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Das finstere Mittelalter? Blut und Gewalt allerorten.....?

Wie gewalttätig war das Mittelalter?

Essay 2008 6 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Das finstere Mittelalter?

Die Aufgabe des vorliegenden Essays besteht darin, der Frage nach dem Umgang von Gewalt im Mittelalter nachzugehen.

Wie Prof. Dr. Brieskorn in seinem Buch „Finsteres Mittelalter?“ beschreibt, galt und gilt das Mittelalter in den Vorstellungen der Menschen seit jeher als eine „Zeit der Grausamkeit und der Brutalität“[1], bei der das menschliche Denken und Handeln von einer hohen Gewaltbereitschaft geprägt gewesen sein soll mit der Folge einer allgemeinen inneren Verrohung der Menschen und dem billigen Sterben einer Unzahl an Personen. Andere Historiker konstatieren ein ähnliches landläufiges Mittelalterbild, wonach das Mittelalter auf paradigmatische Weise den besten Beweis für die Geschichte der Menschheit als Geschichte der Gewalt liefere.[2] Ein dermaßen abschätziges Urteil über das europäische Mittelalter lässt sich bereits in älteren Quellen feststellen, z.B. in den Schriften des Aufklärers Jean-Jaques Rousseau (1712-1778)[3] oder bei Kardinal Caesar Baronius in seinen Annalen der Kirchengeschichte (1603): „Siehe, eine neues Saeculum beginnt, das man eisern, bleiern und finster nennt.“[4] Die Umschreibung als „bleiern“ deutet dabei auf das niedrige intellektuelle Bildungsniveau und die Beschreibungen als „eisern“ und „finster“ auf den ungehemmten Einsatz von Gewalt hin.

Eine solche Betrachtung des „Medium Aevum“ ist auf eine Vielzahl von martialischen und blutrünstigen Akten mittelalterlicher Zeitgenossen zurückzuführen, z.B. auf den Fall von Kardinal Jean de la Balue, der wegen Beschuldigung des Landesverrat für elf Jahre in einen Eisenkäfig eingesperrt wurde (wobei er selbst den Käfig für seine Feinde entworfen hatte!), auf das Schicksal vom Gegenpapst Johannes von Pacenza, der im Jahre 999 an Augen, Ohren und Nase verstümmelt und auf einem Esel die Straßen Roms herunter getrieben wurde, oder auf den Zerfleischungskrieg im Merowingischen Hause zwischen Bruechildis und Fredegunde.[5] Genauso berichtet der Chronist Lampert von Hersfeld, wie sich zwei Parteien mit Schwertern inmitten eines Gottesdienstes unter Anfeuerungsrufen eines Bischofs (!) an die Gurgel gehen, wobei der Kampf durch die Frage ausgelöst wurde, wer zur Rechten des Königs während des Gottesdienstes sitzen dürfe.[6] Aufgrund genannter (und vielfach ungenannter) Beispiele ist es durchaus berechtigt, von einem gewaltbereiten

[...]


[1] Vgl. BRIESKORN, Norbert: „Finsteres Mittelalter?“; Mainz 1991, S. 179.

[2] Vgl. BRAUN, Manuel/ HERBERICHS, Cornelia (Hgg.): „Gewalt im Mittelalter“; München 2005, S. 1ff.

[3] Vgl. BRIESKORN, Norbert: „Finsteres Mittelalter?“; Mainz 1991, S. 18.

[4] Vgl. ALTHOFF, Gerd: „Regeln der Gewaltanwendung im Mittelalter“; in: SIEFERLE, Rolf Peter/ BREUNINGER, Helga (Hgg.): „Kulturen der Gewalt. Ritualisierung und Symbolisierung von Gewalt in der Geschichte“; Frankfurt,/ New York 1998, S. 155.

[5] Vgl. BRIESKORN, Norbert: „Finsteres Mittelalter?“; Mainz 1991, S. 180f.

[6] Vgl. ALTHOFF, Gerd: „Regeln der Gewaltanwendung im Mittelalter“; S. 154.

Details

Seiten
6
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640669776
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153538
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Finsteres Mittelalter Kardinal Caesar Baronius Gewalt Ritterlichkeit Gottesfriede

Autor

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Titel: Das finstere Mittelalter? Blut und Gewalt allerorten.....?