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(Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa

Goethe versus Kafka

Magisterarbeit 2009 101 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vorstellung der Thesen und Texte
1.2. Methodische Vorgehensweise

2. Der historische Kontext der Nahrungsverweigerung
2.1. Literarische Einordnung des Hungerns

3. Goethes Wahlverwandtschaften
3.1. Exkurs — Die „schöne Seele “
3.2. Goethes Wahlverwandtschaften — Textinterpretation
3.3. Analyse der Funktion von Sprache in den Wahlverwandtschaften

4. Kafkas Hungerkünstler
4.1. Kafkas Hungerkünstler — Textinterpretation
4.2. Analyse und Funktion der Sprache im Hungerkünstler

5. Generationendiskurs

6. Das Hungern in der Gegenwart

7. Vergleich und Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse

8. Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Goethes Frauenfiguren machen einen erschöpften Eindruck. “1 Wer diese Diagnose liest, wird möglicherweise verwundert sein, dass sich eine erneute Beschäftigung mit eben einer dieser Protagonistinnen der Wahlverwandtschaften (1809), namentlich Ottilie, dennoch lohnt. Das Vorhandensein einer beinahe unüberschaubaren Fülle an literatur über Goethes weibliche Figuren, ihre oftmals nur sekundäre werkimmanente Bedeutung sowie ihre vielfach leidende, sprunghafte Attitüde scheinen sie auf den ersten Blick zu keinem allzu dankbaren germanistischen Untersuchungsgegenstand zu erheben, da das Interesse eigentlich auf den männlichen Personen läge. Dies lässt sich auch anhand einiger Beispiele aus dem Schaffen von Goethe durchaus belegen.

So erscheint Gretchen bei oberflächiger Betrachtung als bloße Ableitung von Faust und Mignon aus Wilhelm Meister als reine Caprice.[1] [2] Auch bei Werther ist es letztlich der männliche Protagonist, dem alle Aufmerksamkeit geschenkt wird, da die weibliche Figur lediglich als Auslöser für dessen titelgebende Leiden erachtet wird. Ebenso scheint Ottilie ein ansehnliches Geschöpf zu sein, das eher als der Grund für die Eheprobleme von Eduard und Charlotte angesehen werden kann, damit aber nicht unbedingt eine nähere Analyse als wahre Protagonistin verdient. Gemessen an ihrer sprachlichen Präsenz - allen weiblichen Figuren dieser Werke ist gemeinsam, dass sie wenig zu sagen haben - stünde ihnen lediglich eine Randexistenz in Goethes narrativem Werk zu. Doch sind es gerade die sparsam ausgesuchten Worte, die kleinen Szenen und ihre Taten, die diese Protagonistinnen umso schillernder erscheinen lassen. Dies soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit belegt werden.

Zum Kern ihrer Wesen vorzudringen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen - zumal gerade der Text aus ihrem Munde, auf den sich Rezipienten beziehen können, recht rar ist - und hat bereits die philologische Forschungslust von ganzen Generationen von Germanisten geweckt. Eine Neugierde, die vor der Untersuchung kaum eines Gegenstandes Halt machte. Speziell für die Analyse von Ottilie ergibt sich hieraus ein weiterer interessanter Aspekt, der neben ihrer Sprachunlust analog auffällt. So wurde das Motiv der Nahrungsverweigerung seitens Ottilie in der Wissenschaft nicht unberücksichtigt gelassen, ist es doch mindestens so auffällig wie ihre Verweigerung der Sprache. Aber gerade weil es sich hierbei um eine Thematik handelt, über welche nicht gesprochen wird, ist sie nur schwer in dem Text zu erfassen. Ohne Zweifel kann aber konstatiert werden, dass Ottilie über die Nahrungsverweigerung ihren Mangel an verbaler Kommunikation bewusst auszugleichen versucht - dies wird im Verlauf der vorliegenden Arbeit zu beweisen sein.

Umso sprechender wird die Sprachlosigkeit Ottilies, wenn sie mit dem kontrastiv offensiven Verhalten des Hungerkünstlers (1922) von Franz Kafka in Relation gestellt wird. Denn auch Kafka lässt seinen Protagonisten ganz bewusst aus freien Stücken hungern, um ihn von der Masse der anderen Menschen abzuheben. Und genau wie Ottilie von der Männerwelt (im Besonderen von Eduard) bewundert wird, so verzichtet der Hungerkünstler vordergründig deshalb auf Nahrung, um ebenfalls Aufsehen zu erregen. Diesbezüglich soll die These aufgestellt und bewiesen werden, dass das Hungern von literarischen Figuren stets eine bestimmte Funktion erfüllt, die weitaus mehr kommuniziert - sowohl an den Leser, als auch an die literarische Umwelt der Figuren - als das Sprechen an sich. So ist die Verweigerung von Nahrung ein zentrales Thema der Literatur. selbst noch in modernster Zeit - beispielweise in Form des Eremitendaseins des Protagonisten aus Süskinds Roman Das Parfum (1985) - überprüft werden kann und selbst AutorenWerke verbindet, die aufgrund unterschiedlicher Epochen grundsätzlich weniger miteinander verglichen werden. In der vorliegenden Arbeit sollen daher zentrale Texte von Goethe und Kafka in Relation gesetzt werden, wobei davon ausgegangen wird, dass sich klare gemeinsame Figurenintentionen für das freiwillige und eben nicht asketische Verzichten auf Nahrung aufzeigen lassen.

So unähnlich wie die Protagonisten und Plots dieser beiden Autoren auf den ersten Blick zu sein scheinen, so viele Parallelen zwischen den Texten werden bei einer genauen Analyse schließlich ersichtlich. Nicht umsonst gelten Goethes Wahlverwandtschaften als Vorläufer für das Essensmotiv im Hungerkünstler von Kafka - und zwar sowohl auf der inhaltlichen, als auch auf der formalen Ebene. Das Verweigern von Essen zum Zwecke einer nonverbalen Kommunikation, die weitaus aussagekräftiger sein kann, als das Kommunizieren mit Sprache, wird damit zu einem verknüpfenden Motiv erhoben, das sich über Epochen und literarische Gattungen hinweg spannt. Eben dies soll in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit bewiesen werden. Auf welche Weise dabei vorgegangen wird und wie die grundlegende Fragestellung genau aussieht, dies wird in den nächsten Kapiteln beantwortet.

1.1. Vorstellung der Thesen und Texte

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen vor dem eben skizzierten Hintergrund die folgenden Thesen - über eine streng literaturwissenschaftliche - Textinterpretation überprüft und im idealen Falle verifiziert werden.

In einem ersten Schritt gilt es anhand der nachfolgend präsentierten Texte die Behauptung zu betrachten, dass der Verzicht auf Nahrung als ein bisher wenig beachtetes, doch durchaus nachweisbares Element der Verbindung zwischen Texten unterschiedlichster Epochen bis in die heutige Zeit nachgewiesen werden kann. Da dieses Hungern keinesfalls immer identisch abläuft, sollen dann in einem zweiten Schritt die Gründe der jeweils hungernden Figuren zusammengetragen und in Relation gesetzt werden. Hierbei sind ohne Frage schon lange bekannte und religiös intendierte Ursachen wie das Ableisten von Buße von Relevanz. Aber auch eher ungewohnte und sicherlich überraschende Gründe sind in den Texten zu identifizieren. In diesem Kontext sollen auch Exkurse zur „schönen Seele“ und dem Generationsdiskurs unternommen werden, um weitere Belege für die These zu finden.

Des Weiteren soll dargelegt werden, dass das Hungern, beziehungsweise freiwillige Verzichten auf Nahrung, zwar ein verbindendes Element der Texte darstellt, zugleich aber auch als ein signifikantes Instrument zur Differenzierung genutzt werden kann. In diesem Kontext wird erneut speziell auf den Konflikt der Generationen einzugehen sein.

Diese postulierten Behauptungen sollen dabei an zwei Texten von Autoren nachgewiesen werden, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Zum einen werden die Wahlverwandtschaften von Goethe, zum anderen der Hungerkünstler von Kafka einer detaillierten Textanalyse unterzogen werden. Die Wahl fiel auf diese beiden Texte, da das Hungern und das Entsagen von Nahrung ein zentrales Motiv bildet. Ein Motiv, das aber dennoch aus komplett verschiedenen Epochen und folglich unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven heraus verarbeitet wurde. Ebenso ist die Biographie der beiden Autoren eine gänzlich andere, weshalb mögliche biographische Parallelen bezüglich des Hungerns ausgeschlossen werden können, was eine reine Textanalyse als das einzig probate Mittel zur Überprüfung der Thesen erhebt. Auf diese Weise soll die Bedeutung der Hauptthese zusätzlich unterstützt werden, indem eben dort eine Brücke zwischen den Texten geschlagen wird, die kaum zu vermuten gewesen wäre. Um den Textrahmen noch ein wenig zu erweitern und die Thesen, die im Laufe der vorliegenden Ausarbeitung aufgestellt werdenauch in Hinblick auf andere Texte zu belegen, sollen des Weiteren die Verwandlung und die Bekenntnisse einer schönen Seele aus Wilhelm Meisters Lehrjahre mit einbezogen werden.

In welcher Weise dabei im Detail vorgegangen werden soll und welche literaturwissenschaftlichen Methoden dabei zum Einsatz kommen, diese Aspekte werden im nun anschließenden Kapitel näher erläutert werden.

1.2. Methodische Vorgehensweise

Die Arbeit ausgehend von dieser zentralen These der Fragestellung nachgehen, aus welchen Beweggründen die Figuren in den zu untersuchenden Texten der Nahrung entsagen und inwiefern das Nichtessen als dramaturgisches Steigerungsmotiv anzusehen ist. Speziell im Hinblick auf Ottilie muss in diesem Kontext dann ein Exkurs zur „schönen Seele“ unternommen werden, worin Teile der Figurenkonzeption von Ottilie nachgezeichnet werden können und möglicherweise erste Antworten auf die Frage nach dem Nahrungsverzicht gefunden werden können. Auch in der zweiten Textanalyse von Kafkas Hungerkünstler kann die „schöne Seele“ durchaus in Betracht gezogen werden, zumal die Historie des Konzeptes belegen wird, dass eine „schöne Seele“ nicht immer schon allein weiblich war. Vielleicht präsentiert Kafka mit seinem Protagonisten also eine Rückkehr der männlichen „schönen Seele“ in die Literatur? Ohne Zweifel eine spannende Vermutung, die es zu hinterfragen gilt. Des Weiteren sollen jedoch nicht nur die Gemeinsamkeiten der beiden Texte herausgearbeitet werden, sondern vielmehr müssen Trennungsmerkmale als Basis für eine differenzierte Aussage dienen.

Die Auswahl der Texte von Goethe und Kafka ist einerseits thematisch begründet, wie es im vorangegangenen Kapitel bereits dargelegt wurde. Andererseits lassen sie sich jeweils vor ihrem literaturhistorischen Hintergrund analysieren, so dass der divergierende[3]

Umgang mit dem Thema Essen beziehungsweise Nahrangsverzicht besonders deutlich hervortritt.

Im ersten Teil der Arbeit daher einen kurzen Überblick über den ideengeschichtlichen Hintergrund des Motivs der Nahrungsverweigerung . Die Berücksichtigung von sozialgeschichtlichen bzw. medizinhistorischen Fakten ist dabei mitunter gleichfalls interessant, da hieran deutlich wird, wie die Literatur Themen und Motive aus anderen Disziplinen übernimmt und verarbeitet. Zudem können durch die Einbeziehung dieser Referenzsysteme neue Einsichten in und Auslegungen für die Primärtexte gewonnen werden, da diese bislang oft als hermetisch und nur mit geringem Bezug zu ihrer Entstehungszeit aufgefasst worden sind.

Im Anschluss daran wird die Bedeutung des Motivs für die Handlung sowie Intention der Stücke analysiert. Der werkimmanente Untersuchungsschwerpunkt liegt dabei auf den jeweiligen Schlüsselszenen, um eine gezielte Analyse der Thematik zu realisieren und nicht in eine allgemeine Interpretation der Werke unter Beachtung aller Aspekte abzugleiten. Andere Textpassagen oder Werke (Kafka: Die Verwandlung, Goethe: Bekenntnisse einer schönen Seele) werden lediglich berücksichtigt, insofern sie dem Verständnis und der Beantwortung der zentralen Fragestellung der Arbeit dienlich sind. Der im nächsten Schritt stattfindende Generationendiskurs, sowie die Darstellung des (nicht nur literarischen) Hungerns in der Gegenwart soll schließlich die Brücke zur literarischen Gegenwart bauen. Die Textanalyse hierbei als philologisches Untersuchungs-Instrumentarium.

2. Der historische Kontext der Nahrungsverweigerung

Bevor der Verzicht auf Essen im Folgenden in literarischen Texten untersucht werden soll, ist es erforderlich, zumindest kurz einen Überblick über die Geschichte des Hungerns zu geben. Um hierbei einen direkten Bezug zu den Primärtexten herzustellen, findet ein allgemeiner historischer Überblick statt, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Ergänzende Informationen, die insbesondere dem Verständnis des Hungerkünstlers dienen, werden an späterer Stelle angeführt.

Anorexia nervosa[4]: lateinische Terminologie für Essstörungen, die im 21. Jahrhundert sogar medizinische Laien verstehen. Doch das heute scheinbar so populäre gesellschaftliche Phänomen ist keinesfalls eine rein moderne Erscheinung in unseren Zeiten des Überflusses und des falschen Körperbildes, das durch die diversen Massenmedien vermittelt wird. Die Geschichte der Essstörungen ist fast ebenso lang, wie die Menschheitsgeschichte selbst. Sie reicht von Zeugnissen aus der Antike bis ins 21. Jahrhundert und ist u.a. dank der Arbeit von Walter Vandereycken und Mitarbeitern gut dokumentiert.[5]

Verhältnismäßig neu ist lediglich der (literarische) Umgang mit dem Krankheitsbild der Essensverweigerung. Er reicht von einem Pudendum (vgl. Wahlverwandtschaften) über religiöses Wunder und Publikumsattraktion (vgl. Ein Hungerkünstler) bis hin zu einem enttabuisierten medizinischem Leiden (Literatur der Neuzeit). Was in der einen Epoche noch als durchaus gesund galt, kann/konnte schon wenige Jahrzehnte später als pathologisch eingestuft werden und umgekehrt.

Daher ist es insbesondere bei der Herangehensweise an fiktionale Texte wichtig, den medizinhistorischen Hintergrund der jeweiligen Entstehungszeit des literarischen Werkes mit zu berücksichtigen. Nur auf diese Weise kann tatsächlich sichergestellt werden, dass nicht mit einem falschen bzw. der Epoche nicht angebrachten Maßstab gemessen oder interpretiert wird, woraus sich schlichtweg unhaltbare Deutungen und nicht nachzuvollziehende Verknüpfungen zwischen Werken ergeben würden. Was in Bezug auf die Primärtexte im Einzelnen gemeint ist, dies wird bei den folgenden Ausführungen noch detaillierter ausgeführt werden, da das vermeintliche Krankheitsbild stets in Kombination mit der genauen Textbetrachtung nachgezeichnet werden soll. Einen ersten Eindruck davon liefern jedoch bereits die in der heutigen, postindustriellen westlichen (Schul-)Medizin verwendeten Diagnosekriterien.

Beinahe unisono beinhalten diese die „große Angst vor dem Dickwerden“[6]. Zudem wird zumeist die Phase der Adoleszenz mit dem ersten Auftritt von Essstörungen in Verbindung gebracht. Dass diese Kriterien jedoch der Sichtweise des 21. Jahrhunderts entsprechen und nicht ohne die Gefahr von Fehlinterpretationen auf andere Epochen zu übertragen sind, wird schon bei einer sehr oberflächigen Lektüre der Primärtexte von Goethe und Kafka deutlich - so wird Ottilie keinesfalls aufgrund ihrer Essensverweigerung medizinisch behandelt, der Hungerkünstler erhebt seine aus heutiger Sicht zu definierende Krankheit sogar zu einer Attraktion, die von dem Publikum begeistert aufgenommen wird. Folglich sind ausgezehrte Körper allein noch kein Indiz für eine medizinisch krankhafte Essstörung.

Seit Menschengedenken haben Naturphänomene wie zu viel Regen, Dürre oder Frost zu einer Reduzierung des natürlichen Nahrungsangebots und damit einhergehend zu Nahrungsabstinenz geführt. Doch nicht allein die von den Menschen scheinbar unbeeinflussbaren Größen wie die Wetterlage, sondern auch Kriege führten und führen immer wieder zu (körperlichen) Elendsszenen - hier gibt es sogar literarische Exempel aus dem Mittelalter. So ließ beispielsweise Wolfram von Eschenbach seinen Parzival in Pelrapeire einreiten, wo das Volk aufgrund der kriegerischen Belagerung von Feinden bereits vollkommen körperlich ausgezehrt ist.[7]

Demgegenüber steht der bewusste Verzicht auf sinnliche Genüsse u.a. zur Schulung des Geistes und Ausübung der Buße. Freiwillige Hungerkuren waren im Verlauf der Geschichte oftmals mit einem magisch-religiösen Ritus verbunden. Dies geschah zumeist in Anlehnung an die u.a. im Christentum verankerte 40-tägige Fastenzeit (Quadragesima), die dem Osterfest voranging. Diese Zeitspanne verweist im religiösen Sinne auf die Leiden Christ und ist in der Bibel mehrfach zu finden: 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste, 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Sinai, 40 Tage wandert Elias zum Berg Horeb, 40 Tage fastet Jesus in der Wüste und 40 Tage nach der Auferstehung (bzw. Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt.[8]

Jedoch ist der bewusste Nahrungsverzicht nicht ausschließlich im religiösen Kontext vorzufinden. So galt der selbstauferlegte Verzicht zugleich als probate sowie häufig praktizierte Behandlungsmethode, um physische und psychische Leiden zu kurieren. Das bewusste Hungern war jedoch im Verlauf der Geschichte nicht immer positiv konnotiert. Ganz im Gegenteil Bereits ein babylonischer Keilschrifttext [9] soll davon zeugen, dass das Vollziehen des Fastens auch den Beigeschmack eines Teufelswerks haben konnte. Waren (wie in den meisten Fällen) die Hungernden, so wurde nicht selten die Maßnahme des Exorzismus als eine angemessene Behandlungsmethode angesehen und tatsächlich praktiziert. Aber auch das „Aushungern als Strafe oder Druckmittel“[10] blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit dem 17. Jahrhundert änderte sich jedoch die Sichtweise auf die Hungernden, der Aberglaube verlor sich immer mehr und die Medizin machte Fortschritte, womit zugleich das Hungern als „ungesund“ im wissenschaftlichen Sinn eingestuft wurde. Dementsprechend wurde der Anblick eines auffällig mageren Körpers allmählich nicht mehr mit dämonischen Kräften in Verbindung gebracht, sondern mit einer Krankheit assoziiert, woraus sich letztlich die heutige Behandlung von magersüchtigen Menschen in unserer Gesellschaft ergeben hat.

Dieser knappe historische Abriss über das Hungern konnte bereits verdeutlichen, dass die Motive für den Verzicht auf Nahrung seit jeher unterschiedlich und keinesfalls einander gleich waren. Vielmehr gibt es viele Gründe dafür, weshalb Menschen auf Nahrung verzichten - freiwillig, wie auch unter Zwang. Vor diesem Hintergrund ist es umso interessanter, in den folgenden Texten detailliert zu untersuchen, welche Gründe für das Hungern der Figuren zu finden sind, welche Funktionen der Verzicht auf Nahrung dadurch erfüllt und welche Parallelen sich ungeachtet der zahlreichen möglichen Intentionen herausarbeiten lassen.

2.1. Literarische Einordnung des Hungerns

Möchte der Leser einmal Zeugnisse der Nahrungsverweigerung in literarischen Texten der vergangenen Jahrhunderte aufspüren, so gleicht dieses Unterfangen mitunter einem geradezu kriminologischen Vorgehen. Viel wurde zwar von Völlereien, Tischgelagen und Es(s)kapadenl[11] geschrieben, aber nur sehr wenig über den motivischen Antagonisten, die Ablehnung der Mahlzeiten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass selbst die - für das Essen in seiner mannigfaltigen Ausprägung - elementaren germanistischen Arbeiten von Gerhard Neumann und Alois Wierlacher[12] ihren Fokus verstärkt auf die literarische Verarbeitung des Essenmotivs legen. Das Nichtessen wird dagegen auch hier nur peripher erforscht, da die Textstellen eben weitaus weniger auffallend sind, sollten sie denn überhaupt explizit im Text erwähnt werden.

Dennoch ist das Verweigern von Nahrung keineswegs ein allzu exotisches Thema, das nur von einigen wenigen Texten behandelt wird, wie man es in Anbetracht der Sekundärliteratur meinen könnte. Es ist nicht nur in den hier zu untersuchenden Texten von Goethe und Kafka präsent. Das Motiv der Nahrungsabstinenz findet sich in unterschiedlich starker Ausprägung auch bei Theodor Fontane, Knut Hamsun, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche, Hedwig Dohm, Wolfram von Eschenbach oder Patrick Süskind - um nur einige zu nennen. Auch vor dem Genre „Kinderliteratur“ macht(e) das Thema keinen Halt. In Der Struwwelpeter (1845) des Frankfurter Psychiaters Heinrich Hoffmann wird beispielsweise die Geschichte des Essen verweigernden Suppenkaspers erzählt. Der Struwwelpeter ist insofern ein interessantes Werk, da hier nicht nur ein fiktives Beispiel für eine - zumindest aus heutiger Sicht - präpubertäre Essstörung geschildert wird, sondern da (wie sonst nur selten) ein Junge betrachtet wird - womit wiederum eine Parallele zu Kafka aufzuzeigen wäre. Jedoch ist das (Nicht)Essen in nur wenigen der genannten Texte so plakativ angelegt wie im Struwwelpeter oder in Hamsuns Roman Hunger (1890), in welchem die Nahrung ein zentrales Motiv darstellt und damit die Handlung geradezu dominiert.

Viel häufiger ist dagegen eine Aufhebung der Grenze zwischen Literatur und Medizin festzustellen. So wurde erwogen, den Prosatext Hunger in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als Dokument zu veröffentlichen. Aber auch die Medizin bereichert(e) umgekehrt die Literatur mit ihren Erkenntnissen: Der Arzt und Kriminalautor Arthur Conan Doyle wählte beispielsweise für seine Detektivfigur Sherlock Holmes in The Adventures of Sherlock Holmes (1892) einen Medizinprofessor zum Vorbild, wobei ein Blick auf Holmes’ Lösungen der Kriminalfälle seine deutliche Affinität zu medizinischen Diagnosen verrät. Conan Doyle ist nicht als einziger Arzt mit literarischen Ambitionen anzusehen. Auch Friedrich Schiller, Gottfried Benn, Alfred Döblin, Anton Tschechow oder Arthur Schnitzler - um nur einige zu nennen - waren nicht nur erfolgreiche Schriftsteller, sondern auch auf medizinischem Gebiet tätig. Doch nicht alle der genannten schreibenden Ärzte schienen in der dualistischen Betätigung eine solche Freude zu empfinden, wie der russische Schriftsteller und Dramatiker Tschechow, der 1888 seinem Verleger mitteilte: „Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte. Wenn mir die eine auf die Nerven fällt, nächtige ich bei der anderen.[13]

Einige von ihnen - wie beispielsweise Arthur Schnitzler oder Gottfried Benn - schienen ihre medizinische Berufung regelrecht verabscheut zu haben. So ist aus Schnitzlers Tagebucheinträgen bekannt, dass er sich vor allem zu ekeln schien, was mit seinem Beruf zu tun hatte. Und auch aus Benns Gedichten spricht die Antipathie gegenüber seinen Patienten. Das literarische Schreiben diente somit auch vielfach als Möglichkeit, die psychischen und physischen Belastungen des Berufsalltags zu verarbeiten. Da diese Doppelbeschäftigung mitunter sehr zeitaufwendig war, finden sich nur wenige Beispiele von schreibenden Medizinern, die beiden Professionen ein Leben lang die Treue hielten. Früher oder später entschieden sich die meisten von ihnen für eine ihrer Professionen. Arthur Schnitzler entschied sich beispielsweise für ein Ende seiner Medizinerlaufbahn zu Gunsten seiner Leidenschaft, der Literatur. Gottfried Benn hingegen arbeitete fast bis zu seinem Tod weiter als Arzt. [14]

Unabhängig davon, ob die Symbiose aus medizinischer und literarischer Arbeit als Glücksfall oder als Schwierigkeit betrachtet wurde - eines steht fest: Die Texte der hier Genannten bieten ein eindrucksvolles Exempel dafür, wie sehr der Arztberuf die literarische Arbeit beeinflussen konnte. Der Satz aus der Autobiographie des US-amerikanischen Mediziners und Lyrikers William Carlos Williams verdeutlicht dies: „Deswegen habe ich mich als Schriftsteller auch nie von meinem Arztberuf gestört gefühlt; im Gegenteil, ich habe darin stets die eigentliche Nahrung gesehen, eben das, was mir das Schreiben überhaupt ermöglicht hat. “[15]

Dass es sich bei dem Phänomen des schreibenden Mediziners nicht um ein Relikt der Vergangenheit handelt, zeigt auch die stetig steigende Mitgliederzahl des Bundesverbandes Deutscher Schriftsteller-Ärzte. Der Verband hat sich neben der Förderung des Austausches auch die Begabtenförderung zur Aufgabe gemacht. So wird in unregelmäßigen Abständen ein von einem Arzt verfasstes belletristisches Werk (Lyrik oder Prosa) mit dem Literaturpreis der Bundesärztekammer geehrt. Auch wenn die bisherigen Preisträger in der fachfremden Öffentlichkeit wenig bekannt sind und sie sich nicht in die Reihe der vorab Genannten einreihen lassen, zeigen sie doch abermals, dass die Interdisziplinarität eine motivische Bereicherung für literarische Arbeit sein kann.

Obgleich Goethe und Kafka ihrer Profession nach keine Mediziner waren, wird beiden nicht selten ein durchaus profundes medizinisches Wissen attestiert. Beispielsweise versorgte Goethes zeitweiser Arzt, Christoph Wilhelm Hufeland, diesen mit allen Exemplaren seiner wissenschaftlichen Publikationen.[16] Dieses Interesse an medizinischen Themen verleitet Angela Wendt posthum zu der Aussage: „ Goethe, selbst homo patiens, betrachtet die Dinge mit ärztlichem Blick [...]. Besonders auf dem weiten Feld der Essstörungen sieht er mehr als seine Zeitgenossen.[17] “ Über den Vegetarier Kafka ist dagegen bekannt, dass er sich neben seinen Werken auch in seinen Tagebüchern an zahlreichen Stellen mit dem Thema Nahrung (körperliche und geistige Nahrung) beschäftigte. So kann festgehalten werden, dass das Hungern in der Literatur durchaus schon immer thematisiert wurde - und sei es auch nur als Gegenteil zu dem weitaus häufiger beschriebenen Verzehren von Nahrung. Die fachwissenschaftliche Betrachtung dieser Thematik hat bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht in einem zufriedenstellenden Maße stattgefunden, weshalb auch die vorliegende Arbeit zumindest als ein kleiner Teil dafür angesehen werden soll, diese vorhandene Lücke zu schließen und auf den Wert einer Analyse des Hungerns in literarischen Texten aufmerksam zu machen.

3. Goethes Wahlverwandtschaften

Bevor die Textanalyse hinsichtlich der Nahrungsverweigerung von Seiten Ottilies begonnen wird, soll zunächst ein knapper Überblick über die Eckdaten der Wahlverwandtschaften gegeben werden. Hierzu soll nacheinander die Rezension betrachtet, die Frage des Genres beantwortet und eine Definition von eben diesem gegeben werden.

Rezension

Das Spätwerk von Johann Wolfgang von Goethe scheint eines der facettenreichsten, undurchdringlichsten und geheimnisvollsten Werke der deutschen Literatur zu sein. Seine dichterische Vielschichtigkeit stieß jedoch nicht immer auf die Gegenliebe seiner Leserschaft. Die Kritik manifestierte sich etwa in einer Umtitulierung des Werkes in „Qualverwandtschaften“[18] (Ludwig Tieck) oder in Bekenntnissen wie „beim Lesen zuweilen auf die Lehne eines Schlafsessels herabgefallen “ [19] zu sein (Wilhelm Grimm).

Doch obgleich die Wahlverwandtschaften von seinen zeitgenössischen Kritikern vielfach missverstanden wurden, avancierte der Roman im Laufe der Jahre zu einem Magneten für Leser und Theatergänger gleichwohl. Dieses Phänomen lässt sich nicht zuletzt mit der zeitlosen Brisanz seines Inhalts erklären: ie zentralen Themen des Stückes - Ehe, Scheidung, Liebe; allesamt eingebettet in den Kontext der Naturwissenschaften - auch für die heutige Gesellschaft virulent und offenbaren eine Aktualität. Abgesehen von dem hochgradig aktuellen Thema der Magersucht wird beispielweise auch das Modell einer auf Jahre befristeten Ehe in dem Roman angeführt, was zuletzt in der Politik tatsächlich diskutiert wurde: „Gabriele Paulis Idee, die Ehe auf sieben Jahre zu begrenzen, stößt weiterhin auf Empörung in der CSU. “[20]

Genrefrase

Das breitgefächerte Themenspektrum ist bereits ein Indiz für die Komplexität des Romans. Ursprünglich als Novelleneinlage zu Wilhelm Meisters Wanderjahre gedacht, sprengte der Stoff schon bald den Rahmen einer Novelle und wurde von Goethe damit nach und nach zu einer eigenständigen Handlung ausgebaut.

Die möglichen Lesarten scheinen auch mehrere Jahrhunderte nach der Publikation noch schier unerschöpflich. Sie reichen von „Gesellschafts- und Eheroman“ bzw. „Liebesgeschichte mit dramatischem Ausgang“ über „Geschichte von menschlicher Schuld“ bis zur Lesart eines „naturwissenschaftlichen Experiments“, zumal der Terminus Wahlverwandtschaft ein originär chemischer Begriff ist. Die Frage nach der Richtigkeit einer bestimmten Lesart ist dennoch nicht relevant. Jede dieser Sicht- und Untersuchungsweisen hat ihre eigene Berechtigung und liefert wertvolle Resultate, solange diese stimmig am Text belegt werden können. Am weitesten ist sicherlich die Auslegung als Eheroman verbreitet, weshalb hierzu eine kurze Beschreibung folgt.

Eheroman

Richtet sich der Hauptfokus des Lesers auf die in den Wahlverwandtschaften thematisierte Verknüpfung von Eheproblematik und Gesellschaftskritik, dann ließe sich das Werk durchaus an den Anfang einer Reihe großer Eheromane des 19. Jahrhunderts stellen. Flauberts Madame Bovary, Tolstois Anna Karenina oder Fontanes Effi Briest sind nur einige Beispiele, die dann in dieser Chronologie der Romane über Paarbeziehungen anzuführen wären.

Für diese Lesart kann darüber hinaus der real-historische Hintergrund sprechen. So steht der „höchste Roman der deutschen Literatur“ (Thomas Mann) am Beginn eines zeitlichen Umbruchs, in dem sich als Folge der Aufklärung ein Wandel der Beziehungen im Geiste des Subjektivismus vollzieht. In Frankreich war gerade ein gesellschaftliches „Erdbeben“ ausgelöst worden: Die Ehescheidung war legalisiert worden; Ehebruch scheinbar leicht wie nie - ein Umstand, der exakt den Handlungskern der Wahlverwandtschaften zu treffen scheint. Demnach sind die Wahlverwandtschaften kein Roman, der die Institution der Ehe als ein heiliges Bündnis der Ewigkeit feiert und stilisiert. Vielmehr wird dem Leser bzw. der (damaligen) Gesellschaft ein realistischer Spiegel vorgehalten: Menschliche Urängste werden aus dem scheinbar Verborgenen geholt und über die Figuren an der Oberfläche ausgesprochen und ausgelebt. Somit wäre das Werk ohne diese von Frankreich ausgehenden Entwicklungen vielleicht nicht verstehbar. Die Wahlverwandtschaften wurden aus dem moralisierenden, orthodoxen, um nicht zu sagen: dogmatischen Zeitgeist heraus als Bedrohung der christlichen Werte angesehen. Goethe selbst wurde immer wieder als ein Heide gescholten, wie es u.a. auch[21]

Jacobis Aufsatztitel „Himmelfahrt der bösen Lust"22 belegt, der später erneut von Jochen Hörisch aufgegriffen wurde (vgl.: Kapitel 3.3.: Analyse der Funktion von Sprache in den Wahlverwandtschaften).

Die Unhaltbarkeit dieser dem Autor gegenüber gemachten Vorwürfe wird allein schon an der Figur von Gretchen im Faust I (1808) deutlich, die aufgrund ihres Vertrauens in die christliche Gnade und der Akzeptanz von Schuld hingerichtet wurde. Und auch Ottilie musste schließlich den Hungertod sterben, nachdem sie den kleinen Otto ins Wasser fallen ließ, was für das Christentum doch scheinbar eine durchaus adäquate schriftstellerische Lösung sein müsste.

Naturwissenschaftliches Experiment

Dass sich die verschiedenen Lesarten nicht ausschließen müssen, sondern sich sogar sinnvoll ergänzen können, dies soll die Sichtweise des „naturwissenschaftlichen Experiments“ belegen. Auch diese Lesart ist keinesfalls eine allzu überraschende, impliziert doch schon der Titel Wahlverwandtschaften einen chemischen Bezug. So entstammt das Wort „Wahlverwandtschaften“ einem Aufsatz des schwedischen Mineralogen und Chemiker Tobern Olof Bergmann. Dementsprechend ist der Roman als ein Experiment angelegt, in welchem statt der Atome die Menschen den Partner wechseln. Die anziehenden und abstoßenden Kräfte der chemischen Elemente werden hierbei auf menschliche Verhältnisse übertragen. Die im Werk agierenden Personen sehen sich unausweichlichen Naturkräften ausgesetzt, die ihr einst so überschaubares Leben kolossal verändern und die Ehe als eine feste Institution ins Wanken bringen werden. Bevor nun folgend die Textanalyse der Wahlverwandtschaften hinsichtlich der zentralen Fragestellung dieser Arbeit angegangen wird, soll ein kurzer Exkurs eingefügt werden, der speziell für die Betrachtung der Figur Ottilies eine wertvolle zusätzliche Perspektive einführt. Dabei handelt es sich um das Konzept der „schönen Seele“.

3.1. Exkurs - Die „schöne Seele“

Nachfolgend soll das Konzept der „schönen Seele“ vorgestellt werden, das sich sicherlich in einigen Punkten auf die Figur der Ottilie beziehen lässt, womit auch deren Verhalten[22]

nachvollziehbarer wird. Somit erscheint es sinnvoll, diese Parallelen bereits im Rahmen dieses Exkurses anzuführen, damit auf dieser Grundlage aufbauend gezielt auf die zentrale Thematik der vorliegenden Arbeit in den Wahlverwandtschaften eingegangen werden kann. Auf diese Weise wird der rote Faden in der Textinterpretation nicht von umfangreichen Einschüben bezüglich der „schönen Seele“ unterbrochen werden müssen. Außerdem können bereits an dieser Stelle zentrale Aspekte aus den Wahlverwandtschaften vorgestellt werden, so dass diese folgend nicht nochmals ausführlich thematisiert werden müssen.

Der Topos der „schönen Seele“ stellt weit mehr dar als ein gesellschaftlich aufkommendes Modewort des philosophischen und ästhetischen Diskurses in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, welches für junge und besonders zart wirkende Mädchen bzw. junge Frauen genutzt wurde. Vielmehr ist die Historie hinter dem Konzept der „schönen Seele“, welche im Zuge der Aufklärung einen neuen Höhepunkt erfährt, ähnlich lang und umfangreich wie die Geschichte der Essstörungen. bietet sich an dieser Stelle eine genauere Betrachtung an, da die Untersuchung dieses Weiblichkeitsideals ebenfalls Rückschlüsse auf die Figur der Ottilie aus den nachfolgend zu behandelnden Wahlverwandtschaften zulässt und somit zusätzliche Informationen zu deren gestörtem Essverhalten liefert. In diesem Kontext erscheint die Beantwortung der folgenden Fragen virulent zu sein: Welche Konzeption von Weiblichkeit liegt dem Topos der „schönen Seele“ zugrunde? Und inwiefern lässt sich das von Goethe im Wilhelm Meister ebenfalls (zeitlich vor seinen Wahlverwandtschaften) postulierte Ideal einer Frauenfigur auf seine spätere Gestalt der Ottilie übertragen? Zur Beantwortung dieser Fragen soll zunächst ein kurzer historischer Abriss bezüglich der „schönen Seele“ gegeben werden.

Die Vorstellung einer „schönen Seele“ beruht zunächst einmal auf einem philosophischen und literarischen Konzept von Moralität, welches bereits in der europäischen Antike bestand. So wurde seit Platon und Plotin unter dem Synonym „Kalokagathia“ die personifizierte Einheit vom Wahren, Guten und Schönen in einem einzigen Menschen verstanden. Später findet sich eben dieses Ideal der Perfektion auch in der mittelalterlichen Epik wieder, wo die höhergestellten Damen in der Regel stets zugleich (entsprechend ihrer sozialen Stellung) schön, ehrlich wie auch gutherzig waren - im Idealfall handelt es sich dabei um die Königin. Hier kann beispielsweise auf Parzivals Frau Herzeloyde verwiesen werden. Vorrangig wurde das Konzept in dieser Epoche also zur Charakterzeichnung eingesetzt. Entsprechend war man der Annahme, dass ein Mensch deshalb schön sei, da er eben wahrlich gut ist und umgekehrt. Verwandt damit ist das Konzept der „edlen Herzen welches Gottfrieds von Straßburg Tristan-Prolog als Idealvorstellung und Gegenbild des „gewöhnlichen Menschen“ postuliert. In der Folge erfährt die „schöne Seele“ dann in den Texten um 1800 eine eindeutig geschlechtliche Codierung, die „aus der geschlechtsneutral gedachten Seele des Menschen ein literarisches Konstrukt idealer Weiblichkeit entstehen ließ“[23]

Die von nun an kontinuierlich weiter verbreitete Vorstellung, die Figur der „schönen Seele“ als Verkörperung idealer Weiblichkeit anzusehen, war jedoch keinesfalls unumstritten. Hegel beispielsweise verspürte einen regelrechten „Haß auf diese Figur“[24]. Und auch Nietzsche äußerte seine Verachtung ihr gegenüber mit den Worten, dass es sich bei der „schönen Seele“ lediglich um ein „bleich(es), krankhaft(es), idiotisch- schwärmerisch(es) Wesen“[25] handle. Bereits hieran wird deutlich, dass die „schöne Seele“ durchaus auch mit negativen Attributen wie Krankheit in Verbindung gebracht wurde. In Verbindung mit der Bleiche, die von einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel resultieren könnte, wäre es denkbar, schon im Konzept der „schönen Seele“ auf eine obligatorische Mangelernährung zu schließen, wie es im Folgenden für Ottilie gezeigt werden soll.

Wie auch immer man zu dem Konzept stehen mag, so steht eines fest: Bei der „schönen Seele“ handelt es sich um ein nicht ganz leicht zu erfassendes Gedankenkonstrukt, da es sich eben einer exakten Definition entzieht und von vielen unterschiedlich aufgefasst wurde und wird.

Um es dennoch leichter fassbar zu machen, nunmehr ein kurze Überblick über die literarische Verarbeitung des Motivs geben. In Anbetracht dessen, dass sich hieran die Auslegung der Wahlverwandtschaften anschließt, des Weiteren sinnvoll, diesen Überblick vor allem anhand ausgewählter Texte von Goethe zu geben, um für die Figur der Ottilie wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass der Begriff der „schönen Seele“ für ein breiteres Publikum überhaupt erst durch Goethes Werk bekannt wurde. So trägt das sechste Buch von Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) den Titel Bekenntnisse einer schönen Seele und stellt damit wohl eines der populärsten Zeugnisse einer Ästhetisierung und Verweiblichung der Seele in der gesamten neueren Literatur dar.[26]

Gleichfalls ist zu erwähnen, dass der Topos in der literarischen Verarbeitung nicht allein bei Goethe auftritt. So sollen Fräulein von Sternheim (La Roche), das Käthchen von Heilbronn (Kleist) oder Diotima (Hölderlin) nur einige weitere Beispiele in einer Reihe sein, die sich ohne weiteres fortführen ließe.[27]

Goethes Bekenntnisse einer schönen Seele rekurrieren auf Rousseaus Confessions (1765­1770) einerseits und Augustinus' Confessiones (397/87) andererseits.[28] Zudem zog Goethe autobiographische Aufzeichnungen einer Autorin heran, die ihm persönlich bekannt war. Hierbei handelt es sich um Susanna Katharina Klettenberg (1723-1774), eine pietistische Stiftsdame und Tante des Schriftstellers. Allerdings darf dieser realhistorische Bezug nicht überbewertet werden, da es sich dabei sicherlich nicht um eine deckungsgleiche Abbildung dieser Person in der Literatur handelt. Folglich muss man es wohl der künstlerischen Freiheit in Bezug auf die Textgestaltung zuschreiben, dass „schöne Seelen“ in der Realität bis heute kaum zu finden sind.

Goethes Erzählung über die „schöne Seele“ wird aus der Ich-Perspektive heraus erzählt. Die namenlose Protagonistin und Titelfigur erscheint dabei als eine Frau, die „ihre konventionelle Bestimmung als Frau verfehlt und die vitalen Bedürfnisse ihres Körpers zugunsten der Ausbildung der Seele systematisch abtötet “[29]. Was damit im Einzelnen gemeint ist, soll ein näherer Blick auf den Inhalt zeigen.

Eine Krankheitsphase in der Kindheit markiert den Ausgangspunkt der Entwicklung der „schönen Seele“. Bedingt durch einen Blutsturz leidet die Protagonistin fortan unter einer neun Monate andauernden Krankheit. Die Zeitangabe von neun Monaten ist in diesem Kontext nicht allein als Indiz für die Schwere der Krankheit anzusehen, sondern vielmehr verweist sie im symbolischen Sinne auf die Entwicklung eines Kindes im Mutterleib. Vor diesem Hintergrund ergibt sich zugleich eine positiv konnotierte Darstellung der Krankheit, da sie der Entwicklung des Menschen dienlich scheint. Dies lässt sich u.a. an dem sich immer weiter ausprägenden Bildungstrieb der Figur während dieser Lebensphase festmachen. Die „schöne Seele“ zeichnet sich somit auch durch einen gewissen Lerntrieb aus, der aber - hier im Gegensatz zum umherziehenden und die Welt erkundenden Wilhelm Meister - weniger empirisch praktisch angelegt ist, sondern eher in der „Bücherwut“ befriedigt wird.

Ihre erste Liebe gilt dann auch den Büchern und keinesfalls den Männern, wie es im Nachhinein oft der Fall zu sein scheint. In dieser Beschreibung der Vorliebe der „schönen Seele“ meinen Verfasser von Sekundärliteratur wie Angela Wendt eine „sehr subtile Kritik am Medium Buch, die auch in den Wahlverwandtschaften von so zentraler Bedeutung ist“ [30], zu erkennen. Dieser Gedanke ist sicherlich nicht unberechtigt, wenn man bedenkt, dass es die zeitgenössische Vorstellung war, dass das Lesen die Frauen davon abhielt, ihren „hausfraulichen und mütterlichen Pflichten nachzugehen“[31] und somit als für den Haushalt schädlich erachtet wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass sich Ottilie jedoch neben einem Interesse für Bücher auch durch ihre Sorgfaltspflicht im Haushalt auszeichnet, ist ohne Zweifel noch genauer zu überlegen, ob dieser Vorwurf auch bei ihr greift. Das Abhalten von den mütterlichen Pflichten findet hingegen ganz eindeutig seinen symbolträchtigen Höhenpunkt in der Szene, in der Ottilie den kleinen Otto ins Wasser fallen lässt, da sie - wie könnte es anders sein - ein Buch in der anderen Hand hält.

Dass diese Vorstellung der Vernachlässigung der häuslichen und mütterlichen Pflichten zugleich aber einen ironischen Beigeschmack hat, zeigt die folgende Überlegung von Wendt: „Nicht das Lesen an sich macht hier [gemeint ist die schöne Seele] krank; die Krankheit ist vielmehr der Anlaß für den ausgedehnten Lesekonsum. “ Es wird versucht, die Krankheit mit Gottes Beistand zu überwinden. Ausgehend davon legt dieser [32]

Lebensabschnitt zugleich den Grundstein für das ganze Leben hindurch fortwährende Interesse an Gott und der Bibel.

Die erzählte Lebensspane der „schönen Seele“ (von der Kindheit bis zum Erreichen des Reifestadiums) ist dabei typisch für das Genre des Bildungsromans - und in einem der größten Bildungsromane befinden sich diese Aufzeichnungen der „schönen Seele“ bei Goethe. Analog zu Wilhelm Meister, dem Protagonist der Haupthandlung, strebt die als „schöne Seele“ titulierte Figur Individualität und Freiheit an. Freiheit, allein das zu tun, was ihr beliebt. Jedoch werden sowohl die weibliche Figur als auch der männliche Protagonist bei dem Erlangen bzw. der Suche nach jener Freiheit mit etlichen Hindernissen konfrontiert, die sie überwinden müssen. Während sich bei Wilhelm die Herausforderungen hauptsächlich auf die Standesgrenzen und die väterlichen Berufsvorstellungen beziehen, erscheinen die Hindernisse der „schönen Seele“ als weitaus komplexer.

Dies resultiert auch aus ihrer jeweiligen Geschlechterzuordnung. So entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich ein neues Weiblichkeitsideal. Sicherten vor dieser Zeit zumeist beide Geschlechter den Lebensunterhalt, gab es nun eine Verlagerung, die ihren Höhepunkt in der späteren bürgerlichen Gesellschaft fand. Der Mann war fortan (mehr als je zuvor) für die Sicherung des Einkommens (das Äußere) zuständig, während sich die Frau um den häuslichen Bereich (das Innere) zu kümmern hatte. Für den Geschlechterdiskurs der damaligen Zeit stellt das Konzept der „schönen Seele“ in seiner Doppeldeutigkeit eine - in seiner Brisanz nicht zu unterschätzende - Provokation dar. So wurde nämlich mit diesem Konzept das „herrschende, am Ideal der patriarchalen Familie orientierte Geschlechterbild konterkariert“. Goethes „schöne Seelen“ üben also die Rebellion gegen die ihnen zugewiesene Stellung in der Gesellschaft und wollen sich - gleich den wenige Jahre zuvor kämpfenden französischen Revolutionären - ihre Freiheit auch vom herrschenden Manne abgewinnen, so scheint es zumindest. Sie negieren das in der Realität vorherrschende Weiblichkeitsideal ihrer Zeit, indem sie ganz bewusst unverheiratet und kinderlos bleiben, dem Ideal einer Frau dieser Zeit also entsagen - ein Entsagen vom Manne, das später auch Ottilie in den Wahlverwandtschaften postulieren[33] wird. Ihr Leben ist ein „emanzipiertes, von Männern unabhängiges [...] im Rahmen ihrer selbstgesetzten Keuschheitsgrenzen “[34]

Und doch unterwerfen sich zugleich (zumindest in einigen Punkten) dem Idealtypus der . So sind „die Keuschheit, die Schicklichkeit, die Liebenswürdigkeit, die Empfindsamkeit, das Taktgefühl, die Verschönerungsgabe, die Anmut und die Schönheit“[35] scheinbar Tugenden, die nicht nur auf das reale Frauenideal jener Zeit zutreffen, sondern ebenso auf die „schönen Seelen“. Es sind demnach Tugenden bzw. Fähigkeiten, die in der heutigen modernen Gesellschaft wohl mit dem Terminus „soft skills“ umschrieben werden würden; wohingegen der Mann die Hoheit über die sogenannten „hard skills“ bzw. den höheren Geist für sich beanspruchen sollte. Vor diesem Hintergrund war Bildung für Frauen auf ein spezifisches Minimum beschränkt.

„Noch 1891 widersetzte sich der Vizepräsident des Weimarer Landtages heftig, allen Bestrebungen der damaligen Frauenbewegungen, Mädchen zum Abitur zuzulassen: Uns reizt an den Frauen gerade die Gefühlswärme, die Naivität und Frische, die sie vor den frühzeitig überarbeiteten und frühgereiften Männern voraushaben, und der Reiz, den sie durch diese Eigenschaften auf die Männer ausüben, würde unwiederbringlich verloren gehen, wenn dieses Anmutendste an ihnen durch die Erziehung vernichtet werden würde.‘“[36] Hieran wird nochmals deutlich, dass die Frau auch noch Jahre nach dieser aufkommenden „schönen Seele“ lediglich als häuslicher Ausgleich für den Mann aufgrund seines schweren beruflichen Alltag angesehen wurde.

Galt doch die Frau im späten 18. Jahrhundert de facto als ein „formloser Stoff, dem erst der Mann die Form gibt, als ein unbestimmtes und diffuses Naturwesen, das erst durch die Formung des Mannes zu etwas Bestimmtes wird“[37]. Eine Frau, die gebildeter war als üblich, tat somit gut daran, diese Tatsache gegenüber ihrer Umwelt zu verschweigen, wurde doch die intensive geistige Schulung als ein Privileg des Mannes erachtet.

In den Bekenntnissen einer schönen Seele scheint der Vater jedoch zunächst einmal den Wissensdrang seiner Tochter zu fördern. Gleichzeitig verurteilt er aber die Wissensakkumulation, da er in seinem weiblichen Nachkömmling einen „mißratenen Sohn“[38] sieht, was sich eben mit dieser strikten Trennung der geschlechtsspezifischen Bildungswege erklären lässt. An dieser Stelle wird die unterschiedliche Rollenzuteilung der Geschlechter sehr deutlich. Die „schöne Seele“ betritt schon früh ein Terrain, das eigentlich dem anderen Geschlecht vorbehalten ist. Damit überschreitet sie die „naturgegebenen Geschlechtergrenzen“. Dies ist nicht die einzige Textstelle, die Aufschluss darüber gibt, wie die Protagonistin in die Schranken einer patriarchalischen Gesellschaft verwiesen wird. Ihr Werdegang liest sich somit als Zeugnis einer Verweigerung der Übernahme der Rolle der Frau in der damaligen männerdominierten Gesellschaft. Jedoch geschieht dies nicht über Nacht, sondern auch die Entwicklung hin zu einer „schönen Seele“ braucht einen gewissen Vorlauf, der sich ja auch schon bei Ottilie andeutet, während sie noch gar nicht als Figur aufgetreten ist, sondern allein durch Schreiben ihrer Ausbildungsstätte definiert wird.

So erfährt die Protagonisten aus der Wilhelm Meister Einlage am Anfang ihrer Entwicklung noch die Schönheit der irdischen Freuden in Form einer romantischen Liebesgeschichte. Beim Tanzen lernt sie zwei Brüder kennen und entwickelt eine Verliebtheit für einen der beiden. Als aber dieser mit einer Erkrankung kämpft, wendet sie sich - wie eingangs auch - Gott zu und bittet um die Heilung des Jungen. Hier steht ihre intensive Besinnung auf Gott zum zweiten Male mit einer Erkrankung in Verbindung, obgleich es diesmal auch nicht ihre eigene ist. Nur wenig später sterben die Jungen jedoch - die „schöne Seele“ erfährt also schon früh den Verlust eines oder mehrerer geliebter Menschen, wie es dann auch bei Ottilie der Fall ist, die schon als Kind ihre Eltern verliert. Überraschenderweise ist die Leidensphase der „schönen Seele“ in diesem Fall allerdings nicht von langer Dauer, denn schon bald nimmt sie ihr normales Leben wieder auf. Durch die Mahnungen des Vaters, „ Tugend“ und „ Gesundheit [39] “ nicht zu gefährden, erfährt die Protagonistin bald aber eine tiefe Verunsicherung, die eine sich entwickelnde Angst vor der Rolle als Frau mit sich bringt. Die Unterdrückung ihrer Sexualität führt in der Folge zu einer Berührungsangst mit dem anderen Geschlecht. Erst die Begegnung mit Narziss scheint diese Unsicherheit dann wieder zu eliminieren. Der junge Mann imponiert der weiterhin Namenlosen mit Bildung und Anstand. Die anfangs platonische Beziehung zwischen den beiden wird durch eine Verwundung von Narziss dann letztlich gefühlsintensiver.

Als sie die Spuren von Narziss" Blut von ihrem Körper beseitigen lassen will, kommt es zu einer essentiellen Begebenheit für ihre weitere Existenz: Im Spiegel begegnet sich die „schöne Seele“ zum ersten Mal selbst. Der Anblick ihres nunmehr (aufgrund der Reinigung von den Blutflecken) nackten Körpers ist für sie eine freudige Erfahrung: „[...] daß ich mich auch ohne Hülle für schön halten durfte“[40] In der Sekundärliteratur wird diese Szene vielfach als ein Akt der Identitätsbildung ausgelegt, wobei das alte Ich durch ein neues Verständnis des Ichs abgelöst wird. Man könnte somit postulieren, dass an dieser Stelle eine erneute Geburt stattfindet. Für die These der zweiten Geburt spricht zugleich der Fakt, dass ihr ab diesem Zeitpunkt keine alten Kleidungsstücke mehr passen.

[...]


[1] Brandstädter, H., Jeorgakopulos, K. (Hrsg.): Margarete, Ottilie, Mignon. Goethe-Lektüren, S.1. Hamburg, 1999.

[2] Vgl.: Brandstädter, H., Jeorgakopulos, K. (Hrsg.): Margarete, Ottilie, Mignon. Goethe-Lektüren, S.1. Hamburg,

[3] Wierlacher, A.: Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass. S.204. Stuttgart, 1987.

[4] Zur Geschichte der Anorexia nervosa und der in der Wissenschaft umstrittenen Terminologie vergl.: Vandereycken, W., van Deth, R., Meermann, R.: Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht.

Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. S.13 ff. München, 1992.

[5] Vgl.: Vandereycken, W., van Deth, R., Meermann, R.: Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht.

Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. München, 1992.

[6] Vandereycken, W., van Deth, R., Meermann, R.: Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht. Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. S.14. München, 1992.

[7] Vgl. von Eschenbach, W.: Parzival. Band 1, Buch 4. Vers 184ff. Stuttgart, 1992.

[8] http://www.erzbistum-koeln.de/themen/kirchenjahr/ karneva!_und_fastenzeit/40_tage_fasten.html. Abgerufen am 3.März 2009.

[9] Vandereycken, W., van Deth, R., Meermann, R.: Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht. Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. S.53. München, 1992.

[10] Vandereycken, W., van Deth, R., Meermann, R.: Hungerkünstler, Fastenwunder, Magersucht. Eine Kulturgeschichte der Essstörungen. S.30ff. München, 1992.

[11] Vgl.: Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. Würzburg, 2006.

[12] Vgl.: Wierlacher, A.: Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe bis Grass. Stuttgart, 1987.

[13] http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/435706/. Abgerufen am: 16.01.2009.

[14] Vgl.: Kulessa, H.: Herznaht. Ärzte die Dichter waren - von Benn bis Schnitzler. Hamburg, 2005.

[15] http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/435706/. Abgerufen am: 16.01.2009.

[16] Vgl.: Nager, F.: Der heilkundige Dichter. Goethe und die Medizin. Düsseldorf, 1999.

[17] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.384. Würzburg, 2006.

[18] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.249. Würzburg, 2006.

[19] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.249. Würzburg, 2006.

[20] Vgl.: Online-Ausgabe von Der Stern. http://www.stem.de/politik/deutschland/:Ehe-Zeit-Paulis- Idee/598253.html. Abgerufen am: 10.02.2009.

[21] Harenberg, B. (Hrsg.): Harenberg Literaturlexikon. Autoren, Werke und Epochen, Gattungen und Begriffe von A-Z. S.1053. Dortmund, 1997.

[22] Hörisch, J.: „Die Himmelfahrt der bösen Lust“ in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Ottiliens Anorexie“ — Ottiliens Entsagung. In: Die andere Goethezeit. Poetische Mobilmachung des Subjekts um 1800. München, 1992.

[23] Schmeer, H.: Der Begriff der „schönen Seele“, besonders bei Wieland und in der Literatur des 18. Jahrhunderts, Berlin, 1926 . In: Stephan, I.: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.190. Köln, 2004.

[24] Vgl.: Brittnacher, H.R.: Über Anmut und Würde. In: Koopman, H. (Hrsg.): Schiller Handbuch. S.602. Stuttgart, 1998.

[25] Vgl.: Brittnacher, H. R.: Über Anmut und Würde. In: Koopman, H. (Hrsg.): Schiller Handbuch. S.602.

Stuttgart, 1998.

[26] Weniger bekannt dagegen die auf diesen Text von Goethe antwortenden anonym publizierten Bekenntnisse einer schönen Seele, von ihr selbst geschrieben (1806).

[27] Vgl.: Bronfen, E. (Hrsg.): Die schöne Seele oder die Entdeckung der Weiblichkeit. Ein Lesebuch. Berlin, 1996.

[28] Vgl.: Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch­religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.192 ff. Köln, 2004.

[29] Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch-religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.196 ff. Köln, 2004.

[30] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.216. Würzburg, 2006.

[31] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.216. Würzburg, 2006.

[32] Wendt, A.: Eßgschichten und Es(s)kapaden im Werk Goethes. Ein literarisches Menü der (Fr)Esser und Nichtesser. S.217. Würzburg, 2006.

[33] Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch-religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.202. Köln, 2004.

[34] Vgl.: Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch­religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.202. Köln, 2004.

[35] Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch-religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.372. Köln, 2004.

[36] Frevert, U.: Mann und Weib, und Weib und Mann, Geschlechter Differenzen in der Moderne. S. 157. München, 1995.

[37] Stephan, I.: Das Konzept der „schönen Seele“. Zur geschlechtlichen Codierung einer philosophisch-religiösen Figuration im Gender-Diskurs um 1800 - am Beispiel der „Bekenntnisse einer schönen Seele“ von Goethe (1795/96) und Unger (1806). In: Inge Stephan: Inszenierte Weiblichkeit. Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18. Jahrhunderts. S.375. Köln, 2004.

[38] Bronfen, E. (Hrsg.): Die schöne Seele oder die Entdeckung der Weiblichkeit. Ein Lesebuch. S.38. Berlin, 1996.

[39] Bronfen, E. (Hrsg.): Die schöne Seele oder die Entdeckung der Weiblichkeit. Ein Lesebuch. S.42. Berlin, 1996.

[40] Bronfen, E. (Hrsg.): Die schöne Seele oder die Entdeckung der Weiblichkeit. Ein Lesebuch. S.45ff. Berlin,

Details

Seiten
101
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640657308
ISBN (Buch)
9783640658046
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153370
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Goethe Wahlverwandschaften Ottilie Hungern Askese Kafka Hungerkünstler Süskind Parfüm Nahrung Nahrungsverweigerung Magersucht Eduard

Autor

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Titel: (Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa