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Die Allversöhnung im Neuen Testament

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Was ist mit „Allversöhnung“ gemeint?

II. Der Ursprung des Begriffs

III. Biblische Stellen contra Allversöhnung am Beispiel von Mt 25, 31- 46:

IV. Ein allgemeiner Einblick in die exegetische Begründung der Allversöhner

V. Fazit

VI. Literaturangaben

I. Einleitung: Was ist mit „Allversöhnung“ gemeint?

Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit besteht darin, der eschatologischen Vorstellung der Apokatastasis panton anhand der Fragestellung „Lehrt das Zweite Testament die Allversöhnung?“ nachzugehen.

Gemäß der Frageform ist es notwendig, den exegetischen Befund genauestens zu analysieren und vornehmlich das Neue Testament sprechen zu lassen. Angesichts des zu behandelnden Themenfeldes macht es jedoch gleichzeitig Sinn, einen allgemeinen Einblick in die Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern der Allversöhnung zu geben, wodurch die Sicht auch auf andere theologische Disziplinen (z.B. Philosophie, Dogmatik, Moral- und Fundamentaltheologie) erweitert werden müsste. Im Rahmen eines notwendigen Kompromisses bedeutet das für die Bearbeitung der Frage, dass ausschließlich Ergebnisse aus der neutestamentlichen Exegese herausgestellt werden sollen, die als Pro- und Contra-Argumente von Anhängern wie Gegnern verwendet werden. Die Arbeit zielt demzufolge darauf ab, die neutestamentliche Exegese aus der Sicht der Allversöhnungsgegner und - anhänger zu Wort kommen zu lassen. Eine detaillierte „Wort- für- Wort“ Exegese kann damit nicht bei jeder Perikope gewährleistet werden - dies ermöglicht allerdings, mehr Argumente vorzustellen und damit die Auseinandersetzung umfassender zu präsentieren.

Der griechische Ausdruck Apokatastasis panton wurde in der Fragestellung mit dem deutschen Begriff „Allversöhnung“ wiedergegeben, um damit die im Kontext der Hausarbeit intendierte Übersetzung zu verwenden. Tatsächlich erfährt der griechische Terminus technicus nämlich abhängig vom religiösen oder profanen Sprachgebrauch unterschiedliche Übertragungen. Dabei divergieren die Übersetzungsvarianten von der „Wiederablieferung der Geiseln in ihre Vaterstadt“ im juristischen Sinne über die „Neugründung der Staatsordnung“ bzw. „Besserung der persönlichen Lage“ in der Politik hin zur „Rückkehr der Gestirne in ihre ursprüngliche Position“ aus Sicht eines Astronomen.1

Wie man bei genauerer Betrachtung dieser Übersetzungen erkennt, dürfte die allen gemeinsame Grundbedeutung in etwa „Zurückversetzung in den früheren Zustand" bzw. „Wiederherstellung“2 bedeuten. Im religiösen Verständnis des Christentums drückt man mittels dieses Begriffs die soteriologisch- eschatologische Lehre einer ausnahmslosen Aufnahme aller Menschen (Dinge, Wesen) in das eschatische Heil (Reich Gottes) aus3, oder kurzum: die „Allerlösung“ oder „Allversöhnung."4 Im katholisch dogmatischen Sprachgebrauch versteht man darunter genauer gesagt „die endliche Wiederherstellung der ganzen Schöpfung einschließlich der Sünder, Verdammten und Dämonen zu einem Zustand vollkommener Glückseligkeit.“5 Oder um mit einem evangelischen Vertreter zu sprechen: „Die Lehre [...] befasst sich mit dem Ausgang der Menschheitsgeschichte und sieht diese als Heilsgeschichte, durch die Gott Sein Heil bewirkt [...] Es handelt sich um eine Bibelauslegung, nach der sich letztlich Gott mit allen Geschöpfen und alle Geschöpfe sich mit Gott versöhnen werden.“6

Die Apokatastasis panton befindet sich somit einerseits im Gegensatz zu der geläufigeren eschatologischen Vorstellung vom „doppelten Ausgang“, nach der es eine Scheidung von Geretteten und Verworfenen geben wird, also einen „in Himmel und Hölle sich teilenden endgültigen Ausgang.“7 Andererseits trennt sie sich von der seltener vertretenen Vorstellung der „Annihilation“8, d.h. einer eschatischen Vernichtung aller Gottlosen.

Da die Gegner der Allversöhnung fast ausnahmslos der Vorstellung vom doppelten Ausgang anhängen, folgt daraus, dass der Gegenstand dieser Arbeit in letzter Konsequenz eine Art Vergleich zwischen den Argumentationen der sogenannten „Allversöhner“ und deren Gegnern, den von Hans Urs von Balthasar bezeichneten „Infernalisten“9 darstellt.

II. Der Ursprung des Begriffs

Die "einzige Stelle im Neuen Testament"10, an der die Formulierung Apokatastasis panton ausdrücklich vorkommt, ist Apostelgeschichte 3,21:

"Den [Jesus Christus] muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung [griech: apokatastasiz]] aller Dinge [griech: panton ón,] von denen Gott von jeher geredet hat.“11

Man könnte abgewandelt übersetzen mit „Zeiten der Verwirklichung all der Worte, die Gott geredet hat“12, wodurch mit der Blickwinkeländerung auf die Erfüllung von göttlichen Worten hin ein etwas anderer Wortsinn entstehen würde. Zwar würde diese Formulierung eine „Wiederherstellung der Dinge“ nicht per se ausschließen, jedoch auf den ersten Blick nicht ersichtlich werden lassen: Ein Betrachter könnte eher an göttliche Prophezeiungen und Versprechen denken. Da sich aber bei einer Gegenüberstellung an Bibelübersetzungen die Mehrzahl an Übersetzern für die Bedeutung „Wiederherstellung aller Dinge“ ausspricht, wird im weiteren Verlauf ausschließlich diese Formulierung verwendet.

Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug aus einer Bekehrungspredigt des Petrus auf dem Tempelberg in Jerusalem (Apg 3,11-26). Laut Werner von Laak spielt Petrus auf eine im Judentum bekannte messianische Hoffnung an, in welcher eine Heilszeit in Form einer Wiederherstellung des Paradieses und seines Friedens, des Verheißungslandes und des davididischen Königtums anbrechen wird.13 Auf Grund dessen beinhaltet die Perikope ein in der spätjüdischen Apokalyptik weit verbreitetes Heilsschema: "Endzeit = Urzeit."14 Da die Urzeit im Paradies vor dem Sündenfall und vor dem Beginn von Tod, Sünde und Trennung von Gott stattfindet, könnte man diese Perikope als Hinweis auf eine zukünftige Zeit verstehen, in der sich alle Menschen, wie einst im Paradies, mit Gott im Frieden befinden. Damit würde eine "Allversöhnung" stattfinden. Man muss allerdings nicht dieser Ansicht folgen - der Begriff "Wiederherstellung aller Dinge" wird an dieser Stelle nicht genügend ausgefüllt: Was ist damit genau gemeint? Wie wird es konkret geschehen? Im Grunde genommen könnte diese Wiederherstellung des Paradieses durch eine eschatische Trennung von guten und bösen Menschen geschehen, so dass Gott lediglich mittels der Geretteten eine paradiesische Zeit beginnen würde. Des Weiteren könnte man beispielsweise diesem Verständnis entgegenhalten, dass diese "Wiederherstellung aller Dinge" nicht von einer schlussendlichen Versöhnung aller Menschen spreche,15 oder dass im Zusammenhang mit dem vorausgegangenen Vers („Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden“) und mit dem Kapitelschlussvers („Für zuerst hat Gott seinen Knecht gesandt [...], damit er [...] jeden von seiner Bosheit abbringt“) die Wiederherstellung für die Menschen konditionell an Glauben gekoppelt sei, womit Nicht-Christen aus der Wiederherstellung herausfallen würden.16

Bereits auf Grund der hier vorgestellten Uneindeutigkeiten ist zu verstehen, dass weder Allversöhner noch Infernalisten im besonderen Maße auf diese Stelle eingehen und als Argument ins Feld führen, weshalb dem folgend man letztlich zugeben muss, dass „[...] die Frage, ob das Neue Testament eine letzte Wiederbringung aller Sünder lehrt, sich aus dieser Stelle nicht entscheiden lässt."17

III. Biblische Stellen contra Allversöhnung am Beispiel von Mt 25, 31- 46:

Die Infernalisten berufen sich stattdessen auf eine ganze Reihe an anderen Bibelstellen, wobei die wohl meist an primärer Stelle zitierte Perikope Matthäus 25, 31 - 46 von der Gerichtsrede sein dürfte:

"Dann wird er [der König] zu denen zur linken sagen: Gehet hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das mein Vater dem Teufel und seinen Engeln bereitet hat! [...] Und diese werden in die ewige Strafe gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben."

Dabei handelt es sich um die Gerichtsschilderung, welche für die künftigen christlichen Höllenvorstellungen von entscheidender Bedeutung war, wie sowohl Allversöhner18, (relativ) neutrale Exegeten19 als auch Infernalisten20 im Chor uniform sagen würden; in dieser Stelle stehen nämlich die Gerichtsinszenierung, die Scheidung der Menschen in Gut und Böse und der Urteilsspruch mit der Verweisung in das ewige Feuer im Vordergrund.

[...]


1 Vgl. LAAK van, Werner: „Allversöhnung“; Sinzig 1990, S. 20f.

2 Vgl. BAUER, W.: „Apokatastasis“; in: „Griechisch- deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testament und der übrigen urchristlichen Literatur““ (5. Auflage); Berlin 1958, Sp. 183; LAMPE, G.: „Apokatastasis“; in: „A Patristic Greek Lexikon“; Oxford 1961, S. 195.

3 Vgl. ROSENAU, Hartmut: „Apokatastasis“; in: „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“(Bd. 1) (4. Aufl.); Tübingen 1998, S. 323f.

4 Vgl. LENZ, Christoph: „Apokatastasis“; in: „Reallexikon für Antike und Christentum“ (Bd.1) ; Stuttgart 1950, Sp. 510-516; ALTHAUS, Peter: „Wiederbringung aller“; in: „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“ (Bd.5) (2. Aufl.); Tübingen 1931, Sp.1908-1910.

5 Vgl. LOOSEN, Jürgen: „Apokatastasis“; in: „Lexikon für Theologie und Kirche“ (Bd.1); Freiburg 1957, Sp. 709.

6 Vgl. SCHUMACHER, Heinz: „Fehler, die zur Ablehnung der Allversöhnung führen“; in: http://www.come2god.de/schumacherfehler.htm (vom 25.5.07).

7 Vgl. BERTHOLET, Alfred: “Apokatastasis“; in: Wörterbuch der Religionen“ (3. Aufl.) Stuttgart 1976, S. 41.

8 Vgl. ROSENAU, Hartmut: „Apokatastasis“; in: „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“(Bd. 1) (4. Aufl.); Tübingen 1998, S. 323.

9 Vgl. BALTHASAR von, Hans Urs: "Kleiner Diskurs über die Hölle"; Ostfildern 1970, S. 18.

10 Vgl. LOOSEN, Jürgen: „Apokatastasis“; in: „Lexikon für Theologie und Kirche“ (Bd.1); Freiburg 1957, Sp. 708.

11 Eigene Bibelzitate sind der Elberfelder Übersetzung (5. Aufl., 2002) entnommen., Perikopen in Zitaten von anderen Autoren hatten meist keine eindeutige Angabe von ihrer Bibelübersetzung.

12 Vgl. RIENECKER, Fritz: „Was ist es um die Allversöhnung?“; in: www.rgav.de/akzente/altehefte/57-5.doc (vom 25.5.07).

13 Vgl. LAAK van, Werner: „Allversöhnung“; Sinzig 1990, S. 23.

14 Vgl. LOOSEN, Jürgen: „Apokatastasis“; in: „Lexikon für Theologie und Kirche“ (Bd.1); Freiburg 1957, Sp. 708.

15 Vgl. KLATT, Manfred: „Ewige Verdammnis oder Allversöhnung?“, in: http://www.efg- hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/allversoehnung.html (vom 24.5.07).

16 Vgl. KLATT, Manfred: „Ewige Verdammnis oder Allversöhnung?“, in: http://www.efg- hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/allversoehnung.html (vom 24.5.07).

17 Vgl. LAAK van, Werner: „Allversöhnung“; Sinzig 1990, S. 24.

18 Vgl. z.B. SCHUMACHER, Heinz: „Versöhnung des All - Gottes Wille“ (3. Aufl.); in: http://www.come2god.de/schumacheraeonen.htm (vom 29.5.07).

19 Vgl. z.B. VORGRIMMLER, Herbert: "Geschichte der Hölle" (2.Aufl.); München 1994, S. 16.

20 Vgl. z.B. RECKINGER, Francois: "Alle, alle in den Himmel?"; Altenberge 2002, S. 29. 6

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640660384
ISBN (Buch)
9783640660919
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153662
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholische Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Allversöhnung Apokatastasis panton Neues Testament Eschatologie Jenseits Auferstehung Himmel Hölle Fegefeuer

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Titel: Die Allversöhnung im Neuen Testament