Lade Inhalt...

Erkenntnisse der Neurobiologie für das Management

Eine kritische Analyse mit speziellem Bezug auf das Werk von Gerald Hüther

Bachelorarbeit 2010 54 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 . Problemstellung
1.2 . Zielsetzung
1.3 . Vorgehen

2. Skizze relevanter neurobiologischer Erkenntnisse nach Gerald Hüther
2.1 . Neurobiologie -Worum geht es dabei?
2.2 . Das Werk von Gerald Hüther
2.3 . Erkenntnisse nach Gerald Hüther
2.4 . Was festzuhalten bleibt

3. Was bedeutet Führung?
3.1 . Einleitende Betrachtung
3.2 . Definitorische Grundüberlegungen
3.3 . Zentrale Merkmale von Führung
3.4 . Zusammenhang zwischen den Begriffen Führung und Management
3.5 . Das Essentielle im Überblick

4. Wie tragen die Erkenntnisse von Gerald Hüther zur Führung/ Management bei?
4.1 . Führungsrelevante Erkenntnisse im Überblick
4.2 . Implikationen für Führung/ Management
4.3 . Checkliste für Führungskräfte

5. Eine abschließende Reflexion

V. Literaturverzeichnis

II. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: Nachhaltigkeitskurve nach Lietaer

Abb. 2: Kausalkette im Grundmodell

Abb. 3: Kausalkette im Grundmodell mit Wegfall

Abb. 4: Führungstriade

Abb. 5: Zusammenfassender Überblick der Merkmale von Führung

Abb. 6: Fahrer - Beifahrer Situation im menschlichen Gehirn

Abb. 7: Totalmodell der BA-Arbeit

Abb. 8: Nachhaltigkeitskurve mit Totalmodell

Tabellen

Tab. 1: Checkliste für Führungskräfte

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Es ist jedes Jahr die gleiche Katastrophe. Das Gallup-Institut misst seit 2001 das Enga­gement von Mitarbeitern. Im Rahmen des Q12® Gallup Engagement Index im Jahr 2008 stell­te sich folgendes Problem heraus: Aus über 2.000 befragten Mitarbeitern deutscher Konzer­ne verspüren etwa 90 Prozent keine echte Verpflichtung mehr gegenüber ihrer Arbeit und sogar über 67 Prozent gaben an, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.1

„Die Probleme, die es in der Welt gibt, können nicht mit den gleichen Denkweisen gelöst werden, die sie verursacht haben." (Albert Einstein)

Albert Einstein2schlägt in seinem Zitat vor, dass Probleme nicht grundsätzlich mehr so wie bisher gelöst werden können. Führungskräfte sollten vielleicht öfter einmal ihre Denk­weisen hinterfragen und dabei möglicherweise lernen, kontraintuitivere3Lösungsansätze auf Probleme zu formulieren. Scheinbar sind die alltäglichen, durch Routine entstandenen Stra­tegien, Probleme zu lösen, nicht mehr unbedingt die Besten. Was Gallup symptomatisch in seiner Studie aufgreift - nämlich dass sich Mitarbeiter im Unternehmen mit zunehmend we­niger Hingabe am Arbeitsplatz einbringen - mag eventuell ein grundsätzliches Problem von Führung darstellen. Den Ergebnissen der Studie zufolge, und insbesondere mit Referenz auf Einsteins Zitat, versuchen Führungskräfte also tendenziell so sehr in ihrer Rolle der Steue­rung und Kontrolle aufzugehen, dass sie sich selbst in Mustern gefangen halten und den Mitarbeiter dabei nur allzu sehr unterordnen statt auf ihn einzugehen. Doch was treibt eine Führungskraft in dieses präsente Rollenverständnis hinein?4

Diese BA-Arbeit umfasst die Thematik „Was kann Führung/ Management aus der Neu­robiologie lernen - Eine kritische Analyse mit speziellem Bezug auf das Werk von Gerald Hü- ther." Dabei soll sie sich konkret auf die relevanten Erkenntnisse aus den Forschungen eines der führenden und renommierten Experten auf dem Gebiet der Neurobiologie, Herrn Gerald Hüther, stützen. Das einleitende Zitat von Einstein spiegelt nicht zuletzt eines seiner zentra­len und in seinen Vorträgen häufig publizierten Thesen wider.5Darüber hinaus hat er die besondere Fähigkeit, komplizierte und sehr fachspezifische Sachverhalte aus den Neurowis- senschaften einfach und auch für den Laien verständlich darzustellen.6Aufgrund dieser be­sonderen Stärke, einen guten Zugang zu Menschen zu schaffen, wurde sein Werk in dieser Arbeit als Grundlage führungsrelevanter Erkenntnisse herangezogen.

1.1 Problemstellung

Die fundamentale Problemstellung dieser Arbeit basiert auf dem unternehmerischen Ef­fizienzdenken von Führungskräften. Sicherlich nicht zuletzt angetrieben durch den scharfen Wettbewerb und die wachsende Komplexität der Umwelt7, zwingt das Effizienzstreben die Führungskraft zunehmend in das klassische Rollenverständnis von Führung zu verfallen.8Dabei wird auf Bewährtes zurückgegriffen, ressourcenorientiert optimiert und ein System insbesondere auf Kosten der Ressource Mensch noch effizienter gestaltet. Diese sogenannte „Eingleisigkeit" von Führung setzt einen Teufelskreislauf in Betrieb, der unterm Strich die Ergebnisse des Q12® Gallup Engagement Index bestätigen: Der Mitarbeiter rückt in den Hin­tergrund und verliert somit den Anreiz, aktiv und engagiert am Geschehen teilzunehmen. Die Folge kann aktuell noch in der Wirtschafts- und Finanzkrise beobachtet werden. Der bel- gische Finanzexperte und Nobelpreisträger Bernard Lietaer hat genau diese Erkenntnis im Zuge dieser Krise herausgefunden. Er erkannte, dass „[...] ein zu hoher Grad an Effizienz gleichzeitig seine Instabilität steigert."9In einer Grafik (vgl. Abbildung 110) zeigt Lietaer auf, dass die Nachhaltigkeit eines Systems ein Zusammenwirken aus einem Drittel Effizienz und zwei Drittel Belastbarkeit darstellt.

Beobachtet man jedoch den Trend, so lässt sich er­kennen, dass der Mensch zu­nehmend nach perfekter Effi­zienz11 strebt, sich also ten­denziell im rechten Bereich der Abbildung 112 bewegt, und demnach die Belastbar­keit weitgehend verdrängt. Laut seinen Forschungen ver­sucht die Natur hingegen eine optimale Balance zwischen beiden gegenläufigen Kriterien anzustreben. Wie auch anhand Hüther im weiteren Verlauf dieser BA-Arbeit deutlich wird, finden einige fundamentale Erkenntnisse aus der Natur ins­besondere im ökonomischen Kontext durchaus sinnvolle Anwendung.13Das abgebildete „Vi­talitätsfenster" der Grafik markiert diese optimale Balance, von welcher der Mensch jedoch noch weit entfernt zu sein scheint. Die Finanzkrise repräsentiert einen guten Ausdruck des übermäßigen Effizienzdenkens von Menschen, Systeme immer noch rational effizienter zu gestalten und dabei die Belastbarkeit zunehmend auszublenden. Durch mehr Vielfalt und einen höheren Grad an Vernetzung, so schlägt Lietaer vor, zurück in den wünschenswerten Korridor des Maxima der Abbildung 1 zu gelangen.14Dieses Effizienzproblem führt in einen Teufelskreislauf hinein, was der rote Pfeil in der Abbildung 1 bestätigt, aus dem es zuneh­mend schwieriger wird wieder zu entkommen, darum besteht dringender Handlungsbedarf.15

1.2 Zielsetzung

Diese BA-Arbeit soll mit Hilfe von ausgewählten, führungsrelevanten Erkenntnissen des Neurobiologen Gerald Hüther15 der Führungskraft Handlungsempfehlungen zur Lösung des von Lietaer aufgezeigten Effizienzproblems liefern - darin besteht auch ihre Legitimation. Diese Handlungsempfehlungen sollen der Führungskraft in Form einer „Checkliste" wieder den Weg hin zu dem in der Abbildung 1 dargestellten „Vitalitätsfester" ermöglichen. Es soll Abstand von dem klassischen „effizienztreibenden" Führungsverständnis genommen und stattdessen eines entwickelt werden, das den Weg zu mehr Robustheit und demzufolge auch Nachhaltigkeit in einer Organisation ebnet.16Unterstützend wird das Ziel verfolgt, im Rah­men einer umfassenden Grafik für die Führungskraft die aus den neurobiologischen Er­kenntnissen resultierenden Implikationen so transparent wie möglich abzubilden.

1.3 Vorgehen

Im Zuge des methodischen Vorgehens soll in einem ersten Themenkomplex die Disziplin der Neurobiologie mit Fokus auf Gerald Hüther erörtert werden. Dazu wird der Begriff zuerst abgegrenzt, um anschließend fundamentale Grundüberlegungen in Anlehnung an die füh­renden Experten - hier zu nennen sind Gerhard Roth, Manfred Spitzer sowie Wolf Singer - darzustellen. Im Anschluss steht der Fokus auf den Erkenntnissen von Gerald Hüther. Hierbei wird untersucht, welche Erkenntnisse er in seinen Werken zentral vertritt und bezogen auf den nachfolgenden Themenkomplex 2 „Grundlagen Führung", welche davon wiederum aus führungstechnischen Gesichtspunkten besonders interessant sind. Abgeschlossen und zu- sammengefasst wir der Abschnitt im Zuge einer „Was festzuhalten bleibt". Im zweiten the­matischen Abschnitt wird nunmehr der Aspekt der Führung beleuchtet. Führung kann sehr unterschiedlich definiert werden, daher sollen im Abschnitt 2.2 einige ausgewählte Definiti­onen vorgestellt und verglichen werden. Führungstheoretiker wie bspw. Fredmund Malik, Gary Hamel sowie Oswald Neuberger sollen hierbei fundamental herangezogen werden. Darauf aufbauend sollen im Abschnitt 2.3 wesentliche Merkmale herausgearbeitet werden. Anschließend wird versucht, ein Zusammenhang zur Begrifflichkeit des „Management" her­zustellen. Führung beruht eher auf zwischenmenschlichen Beziehungen, während Manage­ment eher das organisationale Verhalten umfasst.17Abgeschlossen wird das erste der drei Kapitel mit einer knappen Zusammenfassung wesentlicher Aspekte im Sinne eines „Was festzuhalten bleibt". Im letzten Abschnitt werden schließlich Kapitel 1 und 2 zusammenge­führt. Dazu sollen die Essentials von Hüther auf führungsrelevante Aspekte beleuchtet und Implikationen sowie Handlungsempfehlungen für Führung/ Management abgeleitet werden. Dargestellt in einem „Totalmodell" sowie aufbereitet in einer „Checkliste" werden die not­wendigen Zusammenhänge und Verhaltensempfehlungen für eine Führungskraft am Ende der Arbeit aufgezeigt.

2. Skizze relevanter neurobiologischer Erkenntnisse nach Gerald Hüther

2.1 Neurobiologie - Worum geht es dabei?

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst,
indem du deine Geisteshaltung änderst."

(Albert Schweitzer)

Der rasante Wandel und die komplexe Dynamik der gegenwärtigen Umwelt18verlangt dem Menschen zunehmend einiges ab. Er muss sich den Gegebenheiten anpassen und sich mit ihnen stetig verändern.19Auf die Frage hin, wo genau die Veränderung im Menschen vollzogen werden, oder zumindest ihren Ursprung besitzen, findet Albert Schweitzer, Theo­loge und Friedensnobelpreisträger von 1952, bereits sehr früh eine Antwort: Sämtliche Ver­änderungen gehen von dem menschlichen Gehirn aus. Dort werden Haltungen program­miert, die sich anschließend im Denken, Fühlen und Handeln äußern.20Die Neurobiologie als Teil der Neurowissenschaften legitimiert sich genau durch diese Erkenntnis. Unter der Frage­stellung „Wie funktioniert das menschliche Gehirn?", untersucht die Disziplin den Aufbau und die Funktionsweise. Im Fokus stehen dabei die Erforschung der Entwicklung sämtlicher Konstruktionen von Nervenzellen und aufgabenbezogenen Arealen (bspw. limbisches Sys­tem, präfrontaler Cortex) sowie deren Interaktion untereinander und die Relation zur Um- welt.21

Die Disziplin ist längst nicht mehr neu. Auch im antiken Griechenland, vor über 2.500 Jahren, beschäftigte man sich bereits mit dieser Thematik.22Hippokrates lokalisierte dabei z.B. längst das Gehirn als Ort menschlicher Intelligenz.

„Menschen sollten wissen, dass vom Gehirn, und nur vom Gehirn, unser Vergnügen, Freude, Heiterkeit und Humor, aber auch unsere Traurigkeit, Schmerz, Bestürzung und Tränen ausgehen. [...]"23

Als wohl berühmtester Mediziner des Altertums erkannte er, dass der Ursprung jegli­chen rationalen und emotionalen Verhaltens im menschlichen Gehirn zu suchen war. Das Zitat geht aus seinen Schriften hervor und verdeutlicht die grundlegende Bedeutung des kompliziertesten Organs, das die Evolution je hervorgebracht hat. Seiner Ansicht zufolge verleiht das Gehirn dem Menschen sein Alleinstellungsmerkmal.24

Was allerdings genau unter der Neurobiologie im heutigen Kontext zu verstehen ist, bleibt nicht eindeutig darstellbar.25De Facto handelt es sich aber um einen durchaus inter­disziplinären Wissenschaftsbereich, welcher Biologie, Medizin und Neurologie, aber auch Psychologie vereint.26Vor dem Hintergrund dieser BA-Arbeit, wonach Erkenntnisse aus die­ser Disziplin auf die der Betriebswirtschaftslehre (vgl. Kapitel 3) abgeleitet werden sollen, gewinnt der Aspekt der Interdisziplinarität eine ganz neue Bedeutung.

Trotz großer Variation in dem Verständnis von Neurobiologie setzt sie sich formal be­trachtet aus den Begrifflichkeiten Neurologie und Biologie zusammen. Da Neuronen als die Nervenzellen im menschlichen Gehirn bekannt sind und die Biologie die Wissenschaft vom Leben ist, kann Neurobiologie gewissermaßen als die Wissenschaft von neuronalen Aktivitä­ten im Gehirn, kurz als Hirnforschung, definiert werden.27Zimbardo/Gerrig bspw. verstehen in dem Begriff die „wissenschaftliche Erforschung des Gehirns und der Verbindung zwischen Gehirnaktivitäten und Verhalten."28Neben den Verhaltensweisen, die das Ergebnis aus dem Zusammenwirken von Millionen einzelner Nervenzellen sind, versteht sich die Neurobiologie als Teildisziplin der Neurowissenschaften und definiert sich ebenfalls über die Untersuchung des Einflusses externer Größen (bspw. Verhalten anderer Menschen, naturbedingte Umwelt) auf dieses Zusammenwirken der Nervenzellen im menschlichen Gehirn.29Zusammenfassend liegt das Interesse der Neurowissenschaftler also in der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Gehirn und Umwelt, aber auch deren gegenseitige Abhängigkeiten.30

In einem Punkt sind sich alle Neurowissenschaftler einig: Seit der Einführung der soge­nannten „bildgebenden Verfahren" - das sind technische Geräte (hauptsächlich der Magnet­resonanztomograph), mit denen man das Gehirn praktisch dreidimensional abbilden und untersuchen kann - ist die Hirnforschung bedeutend in den Fokus gerückt.31Dieser neuarti­gen Methode ist es zu verdanken, dass ein Gehirn nun ohne chirurgischen Eingriff im Vorhi­nein detailliert analysiert werden kann. Das Ergebnis aus diesem technologischen „Quanten­sprung"32äußert sich u. a. dadurch, dass die Hirnforschung in den vergangenen zehn Jahren das „am schnellsten wachsende Forschungsgebiet"33darstellt. Auch Gerhard Roth, einer der maßgeblichen Biologen Deutschlands, spricht diesem Wandel für die Erkenntnisgewinnung aus der Neurobiologie eine hohe Bedeutung zu.34

Die fundamentale und umstrittene Frage der Neurobiologie nach der Plastizität des menschlichen Gehirns trat im Zuge der „bildgebenden Verfahren" in eine ganz neue Per­spektive. Mit der Plastizität sei die Fähigkeit des Gehirns, sich ständig an veränderte Bedin­gungen anzupassen, gemeint.35Gerald Hüther erkannte darin, dass das menschliche Gehirn zeitlebens lernfähig und veränderbar ist. Neuronale Verschaltungen bilden sich dabei lebens­lang neu heraus und lösen im Gegenzug alte, nicht Gebrauchte auf.36Dies war längst nicht unumstritten, schließlich dominierte fast ein halbes Jahrhundert lang das Dogma von Ray­mond y Cajal, dass diese bei der Geburt entstandenen Verschaltungen zeitlebens unverän­derlich seien. Hüther sprach in diesem Kontext von „alten Schuhen", die die Entwicklung neuer Erkenntnisse, Wissen sowie Theorien stark einschränkte.37Das Thema der Plastizität ist allerdings unter den Experten weiterhin umstritten. Während bspw. Singer streng der Auffassung ist, dass der Mensch vollständig genetisch determiniert und somit zeitlebens un­veränderbar ist38, lehnt Roth die Plastizität nicht grundlegend ab. Mit der Ausnahme von starken positiven oder negativen Erfahrungen ist der Mensch im Alter nur wenig veränder­bar, was Roth in folgendem Satz zusammenfasst: „Wir sind Ergebnis unserer selbst konstru- ierten Wirklichkeit"39, in welcher sich der Mensch gefangen hält. Seiner Einschätzung zufolge ist der Mensch 40 bis 50 Prozent genetisch determiniert, 30 bis 40 Prozent geprägt durch die ersten fünf Lebensjahre und nur etwa 20 Prozent noch durch Erziehung und Umwelt beein­flussbar.40Spitzer sowie auch Hüther hingegen plädieren aktiv für eine hirntechnisch lebens­lange Anpassungsfähigkeit des Menschen.41Letztere Auffassung soll nun also auch die Grundlage für die weiterführenden Überlegungen mit speziellem Bezug auf dem Werk sowie den daraus ableitbaren Erkenntnissen Hüthers darstellen.

2.2 Das Werk von Gerald Hüther

Prof. Dr. Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Er ist Professor für Neurobiologe und leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsfor­schung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg.42

Wissenschaftlich befasst er sich u. a. mit der neurobiologischen Verankerung von Erfah­rungen sowie dem Einfluss auf die Hirnentwicklung, Auswirkungen von Angst und Stress, nicht zuletzt aber auch mit der Bedeutung emotionaler Reaktionen bei Lernprozessen. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und populärwissenschaftlicher Darstel­lungen. Seine Stärke liegt in der Öffentlichkeitsarbeit. Dabei gelingt es ihm zunehmend, mit leicht zugänglicher Sprache die komplexen Sachverhalte der Neurobiologie in der Gesell­schaft zu verbreiten. Hüther selbst versteht sich als „Brückenbauer" zwischen wissenschaft­licher Forschung und gesellschaftlicher Lebenspraxis. Das Ziel seiner Aktivitäten ist die Schaf­fung günstigerer Voraussetzungen für die Entfaltung menschlicher Potenziale, speziell im Bereich Erziehung und Bildung sowie auf der Ebene der politischen und wirtschaftlichen Füh- rung.43

Das Werk, i. S. einer umfangreichen menschlichen Tätigkeit, von Hüther umfasst ca. 18 Sachbücher, 94 Buchbeiträge, sowie über 100 Zeitschriftenbeiträge. Ergänzt wird es durch zahlreiche Fernsehauftritte, Radiogastbeiträge wie auch Gastvorträge und Impulsveranstal- tungen.44Seine aber populärsten Schriftstücke sind die „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn", „Biologie der Angst" und „Die Macht der Inneren Bilder".45Sollte man sein Werk also in einem Satz zusammenfassen, so würde man folgende Aussage erhalten: Das menschliche Gehirn ist eine programmöffnende46, „hochkomplexe, vielfach vernetzte und zeitlebens änderungsfähige"47Konstruktion. Sämtliche Forschungen, Beiträge sowie Publikationen von Gerald Hüther basieren auf dieser Grunderkenntnis.

Der wohl am kritischsten betrachtete Beitrag von Hüther geht von seinen Untersuchun­gen über das AD(H)S aus. Darin untersucht er die neurobiologischen Ursachen sowie mögli­che Maßnahmen gegen dieses Aufmerksamkeitsdefizit(hyperaktiv)-Syndrom, kurz Zappelphi­lipp. Häufig äußert sich das AD(H)S durch Unaufmerksamkeit, Unordnung, Unkonzentrier- barkeit sowie das permanente Gefühl, aufgedreht zu sein48- Merkmale, die nicht zuletzt im unternehmerischen Umfeld häufig auffindbar sind. Die Ursache liegt meist in der starken Reizüberflutung des menschlichen Gehirns.49Die heutige medizinische Musterlösung vieler Experten besteht in der Verabreichung einer starken Beruhigungsdroge namens RITALIN . Gerald Hüther ist überzeugter Gegner dieser einfachen und sicherlich nachhaltig schädigen­den Maßnahme50und erforscht demnach natürliche Möglichkeiten, dieser Krankheit zu be­gegnen. Dabei hat er ein Projekt ins Leben gerufen, dem mit Namen „Via Nova", in welchem er Kinder für acht Wochen von seinen Eltern trennt und auf der Alm von Grund auf neu auf­baut. Er konfrontiert die Teilnehmer mit simplen Problemen (bspw. das Melken einer Kuh, Bauen einer Brücke, etc.), die in der Gruppe lösbar sind und somit ihnen die so wichtige, feh­lende positive Erfahrung zurückgeben. Das dabei entstandene Erfolgserlebnis verankert sich nachhaltig im Gehirn und neutralisiert tatsächlich bei vielen Teilnehmern die Ursachen der AD(H)S-Krankheit.51

Von zentraler Bedeutung gilt auch die Unterscheidung des Gehirns in vier maßgebliche Konstruktionen, welche Hüther in seiner Bedienungsanleitung grundlegend aufzeigt. Insbe­sondere die letzten beiden Konstruktionen finden sich im menschlichen Gehirn wieder und unterstreichen das Alleinstellungsmerkmal des Menschen.52Während die wirbellosen Tiere völlig programmgesteuert funktionieren53, d. h. lebenslang ein fest installiertes Programm im Gehirn abspulen, gelten Wirbeltiere als Initial programmierte Konstruktionen, die sich an­fangs auf die Umwelt einlassen und sich ihr anpassen, dann aber im Verlauf des Lebens in ihr vorgeschaltetes Programm im Gehirn zurückfallen (bspw. Löwen jagen Beute).54Der charak­teristische Unterschied zum Menschen besteht nunmehr in der lebenslangen Anpassungsfä­higkeit des Gehirns, welche Hüther als zeitlebens programmierte Konstruktion bezeichnet. Der Mensch zeichnet sich durch seine Intuition, Verankerung von Erfahrungen durch soge­nannte neuronale Verschaltungsmuster im Gehirn und insbesondere die Fähigkeit der Integ­ration sowie Nutzung der kollektiven Intelligenz im Verbund einer Gemeinschaft aus.55Diese Annahmen von Hüther werden im weiteren Verlauf der Arbeit, speziell in Kapitel 4, für die führungsrelevanten Erkenntnisse von signifikantem Ausmaß sein. Als letzte Konstruktion unterscheidet Hüther die der programmöffnenden. Diesen Typus stuft er selbst als beson­ders hoch ein. Es geht dabei um die Kunst, lebenslang von bewährten Bewältigungsstrate­gien abzuweichen und neue auszuprobieren. Seinen Beschreibungen zufolge gilt diese Kon­struktion als wünschenswerter Idealzustand.56

Um Gerald Hüthers Werk insgesamt besser verstehen zu können, bedarf es jedoch eines umfangreicheren Einblicks in seine aktuellen Erkenntnisse. Wie in diesem Abschnitt bereits offen gelegt, bauen sie auf der Grundprämisse auf, dass das menschliche Gehirn eine zeitle­bens änderungsfähige und programmöffnende Konstruktion ist. Im Folgenden werden also ausgewählte Erkenntnisse von Hüther anhand einer problemorientierten Grafik57skizziert.

2.3 Erkenntnisse nach Gerald Hüther

„[Kinderjgehirne sind keine Fässer, die mit Wissen vollgestopft werden können. Das Gehirn lernt am besten, wenn es mit Begeisterung lernt." (Gerald Hüther)

Wichtig ist überhaupt, dass ein Gehirn die Möglichkeit zum Lernen bekommt. Dass der Mensch diese dann auch wahrnimmt, versteht sich unter der Annahme von intrinsischer Motivation aus der Theorie Y nach McGregor58von selbst. Mit seinem Zitat59macht Gerald Hüther darauf aufmerksam, dass der Prozess des Lernens scheinbar unterbrochen oder aus­geblendet wird. In diesem Abschnitt sollen ausgewählte Erkenntnisse nach Hüther skizziert und erörtert werden. Die Abbildung 2, sowie darauf aufbauend die Abbildung 3, sollen die­sem Abschnitt als maßgeblicher Orientierungsrahmen dienen. Dabei zeigen sie die drei zent­ralen, prozessualen Schritte im menschlichen Gehirn auf, abgebildet in einer von Hüther auf­gezeigten Kausalkette60. Das Modell wiederum ist eingebettet in zwei externe, von außen beobachtbare Größen. Zum Einen wirkt die Umwelt i. S. einer Inputgröße auf das menschli­che Gehirn, zum Anderen steht am Ende des „Produktionsprozesses" das Output-orientierte Ergebnis. Die Kausalkette verarbeitet nun also die von der Umwelt eingehenden Eindrücke und Sinneswahrnehmungen, sodass am Ende über eine konkrete Entscheidung ein Ergebnis heraus kommt. Problematisch wird es nur, wenn dieser Zwischenschritt der „Wertschöp­fung" durch denkbare Einschränkungen - wie etwa das von Lietaer einleitend aufgezeigte Effizienzproblem - nicht mehr funktioniert. Im Folgenden werden also ausgewählte Erkennt­nisse nach Hüther entlang des in Abbildung 2 aufgezeigten Grundmodells skizziert.

Bevor diese Kausalkette jedoch überhaupt aufgegriffen werden kann, muss die grundle­gende Erkenntnis über die prozessuale Vorgehensweise des menschlichen Gehirns aufge­zeigt werden. Hüther zeichnet dabei ein Gehirn mit lauter kleinen, verwachsenen Feldwegen und Trampelpfaden auf.61Im Verlauf der Zeit festigen sich diese verwachsenen Gebilde zu immer deutlicher erkennbareren Wegen, Straßen und schließlich ausgebauten Autobahnen. Mit seiner Metaphorik meint er die Verschaltungen von Nervenzellen im menschlichen Ge­hirn62, die sich durch umweltbedingte Nutzungen bilden und meist - damit verbunden - durch Erfahrungen determiniert sind. Diese neuronalen Verbindungen entstehen immer dann, wenn eine Aufgabe und somit ein Problem zu lösen ist. Dabei werden verschiedene Areale im Gehirn aktiviert und miteinander vernetzt.63Je häufiger man sich jedoch mit einer gleichen Aufgabe (wie etwa Auto fahren) auseinandersetzt, desto intensiver und fester for­men sich die vernetzten Verbindungen im menschlichen Gehirn. Aus kleinen Trampelpfaden werden also vierspurig ausgebaute Autobahnen. Die damit verbundene Problematik lässt sich unschwer erahnen: Der Mensch verfällt zunehmend in eigens kreierte Muster, soge­nannte Bewältigungsstrategien, in denen er sich schließlich selbst gefangen hält. Damit ein­her gehend werden die anderen, weniger benutzten Verbindungen weitgehend vernachläs­sigt und beginnen demzufolge allmählig zu verkümmern.64Allerdings zieht Hüther aus dieser Nachricht auch die positive Erkenntnis, dass jeder Mensch die angeborene und lebenslange Fähigkeit besitzt, die uns neben dem im kommenden Absatz erläuterten präfrontalen Cortex zentral von allen anderen Gehirnkonstruktionen unterscheidet, entstandene Verschaltungs- muster jederzeit wieder aufzulösen.65 Er bezeichnet diesen hier beschriebenen neuronalen Prozess im menschlichen Gehirn als Kanalisierung oder Bahnung.66 Betreibt der Mensch diese Strategie aus möglicher Faulheit jedoch zu intensiv, wird er nach den Ergebnissen aus der Forschung von Hüther „Gefangener seiner eigenen Entscheidungen"67. Es handelt sich bei dieser grundsätzlichen Erkenntnis zwar eher um eine negativ behaftete, dennoch - glaubt man Hüthers Überzeugungen bezüglich der Plastizität und der programmöffnenden Konstruktion - durchaus heilbar zu sein scheint.68

Nach dieser fundamentalen Darstellung der Entstehung neuronaler Verschaltungen so­wie synaptischer Verbindungen im menschlichen Gehirn, soll nun an die einleitend angeführ­te Kausalkette anknüpft werden. Sie gliedert sich in drei wesentliche Bestandteile, welche Gerald Hüther in einem Interview mit dem Titel „Andere motivieren zu wollen, ist hirntech­nischer Unsinn" besonders hervorhebt.69

Die Tatsache, dass ein menschliches Gehirn zeitlebens derart formbar und plastisch ist, und sich „[...] so sehr an die Art und die Intensität ihrer Nutzung anpassen [kann]"70, ver­dankt es nicht zuletzt dem präfrontalen Cortex (auch Frontalhirn, -lappen). Nach Hüther ist es der wohl interessanteste und einflussreichste Bereich, da sich dort sogenannte Meta­kompetenzen bilden und zeitlebens verankern.71 Es handelt sich hierbei insbesondere um die innere Einstellung, Überzeugungen sowie Haltungen von Menschen. Sie bilden insgesamt betrachtet den in Abbildung 272 dargestellten Block „Erfahrung".

[...]


1vgl. Nink 2009, S. 30. Diese jährliche Gallup-Studie (auch AVL: URL: http://www.eallup.com/consultine/52/emplovee-eneaeement.aspx) macht deutlich, dass es so, wie bisher in [nicht ausschließlich] deutschen Unternehmen lief, nicht weiter gehen kann. Die Mitarbeiter verfallen regel­recht in die standardisierten und vor allem ressourcenorientierten Denkweisen der Unternehmen und ver­zichten dabei zunehmend gänzlich auf ihre eigentliche Potenzialentfaltung, ein Punkt, auf den Hüther (2009a) nicht zuletzt mit Einsteins Zitat aufmerksam macht und welcher im Kapitel 2 näher erörtert wird.

2vgl. Hüther 2009a, Vortrag zum 5. Know-how Kongress am 23. September 2009 in Köln

3Damit sei eine von der alltäglichen Norm abweichende Denkweise gemeint. Es bezieht sich auf eine Diversifi­kation der Perspektive rund um ein Problem bzw. dessen Lösung.

4Diese Frage soll im folgenden Abschnitt 1.1 von Bernard Lietaer beantwortet werden. Sie erschließt die grundsätzliche Problemstellung dieser Arbeit. Hamel (2001, S. 179) erkennt bereits das mit der Gallup-Studie sowie dem Einstein-Zitat aufgegriffene Problem, was das Rollenverständnis von Führung anbelangt. Dabei sind „wir alle Geiseln unserer axiomatischen Überzeugung [...]". Es ist nur allzu schwer sich von diesen „Mus­terfesseln" wieder zu befreien.

5Näheres dazu kann im Kapitel 2 nachgelesen werden. Vorweg kann lediglich so viel genommen werden, dass Hüther das menschliche Gehirn als komplexes, zeitlebens änderungsfähiges Konstrukt betrachtet - demnach kann der Mensch, hirntechnisch betrachtet, seinen Mustern durchaus lebenslang entkommen.

6Hüther 2010, Vita. Offizielle Homepage von Prof. Dr. Gerald Hüther online im Internet. AVL: URL: http://www.eerald-huether.de/wissenschaftlich/index.php. Auf seiner Homepage erhebt Hüther für sich ganz persönlich diesen Anspruch. Ich als Autor dieser BA-Arbeit und Laie auf dem Gebiet der Neurowissenschaften und kann dies nunmehr anhand meiner Recherchen bestätigen.

7vgl. Hamel 2008, S. 26

8Im Grunde genommen besteht das fatale und überalterte Verständnis von Führung darin, Macht auf Unterge­be in stark hierarchisch strukturierten Organisationen auszuüben und dabei möglichst im Detail vorzugeben, wie eine Aufgabe bearbeitet werden soll und somit dem Mitarbeiter möglichst wenig Spielraum für Abwei­chungen zu ermöglichen. (Neubauer, Rosemann 2006, S. 42 ff.). In dieser BA-Arbeit soll nunmehr Bezug auf ein modernes Verständnis von Führung genommen werden, was sicherlich noch von dem Alten geprägt scheint, allerdings den veränderten Umweltbedingungen wesentlich gerechter wird. Im Detail wird das Kapi­tel 3 den Block „Führung" darstellen, wohingegen im Kapitel 4 dieses moderne Führungsverständnis vorge­stellt wird.

9Gründler 2009, S. 156. In einem Interview mit der Brandeins legt Bernard Lietaer im Januar 2009 seine Per­spektive von Effizienz in Bezug auf die Ursachen der aktuellen Finanzkrise offen.

10vgl. Gründler 2009, S. 157. Die Abbildung 1 ist aus dem Artikel übernommen und zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Belastbarkeit und Effizienz.

11Das meint i. S. v. Lietaer (aus Gründler 2009, S. 157) die permanente Optimierung sämtlicher Abläufe und Informations-, Material- und Personalflüsse. Der Treiber besteht oft in monetären Größen wie Renditen, Ge­winnen, etc..

12 Diese Abbildung stammt aus Gründler 2009, S. 159. Unter dem Titel „Erhöhte Unfallgefahr" offenbart Lietaer in seinem Beitrag des populär-ökonomischen Magazins „brandeins" das Effizienzproblem.

13vgl. Gründler 2009, S. 157. Darin bezeichnet er die Effizienz als „[...] die Menge des jeweiligen Materie-, Ener­gie- und Informationsflusses, die ein System bewältigen kann." Die Belastbarkeit oder auch Robustheit hinge­gen meint die Fähigkeit, sich von Störungen zu erholen. Sie beschreibt die Reserven eines Systems, seine fle­xiblen Ausweichmöglichkeiten und Handlungsoptionen, mit denen die Belastbarkeit neu auftretende Störun­gen bewältigen kann.

14vgl. Gründler 2009, S. 159

15Das Lebenswerk von Hüther ist sehr umfangreich und steht im Fokus hirntechnischer Erkenntnisse. Daraus sollen aus betriebswirtschaftlichem Blickwinkel führungsrelevante Implikationen abgeleitet werden. Die „Be­dienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" wird als identifiziertes Hauptwerk von Hüther besonders be­rücksichtigt. Darüber hinaus sollen „Biologie der Angst", „Die Macht der inneren Bilder", „Männer", sowie di­verse Radio- und Videobeiträge (vgl. VI. Literaturverzeichnis) die Grundlage der Erkenntnisse bilden.

16Hüther 1999, S. 34. Auch vertieft dargestellt in Hüther 1997, S. 51. Dabei ist das Hüthersche Verständnis (vgl. Abschnitt 4.2) von Führung, gemeinsam mit nachhaltigen Lerneffekten eine Aufgabe zu meistern.

17Diese Erkenntnis von Neuberger (2002, S. 48) wird im Abschnitt 3.4 ausführlicher erörtert.

18vgl. Pinnow 2005, S. 20ff.

19vgl. Hüther 2006, S. 25 i. V. m. S. 36. Hüther bringt in diesem Zusammenhang die faszinierende Fähigkeit hervor, die der Mensch besitzt, aber zumeist nicht ausreichend nutzt, sich den extern gegebenen Bedingun­gen und Anforderungen ständig neu anzupassen und diese zu optimieren.

20vgl. Hüther 2009a, Vortrag zum 5. Know-how Kongress am 23. September 2009 in Köln

21vgl. Roth 1995, S. 9-11. Die beispielhaft genannten Areale werden im Verlauf der Arbeit, insbesondere im Abschnitt 2.3, noch ausführlicher erörtert.

22vgl. Reichert 2000, S. 1

23Hippokrates 1897, S. 561

24vgl. Reichert 2000, S. 1. Auch Hüther 2006, S. 26 bekennt sich dort zu diesem Sachverhalt.

25In der Literatur findet sich keine konkrete Definition von Neurobiologie. Meist werden nur Merkmale und Anwendungsgebiete deutlich, aus denen auf die Definition schließen lässt. Die Neurobiologen selbst legen ebenfalls keine Grundlage zum Begriff, sondern wenden problemorientiert an.

26vgl. Magerl, Komarek 1998, S. 155 i. V. m. Teepe 2005, S. 9

27vgl. Hüther 2006, S. 16 i. V. m. Reich 2005, S. 13 ff.

28Zimbardo, Gerrig 2004, S. 77

29vgl. Kandel, Schwartz, Jessel 1996, S. 6

30vgl. Teepe 2005, S. 9 i. V. m. Beitrag aus selbigem Buch von Gerald Hüther, S. 11. Hüther ergänzt Neider hin­sichtlich der Verfahrensweise des Tomographen. Dabei scannt das Gerät den Körper schichtweise, um an­schließend die gesammelten Messdaten wieder zusammenzufügen. Diese neue Technik ermöglicht scharfe Bilder aus dem Inneren des menschlichen Körpers.

31vgl. Neider 2006, S. 7 sowie Hüther 2009a im Vortrag zum 5. Know-how Kongress am 23.09.2009 in Köln

32Hüther 2009a, Vortrag zum 5. Know-how Kongress am 23.09. 2009 in Köln

33Zimbardo, Gerrig 2004, S. 77

34vgl. Roth 1995, S. 9-11

35vgl. Hüther 2009, S. 59

36vgl. Hüther 2009a, Vortrag zum 5. Know-how Kongress am 23.09. 2009 in Köln

37vgl. Hüther 2006, S. 10

38vgl. Singer 2001, Vortrag anlässlich 1. Werkstattgesprächs der McKinsey-Initiative am 21. Juni 2001 in Frank­furt am Main i. V. m. Geyer 2004, S. 30. Singer bestätigt darin, dass „ja ohnehin alles genetisch festgelegt" sei.

39Roth 2001, S. 452

40Roth 2001, S. 353

41vgl. Spitzer, Bertram 2007, S. VI sowie das Werk von Gerald Hüther, welches im folgenden Abschnitt ausführ­lich dargelegt wird.

42Hüther 2010, Vita. Diese Fakten entstammen so von der offiziellen Homepage von Prof. Dr. Gerald Hüther. AVL: URL: http://www.eerald-huether.de/wissenschaftlich/index.php.

43Hüther 2010, Vita. Diese Fakten entstammen so von der offiziellen Homepage von Prof. Dr. Gerald Hüther. AVL: URL: http://www.eerald-huether.de/wissenschaftlich/index.php.

44Hüther 2010, Publikationen. Offizielle Homepage von Prof. Dr. Gerald Hüther online im Internet. AVL: URL: http://www.eerald-huether.de/wissenschaftlich/index.php. Darin legt er alle seine Publikationen offen.

45vgl. Schmitter 2007, S. 143. In dem Magazinbeitrag des Spiegels werden die wichtigsten Werke Hüthers er­wähnt. Dabei bleibt zu bemerken, dass die „Biologie der Angst" 1997 zwar Hüthers erstes Werk war, die „Be­dienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" jedoch als zentrales Werk identifiziert werden kann. In die­sem Hauptwerk bezieht sich Hüther auf sämtliche Themenbereiche, zu denen er spezifische Bücher verfasst hat (bspw. Angst & Stress, Liebe, Männer, pränatale Prägung, ADHS, innere Bilder, Generation PC, usw.).

46Hüther 2006, S. 62. Dabei unterscheidet er vier zentrale Typen von Konstruktionen, die im weiteren Verlauf noch genauer dargestellt werden. Insbesondere die letzten beiden Typen charakterisieren Hüthers Werk maßgeblich.

47Hüther 2006, S. 25

48vgl. Eberle, Gugel 2010, ZDF-Beitrag der Sendung „37 Grad" vom 09. März um 22:15 Uhr mit dem Titel „Wo die starken Kerle wohnen".

49vgl. Hüther 2006, S. 95

50Das ist Hüthers Auffassung, die nicht zuletzt durch sein Projekt „Via Nova" zu Ausdruck gebracht wird.

51vgl. Eberle, Gugel 2010, ZDF-Beitrag der Sendung „37 Grad" vom 09. März um 22:15 Uhr mit dem Titel „Wo die starken Kerle wohnen". Gerald Hüther zeigt darin ein Projekt auf, welches eine effektive Lösung gegen die „krankhafte Strategie" darstellt, Kinder durch Drogen langfristig von der Pharmaindustrie abhängig zu ma­chen. Neben der theoretischen Aufbereitung in seinem Buch „Neues vom Zappelphilipp" 2010, engagiert sich Hüther sehr sozial, um die Gesellschaft aufzuklären und ihr „musterbrechende" Alternativen aufzuzeigen.

52vgl. Hüther 2006, S. 23

53vgl. Hüther 2006, S. 37 ff. Hüther spricht in diesem Zusammenhang von Wesen (bspw. Würmer, Schnecken, Insekten), die „[...] Spezialisten aufgeteilt in ökologischen Nischen [...]" sind. Sie haben einen sehr kleinen Le­bensraum und verrichten im Leben meist nur eine einzige Aufgabe. Für diese Aufgabe ist das Gehirn entspre­chend geschaltet.

54vgl. Hüther 2006, S. 44 ff. Bei diesem Konstruktionstyp prägen die anfangs gemachten Erfahrungen die weite­re Entwicklung. Das Gehirn hat ein Areal frei gelassen, welches sich erst durch die Umwelt formt.

55vgl. Hüther 2006, S. 53 ff. Diese grundlegenden Eigenschaften sind nach Hüther in jedem Menschen durch Generationen weitergegeben worden und somit vorhanden. Wie genau der Bahnugsprozess im Gehirn funk­tioniert, soll im darauf folgenden Abschnitt 2.3 erörtert werden.

56vgl. Hüther 2006, S. 62 ff.

57Damit sei auf die Abbildung 3 im folgenden Abschnitt verwiesen.

58vgl. McGregor 2005, S. 59 ff. Im Gegensatz zur Theorie X, wo der Mensch als ausschließlich extrinsisch motivierbar gilt, geht McGregor in der Theorie Y von einem weitaus positiveren Menschenbild aus. Darin be­schreibt er den Mensch als ehrgeizig, fleißig, innovativ und vor allem verantwortungsbewusst. Ulich E. (2005, S. 456) bewertet die aus der Theorie X abgeleiteten Bedingungen als einen Teufelskreislauf. Dabei ist der Mit­arbeiter verantwortungsscheu und arbeitsunwillig, was wiederum der Vorgesetzte mit rigiderer Kontrolle so­wie strengeren Vorschriften auffängt. Diese Auswirkungen werden in Kapitel 4 dieser Arbeit beleuchtet.

59vgl. Knetsch 2010. Das Zitat von Gerald Hüther stammt aus einem Sendungsbeitrag vom 23. März 2010 um 18:30 Uhr auf Bayern 2.

60vgl. Osmetz 2009, S. 159. In einem Interview mit Dirk Osmetz stellt Hüther einen fundamentalen Zusammen­hang zwischen Erfahrung, Bewertung und der letztendlich wirksamen Entscheidung her. Wie der genau aus­sieht und welche Erkenntnisse entlang dieser Kausalkette zum Tragen kommen, soll in diesem Abschnitt ent­lang der Abbildung 2&3 erörtert werden. Das hier kreierte Grundmodell ist lediglich angelehnt an Hüthers Aussagen und Überlegungen. Es zeigt einen grafischen Zusammenhang von Informationsverarbeitung und - Verarbeitung im menschlichen Gehirn zwischen Input, Throughput und Output.

61vgl. Hüther 1999, S. 5. Dabei stellt dies die Ausgangssituation in der Kindheit dar.

62Der Aufbau des Hirns ist spätestens mit der technologischen Einführung der „bildgebenden Verfahren" zu­mindest biologisch vollständig erforscht. Dabei besteht es aus Millionen kleiner Nervenzellen, die durch klei­ne elektrische Signale miteinander kommunizieren und sich vernetzen - wobei die Synapsen die Verwurze­lungen zwischen den Nervenzellen darstellen. Reichert (2000, S. 18 i. V. m. 54) beschreibt diesen Aufbau bspw. derartig.

63Sobald auf den Menschen umweltbedingt etwas einwirkt - etwa eine Information, Ereignis, oder allgemeiner gesprochen ein Reiz - und er sich damit auseinandersetzt, verknüpfen sich im Gehirn unterschiedlichste Area­le miteinander. Manfred Spitzer bspw. zeigt diese Funktionsweise (in Schiepek 2004, S. 42 ff.) auf.

64vgl. Hüther 1999, S. 9 i. V. m. S. 99-100 sowie Hüther 2006, S. 85. Diese erhebliche Gefahr, in die der Mensch zwangsläufig fällt, stellt nicht zuletzt ein enormes Risiko dar. Der Begriff der Routine kommt in diesem Zu­sammenhang oft ins Gespräch. Welche möglichen Maßnahmen man dagegen ergreifen kann, soll Inhalt des Kapitels 4 dieser BA-Arbeit sein.

65vgl. Hüther 2006, S. 23. Nicht zuletzt bezieht sich Hüther mit dieser Erkenntnis auch auf die von ihm ange­strebte programmöffnende Konstruktion aus dem Abschnitt 2.2 dieser Arbeit.

66vgl. Hüther 2006, S. 66. Diese beiden Begriffe sind die neurobiologischen Fachtermini für die Autobahnmeta­phorik Hüthers. Die neuronalen Verschaltungen im Gehirn festigen sich je häufiger man eine Sache tut.

67Hüther 2006, S. 99-100

68Hiermit sei auf Hüthers Auffassung angesprochen, dass der Mensch zeitlebens veränderungsfähig ist. Träfe diese Annahme zu, dann bestünde keine Sorge. Es liegt wohl aber am Menschen selbst, indem er sich dazu entscheidet, wofür er sein Gehirn nutzen mag (vgl. Hüther 2009, S. 64). Trifft er diese Entscheidung nicht, so wird sie durch die genetischen Anlagen übernommen und programmiert (vgl. Hüther 2006, S. 99).

69vgl. Osmetz 2009, S. 159. Das Interview stammt aus dem März 2009 und wurde in der zfo veröffentlicht.

70Osmetz 2009, S. 159

71vgl. Osmetz 2009, S. 159 i. V. m. Neider 2004, S. 69-70, Hüther 2006, S. 14. Der präfrontale Cortex beschäftigt laut Hüther die Hirnforschung schon seit Jahren. Es ist das charakteristische Merkmal des Menschen, was ihn derart von allen anderen Lebewesen differenziert (vgl. Alleinstellungsmerkmal Mensch im Abschnitt 2.2).

72Abbildung 2 in Anlehnung an Hüthers Überlegungen aus Osmetz 2009, S. 159-160.

Details

Seiten
54
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640665358
ISBN (Buch)
9783640665303
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153154
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Schlagworte
Führung Management Neurobiologie Gerald Hüther Erkenntnisse Checkliste Effizienz Vitalitätsfenster

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Erkenntnisse der Neurobiologie für das Management