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Wirtschafts- und Unternehmensethik

Drei Modelle im Vergleich

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Drei verschiedene Konzepte zur Wirtschaftsethik
1.1 Das integrative Konzept von Peter Ulrich
1.2 Der korrektive Entwurf von Steinmann/Löhr
1.3 Der reduktive Ansatz von Karl Homann
2. Kritische Einschätzung
2.1 Kritischer Vergleich.
2.2 Kritik an Unternehmensethik überhaupt

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit soll einen Einblick in die Thematik der Wirtschafts- und Unternehmensethik bieten. Dazu werden zunächst einige allgemeine Bemerkungen zum Projekt einer Unterneh-mensethik erfolgen, anschließend werden einige bedeutende Konzeptionen auf diesem Gebiet vorgestellt, welche dann in den Fokus einer Kritik genommen werden um eine reflektierte Einschätzung zu erlauben und möglicherweise weiterreichende Schlüsse zuzulassen.

Wofür braucht man überhaupt eine Wirtschafts- bzw. Unternehmensethik?[1] Angesichts der Probleme, die man aus der Praxis kennt, scheint diese Frage schnell beantwortet zu sein. Man denke da nur an Fälle von Umweltverschmutzung bzw. Zerstörung der Natur, Massen-entlassungen, Ausbeutung von Arbeitskräften, mangelhafte oder gar gesundheitsgefährdende Produkte bzw. Leistungen, Korruptionsskandale, Bereicherungen oder Unterschlagungen, Betrugsfälle usw., die eine öffentliche Empörung und Kritik an der Wirtschaft verursacht haben. Doch wieso soll deswegen eine eigene Spezialethik notwendig sein, reicht dafür die allgemeine Ethik nicht aus? Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass es neben ethischen auch noch ökonomische Prinzipien bzw. Imperative gibt, denen Unternehmer mehr oder weniger zwingend gehorchen müssen und die sich nicht immer mit ersteren vertragen. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen Ethik und Ökonomie stellt also die Herausforderung für eine Wirtschafts ethik dar. Damit hängt auch eine weitere Forderung (zumindest) an eine Unternehmens ethik zusammen, nämlich, dass sie weder vorschnell bestehende Strukturen akzeptiert noch uneinlösbare utopisch-moralisierende Postulate aufstellt (vgl. Nutzinger 1994, S. 182). Man kann also sagen, dass sie eine interdisziplinäre Anstrengung erfordert. Damit verlieren dann aber extrem einseitige Positionen entweder auf Seite der Ethik oder auf Seite der Ökonomie eigentlich auch schon ihre Legitimation, an dieser Debatte teilzunehmen, es sei denn, es gelingt ihnen aufzuzeigen, dass der vermeintliche Widerspruch gar nicht existiert oder keine entscheidende Rolle spielt, spielen darf oder spielen muss. Des weiteren verweist Kluxen zu recht darauf, dass wir von einer Ethik erst dann reden, „wenn es sich um systematische Reflexion und Argumentation handelt, die einen rationalen Begründungszu-sammenhang zu bieten sucht, aus dem sich normative Erkenntnis ergibt“ (Kluxen 1998, S. 8). Damit wäre eine weitere Bedingung für eine Theorie der Wirtschaftsethik aufgestellt.

Hauptteil

1. Drei verschiedene Konzepte zur Wirtschaftsethik

Der erste Teil dieses Aufsatzes soll einen groben Abriss der drei aktuell am häufigsten referierten Theorieansätze liefern. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den einzelnen Konzepten würde den Rahmen dieser Arbeit überdehnen.

1.1 Das integrative Konzept von Peter Ulrich

Ulrich geht aus von einer Kritik an der rein ökonomischen Rationalität, welche unzulässiger-weise von der ethisch-praktischen Vernunft abgesondert wurde, so dass eine „Zwei-Welten-Konzeption“ von reiner Ökonomie und reiner Ethik entstand, die in keinem verbindenden Verhältnis mehr steht. Für ihn besteht aber ein solcher Widerspruch bzw. ein solcher gegen-seitiger Ausschluss nicht unbedingt. Indem er nach den „normativen Bedingungen der Möglichkeit lebenspraktisch vernünftigen Wirtschaftens“ (Ulrich 1994, S. 77-78) fragt, betreibt er nach eigener Ansicht konstitutive Grundlagenkritik am Begriff der ökonomischen Vernunft. Er sieht sich hierin in der Nachfolge Kants und bezeichnet seine Wirtschaftsethik dementsprechend auch als „Kritik der ‚reinen’ ökonomischen Vernunft“. Für ihn gehört zur ökonomischen Rationalität nicht nur das „Verfügungswissen“ über die effiziente Verwirk-lichung vorgegebener Zwecke, sondern auch ein „Orientierungswissen“ über vernünftige Zwecke des Wirtschaftens (vgl. a.a.O., S. 76). Vor allem wendet er sich dezidiert gegen eine Verkürzung von ökonomischer Rationalität auf einen formalen ökonomischen Zweck-Rationalismus, da man notwendigerweise immer vernünftige Zwecke und darüber hinaus auch ein Minimum an deontologischen ethischen Werten bzw. Prinzipien zum (wirtschaft-lichen) Handeln benötigt. Die Methode, die er zur integrativen bzw. konstitutiven Vermittlung bei möglichen Konflik-ten zwischen Ökonomie und Ethik zur Anwendung kommen lässt, ist der ethische Diskurs:

„Das ökonomische Kalkül wird systematisch in gesellschaftliche Verständigungsprozesse heimgeholt, für deren Gestaltung in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft die Diskursethik den idealen Orientierungshorizont weist – nicht mehr, aber auch nicht weniger“ (Ulrich 1994, S. 84).

Zur grundsätzlichen Handlungsorientierung soll des Weiteren eine „regulative Idee sozial-ökonomischer Rationalität“ dienen, die den „moral point of view“, genauer gesagt das Uni-versalitätsprinzip enthält. Diese Idee definiert er folgendermaßen:

„Als sozialökonomisch rational kann jede Handlung oder jede Institution gelten, die freie und mündige Bürger in der vernunftgeleiteten politisch-ökonomischen Verständigung unter allen Betroffenen als wertschaffend (Wertschöpfung) bestimmt haben (könnten)“ (ebd.).

Dabei ist er sich bewusst, dass diese Idee nur regulativ, gleichsam als Ideal, fungieren kann und dass die Differenz zur pragmatischen Umsetzbarkeit in der Realität, die es immer geben wird, ausgehalten werden muss. Das eigentliche Problem beginnt dort, wo die Funktions-zwänge des institutionalisierten Wirtschaftssystems der Wirklichkeit eine solche Umsetzung behindern. Ulrich ist deshalb der Meinung, dass das „konstitutive Vermittlungsproblem in der Praxis primär institutionenethisch aufgelöst werden muß.“

Dazu unterscheidet er drei Ebenen, die hierarchisch aufeinander aufbauen und auf denen jeweils bestimmte Maßnahmen getroffen werden müssen: (vgl. a.a.O., S. 87).

1. Auf der obersten Ebene und damit an erster Stelle steht die „Verständigungsordnung“, d. h. die politisch-ökonomische Kommunikationsgemeinschaft. Ihre Aufgabe ist es, im Diskurs Konflikte zu bewältigen und eine kollektive Präferenzordnung zu schaffen, Ulrich nennt dies „normative Sozialintegration“. Hierbei kommt die „kommunikativ-ethische Rationalität“ zur Geltung.
2. Die zweite Ebene ist die der „Verfügungsordnung“, die vor allem über „property rights“ innerhalb des Wirtschaftssystems bestimmt um eine „funktionale System-steuerung“ durch Markt und Staat zu gewährleisten und die Wirtschaftssubjekte von allzu vielen Entscheidungen zu entlasten. Dabei wird auf eine „sozialtechnische Rationalität“ (Systemrationalität) zurückgegriffen.
3. Auf der untersten Ebene des „Personalen Handeln(s)“ geht es darum, mit „kalkulato-rischer Rationalität“ (Erfolgsrationalität plus Verantwortungsethik) Ressourcen effizient und verantwortungsvoll einzusetzen.

Während auf der obersten Ebene ein offener Diskurs stattfinden soll, geht es auf der zweiten Ebene darum, ein möglichst geschlossenes funktionales System zu etablieren, das der festge-legten Präferenzordnung möglichst gut entspricht. Die dritte Ebene ist dann die nach klassi-schem Verständnis unternehmensethisch relevante. Dafür muss allerdings zuerst definiert sein, was eine Unternehmung innerhalb des Systems sein soll bzw. welche Funktion sie zu erfüllen hat.

[...]


[1] An dieser Stelle gilt es zu aller erst einmal zwischen diesen beiden zu unterscheiden, denn Wirtschafts- und Unternehmensethik sind streng genommen nicht dasselbe und somit nicht gegeneinander austauschbar oder synonym zu verwenden. Während Wirtschaftsethik die allgemeinen Rahmenbedingungen bzw. systembedingte Zwänge und Mechanismen zum Inhalt hat, richtet sich die Unternehmensethik auf die Handlungsspielräume der Unternehmen bzw. Unternehmer und die Probleme, die auf dieser Ebene herrschen. Leider wird auch von einigen Philosophen hier nicht sauber getrennt. Dies lässt sich wahrscheinlich dadurch erklären, dass sie meist den Anspruch erheben, eine Theorie entwickelt zu haben, die beidem gerecht werden soll und die wechselseitige Bedingtheit systematisch mit zu erfassen. Dann wäre es meines Erachtens jedoch immer noch sinnvoller von Wirtschaftsethik als von Unternehmensethik zu sprechen.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640659388
ISBN (Buch)
9783640659203
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153609
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Philosophie
Note
Sehr gut
Schlagworte
Wirtschaftsethik Unternehmensethik Steinmann Ulrich Homann Kötter Kritik

Autor

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Titel: Wirtschafts- und Unternehmensethik