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„Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas (Fils) - Die Rolle der Marguerite Gautier und die Erzählstruktur

Studienarbeit 2006 15 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Alexandre Dumas (Fils) Leben und Werk

Marie Duplessis, das Vorbild für „La Dame aux camélias“

Der Roman im Vergleich zur Wirklichkeit

Die Kameliendame als Konsumroman

Das zweideutige Porträt der Marguerite Gautier

Sympathie für die Kurtisane
Erwecken von Mitleid
Marguerites abwertendes Selbstbild
Erinnerung an christliche Wertvorstellungen
Leserakzeptanz durch den Aufbau des Romanes
Veredelung Marguerites

Résumée

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Son genre n’est pas noble mais elle était noble dans son genre.“[1]

Diesen Satz schrieb der französische Novelist Arsène Houssaye in seinen „Confessions“ über Marie Duplessis, die das Vorbild für die Romanfigur Marguerite Gautier ist.

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas (fils) befassen und dabei die Rolle der Kurtisane Marguerite Gautier und die Erzählstrategie näher untersuchen. Da der Roman auf eine wahre Begebenheit aus der Biographie von Alexandre Dumas (fils) zurückzuführen ist, beginne ich mit einem Einblick in sein Leben. Im Anschluss gehe ich näher auf die Kurtisane Marie Duplessis ein, um die Ähnlichkeit mit der Romanfigur Marguerite Gautier deutlich zu machen.

Der Romanstoff wurde unter anderem von Verdi zu der Oper „La Traviata“ umgearbeitet, die 1853, ein Jahr nach der Premiere des Theaterstückes in Venedig Premiere feierte. Ab 1880 spielte die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt die Hauptrolle in der Kameliendame und feierte damit weltweit große Erfolge. Das Stück sollte zu ihrer Lebensrolle werden und wurde 1911 auch mit ihr verfilmt.

Mehr als zwanzig Fernseh- und Kinofilme wurden bis heute über den Stoff der Kameliendame gedreht.[2] Damals wie heute schätzen die Leser, beziehungsweise das Publikum, die traurige Liebesgeschichte der Marguerite Gautier und des Armand Duvals. Der Roman gilt als „Konsumroman“. Den Begriff werde ich definieren und erklären, warum die Geschichte der Kameliendame wirklich in dieses Genre einzuordnen ist.

Francisque Sarcey, ein bekannter Theaterkritiker, schrieb über das Theaterstück, das kurz nach dem Roman erschien: „C’est une pièce de la vingtième année, spontanément, jaillie d’une âme jeune et ardente. Point ou peu d’étude: c’est un cri de passion. Mais l’histoire est une des plus vraies qui aient paru.“[3]

Die Frage ist, ob der Erzähler wirklich so unbedarft die Geschichte aufschreibt, oder ob er nicht ganz bestimmte Erzählstrategien verwendet, damit der Leser beispielsweise mit der Kurtisane sympathisiert. All das gilt es zu untersuchen. Dabei werde ich mich besonders mit einem Text von Hans-Jörg Neuschäfer über die Erzählstrategie auseinandersetzen.

Alexandre Dumas (Fils) Leben und Werk

Der französische Romanschriftsteller und dramatische Dichter Alexandre Dumas (Fils) wurde am 27. Juli 1824 als Sohn von Autor Alexandre Dumas und der Näherin Marie - Cathérine Laure Labay in Paris geboren. Seine Eltern waren nicht verheiratet.[4]

1831 erkannte Alexandre Dumas seinen Sohn an und erhielt das Sorgerecht.

Dieser besuchte ab dem Alter von neun Jahren das Collège Bourbon (ein Internat), das er 1841 als 17-jähriger erfolgreich abschloss. Nach seinem Abschluss lebte er als Junggeselle alleine in Paris und verschuldete sich immer mehr.[5]

1844 besuchte Dumas (fils) seinen Vater oft in dessen Villa in Saint-Germain-en-Laye. Eines Tages lernte er dort Alphonsine Plessis, genannt Marie Duplessis, kennen, die das Modell für „La dame aux camélias“ wurde.

1845 hatte Alexandre Dumas (fils) 50 000 Francs Schulden. Deshalb begann er den Roman „Aventures de quatre femmes et d’un perroquet“ zu schreiben, der 1846 erschien. Er trennte sich von Marie Duplessis, um der Liebhaber von der jungen Schauspielerin Anais Liévenne zu werden. Im selben Jahr begleitete Alexandre Dumas (Fils) seinen Vater nach Spanien und Nordafrika. Von Madrid aus schrieb er Marie Duplessis, die zu dem Zeitpunkt sehr krank war.

1847 befand er sich gerade in Marseille, als er von dem Tode Marie Duplessis’ erfuhr, die auf dem Friedhof Montmartre beerdigt wurde.[6]

Daraufhin fuhr Dumas (fils) nach Paris, wo er das Gedicht: „M.D.“, zur Erinnerung an seine ehemalige Geliebte verfasste.

Ein Jahr später wurden seine beiden Romane „Le Roman d’une femme“ und „La Dame aux camélias“ veröffentlicht. 1849 dramatisierte er dann „La Dame aux camélias“. Das Stück wurde im Théatre de Vaudeville zwar angenommen, konnte aufgrund moralischer Bedenken allerdings zunächst noch nicht aufgeführt werden. Erst zwei Jahre später, am 02.02.1852 kam es zur Premiere des erfolgreichen Romans.

Alexandre Dumas (fils) wechselte noch häufig die Liebhaberinnen. Mit Nadejda Naryschkine hatte er zwei Töchter (Henriette und Jeanine Dumas). Im Jahre 1871 wurde er in die Académie Francaise gewählt. 1885 starb Dumas (fils) in Marly-le-Roi und wurde auf dem Friedhof Montmarte, einige Meter neben Marie Duplessis, beerdigt.[7]

Marie Duplessis, das Vorbild für „La Dame aux camélias“

Ich beginne meinen Einblick in das Leben von Marie Duplessis mit einem Zitat von Liszt, der eine Zeit lang ihr Liebhaber war, denn es beschreibt gut den Eindruck, den ich, nach dem Lesen diverser Biographien über das Vorbild der Kameliendame, gewonnen habe:

„Ich ergreife im allgemeinen nicht Partei für Frauen nach Art der Marion Delorme und Manon Lescaut. Aber Marie Duplessis war eine Ausnahme. Sie hatte viel Herz, einen durchaus idealen Zug, und ich muß sagen, daß sie einzig in ihrer Art war. Dumas hat sie sehr gut verstanden, es fiel ihm deshalb nicht schwer, sie nachzuschaffen; sie war wohl die vollkommenste Verkörperung der Frau, die je gelebt hat.“[8]

Alphonsine Plessis (später Marie Duplessis), wurde am 16. Januar 1824 als Tochter eines Kolporteurs und einer Bäuerin in Nonant, in der Normandie, geboren. Ihre Mutter sorgte für die Familie. Der Vater war Alkoholiker. Eines Tages flüchtete die Mutter schließlich vor den Gewalttätigkeiten ihres Mannes und brachte ihre Kinder bei Verwandten in Paris unter. Sie starb, als Alphonsine acht Jahre alt war.[9] Alphonsine musste sich Tag für Tag ihr Brot erbetteln. Im Alter von 14 Jahren, verkaufte sie der Vater an einen älteren Mann, dem sie bald davonlief. Sie war dann als Wäschermädel, Wirtshausmagd und Schirmarbeiterin tätig. In Paris ging sie eine Liaison mit einem wohlsituierten Geschäftsmann ein, der sie aushielt und ihr eine kleine Wohnung einrichtete. Nach dem ersten Liebhaber fanden sich schnell Nachfolger. Ihr Bedürfnis nach Luxus und Prunk wurde dabei immer größer. Jeder neue Liebhaber musste ihr mehr bieten. Plessis hatte außerdem eine besondere Neigung für kulturelle Dinge. Sie eignete sich Lesen und Schreiben an und hielt sich Sprach-, Zeichen-, Tanz- und Musiklehrer. Mit besonderer Freude lernte sie Klavier spielen. Ihre Wohnungen wurden größer und eleganter, sie hielt sich Dienerschaft, Pferd und Wagen.[10]

Alphonsine Plessis war groß, sehr schlank, mit schmalen Gliedmaßen, einem kleinen Kopf und langem schwarzen Haar. Ihre Gesichtsfarbe war blass, ihre Wangen rosig. Mit ihren kirschroten Lippen, den weißen Zähnen und großen glänzenden Augen war sie außergewöhnlich hübsch. Schon früh galt sie als Modekönigin von Paris.[11] Fast täglich erschien sie in einem Theater und fiel besonders deshalb auf, weil sie immer einen Strauß Kamelien bei sich trug. Den Beinamen „Kameliendame“ gaben ihr eine Logenschließerin der Oper und ihre Blumenlieferantin. Nach Aussagen von Zeitgenossen besaß sie trotz ihres Berufes eine ganz besondere Würde. Wo sie sich zeigte, erhielt sie Bewunderung.

[...]


[1] Houssaye, Arsène 1891, S.31

[2] Dumas Fils 1981, S.539

[3] Gros 1923 S.38

[4] Vgl Dumas Fils 1981, S. 7

[5] Vgl www.rabac.com/demo/ELLIT/Noms/AuteursD/Dmafils.htm

[6] Vgl Dumas Fils 1981, S. 8

[7] Vgl Dumas Fils 1981, S. 9-16

[8] Wohle, 1901,S.56

[9] Poirot- Delpech, 1981 S.12

[10] Vgl Uhlendahl, 1929 S. 11-32

[11] Vgl Gautier Théophile

Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640661558
ISBN (Buch)
9783640661435
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153729
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2
Schlagworte
Französische Literaturwissenschaft Alexandre Dumas

Autor

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Titel: „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas (Fils) - Die Rolle der Marguerite Gautier und die Erzählstruktur