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Der Einzelhandel und dessen Einfluss auf Wertschöpfungsketten

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einzelhandel in Deutschland

3. Entwicklung der Einzelhandelsstrukturen in Deutschland
3.1 Entwicklung in der BRD
3.2 Einzelhandel in der DDR
3.3 Probleme des ostdeutschen Einzelhandels nach der Wiederver- .. einigung

4. Einzelhandel in Polen

5. Einflussnahme des Einzelhandels auf Wertschöpfungsketten

6. Zusammenfassung

Literaturliste

1. Einleitung

Wertschöpfungsketten im Allgemeinen sind stets geprägt von Machtstrukturen in­nerhalb dieser. Einzelne, vermeintlich schwächere Akteure sind gezwungen sich stärkeren Gliedern unterzuordnen und Bedingungen zu akzeptieren, die unter ande­ren Voraussetzungen nicht herrschen würden. In den vergangenen Jahren trat ver­stärkt der Einzelhandel als Akteur in den Vordergrund. Wie Dannenberg in seinen Untersuchungen feststellte, „...sehen sich Landwirte (in Brandenburg und Polen, ei­gene Anmerkung) durch Einzelhandelsketten aber auch durch Verbraucher und Poli­tik einem hohen Preisdruck und/oder Qualitätsdruck ausgesetzt...“ (2007, S.155). Sie sind dadurch angehalten durch geeignete Maßnahmen auf die geänderten Bedin­gungen zu reagieren um weiterhin gewinnbringend wirtschaften zu können. Im Fol­genden soll der Einzelhandel als Akteur, die Geschichte seiner Entwicklung sowie die Gründe für den Machtzuwachs innerhalb der Wertschöpfungsketten betrachtet werden.

2. Einzelhandel in Deutschland

Definition:

„Absatz von Gütern an Endverbraucher durch spezielle Handelsbetriebe, die die Wa­ren vom Großhandel oder vom Produzenten beziehen und in der Regel ohne Be- und Verarbeitung weitergeben.“ (wirtschaftslexikon24.net, 2009)

Der Einzelhandel unterliegt seit einigen Jahren einem anhaltenden Strukturwandel. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere die Folgen der Weltwirt­schaftskrise, üben einen stetigen Handlungsdruck auf die deutschen Einzelhandels­unternehmen aus. Bereits seit den frühen neunziger Jahren kam es wiederholt zu Umsatzeinbrüchen. Laut einer Verdi-Studie (Quelle?) hatte dies eine Wettbewerbs­verschärfung einerseits zwischen den Unternehmen und andererseits zwischen ein­zelnen Betriebsformen zur Folge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach: Metro Handelslexikon 2007/2008, S.26

Während sich die Anbieter im Zuge des anhaltenden Wettbewerbsdrucks mit immer stärkeren Preisnachlässen unterboten, wurde der innerstädtische Einzelhandel zu­nehmend von Standorten in den urbanen Randgebieten abgelöst. (2002, S.5) „Da­durch hat sich bei der räumlichen Verteilung des Einzelhandels die herausragende Position der Innenstadt deutlich abgeschwächt“ (Meyer, 1992, S. 250). Entscheidend für diese Entwicklung sind zum Einen die gestiegene Mobilität der Verbraucher und zum Anderen die Zunahme der Verkaufsflächen (vgl. Verdi, 2002, S.5). Ein weiterer Grund ist das Kaufverhalten der Kunden, das sich auch seit einigen Jahren einer starken Wandlung unterzieht. Dies führte in einigen speziellen Bereichen zu einer Spezialisierung in Form von Fachmärkten (Abb.2) und in anderen Bereichen zu Despezialisierungen in Form von Verbrauchermärkten mit einem vielfältigen Waren­angebot. Eine vom restlichen Europa abgegrenzte Entwicklung ist die in der BRD seit den 1960er Jahren auftretende Manifestation Etablierung von Lebensmitteldiscoun­tern. Mit Marktstrategien, wie beispielsweise einem begrenzten, dauerhaft sehr preiswerten Angebot, setzen sie andere Einzelhandelsunternehmen zunehmend un­ter Anpassungsdruck. Folge war der Einbruch der Gewinnmargen seit endgültigem Anstieg der Discountsparte Anfang der 90er Jahre. Abbildung 1 zeigt den Anstieg des Marktanteils der Discounter am Gesamtumsatz (mit Aldi), im Zeitraum von 1997 bis 2007, um 11,4 % auf 41,1 %. Im Jahr 2006 setzten die Discounter Waren im Wert von etwa 54 Milliarden Euro um (BVL, 2007). Allein Aldi als größter Lebensmit­teldiscounter steigerte seinen Anteil am gesamtdeutschen Markt zwischen 1997 und 2007 um 3,6% (vgl. Abb.1). Aldi gilt als Signalgeber im deutschen Einzelhandel, dem andere Discounter und Supermärkte mit kurzem Abstand folgen. Auch bei der Anzahl der Geschäfte nehmen die Discounter mit etwa 14800 Ladeneinheiten einen stetig wachsenden Anteil ein. Im Jahr 2007 entsprach dies schon 26.9 % der gesamten Geschäfte der deutschen Einzelhandelsunternehmen. Im Vergleich dazu hatten die Supermärkte mit 8170 Geschäften einen Anteil von 14,9 % (vgl. BVL, 2009). Den zweitgrößten Marktanteil mit 29,2%, nehmen aktuell die großen Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser mit eine]r Verkaufsfläche ab 1500 m2 ein. Die stärksten Einbu­ßen mussten die Geschäfte mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Struktur des Einzelhandels in Deutchland

Quelle: eigene Darstellung nach: Metro Handelslexikon

einer Verkaufsfläche von weniger als 800 m2 Verkaufsfläche. Ihr Anteil fiel von 29,2 % im Jahr 1997 auf nur noch 16,1 % im Jahre 2007. Die steigenden Betriebs- und Un­terhaltskosten kompensieren die Unternehmen größtenteils durch Personaleinspa­rung (vgl. Verdi, 2002, S.6). Neben den Lebensmitteldiscountern ist der Einzelhandel vor allem durch Einzelhandelsverbundgruppen, in denen mehrere unternehmen zu­sammengefasst sind, geprägt. Diese verbuchten bereits im Jahr 2002 rund ein Drit­tel des Gesamtumsatzes (Wortmann, 2003, S.4). Bedeutende Verbundgruppen sind

Tab.1: Entwicklung von Beschäftigten und Umsatz im Einzelhandel in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach: Statistisches Jahrbuch 2009, S. 401

Tengelmann oder EDEKA. In Tabelle 1 fällt vor allem die fluktuierende Beschäfti­gungszahl auf. Dem gegenüber steht ein bis zum Jahr 2007 stetig wachsender Um­satz. Einzig das Jahr 2008 verzeichnete einen deutlichen Umsatzrückgang. Dies ist wohl auf das zögerliche Kaufverhalten im Zuge der Weltwirtschaftskrise zurück zu führen. Diesbezüglich gilt es jedoch genauere Analyseergebnisse abzuwarten. Aktu­elle Statistiken des Statistischen Bundesamtes bestätigen einen erneuten Umsatz­rückgang. Im September 2009 setzte der Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahres­monat 3,9% weniger um (vgl. Statistisches Bundesamt, 2009, Pressemitteilung Nr.412).

3. Entwicklung der Einzelhandelsstrukturen in Deutschland

3.1 Entwicklung in der BRD

Betrachtet man die Entwicklung des deutschen Einzelhandels vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute, so treten mehrere Entwicklungen in den Vordergrund. Kulke zählt den Wandel vom personalkostenintensiven Bedienungsladen hin zum perso­nalkostensparenden Selbstbedienungsladen als wichtiges Resultat des Betriebsfor­menwandels (vgl. 2004, S.153). Dies trifft zugegebenermaßen nicht auf alle Bereiche des Einzelhandels zu, stellt jedoch auf den Lebensmitteleinzelhandel bezogen, die

Abb.3: Merkmale und Entwicklungsphasen von Betriebsformen im Einzelhandel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

dominierende Betriebsform dar. Die Anzahl der SB-Läden stieg im Zeitraum von 1951 bis 1965 von 39 auf 53125 Läden (vgl. Disch, W, 1966, S. 60f.), worauf eine Netzausdünnung von etwa 154000 Betrieben im Jahr 1966 auf 60361 Betriebe im Jahr 1990 folgte. Die mittlere Verkaufsfläche erhöhte sich in dieser Zeit jedoch von 53m2 auf 283m2 (vgl. Kulke, 1996, S. 8). Die in Kapitel 2 beschriebene Flächenex­pansion hatte ihren Ursprung somit bereits weit vor dem Mauerfall. Eine weitere Hauptrichtung der Entwicklung war die immer weiter fortschreitende Filialisierung des Einzelhandels. „Bei Filialistensystemen führt ein Mehrbetriebsunternehmen an ver­schiedenen Standorten Filialbetriebe; durch sie können die Umsatzpotenziale ver­schiedener Raumeinheiten erschlossen und gleichzeitig interne größenbedingte Kos­tenersparnisse realisiert werden (economies of scale)“ (Kulke, 2006, S.157). Diese Filialisierungswelle, wie sie Vogels, Boll & Birk bezeichneten, setzte sich bis heute in vielen Zweigen des deutschen Einzelhandels durch (1998, S.12). Die Filialisierung hatte zur Folge, dass traditionelle Einzelhändler durch die Konkurrenz der kosten­günstigeren Betriebsform auf Dauer nicht wettbewerbsfähig bleiben konnten. Da­durch entwickelte sich ein immer einheitlicheres Stadtbild, da die großen Filialen in der Lage sind deutschlandweit und auch zentrumsnah zu agieren. So lag der Filiali- sierungsgrad im Jahr 1995 zwischen 40 und 60% in allen größeren westdeutschen Städten, in Köln sogar bei 85% (vgl. Baasch, 2006, S. 9).

3.2 Einzelhandel in der DDR

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem marktwirtschaftlichen System in Westdeutschland stand das sozialistische, planwirtschaftliche System der sowjetischen Besatzungszone, später der DDR, gegenüber. Die staatlich gelenkte Wirtschaft schloss Wett­bewerb der Einzelhandelsbetriebe untereinander von vornherein aus. Wie die Abbildung 4 zeigt, nahmen die Läden der Handelsorganisation (HO) mit 40% den größten Anteil am Gesamt­umsatz des Einzelhandels der DDR ein. Den zweitgrößten Anteil mit 30 % nahmen die Ge-schäfte der nichtstaatlichen nossenschaft ein. Diese ten hatten ihren Ursprung bereits in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts und wurden nach Zwangsenteignung und Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus wieder zugelassen und entschädigt. Sie wuchsen zum zweiten Standbein des DDR-Einzelhandels heran (vgl. MDR, 2009). Ziel war es, durch Bündelung der Kaufkraft, den Großhändlern gegenüber günstigere Einkaufskonditionen zu erwirken. Sie waren, genau wie der private Ein­zelhandel, auf Überlassungsabkommen der HO angewiesen, wollten sie staatlich rationierte Waren verkaufen (vgl. Berekoven 1986, S.152). Mit etwa 400.000 Be­schäftigten stellte der EH einen der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. „Wegen der staatlichen administrierten Festpreise und der einheitlichen Sortimente hatten die Verbraucher wenig Veranlassung, dem nächst gelegenen Geschäft ein anderes vor­zuziehen" (Spannagel 1995, S. 266. In: Panic 1999, S.47). Dies führte zu vielen klei­nen Verkaufsstellen ohne kundenorientierte Serviceleistungen. Die durchschnittliche Verkaufsfläche lag noch in den 1980er Jahren bei 64m2, wobei eine Vielzahl der Lä­den nur 25m2 und weniger aufwies (Berekoven 1986, S.153). In den letzten Jahren vor dem Mauerfall wurde vor allem die Betriebsform der „Kaufhallen“ unterstützt be- kannt und deren Verbreitung aktiv unterstützt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640659500
ISBN (Buch)
9783640659579
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153742
Note
2,0
Schlagworte
Einzelhandel Wertschöpfungsketten Wirtschaftsgeographie Governance Deutschland

Autor

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