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Soziale Lage und ArbeiterInnenbewegung

in Österreich vom ersten Weltkrieg bis zur Zwischenkriegszeit

Referat (Ausarbeitung) 2008 5 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Soziale Lage und ArbeiterInnenbewegung

Pauperisierung durch den ersten Weltkrieg

Die soziale Lage hatte sich im ersten Weltkrieg durch katastrophale Nahrungsmittelknappheit, hohe Inflation und dem Abbau vormaliger gesetzlicher ArbeiterInnenschutzbestimmungen zunehmends verschärft und der Gesundheitszustand der ArbeiterInnen enorm verschlechtert. Die Löhne waren während des Krieges bestenfalls auf das Doppelte gestiegen, und dies auch nur in dem den Kriegsdienstleistungsgesetz unterstellten Betrieben, während die amtlichen Höchstpreise für Fleisch, Fett, Milch und Eier Teuerungen von 300 bis 1000% aufwiesen. Die erhältlichen Lebensmittel waren durch verschiedenste Beimengungen gestreckt oder bestanden zur Gänze aus Surrogaten. 1918 bestand das erhältliche Brot nur mehr aus Maismehl und Kaffee und Zucker wurden gänzlich durch Surrogate ersetzt. In der Öl- und Fettversorgung, wo der schlimmste Engpass herrschte, ging man dazu über, Fett aus Spülwasser und Tierkadavern zu gewinnen. (vgl. Hautmann 1987, S. 47) Manche lebensnotwendigen Produkte waren nur mehr auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Durch starke Teuerungen und mangelnde staatliche Unterstützungsmaßnahmen waren von Kriegsjahr zu Kriegsjahr immer mehr Frauen gezwungen, zu arbeiten. Frauen arbeiteten vor allem in der Metallverarbeitung und in der Maschinenerzeugung. In der Kriegsindustrie arbeiteten Frauen, da mit Kriegsbeginn die Schutzbestimmungen für Frauen und insbesondere das Nachtarbeitsverbot weggefallen waren, oftmals bis zu 18 Stunden um dann ein Drittel weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen zu erhalten. Am schlimmsten war die Ausbeutung von Frauen in der Heimarbeit. (vgl. Hautmann 1987, S. 59)

Betriebe, die der Kriegsproduktion dienlich waren, wurden mit Beginn des Krieges unter das Kriegsdienstleistungsgesetz gestellt. Mit dieser Unterstellung wurden elementare ArbeiterInnenrechte wie Bestimmungen über Arbeitszeit, Koalitions- und Streikrecht, Arbeitspausen, die geregelte Bezahlung von Überstunden und Sonntagsruhe außer Kraft gesetzt. ArbeiterInnen wurden in diesen Betrieben systematisch von Offizieren und Soldaten schikaniert und willkürliche Misshandlung der ArbeiterInnen stand an der Tagesordnung. Der Großteil der 50000 Arbeiterinnen und Arbeiter in der Wöllersdorfer Munitionenfabrik schlief aneinandergepfercht in zugigen, nicht beheizten, von Ungeziefer wimmelnden Baracken; für diese elende Unterbringung wurde auch noch ein Teil des Lohnes einbehalten. (vgl. Hautmann 1987, S. 64) Trotz massiver Repression kam es auch schon während des Krieges in Betrieben der Kriegsindustrie zu massiven Protesten und Streiks, welche immer heftig niedergeschlagen wurden und deren Anführer mit allen Mitteln bestraft wurden.

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Details

Seiten
5
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640658633
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153440
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
1
Schlagworte
1 Weltkrieg Jännerstreik Rätebewegung rotes Wien Revolution 1918/19

Autor

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Titel: Soziale Lage und ArbeiterInnenbewegung