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Roms Krieg gegen die Kimbern und Teutonen

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorbemerkungen zu Roms Krieg gegen die Kimbern und Teutonen
1.2 Zur Herkunft der Kimbern und Teutonen und der Wanderungsursache

2. Hauptteil
2.1 Die Erfolge der Kimbern und Teutonen
2.2 Das Blatt wendet sich – Die Erfolge der Römer

3. Schluss
3.1 Die Ursache der römischen Erfolge - Die Marianische Heeresreform
3.2 Zusammenfassung und Beurteilung des Krieges zwischen den Römern und Germanen

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellen
4.2 Literatur
4.3 Internetquellen

5. Anhang

1. Einleitung

1.1 Vorbemerkungen zu Roms Krieg gegen die Kimbern und Teutonen

Die Auseinandersetzung zwischen den Völkern aus dem Norden und Rom, die im Rahmen des Themas „Roms Krieg gegen die Kimbern und Teutonen“ in dieser Arbeit behandelt werden soll, spielt für die Geschichte Roms eine wichtige Rolle, da erstmals in der Geschichte das Römische Reich durch germanische Volksstämme bedroht schien.[1]

In der Forschung wurden die möglichen Gründe für den Kimbernzug und deren Herkunft lange Zeit stark diskutiert. Auch im Hinblick auf den genauen Weg der Wanderung gab es große Unstimmigkeiten, doch nun scheint man sich in der Forschung über diese Frage weitgehend einig zu sein. Inwieweit die Germanen gezielt in Italien einfallen wollten, ist dennoch umstritten.

Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dem Krieg der Kimbern und Teutonen gegen Rom befassen und die Frage klären, ob sie gezielt loszogen, um das Römische Reich anzugreifen. Es handelt sich demnach sowohl um eine Untersuchung der Ursachen für ihre Wanderung als auch um eine Darstellung des zurückgelegten Weges, der meines Erachtens Aufschluss darüber gibt, ob es sich um einen geplanten Krieg gegen Rom gehandelt haben könnte.

Einleitend werde ich sowohl auf die Diskussion zur Herkunft der Kimbern und Teutonen als auch auf die Umstände, die zur Wanderung geführt haben, eingehen. Hauptsächlich möchte ich mich dann mit dem Verlauf der Wanderung und den einzelnen Schlachten auseinandersetzen, wobei ich diese in Erfolge der Kimbern und Teutonen und Erfolge der Römer untergliedern möchte. Abschließend werde ich auf die Ursache der römischen Siege zu sprechen kommen.

Hinsichtlich der möglichen Wanderungsursachen und der Schwierigkeiten bezüglich der Herkunft der Kimbern und Teutonen habe ich mich unter anderem mit den Werken „Der Zug der Cimbern und Teutonen. Eine Studie“[2] von Alfred Helbling sowie „The Romans. From village to empire. A history of ancient Rome from earliest times to Constantine“[3] von Mary T. Boatwright, Daniel J. Gargola und Richard J. A. Talbert auseinandergesetzt. Den Verlauf der Wanderung thematisieren Karl Christ in seiner Monographie „Krise und Untergang der römischen Republik“[4] und Theodor Mommsen in seinem Werk „Römische Geschichte“[5] sehr ausführlich. Im Hinblick auf die Ursache der römischen Erfolge gegen die Kimbern und Teutonen beziehe ich mich sowohl auf Jane Peuroses „Rom und seine Feinde. Kriege- Taktik- Waffen“[6] als auch auf Rigobert Günthers und Horst Dieters „Römische Geschichte bis 476“[7], da in diesen Werken die Heeresreform des Marius sehr gut erläutert ist.

1.2 Zur Herkunft der Kimbern und Teutonen und der Wanderungsursache

Wie Alfred Helbling ausführt, waren sich die antiken Geschichtsschreiber hinsichtlich der Herkunft der Kimbern und Teutonen uneins. Während Sallust und Cicero die Kimbern und Teutonen den Kelten zurechneten, stuften Plinius, Tacitus und Plutarch sie als Germanen ein.[8] Nach dem derzeitigen Forschungsstand sind neben Helbling auch andere Historiker, wie beispielsweise Karl Christ, Theodor Mommsen und Barbara Scardigli, fest davon überzeugt, dass die Kimbern und Teutonen Germanen aus Jütland stammen. Demnach handelt es sich um ein auf dem nördlichen Teil der Kimbrischen Halbinsel zwischen der Nord- und Ostsee gelegenes Gebiet.[9] Karl Christ macht dennoch darauf aufmerksam, dass die Frage nach der Heimat und der ethnischen Zugehörigkeit der Stämme noch nicht abgeschlossen ist und es vor allem zwischen der deutschen und der skandinavischen Altertumsforschung und Archäologie Diskussionen hinsichtlich dessen gibt.[10]

Wenngleich die Ursachen für die Wanderung der Kimbern und Teutonen von den zeitgenössischen Historikern nicht mehr diskutiert werden, gab es doch lange Zeit verschiedene Ansichten darüber. Helbling legt beispielsweise die Ansicht Reinhold Pallmanns[11] dar, dass die nordischen Völker bewusst nach Italien zogen, um Italien und speziell Rom anzugreifen.[12]

Johann Baptist Schels führt jedoch drei andere mögliche Gründe an; denn er beschreibt die Kimbern und Teutonen einerseits als Volk, das wie in jedem Jahr quer durch Europa auf Raubzug ausgezogen sein soll, da sie gierig nach Kampf und Beute gewesen seien und andererseits, so führt auch Dieter Timpe an, distanziert sich jedoch selbst davon,[13] seien die Kimbern mit den Kimmeriern, welche in Kleinasien eingedrungen sein und alles verwüstet haben sollen, namensverwandt. Bei der dritten möglichen Ursache handelt es sich um fehlendes Land zum Bebauen und Leben, da es zu einer Bevölkerungszunahme und Landabnahme durch Überschwemmungen gekommen sein könnte.[14] Zwar schließt sich Curt Woyte der Meinung an, dass die Kimbern und Teutonen aufgrund ihrer Neigung zum Räuber- und Wanderleben nach Italien aufbrachen, doch gleichzeitig betont er immer wieder, dass sie nach den Siegen gegen die Römer nicht weiter in Italien einfielen,[15] was meiner Meinung nach ein entscheidendes Argument gegen seine eigentliche Ansicht ist.

Während Helbling an eine Mischung aus fehlendem Ackerbau- und Weideland sowie der Wander-, Beute- und Abenteuerlust als mögliche Wanderungsursache der Kimbern und Teutonen glaubt,[16] sprechen sich jedoch Theodor Mommsen[17] und Mary T. Boatwright[18] ausschließlich für die Theorie der Landknappheit durch Überschwemmung und Bevölkerungszunahme aus, die bereits Poseidonios beschrieb.[19] Dem schließt sich unter anderem auch Barbara Scardigli an, indem sie in ihrem Aufsatz darlegt, dass die südlicheren Länder für ihr mildes Klima und ihre fruchtbaren Böden bekannt waren und es an der Nordsee zu einer Naturkatastrophe mit besonders starken Überschwemmungen gekommen sei, infolgedessen die Stämme aus dem rauen, unwirtschaftlichen Norden nach Süden zogen. Dass die Kimbern und Teutonen trotz ihrer erfolgreichen Schlachten gegen die Römer nicht weiter nach Italien gezogen sind, ist für Barbara Scardigli gegen die Theorie der Kriegs- und Beutelust Beweis genug.[20]

Ich möchte mich dieser Meinung ebenso anschließen, denn sowohl die schlechte geografische Lage, in der Sturmfluten und Unwetter nichts Seltenes sind, als auch das von Helbling vorgebrachte Argument, dass die Kimbern und Teutonen nicht allein, sondern mit ihren Frauen und Kindern als großer Tross loszogen[21], und nicht zuletzt der Aspekt, dass die Kimbern und Teutonen trotz ihrer Siege gegen die Römer immer wieder nach Gallien und Spanien abzogen, sprechen meines Erachtens eindeutig dafür, dass sie nicht in räuberischer Absicht nach Italien gewandert sind.

2. Hauptteil

2.1 Die Erfolge der Kimbern und Teutonen

Die Kimbern und Teutonen, denen sich die Ambronen, welche vermutlich von der nordfriesischen Insel Amrum stammten,[22] anschlossen, zogen um 120 v. Chr. von Jütland nach Süden. Der genaue Weg lässt sich jedoch nicht auf archäologischen Grundlagen basierend rekonstruieren, da nicht ausreichend geklärt ist, welche Bodenfunde als rein „kimbrische“ zu werten sind. Dennoch ist es möglich, durch verschiedene Auseinandersetzungen beim Aufeinandertreffen mit anderen Völkern einen ungefähren Weg der Kimbern, Teutonen und Ambronen zu rekonstruieren, den ich im Folgenden darlegen möchte und der auch auf der Karte 1 im Anhang zu finden ist.[23]

Im Zuge ihrer Wanderung trafen sie zuerst in Böhmen auf den keltischen Stamm der Boier, von dem sie zurückgeschlagen wurden. Daraufhin zogen die Kimbern, Teutonen und Ambronen von Osten her über die Donau, die in der Karte 2 des Anhanges dargestellt ist, in das Gebiet der keltischen Skordisker, welches Helbling geografisch zwischen die Donauzuflüsse Drau und Save einordnet.[24] Von den Skordiskern zurückgedrängt, gelangten die Germanen in das im oberen Savetal gelegene Gebiet der keltischen Taurisker, welches für reiche Gold- und Eisenerzvorkommen bekannt war.[25] Während die Skordisker als durch den Einfall in Makedonien oft mit den Römern in Konflikt geratenes Volk gelten, scheinen die Taurisker Gastfreunde Roms gewesen zu sein,[26] welche sich gegen die Germanen Hilfe aus Rom erbaten.[27] Im Jahr 113 v. Chr., in dem Gaius Caecilius Metellus Caprarius und Gnaeus Papirius Carbo Konsuln waren, sollte Carbo die Alpen an deren engster Stelle gegen einen möglichen Einfall der Kimbern, Teutonen und Ambronen in Italien sichern. Die Kimbern schickten Gesandte zu Carbo und willigten ein, das Gebiet mit Hilfe einheimischer Führer Carbos zu verlassen. Er selbst wählte indes einen kürzeren Weg, um die Germanen rücklings anzugreifen, wobei es zur Schlacht von Noreia kam, welche die Römer verloren.[28] Christine Trzaska-Richter glaubt ebenso wie Helbling[29] die Ursache der Niederlage darin zu sehen, dass die Kimbern, Teutonen und Ambronen für die Römer, die auf viele erfolgreiche Schlachten zurückblicken konnten, noch unbekannt waren und sie schlichtweg unterschätzt wurden. Die Ursache dafür, dass Carbo die Germanen eigenmächtig angriff, wofür er laut Appian später auch angeklagt wurde, sieht sie, und da möchte ich mich anschließen, in dem Wunsch nach mehr Ruhm und Ehre. Denn da innerhalb der römischen Nobilität ständig ein Konkurrenzdruck um politisches und gesellschaftliches Ansehen herrschte und sich die Position jedes Einzelnen nach seinen politischen und militärischen Leistungen richtete, ist anzunehmen, dass hier das Motiv für Carbos Angriff gegen die Kimbern, Teutonen und Ambronen zu suchen ist.[30]

[...]


[1] Vgl. Zeuss, Kaspar: Die Deutschen und ihre Nachbarstämme, Heidelberg 1925 (Germanische Bibliothek. Untersuchungen und Texte, Bd. 18), S. 141.

[2] Helbling, Alfred: Der Zug der Cimbern und Teutonen. Eine Studie, Winterthur 1898.

[3] Boatwright, Mary T./ Gargola, Daniel J./ Talbert, Richard J. A.: The Romans. From village to empire. A history of ancient Rome from earliest times to Constantine, New York/ Oxford 2004.

[4] Christ, Karl: Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt5 2007.

[5] Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Bd. 3, München3 1993.

[6] Peurose, Jane: Rom und seine Feinde. Kriege- Taktik- Waffen, Stuttgart 2007.

[7] Günther, Rigobert/ Dieter, Horst: Römische Geschichte bis 476, Berlin 1979.

[8] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 18ff.

[9] Vgl., ebd., S. 35.

[10] Vgl. Christ: Krise und Untergang, S. 154.

[11] Reinhold Pallmann (1835-1894): Philologe und Schriftsteller. Schrieb unter anderem die „Geschichte der Völkerwanderung“.

[12] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 4.

[13] Vgl. Timpe, Dieter: Kimberntradition und Kimbernmythos. In: Germani in Italia, Rom 1994, S. 29.

[14] Vgl. Schels, Johann Baptist: Geschichte der Länder des österreichischen Kaiserstaates. Band 1: Zeitraum von der Urzeit bis zur Niederlage der Cimbern und Teutonen, im Jahre 101 vor Christi Geburt, Wien 1819, S. 454.

[15] Vgl. Woyte, Curt: Antike Quellen zur Geschichte der Germanen. 1. Teil: Von den Anfängen bis zur Niederlage der Cimbern und Teutonen, Leipzig2 1918 (Voigtländer Quellenbücher, Bd. 15), S. 51ff.

[16] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 1.

[17] Vgl. Mommsen: Römische Geschichte, S. 182.

[18] Vgl. Boatwright/ Gargola/ Talbert: The Romans, S. 170.

[19] Vgl. Warmington, Eric Herbert (Hrsg.): The geography of Strabo. Books I-II, London5 1969, S. 393.

[20] Vgl. Scardigli, Barbara: Zum Begriff Italien gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. In: Germani in Italia, Rom 1994, S. 14ff.

[21] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 51.

[22] Vgl. Christ: Krise und Untergang, S. 154.

[23] Vgl., ebd., S. 154.

[24] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 40.

[25] Vgl. Christ: Krise und Untergang, S. 154.

[26] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 52f.

[27] Vgl. Christ: Krise und Untergang, S. 155.

[28] Vgl. Mommsen: Römische Geschichte, S. 184.

[29] Vgl. Helbling: Zug der Cimbern und Teutonen, S. 53.

[30] Vgl. Trzaska-Richter, Christine: Furor teutonicus. Das römische Germanenbild in Politik und Propaganda von den Anfängen bis zum 2. Jahrhundert n. Chr., Trier 1991 (Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd. 8), S. 55ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640657728
ISBN (Buch)
9783640658145
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153582
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,0
Schlagworte
Kimber Teutonen Sulla römische Geschichte Antike Marianische Heeresreform Römer Germanen

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