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Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 bis dato

Entstehung, Folgen, Lösungsansätze und vorbeugende Maßnahmen

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Immobilien- und Finanzkrise in den USA

2. Die Finanzmarktkrise wird eine globale Wirtschaftskrise.

3. Die verschiedenartigen Auswüchse der neuen Weltwirtschaftskris

4. Gegenmaßnahmen der betroffenen Staaten:am Beispiel Deutschlands und den USA

5. Lösungsansätze und vorbeugende Maßnahmen: u. a. die Weltfinanzgipfel der G 20-Staaten 2008 und 2009

Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

Mit dem finanziellen Ruin der einst so stolzen Investmentbank Lehman Brothers brach am 15. September 2008 die Wall Street zusammen, das Herz des globalen Kapitalismus, andere entkamen diesem Schicksal nur mit Mühe und Not. Beispielsweise suchte der größte Versich- erungskonzern der Welt AIG die rettende Unterstützung des amerikanischen Staates. Dieser Montag „ […] gilt seither als Wendepunkt der Geschichte, als der Tag, an dem der Kapitalis- mus in seine größte Krise seit acht Jahrzehnten gestürzt wurde.“[1] Seit dem Untergang des Sozialismus, vor zwei Jahrzehnten, infolgedessen das Sowjetreich und somit der Ostblock zusammenbrach, war der Kapitalismus nun die führende und siegreichste Gesellschaftsform im Kampf der Systeme. Die Marktwirtschaft lebte auf und triumphierte, denn diese Form des Wirtschaftens eroberte beinahe die ges. Welt und oftmals ging dies mit einer Demokratisie- rung der Länder einher. In Asien und den arabischen Staaten entwickelte sich der Kapitalis- mus hin zu einer autoritären Form ohne, dass das Volk mehr an Macht gewann. Viele Experten glaubten anfangs, dass dieses Modell widerstandsfähiger sei als der westliche Kapi- talismus, aber jetzt, während der schwersten globalen Wirtschaftskrise seit etwa 80 Jahren, zeigt sich, dass beide Kapitalismusformen, der westlich-liberale sowie der östlich-autoritäre, gleichschwer betroffen sind und mit den jeweiligen Folgen zu kämpfen haben[2]. Bekanntlich hat sich die Krise, die einst am amerikanischen Immobilienmarkt begann, bereits zu einem globalen Problem entwickelt, von dem alle Staaten der Welt mehr oder minder betroffen sind und in Anbetracht dessen macht die jüngste Weltwirtschaftskrise keinen Unterschied zwischen Industrie-, Schwellen- u. Entwicklungsländern. Vorwiegend die westlichen Indus- trieländer waren optimistisch, dass die Immobilen- u. Finanzkrise in den USA sie nicht sonderlich betreffen werde, da sie auf ihre stabilen Wirtschaft- u. Finanzsektoren vertrauten. „Die Krise schien in weiter Ferne: Sie galt, wie es Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Bundestag formulierte, als ein »amerikanisches Problem«.“[3] Das Problem wurde bagatellisiert und es fand unter der Bevölkerung zunächst kaum Beachtung, doch dann drängte an diesem historischen Montag die Krise mit aller Macht in die Fernsehnachrichten und beherrscht seitdem die Titelseiten der Tageszeitungen. Die Folgen haben längst alle Gesellschaftsklassen erreicht und die Menschen sehen nun mit eigenen Augen, dass auch sie davon betroffen sind. Mittlerweile hat eine Debatte der Ökonomen darüber begonnen, was denn getan werden muss, um solche Krisen zukünftig zu vermeiden.

Ziel dieser Studienarbeit soll es sein, die stufenweise Entwicklung der jüngsten globalen Finanz- u. Wirtschaftskrise und deren Auswirkung aufzuzeigen sowie die bisherigen Gegen- maßnahmen am Beispiel Deutschlands und den USA näher zu beleuchten. Die Lösungs- ansätze der bis dato abgehaltenen „Weltfinanzgipfel“ werden auch einen wichtigen Teil dieser Arbeit einnehmen.

1. Die Immobilien- und Finanzkrise in den USA

Seit dem finanziellen Niedergang von Lehman Brothers hält eine globale Krise die Welt in Atem und sie ist keine gewöhnliche Krise, denn es ist mehr als nur ein normaler Abschwung des Wirtschafts- u. Finanzsektors, der den Kapitalismus immer wieder in Krisen stürzte. „Was im Frühjahr 2007 am amerikanischen Immobilienmarkt begann, mit der Pleite von mehreren Millionen Hausbesitzern, hat sich geweitet: erst zu einer Krise am Kreditmarkt, dann zu einer Krise der Banken - und im Herbst 2008 zu einer zweiten Weltwirtschaftskrise.“[4]

Demnach hat die globale Finanzkrise ihren Ursprung im amerikanischen Hypothekenmarkt. Volkswirtschaftlich problematisch war, dass am US-Immobilienmarkt zu viele Hypotheken- kredite (Subprime-Kredite) an Schuldner zweitklassiger Bonität vergeben wurden, die sog. „faulen Kredite“. Seit 10 Jahren war der amerikanische Immobilienmarkt stabil und profitabel, denn man konnte infolge des „Häuserbooms“ hohe Renditen erzielen, was den deutschen Groß-, Landes- und Provinzialbanken sowie auch den anderweitigen Finanzinsti- tute weltweit sehr lukrativ erschien. Eine Menge von Banken überzeugten selbst die Kleinan- leger in den Hypothekenmarkt zu investieren, obwohl das Risiko den Banken bekannt gewe- sen sein müsste.

„Durch die schrittweise Erhöhung des Leitzinses ab 2004 von 1% auf 5,25% stieg das Hypothekenzinsniveau an, wodurch die Immobilienpreise stagnierten. Die Anpassung der variablen Hypothekenkredite führte zu einem unerwarteten Zahlungsschock, welcher nicht mehr durch den Anstieg des Häuserpreises finanziert werden konnte. Daraus folgte letzt- endlich eine Vielzahl von Zwangsversteigerungen der beliehenen Immobilien. Die stark gestiegene Ausfallrate der Subprime-Kredite führte zu einem Überangebot an Häusern am Immobilienmarkt, wodurch der Preisverfall der Immobilien ausgelöst worden ist. Folglich mussten zahlreiche amerikanische Immobilienbanken hohe Abschreibungen geltend machen und letztlich in die Insolvenz gehen.“[5] D. h. es investierten immer mehr Banken in den Immobilienmarkt und die „spekulative Blase“ wuchs weiter an, bis sie schließlich am 15.

September 2008 platzte. Darauf folgte der Zusammenbruch des Hypothekenmarktes, wobei alle Anleger, ob Banken oder Privatleute, auf einen Schlag ihr investiertes Kapital verloren. Nun spüren die Menschen weltweit eine Krise, für die sie nichts können, die weit weg begann, zunächst in den Vororten von Kalifornien und Ohio und die nun auch sie erreicht. Banken können nur noch mit staatlicher Hilfe überleben und in Hinsicht auf die Bundes- republik Deutschland ist das eigene Konto nur sicher dank einer beispiellosen Garantie, die die Kanzlerin und der Finanzminister gegeben hatten. Der Staat wird plötzlich wieder zum Garanten für Wohlstand und wirtschaftlicher Sicherheit, obwohl er lange als lästig galt, der die Wirtschaft einengte. Um die „Subprimekrise“ einzudämmen versuchten Regierungen und Notenbanken mit Hilfen von Hunderten Millionen Dollar und Euro dem Debakel am Immobilien- u. Finanzmarkt entgegenzuwirken, doch bislang haben alle Maßnahmen nicht das gewünschte Ergebnis erreicht, da auf jede Welle der Krise, kaum das sie verebbt war, eine neue Welle folgte[6]. Zusätzlich kann gesagt werden, dass unser über Jahrzehnte hinweg bewährtes "kapitalistisches" Geldsystem und die damit verbundene Zins/Zinseszins-Menta- lität die eigentlichen Ursachen der heutigen Finanzkrise sind und dass eine Bankenkrise (laut Expertenkreisen) längst überfällig war.

2. Die Finanzmarktkrise wird eine globale Wirtschaftskrise

Am Anfang waren sich alle Experten einig: Die Finanzmarktkrise bleibt vor allem eine Finanzmarktkrise und wird kaum Folgen für die reale Wirtschaft haben. Doch mittlerweile wachsen die Zweifel: Je länger die Krise dauert, umso größer werden die Auswirkungen auf Konjunktur, Beschäftigung und den Staatshaushalt. Die Internationale Arbeiterorganisation (ILO) schätzt, dass die Krise etwa 50 Millionen Jobs hinwegfegen könnte, denn die Finanzkrise ist schon längst von der Welt des Geldes auf die reale Wirtschaft übergesprungen und die Ökonomen rechnen mit der ersten Weltrezession seit dem Zweiten Weltkrieg sowie das sukzessive Schrumpfen des Welthandels[7].

Die jüngste Finanz- u. Wirtschaftskrise vollzieht sich etwa in der gleichen Form wie vor acht Jahrzehnten, zunächst gab es den „Börsencrash“ an der Wall Street am 24. Oktober 1929, einen Tag später der „Crash“ in Europa und erst eineinhalb Jahre nach dem „Schwarzen Donnerstag“ in New York wurde Deutschlands Wirtschaft voll von der Krise erfasst. „Noch am 25. Oktober 1929 versicherte der US-Präsident Herbert Hoover, die Wirtschaft des Landes sei gesund; fast die gleichen Worte waren im Herbst 2008 von George W. Bush zu hören, als Lehman Brothers kollabierte.“[8]

Die gegenwärtige Krise hat im Vergleich zu 1929-33 ein viel höheres Gefahrenpotenzial und sollte nicht bagatellisiert werden, denn das derzeitige Finanzsystem ist ungleich verworrener und die Instrumente, mit denen die Finanzinstitute handeln, sind wesentlich komplizierter als vor 80 Jahren. Die Entwicklung der momentanen Krise lässt sich wie folgt darstellen: zuerst war es eine amerikanische Immobilienkrise, die sich zu einer Finanzkrise ausweitete, ferner sprang sie dann auf die Realwirtschaft über und breitete sich als globale Finanz- u. Wirtschaftskrise rasant über die ganze Welt aus.

3. Die verschiedenartigen Auswüchse der neuen Weltwirtschaftskrise

Wie sehen die ungleichen Auswirkungen der globalen Finanz- u. Wirtschaftskrise aus? Die negativen Schlagzeilen sprechen teilweise vom Krisenjahr 2009, denn in ausnahmslos allen OECD[9]-Mitgliedstaaten werde in den kommenden Monaten die Arbeitslosigkeit kräftig ansteigen und erst Anfang 2011 ihren Höhepunkt erreichen, prognostizieren Wirtschaftswis- senschaftler. Die Bundesagentur für Arbeit gab zum Anfang der Krise bekannt, Unternehmen in Deutschland hätten von November 2008 bis Februar 2009 für 1,6 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Dies sei das 26-fache des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Ebenfalls geht der OECD-Bericht von einem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit 2009 aus, der sich auch 2010 fortsetzen werde. In immer kürzeren Zeitfolgen müssen die offiziellen Prognosen über den Wirtschaftseinbruch in Deutschland korrigiert werden. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat weitaus schlimmere Auswirkungen als bisher angenommen wurde. Auch eine rasante Staatsverschuldung sieht die OECD auf Deutschland zukommen. Das Staatsdefizit werde in diesem Jahr auf 4,5 Prozent und 2010 auf gar 6,8 Prozent ansteigen. Die Welthandelsorganisation WTO sagte einen Einbruch des Welthandels um neun Prozent voraus, das wäre der größte Rückgang seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 habe sich der Welthandel drastisch verlangsamt. Deutschland ist aufgrund seiner hohen Exportabhängigkeit von dieser Entwicklung am stärksten betroffen.

Der Deutsche Außenhandelsverband erwartet in diesem Jahr einen Rückgang der Exporte um bis zu 15 Prozent - fast doppelt so viel wie bisher geschätzt. Angesichts dieser Entwicklung verschlechtern sich die Lebensbedingungen großer Teile der Bevölkerung dramatisch.[10] Die Diskrepanz der Bevölkerung zwischen der gefühlten Krise und den dramatisch schlechten ökonomischen Daten wird schnell vorübergehen. „In ein paar Monaten wird die Krise am Arbeitsmarkt voll durchschlagen. Hunderttausende werden arbeitslos. Bis Ende 2010 könnte die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 1,5 Millionen wachsen. In vielen Privathaushalten, die auf die Krise jetzt noch erstaunlich gelassen reagieren, wird Verzweiflung herrschen.“[11] Die Folgen der internationalen Wirtschaftskrise bekommen durch die inzwischen verschärften Auflagen bei der Kreditvergabe nun fast alle deutschen Unternehmen zu spüren. Ein Jahr nach dem „Schwarzen Montag“ stellt sich vor allem eine drängende Frage: Wer soll die Zeche zahlen? Wer steht am Ende für die Kosten dieser Krise gerade? Für die Bundes- regierung ist die Antwort klar: Es müssen die zur Verantwortung gezogen werden, die den Schaden mit verursacht haben. Welche Maßnahmen hier ergriffen werden können, wird auch international diskutiert.[12]

Die bis jetzt unternommenen Gegenmaßnahmen der jeweiligen Staaten um die globale Finanz- u. Wirtschaftskrise einzudämmen und abzufedern, bergen ein großes Risiko in sich, denn die Staatsverschuldung wächst ins unermessliche, d.h. die Staaten gehen nach und nach Pleite. Das Handelsdefizit wächst und trifft vorwiegend die Entwicklungs- u. Schwellenländer besonders hart, da diese Staaten als einzige Einnahmequelle meist nur über ein Export- Produkt verfügen oder sehr stark von der Tourismus- u. Freizeitindustrie abhängig sind. Das gilt besonders für die afrikanischen Staaten. Die einzigen Einkommensquellen für die EL u. SL werden im Verlauf der Krise sukzessiv versiegen. Was für alle betroffenen Staaten momentan gleichsam gilt, ist die sehr hohe Belastung des Sozialsystems (falls eines existiert), was natürlich mit der steigenden Arbeitslosenproblematik einhergeht. In Anbetracht der globalen Ausdehnung der Krise haben beispielsweise die Länder in Lateinamerika keine Absatzmärkte mehr und somit sinkt deren BIP[13], der mit dem Export stark verbunden ist, d. h. vorwiegend betroffen sind die Auto-, Elektro- u. Baubranchen.

[...]


[1] Kapitalismus in der Krise, Hrsg. Beise, M./Schäfer, U., 2009, Vorwort, S. 8.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Schäfer, U., Sorglos am Abgrund, in: Kapitalismus in der Krise, 2009, S. 12ff.

[5] http://www.finanzkrise-2008.de/ (Zugriff: 28.09.09, 11.29Uhr)

[6] Schäfer, U., Sorglos am Abgrund, S. 14.

[7] Ebd. S. 13.

[8] Ebd. S. 14ff.

[9] Organization for Economic Cooperation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

[10] Weller, L., Dramatische Auswirkungen der Wirtschaftskrise, 2009. http://www.wsws.org/de/2009/apr2009/kris-a02.shtml

[11] Ebd.

[12] http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_54/sid_41F7076FC52E148BBD0B9C8734E2F149/DE/

Buergerinnen__und__Buerger/Gesellschaft__und__Zukunft/finanzkrise/090915__1Jahr__FK.html?__nnn=true

[13] Bruttoinlandsprodukt

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640649389
ISBN (Buch)
9783640649471
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153045
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Geographisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Weltwirtschaftkrise 2007 Wirtschaftskrise Finanzkrise global Subprimekrise US-Immobilienkrise Weltwirtschaftkrise

Autor

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