Lade Inhalt...

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37)

Seminararbeit 2008 19 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse
2.1 Kontextanalyse
2.2 Formanalyse
2.3 Sachanalyse
2.4 Motivanalyse
2.5 Situationsanalyse
2.6 Gattungsanalyse

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll in Form einer exegetischen Auslegung das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erläutern. Dass ich mich gerade für dieses Gleichnis entschieden habe, lässt sich damit begründen, dass das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eines der klassischen Gleichnisse Jesu ist, die oftmals auch im Schulunterricht thematisiert werden.

Die Intention die in diesem Gleichnis steckt, ist nach wie vor von höchster Aktualität und Priorität. Dies zeigt die im letzten Semester im Rahmen der systematischen Theologie behandelte Enzyklika „Deus Caritas Est“ des Papst Benedikt XVI.

„Jesus hat dieses Gebot der Gottesliebe mit demjenigen der Nächstenliebe aus dem Buch Levitikus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“(19,18) zu einem einzigen Auftrag zusammengeschlossen (vgl. Mk 12,29-31)“.[1] Somit möchte Papst Benedikt in seiner ersten Enzyklika von der Liebe sprechen, „mit der Gott uns beschenkt und die von uns weitergegeben werden soll.“[2]

In dieser gottgewollten Nächstenliebe sieht Papst Benedikt den zentralen Punkt im christlichen Glauben und somit auch letzten Endes den einzig wahren Weg zu einem erfüllten Leben.

Die heutige Zeit lässt kaum noch Gelegenheit sich in dem Maße um seinen Nächsten zu sorgen, wie es die Kirche heute predigt und auch gerne sehen würde. Doch hier sollte darauf hingewiesen werden, dass es der Kirche nicht darauf ankommt den Menschen karitative Wunder abzuverlangen, sondern sie uns lediglich sensibel für ein nächstenliebendes Handeln machen möchte.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist daher ein besonders gutes Beispiel für selbstlose Nächstenliebe, da gezeigt wird, dass es nicht darauf ankommt Wunder zu vollbringen, sondern man bereits im Kleinen Großes vollbringen kann. Die nun folgende Analyse der Perikope vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37) beginne ich mit einer Kontextanalyse. Im weiteren Verlauf folgt eine Form-, Sach- und Motivanalyse. Daran werde ich noch eine Situations- und Gattungsanalyse anschließen.

In einem abschließenden Fazit möchte ich noch einmal die grundlegenden Gedanken meiner Hausarbeit zusammenfassen und die Bedeutsamkeit des Gleichnisses auf heute übertragen.

2. Analyse

2.1 Kontextanalyse

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37) gliedert sich in den Kontext des Evangeliums nach Lukas. Weitere Gleichnisse wie zum Beispiel das vom verlorenen Sohn, vom klugen Verwalter oder aber vom Pharisäer und dem Zöllner sind wertvolle Überlieferungen, die wir sonst in keinem anderen Evangelium finden.[3] Dieses Evangelium stellt anders als die übrigen Evangelien keine abgeschlossene dar, sondern bildet zusammen mit der Apostelgeschichte ein einheitlich großes Doppelwerk.

Um sich einen groben Überblick über das Lukasevangelium machen zu können ist es wichtig die wesentlichen Themen des Evangeliums zu kennen:

Grobgliederung des Lk[4]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zum einen weist das Lukasevangelium ganz zentral das Motiv des durch den Heiligen Geist geleiteten Weg des Heiles auf. Zum anderen die Theologie des Wortes Gottes und weiter die Problematik des Umgangs mit irdischen Besitztümern.[5] Diese wesentlichen Themen des Lukasevangeliums lassen sich auch in der Apostelgeschichte wieder finden.

Den engere Kontext (Mikrokontext) von Lk 10, 25-37 bilden die Kapitel 9,51-19, 27. Diese Kapitel beschreiben den Weg Jesu nach Jerusalem und werden oft auch als „Reisebericht“[6] bezeichnet. Aber warum ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem?

„Jesu Reise nach Jerusalem ist somit - das darf nicht übersehen werden - eine Reise in die Hauptstadt Israels. Die „Scheidung und Entscheidung“, die sich 5,1- 9,50 schon anbahnte (s. dort), kann erst in Jerusalem zu ihrer (vorläufigen!) Endgültigkeit kommen, weil Israel erst hier – durch die „Aufnahme“ Jesu (9,51) – in entscheidender Weise vor die „Christusfrage“ gestellt wird, vor seinem Messias, der nunmehr „zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel“ (2,34) werden soll.“[7]

Nach Lukas macht sich Jesus mit seinen Jüngern auf den Weg nach Jerusalem, um sich den Menschen dort als Messias zu offenbaren. Jesu Wanderung nach Jerusalem gestaltet sich jedoch etwas schwierig.

Er kommt nur schwer voran, „weil sein Wandern als „prophetischer Lehrer“ ein mobiler Verkündigungsvorgang in vielerlei ansprechenden Begegnungen ist.“[8]

Jesus ist auf seinem Weg stets umgeben von Menschentrauben, die ihn und seine Jünger sehen möchten. Nicht selten kommt es vor, dass Jesus bei manchen öffentlichen Auftritten auf Ablehnung oder Unverständnis unter den Volksscharen stößt. So kam es, dass Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von einem Gesetzeslehrer gefragt wird: „ (…) Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“[9]

Jesu Antwort darauf ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).

„Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Tatsache, daß das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte eine Reihe von Texten enthalten, die nur hier vorkommen, und in denen entweder Samarien Schauplatz des Geschehens ist oder jemand aus Samarien eine wichtige Rolle spielt: (…).“[10]

Die Perikope der „ungastlichen Samariter“ (Lk 9,51-56) deutet ausdrücklich darauf hin, dass der Weg Jesu nach Jerusalem durch Samarien geführt haben soll, aber er und seine Jünger im dortigen Dorf keine Herberge fanden.

„Die Frage nach dem ewigen Leben konkretisiert sich in der Frage der Nächstenliebe. Jesus ruft dazu, zum Nächsten zu werden (10,36f).“[11]

Auf Lk 10, 25-37 folgt die Perikope Maria und Martha (Lk 10, 38-42). Durch die Kombination mit der oben genannten Forderung, nämlich sich zu seinem Nächsten zu bekennen und der Geschichte von Maria und Martha, warnt der Evangelist vor einem bloßen Aktionismus.

„Die folgenden Episoden mit Maria und Martha (10,38-42) und der Übergabe des Vaterunser an die Jünger (11,1-4; vgl. 11,5-13) werden auf ihre Weise zeigen, dass Frömmigkeit und Mitmenschlichkeit, Hören und Tun, Gebet und Barmherzigkeit in der Nachfolge Jesu untrennbar zusammengehören.“[12]

2.2 Formanalyse

Das Beispiel vom barmherzigen Samariter: Lk 10, 25-37

25Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? 26Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? 27Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 28Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. 29Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? 30Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. 31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. 32Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. 33Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, 34ging zu ihm hin, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. 35Am anderen Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? 37Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (entnommen aus der Einheitsübersetzung)

Die Perikope des barmherzigen Samariters bildet einen in sich schlüssigen Text. Der Dialog mit dem Gesetzeslehrer lässt sich, nach Böhm, auch als Streitgespräch deuten.[13] Doch hierbei drängt sich die Frage auf, ob der Dialog zwischen Jesus und dem Gesetzeslehrer nicht einfach nur als eine angeregte Diskussion verstanden werden kann. Ich möchte mit dem Begriff „Streitgespräch“ hier etwas vorsichtig sein.

[...]


[1] Papst Benedikt XVI, Enzyklika „Deus Caritas Est“, S. 5

[2] Papst Benedikt XVI, Enzyklika „Deus Caritas Est“, S. 6

[3] Vgl. Die Bibel-Einheitsübersetzung, Das Evangelium nach Lukas, Herder, S. 1153

[4] Bull, Klaus- Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 33

[5] Vgl. Bull, Klaus-Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 31

[6] Vgl. Bull, Klaus- Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 35

7 Schürmann, Heinz, Das Lukasevangelium-Zweiter Teil, Freiburg-Basel-Wien 1993, S. 8f.

[8] Schürmann, Heinz, Das Lukasevangelium-Zweiter Teil, Freiburg-Basel-Wien 1993, S. 9

[9] Die Bibel- Einheitsübersetzung, Lk 10, 25, S. 1171

[10] Böhm, Martina, Samarien und die Samaritai bei Lukas, Tübingen 1999, S. 1

[11] Bull, Klaus-Michael, Bibelkunde des Neuen Testaments, S. 37

[12] Thomas Söding und Christian Münch, Kleine Methodenlehre zum Neuen Testament, Herder 2005, S.74

[13] Vgl. Böhm, Martina, Samarien und die Samaritai bei Lukas, S. 240

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640651467
ISBN (Buch)
9783640651566
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153101
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Katholisch-Theologisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Neutestamentliche Exegese

Autor

Zurück

Titel: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 25-37)