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Der Anfang und das Ende des Kalten Krieges

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Begriffserklärung

2. Der aktuelle Forschungsstand der Themenfrage

3. Die Ursprünge des Kalten Krieges
3.1. Der Zweite Weltkrieg
3.2. Ideologische Unterschiede
3.3. Die Rolle Deutschlands
3.4. Ökonomische Unterschiede
3.5. Militarisierung des Kalten Krieges

4. Das Ende des Kalten Kriegs

5. Fazit
5.1. Die Ursachen für den Anfang und das Ende des Kalten Krieges
5.2. Die Periodisierung des Kalten Krieges

6. Literaturangaben

1. Einleitung: Begriffserklärung

Von 1945 bis etwa 1990 war die Welt in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite standen die westlichen Demokratien unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), auf der anderen Seite des Grabens positionierten sich die kommunistischen Staaten mit der Sowjetunion (UdSSR) an ihrer Spitze. Für circa. 45 Jahre war dieser weltanschauliche Gegensatz von Kommunismus und westlicher Demokratie das bestimmende Merkmal der Weltpolitik in Form einer machtpolitischen Rivalität gerade zwischen den USA und der UdSSR als Hauptkontrahenten. Trotz des Fehlens einer einheitlichen Definition[1] oder auch nur einer allgemein anerkannten Periodisierung der Auseinandersetzung[2] kann man diesen geographischen „Ost-West-Konflikt“ wohl im Kern als einen ideologischen Konflikt zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Wirtschafts­und Gesellschaftssystemen bezeichnen. Dabei resultiert die Bezeichnung „Kalter Krieg“ für diesen Systemkonflikt aus dessen besonderen Form der Austragung - obwohl man sich auf alle erdenkliche Weisen anfeindete (politisch-ideologisch, ökonomisch, technisch­wissenschaftlich, kulturell- sozial, über Stellvertreterkriege in Korea und Vietnam etc.), vermieden beide Seiten dennoch eine direkte, konventionell militärische Auseinandersetzung. Obwohl man sich damit ständig am Rande eines Vulkans bewegte, quasi in einem „Totalen Krieg“[3] lebte, wurde letzten Endes nie ein Schuss abgegeben! Ein Kriegsausbruch lag bei diesem „Nicht-Frieden“ somit immerzu in der Luft, blieb aber von beiden Seiten aus Furcht vor den Folgen eines atomaren Angriffs unausgeführt, d.h. „kalt“, wie erstmalig vom US- Präsidentenberater Bernard Baruch am 16. April 1947 in einer Ansprache erklärt und über das gleichnamige Buch „The Cold War“ des amerikanischen Journalisten Lippmann im Mai 1947 in derÖffentlichkeit großflächig popularisiert wurde.

Mit der Geschichte des „Kalten Krieges“ hat sich die historische Forschung intensiv beschäftigt, besonders mit der Frage, wie es zu dieser unversöhnlichen Konfrontation kommen konnte. Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit soll nun darin bestehen, in einem ersten Teil den Ursachen für den Beginn des sog. „Kalten Krieges“ nachzugehen, um im zweiten, kürzer gehaltenen Teil mit den Gründen für das Kriegsende zu schließen. Da die Ursachen insgesamt sehr komplex ausfallen und die Literatur zu diesem Thema unüberschaubar geworden ist[4], kann mein Versuch der Ursachenbeschreibung nur einige wenige ausgewählte Hauptgründe aufgreifen.

2. Der aktuelle Forschungsstand der Themenfrage

Die historische Forschung war und ist sich in der Bestimmung eines hauptverantwortlichen Grundes für das Zustandekommen des Kalten Krieges uneins. Im wesentlichen lassen sich dabei drei verschiedene Forschungspositionen[5] aufzeigen:

1) So gingen die sog. „Traditionalisten“ in den ersten zwanzig bis dreißig Jahren nach Ausbruch des Kalten Krieges davon aus, dass der Konflikt auf die aggressive, expansive Sowjetpolitik unter der Führung des machtbesessenen Diktators Josef Stalin zurückzuführen sei, welche den Westen zur Reaktion einer Eindämmungspolitik gezwungen habe: „Es war klar, dass es [Russland] nicht nur sein Ansehen, sondern in noch stärkerem Maße seine Macht und seine Besitzungen vermehren würde; es stand ebenfalls außer Frage, dass sein Hauptehrgeiz nicht das internationale Prestige des Kommunismus betraf, sondern in erster Linie auf die Beherrschung Osteuropas ausgerichtet war. All dies gab Stalin selbst lange vor Jalta [...] zu verstehen. Die Tragödie war, dass sie [die Westmächte] - insbesondere die Vereinigten Staaten - der Situation erst ins Gesicht sahen, als es zu spät war.“[6] Die traditionelle These erklärte außerdem die sowjetische Interpretation des Marxismus zur Ursache des Kalten Krieges, der zufolge eine den kapitalistischen Staaten feindliche Parteioligarchie zur Wahrung des marxistischen Ziels einer Weltrevolution habe aufgebaut werden müssen.

2) Diese einseitige Schuldzuweisung wurde später durch eine Reihe zumeist junger

Historiker revidiert. Für diese sog. „Revisionisten“ war nicht mehr der totalitäre Herrschaftsanspruch der Sowjets verantwortlich, sondern die amerikanische Regierung: „Die Ursachen der Konfrontation sind [...] in der Struktur des ökonomisch­politischen Systems der Vereinigten Staaten zu finden. Zur Vermeidung existenzieller Krisen war die liberal- kapitalistische Gesellschaft der USA [...] auf die permanente Erschließung neuer Handels- und Absatzmärkte und damit indirekt auch auf Ausdehnung ihres politischen Einflussbereiches angewiesen.“[7] Laut der revisionistischen These stellte der angebliche sowjetische Expansionsdruck lediglich einen Vorwand zur Rechtfertigung der eingeschlagenen Politik Washingtons dar[8] - schließlich sei das geschwächte Russland im Zweiten Weltkrieg nur knapp der militärischen Katastrophe entkommen, habe einen unendlichen Verlust an

Menschenleben und Ressourcen zu überwinden gehabt und habe somit bei Kriegsende einer ökonomisch florierenden, traditionell antisowjetischen und nun über das Atomwaffenmonopol verfügenden Weltmacht nahezu hilflos gegenüber gestanden. Der amerikanische „Dollar- Imperialismus“[9] habe daraufhin diese Schwäche zur Schaffung einer weltweiten Politik genutzt, bei der seine kapitalistischen Wirtschaftsvorstellungen und demokratischen Ideale Anderen aufgezwungen worden seien.

3) Heutzutage haben die sog. „Postrevisionisten“ das Wort, deren Ansicht in der Literatur interessanterweise unterschiedlich expliziert wird: So erklärt z.B. Bernd Stöver, dass Postrevisionisten das Fehlverhalten und die Fehlinterpretation beider Seiten als Ursache des Kalten Kriegs sehen würden.[10] Dem entgegen erklärt z.B. Rolf Steininger, dass die Postrevisionisten sich den Traditionalisten mit dem Fazit einer Schuldzuweisung an die Sowjets annähern würden: „Er [der Kalte Krieg] war nicht wegen der viel zitierten gegenseitigen Fehlperzeption ausgebrochen: Mit Stalin war eine Kooperation nicht möglich.“[11] Obwohl beide Bücher erst wenige Jahre jung sind, ist diese unterschiedliche Rezeption bereits in der Forschung thematisiert worden. So konstatiert z.B. Christian Müller, dass die Forschungstendenzen seit Ende des Kalten Krieges „geradezu gegensätzlich“[12] bewertet würden: Auf der einen Seite betone Bernd Stöver in Anlehnung an Wilfried Loth und Daniel Yergin die Rolle von Fehlwahrnehmungen und daraus resultierenden falschen Entscheidungen, die zur Zuspitzung des Systemgegensatzes geführt haben.[13] Auf der anderen Seite vertrete Rolf Steininger demgegenüber die Auffassung, die Postrevisionisten würden im Wesentlichen die Traditionalisten bestätigen, wonach die Sowjetunion expansiv und aggressiv war und so maßgeblich den Kalten Krieg ausgelöst habe.[14] Eine weitere Definition des Postrevisionismus zeigt, dass er tatsächlich unterschiedlich in der Forschung verstanden wird: „Der hauptsächlich seit den 1990ern hinzugekommene Post-Revisionismus verlässt sich [...] mehr auf die Analyse von schrittweise zugänglich gewordenen Archiven beider Kontrahenten nach dem Ende des Kalten Krieges. Dieser Ansatz gilt allgemein als ausgewogener, auch wenn in ihm ebenfalls Schwerpunktlegungen auf eine der beiden Seiten vorzufinden sind.“[15] Demzufolge scheint es verschiedene Nuancen in der Postrevisionismustheorie zu geben. Ein vielfach genannter Vertreter dieser Schule, John Lewis Gaddis, erklärt beispielsweise, dass beide Seiten sich gegenseitig hochgeschaukelt hätten, differenziert jedoch weiterhin, indem er wiederum Stalins Persönlichkeit als herausragende Ursache bei der Entstehung des Kalten Krieges hervorhebt und den USA eher die reagierende Rolle zuschreibt.[16] Tatsächlich scheinen also manche Postrevisionisten beide Ansätze in einer These von beiderseitiger Verantwortung mit einer erstauslösenden UdSSR vereinen zu wollen. Wenn Steininger also von einer Schuldzuweisung Stalins in der postrevisionistischen Theorie schreibt, dann hat er damit eine mögliche postrevisionistische Ansicht wiedergegeben.

Alternativ sprechen andere Postrevisionisten von einer rein beiderseitigen Verantwortung, wie z.B. Walter Stützle: Er führt die Krise zwischen Ost und West vor allem darauf zurück, dass die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Verhältnis zueinander entscheidende Grundprinzipien für die Erhaltung des Friedens verletzt bzw. in Zweifel gezogen hätten.[17] Eine ähnliche Ansicht liegt bei Stöver vor, der von beiderseitigen Fehlverhalten als postrevisionistische These ausgeht. Der Begriff des Postrevisionismus ist also im Gegensatz zum Traditionalismus und Revisionismus kein einheitlich geführter Terminus Technicus und wird mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt.

Neben diesen Hauptströmungen der historischen Forschung existieren noch viele weitere Meinungen.[18] So versucht z.B. der amerikanische Historiker Arthur Smith den Nachweis zu führen, dass der Kalte Krieg vor allem durch die Meinungsverschiedenheiten und Feindseligkeiten zwischen Großbritannien (GB) und der Sowjetunion ausgelöst wurde, dem sich die Amerikaner nur nachträglich angeschlossen hätten.[19] Zwar habe man den Kalten Krieg bereits 1947 als Auseinandersetzung zwischen den USA und der UdSSR gesehen, doch meint Smith dahinter noch die Umrisse eines früheren Gegensatzes zwischen GB und der UdSSR erkennen zu können. Dieser entstamme dem natürlichen Interesse der Engländer auf ein machtpolitisches Gleichgewicht in Europa, welches seit dem Sieg der Bolschewiken 1917 gefährdet gewesen sei, so dass die englisch­sowjetischen Beziehungen selten spannungsfrei geblieben sein sollen. In diesem Sinne erklärt Smith, dass englische Politiker (wie der brit. Premier Churchill) bereits zu einem Zeitpunkt vor den Sowjets warnten (und dafür von Stalin als „Kriegshetzer“ verschrien wurden[20] ) als die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen noch gut liefen. So wurde die amerikanisch- sowjetische Beziehung u.a. durch die zeitlich späte Errichtung einer zweiten Kriegsfront betrübt, wodurch die Sowjets sich lange Zeit im Stich gelassen fühlten. Während die Amerikaner für eine schnelle Errichtung einer zweiten Front plädierten, sprachen sich die Engländer zwecks vorgeblicher Forcierung aller Kräfte für ein langsameres, bedächtigeres Vorgehen aus - Stalin erfuhr von den widersprechenden Ansichten, sah in der englischen Zurückhaltung eine „wohlüberlegte politische Absicht“[21] gegen die UdSSR und wurde zusehends ablehnender gegenüber den Briten.[22] Dieses Misstrauen soll sich dann nach und nach von beiden Seiten hoch geschaukelt haben, bis die Amerikaner sich 1945 zu Gunsten ihrer britischen Verbündeten eingeschaltet hätten.[23]

Wie die vorangegangenen Positionen zeigen, ist es schwierig, sich zwischen den Forschungsmeinungen eindeutig entscheiden zu können: Jeder Historiker kann schließlich glaubhafte Beweise für seine Ansicht anführen. Aus diesem Umstand ist m.E. zu schlussfolgern, dass man keinen bestimmten Grund, keine bestimmte Seite (wie USA, UdSSR, GB) als Hauptverantwortlichen heranziehen kann - man sollte daher nicht von einem „Ursprung“, sondern bestenfalls von „Ursprüngen“ sprechen, die von allen Seiten gegenseitig bedingt waren.

Im folgenden Verlauf der Arbeit soll auf diese verschiedenen Ursprünge eingegangen werden.

3. Die Ursprünge des Kalten Krieges

3.1. DerZweite Weltkrieg

Beginnen wir mit der Rolle des Zweiten Weltkrieges, der die beiden Hauptkontrahenten erstmalig miteinander in unmittelbare und längerfristige Berührung brachte und somit die Grundbedingung für alle späteren Diskrepanzen schuf.

[...]


[1] Vgl. STÖVER, Bernd: „Der Kalte Krieg“; München 2003, S. 7f.

[2] Vgl. WAGNLEITER, Reinhold: in: http://www.sbg.ac.at/ges/people/wagnleitner/kalterkrieg2005/ Handout12052005.pdf (vom 26.2.2008).

[3] Vgl. STÖVER, Bernd: „Der Kalte Krieg“; München 2003, S. 9.

[4] Vgl. SCHUMACHER, Frank: „Kalter Krieg und Propaganda“; Trier 2000, S. 60.

[5] Vgl. STEININGER, Rolf: „Der Kalte Krieg“ (3. Aufl.); Frankfurt am Main 2003, S. 3f.

[6] Vgl. LUKACS, John: „Konflikte der Weltpolitik nach 1945. Der Kalte Krieg“; München 1970, S. 17f.

[7] Vgl. LOTH, Wilfried: „Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges“; München 1980, S. 10.

[8] Vgl. HOROWITZ, David: „Kalter Krieg. Hintergründe der US- Außenpolitik von Jalta bis Vietnam“ (Bd. 1); Berlin 1969, S. 15.

[9] Vgl. STEINIGER, Rolf: „Der Kalte Krieg“ (3. Aufl.); Frankfurt am Main 2003, S. 64.

[10] Vgl. STÖVER, Bernd: „Der Kalte Krieg“; München 2003, S. 11.

[11] Vgl. STEINIGER, Rolf: „Der Kalte Krieg“ (3. Aufl.); Frankfurt am Main 2003, S.3 + S. 52.

[12] Vgl. MÜLLER, Christian: Rezension zu: Steininger, Rolf: Der Kalte Krieg. Frankfurt am Main 2003. In: H-Soz-u- Kult, 28.08.2003, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-3-128> (vom 26.2.08).

[13] Vgl. MÜLLER, Christian: Rezension zu: Stöver, Bernd: Der Kalte Krieg. München 2003. In: H-Soz-u-Kult, 28.08.2003, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-3-128> (vom 26.2.08).

[14] Vgl. MÜLLER, Christian: Rezension zu: Stöver, Bernd: Der Kalte Krieg. München 2003. In: H-Soz-u-Kult, 28.08.2003, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-3-128> (vom 26.2.08).

[15] Vgl. http://www.halfValue.com/wikide.isp?topic=Kalter Krieg (vom 12.2.2008).

[16] Vgl. GADDIS, John Lewis: „Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte“; München 2007, S. 28.

[17] Vgl. STÜTZLE, Walter: „PolitikundKräfteverhältnis“; Herford 1983, S. 11.

[18] Vgl. WAGNLEITER, Reinhold: http://www.sbg.ac.at/ges/people/wagnleitner/kalterkrieg2005/ Handout12052005.pdf (vom 28.2.2008).

[19] Vgl. SMITH, Arthur: „Churchills deutsche Armee“; Bergisch Gladbach 1978, S. 26f.

[20] Vgl. STEINIGER, Rolf: „Der Kalte Krieg“ (3. Aufl.); Frankfurt am Main 2003, S. 14.

[21] Vgl. SMITH, Arthur: „Churchills deutsche Armee“; Bergisch Gladbach 1978, S. 39.

[22] Vgl. BURNS, James: „Roosevelt. The Soldier ofFreedom“; NewYork 1970, S. 237.

[23] Vgl. SMITH, Arthur: „Churchills deutsche Armee“; Bergisch Gladbach 1978, S. 179f.

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640657872
ISBN (Buch)
9783640658596
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153660
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Kalter Krieg Ost-West-Konflikt Cold War UdSSR USA

Autor

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Titel: Der Anfang und das Ende des Kalten Krieges