den Naturzustand zurückzuversetzen, damit sich alles zum Besten wende. Auf diesem Hintergrund reizte es Sade, zum Kontrast den Beweis anzutreten, dass der Mensch böse sei, wobei er dies in allen Einzelheiten und auf jede erdenkliche Weise aufzeigte, indem er diesen Hang zum Bösen als erster in der Sexualität verankerte, was später u.a. Freud annehmen wollte[5].

Sade war der Erste, der postulierte, der Anblick von Tod und Schmerz könne dem Menschen Befriedigung verschaffen. Die Moral wie auch die Vernunft stellen die Regel auf, dies wäre etwas Verwerfliches. Jedoch können wir beobachten, wie die Missachtung dieser Regel in Kriegen und in der Geschichte immer wieder hervorbricht. Wie soll man jetzt die Boshaftigkeit oder die Verwerflichkeit des Menschen ergründen, ohne diesen in solch einem Zustand zu studieren? Sade sucht als Philosoph in Tun und Treiben der Menschen nach einer Möglichkeit, den Begriff Freiheit Rechtzufertigen. Somit ist er gegen alle Zwänge der Freiheit des Geistes.

[...]


[1] Seite 9, Mattheus, Bernd: „Sade, Holbach und die Menschmaschine“ in Sades J.J. IX

[2] Seite 263, Georges Bataille, André Breton, Jean Cocteau, Jean Paulhan, Jean-Jaques Pauvert und Maurice Garçon: „Der Fall Sade“ in Sades J.J. VII

[3] Seite 282, ibidem

[4] George Bataille: „Sade und die Moral“ in Sades J.J. VI

[5] Nimmt Psychoanalyse/Komplexe vor: die Sexualität wird in den Kindesjahren geschmiedet, Schicksal der Psyche wird bestimmt, Neigungen und Kraft bricht später aus.

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640662883
ISBN (Buch)
9783640663088
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153778
Institution / Hochschule
Universität Wien – Romanistik, Französisch
Note
2
Schlagworte
Marquid de Sade Philosophie im Boudoir Französische Romane 18. Jahrhundert Sex Libertin Octavio Paz Georges Bataille

Autor

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