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Cyprians Position im Ketzertaufstreit mit Stephan I.

Ist eine Taufe außerhalb der katholischen Kirche gültig?

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu den Briefformalia

3. Zum Briefinhalt

4. Historischer Epilog

5. Literaturangaben

1. Einleitung

In den Jahren 255 bis 256 n. Chr. führten der höchste Vertreter der nordafrikanischen Kirche, Bischof Cacilius Cyprianus, und der römische Bischof Stephanus I. einen brieflichen Disput über die Frage, ob eine in einer häretischen oder schismatischen Gemeinschaft vollzogene Taufe anzuerkennen und damit ein aus einer solchen Gemeinde zu der Katholischen Kirche Konvertierender als bereits getauft zu betrachten sein sollte.[1]

Die Frage nach der Gültigkeit der von nicht-katholischen Gruppierungen gespendeten Taufe (der sogenannten „Ketzertaufe“) entstand zwar bereits zu Beginn des 3. Jahrhunderts, als Anhänger der verschiedenen Häresien um Eintritt in die katholische Kirche baten. Doch hatten sich als Reaktion zwei verschiedene Bräuche entwickelt, die bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts hinein friedlich nebeneinander existierten, ohne dass es zum Streit gekommen war. In Afrika und in den meisten Kirchen des Ostens taufte man die Konvertiten als bisher Ungetaufte.[2] In Rom und Alexandrien dagegen wurde die von Schismatikern vollzogene Taufe als gültig angesehen, da sie im Namen Christi gespendet und empfangen wurde. Man wollte dadurch die Heiligkeit des Sakraments von der Würdigkeit des Spenders trennen. Bei der Aufnahme in die katholische Gemeinde wurde daher lediglich im Rahmen eines Bußakts bzw. zur Mitteilung des Geistes die Hand des Bischofs aufgelegt.[3]

Als jedoch 255 und 266 zwei Synoden unter Cyprians Leitung die Ungültigkeit der Ketzertaufe deklarierten, wogegen Stephan I. die Forderung nach der Aufnahme der römischen Praxis setzte, entbrannte ein heftiger Konflikt, welcher in der Kirchengeschichte als sogenannter „Ketzertaufstreit“ bezeichnet wird.[4]

Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit soll darin bestehen, die Position Cyprians hinsichtlich der „Ketzertaufe“ mittels einer Kurzanalyse eines cyprianischen Briefs aufzuzeigen.

2. Zu den Briefformalia

Cyprians Briefe 69 bis 75 befassen sich allesamt mit Fragen, die mit dem Taufstreit Zusammenhängen. Deutlich ist, dass bereits zur Abfassungszeit von epistula 69 (=ep.69) Unklarheiten hinsichtlich der von dem Schismatiker Novatian Getauften bestanden.[5] Eine Auseinandersetzung zwischen Stephanus und Cyprian wird in den darauf folgenden Briefen ersichtlich, wobei man erst in ep.74 von einer direkten Korrespondenz zwischen den beiden hört.[6] In der chronologischen Reihenfolge der Briefe Cyprians steht das für die Hausarbeit gewählte Schreiben an einundsiebzigster Stelle (epistula 71). Obwohl kein Datum vermerkt ist, wird der Brief allgemein in die Zeit vom Frühling 255 und Frühling 256 datiert. Von der Forschung wurde er schon immer als völlig authentisch eingestuft - im Gegensatz zu anderen Schriften Cyprians, wie beispielsweise "De Unitate Ecclesiae", wo lange Zeit bestimmte Abschnitte als nachträgliche Interpolationen galten.[7] Demnach kann Brief Nr. 71 in dieser Arbeit vorbehaltlos als direkter Nachweis von Cyprians Meinung verwendet werden.

Wie Brief Nr. 64 ist auch dieses Schreiben ins Griechische und aus dem Griechischen ins Syrische übertragen worden, wobei die syrische Übersetzung noch erhalten ist.[8]

Der Brief wird allgemein den Absätzen folgend in vier Kapitel unterteilt: Wie für den antiken römische Formalaufbau eines Briefes üblich, beginnt das Präskript mit der Nennung des Verfassers (superscripts) im Nominativ (Cyprian) und des Empfängers (adscripts) im Dativ (Bruder Quintus).[9] Aus dem Briefeingang erfährt der Leser zunächst, dass ein Presbyter namens Lucianus eine mündliche oder schriftliche Nachfrage eines gewissen Quintus an Bischof Cyprian überbracht hat. Den im Präskript nicht weiter vorgestellten Fragesteller Quintus kann man mit Hilfe von ep. 72.1.3 als mauretanischen Bischof identifizieren. Ob Lucianus dagegen ein karthagischer oder mauretanischer Presbyter ist, wird nicht gesagt und lässt sich heutzutage nicht mehr klären. Cyprian reagiert in seinem Antwortschreiben auf die theologische Erkundigungen des Quintus über die Gültigkeit von Taufen bei nicht­katholischen Gruppierungen. Zu Anfang erklärt Cyprian zunächst, dass diesbezüglich bereits vor einiger Zeit eine „von einer sehr großen Zahl von Mitbischöfen und Mitpresbytern besuchte Versammlung“ getagt habe, deren Ergebnis er in Form eines Synodalschreibens an Quintus mitschicke (ep. 71.1.1). An dieser Stelle übertreibt Cyprian offensichtlich, da lediglich 32 Bischöfe an der Synode teilgenommen hatten - die niedrigste bischöfliche Beteiligung an einer Synode während Cyprians Amtszeit überhaupt. Zur Stärkung der Autorität dieser Synode zählt Cyprian deshalb unüblicherweise die anwesenden Presbyter mit, was die Teilnehmerzahl wohl verdoppelt haben mag.[10] Das Synodalschreiben wird in der Forschung als cyprianische epistula 70 aufgeführt. Zudem schreibt Cyprian gegen Briefende (ep. 71.4.) von einem ähnlichen Synodenbeschluss zu Zeiten von Cyprians Amtsvorgänger Aggripinus, wovon er ebenfalls eine Abschrift mitsendet. Daraus ergibt sich für den Brieftext Nr. 71, dass er im Grunde genommen als kurzes, bündiges Deckblatt für die zwei anderen Schriften, als eine Art zusammenfassender Kommentar fungiert.

Eine weitere Funktion erhielt ep. 71 im Frühjahr 256 in Zusammenhang mit ep.72: Ein von Cyprian einberufenes afrikanisches Konzil entschied zu dem Zeitpunkt negativ über die Gültigkeit der Ketzertaufe und erlaubte zudem die Rückkehr von abgefallenen Presbytern und Diakonen in die Kirche als Laien. Beide Beschlüsse teilt Cyprian in einem Synodalschreiben (ep.72) dem römischen Papst Stephan mit, wobei Abschriften von den Vorgängerbriefen ep.70 und ep.71 als mutmaßliche Beweisführung mitgesendet werden.[11]

3. Zum Briefinhalt

Direkt zu Beginn des ersten Kapitels beantwortet Cyprian auf umstandslose Weise Quintus Nachfrage. Cyprians Einstellung zur„Ketzertaufe“ ist rundweg ablehnend:

„Ich [Cyprian] verstehe nämlich nicht, wie sich einige unsere Amtsgenossen durch ihre Vermessenheit zu dem Glauben haben verleiten lassen, man brauche die bei den Ketzern mit WasserBegossenen nichtzu taufen“ (ep.71.1).

Cyprian erklärt, dass Häretiker als Sünder und Feinde Gottes den Heiligen Geist und die Gnade nicht hätten. Folglich könnten sie auch nicht das an andere weitergeben, über was sie selbst nicht verfügten: „Denn dort [bei den Ketzern], wo nichts ist, empfangen sie [die Menschen] auch nichts.“ Hierbei vermutet Dr. Thomas, dass sich hier möglicherweise ein montanistischer Einfluss von Tertullian zeige,[12] eine Vermutung, die heutzutage nicht mehr zu verifizieren ist. Zur Pointierung seines Standpunkts verwendet Cyprian eine aus der Heiligen Schrift zitierte, rhetorische Frage: „Wer von einem Toten getauft wird, was gewinnt der durch seine Waschung?“[13] Festzuhalten gilt damit, dass laut Cyprian eine von der Katholischen Kirche separate Taufe als eine „schmutzige und unheilige Waschung“ angesehen werden müsse, da es ja schließlich außerhalb der Katholischen Kirche kein Heil zu finden gebe:

„Es ist aber offenbar, dass solche, die nicht in der Kirche Christi sind, zu den Toten zählen und dass einer, der selbst nicht lebendig ist, auch einen anderen nicht lebendig machen kann“ (ep. 71.1).

Aus diesen Formulierungen lassen sich möglicherweise Rückschlüsse auf den Gemütszustand Cyprians ziehen: Wie Professor Ebner hinsichtlich des damaligen römischen Schreibstils herausstellt, sollen Geständnisse von Verwunderung oder Unverständnis (wie z.B. Cyprians „Ich verstehe nicht“) in der Regel Verärgerung und Wut gegenüber einem Kontrahenten zum Ausdruck bringen.[14] Dies mag bei diesem Brief zutreffen, verschweigt Cyprian schließlich die Namen seiner Gegner (ein antikes Stilmittel als Ausdruck von Verachtung) und beurteilt deren Denk- und Handlungsweise abwertend und invektiv als „Vermessenheit“ (ep.71.1). Über die

Sichtweise der anonymen Gegner hört man hier lediglich aus dem Munde Cyprians, also nur durch indirekte Zitationen, dass sie eine Taufe für so lange als gültig erachteten, wie sie im Namen Christi gespendet wurde: ,, [...] So haben [nach Meinung der Gegner] auch die Ketzer die Taufe, wenn sie in Wahrheit taufen“ (ep.71.1). Über die theologische Begründung lässt sich den Quellen nichts eindeutiges entnehmen.[15]

[...]


[1] Vgl. FINKENZELLER, Josef: Art. „Ketzertaufe“. In: LThK (Bd. 6), Freiburg im Breisgau 1961 S. 131-133.

[2] Vgl. THOMAS, Pierre: Art. „Cyprian“. In: LThK (Bd. 3), Freiburg im Breisgau 1961 S. 115-117.

[3] Vgl. SCHWAIGER, Georg: Art. „Stephan I.“. In: LThK (Bd. 9), Freiburg im Breisgau 1961 S. 1038.

[4] Vgl. HOFFMANN, Andreas: „Cyprian. Theologie des Bischofsamtes”. In: W. GEERLINGS (Hg.): „Theologen der christlichen Antike. Eine Einführung“, Darmstadt 2002, S. 48-51.

[5] Vgl. SEBASTIAN, Sayakiran: Art. „Stephani.“. In: TRE (Bd.32), S. 153.

[6] Vgl. SODEN, Hans von: „Der Streit zwischen Rom und Karthago über die Ketzertaufe“. In: HISTORISCHES INSTITUT ROM (Hg).): „QuellenundForschungen“ (Bd.12), Rom 1909, S. 19.

[7] Vgl. BENEVOT, Maurice: Art. „Cyprian von Karthago“. In: TRE (Bd. 8) Berlin 2001, S. 252.

[8] Vgl. Des heiligen Kirchenvaters Caecilius Cyprianus Briefe. Übs. V. Julius BAER. BKV2 60. München 1928, S. 331.

[9] Vgl. KLAUCK, Hans-Josef: „Die antike Briefliteratur und das Neue Testament“, Paderborn 1998, S.54.

[10] Vgl. The letters of St. Cyprian. Übs. U. komm. V. Graeme W. CLARKE, 4.Bde. ACW 43-46. New York 1984-1989, S. 208.

[11] Vgl. Des heiligen Kirchenvaters Caecilius Cyprianus Briefe. Übs. V. Julius BAER. BKV2 60. München 1928, S. 327.

[12] Vgl. THOMAS, Pierre: Art. „Cyprian“. In: LThK (Bd. 3), Freiburg im Breisgau 1961 S. 115.

[13] Vgl. Sirach 31, 30.

[14] Vgl. EBNER, Martin: Zitat aus seiner Vorlesungsreihe über den Galaterbrief, WS 2005, Westfälische- Wilhelms-Universität.

[15] Vgl. BETZ, Hans Dieter: Art. „Ketzertaufstreit“. In: RGG (Bd. 4) 4. Auflage, Tübingen 2001, S. 943.

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640658718
ISBN (Buch)
9783640658770
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153654
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholische Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Cyprian Ketzertaufstreit Taufstreit Ketzertaufe Stephan I.

Autor

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Titel: Cyprians Position im Ketzertaufstreit mit Stephan I.