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Die Ursache der wirtschaftlichen Erfolge Chinas seit 1980

Studienarbeit 2010 25 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung bis 1980

3. Ursachen der wirtschaftlichen Erfolge
3.1 Reform der Landwirtschaft
3.2 Öffnung nach außen
3.2.1 Sonderwirtschaftszonen
3.2.1.1 Ausländische Direktinvestitionen
3.2.1.2 Joint Ventures und Brain-Gain
3.2.2 Außenhandel
3.2.2.1 Exportförderung und Importsubstitution
3.2.2.2 WTO-Beitritt
3.2.3 Auslandskredite, Devisen und Wechselkurs
3.3 Konzept sozialistische Marktwirtschaft
3.3.1 Zweigleisige System
3.3.2 Herauswachsen aus dem Plan
3.3.3 freier Marktzutritt
3.3.4 Managementverantwortungssystem
3.3.5 kontrollierte Ausgliederung
3.3.6 Stabilisierung
3.3.7 Sparen und Investitionen
3.3.8 Fazit

4. Kritische Betrachtung der Erfolge: Ist alles Gold was glänzt?

5. Ausblick

II. Literaturverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas[1] seit Anfang der 80er Jahre[2] sucht seinesgleichen. Nirgends in der Historie lässt sich ein anderer Staat finden, der ein über die Jahre nahezu gleichgebliebenes Wirtschaftswachstum von fast 10% vorzuweisen hat. Dabei sah es in den Spätsiebzigern noch alles andere als rosig aus. Der Großteil der chinesischen Bevölkerung lebte in totaler Armut und Hungersnöte überfluteten das Land. Zudem waren die Industrien des bevölkerungsreichsten Landes der Erde zum Großteil veraltet und man befand sich in einer außenwirtschaftlichen Isolation. Allerdings kam es zur gleichen Zeit zum Tode des damaligen Regenten Mao Zedongs, dem Staatsgründer der Volksrepublik Chinas, was die Möglichkeit für zahlreiche Veränderungen überhaupt erst eröffnete.

Mittlerweile ist China zum größten Wachstumsmarkt der Weltwirtschaft avanciert und ist damit im Jahre 2007 zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen.[3] Sollten sich die Wachstumstrends für das Jahr 2010 bestätigen, dann wird China allen Schätzungen zur Folge sogar noch in diesem Jahr den zweiten Platz von Japan übernehmen.[4] Schottete sich China einst noch von den Weltmärkten gänzlich ab, so ist es heute zu einem der wichtigsten Treiber der Globalisierung geworden.

Die Frage, wie ein solches Wachstum erreicht werden konnte und welche Ursachen dem wirtschaftlichen Erfolg Chinas seit 1980 zu Grunde liegen, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.

Um diese zu beantworten wird zunächst die wirtschaftliche Entwicklung bis 1980 (2.) skizziert. Im Anschluss hieran sollen im Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit die Ursachen der wirtschaftlichen Erfolge (3.) näher beleuchtet werden. Diese Erfolge werden danach einer kritischen Betrachtung (4.) unterzogen, bevor abschließend ein Ausblick (5.) für die Zukunft gegeben wird.

2. Entwicklung bis 1980

China ist ein Land mit einer langen und bewegten Geschichte, die ca. 4000 Jahre zurückreicht. Um die Ursachen für Chinas wirtschaftliche Erfolge seit 1980 besser nachzuvollziehen ist es zumindest notwendig die ökonomische und politische Situation seit Mitte des 20. Jahrhunderts näher zu betrachten. Am 1. Oktober 1949 wurde in Peking, nach einem Bürgerkrieg zwischen kommunistischen Streitkräften, durch den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Mao Zedong, die Gründung der Volksrepublik China proklamiert.[5] Ziel der KPCh war unter anderem die Revolution der Besitz- und Produktionsverhältnisse, was zunächst eine umfassende Bodenreform zur Folge hatte.[6] Unter Verwendung von physischer und psychischer Gewalt wurden Großgrundbesitzer enteignet und deren Ackerland an besitzlose Bauern verteilt.[7] Bereits 1956 war der landwirtschaftliche Kollektivierungsprozess, in dem Privathaushalte in Wirtschaftseinheiten zusammengeführt wurden, weitgehend abgeschlossen.[8] Zur gleichen Zeit wurde der Industrie- und Handelssektor in den Städten von der KPCh verstaatlicht.[9]

Der 1958 von Mao propagierte „Große Sprung nach vorn“ stellte einen Wendepunkt bezüglich des bis dahin betriebenen „sozialistischen Aufbaus“ dar. China sollte innerhalb weniger Jahre, durch Industrialisierung, Massenmobilisierung und Gründung von ländlichen Kollektiven (Volkskommunen), die Industrienationen wirtschaftlich überholen.[10] Aufgrund der Fehllenkung von Energien und Ressourcen scheiterte der „Große Sprung“ kläglich und mündete im Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft und Hungersnöten mit 20-30 Millionen Opfern.[11]

Im Frühsommer 1966 erschütterte ein weiteres Ereignis die Volksrepublik: die „Große Proletarische Kulturrevolution“. Diese wurde von Mao mit der Unterstützung der Armee und in den „Roten Garden“ organisierter Jugendlicher unter dem Vorwand der Parteisäuberung und Befreiung von Fehlentwicklungen begonnen. Tatsächlich aber wollte Mao damit seine eigene Machtposition in der Partei stärken.[12] Diesem Ereignis fielen erneut Millionen Menschen zum Opfer, dieses Mal durch politische Willkür, Folter und öffentliche Verfolgung.[13] Zusätzlich begann China sich gegenüber dem Ausland abzuschotten.[14] Der scheinbare Sieg der maoistischen Linken in der „Kulturrevolution“ entpuppte sich im Laufe der 70er Jahre als Niederlage, da die eigentlichen Ziele, die Modernisierung und internationale Stärkung Chinas, eher gefährdet als erreicht wurden. Aufgrund dieses Fehlschlags bildete sich innerhalb der KPCh eine breite Basis, die sich für eine Leistungssteigerung der Wirtschaft und Öffnungspolitik aussprach.[15]

Nach Maos Tod am 9. September 1976 wurden, vor allem durch das Betreiben von Deng Xiaoping, die Prinzipien Maos: Egalitarismus, Klassenkampf und Autarkie, immer bedeutungsloser.[16] Die zu diesem Zeitpunkt herrschende Situation ebnete Dengs Weg. Die Volksrepublik war wirtschaftlich ausgelaugt und litt noch unter den Folgen der Kulturrevolution. Darüber hinaus war China außenpolitisch stärker denn je isoliert.[17]

Im Dezember 1978 wurde auf einer Reformkonferenz des Zentralkomitees der KPCh unter dem Vorsitz Dengs die „sozialistischen Modernisierung“ der Wirtschaft erklärt. Diese Phase der Transformation und Modernisierung wurde 1979 durch Deng mit der Parole: „Ein Land – zwei Systeme“ eingeläutet.[18] Dieser Modernisierungsprozess sollte in kleinen experimentellen Schritten, unter Verzicht von radikalen Maßnahmen, vollzogen werden.[19]

3. Ursachen der wirtschaftlichen Erfolge

Nach der Machtübernahme Dengs hat China seit 1980 einen außerordentlichen Reformprozess durchlaufen. Er beschrieb die experimentelle Vorgehensweise der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik mit der Metapher: "Nach den Steinen tastend den Fluss überqueren". Die Erfahrungen und Errungenschaften kapitalistischer Wirtschaftssysteme sollten hierbei konsequent genutzt werden. Der Prozess wurde insbesondere durch die Entkollektivierung der Landwirtschaft, die Zulassung privater unternehmerischer Initiative und einem gewaltigen Zustrom von Investitionen aus dem Ausland angetrieben.[20]

3.1 Reform der Landwirtschaft

Die Entkollektivierung der Landwirtschaft als ersten Reformschritt zu wählen hatte gute Gründe. Auf dem Land gab es die gravierendsten Probleme, da es sich bei der ländlichen Bevölkerung um die großen Verlierer von Maos Revolution handelte.[21] Darüber hinaus würden bei erfolgreicher Umsetzung der Reformen, fast 800 Millionen Menschen von diesen profitieren und dadurch eine breite Basis der Unterstützung geschaffen werden.[22]

Aufgrund der ländlichen Organisation in Volkskommunen war die Arbeitsmotivation und -produktivität immer weiter abgesunken. Alle Bauern erhielten, unabhängig von ihrer Leistung den gleichen Lohn.[23] Zur Produktivitäts- und Leistungssteigerung wurde 1980 das System „Verantwortung der Bauernhaushalte für die Produktion“ eingeführt.[24] Dieses „Verantwortlichkeitssystem“, also die Verlagerung der Verantwortung für Entscheidungen und Ergebnisse nach unten, ermöglichte eine zügige Entkollektivierung der Landwirtschaft.[25] Bereits wenige Jahre später waren 95 % des Landwirtschaftssektors teilprivatisiert.[26] Die landwirtschaftlichen Nutzflächen gehörten weiterhin dem Kollektiv, konnten aber von den Bauern gepachtet werden. Diese entschieden eigenständig über den Anbau, mussten aber ebenso eine bestimmte Ertragsquote zu Festpreisen an den Staat abführen. Der Anteil der durch Mehrproduktion übrig blieb konnte dagegen durch die Bauern auf freien Märkten zu entsprechenden Marktpreisen verkauft werden.[27]

Die Eigenbewirtschaftung der ländlichen Nutzfläche führte zu einem erhöhten Wohlstand innerhalb der Landbevölkerung, wodurch die Nachfrage nach Konsumgütern anstieg. Das mit der Nachfrage verbundene neue Kapital legte den Grundstein für das industrielle Wachstum bzw. die industrielle Revolution auf dem Land.[28] Zur Befriedigung der neu entstandenen Nachfrage entwickelten sich kleine Familienbetriebe, die durch Bauernunternehmer geleitet wurden.[29] Deren Gründung wurde ab 1984 durch die Regierung offiziell erlaubt.

Nachteilig für die Bauern waren dagegen die hohen staatlichen Abgaben, wodurch ein Großteil der Gewinne vom Staat abgeschöpft wurde.[30] Erst Ende 2005 wurde in China die Landwirtschaftssteuer endgültig abgeschafft.[31]

Die landwirtschaftliche Entkollektivierung war der Motor des Wirtschaftswachstums.[32] Durch den Erfolg der landwirtschaftlichen Reformen konnte anschließend auch das Managementsystem der Staatsunternehmen in Anlehnung an die Reform der Landwirtschaft reformiert werden. Das schnelle Wachstum der neuen ländlichen Industrie in Kombination mit dem Reformprogramm in den Städten, brachte der chinesischen Wirtschaft einen 5-jährigen Superboom.[33]

Die Wahl der ländlichen Regionen als Startpunkt für die Dengschen Reformen stellte sich als ein geschickter Schachzug heraus und ist eine der Ursachen für die wirtschaftlichen Erfolge Chinas. Durch die Entkollektivierung der Landwirtschaft wurde die Grundversorgung durch Getreide gesichert und die Grundlage für die Ausbreitung der Reformen in die Städte geschaffen. Ohne die ländlichen Erfolge hätten die Reformen nicht die breite Unterstützung und Akzeptanz erfahren, wie es letztendlich der Fall war.

3.2 Öffnung nach außen

Ein weiterer bedeutsamer Eckpfeiler der Dengschen Reformbestrebungen stellte die Öffnungspolitik dar. Die bisherige vollkommene wirtschaftliche Abschottung Chinas sollte aufgegeben und stattdessen ein Kurs angesteuert werden, durch den sich China sukzessive nach außen öffnete. Dies wurde unumgänglich, da Deng dringend internationales Kapital benötigte, um das Wirtschaftssystem der Volksrepublik zu modernisieren. Der erste Schritt dieser Öffnungspolitik war die Einrichtung von sog. Sonderwirtschaftszonen (SWZ) im Jahre 1979.[34]

3.2.1 Sonderwirtschaftszonen

Die SWZ haben eine simple Grundidee: In diesen Zonen werden gewisse Regelungen und Begrenzungen außer Kraft gesetzt, die Investitionen und ein damit einhergehendes Wirtschaftswachstum behindern könnten.[35] Dort sollten also andere wirtschaftliche Gesetze als im restlichen China gelten, wodurch diese Gebiete insbesondere für ausländische Investoren (z.B. aufgrund von Steuervergünstigungen sowie den geringen chinesischen Löhnen) besonders attraktiv wurden. Deng konnte hierdurch sowohl neue liberale Wirtschaftspolitiken erproben – man sprach vielfach von einem „ökonomischen Experimentierlabor“ – als auch ausländisches Kapital und Fachwissen anlocken.[36] Dabei wurden bewusst besonders unterentwickelte und unbedeutende Gebiete (Shenzhen, Shantou, Xiamen und Zhuhai – ab Mitte der 80er Jahre auch die Insel Hainan) als SWZ ausgewählt, damit bei einem Fehlschlag dieses Experimentes der Schaden begrenzt und weit weg von Peking wäre.[37]

[...]


[1] Der Begriff „China“ steht in dieser Arbeit stets für die Volksrepublik China.

[2] In solchen Fällen sind stets die Jahre des 20. Jahrhunderts gemeint.

[3] Vgl. Waldkirch (2009): S. 5.

[4] Vgl. Böll (2010): Online im Internet.

[5] Vgl. Sandschneider (2007): S. 49.

[6] Vgl. Heilmann (2005): S. 6.

[7] Vgl. Heilmann (2005): S. 6; vgl. Klein (2009): S. 56.

[8] Vgl. Klein (2009): S. 56.

[9] Vgl. Heilmann (2005): S. 7.

[10] Vgl. Klein (2009): S. 57.

[11] Vgl. Sandschneider (2007): S. 49.

[12] Vgl. Schmidt-Glintzer (2008): S. 228.

[13] Vgl. Sandschneider (2007): S. 50.

[14] Vgl. Schmidt-Glintzer (2008): S. 229.

[15] Vgl. Heilmann (2005): S. 8.

[16] Vgl. Heilmann (2005): S. 8; vgl. Seitz (2003): S. 229/318.

[17] Vgl. Sandschneider (2007): S. 48.

[18] Vgl. Tank (2002): S. 9.

[19] Vgl. Heilmann (2005): S. 8.

[20] Vgl. Heilmann (2005): S. 8.

[21] Vgl. Seitz (2004): S. 237; vgl. Naughton (2007): S. 88.

[22] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 144; vgl. Sandschneider (2007): S. 58.

[23] Vgl. Seitz (2004): S. 237; vgl. Naughton (2007): S. 88.

[24] Vgl. Seitz (2004): S. 240.

[25] Vgl. Sandschneider (2007): S. 59; vgl. Seitz (2004): S. 234.

[26] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 144.

[27] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 144; vgl. Sandschneider (2007): S. 59.

[28] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 144; vgl. Naughton (2007): S. 89.

[29] Vgl. Seitz (2004): S. 242.

[30] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 145.

[31] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 146.

[32] Vgl. Seitz (2004): S. 250.

[33] Vgl. Seitz (2004): S. 255.

[34] Vgl. Tank (2002): S. 10.

[35] Vgl. Tank (2002): S. 11.

[36] Vgl. Becker/Straub (2007): S. 147.

[37] Vgl. Krott (1999): S. 20.

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640657865
ISBN (Buch)
9783640658572
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153659
Institution / Hochschule
Hochschule Osnabrück – Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
China VWL Entwicklung Chinas Historie Chinas 1980 Sonderwirtschaftszonen Sozialistische Marktwirtschaft Reformpolitik

Autor

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