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Der steinige Weg zum Frieden von Campo Formio

Seminararbeit 2006 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort und Fragestellung

II. Die pro-militärische Haltung des Französischen Nationalkonvents

III. Die pro-militärische Haltung der europäischen Monarchen

IV. Die Haltung des österreichischen Hauptstellvertreters Graf Cobenzl

V. Napoleon

VI. Anhang: Chronologischer Zeit- und Ereignisablauf

VII. Literaturangaben

I. Vorwort und Fragestellung

Der im italienischen Dorf Campo Formio unterzeichnete Friedensvertrag beendete am 17. Oktober 1797 den so genannten 1. Koalitionskrieg zwischen der Monarchie Österreich und der Republik Frankreich. Aus diesem Staatsvertrag ergaben sich durch die Federführungen des obersten französischen Stellvertreters General Napoleon Bonaparte und seines österreichischen Pendants Graf Phillip Cobenzl weitreichende Konsequenzen für das Antlitz Europas: Alte Staaten vergingen, wie z.B. die Republik Venedig nach 1100jähriger Dogenherrschaft mittels einer österreichischen Annexion[1] ; neue Staaten entstanden, etwa durch die kaiserliche Anerkennung der zuvor durch Napoleon am 28. Juni gebildeten „Cisalpinischen Republik“[2] und der „Ligurischen Republik“ in Italien.[3]

Der Einfluss auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation fiel ebenfalls beträchtlich aus: Nach dem Frieden ergriff Frankreich auf dem linken Rheinufer Maßnahmen zur Annexion, wie z. B. durch die Organisation von vier Departements, welche beim Frieden von Lunéville 1801 endgültig formell in die Französische Republik eingegliedert wurden.[4] Aus diesem Grunde kann man sagen, dass „das Ende des Reiches mit der Abtrennung des linken Rheinufers im Frieden von Lunéville [begann].“[5] Da nämlich die geschädigten Fürsten Schadensersatz für ihre Gebietsverluste forderten, musste man im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 versuchen, dieser juristisch legitimen Forderung nachzukommen. Dieser Reichsdeputationshauptschluss wurde damit zu einer der wichtigsten Etappen im Prozess der Reichsauflösung, da mit seinem Inkrafttreten alle geistlichen Fürstentümer säkularisiert und 45 der 51 Reichsstädte sowie 350 Reichsritterschaften mediatisiert wurden.[6] In Folge dessen war die althergebrachte Verfassung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zerstört, wie auch Kaiser Franz I. feststellte, als er 1806 mit dem Verweis auf die Unvereinbarkeit seiner Wahlkapitulation mit dem Reichsdeputationshauptschluss seine Kaiserkrone niederlegte. Da der Reichsdeputationshauptschluss auf den Friedensbeschlüssen von Lunéville basierte, welche wiederum aus dem Frieden vom Campo Formio resultierten, muss man festhalten, dass der Frieden von Campo Formio mit zur Demolition des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beigetragen und somit indirekt die komplette Auflösung des Reiches mitbewirkt hat.

Je folgenreicher und wichtiger ein Vertrag, desto mehr wird um ihn von allen Seiten gerungen. Die Brisanz des Vertrages von Campo Formio zeigte sich nicht zuletzt daran, dass verschiedene Faktoren die Verhandlungen in einem derartigen Ausmaß störten, womit es einige Male beinahe zu einem erneuten Kriegsausbruch gekommen wäre. Aufgrund einiger dieser Faktoren dürfte man heute streng genommen gar nicht von einem Frieden von Campo Formio reden! Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit soll nun darin bestehen, genauer auf die Schwierigkeiten bei der Vertragserstellung einzugehen – der steinige Weg hin zum Frieden wird sozusagen deskriptiv nachgegangen . Die im Rahmen der Arbeit genannten Daten und Ereignisse werden für eine bessere Übersicht auf Seite 13 nochmals in einer Zeitleiste zusammengefasst.

II. Die pro-militärische Haltung des Französischen Nationalkonvents

Am 20. April 1792 erklärte die junge Französische Republik der Monarchie Österreich den Krieg. Diese Entscheidung war auf vielfältige Weise sowohl politisch als auch ideologisch motiviert:[7]

Politisch erhoffte sich die französische Nationalversammlung, dass innerfranzösische Machtkämpfe zwischen verschiedenen Parteien (z. B. Feuillants, Girondisten, Hébertisten, Danton- Anhängern, Jakobinern u.v.m.) durch einen äußeren Feind beendet würden, ergo dass ein gemeinsam geführter Krieg eine einheitsstiftende Wirkung auf Frankreich als Nation erzielen könnte.

Zu diesem innenpolitischen Motiv gesellte sich eine außenpolitische Überlegung: Der Nationalkonvent empfand die mittlerweile etablierte konstitutionelle Monarchie, deren König durch gewaltsame Umstände in seinen Befugnissen weit beschränkt wurde, von den umliegenden althergebrachten Monarchien als bedroht. Man fürchtete, dass diese Nationen zur Wiederherstellung des alten Systems in Frankreich einfallen könnten. Tatsächlich stellte sich diese Einschätzung als sehr berechtigt heraus, konnte man schließlich im März 1793 beobachten, wie sich innerhalb von nur drei Wochen eine fast schon europäische, antifranzösische Koalition von Großbritannien, den Vereinigten Niederlanden, Spanien und Russland bildete. Die Differenzen zwischen Frankreich und seinen direkten Nachbarn hatten außerdem bereits im Vorfeld auf Krieg hingedeutet: Im Februar 1792 hatte Österreich ein Militärbündnis mit Preußen ausgehandelt, woraufhin Kaiser Franz II. im März 1792 Frankreich aufforderte, das Feudalrecht für die linksrheinischen deutschen Fürstenbesitze wiederherzustellen. Inspiriert von der Französischen Revolution hatten sich diese Fürstenbesitze (Mainz und die Cisrhenanen am Mittel- und Niederrhein) zuvor vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation für losgelöst erklärt und Anschluss an die französische Republik gesucht.[8] Frankreich wiederum forderte Österreich ultimativ auf, französische königstreue Emigranten in Mainz und Koblenz zu vertreiben. Da von beiden Seiten kein Einlenken in Sicht war, lag ein militärischer Konflikt unmittelbar in Aussicht.[9]

Aus diesem Grunde sprach man in der Kriegserklärung Frankreichs an Österreich am 20. April 1792 davon, dass „die französische Nation [...] die Waffen nur aufnimmt zur Verteidigung ihrer Freiheit und ihrer Unabhängigkeit, dass der Krieg, den sie gezwungen ist zu führen, [...] die gerechte Verteidigung eines freien Volkes gegen den ungerechten Angriff eines Königs [ist]“.[10] Zwar ist die gewählte Formulierung „Angriff eines Königs“ falsch – Österreich hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Krieg erklärt – doch standen die Vorzeichen zum Zeitpunkt der Verabschiedung bereits eindeutig auf einen von allen Seiten heraufbeschworenen Krieg. Die Sorge um das Fortbestehen des republikanischen Frankreichs war also nicht unberechtigt.

Einerseits dachte der Nationalkonvent pragmatisch- politisch, andererseits fühlte er gleichzeitig uneigennützig, republikanisch- freiheitlich. Letzteres stellte ein weiteres Kriegsmotiv dar; große Teile der Nationalversammlung waren vom Geist der Französischen Revolution von 1789 beseelt und drängten daher aus ideologischen Motiven auf einen Krieg gegen die Monarchien Europas - als „Dienst an der Menschlichkeit“[11] zum vermeintlichen Wohle der jeweiligen Völker. Daher heißt es in einem französischen Propagandadekret vom 19. November 1792, dass „der Nationalkonvent im Namen der französischen Nation allen freiheitsliebenden Völkern Europas seine Brüderschaft und Unterstützung gegen Tyrannei und monarchischen Despotismus anbietet“ bzw. kürzer ausgedrückt in der Formel des girondistischen Abgeordneten Joseph Cambon am 15. Dezember 1792: „Krieg den Palästen, Friede den Hütten!“[12]

[...]


[1] Vgl. RANDA, Alexander (Hrsg.): „Handbuch der Weltgeschichte (Bd. 3)“; Freiburg im Breisgau 1956, S. 2048.

[2] Vgl. DUBINI, Marco: „Cisalpinische Republik“; in: Historisches Lexikon der Schweiz; in: URL: http://hls-dhs-dss.ch/textes/d/D6621.php?PHPSESSID=0fec0184f3935d567d46cc09e05758f3 vom 22.7.2006.

[3] Vgl. GERSMANN, Gudrun: „Zeitleiste zur Französischen Revolution“; in: Historicum Archiv (Universität Köln); in: URL: http://www.revolution.historicum-archiv.net/zeitleiste.html vom 22.7.2006.

[4] Vgl. Propyläen Verlag (Hrsg.): „Propyläen Geschichte Europas (Bd. 4)“; Berlin 1990, S. 174.

[5] Vgl. FRANKE, Herbert (Hrsg.): „Saeculum Weltgeschichte (Bd. VII)“; Freiburg 1975, S. 21.

[6] Vgl. FRANKE, Herbert (Hrsg.): „Saeculum Weltgeschichte (Bd. VII)“; Freiburg 1975, S. 21f.

[7] Vgl. Brockhaus Redaktion (Hrsg.): „Brockhaus – Weltgeschichte (Bd. 4)“; Mannheim 1998, S. 238-242.

[8] Vgl. Propyläen Verlag (Hrsg.): „Propyläen Geschichte Europas (Bd. 4)“; Berlin 1990, S. 174.

[9] Vgl. Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF): „Der erste Koalitionskrieg“; in: URL: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,2027608,00.html vom 22.7.2006.

[10] Vgl. Brockhaus Redaktion (Hrsg.): „Brockhaus – Weltgeschichte (Bd. 4)“; Mannheim 1998, S. 242.

[11] Vgl. ELZE, Reinhard (Hrsg.): „Studienbuch Geschichte (Bd. II)“; Stuttgart 1974, S. 293.

[12] Vgl. Brockhaus Redaktion (Hrsg.): „Brockhaus – Weltgeschichte (Bd. 4)“; Mannheim 1998, S. 239.

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640657124
ISBN (Buch)
9783640657063
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153520
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Campo Formio Napoleon Reichsdeputationshauptschluss Kaiser Franz I. Graf Phillip Cobenzl

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Titel: Der steinige Weg zum Frieden von Campo Formio