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Vorurteile, Stereotype und NS-Propaganda im Hinblick auf 'Damals war es Friedrich'

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorgehensweise

2. Vorurteile und Stereotype
2.1 Problematik der Differenzierung und Definierung
2.2 Vorurteile
2.3 Stereotype
2.4 Gefahren durch Stereotype und Vorurteile

3. Juden in der NS-Propaganda

4. Damals war es Friedrich von Hans Peter Richter
4.1 Autor
4.2 Aufbau
4.3 Inhaltsangabe
4.4 Darstellung von jüdischen Charaktere in Damals war es Friedrich

5. Parallelen der Judendarstellung in NS-Propaganda und Damals war es Friedrich

6. Aussichten für den Schulunterricht

7. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis
a) Quellenverzeichnis
b) Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Internetlinks

1. Einleitung

Die Kinder- und Jugendliteratur zur Epoche des Nationalsozialismus hat ein immenses Ausmaß angenommen und wird in der Schule oft zur Gestaltung einer Unterrichtseinheit genutzt. Vor allem wird dort auf den Jugendroman Damals war es Friedrich[1] von Hans Peter Richter zurückgegriffen, der schon als Klassiker für den Geschichtsunterricht angesehen werden kann. Doch wird ein genauerer Blick auf diesen Jugendroman geworfen, so wird schnell ersichtlich, dass auch dieser Mängel vorzuweisen hat. Diese Defizite beziehen sich nicht nur auf kleinere Aspekte, wie beispielsweise eine tadelnswerte Identifikationsmöglichkeit für beide Geschlechter, sondern interessanterweise auf die Darstellung der Juden, die einen zentralen Aspekt für die Thematisierung des Nationalsozialismus darstellt. Der Auslöser dieser Arbeit war vor allem die Kritik von Wermke[2], der u.a. den Umgang mit antisemitischen Stereotypen in dem Roman thematisiert. Dies wurde allerdings nur kurz angeschnitten und auf eine Beschreibung von Stereotypen oder einer Illustration der Judendarstellung im Drittem Reich wurde gänzlich verzichtet.[3] Diese Gesichtspunkte sollen in dieser Arbeit weiter ausgebaut werden. So sollte vorab die Frage geklärt werden, was überhaupt ein Vorurteil und Stereotyp ist und welche Gefahren diese mit sich bringen. Daraufhin sollte die Frage thematisiert werden, ob die Darstellungen der Juden bzw. des Stereotyps Jude in der NS-Propaganda Parallelen mit der in Damals war Friedrich vorweisen. Ebenfalls sollte der Frage nachgegangen werden, wie sich diese Mängel des Romans im Schulunterricht beheben lassen können.

1.1 Vorgehensweise

Die Arbeit leitet mit der Differenzierungs- und Definierungsproblematik von Vorurteilen und Stereotypen ein, wobei bei der darauf folgenden Vorstellung der Vorurteile und Stereotype das Hauptaugenmerk auf die Stereotype gesetzt wird. Im Anschluss folgt ein kurzer Überblick über die Gefahren von Stereotypen und Vorurteilen. Daraufhin wird das Judentum in der NS-Propaganda thematisiert, um sich anschließend dem Jugendroman Damals war es Friedrich zu widmen. So werden der Autor, eine Inhaltsangabe, der Aufbau des Romans und die Darstellung von jüdischen Charakteren in dem Roman dargelegt. Nachfolgend werden die vorhandenen Parallelen der Judendarstellung in der NS-Propaganda und dem Roman geschildert und ein Ausblick für den Schulunterricht gegeben. Zuletzt werden im Fazit die wichtigsten Thesen zusammengefasst und die Fragestellungen aufgegriffen und beantwortet.

2. Vorurteile und Stereotype

2.1 Problematik der Differenzierung und Definierung

Die Problematik bei Vorurteilen und Stereotypen besteht einerseits darin, dass etliche Autoren die Unmengen an Definitionen kritisieren und dadurch keine deckungsgleiche Begriffsverwendung möglich ist. Andererseits wird auch die Missachtung von Ebenen (Grupppen- oder individuelle Ebene) beanstandet, auf denen Vorurteile und Stereotype thematisiert werden.[4]

Ein weiteres Problemfeld stellt die Beziehung zwischen Vorurteil und Stereotyp dar, welches nicht einmal Ansatzweise geklärt ist. In mancher Hinsicht werden Stereotype – wie in dieser Arbeit - als kognitiver Anteil von Vorurteilen aufgegriffen, wobei das Vorurteil die Metaebene bildet und die Stereotype ein bedeutendes Merkmal dieser ist. Demgegenüber wird der Stereotyp oft unabhängig von dem Vorurteil betrachtet. Begründet wird dies durch differenzierte Bezugspunkte, an denen Stereotype und Vorurteile – die mehr Aspekte berücksichtigen - andocken. Zurückzuführen ist diese Problematik auf die Forschung, die Vorurteile und Stereotype oftmals nebeneinander betrachtet und eine Verknüpfung dieser außen vor lässt.[5]

2.2 Vorurteile

In der Soziologie und Sozialpsychologie wird das Vorurteil meist als eine negative ethnische Einstellung definiert, wobei diese Definition in der Forschung kontinuierlich modifiziert wird.[6] Der Terminus Vorurteil ist also grundlegend durch seinen moralischen Gehalt geprägt. Vorurteile unterscheiden sich deshalb von anderen Einstellungen durch ihre soziale Ablehnung und nicht durch ihre charakteristischen inneren Eigenschaften. Sie treten also als soziale Urteile zum Vorschein, die gegen die menschlichen Werte- und Normenvorstellungen verstoßen.[7]

Vorurteile sind als eine besondere Form des Urteilens bzw. von Aussageformen über Individuen und Personengruppen zu betrachten. Gekennzeichnet ist diese Form durch falsche, voreilige, starre, klischeehafte, verallgemeinernde, änderungsresistente, also stabile, meist hochgradig negative Bewertungen. Vorurteile sind deshalb als Pseudo-Urteile zu kategorisieren.[8]

Das Fundament für die Entstehung von Vorurteilen wird entweder stärker in der Person selbst, oder in der Gesellschaft diagnostiziert. Die individuelle Ebene kann als Armut der menschlichen Informationsverarbeitungskapazität bezeichnet werden, da Vorurteile größtenteils in Beziehung zu Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. Autoritärer Charakter), persönlichen Motiven (z.B. „Sündenbock“ suchen) oder bzw. und Erfahrungen (= z.B. Frustrations-Aggressions-Theorie[9] ) gesetzt werden.[10]

Auf gesellschaftlicher Ebene werden Vorurteile oft „[…] als Folge von sozialen Konflikten […] also als „etwas zwischen Gruppen“ betrachtet […].“[11] Allerdings kann die Ursache von Vorurteilen auch im Sozialisationsprozess liegen, konkreter gesagt, durch soziales Lernen innerhalb einer bestimmten Gesellschaft.[12] Hier ist hervorzuheben, dass Vorurteile über Fremde als relational anzusehen sind und dass das „ingroup/outgroup“ Verhältnis berücksichtigt werden muss. Dieser Beziehungsaspekt, also der Umgang zwischen den Mitgliedern sozialer Gruppen, ist durch Vorurteile als gestört zu betrachten und beeinflusst dadurch die inhaltliche Ebene. Die Vorurteile die in oder von einer Gruppe vertreten werden, können als bestimmend deklariert werden, dies bedeutet, dass Mitglieder einer Gruppe ein bestimmtes Bild von einer anderen Person oder Gruppe konstruieren und festigen. Ebenfalls wird dadurch das Bild der eigenen Gruppe gefestigt und reflektiert.[13]

Kennzeichnend für Vorurteile sind demgemäß affektive, also emotionale und impulsive Prozesse der Abwertung von Individuen oder Gruppen.

2.3 Stereotype

Bei sozialen Kategorien handelt es sich um Gruppen aus Menschen, die innerhalb der Gesellschaft fokussiert, erörtert und bewertet werden. Diese Kategorien werden oft durch äußerliche Attribute, wie z.B. Hautfarbe oder aber auch gemeinsame Überzeugungen, wie beispielsweise Religion grundlegend zusammengefasst. Unter dieser Kategorisierung kann auch ein bestimmter Typus von Mensch, wie z.B. die „Karrierefrau“, fallen.[14]

Der Umfang der Gruppierung ist nicht festgelegt und kann demgemäß variieren und ebenso in diverse Subkategorien eingeteilt werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Kategorie Europäer die in Subkategorien wie Deutsche, Franzosen etc. zerfallen. Ein Individuum ist folglich in viele Kategorien einzuordnen.

Diese Kategorien beeinflussen die Wahrnehmung, Beurteilung und den Umgang mit der Gruppe. Aus diesem Grund werden bestimmte Erwartungen an die Eigenschaften und Verhaltensmerkmale der Gruppen samt ihren Mitgliedern gestellt. Diese Erwartungen werden auch als Stereotype bezeichnet und sind gekennzeichnet durch sozial isolierte Wissensstrukturen, die auf das soziale Leben und Verhalten einwirken.[15]

Stereotype sind das kognitive Schema eines Vorurteils, also Fiktionen, oder umgangssprachlich formuliert: Bilder in unseren Köpfen die keinen Wahrheitsanspruch mit sich bringen müssen. Es sind Konstrukte der sozialen Umwelt, die die Sichtweise auf Fakten und Wahrheit mitbestimmen.[16]

Stereotype sind neben Aggressionsabfuhr und Aufwertung des Selbstwertgefühls bzw. der Gruppe von Nutzen, um die komplexe und unübersichtliche Gesellschaft in Gruppen von Menschen und deren Handeln zu ordnen. Diese Kategorisierung erfolgt durch stereotypische Inhalte, die ermöglichen, Menschen – ohne viele Informationen – in eine gewisse Kategorie einzuordnen oder zweideutige Geschehnisse zu deuten, dies beruht allerdings auf fehlerhaften und einseitigen Denkmustern, da neue Erfahrungen nicht objektiv betrachtet werden.[17] Allerdings ist dieser Prozess für die Orientierung in der komplexen Umwelt vorteilhaft. Wird dieselbe Meinung über eine soziale Kategorie von vielen Menschen vertreten, so ist von einem kulturellen Stereotyp, also einem konformen Meinungsbild, die Rede.[18]

Dieses verfestigte Meinungsbild beruht auf einer undifferenzierten, gar simplen Erfahrungsbasis, in denen Tatsachen oft außen vor gelassen werden. Neue Erkenntnisse, die mit dem (kulturellen) Stereotyp in Verbindung gebracht werden, bleiben oft unbeachtet oder, werden als Ausnahmefall abgestempelt.[19]

Typische Gefahren die bei der Bildung von Stereotypen entstehen; sind der Kategorisierungsprozess, der die Menschen typisiert anstatt charakterisiert

(= „Schubladendenken“); die Einzelerfahrungen, die zu Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen führen (= Urteilsverzerrung); der Akzentuierungsprozess, dieser polarisiert und extremisiert, wie z.B. durch die Bezeichnung „Kümmeltürken“; und der Evaluationsprozess, der eine soziale Kategorie nach Sympathie/Antipathie bewertet, wobei negative Aspekte das Wahrgenommene eher verstärken als positive. Außerdem kann diese Bewertung den Klassifizierungsprozess selbst anleiten und einen „Teufelskreis“ auslösen.

Diese vier Prozesse führen zu einer – subjektiven - Bestätigung von Vorurteilen, vor allem bei vorurteilsbehafteten Personen. Wird ein Vorurteil zudem noch bestätigt, also verhält sich die fokussierte Gruppe oder das Individuum gemäß den stereotypen Vorstellungen einer sozialen Kategorie, so führt dies zur Bewahrheitung der Vorurteile.[20]

[...]


[1] Richter, Hans Peter: Damals war es Friedrich, 57. Aufl., München 2008.

[2] Wermke, Michael: Jugendliteratur über den Holocaust. Eine religionspädagogische, gedächtnissoziologische und literaturtheoretische Untersuchung, Göttingen 1999.

[3] Ebd., S. 136-139.

[4] Vgl. Mitulla, Claudia: Die Barriere im Kopf. Stereotype und Vorurteil bei Kindern gegenüber Ausländern, Opladen 1997, S. 68f.

[5] Vgl. ebd, S. 68.

[6] Für weitere modifizierte Definitionen siehe: Ehrlich, J. Howard: Das Vorurteil. Eine sozialpsychologische Bestandsaufnahme der Lehrmeinungen amerikanischer Vorurteilsforschung, München 1979, S. 11f.

[7] Vgl. Bergmann, Werner: Was sind Vorurteile?, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung Nr. 271/2000. Vorurteile – Stereotypen - Feindbilder, S. 3.

[8] Vgl. Güttler, O. Peter: Sozialpsychologie. Soziale Einstellungen, Vorurteile, Einstellungsänderungen, 2. Aufl., München/Wien 1996, S. 80.

[9] Die Frustrations-Aggressions-Theorie beruht auf lerntheoretischem und psychoanalytischem Gedankengut und wurde 1939 von Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears (= Yale-Gruppe) entwickelt. Sie gilt bis heute als eine der einflussreichsten Theorien aggressiven Verhaltens. Die grundlegende Annahme der F-A-Theorie ist, dass Aggression immer eine Folge von Frustration ist und dass die Frustration stets zur Aggression führt. Die Yale-Gruppe bezeichnet Frustration als einen Zustand der eintritt, wenn eine zielgerichtete Aktivität durch eine Störung verhindert wird, also ein Hindernis auf dem Weg zu einer belohnenden Erfahrung. Die aus der Frustration resultierende Aggression wird als eine Handlung bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Organismus oder einen Organismus-Ersatz zu schädigen. (Vgl. Bierhoff, Hans-Werner: Sozialpsychologie. Ein Lehrbuch, 6. Aufl., Stuttgart 2006, S. 173; Micus, Christiane: Friedfertige Frauen und wütende Männer?. Theorien und Ergebnisse zum Umgang der Geschlechter mit Aggression, München 2002; Dollard, John/Doob, Leonhard W./Miller, Neal E. (u.a.): Frustration und Aggression, 3. Aufl., Weinheim/Berlin/Basel 1971, S. 9).

[10] Vgl. Mitulla, Opladen 1997, S. 72f.

[11] Ebd., S. 72.

[12] Vgl. ebd., S. 72f.

[13] Vgl. Güttler, München/Wien 1996, S. 81.

[14] Vgl. Klauer, Karl Christoph: Soziale Kategorisierung und Stereotypisierung, in: Petersen, Lars-Eric, Six, Bernd (Hrsg.): Stereotype, Vorurteile und soziale Diskriminierung. Theorien, Befunde und Interventionen, Weinheim/Basel 2008, S. 23.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Güttler, München/Wien 1996, S. 82.

[17] Vgl. Klauer, Weinheim/Basel 2008, S. 24.

[18] Neben diesen Stereotyp gibt es den Autostereotyp, der die Vorstellung von sich selbst bzw. der eigenen Gruppe zum Inhalt macht, und den Heterostereotyp, der das Fremdbild samt den Vorstellungen über den Charakter einer outgroup widerspiegelt.

[19] Vgl. Güttler, München/Wien 1996, S. 82.

[20] Vgl. ebd., S. 83.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640655205
ISBN (Buch)
9783640655298
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153381
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,3
Schlagworte
NS-Propaganda Propaganda Fips Philip Ruprecht Der Stürmer Damals war es Friedrich Stereotype Vorurteile Dritte Reich Antisemitismus Antijudaismus Historische Imagination Didaktik Hans Peter Richter Roman Geschichtsdidaktik Der ewige Jude

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